Myo-Inositol

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Weitere Stoffe

Vitamin B8 · Inosit · Myoinosit · Cyclohexanhexol

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 20 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Zuckeralkohol mit sechs Kohlenstoffatomen, der in jeder Körperzelle vorkommt und dort an der Signalweitergabe hinter Insulin- und Hormonrezeptoren beteiligt ist. Oft als Vitamin B8 bezeichnet, obwohl er kein Vitamin ist, denn der Körper stellt ihn aus Glukose selbst her
Herkunft
Enthalten in Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Zitrusfrüchten und Fleisch. Die übliche Aufnahme aus der Nahrung liegt bei rund 1 g täglich [5]. Als Nahrungsergänzung wird er aus Reiskleie gewonnen oder fermentativ hergestellt
Drei Formen, die nicht dasselbe sind
Myo-Inositol, D-Chiro-Inositol und die im Handel übliche Mischung im Verhältnis 40 zu 1 sind drei verschiedene Zubereitungen mit drei verschiedenen Studienlagen. Ein Ergebnis zur Mischung oder zu D-Chiro-Inositol trägt keine Aussage für Myo-Inositol allein, und in der einzigen Netzwerkauswertung, die beides gegeneinanderstellt, schnitt die Mischung bei der Regelblutung deutlich besser ab als Myo-Inositol allein [4]
Wirkform in Studien
Pulver in Beuteln oder Kapseln. In der Frauenheilkunde und in der Schwangerschaft fast immer zusammen mit Folsäure, meist 2 g Myo-Inositol plus 200 Mikrogramm Folsäure zweimal täglich, wobei der Vergleichsarm dieselbe Folsäuremenge ohne Myo-Inositol erhält [1] [2] [3]
Übliche Studiendosis
2 bis 4 g täglich über 4 Wochen bis zur gesamten Schwangerschaft in den Frauenheilkunde- und Schwangerschaftsstudien [1] [2] [3]. In den psychiatrischen Studien dagegen 12 bis 18 g täglich über 4 bis 6 Wochen, also das Vier- bis Neunfache [5] [7]
Bekannt geworden durch
Arbeiten einer italienischen Forschungsgruppe aus Messina zur Schwangerschaft und einer israelischen Arbeitsgruppe zur Stimmung. Vier der sieben Schwangerschaftsstudien in der Cochrane-Übersicht stammen aus dieser einen Gruppe, drei davon tragen sogar dieselbe Registriernummer [2]
Verträglichkeit
Bei Erwachsenen in den geprüften Mengen gut vertragen. In der bislang größten Schwangerschaftsstudie meldeten 6,9 Prozent der Myo-Inositol-Gruppe und 9,1 Prozent der Placebogruppe eine mögliche Nebenwirkung [3]. Im direkten Vergleich mit Metformin traten Magen-Darm-Beschwerden seltener auf [1]. Zur Sicherheit bei sehr früh geborenen Kindern siehe den Abschnitt Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Nüchtern-Insulin im Serum und HOMA-IR bei Frauen mit seltener Regelblutung, erhöhten Androgenwerten oder auffälligem Eierstock-Ultraschall

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei kleinen Studien mit zusammen 70 Frauen lagen Nüchtern-Insulin und HOMA-IR unter Myo-Inositol plus Folsäure niedriger als unter Folsäure allein. Die Übersichtsarbeit selbst stuft die Sicherheit dieser Aussage als sehr niedrig ein.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Meta-Analyse, die für die Aktualisierung der internationalen Leitlinie 2023 erstellt wurde, wertete 30 randomisierte Studien mit 2230 Frauen aus [1]. Für den Vergleich Myo-Inositol plus Folsäure gegen Folsäure allein lagen 8 Studien mit 432 Teilnehmenden im Interventionsarm und 457 im Kontrollarm vor, mit 2 bis 4 g Myo-Inositol täglich über 4 bis 12 Wochen [1]. Zum Nüchtern-Insulin trugen davon nur 2 Studien mit je 35 Frauen bei, mittlere Differenz minus 4,17 Mikroeinheiten je Milliliter bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 5,14 bis minus 3,20 [1]. Zum HOMA-IR trugen dieselben 2 Studien mit denselben 70 Frauen bei, mittlere Differenz minus 1,24 bei einem Intervall von minus 1,50 bis minus 0,99 [1]. Das sind deshalb nicht zwei Belege, sondern einer, denn HOMA-IR wird aus dem Nüchtern-Insulin mitberechnet. Beide Aussagen tragen die GRADE-Stufe sehr niedrig, abgewertet einmal wegen Verzerrungsrisiko und zweimal wegen sehr großer Ungenauigkeit bei 70 Teilnehmenden [1]. Folsäure erhielten beide Arme, der Unterschied zwischen den Gruppen ist also allein das Myo-Inositol [1]. Von den 30 Studien der Übersicht waren nur 3 placebokontrolliert, und Myo-Inositol allein gegen ein echtes Placebo wurde in genau einer Studie mit 26 Frauen geprüft, die die Übersicht mit hohem Verzerrungsrisiko und sehr niedriger Sicherheit bewertet [1]. Die Übersicht wurde von einer Leitliniengruppe ohne Herstellerbeteiligung erstellt, das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist leer, die Autorenliste umfasst 20 Personen aus akademischen Einrichtungen in sechs Ländern [1]. Geprüft wurde Myo-Inositol als Pulver oder Kapsel, nicht die Handelsmischung mit D-Chiro-Inositol.

    Quellen: 1

  2. 02

    Nüchtern-Blutzucker bei denselben Frauen, ohne Unterschied zu Folsäure allein

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Beim Nüchtern-Blutzucker fand dieselbe Auswertung keinen Unterschied zwischen Myo-Inositol plus Folsäure und Folsäure allein. Ein brauchbares Effektmaß lässt sich der Arbeit an dieser Stelle nicht entnehmen.

    Ausführlicher Nachweis

    Der Fließtext der Übersicht hält fest, dass es beim Nüchtern-Blutzucker keinen Unterschied zwischen den Gruppen gab, gestützt auf 2 Studien [1]. Die zugehörige GRADE-Tabelle nennt eine mittlere Differenz von minus 6,14 bei einem Intervall von minus 14,52 bis 2,24 und 32 gegen 32 Teilnehmende. Genau dieselbe Zeile mit denselben Zahlen und derselben Teilnehmerzahl steht auch in der GRADE-Tabelle des völlig anderen Vergleichs D-Chiro-Inositol gegen Placebo, der andere Studien einschließt [1]. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Übertragungsfehler in der Veröffentlichung, deshalb wird die Zahl hier nicht als Wert für Myo-Inositol verwendet. Ohne verwertbares Effektmaß mit Intervall lässt sich nicht beziffern, wie groß ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte. Beide Arme erhielten Folsäure [1].

    Quellen: 1

  3. 03

    Gesamttestosteron und Androstendion im Serum, ohne Unterschied zu Folsäure allein

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In drei Studien mit zusammen 112 Frauen unterschieden sich Testosteron und Androstendion nicht belegt von der Vergleichsgruppe. Rechnet die Übersicht dieselben Daten anders, kehrt sich das Bild um, was zeigt, wie wenig die Datenlage trägt.

    Ausführlicher Nachweis

    Zum Gesamttestosteron trugen 3 Studien mit 58 Frauen im Interventionsarm und 54 im Kontrollarm bei, die mittlere Differenz lag bei minus 25,23 mit einem Intervall von minus 78,55 bis 28,08, das den Gleichstand deutlich einschließt, p gleich 0,35 [1]. Zum Androstendion trugen dieselben 3 Studien mit denselben 112 Frauen bei, mittlere Differenz minus 50,52 bei einem Intervall von minus 106,85 bis 5,81, p gleich 0,08 [1]. Beide Aussagen tragen die GRADE-Stufe sehr niedrig [1]. In der ergänzenden Auswertung mit standardisierten Mittelwertdifferenzen, die die Übersicht wegen unterschiedlicher Laborverfahren zusätzlich gerechnet hat, war Myo-Inositol plus Folsäure bei beiden Werten der Folsäure überlegen [1]. Zwei Rechenwege an denselben Daten führen also zu zwei verschiedenen Antworten, und die Übersicht berichtet beide. Deshalb steht hier hinweise und nicht nicht bestätigt, obwohl ein Intervall vorliegt. Die drei Studien wertete die Übersicht mit sehr hohem Verzerrungsrisiko, eine davon ist in den meisten Bewertungsbereichen unklar [1].

    Quellen: 1

  4. 04

    Ultraschallbestätigte Schwangerschaft nach Kinderwunschbehandlung, ohne Unterschied zu Folsäure allein

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In fünf Studien mit 747 Frauen kam es unter Myo-Inositol plus Folsäure nicht belegt häufiger zu einer bestätigten Schwangerschaft als unter Folsäure allein. Das Intervall lässt einen deutlichen Vorteil weiterhin offen.

    Ausführlicher Nachweis

    Sechs der acht Studien dieses Vergleichs schlossen Frauen ein, die eine Kinderwunschbehandlung begannen, mit Letrozol, Gonadotropin, künstlicher Befruchtung oder intrazytoplasmatischer Spermieninjektion als gemeinsamer Begleittherapie in beiden Armen [1]. Zur ultraschallbestätigten Schwangerschaft trugen 5 Studien mit 357 Frauen im Interventionsarm und 390 im Kontrollarm bei, Chancenverhältnis 1,24 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,90 bis 1,73, p gleich 0,18, GRADE-Stufe niedrig [1]. Zur allein über das Schwangerschaftshormon hCG festgestellten Schwangerschaft trugen 3 Studien mit je 80 Frauen bei, Chancenverhältnis 1,60 bei einem Intervall von 0,84 bis 3,05, p gleich 0,16, ebenfalls niedrige Sicherheit [1]. Die Zeile steht auf hinweise und nicht auf nicht bestätigt, weil das obere Ende des Intervalls mit einem Chancenverhältnis von 1,73 einen bedeutsamen Vorteil weiterhin zulässt und die Übersicht die Aussage wegen sehr hohen Verzerrungsrisikos in 5 von 5 beitragenden Studien um zwei Stufen abgewertet hat [1]. Im direkten Vergleich mit Metformin fanden 4 Studien mit 420 Frauen ebenfalls keinen Unterschied bei der klinischen Schwangerschaftsrate [1]. Lebendgeburten wurden in keiner dieser Auswertungen zusammengefasst.

    Quellen: 1

  5. 05

    Zahl der Frauen mit regelmäßiger Regelblutung, im direkten Vergleich mit einem verschreibungspflichtigen Wirkstoff

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Gegenüber Metformin sprechen zwei Studien mit geringem Verzerrungsrisiko für Myo-Inositol, die Hauptauswertung über drei Studien findet dagegen keinen Unterschied. Beide Zahlen stammen aus derselben Übersicht.

    Ausführlicher Nachweis

    Verglichen wurde Myo-Inositol mit Metformin in 10 Studien mit 353 Frauen im Interventionsarm und 356 im Kontrollarm, 1 bis 4 g Myo-Inositol gegen 1000 bis 2000 mg Metformin über 3 bis 6 Monate [1]. In der Hauptauswertung zur Wiederaufnahme regelmäßiger Zyklen aus 3 Studien unterschieden sich die Gruppen nicht, ebenso wenig bei der Eisprungrate aus 2 Studien [1]. In der Sensitivitätsanalyse, die nur die 2 Studien mit geringem Verzerrungsrisiko einschließt, lag Myo-Inositol vorn, Chancenverhältnis 2,84 bei einem Intervall von 1,26 bis 6,37 und einer Streuung zwischen den Studien von 42 Prozent [1]. Dieselbe Sensitivitätsanalyse ergab beim Nüchtern-Insulin das umgekehrte Bild und sprach für Metformin, mittlere Differenz 1,73 bei einem Intervall von 0,76 bis 2,71 [1]. Ein Vergleich mit Metformin ist kein Placebovergleich, aus einem fehlenden Unterschied zu einem Arzneimittel folgt keine eigene Wirkung. Für die im Handel übliche Mischung sieht das Bild anders aus und ist nicht übertragbar. Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus 22 Studien mit 1079 Frauen fand für die Mischung aus Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol gegenüber Myo-Inositol allein ein Chancenverhältnis von 21,92 bei einem Intervall von 2,99 bis 160,44 in der paarweisen und 16,51 bei einem Intervall von 2,56 bis 106,64 in der Netzwerkauswertung, jeweils zugunsten der Mischung [4]. Myo-Inositol allein war dort mit 4 Studien und 110 Frauen vertreten, die Mischung mit einer einzigen Studie und 32 Frauen, was die Intervallbreite bis 160 erklärt [4]. Die viel zitierte Mischung im Verhältnis 40 zu 1 geht auf eine Arbeit mit 56 Frauen zurück, also 8 je Verhältnisgruppe, über 3 Monate mit zweimal 2 g täglich [13]. Zur Überschneidung. Die Leitlinien-Übersicht [1] und die Netzwerk-Auswertung [4] sind zwei Auswertungen desselben Feldes und teilen sich mehrere Primärstudien, unter anderem die beiden iranischen Vergleiche von Myo-Inositol mit Metformin. Sie sind deshalb kein doppelter Beleg, sondern eine größere und eine kleinere Auswertung derselben kleinen Studienlage. Die Netzwerk-Auswertung nennt für Myo-Inositol allein 4 Studien mit 110 Frauen, die Leitlinien-Übersicht für denselben Vergleich 10 Studien mit 709 Frauen [1] [4].

    Quellen: 1, 4, 13

  6. 06

    Körperbehaarung nach dem Ferriman-Gallwey-Punktwert und Taille-Hüft-Verhältnis, im direkten Vergleich schlechter als unter einem verschreibungspflichtigen Wirkstoff, bei den übrigen Werten ohne Unterschied

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei der Körperbehaarung und beim Taille-Hüft-Verhältnis schnitt Metformin in der Leitlinien-Übersicht besser ab als Myo-Inositol. Beide Aussagen stützen sich auf je zwei kleine Studien.

    Ausführlicher Nachweis

    In der Meta-Analyse aus 2 Studien lag der Ferriman-Gallwey-Punktwert unter Metformin um 2,42 Punkte günstiger als unter Myo-Inositol, Intervall 1,52 bis 3,44 [1]. Beim Taille-Hüft-Verhältnis betrug der Unterschied 0,04 zugunsten von Metformin, Intervall 0,01 bis 0,06, aus 2 Studien [1]. Beim Sexualhormon-bindenden Globulin lag umgekehrt Myo-Inositol vorn, mittlere Differenz 3,85 bei einem Intervall von 0,50 bis 7,19 aus 2 Studien, dieser Unterschied verschwand jedoch, sobald die Übersicht denselben Endpunkt als standardisierte Mittelwertdifferenz rechnete [1]. Bei Gesamttestosteron aus 4 Studien, Nüchtern-Blutzucker aus 4 Studien, Nüchtern-Insulin aus 5 Studien, HOMA-IR aus 5 Studien, Blutfetten, Gewicht, BMI und Taillenumfang fand die Übersicht keine Unterschiede zwischen den beiden Mitteln [1]. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, Metformin sei Myo-Inositol bei diesen beiden Größen überlegen und bleibe erste Wahl, Myo-Inositol komme als Ausweichmöglichkeit für Frauen in Betracht, die Metformin nicht vertragen [1]. Die Studiendosis lag bei 1 bis 4 g Myo-Inositol täglich über 3 bis 6 Monate [1].

    Quellen: 1

  7. 07

    Magen-Darm-Beschwerden, im direkten Vergleich seltener als unter einem verschreibungspflichtigen Wirkstoff, in der Auswertung der beiden methodisch besten Studien ohne Unterschied

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Über sechs Studien traten Magen-Darm-Beschwerden unter Myo-Inositol seltener auf als unter Metformin. In der Auswertung der zwei methodisch besten Studien war dieser Unterschied verschwunden.

    Ausführlicher Nachweis

    In der Meta-Analyse aus 6 Studien lag das Chancenverhältnis für Magen-Darm-Ereignisse bei 0,09 mit einem Intervall von 0,02 bis 0,37 zugunsten von Myo-Inositol, bei einer Streuung zwischen den Studien von 69 Prozent [1]. Die Übersicht gibt dieser Aussage mittlere Sicherheit, weist aber selbst darauf hin, dass 23 von 29 Studien überhaupt keine Nebenwirkungen berichtet haben und dass die Beschwerden unter Metformin in aller Regel mild und selbstbegrenzend sind [1]. In der Sensitivitätsanalyse, die nur die 2 Studien mit geringem Verzerrungsrisiko einschließt, bestand kein Unterschied mehr zwischen den Gruppen [1]. Der Befund sagt etwas über Metformin und nichts über einen eigenen Nutzen von Myo-Inositol. Er stützt sich zudem auf ein Nebenergebnis von Studien, die für andere Fragen ausgelegt waren.

    Quellen: 1

  8. 08

    Blutzuckerwerte im oralen Glukosetoleranztest der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche, bei Schwangeren mit Übergewicht oder mit Zuckerkrankheit bei einem Elternteil oder Geschwister

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der Cochrane-Übersicht lagen Nüchtern- und Ein-Stunden-Wert im Zuckertest der Schwangerschaft unter Myo-Inositol niedriger als unter Folsäure allein, der Zwei-Stunden-Wert nicht. Die Übersicht gibt dem Befund selbst nur sehr niedrige Sicherheit.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2023 schließt 7 randomisierte Studien mit 1319 Frauen ein, die bei Studienbeginn in der 10. bis 24. Schwangerschaftswoche waren, 6 Studien aus Italien und 1 aus Irland, nahezu ausschließlich weiße Teilnehmerinnen [2]. Die übliche Zubereitung war 4 g Myo-Inositol plus 400 Mikrogramm Folsäure täglich, aufgeteilt auf zwei Gaben, gegen 400 Mikrogramm Folsäure allein [2]. Aus 5 Studien mit 1071 Frauen ergaben sich für den Zuckertest ein Nüchtern-Wert von minus 0,14 mmol je Liter bei einem Intervall von minus 0,21 bis minus 0,07, ein Ein-Stunden-Wert von minus 0,34 mmol je Liter bei einem Intervall von minus 0,55 bis minus 0,14 und ein Zwei-Stunden-Wert von minus 0,38 mmol je Liter bei einem Intervall von minus 0,77 bis 0,01, das den Gleichstand berührt [2]. Für das Überschreiten der Grenzwerte des Tests nach den IADPSG-Kriterien nennt die Übersicht ein Risikoverhältnis von 0,53 bei einem Intervall von 0,31 bis 0,90 aus 6 Studien mit 1140 Frauen, ausdrücklich mit sehr niedriger Sicherheit und einer Streuung zwischen den Studien von 71 Prozent [2]. Die Abwertung erfolgte wegen Verzerrungsrisiko, wegen Uneinheitlichkeit und wegen fehlender Übertragbarkeit, da nur eine Studie außerhalb Italiens durchgeführt wurde [2]. Entscheidend für die Einordnung ist die Überschneidung. Vier der sieben Studien stammen aus einer einzigen Arbeitsgruppe in Messina, und drei davon tragen dieselbe Registriernummer NCT01047982 [2]. Von den übrigen prüfte eine eine Mischung aus 1100 mg Myo-Inositol und 27,6 mg D-Chiro-Inositol und erhielt das Präparat kostenlos vom Hersteller Lo.Li. Pharma, eine weitere prüfte 2 g Myo-Inositol zusammen mit 400 mg D-Chiro-Inositol und Mangan [2]. Zwei der sechs Studien zum Grenzwert-Endpunkt sprechen also gar nicht über Myo-Inositol allein. Alle sieben Studien erklärten keine finanziellen Interessenkonflikte, zwei erhielten keinerlei Förderung und die Teilnehmerinnen kauften das Präparat selbst [2]. Die Studien waren offen, nicht verblindet, was die Übersicht als hohes Risiko für Durchführungsverzerrung bewertet [2].

    Quellen: 2

  9. 09

    Erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft, mit und ohne Eiweiß im Urin

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Fünf Studien der Cochrane-Übersicht zählten unter Myo-Inositol seltener erhöhte Blutdruckwerte in der Schwangerschaft. Die größte und einzige verblindete Studie dazu fand später keinen belegten Unterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    In der Cochrane-Übersicht ergaben 5 Studien mit 1052 Frauen ein Risikoverhältnis von 0,34 bei einem Intervall von 0,19 bis 0,61, umgerechnet 29 statt 86 Ereignisse je 1000 Frauen, bei niedriger Sicherheit der Aussage [2]. Alle beitragenden Studien waren unverblindet, zwei davon zusätzlich mit hohem Risiko bei der Erhebung des Endpunkts, und vier der fünf stammen aus derselben italienischen Arbeitsgruppe [2]. In der später erschienenen verblindeten und placebokontrollierten Studie an 452 ausgewerteten Schwangeren lag das Risikoverhältnis für erhöhten Blutdruck zusammen mit Eiweiß im Urin bei 0,46 mit einem Intervall von 0,16 bis 1,32, das den Gleichstand einschließt, 5 gegen 11 Ereignisse [3]. Beide Auswertungen zeigen in dieselbe Richtung, die zweite ist aber nicht mehr belegt, und die Populationen sind verschieden, weshalb hier keine Widersprüchlichkeit vorliegt, sondern eine schwächer werdende Datenlage. Die Zeile steht auf hinweise, weil die einzige verblindete Prüfung dieses Endpunkts das Ergebnis nicht bestätigen konnte und die Cochrane-Aussage selbst nur niedrige Sicherheit trägt.

    Quellen: 2, 3

  10. 10

    Erhöhter Blutzucker im Glukosetoleranztest, Bluthochdruck mit Eiweiß im Urin und Geburt vor der 37. Woche zusammengefasst, bei Schwangeren mit seltener Regelblutung, erhöhten Androgenwerten oder auffälligem Eierstock-Ultraschall, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In der bislang größten und einzigen verblindeten Studie dieser Art an 452 ausgewerteten Schwangeren traten diese drei Ereignisse unter Myo-Inositol genauso häufig auf wie unter Placebo. Die Autorinnen und Autoren halten es für unwahrscheinlich, dass dabei ein bedeutsamer Nutzen übersehen wurde.

    Ausführlicher Nachweis

    Die MYPP-Studie randomisierte 464 Schwangere an 13 niederländischen Kliniken zwischen der 8. und 16. Schwangerschaftswoche, 230 auf zweimal täglich 2 g Myo-Inositol plus 0,2 mg Folsäure und 234 auf ein gleich aussehendes Placebo plus 0,2 mg Folsäure, jeweils bis zur Geburt [3]. Ausgewertet wurden 452 Teilnehmende nach dem Behandlungsvorsatz [3]. Der zuvor festgelegte Hauptendpunkt trat bei 56 von 224 Personen (25,0 Prozent) unter Myo-Inositol und bei 61 von 228 (26,8 Prozent) unter Placebo ein, Risikoverhältnis 0,93 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,68 bis 1,28, p gleich 0,67 [3]. Die drei Einzelbestandteile fielen ebenfalls ohne belegten Unterschied aus, erhöhter Blutzucker im Zuckertest 1,07 (0,71 bis 1,63), Bluthochdruck mit Eiweiß im Urin 0,46 (0,16 bis 1,32) und Geburt vor der 37. Woche 0,82 (0,44 bis 1,51) [3]. Der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c blieb in beiden Gruppen unverändert [3]. Die Fallzahl war auf 80 Prozent Aussagekraft für eine relative Senkung um 35 Prozent ausgelegt, die tatsächliche Ereignisrate lag mit 25,9 statt der erwarteten 33 Prozent niedriger, und die Autorinnen und Autoren halten nach eigener Nachrechnung fest, es sei angesichts des sehr kleinen absoluten Unterschieds unwahrscheinlich, dass ein bedeutsam großer Nutzen wegen zu geringer Aussagekraft übersehen wurde [3]. Genau deshalb trägt diese Zeile die Stufe nicht bestätigt und nicht nur hinweise. Zwei Einschränkungen bleiben. Der Anteil von Frauen mit erhöhten Androgenwerten im Blut war zu Beginn zufällig ungleich verteilt, 29,0 Prozent gegen 18,5 Prozent, ein Untergruppeneffekt zeigte sich jedoch nicht [3]. Und die Einnahmetreue war mäßig, mindestens 80 Prozent der Beutel nahmen nur 38,9 Prozent der Myo-Inositol-Gruppe und 30,7 Prozent der Placebogruppe [3]. Finanziert wurde die Studie vom niederländischen Forschungsförderer ZonMw, die Präparate wurden bei Gynov SAS gekauft, das Unternehmen hatte nach Angabe der Autorinnen und Autoren keine Rolle bei Finanzierung, Planung, Durchführung, Auswertung oder Manuskript [3]. Mehrere Autorinnen und Autoren geben Zuwendungen von Arzneimittelherstellern außerhalb dieser Arbeit an [3]. Der Vergleichsarm erhielt dieselbe Folsäuremenge, der Unterschied zwischen den Gruppen ist allein das Myo-Inositol [3].

    Quellen: 3

  11. 11

    Kaiserschnittrate und Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, ohne Unterschied zu Placebo oder Folsäure allein

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Weder die Cochrane-Übersicht noch die verblindete Einzelstudie fanden bei der Kaiserschnittrate einen Unterschied, bei der Gewichtszunahme ebenfalls nicht. Die Sicherheit dieser Aussagen ist niedrig bis sehr niedrig.

    Ausführlicher Nachweis

    In der Cochrane-Übersicht lag das Risikoverhältnis für einen Kaiserschnitt bei 0,91 mit einem Intervall von 0,77 bis 1,07 aus 4 Studien mit 829 Frauen, bei niedriger Sicherheit [2]. Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft unterschied sich um minus 0,25 kg bei einem Intervall von minus 1,26 bis plus 0,76 aus 4 Studien mit 831 Frauen, mit einer Streuung zwischen den Studien von 81 Prozent und sehr niedriger Sicherheit [2]. In der verblindeten Studie lag die Kaiserschnittrate insgesamt bei einem Risikoverhältnis von 0,98 mit einem Intervall von 0,66 bis 1,43 [3]. Auffällig ist dort allein die Zahl der von vornherein geplanten Kaiserschnitte, 13 gegen 26 Eingriffe, Risikoverhältnis 0,51 bei einem Intervall von 0,27 bis 0,97 und p gleich 0,04, ein Nebenergebnis unter vielen, das die Autorinnen und Autoren selbst als möglicherweise zufällig einordnen und das ohne Unterschied bei der Gesamtrate schwer zu deuten ist [3]. Die Zeile steht auf hinweise und nicht auf nicht bestätigt, weil es sich in beiden Arbeiten um Nebenendpunkte handelt und die Sicherheit der Cochrane-Aussagen niedrig bis sehr niedrig ist.

    Quellen: 2, 3

  12. 12

    Niedriger Blutzucker beim Neugeborenen, in der Zusammenfassung häufiger statt seltener

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In vier Studien der Cochrane-Übersicht trat ein niedriger Blutzucker beim Neugeborenen unter Myo-Inositol dreimal so häufig auf wie in der Vergleichsgruppe, allerdings bei sehr wenigen Ereignissen und ohne belegten Unterschied. Der Befund gehört zur Sicherheitsseite und nicht zur Nutzenseite.

    Ausführlicher Nachweis

    Aus 4 Studien mit 671 Neugeborenen ergab sich ein Risikoverhältnis von 3,07 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,90 bis 10,52, in absoluten Zahlen 27 statt 9 Ereignisse je 1000 Neugeborene, mit sehr niedriger Sicherheit der Aussage [2]. Das Intervall reicht von einer leichten Abnahme bis zu einer Verzehnfachung, ein Schluss in die eine oder andere Richtung ist daraus nicht zu ziehen. Wichtig ist die Richtung selbst, denn sie zeigt nach oben und damit auf ein mögliches Schadenssignal, nicht auf einen Nutzen. Zum Geburtsgewicht über dem für das Schwangerschaftsalter erwarteten Wert nennt die Übersicht ein Risikoverhältnis von 1,40 bei einem Intervall von 0,65 bis 3,02 aus einer einzigen Studie mit 234 Kindern, ebenfalls in die ungünstige Richtung weisend, bei niedriger Sicherheit [2]. Zur Sterblichkeit rund um die Geburt und zu einem zusammengefassten Endpunkt schwerer Ereignisse bei Neugeborenen berichtete keine der sieben Studien Daten [2]. In der verblindeten Studie mit 452 ausgewerteten Schwangeren unterschieden sich die Ergebnisse bei den Neugeborenen nicht zwischen den Gruppen [3].

    Quellen: 2, 3

  13. 13

    Punktwert auf der Hamilton-Depressionsskala bei Erwachsenen unter 12 g täglich, überwiegend zusätzlich zu einer laufenden Behandlung mit Stimmungsmitteln, ohne Unterschied zu Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Vier kleine Studien mit zusammen 141 Erwachsenen fanden keinen belegten Unterschied zum Placebo. Die Übersichtsautoren schreiben ausdrücklich, es bleibe unklar, ob ein Nutzen besteht oder nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2004 fand 4 randomisierte, doppelblinde Studien mit insgesamt 141 zugeteilten Erwachsenen, alle mit 12 g Inositol täglich gegen ein Traubenzucker-Placebo, drei über 4 Wochen und eine über 6 Wochen [5]. Drei der vier stammen aus einer einzigen israelischen Arbeitsgruppe [5]. In drei Studien wurde Inositol zusätzlich zu einer laufenden Behandlung mit Antidepressiva oder Stimmungsstabilisierern gegeben, nur in einer als alleiniges Mittel [5]. Die zusammengefasste standardisierte Mittelwertdifferenz betrug minus 0,08 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 0,45 bis 0,30, ohne bedeutsame Streuung zwischen den Studien [5]. Die einzelnen Werte lagen bei minus 7,30 (minus 14,73 bis 0,13) in der Studie mit Inositol als alleinigem Mittel, 1,80 (minus 7,32 bis 10,92), 1,90 (minus 4,55 bis 8,35) und minus 0,20 (minus 5,90 bis 5,50) [5]. Keine der Studien wertete alle zugeteilten Teilnehmenden aus, sondern nur die, die mindestens eine bis vier Wochen durchhielten [5]. Die Übersicht kommt zu dem Schluss, das Ergebnis sei mit einem Nutzen ebenso vereinbar wie mit dessen Fehlen, und es bleibe derzeit unklar, ob Inositol hier von Nutzen sei [5]. Wo die Autorinnen und Autoren selbst kein Urteil fällen, wird hier auch keines gefällt, deshalb hinweise und nicht nicht bestätigt, obwohl ein Effektmaß mit Intervall vorliegt. Eine spätere Meta-Analyse über 7 Studien mit 242 Personen zu Depression bestätigt das Bild ohne statistisch bedeutsamen Effekt, nennt für die Zahl der Ansprechenden aber einen Trend mit p gleich 0,06 und für Frauen mit ausgeprägten Beschwerden vor der Regelblutung einen Trend mit p gleich 0,07 [6]. Deren Volltext lag uns nicht vor, die Zusammenfassung nennt keine Intervalle, weshalb sie hier keine harte Stufe trägt. Die geprüfte Menge von 12 g täglich liegt beim Vier- bis Sechsfachen dessen, was in den Frauenheilkunde- und Schwangerschaftsstudien eingesetzt wurde [1] [2], die beiden letztgenannten Quellen stehen hier nur für diesen Mengenvergleich und tragen zur Stimmungsfrage nichts bei. Zur Überschneidung. Die Cochrane-Übersicht [5] und die spätere Meta-Analyse [6] sind keine zwei unabhängigen Bestände. Die 4 Studien der Cochrane-Übersicht stecken in den 7 Studien der späteren Arbeit mit drin, die zusätzlich Untersuchungen zu bipolarer Verstimmung und zu Beschwerden vor der Regelblutung aufnimmt. Es handelt sich um eine kleinere und eine größere Auswertung derselben wenigen Studien, überwiegend aus derselben Arbeitsgruppe.

    Quellen: 5, 6, 1, 2

  14. 14

    Zahl der Angstanfälle je Woche unter 18 g täglich, geprüft gegen einen verschreibungspflichtigen Wirkstoff statt gegen Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Studie mit 20 abgeschlossenen Teilnehmenden nahm die Zahl der Anfälle unter Inositol im ersten Monat stärker ab als unter einem Antidepressivum. Ein Placeboarm fehlte, damit lässt sich der Verlauf über die Zeit nicht vom Mittel trennen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer doppelblinden Überkreuzstudie durchliefen 20 Personen je einen Monat mit bis zu 18 g Inositol täglich und einen Monat mit bis zu 150 mg Fluvoxamin täglich [7]. Im ersten Monat sank die Zahl der Angstanfälle je Woche unter Inositol um 4,0 (Standardabweichung 2) und unter Fluvoxamin um 2,4 (Standardabweichung 2), p gleich 0,049 [7]. Die Werte auf der Hamilton-Angstskala, bei der Platzangst und beim klinischen Gesamteindruck waren in beiden Armen ähnlich [7]. Übelkeit und Müdigkeit traten unter Fluvoxamin häufiger auf, p gleich 0,02 und p gleich 0,01 [7]. Der entscheidende Punkt ist das fehlende Placebo. Verglichen wurden zwei aktive Mittel, und weil Angstanfälle über die Zeit auch ohne Behandlung schwanken, lässt sich aus dem Unterschied zwischen zwei Mitteln kein eigener Effekt gegenüber Nichtstun ableiten. Hinzu kommen 20 Auswertbare und eine Menge von 18 g täglich, dem Neunfachen der üblichen Nahrungsergänzungsmenge. Eine Meta-Analyse über 4 randomisierte, placebokontrollierte Studien zu Angststörungen mit zusammen 70 Personen fand keinen statistisch bedeutsamen Effekt auf Angstsymptome, nennt in der Zusammenfassung aber keine Intervalle [6]. Das Interessenkonflikt-Feld beider Arbeiten ist bei PubMed leer, der Volltext lag uns für keine der beiden vor, weshalb Affiliation, Interessenerklärung und Förderhinweis hier nicht vollständig geprüft werden konnten.

    Quellen: 7, 6

  15. 15

    Punktwerte auf Stimmungs- und Angstfragebögen von der Empfängnis bis nach der Geburt, unter einer Kombination mit Probiotika und Mikronährstoffen, ohne Unterschied

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer großen Studie mit einer Kombination aus Myo-Inositol, Probiotika und Mikronährstoffen unterschieden sich Stimmungs- und Angstwerte nicht vom Vergleichspräparat. Die Kombination trägt keine Aussage für Myo-Inositol allein.

    Ausführlicher Nachweis

    Die NiPPeR-Studie gab Frauen mit Kinderwunsch vor der Empfängnis und während der gesamten Schwangerschaft eine Zubereitung aus Myo-Inositol, Probiotika und angereicherten Mikronährstoffen oder ein herkömmliches Mikronährstoffpräparat [8]. Werte auf der Edinburgh-Skala für Stimmung nach der Geburt und auf dem State-Trait-Angstinventar wurden vor der Empfängnis, in der 7., 28. und 34. Schwangerschaftswoche sowie 3 Wochen und 6 Monate nach der Geburt erhoben [8]. Nach Anpassung für Studienort, ethnische Zugehörigkeit und Ausgangswerte fanden sich keine belastbaren Unterschiede zwischen den Gruppen, weder während der Schwangerschaft bei 630 Frauen noch nach der Geburt bei 532 [8]. Allein beim seelischen Anteil des Kurzfragebogens SF-12v2 lag die Veränderung von vor der Empfängnis bis 6 Monate nach der Geburt in der Interventionsgruppe um 1,21 Punkte höher, Intervall 0,04 bis 2,39, was das untere Ende knapp über dem Gleichstand hält [8]. Die entscheidende Einschränkung ist die Zubereitung. Geprüft wurde ein Kombinationspräparat, in dem Myo-Inositol nur ein Bestandteil neben Probiotika und mehreren Mikronährstoffen ist, und der Vergleichsarm erhielt ebenfalls Mikronährstoffe. Ein Ergebnis dieser Bauart trägt keine Aussage über Myo-Inositol allein, weder in die eine noch in die andere Richtung. Zur Interessenlage steht im Volltext-Feld der Veröffentlichung, dass fünf der Autorinnen und Autoren Fördermittel von Nestlé während der Studie erhielten und mehrere als Miterfinder auf Patentanmeldungen des Unternehmens zur geprüften Zubereitung oder ihren Bestandteilen geführt werden [8]. Die Stimmungs- und Angstwerte waren zudem Nebenendpunkte, nicht der Hauptendpunkt der Studie [8].

    Quellen: 8

  16. 16

    Schilddrüsen-Autoantikörper im Serum bei Erwachsenen mit erhöhten Antikörpern und normalen Schilddrüsenwerten, ohne Unterschied zu Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Netzwerk-Auswertung fand für Myo-Inositol keine belegte Senkung der beiden Schilddrüsen-Autoantikörper, für Selen dagegen schon. Die Intervalle sind so breit, dass sie fast jedes Ergebnis zulassen.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Übersicht verglich Selen, Vitamin D, Myo-Inositol und die Kombination aus Selen und Myo-Inositol bei Erwachsenen mit erhöhten Schilddrüsen-Autoantikörpern und normaler Schilddrüsenfunktion über 6 Monate [11]. Für Myo-Inositol allein lag die standardisierte Mittelwertdifferenz gegenüber Placebo bei den Antikörpern gegen die Schilddrüsenperoxidase bei minus 1,94 mit einem Intervall von minus 6,75 bis 2,87 und bei den Antikörpern gegen Thyreoglobulin bei minus 2,02 mit einem Intervall von minus 6,52 bis 2,48 [11]. Beide Intervalle schließen den Gleichstand ein und sind so weit, dass sie sowohl eine sehr starke Senkung als auch einen Anstieg zulassen, weshalb hier hinweise und nicht nicht bestätigt steht. Auch die Kombination aus Selen und Myo-Inositol erreichte keine belegte Senkung, minus 3,01 (minus 8,96 bis 2,93) und minus 3,64 (minus 9,20 bis 1,92) [11]. Selen allein dagegen senkte beide Antikörper belegt, minus 2,44 (minus 4,19 bis minus 0,69) und minus 2,76 (minus 4,50 bis minus 1,02), weshalb die Übersicht ausschließlich Selen als Ergänzung nennt [11]. Die Arbeit erklärt, ohne kommerzielle oder finanzielle Beziehungen erstellt worden zu sein, nennt als Förderung aber die Nationale Naturwissenschaftliche Stiftung Chinas unter der Nummer 82270836 [11]. Interessenerklärung, Förderhinweis und die Einrichtungen der Autorinnen und Autoren wurden im Volltext einzeln geprüft, ein Herstellerbezug findet sich in keinem der drei Felder [11]. Die Zusammenfassung dieser Arbeit spricht missverständlich von 10 quantitativen Auswertungen von Fall-Kontroll-Untersuchungen, der frei zugängliche Volltext löst das auf. Eingeschlossen wurden 10 Veröffentlichungen, davon 9 randomisierte kontrollierte Studien mit hoher und eine offene Studie mit mittlerer Bewertung, 7 davon mit einer Einnahmedauer von 6 Monaten und 3 von 3 Monaten [11].

    Quellen: 11

  17. 17

    Beurteilung von Eizellen und Blastozysten sowie Schwangerschaftsrate nach intrazytoplasmatischer Spermieninjektion, unter einer Kombination aus vier Stoffen, während Myo-Inositol allein in der größeren Auswertung ohne Unterschied blieb

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Studie mit 100 Frauen führte eine Kombination aus Myo-Inositol, Melatonin, Vitamin D und Alpha-Lactalbumin zu mehr klinischen Schwangerschaften als Folsäure allein. Vier Stoffe zusammen lassen keinen Rückschluss auf einen einzelnen zu.

    Ausführlicher Nachweis

    100 Frauen vor einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wurden im Verhältnis 1 zu 1 zugeteilt [12]. Die Studiengruppe erhielt morgens 2 g Myo-Inositol, 50 mg Alpha-Lactalbumin und 200 Mikrogramm Folsäure über 6 Monate und abends zusätzlich 600 mg Myo-Inositol, 1 mg Melatonin und 200 Mikrogramm Folsäure über die 3 Monate vor der Eizellentnahme, danach bis zur 12. Schwangerschaftswoche 600 mg Myo-Inositol, Folsäure, Melatonin und 50 Mikrogramm Vitamin D [12]. Die Vergleichsgruppe erhielt zweimal täglich 200 Mikrogramm Folsäure [12]. Klinische Schwangerschaften traten bei 42 Prozent gegenüber 24 Prozent ein, die Beurteilung von Eizellen und Blastozysten fiel in der Studiengruppe besser aus, der Schwangerschaftsverlauf unterschied sich nicht [12]. Die Arbeit nennt in der Zusammenfassung kein Effektmaß mit Intervall für den Hauptendpunkt, das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist leer, der Volltext lag uns nicht vor, weshalb Affiliation, Interessenerklärung und Förderhinweis nicht vollständig geprüft werden konnten. Entscheidend ist die Zubereitung. Geprüft wurde eine wechselnde Vierfachkombination, in der Myo-Inositol nur ein Bestandteil ist, und die Vergleichsgruppe erhielt keinen der drei anderen Stoffe. Eine Aussage über Myo-Inositol allein lässt sich daraus nicht ableiten. Die methodisch stärkere Auswertung von 5 Studien mit 747 Frauen, in der Myo-Inositol plus Folsäure gegen Folsäure allein stand, fand bei der ultraschallbestätigten Schwangerschaft keinen Unterschied [1].

    Quellen: 12, 1

  18. 18

    Sterblichkeit bis zur 55. Woche nach dem errechneten Termin bei Kindern, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, unter 40 mg je Kilogramm alle 12 Stunden, häufiger statt seltener

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine große verblindete Studie an sehr früh geborenen Kindern wurde vorzeitig abgebrochen, weil in der Myo-Inositol-Gruppe mehr Kinder starben. Die zugehörige Zusammenfassung mehrerer Studien findet in ihrer Hauptauswertung keinen belegten Unterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    In die Studie wurden 638 Kinder unter 28 Schwangerschaftswochen an 18 amerikanischen Zentren aufgenommen, mittleres Schwangerschaftsalter 26 Wochen, mittleres Geburtsgewicht 780 g [9]. Sie erhielten doppelblind 40 mg Myo-Inositol je Kilogramm Körpergewicht alle 12 Stunden über bis zu 10 Wochen, zunächst über die Vene und später über den Magen-Darm-Trakt, oder ein Placebo [9]. Die Sterblichkeit aus jeder Ursache bis zur 55. Woche nach dem errechneten Termin lag bei 18 Prozent gegenüber 11 Prozent, bereinigtes Risikoverhältnis 1,66 bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,14 bis 2,43, p gleich 0,007 [9]. Der Hauptendpunkt aus Tod oder schwerer Netzhautveränderung trat bei 29 Prozent gegenüber 21 Prozent ein, bereinigtes Risikoverhältnis 1,41 (1,08 bis 1,83) [9]. Das unabhängige Sicherheitsgremium empfahl den vorzeitigen Abbruch, geplant waren 1760 Kinder, aufgenommen wurden 638 [9]. Die Autorinnen und Autoren halten selbst fest, die Studie sei durch den Abbruch untermächtig und nicht dafür ausgelegt gewesen, eine abschließende Sicherheitsaussage zu treffen [9]. Eine Zusammenfassung von 6 Studien mit 1194 Kindern fand für die Sterblichkeit ein Risikoverhältnis von 1,25 mit einem Intervall von 0,82 bis 1,90 und damit keinen belegten Unterschied, in einer Empfindlichkeitsprüfung ohne die älteste Studie aus dem Jahr 1986 jedoch 1,55 (1,14 bis 2,11) [10]. Für schwere Netzhautveränderungen ergab sich 0,49 (0,18 bis 1,32), also ebenfalls kein belegter Unterschied [10]. Wegen dieser uneinheitlichen Lage steht die Zeile auf hinweise und nicht höher. Für Erwachsene ist der Befund nicht übertragbar, denn hier ging es um sehr früh geborene Kinder, um eine gewichtsbezogene Menge, die bei einem 70 kg schweren Erwachsenen 5,6 g alle 12 Stunden entspräche, und in den ersten Wochen um die Gabe über die Vene statt über den Mund. Das Myo-Inositol für die Studie stellte die Ernährungssparte von Abbott bereit, finanziert wurde sie von den amerikanischen Gesundheitsinstituten [9].

    Quellen: 9, 10

  19. 19

    Schutz der Zellen vor oxidativem Stress

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Es gibt Tierdaten, in denen Myo-Inositol Zellschäden durch Schwermetalle abmilderte. Eine Humanstudie zu dieser Zuschreibung liegt uns nicht vor.

    Ausführlicher Nachweis

    In einem Mäuseversuch erhielten 28 Tiere über 14 Tage Kochsalzlösung, Myo-Inositol mit 360 mg je Kilogramm Körpergewicht täglich, Cadmiumchlorid oder Cadmiumchlorid zusammen mit Myo-Inositol [14]. Cadmium erhöhte Harnstoff und Kreatinin im Blut sowie mehrere Entzündungs- und Schädigungsmarker in der Niere, die Gabe von Myo-Inositol milderte diese Veränderungen ab [14]. Die Arbeit bezeichnet Myo-Inositol dabei ausdrücklich als antioxidativ wirkenden Nahrungsbestandteil [14]. Drei Vorbehalte sind wichtig. Es handelt sich um Mäuse, nicht um Menschen. Die Menge von 360 mg je Kilogramm entspräche bei einem 70 kg schweren Menschen rund 25 g täglich und liegt damit weit über jeder üblichen Nahrungsergänzungsmenge. Und geprüft wurde ein Vergiftungsmodell mit Cadmium, nicht der Alltag eines gesunden Menschen. Unsere eigene Suche nach Humanstudien zu Myo-Inositol und oxidativem Stress mit den PubMed-Suchbegriffen "myo-inositol" "oxidative stress antioxidant" ergab keinen einzigen Treffer, weshalb hier keine Stufe oberhalb von nur labor und tier vergeben wird.

    Quellen: 14

  20. 20

    Nervenfunktion, Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit bei Gesunden

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Studien gesucht, in denen Menschen Myo-Inositol einnahmen und danach Gedächtnis oder geistige Leistung gemessen wurde, und keine gefunden. Die Treffer messen Myo-Inositol als Botenstoff im Gehirn, geben es aber nicht ein.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde bei PubMed mit den Suchbegriffen "myo-inositol" "cognitive function", was 4 Treffer ergab. Alle vier messen den Myo-Inositol-Gehalt im Gehirn mit der Magnetresonanz-Spektroskopie als Marker, drei davon in Zusammenhängen ohne jede Einnahme von Myo-Inositol, die vierte prüft ein anderes Mittel. Keine einzige Arbeit gibt Menschen Myo-Inositol und misst danach geistige Leistung. Eine zweite Suche mit den Suchbegriffen "myo-inositol" "supplementation memory learning", auch unter Einschluss von Labor- und Tierstudien, ergab einen Treffer, der Betain und nicht Myo-Inositol prüft. Bemerkenswert ist die Richtung der Marker-Befunde, denn ein erhöhter Myo-Inositol-Gehalt im Gehirn gilt in diesen Arbeiten als Zeichen einer Aktivierung der Stützzellen und ging in einer Untersuchung mit schlechteren Werten beim Lernen von Wortlisten einher. Daraus folgt weder ein Nutzen noch ein Schaden einer Einnahme, denn der Gehalt im Gehirn wurde dort nicht durch eine Einnahme erzeugt. Wir haben nichts gefunden und behaupten damit nicht, dass es nichts gibt.

Studien im Detail

Drei Stoffe, ein Name

Wer über Inositol liest, liest über mindestens drei verschiedene Dinge. Myo-Inositol ist die im Körper mit Abstand häufigste Form. D-Chiro-Inositol entsteht daraus durch ein eigenes Enzym und macht im Blut nur einen Bruchteil aus. Und im Handel steht seit Jahren eine Mischung aus beiden im Verhältnis 40 zu 1, weil dieses Verhältnis dem im Blutplasma entsprechen soll.

Diese Unterscheidung ist keine Feinheit, sondern entscheidet über die Aussage. In der Meta-Analyse, die für die internationale Leitlinie 2023 erstellt wurde, ist die einzige Verbesserung des Eisprungs in einem Placebovergleich ein Ergebnis von D-Chiro-Inositol, nicht von Myo-Inositol. Und in der Netzwerkauswertung von 22 Studien schlug die Mischung das reine Myo-Inositol bei der Regelblutung um ein Vielfaches, wenn auch mit einem Intervall, das von knapp 3 bis über 160 reicht und damit zeigt, wie dünn die Datengrundlage ist.

Für diesen Eintrag gilt deshalb durchgehend eine Regel. Eine Studie zur Mischung oder zu D-Chiro-Inositol trägt keine Aussage für Myo-Inositol allein. Wo eine Zeile trotzdem eine Kombinationsstudie nennt, steht der Vorbehalt im Nachweis.

Warum fast keine Studie gegen ein Placebo läuft

Von den 30 randomisierten Studien der Leitlinien-Übersicht waren nur 3 placebokontrolliert [1]. Zehn verglichen mit Folsäure allein, zwölf mit Metformin, drei mit anderen Mischungsverhältnissen. Myo-Inositol als Einzelstoff gegen ein echtes Placebo ist genau einmal geprüft worden, an 26 Frauen, mit hohem Verzerrungsrisiko und sehr niedriger Sicherheit.

Der Vergleich gegen Folsäure ist dabei der sauberere von beiden, denn beide Arme bekommen dieselbe Folsäuremenge und der Unterschied zwischen den Gruppen ist allein das Myo-Inositol. Der Vergleich gegen Metformin dagegen beantwortet eine andere Frage. Dass sich zwei Mittel nicht unterscheiden, kann bedeuten, dass beide wirken, oder dass beide es nicht tun, oder dass die Studie zu klein war, um den Unterschied zu sehen. Bei Fallzahlen von 12 bis 60 je Arm ist die dritte Erklärung die wahrscheinlichste.

Die Schwangerschaft, und was 2025 daran neu ist

Bis vor kurzem sah die Lage in der Schwangerschaft ungewöhnlich gut aus. Die Cochrane-Übersicht von 2023 nennt für das Überschreiten der Grenzwerte im Zuckertest ein Risikoverhältnis von 0,53 und für erhöhte Blutdruckwerte eines von 0,34, beides mit Intervallen, die den Gleichstand nicht berühren.

Nur trägt diese Übersicht ihre Einschränkungen selbst vor sich her. Sechs der sieben Studien stammen aus Italien, vier davon aus einer einzigen Arbeitsgruppe in Messina, drei tragen dieselbe Registriernummer. Alle waren unverblindet. Cochrane wertet die Aussage zum Zuckertest deshalb auf sehr niedrige Sicherheit ab und die zum Blutdruck auf niedrige.

2025 erschien die erste verblindete, placebokontrollierte und ausreichend große Prüfung, an 13 niederländischen Kliniken und 464 Schwangeren. Sie fand keinen Unterschied. Der zuvor festgelegte Hauptendpunkt trat bei 25,0 Prozent unter Myo-Inositol und 26,8 Prozent unter Placebo ein.

Das ist kein Widerspruch im engeren Sinn, denn die Populationen sind verschieden. Die italienischen Studien schlossen Frauen mit Übergewicht oder mit Zuckerkrankheit in der Familie ein, die niederländische Frauen mit Zyklus- und Hormonauffälligkeiten. Es ist aber die deutlich stärkere Untersuchung, und ihre Autorinnen und Autoren rechnen ausdrücklich vor, dass ein bedeutsamer Nutzen bei diesem winzigen absoluten Unterschied kaum übersehen worden sein kann. Cochrane selbst hatte bereits geschrieben, die vorliegende Evidenz reiche für eine zustimmende Aussage nicht aus.

Stimmung und Angst, und die Frage der Menge

Die Studien zu Stimmung und Angst stammen fast alle aus den 1990er Jahren und aus einer israelischen Arbeitsgruppe. Sie arbeiten mit 12 bis 18 g Inositol täglich. Das ist das Vier- bis Neunfache dessen, was in der Frauenheilkunde eingesetzt wird, und das Zwölf- bis Achtzehnfache der üblichen Aufnahme aus der Nahrung.

Inhaltlich ist die Lage dünn. Vier Studien mit zusammen 141 Erwachsenen ergeben eine standardisierte Mittelwertdifferenz von minus 0,08 mit einem Intervall von minus 0,45 bis 0,30. Die Übersicht schreibt, dieses Ergebnis sei mit einem Nutzen ebenso vereinbar wie mit dessen Fehlen. Eine spätere Zusammenfassung über sieben Studien kommt zum selben Bild.

Die einzige Arbeit mit einem auffälligen Ergebnis, die Überkreuzstudie zu Angstanfällen, hat 20 Auswertbare und keinen Placeboarm. Sie vergleicht Inositol mit einem verschreibungspflichtigen Wirkstoff. Aus einem Unterschied zwischen zwei aktiven Mitteln folgt kein Effekt gegenüber Nichtstun.

Abgrenzung, Form und Menge

Myo-Inositol wird häufig Vitamin B8 genannt. Das ist irreführend, denn ein Vitamin muss über die Nahrung aufgenommen werden, und der Körper stellt Myo-Inositol aus Glukose selbst her. Ein Mangel im eigentlichen Sinn ist beim Menschen unter üblichen Bedingungen nicht beschrieben.

Die Mengen in den Studien fallen in zwei getrennte Bereiche. In der Frauenheilkunde und in der Schwangerschaft sind es 2 bis 4 g täglich, in den psychiatrischen Studien 12 bis 18 g. Verträglichkeitsdaten aus dem einen Bereich lassen sich nicht auf den anderen übertragen. Die übliche Aufnahme aus Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Fleisch liegt bei rund 1 g täglich.

Bei einem gekauften Erzeugnis ist die erste Frage immer, welche Form darin steckt. Steht nur Inositol auf der Packung, ist ohne weitere Angabe nicht zu erkennen, ob es sich um reines Myo-Inositol, um D-Chiro-Inositol oder um eine Mischung handelt, und damit auch nicht, welche der drei Studienlagen überhaupt zutrifft.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Bei Erwachsenen ist Myo-Inositol in den geprüften Mengen gut verträglich. In der bislang größten und einzigen verblindeten Schwangerschaftsstudie meldeten 6,9 Prozent der Myo-Inositol-Gruppe und 9,1 Prozent der Placebogruppe eine mögliche Nebenwirkung, am häufigsten Übelkeit. Im direkten Vergleich mit Metformin traten Magen-Darm-Beschwerden seltener auf, wobei die Leitlinien-Übersicht anmerkt, dass 23 von 29 Studien Nebenwirkungen gar nicht erst erfasst haben.

Zwei Befunde weisen in die andere Richtung und gehören genannt. In der Cochrane-Übersicht zur Schwangerschaft trat ein niedriger Blutzucker beim Neugeborenen in der Myo-Inositol-Gruppe dreimal so häufig auf, 27 statt 9 Fälle je 1000 Kinder, allerdings bei sehr wenigen Ereignissen und mit einem Intervall von 0,90 bis 10,52, das keinen Schluss zulässt. Und eine große amerikanische Studie an 638 Kindern, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, wurde vorzeitig abgebrochen, weil in der Myo-Inositol-Gruppe mehr Kinder starben, 18 gegenüber 11 Prozent. Dort ging es um 40 mg je Kilogramm alle 12 Stunden über bis zu 10 Wochen, in den ersten Wochen über die Vene. Auf gesunde Erwachsene mit 2 bis 4 g täglich über den Mund ist das nicht übertragbar, es zeigt aber, dass Myo-Inositol kein belangloser Stoff ist, dessen Sicherheit sich von selbst versteht.

Zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor. Wer Metformin oder Mittel gegen erhöhten Blutzucker einnimmt, sollte die gleichzeitige Einnahme ärztlich abklären, denn beide Ansätze greifen an derselben Stelle im Zuckerstoffwechsel an. Dasselbe gilt bei Schilddrüsenmedikamenten und bei einer laufenden Behandlung mit Mitteln, die auf die Stimmung wirken, denn die vorliegenden Studien dazu arbeiten mit Mengen, die weit über den üblichen liegen.

Zur Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Sicherheitsquelle vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 30 randomisierte Studien, 2230 Frauen, erstellt für die internationale Leitlinie 2023 · 2024

    Inositol for Polycystic Ovary Syndrome, A Systematic Review and Meta-analysis to Inform the 2023 Update of the International Evidence-based PCOS Guidelines

    Fitz V, Graca S, Mahalingaiah S, Liu J, Lai L, Butt A, Armour M, Rao V, Naidoo D, Maunder A, Yang G, Vaddiparthi V, Witchel SF, Pena A, Spritzer PM, Li R, Tay C, Mousa A, Teede H, Ee C. J Clin Endocrinol Metab

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05, 06, 07, 13, 17

  2. 02

    Cochrane-Übersicht mit Meta-Analyse, 7 randomisierte Studien, 1319 Frauen, Aktualisierung der Fassung von 2015 · 2023

    Antenatal dietary supplementation with myo-inositol for preventing gestational diabetes

    Motuhifonua SK, Lin L, Alsweiler J, Crawford TJ, Crowther CA. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 08, 09, 11, 12, 13

  3. 03

    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 13 Zentren, 464 zugeteilte und 452 ausgewertete Schwangere, 4 g Myo-Inositol täglich bis zur Geburt · 2025

    Myo-inositol Supplementation to Prevent Pregnancy Complications in Polycystic Ovary Syndrome, A Randomized Clinical Trial

    van der Wel AWT, Frank CMC, Bout-Rebel R, Duijnhoven RG, van Bree BE, Valkenburg O, Al-Nasiry S, van Oppenraaij RHF, Vogelvang TE, Westerhuis MEMH, van de Nieuwenhof HP, Gielen SCJP, Bandell ML, Bekker MN, Wouters MGAJ, Mijatovic V, Franx A, Lambalk CB, Broekmans FJM, de Weerd S, Gerards JMH, Baalman JH, van Disseldorp J, Langenveld J, Gunning MN, Frederix GWJ, Painter RC, Fauser BCJM, Laven JSE, van Rijn BB. JAMA

    Zur Zuschreibung: 09, 10, 11, 12

  4. 04

    Netzwerk-Meta-Analyse, 22 randomisierte Studien, 1079 Frauen · 2021

    Comparative efficacy of oral insulin sensitizers metformin, thiazolidinediones, inositol, and berberine in improving endocrine and metabolic profiles in women with PCOS, a network meta-analysis

    Zhao H, Xing C, Zhang J, He B. Reprod Health

    Zur Zuschreibung: 05

  5. 05

    Cochrane-Übersicht mit Meta-Analyse, 4 randomisierte doppelblinde Studien, 141 zugeteilte Erwachsene, 12 g täglich · 2004

    Inositol for depressive disorders

    Taylor MJ, Wilder H, Bhagwagar Z, Geddes J. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 13

  6. 06

    Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 7 randomisierte Studien zu Depression mit 242 Personen und 4 zu Angststörungen mit 70 Personen · 2014

    A meta-analysis of inositol for depression and anxiety disorders

    Mukai T, Kishi T, Matsuda Y, Iwata N. Hum Psychopharmacol

    Zur Zuschreibung: 13, 14

  7. 07

    Randomisierte, doppelblinde Überkreuzstudie ohne Placeboarm, 20 abgeschlossene Teilnehmende, bis 18 g Inositol täglich gegen bis 150 mg Fluvoxamin · 2001

    Double-blind, controlled, crossover trial of inositol versus fluvoxamine for the treatment of panic disorder

    Palatnik A, Frolov K, Fux M, Benjamin J. J Clin Psychopharmacol

    Zur Zuschreibung: 14

  8. 08

    Randomisierte doppelblinde Studie, Nebenendpunkte, 630 Frauen in der Schwangerschaft und 532 nach der Geburt, Kombinationspräparat · 2024

    Maternal mood, anxiety and mental health functioning after combined myo-inositol, probiotics, micronutrient supplementation from preconception, Findings from the NiPPeR RCT

    El-Heis S, Barton SJ, Chang HF, Nield H, Cox V, Galani S, Cutfield W, Chan SY, Godfrey KM. Psychiatry Res

    Zur Zuschreibung: 15

  9. 09

    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 18 Zentren, 638 sehr früh geborene Kinder, 40 mg je Kilogramm alle 12 Stunden, wegen erhöhter Sterblichkeit vorzeitig abgebrochen · 2018

    Effects of Myo-inositol on Type 1 Retinopathy of Prematurity Among Preterm Infants Younger Than 28 Weeks Gestational Age, A Randomized Clinical Trial

    Phelps DL, Watterberg KL, Nolen TL, Cole CA, Cotten CM, Oh W, Poindexter BB, Zaterka-Baxter KM, Das A, Lacy CB, Scorsone AM, Walsh MC, Bell EF, Kennedy KA, Schibler K, Sokol GM, Laughon MM, Lakshminrusimha S, Truog WE, Garg M, Carlo WA, Laptook AR, Van Meurs KP, Carlton DP, Graf A, DeMauro SB, Brion LP, Shankaran S, Higgins RD. JAMA

    Zur Zuschreibung: 18

  10. 10

    Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 6 randomisierte Studien, 1194 sehr früh geborene Kinder · 2019

    The efficacy and safety of inositol supplementation in preterm infants to prevent retinopathy of prematurity, a systematic review and meta-analysis

    Du Y, He Y, Wang YL, Zhou JG, Chen C. BMC Ophthalmol

    Zur Zuschreibung: 18

  11. 11

    Systematische Übersicht mit Netzwerk-Meta-Analyse zu Selen, Vitamin D, Myo-Inositol und der Kombination aus Selen und Myo-Inositol, Behandlungsdauer 6 Monate · 2024

    Effects of different supplements on Hashimoto thyroiditis, a systematic review and network meta-analysis

    Peng B, Wang W, Gu Q, Wang P, Teng W, Shan Z. Front Endocrinol (Lausanne)

    Zur Zuschreibung: 16

  12. 12

    Randomisierte kontrollierte Studie, 100 Frauen, Kombination aus Myo-Inositol, Melatonin, Vitamin D und Alpha-Lactalbumin gegen Folsäure · 2020

    The effect of myo-inositol, vitamin D3 and melatonin on the oocyte quality and pregnancy in in vitro fertilization, a randomized prospective controlled trial

    Wdowiak A, Filip M. Eur Rev Med Pharmacol Sci

    Zur Zuschreibung: 17

  13. 13

    Randomisierte Vergleichsstudie von sieben Mischungsverhältnissen, 56 Frauen, 8 je Gruppe, 3 Monate · 2019

    The 40 to 1 myo-inositol to D-chiro-inositol plasma ratio is able to restore ovulation in PCOS patients, comparison with other ratios

    Nordio M, Basciani S, Camajani E. Eur Rev Med Pharmacol Sci

    Zur Zuschreibung: 05

  14. 14

    Tierversuch an 28 Mäusen, 360 mg je Kilogramm täglich über 14 Tage, Cadmium-Modell · 2019

    Myo-inositol in the protection from cadmium-induced toxicity in mice kidney, An emerging nutraceutical challenge

    Pallio G, Micali A, Benvenga S, Antonelli A, Marini HR, Puzzolo D, Macaione V, Trichilo V, Santoro G, Irrera N, Squadrito F, Altavilla D, Minutoli L. Food Chem Toxicol

    Zur Zuschreibung: 19

Alle Stoffe von A bis Z