Paradieskörner-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Aframomum melegueta · Guineapfeffer · Melegueta-Pfeffer · Alligatorpfeffer · Grains of Paradise
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ethanolischer Extrakt aus den Samen von Aframomum melegueta, einer mit Ingwer und Kardamom verwandten Pflanze
- Herkunft
- Westafrika, Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae)
- Leitstoffe
- 6-Paradol, daneben 6-Gingerol und 6-Shogaol
- Wirkform in Studien
- Ethanolische Samenextrakte, standardisiert auf 6-Paradol. Der Standardisierungsgrad unterscheidet sich zwischen den vorliegenden Studien deutlich, von 2 bis 12,5 Prozent 6-Paradol
- Übliche Studiendosis
- 30 bis 500 mg Extrakt pro Tag, entsprechend 3,75 bis 10 mg 6-Paradol pro Tag, je nach Studie einmalig oder täglich über 4 bis 12 Wochen
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Humanstudien gut vertragen. Blutbild, Leberwerte und weitere Laborparameter blieben unauffällig, schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Ruheenergieverbrauch (indirekte Kalorimetrie), Gruppenunterschied nur in der Herstellerstudie, bei 40 mg zweimal ohne Effekt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine akademische Studienreihe und eine Herstellerstudie. Sugita 2013 (n gleich 19 gesunde Männer, Einzeldosis 40 mg, 12,5 Prozent Paradol) fand nur bei Probanden mit nachweisbarem braunem Fettgewebe einen Anstieg (Fläche unter der Kurve über 2 Stunden 24,7 plus/minus 6,1 kJ/h gegenüber 3,0 plus/minus 5,3 kJ/h nach Placebo, p kleiner 0,01), bei Probanden ohne nachweisbares braunes Fettgewebe blieb der Effekt aus. Sugita 2014 (n gleich 19 normalgewichtige Frauen, 30 mg pro Tag über 4 Wochen) fand einen Anstieg von 1402 plus/minus 25 auf 1499 plus/minus 34 kcal pro Tag (p kleiner 0,05 gegenüber Ausgangswert), unter Placebo nur ein geringer, nicht signifikanter Anstieg. Sudeep 2022, industriefinanziert (n gleich 70 ausgewertete übergewichtige Erwachsene, 500 mg pro Tag über 12 Wochen, 2 Prozent Paradol), fand einen Anstieg um 18,55 Prozent gegenüber 3,32 Prozent unter Placebo, Gruppenunterschied der absoluten Veränderung plus 209 plus/minus 210 gegenüber minus 2 plus/minus 4 kcal pro Tag, p gleich 0,004. Zwei weitere Messungen bei 40 mg pro Tag fanden dagegen keinen Effekt, Yoneshiro 2021 aus derselben Arbeitsgruppe mit unverändertem Ruheenergieverbrauch nach 5 Wochen und Allen 2026 ohne Gruppenunterschied im Ruheumsatz nach 56 Tagen in einem Kombinationspräparat. Alle drei Messungen erfolgten über indirekte Kalorimetrie, keine davon misst etwas, das ein Mensch spürt. Die beiden niedriger dosierten Studien nutzten denselben Standardisierungsgrad (12,5 Prozent Paradol), die hochdosierte Studie einen deutlich anderen (2 Prozent Paradol) bei mehr als dem zehnfachen der Extraktmenge.
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02
Aktivierung des braunen Fettgewebes und kälteinduzierte Thermogenese
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Nur eine Studie hat braunes Fettgewebe direkt per Bildgebung geprüft, Sugita 2013 (s.o.), mit einer PET/CT-Klassifikation von 12 BAT-positiven gegenüber 7 BAT-negativen Männern und einem Effekt ausschließlich in der BAT-positiven Untergruppe. Yoneshiro 2021 (n gleich 9 Männer mit zuvor per PET/CT nachgewiesener niedriger BAT-Aktivität, 40 mg pro Tag über 5 Wochen) hat braunes Fettgewebe aus Strahlenschutzgründen nicht erneut per PET gemessen, sondern über einen Kälteinduzierte-Thermogenese-Index als Surrogat, der nach Behandlung gegenüber dem Ausgangswert stieg (p kleiner 0,01) und auch gegenüber Placebo höher lag (p kleiner 0,05). Damit ruht die Aussage auf einer einzigen bildgebenden Untersuchung mit kleiner Stichprobe und einer weiteren, noch kleineren Studie mit einem Surrogatmarker.
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03
Viszerales Fettgewebe (Bildgebung), beide Studienbestände mit Firmenbindung
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine akademische Studie und eine Herstellerstudie zeigen eine Abnahme gegenüber Placebo. Sugita 2014 (30 mg pro Tag, 4 Wochen, 12,5 Prozent Paradol, n gleich 19 normalgewichtige Frauen), Computertomographie in Nabelhöhe, minus 2,9 plus/minus 1,9 cm² unter dem Extrakt gegenüber plus 4,7 plus/minus 2,4 cm² unter Placebo (p kleiner 0,05), subkutanes und Gesamtfett blieben unverändert. Sudeep 2022, industriefinanziert (500 mg pro Tag, 12 Wochen, 2 Prozent Paradol, n gleich 70), ebenfalls Computertomographie, minus 16,6 plus/minus 28,1 cm² gegenüber plus 19,8 plus/minus 50,5 cm² unter Placebo (p kleiner 0,001), auch das Verhältnis viszeral zu subkutan sank signifikant. Die beiden Studien unterscheiden sich stark im Standardisierungsgrad des Extrakts (12,5 gegenüber 2 Prozent Paradol) und in der Tagesmenge (30 gegenüber 500 mg), zeigen aber dieselbe Richtung.
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04
Körpergewicht
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In den beiden Studien der akademischen Arbeitsgruppe an schlanken, normalgewichtigen Probanden blieb das Körpergewicht unverändert, Sugita 2014 (30 mg pro Tag, 4 Wochen, n gleich 19 Frauen, 51,9 auf 51,7 kg unter dem Extrakt, 52,0 auf 51,7 kg unter Placebo, kein Gruppenunterschied berichtet) und Yoneshiro 2021 (40 mg pro Tag, 5 Wochen, n gleich 9 Männer, 64,4 auf 64,7 kg, p gleich 0,428 gegenüber Ausgangswert). In der industriefinanzierten Studie an übergewichtigen Erwachsenen sank das Gewicht dagegen stärker als unter Placebo, Sudeep 2022 (500 mg pro Tag, 12 Wochen, n gleich 70, minus 4,07 plus/minus 5,45 kg gegenüber minus 0,81 plus/minus 2,03 kg, p gleich 0,009). In derselben Studie ging jedoch auch die fettfreie Masse stärker zurück als unter Placebo (Gruppenunterschied p gleich 0,002), ein Teil des Gewichtsverlusts könnte deshalb auf Muskelmasse entfallen. Die drei Studien unterscheiden sich in Dosis, Dauer, Ausgangsgewicht der Teilnehmenden und Standardisierungsgrad des Extrakts, ein direkter Widerspruch am selben Kollektiv liegt nicht vor.
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05
Körperfettanteil im Gruppenvergleich, bislang ohne Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Innerhalb der jeweiligen Gruppe sank der Körperfettanteil in beiden Studien signifikant unter dem Extrakt, Yoneshiro 2021 von 14,5 auf 13,6 Prozent (p gleich 0,042) und Sudeep 2022 per DEXA von 43,5 auf 40,7 Prozent (p gleich 0,007). Er sank aber auch unter Placebo, Yoneshiro nicht signifikant, Sudeep von 44,5 auf 42,3 Prozent (p gleich 0,022). Der direkte Gruppenvergleich erreichte in keiner der beiden Studien statistische Signifikanz, Yoneshiro p gleich 0,057 bei n gleich 9 je Gruppe, Sudeep p gleich 0,417 bei n gleich 35 randomisiert je Gruppe. Mit den vorliegenden Werten lässt sich nicht ausschließen, dass die Studien schlicht zu klein waren, um einen echten Gruppenunterschied zu zeigen, ein Konfidenzintervall für die Gruppendifferenz nennt keine der beiden Arbeiten.
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06
Entzündungshemmende und antioxidative Wirkung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Keine Humanstudie zur oralen Einnahme des Extrakts hat entzündungshemmende oder antioxidative Endpunkte am Menschen geprüft (Suche "Aframomum melegueta" plus "anti-inflammatory" und plus "antioxidant", mit und ohne Humanfilter). Im Rattenmodell reduzierte ein Ethanolextrakt (1000 mg pro kg) die Pfotenödem-Reaktion um 49 Prozent, Einzelverbindungen bei 150 mg pro kg um 20 bis 38 Prozent je nach Verbindung, dazu eine Hemmung der COX-2-Aktivität in vitro (Ilic 2014). In menschlichen Magenepithel-Zelllinien (AGS und GES-1, reine Zellkultur, keine orale Einnahme) senkte der Extrakt entzündungsassoziierte Botenstoffe nach Reizung mit Wasserstoffperoxid und TNF-alpha (Nwakiban 2020). In einem direkten Vergleich von fünf Gewürzextrakten in vitro zeigte Paradieskörner-Extrakt die schwächste radikalfangende Aktivität der getesteten Extrakte (Mickymaray 2019).
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07
Immunsystem
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Keine Humanstudie liegt vor (Suche "Aframomum melegueta" plus "immune", mit und ohne Humanfilter). Eine isolierte Einzelverbindung aus dem Extrakt, 6-Paradol, senkte in einem Rattenmodell für eine chemisch ausgelöste Darmentzündung bei oraler Gabe von 200 mg pro kg über 7 Tage entzündungsassoziierte Botenstoffe (Interleukin-6, TNF-alpha) auf das Niveau der unbehandelten Kontrolle (Rafeeq 2021), eine Dosis weit über dem, was über eine Nahrungsergänzung realistisch erreichbar ist. Eine Fütterungsstudie an Masthühnern unter Hitzestress (andere Tierart, ganzes Samenpulver statt Extrakt, 500 bis 1000 mg pro kg Futter) fand verbesserte Immunglobulin- und Zytokinwerte (Oloruntola 2026). Beide Arbeiten sind wegen Tierart, Dosis und Zubereitung nicht auf den Menschen übertragbar.
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08
Verdauungsgesundheit
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wird traditionell und im Marketing verbreitet behauptet (krampflösend, verdauungsfördernd). Suchen nach "Aframomum melegueta" und "grains of paradise" jeweils plus "digestive", "digestion" und "gastrointestinal motility", mit und ohne Humanfilter sowie mit dem Labor-und-Tier-Schalter, ergaben keine einschlägige Studie zum Gesamtextrakt. Ein einzelner Treffer betraf ausschließlich die Hemmung stärkeabbauender Enzyme in vitro, nicht Verdauungsbeschwerden. Wir haben dazu weder eine Human- noch eine passende Tierstudie gefunden.
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09
Herz-Kreislauf-Parameter (Blutdruck, Ruheherzfrequenz)
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Suchen nach "grains of paradise" und "Aframomum melegueta" jeweils plus "blood pressure" und "cardiovascular", mit und ohne Humanfilter sowie mit dem Labor-und-Tier-Schalter, ergaben keine Studie zum Reinstoff. Die einzig verfügbare Messung stammt aus einer 2026 veröffentlichten, industriefinanzierten Kombinationsstudie (56 Tage, 40 mg Paradieskörner-Extrakt zusätzlich zu 500 mg L-BAIBA gegenüber Placebo, übergewichtige Erwachsene unter Diät- und Trainingsprogramm), die keinen Gruppenunterschied bei Ruheherzfrequenz, systolischem oder diastolischem Blutdruck fand (Allen 2026). Da der Extrakt dort nie allein geprüft wurde, ist das keine Aussage über den Reinstoff, sondern nur Kontext.
Quellen: 5
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10
Körperliche Leistungsfähigkeit und Ausdauer
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Suchen nach "grains of paradise" plus "exercise", "exercise performance" und "physical performance", mit und ohne Humanfilter, ergaben keine eigenständige Studie zum Reinstoff. Der einzige Treffer ist dieselbe Kombinationsstudie wie bei den Herz-Kreislauf-Parametern (Allen 2026), die keine Leistungstests, sondern nur subjektive Skalen zu Energie, Fokus, Aufmerksamkeit und Konzentration erfasste, ohne Gruppenunterschied. Wir haben keine belastbare Studie zur körperlichen Leistungsfähigkeit gefunden.
Quellen: 5
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11
Sättigungsgefühl und Hungergefühl
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Kein Beleg zum Reinstoff, eine Studie an einer Mischung ist kein Beleg für den Einzelstoff. In der genannten Kombinationsstudie (40 mg Paradieskörner-Extrakt zusätzlich zu 500 mg L-BAIBA, 56 Tage, übergewichtige Erwachsene unter Diät- und Trainingsprogramm) sank das Hungergefühl auf einer Sichtskala in der Kombinationsgruppe nach 28 Tagen stärker als unter Placebo (Gruppe-mal-Zeit-Interaktion p gleich 0,01), bei unveränderter Körperzusammensetzung und unverändertem Ruheenergieumsatz in allen Gruppen (Allen 2026). Da der Extrakt nie allein geprüft wurde, lässt sich sein eigener Beitrag nicht bestimmen.
Quellen: 5
Studien im Detail
Ruheenergieverbrauch
Die Datenlage stammt aus zwei unabhängigen Studiengruppen mit unterschiedlicher Interessenlage. Die japanische Arbeitsgruppe um Saito (Studien 1 bis 3) ist an Hochschulen angesiedelt (Tenshi College, Universität Tokio, Hokkaido-Universität), trägt aber in allen drei Arbeiten Ko-Autoren aus dem Unternehmen, das den geprüften Extrakt herstellt. Jun Sugita ist Erstautor von Sugita 2013 und Sugita 2014 und dort im Innovative Beauty Science Laboratory von Kanebo Cosmetics angestellt, zusammen mit zwei weiteren Ko-Autoren derselben Abteilung, bei Yoneshiro 2021 trägt er die Anschrift der Kao Corporation. Sugita 2013 und Yoneshiro 2021 nennen eine Förderung durch das japanische Wissenschaftsministerium, erklären ausdrücklich, dass das Unternehmen keinen Einfluss auf Rekrutierung, Datenerhebung, Auswertung oder Interpretation hatte, und nennen keinen Interessenkonflikt. Sugita 2014, die Arbeit, die den Befund zum viszeralen Fettgewebe trägt, enthält weder einen Förderhinweis noch eine Interessenerklärung und ist zudem nur einfach verblindet.
Die zweite Studiengruppe (Quelle 4) ist die indische Firma Vidya Herbs, die Herstellerin des standardisierten Extrakts AfperFit. Alle beteiligten Autoren sind bei Vidya Herbs, einem beauftragten Krankenhaus oder einer beauftragten Auftragsforschungsfirma angestellt, was die Publikation offenlegt.
In der akuten Einzeldosis-Studie (Sugita 2013, 40 mg, 12,5 Prozent Paradol) stieg der Energieverbrauch nur bei Probanden mit nachweisbarem braunem Fettgewebe innerhalb von 2 Stunden signifikant an, bei Probanden ohne nachweisbares braunes Fettgewebe blieb er unverändert. In der 4-Wochen-Studie an Frauen (Sugita 2014, 30 mg pro Tag) stieg der Ruheenergieverbrauch gegenüber dem Ausgangswert signifikant, ein direkter statistischer Vergleich der Gruppenveränderung wird im Abstract und Volltext nicht berichtet. In der Sudeep-Studie (500 mg pro Tag, 2 Prozent Paradol) war der Gruppenunterschied in der Veränderung signifikant (p gleich 0,004). Die Arbeit widerspricht sich dabei selbst, denn ihre Tabelle 2 weist die Placebogruppe mit minus 2,13 kcal pro Tag aus, während der Fließtext derselben Arbeit dort einen Anstieg um 3,32 Prozent nennt, und dieselbe Streuung von 4,20 steht noch einmal in der Körperfett-Tabelle. Zwei weitere Messungen fanden keinen Effekt auf den Ruheenergieverbrauch. Yoneshiro 2021 aus derselben Arbeitsgruppe fand ihn bei 40 mg pro Tag über 5 Wochen bei 27 Grad unverändert, roh wie auf die fettfreie Masse bezogen, und Allen 2026 fand bei 40 mg in einem Kombinationspräparat über 56 Tage keinen Gruppenunterschied im Ruheumsatz. Damit steht ein einziger, vom Hersteller erhobener Gruppenunterschied gegen zwei Nullbefunde bei niedriger Tagesmenge.
Braunes Fettgewebe
Nur Sugita 2013 hat braunes Fettgewebe direkt per FDG-PET/CT klassifiziert und gezeigt, dass der Energieverbrauchs-Effekt an das Vorhandensein aktiven braunen Fettgewebes gebunden ist. Aus Strahlenschutzgründen wurde diese Messung in der Folgestudie an Menschen mit niedriger BAT-Aktivität (Yoneshiro 2021) nicht wiederholt, sondern über die kälteinduzierte Thermogenese als Surrogat abgeschätzt. Diese stieg nach 5 Wochen täglicher Einnahme (40 mg pro Tag) signifikant gegenüber dem Ausgangswert und auch gegenüber Placebo, bei unverändertem Ruheenergieverbrauch unter Thermoneutralität.
Viszerales Fettgewebe und Körperzusammensetzung
Beide Studienbestände fanden eine Abnahme der viszeralen Fettfläche gegenüber Placebo, bei sehr unterschiedlicher Dosis und Standardisierung des Extrakts (Einzelheiten und Zahlen siehe Wirkungstabelle). In beiden Arbeiten trägt allerdings ein Anstieg unter Placebo mehr als die Hälfte des Gruppenunterschieds. Bei Sugita 2014 sank die viszerale Fettfläche unter dem Extrakt um 2,9 cm², unter Placebo stieg sie um 4,7 cm², und innerhalb der beiden Bedingungen war keine der Veränderungen für sich signifikant. Bei Sudeep 2022 stieg sie unter Placebo im Mittel von 66,4 auf 86,3 cm², mit einem Höchstwert von 316,6 cm². Eine Erklärung für diese Zunahme nennt keine der beiden Arbeiten. Bei der Interpretation des Gewichts- und Körperfettbefunds ist zu berücksichtigen, dass in der Sudeep-Studie neben dem Körperfett auch die fettfreie Masse in der Verumgruppe stärker zurückging als unter Placebo, ein Hinweis darauf, dass ein Teil des gemessenen Gewichtsverlusts nicht auf Fettgewebe entfällt.
Tier- und Laborstudien
Zur entzündungshemmenden, antioxidativen und immunbezogenen Wirkung liegen ausschließlich Zell- und Tierdaten vor, keine Humanstudie zur oralen Einnahme des Extrakts. Im Einzelnen, ein Ethanolextrakt reduzierte im Ratten-Pfotenödem-Modell die Entzündungsreaktion und hemmte die COX-2-Aktivität in vitro, wobei 6-Paradol die aktivste der getesteten Einzelverbindungen war [8]. In menschlichen Magenepithel-Zelllinien senkte der Extrakt entzündungsassoziierte Botenstoffe nach experimenteller Reizung [9]. In einem direkten Vergleich mit vier anderen Gewürzextrakten zeigte Paradieskörner-Extrakt die schwächste radikalfangende Aktivität der getesteten Extrakte [10]. Eine isolierte Einzelverbindung aus dem Extrakt, 6-Paradol, milderte in einem Rattenmodell für Darmentzündung bei hoher, pharmakologischer Dosierung entzündungsassoziierte Immunmarker [11], und ein Fütterungsversuch an Masthühnern unter Hitzestress mit dem ganzen Samenpulver, nicht dem Extrakt, fand verbesserte Immunwerte [12]. Aus keiner dieser Arbeiten folgt eine Aussage über die Wirkung beim Menschen.
Zum vermuteten Wirkmechanismus, der Aktivierung sympathischer Nerven im braunen Fettgewebe, gibt es in der Tierliteratur einen offenen Widerspruch. Iwami und Kollegen fanden, dass eine Magensonden-Gabe des Extrakts und von 6-Paradol die sympathische Nervenaktivität am braunen Fettgewebe der Ratte steigert und die Gewebetemperatur erhöht [6]. Hattori und Kollegen fanden dagegen, dass sowohl der Extrakt als auch 6-Gingerol, eine der drei Hauptverbindungen im selben Extrakt, die sympathische Nervenaktivität am braunen Fettgewebe der Ratte senken, und schlossen daraus auf einen anderen Wirkmechanismus als bei Capsaicin [7]. Beide Arbeiten sind Tierdaten und tragen keine Aussage über den Menschen, der Widerspruch zwischen ihnen zeigt aber, dass der zugrunde gelegte Mechanismus selbst im Tiermodell nicht einheitlich bestätigt ist.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In allen drei ausgewerteten Humanstudien wurde der Extrakt gut vertragen, Blutbild, Leberwerte und weitere Laborparameter blieben im Normalbereich, und es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. In der einzigen verfügbaren Messung von Blutdruck und Ruheherzfrequenz, einer Kombinationsstudie mit einem zweiten Wirkstoff, zeigte sich kein Gruppenunterschied gegenüber Placebo.
Da der vermutete Wirkmechanismus über die Aktivierung sympathischer Nervenaktivität läuft, ist bei gleichzeitiger Einnahme stimulierender Substanzen oder bei bestehender Behandlung des Blutdrucks grundsätzlich Vorsicht angebracht. Eine eigene Interaktionsstudie dazu liegt uns nicht vor.
Quellen zum Nachlesen
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01
Randomisierte, einfach verblindete, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 19 normalgewichtige Probandinnen · 2014
Daily ingestion of grains of paradise (Aframomum melegueta) extract increases whole-body energy expenditure and decreases visceral fat in humans.
Sugita J, et al. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo)
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03
Randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 9 Männer mit vorab nachgewiesener niedriger BAT-Aktivität · 2021
Prolonged Treatment with Grains of Paradise (Aframomum melegueta) Extract Recruits Adaptive Thermogenesis and Reduces Body Fat in Humans with Low Brown Fat Activity.
Yoneshiro T, et al. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo)
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04
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n gleich 70 randomisiert und nach dem Behandlungsprinzip ausgewertet, 60 abgeschlossen, fehlende Werte fortgeschrieben, industriefinanziert · 2022
Aframomum melegueta Seed Extract with Standardized Content of 6-Paradol Reduces Visceral Fat and Enhances Energy Expenditure in Overweight Adults - A Randomized Double-Blind, Placebo-Controlled Clinical Study.
Sudeep HV, et al. Drug Des Devel Ther
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05
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an einem Kombinationspräparat, n gleich 37, industriefinanziert · 2026
Effects of L-BAIBA supplementation with and without grains of paradise on changes in resting metabolic rate, body composition, and cardiometabolic risk factors.
Allen LE, et al. Nutr J
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12
Tierstudie (Masthuhn, Samenpulver statt Extrakt) · 2026
Dietary alligator pepper powder mitigates thermal stress-induced performance suppression, immune dysfunction, and cellular stress in broiler chickens reared under hot-humid tropical conditions.
Oloruntola OD, et al. Vet Res Commun
Zur Zuschreibung: 07
Bei H.P.N
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