Nicotinamid-Ribosid-Chlorid
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Weitere Stoffe
Nicotinamid-Ribosid · NR · NR-Chlorid · Niagen (Markenrohstoff)
Auf einen Blick
- Was es ist
- Das Chloridsalz von Nicotinamid-Ribosid, einer Vorstufe des Coenzyms NAD+ aus der Vitamin-B3-Familie. Ein anderer Stoff als Niacin und als Nicotinamid-Mononukleotid (NMN), auch wenn alle drei am Ende in dieselbe NAD+-Synthese münden
- Herkunft
- Kommt in Spuren natürlich vor, etwa in Kuhmilch, wird als Nahrungsergänzung synthetisch hergestellt. Praktisch die gesamte zitierte Humanliteratur arbeitet mit dem Markenrohstoff Niagen beziehungsweise TRU NIAGEN (Hersteller ChromaDex, seit 2024 Niagen Bioscience), der als Studienware oder mit Teilförderung bereitgestellt wurde, auch bei Studien, deren Autoren selbst keinen persönlichen Interessenkonflikt angeben. Eine weitere zentrale Studie stammt praktisch vollständig von Nestlé-Angestellten, ein Konkurrenzpräparat von Angestellten des Anbieters Elysium Health, ein weiteres von Autoren mit ChromaDex-Patenten
- Wirkform in Studien
- Oral eingenommenes Nicotinamid-Ribosid-Chlorid, in aller Regel als Markenrohstoff Niagen beziehungsweise TRU NIAGEN
- Übliche Studiendosis
- 100 bis 2000 mg pro Tag, in einer Sicherheitsstudie bis 3000 mg. Eine Dosis-Wirkungs-Studie mit 100, 300 und 1000 mg pro Tag zeigt einen mit der Dosis ansteigenden, aber abflachenden Anstieg des Blut-NAD+-Spiegels (22, 51 und 142 Prozent nach 14 Tagen, nach 56 Tagen 10, 48 und 139 Prozent, jeweils gegenüber dem eigenen Ausgangswert der Gruppe und nicht als Unterschied zu Placebo berichtet, die 100-mg-Gruppe lag zu keinem Zeitpunkt über der Placebo-Gruppe), ein Plateau ist bis 3000 mg nicht belegt. Studiendauer 14 Tage bis 26 Wochen, eine Studie 24 Wochen
- Bekannt geworden durch
- Die Vermarktung als NAD-Booster, mit der Wirkkette mehr NAD+ im Körper, dadurch bessere Zellfunktion, dadurch langsameres Altern
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien überwiegend gut vertragen, auch in hohen Dosen bis 3000 mg pro Tag über mehrere Wochen. Vereinzelt leichte Magen-Darm-Beschwerden. Der Homocysteinspiegel blieb in zwei Studien bis 1000 mg pro Tag über 30 beziehungsweise 56 Tage unverändert, in einer Studie mit 3000 mg pro Tag stieg er leicht und vorübergehend, der Methyldonor-Pool blieb dabei nach Angabe der Autoren intakt
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
NAD+-Spiegel im Blut, ein Biomarker, kein klinischer Endpunkt
Gut belegtEinordnung und Einschränkungen
Der Anstieg selbst ist die am saubersten reproduzierte Einzelbeobachtung der gesamten Literatur zu diesem Stoff, gemessen per Massenspektrometrie, kaum verzerrbar durch Erwartung. Die eine Studie, die die Dosis-Wirkungs-Kurve wirklich aufspannt, ist eine Sicherheits- und Verfügbarkeitsstudie an übergewichtigen, ansonsten gesunden Erwachsenen, n gleich 140, Conze und Kollegen 2019. Dort stieg der Vollblut-NAD+-Spiegel unter 100, 300 und 1000 mg Nicotinamid-Ribosid-Chlorid pro Tag dosisabhängig um 22, 51 und 142 Prozent, allerdings gemessen am Tag 14 und jeweils gegenüber dem eigenen Ausgangswert der Gruppe, nicht als Unterschied zu Placebo. Am Tag 56 lagen dieselben Gruppen bei 10, 48 und 139 Prozent über ihrem eigenen Ausgangswert. Signifikant gegenüber Placebo waren laut Volltext nur die Gruppen mit 300 und 1000 mg, die 100-mg-Gruppe lag zu allen Zeitpunkten auf Placebo-Niveau, und in der Placebo-Gruppe selbst sank der NAD+-Spiegel über die 56 Tage leicht ab. Ein Plateau ist im untersuchten Bereich nicht erreicht. Die Studie wurde laut Interessenerklärung von ChromaDex finanziert, zwei Autoren sind Angestellte des Unternehmens, ein dritter (Charles Brenner) ist Erfinder der zugrunde liegenden ChromaDex-Patente und wissenschaftlicher Chefberater des Unternehmens. Bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Einschränkung stieg der Blut-NAD+-Spiegel unter 1 g pro Tag über 10 Wochen um das 2,6-Fache (p kleiner 0,001, 95-Prozent-Konfidenzintervall 17,77 bis 43,49), n gleich 20, Orr und Kollegen 2024, mit Studienware von ChromaDex und demselben Ko-Autor mit ChromaDex-Patenten und -Aktienbesitz. In einer zweiten Studie an älteren Menschen mit amnestischer leichter kognitiver Einschränkung verdoppelte sich der Blut-NAD+-Spiegel unter 2 Kapseln zu 250 mg Nicotinamid-Ribosid zweimal täglich (1000 mg pro Tag) über 12 Wochen, n gleich 42 ausgewertet, Martens und Kollegen 2026, Studienware laut Volltext von Niagen Bioscience (vormals ChromaDex) im Rahmen eines Material Transfer Agreements, in der Interessenerklärung selbst nicht genannt. In einer Sicherheitsstudie an Menschen mit Parkinson stieg der Blut-NAD-Stoffwechsel bei 3000 mg pro Tag (1500 mg zweimal täglich) über 4 Wochen um bis zu das 5-Fache, n gleich 20, Berven und Kollegen 2023 (NR-SAFE), zwei Autoren mit angemeldetem Patent auf die Nutzung von Nicotinamid-Ribosid bei Parkinson. Dieselbe norwegische Arbeitsgruppe zeigte bereits zuvor in einer separaten, ebenfalls mit ChromaDex-Studienware durchgeführten Phase-1-Studie an 30 neu diagnostizierten, unbehandelten Parkinson-Patienten einen signifikanten, aber variablen Anstieg des zerebralen NAD-Spiegels unter 1000 mg pro Tag über 30 Tage (31P-Magnetresonanzspektroskopie), mit milder klinischer Assoziation bei den Respondern, Brakedal und Kollegen 2022 (NADPARK), eine kleine Phase-1-Arbeit in einer Krankheitspopulation, deren klinischer Zusatzbefund von den Autoren selbst als vorläufig eingeordnet wird. Bei Erwachsenen mit stabiler, chronisch eingeschränkter Lungenfunktion stieg der Vollblut-NAD+-Spiegel unter 2000 mg pro Tag laut Volltext (vier Kapseln zu 250 mg morgens und abends) über 6 Wochen um mehr als das Zweifache, n gleich 40, Norheim und Kollegen 2024, zwei Ko-Autoren sind Angestellte und Anteilseigner des Anbieters Elysium Health. In einer offen verabreichten, placebokontrollierten Vergleichsstudie an 65 gesunden Erwachsenen über 14 Tage hoben je 1000 mg Nicotinamid-Ribosid und Nicotinamid-Mononukleotid pro Tag den zirkulierenden NAD+-Spiegel vergleichbar an, 500 mg Nicotinamid pro Tag dagegen nicht, Dosis laut Abstract nicht genannt, laut Volltext aber wie beschrieben, Christen und Kollegen 2026, offenes statt verblindetes Design, sämtliche Erstautoren sind bei Nestlé Research beziehungsweise Nestlé Health Science angestellt, einem Unternehmen mit eigenen NAD-Präparaten, das in dieser Studie als Nicotinamid-Ribosid-Präparat laut Methodenteil ausgerechnet TRU NIAGEN Pro einsetzte, also wiederum den Markenrohstoff von ChromaDex beziehungsweise Niagen Bioscience. Bereits 2018 zeigte die erste größere kontrollierte Studie einen zuverlässigen NAD+-Anstieg bei gesunden Erwachsenen mittleren und höheren Alters, laut Volltext 1000 mg pro Tag (500 mg zweimal täglich) und n gleich 30 randomisiert in einem 2-mal-6-Wochen-Crossover, beides im Abstract nicht genannt, Martens und Kollegen 2018, im Interessenkonflikt-Abschnitt selbst ohne Angaben, laut separatem Funding-Statement im Volltext aber mit NR-Referenzstandards und Teilfinanzierung durch ChromaDex, Inc. Auch im Muskelgewebe selbst zeigte sich mehrfach ein Anstieg von Syntheseprodukten, bei älteren Männern erhöhte 1 g pro Tag über 21 Tage das muskuläre NAD+-Metabolom (mehr Nicotinsäure-Adenin-Dinukleotid und Nicotinamid-Abbauprodukte), n gleich 12, Elhassan und Kollegen 2019, NR-Chlorid und Placebo laut Volltext-Methodenteil als 250-mg-Niagen-Kapseln von ChromaDex bereitgestellt, mit demselben Ko-Autor (Charles Brenner) mit ChromaDex-Patenten und -Aktienbesitz. Bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen waren unter 1000 mg pro Tag über 6 Wochen ebenfalls Marker einer gesteigerten NAD+-Synthese im Muskel erhöht, n gleich 13, Remie und Kollegen 2020, NIAGEN und Placebo laut Danksagung im Volltext von ChromaDex Inc. bereitgestellt, ohne Einfluss auf Design, Auswertung oder Manuskript laut eigener Angabe. Dem steht ein Gegenbefund an einer grösseren, länger und höher dosierten Kohorte gegenüber, bei adipösen, insulinresistenten Männern blieb der steady-state-NAD+-Spiegel im Muskel unter 2000 mg pro Tag über 12 Wochen unverändert, bei gleichzeitig 14 Prozent weniger NAMPT-Protein, n gleich 40, Dollerup und Kollegen 2020. Die Herkunft der Studienware dieser Kohorte bleibt auch nach erneuter Suche offen, ein freier Volltext liegt nicht vor, die bei Crossref hinterlegten Geldgeber der Kohorte sind die Novo Nordisk Foundation und der dänische Forschungsrat und damit kein Anbieter von NAD-Präparaten. Die drei Muskel-Arbeiten maßen dabei nicht identisch, Elhassan und Remie erfassten Syntheseprodukte und Zwischenmetabolite, Dollerup den steady-state-Spiegel selbst, ein Anstieg im Fluss und ein unveränderter Pool schliessen sich nicht zwingend aus. Zusätzlich fand eine kleine Phase-2-Studie zur Nervenregeneration keinen Anstieg des Plasma-NAD+-Spiegels, nur in der Haut zeigte sich ein kleiner Anstieg, Dosis und Teilnehmerzahl nennt das Abstract nicht, Thomas und Kollegen 2026. Zu dieser Arbeit gibt es keinen frei zugänglichen Volltext und im PubMed-Datensatz keine Interessenerklärung, Herkunft der Studienware und Förderung bleiben deshalb offen. Insgesamt tragen von den 12 hier ausgewerteten Humanstudien mindestens 9 eine direkte materielle Verbindung zu einem Anbieter von NAD-Präparaten (7 zu ChromaDex beziehungsweise Niagen Bioscience als Studienware-Lieferant, Teilförderer oder über Patente beteiligter Autoren, 1 zu Elysium Health, 1 zu Nestlé, das seinerseits wieder ChromaDex-Ware einsetzte), bei 2 (Dollerup, Thomas) liess sich die Herkunft der Studienware mit den hier zugänglichen Volltexten nicht klären. Der Anstieg im Blut gilt als gut belegt, weil er ein objektiv gemessener, laborchemischer Wert ist, der über mehrere voneinander unabhängige Arbeitsgruppen (Colorado, Bergen, Nestlé Schweiz) und Dosierungen hinweg im selben Muster auftritt, nicht weil die Studienlage frei von Herstellerbindung wäre, das ist sie nicht. Im Gewebe selbst ist das Bild uneinheitlicher und hängt vom gemessenen Marker ab. Wichtig, ein erhöhter Blutwert ist ein Biomarker, keine eigenständige Wirkung auf Funktion oder Befinden
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02
Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest bei Menschen mit vaskulär bedingt eingeschränkter Gehleistung in den Beinen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, doppelblinde Studie an 90 Menschen mit durchblutungsbedingt eingeschränkter Gehstrecke in den Beinen verglich 6 Monate Nicotinamid-Ribosid, mit und ohne Resveratrol, gegen Placebo, laut Volltext 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag als 250-mg-Kapseln, im Abstract nicht genannt. Nach 6 Monaten verbesserte sich die 6-Minuten-Gehstrecke unter Nicotinamid-Ribosid um plus 7,0 Meter gegenüber minus 10,6 Metern unter Placebo, Gruppenunterschied plus 17,6 Meter, einseitiges 90-Prozent-Konfidenzintervall 1,8 bis unendlich, p gleich 0,08. In einer nachträglichen, nicht vorab geplanten Auswertung der Teilnehmer mit mindestens 75 Prozent Einnahmetreue verbesserte sich die Gehstrecke unter Nicotinamid-Ribosid allein um 31,0 Meter und in Kombination mit Resveratrol um 26,9 Meter, McDermott und Kollegen 2024 (NICE-Studie). Resveratrol brachte keinen Zusatznutzen gegenüber Nicotinamid-Ribosid allein. Einschränkung, die Studie hatte vorab ein einseitiges Signifikanzniveau von p kleiner 0,10 statt der üblichen zweiseitigen 0,05 festgelegt und berichtet dazu passend ein einseitiges 90-Prozent-Intervall. Mit dem üblichen Massstab wäre der Befund nicht signifikant, die Autoren nennen die Studie selbst eine Phase-2-Arbeit und fordern eine größere Bestätigungsstudie. Laut Volltext wurden das Nicotinamid-Ribosid und das Resveratrol als Studienware von ChromaDex beziehungsweise vom Hersteller ReserveAge bereitgestellt, in der Interessenerklärung selbst ohne Nennung, dort steht nur eine unabhängige Forschungsförderung durch die American Heart Association. Nach gezielter PubMed-Suche zu Nicotinamid-Ribosid und Gehstrecke die einzige gefundene Studie zu diesem Endpunkt
Quellen: 6
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03
Muskelmasse und körperliche Leistungsfähigkeit (Griffkraft, Gehgeschwindigkeit, Kurztests) bei älteren Erwachsenen, schwache und uneinheitliche Datenlage ohne erkennbaren Nutzen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus RCTs zu Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) und Nicotinamid-Ribosid (NR) bei Erwachsenen mit einem Altersdurchschnitt von 60,9 bis 83 Jahren wertete Skelettmuskelindex, Griffkraft und Gehgeschwindigkeit aus. Statistisch zusammengeführt wurde nur die NMN-Datenlage, und dort zeigte sich kein Effekt: Skelettmuskelindex aus 3 Studien, mittlere Differenz minus 0,42, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,99 bis 0,14; Griffkraft aus 5 Studien je Seite ohne Effekt; Gehgeschwindigkeit aus 4 Studien, mittlere Differenz minus 0,01, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,08 bis 0,06. Für Nicotinamid-Ribosid selbst reichten die vorliegenden Studien für eine gemeinsame statistische Auswertung nicht, die Übersicht beschreibt sie nur erzählend, unter anderem gestützt auf die Pilotstudie zu leichter kognitiver Einschränkung mit n gleich 20 (Orr und Kollegen 2024, siehe auch eigene Wirkungszeile zur Kognition): niedrigere Werte im Kurz-Leistungstest (SPPB) und ein langsamerer 5-mal-Aufstehen-Test, sowie eine unter Nicotinamid-Ribosid unveränderte Gehgeschwindigkeit, während sie sich in der Placebo-Gruppe im Studienverlauf signifikant verbesserte (p gleich 0,0402 Placebo gegenüber p gleich 0,4698 Verum), vermutlich ein Übungseffekt, Prokopidis und Kollegen 2025. Wichtig: Diese Pilotstudie ist eine der Arbeiten, auf die sich die Übersicht in ihrer erzählenden Zusammenfassung stützt, kein zweiter, unabhängiger Befund daneben, deshalb ist widersprüchlich hier die falsche Stufe, es handelt sich um dieselbe Datenquelle auf zwei Ebenen betrachtet. Die eigene Wirkungszeile zur Gehstrecke bei vaskulär eingeschränkter Gehleistung in den Beinen (McDermott und Kollegen 2024) betrifft eine andere Population und einen anderen Endpunkt und beantwortet nicht dieselbe Frage wie Muskelmasse und -kraft bei generell älteren Menschen. Die Autoren der Übersicht ziehen insgesamt das Fazit, die aktuelle Evidenz stütze eine Erhaltung von Muskelmasse und -funktion bei Menschen über 60 weder für NMN noch für NR, gestützt für NR aber nur auf diese eine kleine Pilotstudie, nicht auf eine eigene gepoolte Auswertung. Diese Übersichtsarbeit selbst ist laut Volltext-Förderangabe eine der wenigen ohne erkennbare Bindung an einen NAD-Präparate-Hersteller, ein Autor nennt unabhängige Vortragshonorare von Pharmaunternehmen ausserhalb dieser Arbeit
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04
Kognitive Leistung bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Einschränkung sowie bei Erwachsenen mit Long-COVID, in drei unabhängigen placebokontrollierten Studien ohne Effekt auf den jeweiligen primären kognitiven Endpunkt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Drei unabhängige randomisierte, placebokontrollierte Studien prüften Nicotinamid-Ribosid gezielt bei Menschen mit kognitiven Beschwerden. In der ersten (n gleich 20, ältere Menschen mit leichter kognitiver Einschränkung, Dosis-Eskalation bis 1 g pro Tag, 10 Wochen) blieben der primäre Endpunkt MoCA sowie weitere neurokognitive und psychometrische Messwerte laut Abstract über die Studiendauer stabil, das Abstract berichtet dafür keinen separaten Vergleichswert der Placebo-Gruppe, Orr und Kollegen 2024. In der zweiten (n gleich 42 ausgewertet, 22 unter Nicotinamid-Ribosid, 20 unter Placebo, 1000 mg pro Tag, 12 Wochen, amnestische leichte kognitive Einschränkung) zeigte sich beim primären Endpunkt kognitive Funktion keine Verbesserung, ebenso wenig bei der gesamten Hirndurchblutung oder beim Blutdruck als sekundären Endpunkten, Martens und Kollegen 2026. In der dritten, grössten und am längsten laufenden Studie (n gleich 58 randomisiert, 2000 mg pro Tag, 24 Wochen, Erwachsene mit anhaltenden Beschwerden nach COVID-19) zeigten sich beim primären Endpunkt Kognition (drei Messverfahren: ECog, RBANS, Trail-Making-Test B) keine signifikanten Gruppenunterschiede (p-Werte 0,47 bis 0,74), ebenso wenig bei Erschöpfung, Schlafqualität, Angst oder depressiven Symptomen als sekundären Endpunkten, Wu und Kollegen 2025. Alle drei Studien bestätigten dabei zuverlässig den Anstieg des Blut-NAD+-Spiegels (bei Wu und Kollegen auf das 2,6- bis 3,1-Fache), was zeigt, dass der erste Schritt der Wirkkette griff, der zweite aber nicht. Bei Wu und Kollegen 2025 fiel zusätzlich eine deutlich höhere Abbruchquote in der durchgehend mit Nicotinamid-Ribosid behandelten Gruppe auf (32,4 Prozent nach 10 Wochen, 51,4 Prozent nach 20 Wochen, gegenüber 14,3 Prozent unter Placebo je Zeitpunkt); laut Volltext war der häufigste Abbruchgrund eine COVID-19-Neuinfektion, gefolgt von unerwünschten Ereignissen (8 von 37 gegenüber 2 von 21, davon in der Nicotinamid-Ribosid-Gruppe nur 2 der 8 als sicher studienbezogen eingestuft), Medikamentenwechseln und organisatorischen Gründen, die Autoren selbst werten die Abbrüche überwiegend als zufällig statt systematisch mit der Behandlung zusammenhängend. Ein einzelnes schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis wurde als nicht studienbezogen bewertet. Diese Studie wurde von Niagen Bioscience (dem heutigen ChromaDex) gefördert, zwei Autoren (darunter wieder Charles Brenner) sitzen im wissenschaftlichen Beirat von Niagen Bioscience und halten Unternehmensanteile. Keine der drei Arbeiten berichtet ein Effektmass mit Konfidenzintervall für den kognitiven Nullbefund, deshalb hier hinweise statt nicht bestätigt, mit der Richtung ausdrücklich im Namen: kein Effekt auf Kognition in allen drei bisher vorliegenden Studien unterschiedlicher Populationen
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05
Entzündungsmarker im Atemwegssekret (Interleukin-8) bei Erwachsenen mit stabiler, chronisch eingeschränkter Lungenfunktion
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 40 Erwachsenen mit stabiler, chronisch eingeschränkter Lungenfunktion, laut Volltext 2000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag als vier 250-mg-Kapseln morgens und abends, im Abstract nicht genannt, 6 Wochen Behandlung plus 12 Wochen Nachbeobachtung. Primärer Endpunkt war die Veränderung von Interleukin-8 im Sputum, minus 52,6 Prozent gegenüber Placebo nach 6 Wochen (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 75,7 bis minus 7,6 Prozent, p gleich 0,030), der Effekt hielt bis zur Nachbeobachtung nach 12 Wochen an (minus 63,7 Prozent, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 85,7 bis minus 7,8 Prozent, p gleich 0,034). Interleukin-6 im Blutplasma veränderte sich nicht. Explorative Analysen deuteten auf hochregulierte Reparaturgene und eine geringere epigenetische Alterung hin, die Autoren selbst nennen das bestätigungsbedürftig, Norheim und Kollegen 2024. Einschränkung, nach gezielter PubMed-Suche zu Nicotinamid-Ribosid und Atemwegsentzündung die einzige gefundene Studie zu diesem Endpunkt in dieser Population, kleine Stichprobe, zwei der Autoren sind Angestellte des NAD-Präparate-Anbieters Elysium Health und halten Anteile am Unternehmen
Quellen: 5
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06
Systolischer Blutdruck bei sitzenden Erwachsenen ab 55 Jahren mit erhöhtem Blutdruck, ohne Effekt zusätzlich zum Ausdauertraining
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, doppelblinde Pilotstudie an 54 sitzenden Erwachsenen ab 55 Jahren mit einem mittleren Tages-Blutdruck von mindestens 130 mmHg systolisch verglich 6 Wochen 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag plus 3-mal wöchentlich 30 Minuten Gehtraining gegen Placebo plus dasselbe Training sowie gegen Nicotinamid-Ribosid allein, n gleich 49 abgeschlossen. Der primäre Endpunkt, der systolische Tages-Blutdruck, sank unter Verum plus Training nicht stärker als unter Placebo plus Training (Änderung plus 5,19 gegenüber minus 2,71 mmHg, Standardabweichungen 13,2 beziehungsweise 10,5, kein Konfidenzintervall für die Gruppendifferenz berichtet). Im selben Abstract berichten dieselben Autoren aber auch einen Trend zu einer stärkeren Senkung der Pulswellengeschwindigkeit, einem Steifigkeitsmass der Arterien (minus 0,31 gegenüber unbestimmtem Placebo-Wert, Angabe minus 0,31 plus/minus 0,77 m/s), sowie in einer Post-hoc-Analyse ohne blutdrucksenkende Medikation einen Trend zu stärkerer nächtlicher Blutdrucksenkung, beides als Trend und nicht als signifikanter Haupteffekt berichtet, Lin und Kollegen 2025, Nicotinamid-Ribosid und Placebo laut Volltext von Niagen Bioscience (vormals ChromaDex) bereitgestellt, unabhängige Förderung durch das National Institute on Aging, in der Interessenerklärung selbst ohne Nennung der Studienware-Herkunft. Bereits 2018 hatte eine erste Studie an gesunden Erwachsenen mittleren und höheren Alters selbst keinen Blutdruckwert gemessen, sondern nur angeregt, dass künftige Studien den möglichen Nutzen von Nicotinamid-Ribosid für Blutdruck und Gefäßsteifigkeit prüfen sollten, Martens und Kollegen 2018, ebenfalls mit ChromaDex-Teilförderung laut Funding-Statement, das ist der Hintergrund, vor dem Lin und Kollegen die Frage 2025 erstmals direkt testeten. In einer kleineren Vorstudie an übergewichtigen und adipösen Erwachsenen veränderte sich der ambulant gemessene Blutdruck unter 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag über 6 Wochen ebenfalls nicht gegenüber Placebo, n gleich 13, Remie und Kollegen 2020, ebenfalls mit ChromaDex-Studienware. Alle drei Arbeiten berichten den Blutdruck-Nullbefund ohne Effektmass mit Konfidenzintervall, deshalb hinweise statt nicht bestätigt, und keine der Studien zu diesem Endpunkt war auf Blutdruck als bestätigenden, gepowerten Endpunkt ausgelegt, alle drei sind ausdrücklich Pilotstudien. Bemerkenswert: Alle drei Studien, die zu diesem Nullbefund kommen, wurden mit Studienware desselben Herstellers durchgeführt, eine von der Herstellerbindung unabhängige Blutdruckstudie zu Nicotinamid-Ribosid liegt nicht vor
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07
Insulinsensitivität und Glukosestoffwechsel bei Männern mit einem Body-Mass-Index über 30, ohne Effekt in mehreren Auswertungen derselben Studienkohorte
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie an 40 Männern mit einem Body-Mass-Index über 30 (20 unter Nicotinamid-Ribosid, 20 unter Placebo) prüfte 2000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag (1000 mg zweimal täglich) über 12 Wochen. Per hyperinsulinämisch-euglykämischer Clamp-Methode, dem Referenzverfahren für Insulinsensitivität, zeigte sich keine Verbesserung der Insulinsensitivität, der körpereigenen Glukoseproduktion oder der Glukoseverwertung, ebenso wenig bei Ruheenergieumsatz, Fettverbrennung oder Körperzusammensetzung, Dollerup und Kollegen 2018. Eine zweite Auswertung derselben Studienkohorte fand ebenfalls keine Veränderung von Nüchtern- oder postprandialer Glukose-, Insulin-, C-Peptid-, Glukagon-, GLP-1- oder GIP-Konzentration im oralen Glukosetoleranztest, Dollerup und Kollegen 2019. Keine der beiden Arbeiten nennt ein Effektmass mit Konfidenzintervall für diese Nullbefunde, deshalb hinweise statt nicht bestätigt. In einer kleineren Crossover-Studie an übergewichtigen und adipösen Erwachsenen (n gleich 13, 1000 mg pro Tag, 6 Wochen, ebenfalls mit ChromaDex-Studienware) bestätigte sich das Bild: keine Verbesserung von Insulinsensitivität, mitochondrialer Funktion oder Leberfettgehalt, Remie und Kollegen 2020. Dieser durchgehende Nullbefund für Nicotinamid-Ribosid speziell steht neben einem Gegenbefund für die Substanzklasse der NAD+-Vorstufen insgesamt: Zwei grosse Meta-Analysen finden bei gepoolter Betrachtung aller NAD+-Vorstufen einen leichten Anstieg von Nüchternglukose und HbA1c, siehe dazu die Einordnung im Abschnitt Sicherheit, dort auch mit der Einschränkung, dass dieser Anstieg überwiegend auf Nicotinsäure-Studien zurückgeht, nicht auf Nicotinamid-Ribosid
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08
Körperzusammensetzung (fettfreie Masse) bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie an 13 gesunden übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen war der Anteil der fettfreien Körpermasse am Ende von 6 Wochen 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag höher als am Ende der Placebo-Phase desselben Crossovers, 62,65 Prozent unter Nicotinamid-Ribosid gegenüber 61,32 Prozent unter Placebo, Differenz plus 1,34 Prozentpunkte, p gleich 0,02, ebenso war der Ruheumsatz während des Schlafs geringfügig höher, Remie und Kollegen 2020, Studienware laut Volltext-Danksagung von ChromaDex Inc. bereitgestellt. Nach gezielter PubMed-Suche zu Nicotinamid-Ribosid und Körperzusammensetzung die einzige gefundene Studie zu diesem Endpunkt, kleine Stichprobe, Crossover-Design ohne Angabe eines Konfidenzintervalls für die Differenz, keine unabhängige Bestätigung
Quellen: 12
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09
Kardiopulmonale Belastbarkeit (Spitzensauerstoffaufnahme) zusätzlich zu individualisiertem Training bei Kindern und Erwachsenen mit Friedreich-Ataxie, einer seltenen Erbkrankheit, ohne Zusatznutzen gegenüber Training allein
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die methodisch sauberste randomisierte Studie zu Nicotinamid-Ribosid überhaupt, ein 2x2-faktorielles Design mit vier Armen (Placebo ohne Training, Nicotinamid-Ribosid ohne Training, Placebo mit individualisiertem Training, Nicotinamid-Ribosid mit Training), n gleich 66 randomisiert im Alter von 10 bis 40 Jahren, gewichtsadaptierte Dosis von 300 bis 900 mg pro Tag, 12 Wochen. Primärer Endpunkt war die Änderung der Spitzensauerstoffaufnahme (Peak-VO2). Nicotinamid-Ribosid allein unterschied sich nicht von Kontrolle (Differenz 0,10 l pro Minute, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,05 bis 0,26, p adjustiert gleich 0,188). Training allein unterschied sich ebenfalls nicht signifikant von Kontrolle (0,16 l pro Minute, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,00 bis 0,31, p adjustiert gleich 0,103). Nur die Kombination aus Nicotinamid-Ribosid und Training erreichte gegenüber Kontrolle Signifikanz (0,21 l pro Minute, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,05 bis 0,36, p adjustiert gleich 0,0299), die entscheidende zweite Stufe der vorab geplanten Analyse zeigt aber: Die Kombination unterschied sich nicht von Training allein (Differenz minus 0,05, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,10 bis 0,21, p gleich 0,49). Nicotinamid-Ribosid fügt dem Trainingseffekt in dieser Studie also nichts hinzu, Lin und Kollegen 2026. Alle unerwünschten Ereignisse waren mild oder moderat, mit ähnlicher Häufigkeit über alle vier Gruppen. Finanziert von den US-amerikanischen National Institutes of Health und der Friedreich Ataxia Research Alliance, mehrere Autoren nennen in der Interessenerklärung Beratungs- oder Studienbeziehungen zu verschiedenen Unternehmen, darunter für separate, andere Studien Materialbezug von Metro Biotech und von Elysium Health, für diese konkrete Studie ist keine Bindung an einen NAD-Präparate-Hersteller angegeben. Eine seltene Erbkrankheit mit eigenem, früh beeinträchtigtem Energiestoffwechsel ist auf gesunde Menschen nicht übertragbar, deshalb eigene Zeile statt Einordnung unter die allgemeine Muskel- und Leistungsfähigkeits-Zeile. Kein Effektmass mit Konfidenzintervall fehlt hier zwar nicht, aber die zentrale Aussage ist ein Nulleffekt beim Vergleich zur Trainingsgruppe, deshalb hinweise statt einer stärkeren Stufe
Quellen: 22
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10
Verlangsamung des Alterungsprozesses beziehungsweise Lebensverlängerung beim Menschen, der Wirkweg wurde beim Menschen nie bis zu diesem Endpunkt verfolgt
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Die vermarktete Wirkkette lautet: mehr NAD+ im Körper, dadurch bessere Zellfunktion, dadurch langsameres Altern. Der erste Schritt ist beim Menschen gut belegt, der Blut-NAD+-Spiegel steigt zuverlässig (siehe eigene Wirkungszeile). Zum zweiten Schritt, einer daraus folgenden Verbesserung an einem klinischen Endpunkt, liegen mehrere Humanstudien vor, aber ausnahmslos kleine Pilotarbeiten ohne Anspruch auf eine bestätigende, gepowerte Aussage, oder Arbeiten in Krankheitspopulationen: Orr und Kollegen 2024 zur Kognition nennt sich selbst Pilotstudie, n gleich 20; Martens und Kollegen 2026 nennt sich selbst Phase-II-Pilotstudie, n gleich 42; Lin und Kollegen 2025 zum Blutdruck nennt sich selbst Pilotstudie, n gleich 49; Wu und Kollegen 2025 zu Long-COVID hat n gleich 58 mit ausgeprägtem Abbruch in der Verum-Gruppe; Remie und Kollegen 2020 hat n gleich 13; die Dollerup-Arbeiten sind eine einzige Kohorte von n gleich 40, dreifach publiziert; die methodisch sauberste vorliegende Arbeit, Lin und Kollegen 2026 an Menschen mit Friedreich-Ataxie (n gleich 66, eigene Wirkungszeile), zeigt für Nicotinamid-Ribosid ausdrücklich keinen Zusatznutzen zu Training allein; und selbst die positive Gehstrecken-Studie mit n gleich 90 (McDermott und Kollegen 2024) fordert im eigenen Abstract ausdrücklich eine größere Bestätigungsstudie. Keine dieser Arbeiten ist gepowert, um einen Nulleffekt verlässlich zu zeigen, ein überwiegend uneinheitliches beziehungsweise negatives Bild in lauter unterpowerten Einzelstudien ist deshalb kein Beleg dafür, dass der zweite Schritt der Kette nicht trägt, es ist offene Evidenz. Der dritte Schritt, eine tatsächliche Verlangsamung des Alterns oder eine Lebensverlängerung, wurde in keiner der hier ausgewerteten Arbeiten überhaupt als Endpunkt gemessen, und ist mit den üblichen Studienlaufzeiten von Wochen bis wenigen Monaten am Menschen grundsätzlich nicht direkt prüfbar. Das ist der entscheidende Punkt: Diese Zeile ist nicht deshalb offen, weil Studien es versucht und nichts gefunden haben, sondern weil niemand es am vorgesehenen Endpunkt untersucht hat. Als Näherung dienen an zwei Stellen epigenetische Uhren, in der Studie bei stabiler, chronisch eingeschränkter Lungenfunktion (Norheim und Kollegen 2024) und bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Einschränkung (Martens und Kollegen 2026): Beide berichten explorative Hinweise auf eine geringere errechnete epigenetische Alterung, beide Male von den Autoren selbst ausdrücklich als bestätigungsbedürftig markiert, kein vorab festgelegter Endpunkt. Eine dritte, dedizierte Methylierungsstudie an derselben norwegischen Parkinson-Kohorte wie die NAD-Sicherheitsstudien fand dagegen unter 1000 mg pro Tag über 30 Tage keinerlei Einfluss auf die globale DNA-Methylierung, auch nicht bei Trägern von MTHFR-Genvarianten, Gaare und Kollegen 2023, siehe Abschnitt Sicherheit. In einer kleinen Studie an Menschen mit Werner-Syndrom, einer seltenen erblichen Erkrankung mit stark beschleunigtem Altern, besserten sich unter 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag über 26 Wochen die Gefäßsteifigkeit (CAVI-Index) und die Fläche von Hautgeschwüren, laut Volltext wurden 11 Patienten eingeschlossen, 9 randomisiert und nur 6 schlossen den Crossover ab, Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht, Shoji und Kollegen 2025, mit Studienware von ChromaDex, das laut eigener Angabe nicht an Auswertung und Manuskript beteiligt war. Bei neu diagnostizierten, unbehandelten Parkinson-Patienten war ein Anstieg des zerebralen NAD-Spiegels unter 1000 mg pro Tag über 30 Tage mit einer laut Autoren milden klinischen Verbesserung assoziiert, allein bei den Respondern, Brakedal und Kollegen 2022 (NADPARK), ebenfalls eine Krankheitspopulation und eine explorative, von den Autoren selbst als bestätigungsbedürftig eingeordnete Assoziation. Beide Krankheitspopulationen sind auf gesunde Alterung nicht übertragbar. Insgesamt gilt, nach der hier durchgeführten Recherche gibt es für diesen Stoff beim Menschen keine gezeigte Verlangsamung des Alterns, aber das liegt daran, dass es niemand am eigentlichen Endpunkt untersucht hat, nicht daran, dass jemand es untersucht und nicht gefunden hat
Studien im Detail
Warum dieser Eintrag zwischen NR, NMN und Niacin unterscheidet
Nicotinamid-Ribosid, Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) und Niacin sind drei verschiedene Stoffe mit jeweils eigener Studienlage, auch wenn sie alle in die NAD+-Synthese münden. Dieser Eintrag behandelt ausschliesslich Nicotinamid-Ribosid-Chlorid. Wo eine zitierte Übersichtsarbeit auch NMN einschliesst, steht das an der jeweiligen Stelle ausdrücklich dabei, und Ergebnisse, die nur für NMN gepoolt wurden, werden nicht Nicotinamid-Ribosid zugeschrieben. Niacin, aus Nicotinamid-Ribosid-Chlorid rechnerisch als Niacin-Äquivalent ausweisbar, ist ein eigener EFSA-Nährstoff mit eigenem Eintrag und wird hier nicht mitbehandelt.
Die Wirkkette in drei Gliedern
Nicotinamid-Ribosid wird mit der Kette beworben: mehr NAD+ im Körper, dadurch bessere Zellfunktion, dadurch langsameres Altern. Dieser Eintrag prüft die drei Glieder einzeln, statt sie als ein Paket zu behandeln.
Erstes Glied: der NAD+-Spiegel
Das ist der am besten untersuchte und am zuverlässigsten bestätigte Teil der Kette, im Blut. Eine eigens auf die Dosis-Wirkungs-Frage angelegte Studie an 140 übergewichtigen Erwachsenen zeigt einen dosisabhängigen Anstieg des Vollblut- NAD+-Spiegels unter 100, 300 und 1000 mg pro Tag um 22, 51 und 142 Prozent. Diese Zahlen sind Veränderungen innerhalb der jeweiligen Gruppe am Tag 14, kein Unterschied zu Placebo, am Tag 56 lagen dieselben Gruppen bei 10, 48 und 139 Prozent. Gegenüber Placebo war nur der Anstieg unter 300 und 1000 mg signifikant, die 100-mg-Gruppe blieb auf Placebo-Niveau, ein Plateau ist im geprüften Bereich nicht erreicht, Conze und Kollegen 2019 [18], eine von ChromaDex finanzierte Studie, die ChromaDex mit eigenen Angestellten als Autoren durchgeführt hat. Bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Einschränkung stieg der Blut-NAD+-Spiegel unter 1 g Nicotinamid-Ribosid pro Tag über 10 Wochen um das 2,6-Fache (p kleiner 0,001), n gleich 20, Orr und Kollegen 2024 [4]. Bei Menschen mit Parkinson stieg er unter 3000 mg pro Tag über 4 Wochen um bis zu das 5-Fache, n gleich 20, Berven und Kollegen 2023 [3]. Dieselbe norwegische Arbeitsgruppe hatte zuvor an 30 neu diagnostizierten, unbehandelten Parkinson-Patienten unter 1000 mg pro Tag über 30 Tage einen signifikanten, aber variablen Anstieg des zerebralen NAD-Spiegels gezeigt, mit milder klinischer Assoziation nur bei den Respondern, Brakedal und Kollegen 2022 [24] (NADPARK), eine kleine Phase-1-Arbeit in einer Krankheitspopulation. Eine offene Vergleichsstudie an 65 gesunden Erwachsenen zeigte, dass je 1000 mg Nicotinamid-Ribosid und Nicotinamid-Mononukleotid pro Tag den zirkulierenden NAD+-Spiegel vergleichbar anheben, 500 mg Nicotinamid pro Tag dagegen nicht, Christen und Kollegen 2026 [10], eine Studie fast vollständig von Nestlé-Angestellten verfasst, die laut Methodenteil als Nicotinamid-Ribosid-Präparat TRU NIAGEN Pro einsetzte, also wiederum den Markenrohstoff von ChromaDex beziehungsweise Niagen Bioscience.
Auch im Muskelgewebe selbst zeigten sich mehrfach Anstiege: bei älteren Männern (n gleich 12, 1 g pro Tag, 21 Tage, Elhassan und Kollegen 2019 [2], mit ChromaDex-Studienware laut Volltext und einem Ko-Autor mit ChromaDex-Patenten) und bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen (n gleich 13, 1000 mg pro Tag, 6 Wochen, Remie und Kollegen 2020 [12], ebenfalls mit ChromaDex-Studienware laut Volltext-Danksagung) mehr Marker einer gesteigerten NAD+-Synthese im Muskel. Bei einer grösseren, länger und höher dosierten Kohorte adipöser, insulinresistenter Männer blieb dagegen der steady-state-NAD+-Spiegel im Muskel selbst unter 2000 mg pro Tag über 12 Wochen unverändert, n gleich 40, Dollerup und Kollegen 2020 [15], Herkunft der Studienware in dieser Recherche nicht zu klären. Die drei Arbeiten massen dabei nicht dasselbe: Syntheseprodukte gegen den Ruhepool, ein Anstieg im Fluss und ein unveränderter Pool schliessen sich nicht zwingend aus. In einer kleinen Studie zur Nervenregeneration erhöhte sich der Plasma-NAD+-Spiegel trotz oraler Gabe nicht, nur in der Haut zeigte sich ein kleiner Anstieg, Thomas und Kollegen 2026 [11]. Der Anstieg im Blut gilt damit als gut belegt, weil er über mehrere voneinander unabhängige Arbeitsgruppen (Colorado, Bergen, Nestlé Schweiz) und Dosierungen im selben Muster auftritt, nicht weil die Studienlage frei von Herstellerbindung wäre: Mindestens 9 der 12 hier zitierten Humanstudien zu diesem Punkt haben eine direkte materielle Verbindung zu einem NAD-Präparate-Anbieter, Details im Offen-Block.
Zweites Glied: klinische Endpunkte
Hier wird die Studienlage dünner, und vor allem: Sie besteht überwiegend aus kleinen Pilotarbeiten, keine ist auf einen bestätigenden, gepowerten Nachweis angelegt, und praktisch alle wurden mit Studienware desselben Herstellers durchgeführt. Positiv, aber mit weichem Massstab, bei Menschen mit durchblutungsbedingt eingeschränkter Gehleistung in den Beinen verbesserte sich die 6-Minuten- Gehstrecke unter 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag um 17,6 Meter gegenüber Placebo (einseitiges 90-Prozent-Konfidenzintervall 1,8 bis unendlich, p gleich 0,08 bei einem vorab festgelegten einseitigen Signifikanzniveau von 0,10), n gleich 90, McDermott und Kollegen 2024 [6], mit ChromaDex-Studienware laut Volltext, die selbst eine grössere Bestätigungsstudie fordern. Ein Atemwegs-Entzündungsmarker (Sputum-Interleukin-8) sank bei Menschen mit stabiler, chronisch eingeschränkter Lungenfunktion um 52,6 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 75,7 bis minus 7,6 Prozent), n gleich 40, Norheim und Kollegen 2024 [5], zwei Ko-Autoren mit Anteilen am Konkurrenzanbieter Elysium Health. Im selben Blutdruck-Pilot von Lin und Kollegen 2025 [8] (ebenfalls Niagen-Bioscience-Studienware) zeigte sich neben dem Blutdruck-Nullbefund ein Trend zu stärkerer Senkung der Pulswellengeschwindigkeit, eines Gefäßsteifigkeits-Masses, als Trend berichtet, nicht als signifikanter Haupteffekt.
Die methodisch sauberste vorliegende Studie zu einem klinischen Endpunkt, ein 2x2-faktorielles Design an 66 Menschen mit Friedreich-Ataxie, prüfte direkt, ob Nicotinamid-Ribosid einem Trainingsprogramm etwas hinzufügt: Es tat es nicht, die Kombination unterschied sich nicht von Training allein (Differenz minus 0,05 l pro Minute Peak-VO2, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,10 bis 0,21, p gleich 0,49), Lin und Kollegen 2026 [22]. Eine seltene Erbkrankheit ist zwar nicht auf gesunde Menschen übertragbar, das saubere Design macht den Nullbefund aber aussagekräftig für die generelle Frage, ob Nicotinamid-Ribosid einen Trainingseffekt verstärkt.
Überwiegend ohne Effekt, aber in durchweg kleinen oder pilotartigen Arbeiten: Kognition bei leichter kognitiver Einschränkung sowie bei Long-COVID in drei unabhängigen Studien [4, 9, 23], systolischer Blutdruck in drei Pilotstudien [1, 8, 12], Insulinsensitivität und Glukosestoffwechsel bei Männern mit Adipositas in mehreren Auswertungen derselben Kohorte [12, 13, 14], und eine kleine, in die Übersicht von Prokopidis und Kollegen 2025 [7] eingegangene Pilotstudie zu Muskelfunktion bei leichter kognitiver Einschränkung. Keine dieser Arbeiten ist gepowert, um eine echte Wirkungslosigkeit zu belegen, sie zeigen fehlende Bestätigung, nicht Widerlegung. Bei Wu und Kollegen 2025 [23] zur Kognition bei Long-COVID fiel zusätzlich eine deutlich höhere Abbruchquote in der durchgehend behandelten Gruppe auf (51,4 Prozent nach 20 Wochen gegenüber 14,3 Prozent unter Placebo je Zeitpunkt), laut Volltext überwiegend durch COVID-19-Neuinfektionen und organisatorische Gründe erklärt, nicht primär durch Nebenwirkungen; die Studie war von Niagen Bioscience gefördert.
Drittes Glied: Altern selbst
Eine tatsächliche Verlangsamung des Alterns oder eine Lebensverlängerung wurde in keiner der hier ausgewerteten Arbeiten als Endpunkt gemessen und lässt sich beim Menschen mit den üblichen Studienlaufzeiten von Wochen bis wenigen Monaten grundsätzlich nicht direkt prüfen. Das ist ein anderer Befund als eine geprüfte und nicht bestätigte Wirkung: Hier wurde am eigentlichen Endpunkt gar nicht gemessen. Als Näherung dienen an zwei Stellen epigenetische Uhren: In der Atemwegsstudie und in einer Studie bei leichter kognitiver Einschränkung zeigten sich explorative Hinweise auf eine geringere errechnete epigenetische Alterung, beide Male ausdrücklich von den Autoren als bestätigungsbedürftig markiert, kein vorab festgelegter Endpunkt [5, 9]. Eine dedizierte Methylierungsstudie an derselben Bergen-Kohorte fand dagegen unter 1000 mg pro Tag über 30 Tage keinerlei Einfluss auf die globale DNA-Methylierung, auch nicht bei Trägern von MTHFR-Genvarianten, Gaare und Kollegen 2023 [19], mehr dazu im Abschnitt Sicherheit. In einer kleinen Studie an Menschen mit Werner-Syndrom, einer seltenen erblichen Erkrankung mit stark beschleunigtem Altern, besserten sich unter 1000 mg Nicotinamid-Ribosid pro Tag über 26 Wochen die Gefäßsteifigkeit und die Fläche von Hautgeschwüren, Shoji und Kollegen 2025 [17]. Bei neu diagnostizierten Parkinson-Patienten war ein Anstieg des zerebralen NAD-Spiegels mit einer milden klinischen Verbesserung assoziiert, allein bei den Respondern, Brakedal und Kollegen 2022 [24]. Beide sind seltene Krankheitspopulationen und auf gesunde Alterung nicht übertragbar. Die Aussage bleibt richtig, dass für diesen Stoff beim Menschen keine gezeigte Verlangsamung des Alterns vorliegt, aber sie ist richtig, weil es niemand am vorgesehenen Endpunkt untersucht hat, nicht weil jemand es untersucht und nicht gefunden hat.
Tier- und Laborstudien
Zu diesem Eintrag wurden keine gesonderten Tier- oder Zelldaten ausgewertet, die Studienlage ist vollständig humangestützt. Vorklinische Daten zur Sirtuin- und Lebensspannen-Wirkung bei Hefe, Würmern und Mäusen liegen in der Literatur breit vor, wurden hier aber nicht gepruft und tragen keine Aussage für den Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den ausgewerteten Studien war Nicotinamid-Ribosid überwiegend gut verträglich, auch bei 3000 mg pro Tag über 4 Wochen ohne moderate oder schwere Nebenwirkungen, Berven und Kollegen 2023 [3].
Zum Homocystein- und Methylgruppenstoffwechsel ergibt sich ein dosisabhängiges Bild aus drei Arbeiten, die das gezielt geprüft haben: Bei bis zu 1000 mg pro Tag über 56 Tage veränderte sich der Plasma-Homocysteinspiegel laut Volltext nicht gegenüber Placebo, ebenso wenig das LDL-Cholesterin, die Autoren sprechen ausdrücklich von einer nicht gestörten Ein-Kohlenstoff- Stoffwechsellage, Conze und Kollegen 2019 [18]. Bei 1000 mg pro Tag über 30 Tage zeigte eine dedizierte Methylierungsstudie an Parkinson-Patienten laut Volltext keinerlei Einfluss auf DNA-Methylierung, SAM, SAH, Adenosin oder Homocystein, auch nicht bei Trägern von MTHFR-Genvarianten, die den Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel einschränken, Gaare und Kollegen 2023 [19]. Erst bei der bislang höchsten geprüften Dosis, 3000 mg pro Tag über 4 Wochen, stieg der Homocysteinspiegel initial leicht und vorübergehend an, wobei nach Angabe der Autoren die Integrität des Methyl-Donor-Pools insgesamt erhalten blieb, Berven und Kollegen 2023 [3]. Damit trat das bislang einzige Homocystein-Signal erst bei der höchsten geprüften Dosis von 3000 mg pro Tag auf und war vorübergehend.
Zum Glukosestoffwechsel als Substanzklassen-Frage: Zwei grosse Meta-Analysen, die NAD+-Vorstufen insgesamt (Nicotinamid-Ribosid, Nicotinamid-Mononukleotid, Nicotinsäure, Nicotinamid) poolen, finden einen statistisch signifikanten Anstieg von Nüchternglukose und teilweise HbA1c gegenüber Placebo (unter anderem WMD plus 2,17 mg/dl Glukose, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68 bis 3,66, sowie WMD plus 0,11 HbA1c, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,06 bis 0,16, Sohouli und Kollegen 2024 [21]; SMD plus 0,27, p gleich 0,0004, Zhong und Kollegen 2022 [20]). Beide Übersichten weisen in der Subgruppenanalyse ausdrücklich darauf hin, dass dieser Effekt überwiegend auf Studien zu Nicotinsäure zurückgeht, für Nicotinamid-Ribosid und Nicotinamid selbst berichten sie keinen eigenständigen, signifikanten Effekt auf Glukose oder Lipide. Das relativiert das Signal für den hier behandelten Stoff erheblich, schliesst es aber wegen der insgesamt kleinen Zahl von NR-spezifischen Studien in diesen Pools nicht sicher aus.
Eine systematische Übersicht zu NAD+-Präparaten insgesamt (NAM, NR, NMN, NAD+, NADH; 147 eingeschlossene Arbeiten, davon 34 klinisch) weist auf theoretische, bislang nicht am Menschen belegte Risiken einer längerfristig erhöhten NAD+-Zufuhr hin, darunter die Förderung von Tumorwachstum und von Zellalterung, Braidy und Liu 2020 [16]. Belastbare Langzeit-Sicherheitsdaten über mehrere Jahre liegen für Nicotinamid-Ribosid nicht vor, die längste hier ausgewertete placebokontrollierte Studie läuft über 26 Wochen je Studienarm (Shoji und Kollegen 2025 [17], Werner-Syndrom), die zweitlängste 24 Wochen (Wu und Kollegen 2025 [23], Long-COVID), mit einer Abbruchquote von über der Hälfte in der durchgehend behandelten Gruppe nach 20 Wochen, laut Volltext überwiegend durch Neuinfektionen und organisatorische Gründe erklärt statt durch Nebenwirkungen (siehe Wirkungszeile Kognition). Gezielt zur Langzeitsicherheit über mehrere Jahre wurde zusätzlich in PubMed gesucht (PubMed-Suche nach "nicotinamide riboside" "long-term safety"), ohne eine placebokontrollierte Humanstudie mit mehr als 26 Wochen Dauer zu finden, nur eine breite Übersichtsarbeit zum gesamten Feld der NAD+-Zielstrukturen in der Klinik, die selbst ausdrücklich weitere grossangelegte Studien zu Langzeitsicherheit und individueller Ansprechvariabilität fordert, Zhang und Kollegen 2025 [27], eine Arbeit mit einer aussergewöhnlich langen Interessenerklärung, in der ein grosser Teil der Autorenschaft materielle Verbindungen zu ChromaDex oder zu anderen NAD-Präparate-Unternehmen (unter anderem Metro Biotech, Hong Kong Longevity Science Laboratory) offenlegt. Das ist ein Fehlen von Daten, keine Widerlegung.
Rechtlicher Rahmen: Nicotinamid-Ribosid-Chlorid ist in der EU als neuartiges Lebensmittel mit einer verbindlichen Höchstmenge von 300 mg pro Tag für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, 230 mg für Schwangere und Stillende, EFSA 2019 [25], Durchführungsverordnung (EU) 2020/16 [26]. Diese Höchstmengen sind Verkehrsfähigkeitsbedingungen, keine Einnahmeempfehlungen.
Herstellerbezug: Praktisch die gesamte hier ausgewertete Studienlage zu Nicotinamid-Ribosid selbst hat eine direkte materielle Verbindung zu einem Anbieter von NAD-Präparaten, meist zu ChromaDex beziehungsweise dem 2024 umbenannten Niagen Bioscience, sei es über kostenlose Studienware, über Teilförderung oder über Patente einzelner Autoren, und das oft nur im Funding-Statement oder im Methodenteil des Volltextes sichtbar, nicht in der Interessenerklärung selbst (Martens 2018 [1], Martens 2026 [9], Remie 2020 [12], McDermott 2024 [6], Lin 2025 [8]). Zum konkurrierenden Anbieter Elysium Health bestehen Verbindungen bei Norheim und Kollegen 2024 [5] und bei Wu und Kollegen 2025 [23] (Niagen Bioscience). Die Vergleichsstudie von Christen und Kollegen 2026 [10] ist praktisch vollständig von Nestlé-Angestellten verfasst, einem Konzern mit eigenen NAD-Präparaten, und setzte zugleich laut Methodenteil das ChromaDex-Präparat TRU NIAGEN Pro als Nicotinamid-Ribosid-Vergleichsarm ein. Gerade die Arbeiten mit der stärksten Herstellernähe tragen einen grossen Teil der als gut belegt eingestuften NAD+-Anstiegszeile. Unabhängig von einem NAD-Präparate-Hersteller sind in diesem Eintrag im Kern nur die Meta-Analysen [7, 20, 21] und die Friedreich-Ataxie-Studie [22]. Die vollständige Aufschlüsselung je Studie steht im Offen-Block.
Quellen zum Nachlesen
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RCT, doppelblind, placebokontrolliert, dieselbe Studienkohorte wie Quelle 13 und 14, n gleich 40 · 2020
Nicotinamide riboside does not alter mitochondrial respiration, content or morphology in skeletal muscle from obese and insulin-resistant men.
Dollerup OL, et al. J Physiol
Zur Zuschreibung: 01
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18
RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Dosis-Wirkungs-Design (100/300/1000 mg), n gleich 140 · 2019
Safety and Metabolism of Long-term Administration of NIAGEN (Nicotinamide Riboside Chloride) in a Randomized, Double-Blind, Placebo-controlled Clinical Trial of Healthy Overweight Adults.
Conze D, Brenner C, Kruger CL. Sci Rep
Zur Zuschreibung: 01
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Systematische Übersicht mit Meta-Regression, 45 eingeschlossene Arbeiten zu NAD+-Vorstufen insgesamt, n gleich 9256 · 2024
Changes in glucose metabolism, C-reactive protein, and liver enzymes following intake of NAD+ precursor supplementation: a systematic review and meta-regression analysis.
Sohouli MH, et al. Nutr Metab (Lond)
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22
RCT, Phase 2, 2x2-faktoriell, n gleich 66, Friedreich-Ataxie · 2026
Safety and efficacy of individualised exercise and NAD+ precursor supplementation in patients with Friedreich's ataxia in the USA: a single-centre, 2 x 2 factorial, randomised controlled trial.
Lin KY, et al. Lancet Neurol
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Behördliches Sicherheitsgutachten (Novel-Food-Bewertung) · 2019
Safety of nicotinamide riboside chloride as a novel food pursuant to Regulation (EU) 2015/2283 and bioavailability of nicotinamide from this source, in the context of Directive 2002/46/EC.
EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA), et al. EFSA J
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Rechtsakt, verbindliche Höchstmengenregelung · 2020
Durchführungsverordnung (EU) 2020/16 vom 10. Januar 2020 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von Nicotinamid-Ribosidchlorid als neuartiges Lebensmittel gemäss der Verordnung (EU) 2015/2283 und zur Änderung der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470.
Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union
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Bei H.P.N
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