Natriumbicarbonat

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Backpulver · Natriumhydrogencarbonat · NaHCO3 · Speisesoda

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Natriumbicarbonat (Natriumhydrogencarbonat, NaHCO3) ist ein alkalisches Salz, das im Blut als natürlicher Puffer gegen Säuren wirkt. In Nahrungsergänzung wird es überwiegend zur Pufferung der belastungsbedingten Übersäuerung bei hochintensivem Training eingesetzt
Herkunft
Ein anorganisches Salz, industriell meist über das Solvay-Verfahren aus Soda hergestellt, chemisch identisch mit dem Grundstoff handelsüblichen Backpulvers
Wirkform in Studien
In allen ausgewerteten Studien als orale Kapseln oder als in Wasser aufgelöstes Pulver, entweder als akute Einzeldosis vor der Belastung oder über mehrere Tage als Ladeprotokoll
Übliche Studiendosis
Überwiegend 200 bis 300 mg pro Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis 60 bis 180 Minuten vor Belastung. Bei mehrtägigen Ladeprotokollen dieselbe oder eine ähnliche Tagesdosis, aufgeteilt über 3 bis 6 Tage
Bekannt geworden durch
Die Verwendung als Puffersubstanz im Leistungssport gegen die belastungsbedingte Übersäuerung der arbeitenden Muskulatur
Verträglichkeit
Bei den sportlich genutzten hohen Dosen häufig Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Durchfall, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Leistung bei hochintensiver Belastung von etwa 45 Sekunden bis 8 Minuten Dauer (Zeitfahren beim Laufen, Radfahren, Rudern oder Schwimmen), gegenüber Placebo

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Zusammenfassung von 25 gekreuzten Studien mit 235 Teilnehmenden war die Leistung bei Belastungen von 45 Sekunden bis 8 Minuten höher als unter Placebo. Die Autoren selbst stufen die Qualität dieser Evidenz als niedrig ein.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2021 veröffentlichte Übersicht von Übersichtsarbeiten fasste acht Meta-Analysen zu Natriumbicarbonat und sportlicher Leistung zusammen, die zusammen 5 bis 26 Einzelstudien je Endpunkt auswerten [1]. Für Belastungen von etwa 45 Sekunden bis 8 Minuten Dauer wertete die eingeschlossene Meta-Analyse von Christensen und Kollegen 25 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 235 Teilnehmenden aus und fand eine höhere Leistung unter Natriumbicarbonat als unter Placebo, Effektstärke 0,40 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,27 bis 0,54 (p kleiner 0,001) [1]. Nach dem GRADE-Verfahren stuften die Autoren der Übersicht die Qualität dieser Evidenz trotz des klaren Ergebnisses als niedrig ein, weil das Verzerrungsrisiko der eingeschlossenen Studien unklar blieb, eine schwerwiegende Indirektheit vorlag und eine Publikationsverzerrung als wahrscheinlich eingestuft wurde [1]. Die methodische Qualität der zugrunde liegenden Meta-Analyse selbst bewerteten sie nach AMSTAR 2 als mittel [1].

    Quellen: 1

  2. 02

    Leistung im Yo-Yo-Intervall-Lauftest, gegenüber Placebo

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Zusammenfassung von 5 gekreuzten Studien mit 46 Teilnehmenden war die Leistung im Yo-Yo-Intervalltest höher als unter Placebo, mit mittlerer Evidenzqualität nach Einschätzung der Autoren.

    Ausführlicher Nachweis

    Die eingeschlossene Meta-Analyse von Grgic und Kollegen zum Yo-Yo-Intervall-Lauftest wertete 5 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 46 Teilnehmenden aus und fand eine höhere Leistung unter Natriumbicarbonat als unter Placebo, Effektstärke 0,36 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,10 bis 0,63 (p gleich 0,007, Heterogenität I-Quadrat 14 Prozent) [1]. Diese Meta-Analyse erreichte nach AMSTAR 2 die höchste methodische Qualitätsstufe der acht eingeschlossenen Übersichten, und die Autoren der Gesamtübersicht stuften die Evidenz für diesen Endpunkt nach GRADE als mittel ein [1]. Fünf Studien und 46 Teilnehmende sind dennoch eine schmale Basis.

    Quellen: 1

  3. 03

    Muskuläre Ausdauer, gemessen als Wiederholungen bis zur Erschöpfung bei submaximaler Kraftbelastung, gegenüber Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Zusammenfassung von 13 gekreuzten Studien mit 113 Teilnehmenden mehr Wiederholungen bis zur Erschöpfung als unter Placebo. Die Autoren selbst stufen die Qualität dieser Evidenz als niedrig ein, bei großer Streuung zwischen den Studien.

    Ausführlicher Nachweis

    Die eingeschlossene Meta-Analyse von Grgic und Kollegen zur muskulären Ausdauer wertete 13 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 113 Teilnehmenden aus (in der Berechnung selbst 12 Studien) und fand mehr Wiederholungen bis zur Erschöpfung unter Natriumbicarbonat als unter Placebo, Effektstärke 0,37 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,15 bis 0,59 (p gleich 0,001) [1]. Die Streuung zwischen den Studien war mit einer Heterogenität von 70 Prozent hoch [1]. Die Autoren der Gesamtübersicht stuften die Qualität dieser Evidenz nach GRADE trotz des klaren Ergebnisses als niedrig ein [1]. Wegen dieser Streuung von 70 Prozent und der niedrigen Ergebnissicherheit bleibt die Stufe hier bei Hinweise. Der Vergleich mit den beiden vorigen Zeilen trägt dabei nicht über die Qualitätsstufe, die Übersicht bewertet auch die Ausdauerleistung von 45 Sekunden bis 8 Minuten als niedrig. Dort tragen die Stufe 25 Studien mit einheitlichem Ergebnis, hier sind es 12 in der Berechnung, mit hoher Streuung.

    Quellen: 1

  4. 04

    Maximale Muskelkraft, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Zusammenfassung von 11 gekreuzten Studien mit 110 Teilnehmenden kein Unterschied zu Placebo bei der maximalen Muskelkraft, mit mittlerer Evidenzqualität nach Einschätzung der Autoren.

    Ausführlicher Nachweis

    Dieselbe Meta-Analyse von Grgic und Kollegen wertete zusätzlich 11 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 110 Teilnehmenden zur maximalen Muskelkraft aus und fand keinen Unterschied zwischen Natriumbicarbonat und Placebo, Effektstärke minus 0,03 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 0,18 bis 0,12 (p gleich 0,725, Heterogenität I-Quadrat 45 Prozent) [1]. Die Autoren der Gesamtübersicht stuften die Qualität dieser Evidenz nach GRADE als mittel ein, eine der höheren Qualitätsstufen unter den acht eingeschlossenen Meta-Analysen [1]. Ein enges Konfidenzintervall um den Nullpunkt bei mittlerer Evidenzqualität, deshalb hier die Stufe nicht bestätigt statt nur Hinweise.

    Quellen: 1

  5. 05

    Sprintleistung im Wingate-Test nach einer einzelnen akuten Einnahme, zwei Meta-Analysen mit gegenteiligem Ergebnis

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Zusammenfassung von 6 gekreuzten Studien mit 65 Teilnehmenden fand keinen Unterschied zu Placebo. Eine zweite Zusammenfassung derselben Übersicht, mit 10 Studien und 102 Teilnehmenden und besserer Ergebnissicherheit, fand in einzelnen Durchgängen des Tests kleine bis mittlere Vorteile.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine der acht eingeschlossenen Meta-Analysen, von Lopes-Silva und Kollegen, trennt akute Einzeleinnahme von mehrtägiger Einnahme. Nach akuter Einzeleinnahme fanden 6 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 65 Teilnehmenden keinen Unterschied zu Placebo, weder bei der Spitzenleistung (Effektstärke 0,02, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,19 bis 0,23, p gleich 0,87) noch bei der mittleren Leistung (Effektstärke 0,15, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,06 bis 0,36) im Wingate-Test [1]. Die Heterogenität zwischen diesen Studien lag bei 0 Prozent, ihre Ergebnisse sind also einheitlich ohne Effekt [1]. Dieselbe Übersicht enthält aber eine zweite Meta-Analyse zum Wingate-Test nach akuter Einnahme, von Grgic, mit 10 Studien im Cross-over-Design und 102 Teilnehmenden [1]. Sie fand in einzelnen Durchgängen sehr wohl einen Vorteil, bei der mittleren Leistung im zweiten Durchgang (Effektstärke 0,09, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,03 bis 0,16, p gleich 0,005) und im vierten Durchgang (Effektstärke 0,62, 0,15 bis 1,08, p gleich 0,009) sowie bei der Spitzenleistung im dritten Durchgang (Effektstärke 0,09, 0,00 bis 0,17, p gleich 0,048), in den übrigen fünf Vergleichen keinen Unterschied [1]. Nach GRADE bewertet die Übersicht ausgerechnet diese zweite Meta-Analyse mit mittlerer Qualität und die zuerst genannte mit niedriger [1]. Zwei Meta-Analysen über denselben Test und dieselbe Einnahmeform kommen damit zu gegenteiligen Ergebnissen, das ist der Grund für die Stufe widersprüchlich.

    Quellen: 1

  6. 06

    Sprintleistung im Wingate-Test nach mehrtägiger Einnahme über ein Ladeprotokoll, gegenüber Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Nach mehrtägiger Einnahme deutlich höhere Spitzen- und mittlere Leistung im Wingate-Test als unter Placebo, gestützt aber auf nur 3 gekreuzte Studien mit 60 Teilnehmenden. Die Autoren stufen die Ergebnissicherheit dieses Endpunkts als niedrig ein, mit starkem Verdacht auf Publikationsverzerrung.

    Ausführlicher Nachweis

    Dieselbe Meta-Analyse von Lopes-Silva und Kollegen fand für mehrtägige Ladeprotokolle in 3 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 60 Teilnehmenden eine deutlich höhere Leistung unter Natriumbicarbonat als unter Placebo, sowohl bei der Spitzenleistung (Effektstärke 1,21, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,42, p gleich 0,001) als auch bei der mittleren Leistung (Effektstärke 1,26, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,96 bis 1,56, p gleich 0,001) im Wingate-Test [1]. Die Heterogenität lag bei 27 beziehungsweise 88 Prozent [1]. Nach GRADE stuft die Gesamtübersicht diesen Endpunkt sowohl für die Spitzen- als auch für die mittlere Leistung als niedrig ein, wegen schwerwiegender Indirektheit (keine Frauen in der Auswertung) und starkem Verdacht auf Publikationsverzerrung [1]. Die mittlere Qualitätsbewertung, die die Kurzfassung der Übersicht für den Wingate-Test nennt, gilt der zweiten Meta-Analyse zu diesem Test von Grgic und nicht dieser [1]. Nur 3 Studien mit 60 Teilnehmenden, eine schmale Basis trotz des großen Effekts. Die Übersicht hält außerdem fest, dass keine dieser 3 Studien die mehrtägige Einnahme unmittelbar gegen eine akute Einnahme geprüft hat, der Unterschied zur vorigen Zeile ist also ein Vergleich über verschiedene Studien hinweg und keine gemessene Überlegenheit des Ladeprotokolls [1]. Eine Studie, die beide Protokolle im selben Versuch verglich, fand für die wiederholte Sprintleistung vergleichbare Effekte [1].

    Quellen: 1

  7. 07

    Wiederholte Sprintleistung (Gesamtarbeit sowie schnellster und letzter Sprint einer Serie), ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Zusammenfassung von 6 gekreuzten Studien mit 77 Teilnehmenden kein Unterschied zu Placebo bei Gesamtarbeit, schnellstem und letztem Sprint einer Serie wiederholter Sprints. Die Konfidenzintervalle sind breit, ein kleiner Vorteil bleibt damit möglich.

    Ausführlicher Nachweis

    Die eingeschlossene Meta-Analyse von Lopes-Silva und Kollegen zu wiederholten Sprints wertete 6 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 77 Teilnehmenden aus und fand keinen Unterschied zwischen Natriumbicarbonat und Placebo, weder bei der Gesamtarbeit (Effektstärke 0,43, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,11 bis 0,97, p gleich 0,12) noch beim schnellsten Sprint (Effektstärke 0,02, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,30 bis 0,34, p gleich 0,90) noch beim letzten Sprint der Serie (Effektstärke 0,20, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,13 bis 0,52, p gleich 0,14) [1]. Die Wirkung wurde in diesen 6 Studien geprüft und nicht gefunden, deshalb die Stufe nicht bestätigt. Als Vorbehalt bleibt, dass die Konfidenzintervalle bei der Gesamtarbeit und beim letzten Sprint breit genug sind, um einen bedeutsamen Effekt nicht auszuschließen [1].

    Quellen: 1

  8. 08

    Allgemeine mittlere Leistungsabgabe bei kurzen hochintensiven Einzelbelastungen (Radfahren, Laufen, Rudern oder Schwimmen), ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Zusammenfassung von 26 gekreuzten Studien mit 241 Teilnehmenden kein Unterschied zu Placebo bei der allgemeinen mittleren Leistungsabgabe. Das Konfidenzintervall reicht knapp über den Nullpunkt hinaus, ein kleiner Vorteil bleibt damit möglich.

    Ausführlicher Nachweis

    Die eingeschlossene Meta-Analyse von Carr und Kollegen wertete 26 Studien im Cross-over-Design mit zusammen 241 Teilnehmenden zur allgemeinen mittleren Leistungsabgabe aus und fand eine Veränderung von 1,7 Prozent gegenüber Placebo, bei einem 90-Prozent-Konfidenzintervall von minus 0,3 bis 3,7 Prozent [1]. Das Intervall schließt einen Unterschied von null nicht aus. Die Autoren der Gesamtübersicht stuften die Qualität dieser Evidenz nach GRADE als niedrig ein [1]. Geprüft wurde die Wirkung damit an einem breiten Bestand von 26 Studien, und ein Unterschied zu Placebo zeigte sich nicht, deshalb die Stufe nicht bestätigt. Als Vorbehalt bleibt, dass das Intervall von minus 0,3 bis 3,7 Prozent einen kleinen Vorteil nicht ausschließt.

    Quellen: 1

  9. 09

    Nierenfunktion (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und fettfreie Muskelmasse bei erniedrigtem Blutbicarbonat und eingeschränkt gemessener Nierenfunktion, gegenüber alleiniger Standardbehandlung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Nach sechs Monaten höhere Nierenfunktion und fettfreie Muskelmasse als unter alleiniger Standardbehandlung, in einer einzelnen offenen Studie ohne Verblindung.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, einarmig offenen Parallelgruppenstudie erhielten 188 Erwachsene mit eingeschränkt gemessener Nierenfunktion (Stufe 3 und 4 nach der Einteilung der Fachgesellschaft KDIGO) und einem venösen Blutbicarbonat unter 22 mEq/l entweder eine Standardbehandlung nach den KDIGO-Leitlinien oder dieselbe Standardbehandlung zusätzlich mit oralem Natriumbicarbonat, dosiert auf ein Ziel-Blutbicarbonat von 24 bis 26 mEq/l [2]. Da die orale Einnahme von Natriumbicarbonat geschmacklich nicht zu verbergen ist, war die Studie offen und nicht placebokontrolliert, was das Verzerrungsrisiko erhöht [2]. Nach sechs Monaten war in der Bicarbonat-Gruppe die fettfreie Muskelmasse höher (36,8 kg gegenüber 36,0 kg, 95-Prozent-Konfidenzintervall 36,5 bis 37,1 gegenüber 35,7 bis 36,4, p gleich 0,002), ebenso der mittlere Armmuskelumfang (22,9 cm gegenüber 22,6 cm, p gleich 0,001) und die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (32,74 gegenüber 28,2 ml pro 1,73 Quadratmeter, p kleiner 0,001) [2]. Ein rascher Rückgang der Filtrationsrate trat bei 41,5 Prozent der Kontrollgruppe auf, gegenüber 20,2 Prozent in der Bicarbonat-Gruppe (p gleich 0,001) [2]. Interessenkonflikt und Förderung nennt das Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Eine einzelne, nicht verblindete Studie an einem Zentrum, keine unabhängige Wiederholung bekannt.

    Quellen: 2

Studien im Detail

Sportliche Leistung, eine Übersicht von acht Meta-Analysen

Grgic und Kollegen fassten 2021 acht Meta-Analysen zu Natriumbicarbonat und sportlicher Leistung in einer Übersicht von Übersichtsarbeiten zusammen. Die einzelnen Meta-Analysen werteten zwischen 5 und 26 Studien im Cross-over-Design aus, mit gepoolten Teilnehmerzahlen von 46 bis 241. Über die acht Endpunkte hinweg reichten die Effekte von vernachlässigbar bis groß, und die nach dem GRADE-Verfahren bewertete Qualität der Evidenz von niedrig bis mittel.

Am besten belegt, mit mittlerer GRADE-Qualität, sind die maximale Muskelkraft, bei der kein Unterschied zu Placebo bestand, und die Sprintleistung im Wingate-Test. Bei Letzterem zeigt sich ein auffälliger Unterschied zwischen akuter Einzeleinnahme, bei der über sechs Studien kein Effekt bestand, und mehrtägigen Ladeprotokollen, bei denen drei kleinere Studien einen großen Effekt fanden. Ebenfalls mit mittlerer Qualität bewertet ist der positive Befund im Yo-Yo-Intervalltest.

Mit niedriger GRADE-Qualität bewertet, trotz eines statistisch klaren Ergebnisses, ist ausgerechnet der am häufigsten zitierte Befund: die höhere Leistung bei Ausdauerbelastungen von 45 Sekunden bis 8 Minuten Dauer, etwa in Zeitfahren beim Laufen, Radfahren, Rudern oder Schwimmen. Grund dafür sind ein unklares Verzerrungsrisiko, eine als schwerwiegend eingestufte Indirektheit der Vergleiche und der Verdacht auf Publikationsverzerrung in den zugrunde liegenden Studien. Ebenfalls mit niedriger Qualität bewertet sind die muskuläre Ausdauer, die allgemeine mittlere Leistungsabgabe bei kurzen Belastungen und die wiederholte Sprintleistung.

Die acht Meta-Analysen greifen teilweise auf dieselben Primärstudien zurück. Wer alle acht Endpunkte als unabhängige Belege liest, überschätzt die Breite der Evidenz. Es handelt sich um einen einzigen, wenn auch großen Studienbestand mit unterschiedlichen Auswertungen für unterschiedliche Leistungsmaße.

Nierenfunktion bei eingeschränkter Nierenfunktion und niedrigem Blutbicarbonat

Dubey und Kollegen prüften 2020 an 188 Erwachsenen mit eingeschränkt gemessener Nierenfunktion und einem venösen Blutbicarbonat unter 22 mEq/l, ob eine zusätzliche orale Gabe von Natriumbicarbonat über sechs Monate die Nierenfunktion und die Muskelmasse gegenüber einer alleinigen Standardbehandlung beeinflusst. Die Bicarbonat-Gruppe zeigte am Ende eine höhere fettfreie Muskelmasse, einen größeren Armmuskelumfang und eine höhere geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, außerdem einen selteneren raschen Rückgang der Nierenfunktion. Die Studie war offen und nicht placebokontrolliert, weil sich die Einnahme von Natriumbicarbonat geschmacklich nicht verbergen lässt, was das Verzerrungsrisiko erhöht. Der Volltext lag uns zu dieser Arbeit nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Die in Sportstudien üblichen Dosen von 200 bis 300 mg pro Kilogramm Körpergewicht verursachen häufig Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Durchfall. Diese Nebenwirkungen sind in der ausgewerteten Übersichtsarbeit nicht systematisch quantifiziert, gelten in der Sporternährung aber als bekannte Einschränkung der praktischen Anwendbarkeit.

Natriumbicarbonat liefert eine relevante Menge Natrium. Bei einer bestehenden Einschränkung der Nierenfunktion, bei Bluthochdruck oder bei herzbedingter Wassereinlagerung ist deshalb ärztliche Rücksprache vor einer Einnahme in den hier untersuchten, sportlich genutzten Dosen sinnvoll. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor, die alkalisierende Wirkung kann grundsätzlich die Ausscheidung mancher Arzneistoffe über die Niere verändern.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Übersicht von Übersichtsarbeiten (umbrella review), 8 eingeschlossene Meta-Analysen mit zusammen über 80 Primärstudien · 2021

    Effects of sodium bicarbonate supplementation on exercise performance, an umbrella review

    Grgic J, Grgic I, Del Coso J, Schoenfeld BJ, Pedisic Z. J Int Soc Sports Nutr

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05, 06, 07, 08

  2. 02

    RCT, offen, nicht verblindet, Parallelgruppen, n gleich 188, 6 Monate · 2020

    Correction of metabolic acidosis improves muscle mass and renal function in chronic kidney disease stages 3 and 4, a randomized controlled trial

    Dubey AK, Sahoo J, Vairappan B, Haridasan S, Parameswaran S, Priyamvada PS. Nephrol Dial Transplant

    Zur Zuschreibung: 09

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