Pfefferminz-Extrakt
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Pflanzenextrakte
Mentha piperita · Pfefferminzblatt-Extrakt · Mentha piperita Extrakt
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus den Blättern der Pfefferminze, einer Kreuzung aus Wasserminze und Grüner Minze
- Botanisch
- Mentha piperita
- Herkunft
- Europa und Nordamerika, traditionell als Tee und Würzpflanze genutzt
- Zusammensetzung des ätherischen Öls
- Das ätherische Öl macht laut dem Cochrane-Anhang 0,4 bis 5 Prozent der Pflanze aus, seine Hauptbestandteile sind Menthol (35 bis 45 Prozent) und Menthon (10 bis 30 Prozent) [6]. Eine Analyse von Öl aus dem US-Mittelwesten fand Menthol und Menthon zusammen bei rund 50 Prozent [15], eine pakistanische Charge 32,3 Prozent Menthol [12]
- Wirkform in Studien
- Die Zubereitung entscheidet fast alles. Die Studienlage zum Bauchraum betrifft ätherisches Pfefferminzöl mit Freisetzung im Dünndarm (8 der 10 Studien der Meta-Analyse [1]), die Studienlage zur Atmung eingeatmetes oder im Mund wirkendes Menthol, die zum Kopf eine 10-prozentige Öl-Ethanol-Lösung auf der Haut, die zum Mundgeruch eine Spülung mit 1 Prozent Pfefferminzbasis, die zur geistigen Leistung Aroma oder Tee. Ein Pfefferminzblatt-Extrakt zum Schlucken ohne angegebenen Öl- oder Mentholgehalt ist keine dieser Zubereitungen
- Übliche Studiendosis
- Uneinheitlich, je Zubereitung verschieden. Oral: 182 mg Pfefferminzöl je Kapsel mit Dünndarm-Freisetzung über 8 Wochen [2], 180 mg magensaftresistent dreimal täglich, also 540 mg pro Tag, über 6 Wochen [20], bei Kindern 540 bis 900 mg pro Tag [4]. Eingeatmet: 300 mg L-Menthol in der Atemmaske [8]. Auf der Haut: 10-prozentige Öl-Ethanol-Lösung auf Stirn und Schläfen [5, 23]. Einen einheitlichen Erwachsenen-Tagesstandard geben unsere Quellen nicht her
- Verträglichkeit
- Bei oraler Gabe von Pfefferminzöl traten unerwünschte Ereignisse häufiger auf als unter Placebo, relatives Risiko 1,57 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,04 bis 2,37), Sodbrennen gesondert 1,67 (1,18 bis 2,38) [1]. Bei äußerlicher Anwendung von Pfefferminzöl sind allergische Kontaktreaktionen beschrieben [14]
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Bauchschmerzintensität bei Erwachsenen mit wiederkehrenden Bauchbeschwerden, Pfefferminzöl mit Freisetzung im Dünndarm
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Meta-Analyse aus insgesamt 10 randomisierten Studien mit 1030 Teilnehmern. Auf den Endpunkt Bauchschmerz entfallen laut Volltext davon 7 Studien mit 748 Teilnehmern, 4 berichteten ihn direkt, für 3 wurde er aus Mittelwerten geschätzt: 47,3 Prozent unter Pfefferminzöl ohne Besserung gegenüber 59,7 Prozent unter Placebo, relatives Risiko für keine Besserung 0,76 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,62 bis 0,93), Zahl der notwendigen Behandlungen 7 (4 bis 24), mittlere Heterogenität mit I-Quadrat 56 Prozent, wobei die Aufteilung auf 7 Studien, die Prozentwerte und das I-Quadrat aus dem Volltext stammen und nicht aus dem Abstract [1]. Der Befund hält laut Volltext auch dann, wenn nur die 3 Studien mit durchgehend niedrigem Verzerrungsrisiko und 351 Teilnehmern gerechnet werden, relatives Risiko 0,78 (0,61 bis 0,99), Zahl der notwendigen Behandlungen 7 (4 bis 155) [1]. Auf dem zusammengefassten Endpunkt aus globalen Beschwerden ODER Bauchschmerz findet dieselbe Rechnung über dieselben 351 Teilnehmer dagegen keinen Vorteil, relatives Risiko 0,86 (0,62 bis 1,20), von den Autoren mit dem Satz zusammengefasst, Pfefferminzöl sei in dieser Auswertung Placebo nicht überlegen gewesen [1]. Wer diese drei Studien für den Massstab hält, muss zusätzlich wissen, dass eine davon, Cash 2016, vom Hersteller ihrer Prüfzubereitung finanziert wurde und alle drei Autoren dort angestellt oder als Berater tätig sind [21]. In der ebenfalls nur im Volltext berichteten Untergruppe der 6 Studien mit 611 Teilnehmern, die ausdrücklich eine Zubereitung mit Freisetzung im Dünndarm prüften, lag sie bei 0,75 (0,58 bis 0,98) [1]. Nach der Studientabelle derselben Arbeit nutzten 9 der 10 Studien eine Freisetzung im Dünndarm, nur für eine einzige, Alam 2013, ist die Zubereitung ohne Freisetzungsangabe als 2 ml Pfefferminzöl vermerkt [1]. Dagegen stehen drei Einschränkungen aus demselben Volltext: nur 3 von 10 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko; die Einstufung der Evidenzqualität durch die Autoren selbst als sehr niedrig; und eine Trichterdiagramm-Asymmetrie (Egger-Test p gleich 0,0007), die allerdings am zusammengefassten Endpunkt über alle 10 Studien hängt, denn für den Bauchschmerz allein schreiben die Autoren, es seien zu wenige Studien, um eine Veröffentlichungsverzerrung überhaupt zu prüfen. Sie schreiben, ein künftiger großer Nullbefund könnte das gepoolte Ergebnis umdrehen [1]. Die beiden neuesten Studien verfehlten ihren jeweiligen Hauptendpunkt und sind beide in der Meta-Analyse enthalten, also kein zusätzlicher Beleg: Weerts 2020 mit 189 ausgewerteten Teilnehmern [2] und Nee 2021, das die Übersicht mit 133 Teilnehmern und 46 im Pfefferminzarm führt, weil die Arbeit selbst keine Teilnehmerzahl nennt [1, 20]. Als methodisch streng gilt davon nach der Verzerrungstabelle der Übersicht nur Weerts; Nee trägt dort ein hohes Risiko bei der Vollständigkeit der Ergebnisdaten. Was die Autoren beiden zugutehalten, sind strengere Endpunkte und eine zeitgemässe Falldefinition, nicht der Rang der besten Studien [1]. Eine ältere Meta-Analyse aus 12 Studien mit 835 Teilnehmern [22] teilt 7 Primärstudien mit [1], kennt die beiden neuen Nullbefunde noch nicht und ist damit derselbe, kleinere Bestand. Zubereitungsvorbehalt: Ein Pfefferminzblatt-Extrakt ohne angegebenen Ölgehalt und ohne Freisetzung im Dünndarm ist keine der hier geprüften Zubereitungen
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02
Globale Beschwerdestärke bei Erwachsenen mit wiederkehrenden Bauchbeschwerden, in den methodisch strengsten Studien ohne gesicherten Effekt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Derselbe Bestand wie die Bauchschmerzzeile, aber ein anderer Endpunkt mit anderem Ergebnis, deshalb eine eigene Zeile. Über 7 Studien mit 756 Teilnehmern, laut Volltext, lag das relative Risiko für unveränderte Gesamtbeschwerden bei 0,65 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,43 bis 0,98), 55,9 Prozent gegenüber 70,4 Prozent unter Placebo, bei sehr hoher Heterogenität mit I-Quadrat 94 Prozent [1]. Im Volltext bricht dieser Effekt zusammen, sobald nur die 2 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko und 261 Teilnehmern gerechnet werden: relatives Risiko 0,77 (0,28 bis 2,08), also kein Vorteil gegenüber Placebo [1]. Genau auf diesem Endpunkt verfehlten auch die beiden neuesten Studien ihr Ziel: Weerts 2020 fand für die Gesamtlinderung 9,7 Prozent und 1,6 Prozent gegenüber 4,7 Prozent unter Placebo (p gleich 0,317 und 0,351) [2], Nee 2021 fand auf dem Summenscore der Beschwerdestärke eine Besserung von 90,8 Punkten (Standardabweichung 75,3) unter Pfefferminzöl gegenüber 100,3 Punkten (99,6) unter Placebo, Effektstärke minus 0,11, p gleich 0,97 [20]. Beide sind in der Meta-Analyse enthalten. Zubereitungsvorbehalt: geprüft wurde ätherisches Öl mit Freisetzung im Dünndarm, nicht ein Blattextrakt
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03
Darmbewegung und Muskelaktivität des Dickdarms bei oraler Einnahme, bei Erwachsenen gegen Placebo ohne gesicherten Unterschied
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei kleine Humanstudien, die unterschiedliche Fragen stellen, kein Widerspruch. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie bei Erwachsenen vor einer Darmspiegelung fand unter einer oral eingenommenen Pfefferminzöl-Zubereitung mit verzögerter Freisetzung im Dünndarm (IBgard) keinen Unterschied im endoskopisch beurteilten Spasmus-Score gegenüber Placebo (Einführung 1,23 zu 1,2, p gleich 0,9, Rückzug 1,3 zu 1,23, p gleich 0,72, Polypektomie 0,52 zu 0,46, p gleich 0,69) und auch keinen bei der Adenom-Entdeckungsrate (47,8 zu 43,1 Prozent, p gleich 0,51). Konfidenzintervalle nennt die Arbeit nicht, und das Abstract nennt weder die Teilnehmerzahl noch die Menge Pfefferminzöl je Kapsel oder je Tag [3]. Dieselbe Zubereitung war in ihrer eigenen Wirksamkeitsstudie erfolgreich, die aber vom Hersteller getragen wurde: IM HealthScience LLC hat sie bezahlt, und alle drei Autoren sind dort angestellt oder als Berater tätig [21]. Zwei Meta-Analysen bewerten diese Studie gegensätzlich, die eine als durchgehend niedriges Verzerrungsrisiko [1], die andere wegen der Industriefinanzierung als hohes [22]. Eine Dosisvergleichsstudie ohne Placebo-Arm bei Kindern von 7 bis 12 Jahren mit wiederkehrenden Bauchschmerzen, pharmakokinetisch angelegt, gab magensaftresistentes Pfefferminzöl und mass die Darmbewegung mit einer schluckbaren Messkapsel: Bei der höheren von zwei Dosen (900 statt 540 mg pro Tag) sank die Kontraktionsfrequenz von Dickdarm (p gleich 0,002) und Gesamtdarm (p gleich 0,02) [4]. Die beiden Studien teilen weder Vergleichsgruppe noch Endpunkt noch Altersgruppe, sie widersprechen sich damit nicht. Für Erwachsene mit oraler Einnahme bleibt die placebokontrollierte Messung ohne Effekt. Zubereitungsvorbehalt: beide Studien geben ätherisches Öl mit gesteuerter Freisetzung, keinen Blattextrakt
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04
Kopfschmerzintensität bei äußerlicher Anwendung einer 10-prozentigen Öl- oder Menthol-Lösung auf Stirn und Schläfen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei voneinander unabhängige randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studien aus zwei Ländern. Sie prüfen dasselbe Auftragen auf dieselbe Hautfläche, aber NICHT denselben Stoff in derselben Stärke: Die ältere gab 10 Prozent Pfefferminzöl in Ethanol, was bei einem Mentholanteil von 35 bis 45 Prozent des Öls [6] rund 3,5 bis 4,5 Prozent Menthol entspricht, die neuere gab 10 Prozent Menthol, also etwa das Zweieinhalbfache. Auch Population und Endpunktfamilie unterscheiden sich. Die ältere prüfte 41 Erwachsene von 18 bis 65 Jahren mit wiederkehrenden Kopfschmerzattacken nach den Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation, 164 ausgewertete Episoden: Eine 10-prozentige Pfefferminzöl-Ethanol-Lösung senkte die Kopfschmerzintensität gegenüber Placebo bereits nach 15 Minuten (p kleiner 0,01) und blieb über die Stunde niedriger, ohne statistisch nachweisbaren Unterschied zu 1000 mg Paracetamol im selben Versuch. Nebenwirkungen berichteten die Teilnehmer keine. Geprüft wurde eine handelsübliche Zubereitung, die das Abstract als LI 170 von Lichtwer Pharma, Berlin, bezeichnet [5]. Die zweite Studie gab 35 Erwachsenen (Durchschnittsalter 29,6 Jahre, 80 Prozent Frauen) über 118 Attacken eine 10-prozentige Menthol-Ethanol-Lösung auf Stirn und Schläfe gegen eine 0,5-prozentige Lösung als Placebo und fand Vorteile bei Schmerzfreiheit nach 2 Stunden (p gleich 0,001), Schmerzlinderung nach 2 Stunden (p kleiner 0,001) und anhaltender Wirkung (p gleich 0,008), bei gleich häufigen Nebenwirkungen in beiden Armen (p gleich 0,13) [23]. Eine systematische Übersicht über 19 randomisierte Studien zu 9 Pflanzen ordnet Menthol als äußerlich aufgetragene Akutanwendung mit vorläufig positiven Befunden ein und weist zugleich auf ein hohes Verzerrungsrisiko vieler eingeschlossener Studien hin [24]. Sie ist damit sehr wahrscheinlich keine dritte, unabhängige Stimme: Ihr Suchfeld deckt genau die zweite Studie ab, und wir konnten die Einschlussliste nicht prüfen, weil ihr Volltext für diese Recherche nicht vorlag. Wir zählen sie deshalb als Einordnung desselben Bestands, nicht als zusätzlichen Beleg. Die Stufe bleibt trotz zweier unabhängiger Belege bei hinweise, und zwar aus drei Gründen zusammen: die beiden Studien prüfen verschiedene Stoffe in verschiedener Stärke an verschiedenen Gruppen, sie messen verschiedene Endpunktfamilien (Intensitätsverlauf über 60 Minuten gegen Schmerzfreiheit und Schmerzlinderung nach 2 Stunden), und keine von beiden berichtet ein Effektmaß mit Konfidenzintervall, sodass eine höhere Stufe nichts Belastbares zu zitieren hätte. Beide Volltexte lagen für diese Recherche nicht vor. Zubereitungsvorbehalt: Es handelt sich um eine äußerliche Anwendung einer hochkonzentrierten Lösung, keine Aussage über eine orale Einnahme
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05
Übelkeitsintensität nach einem chirurgischen Eingriff bei Inhalation von Pfefferminzöl, gepoolt ohne Unterschied zu Placebo, das Intervall schliesst einen deutlichen Vorteil aber nicht aus
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Cochrane-Review von 2018 aus 16 kontrollierten Studien mit 1036 Teilnehmern, GRADE-Qualität zwischen moderat und sehr niedrig. Er rechnet Pfefferminzöl erstmals in einer eigenen gepoolten Auswertung gegen Placebo und findet fünf Minuten nach der Anwendung keinen Unterschied bei der Übelkeitsintensität (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,18, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,86 bis 0,49, p gleich 0,59, niedrige Evidenzqualität) [6]. Dieser Nullbefund trägt keine Absprache: Das Intervall reicht bis minus 0,86, also bis zu einem großen Effekt, es beruht auf 4 Studien mit zusammen nur 115 Teilnehmern, die Heterogenität liegt bei I-Quadrat 66 Prozent, und gemessen wurde ausschließlich nach fünf Minuten. Die Autoren schreiben im Ergebnisteil, Pfefferminz führe möglicherweise zu wenig oder keinem Unterschied; unter den Folgerungen für die Praxis steht daneben der härtere Satz, es gebe keinen Beleg für einen Effekt von Pfefferminz-Aromatherapie auf die Übelkeitsstärke. Beide Sätze stehen in derselben Arbeit. Die vier gepoolten Studien sind laut Volltext Anderson 2004, Ferruggiari 2012, Lane 2012 und Sites 2014. Tate 1997 [7] ist die fünfte Pfefferminz-Studie des Reviews und gerade nicht Teil dieser Rechnung, weil sie nur Tagesmittelwerte auf einer vierstufigen Skala berichtet: am Operationstag 0,5 unter Pfefferminzöl, 1,61 unter dem Placebo aus Pfefferminz-Aroma und 0,97 unter üblicher Versorgung, ohne Standardabweichungen, von der Autorin als signifikant angegeben (p gleich 0,02) [6, 7]. Diese Arbeit ruht laut Cochrane auf 18 Frauen nach einem grösseren gynäkologischen Eingriff, verteilt auf drei Gruppen, also rund sechs je Gruppe, und eine Einatemmenge nennt sie nicht, die Teilnehmerinnen atmeten nach Bedarf aus einer Flasche [6]. Der Cochrane-Review führt sie mit hohem Risiko selektiver Berichterstattung, unklarer Vollständigkeit der Daten und einem möglichen Erwartungseffekt der Teilnehmerinnen, bewertet die Verblindung von Teilnehmerinnen und Auswertung dagegen beide als risikoarm [6]. Dass die Behandlungsgruppe nach dem Eingriff weniger übliche Mittel gegen Übelkeit und mehr Opioide bekam, wertet Cochrane ausdrücklich als Anzeichen für einen Effekt und nicht als Störfaktor [6, 7]. Ein Widerspruch im Sinne der Skala lässt sich daraus nicht bauen, weil auf der einen Seite ein Punktschätzer mit Intervall und auf der anderen nur ein p-Wert steht und beide Arbeiten denselben Bestand betreffen. Über alle Duftstoffe zusammen zeigte sich ebenfalls kein Unterschied bei der Übelkeitsintensität (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,22, Konfidenzintervall minus 0,63 bis 0,18, p gleich 0,28, 6 Studien, 241 Teilnehmer), wohl aber ein geringerer Bedarf an zusätzlicher Übelkeitsmedikation (relatives Risiko 0,60, Konfidenzintervall 0,37 bis 0,97, p gleich 0,04, 7 Studien, 609 Teilnehmer); dieser Vorteil ist nicht gesondert für Pfefferminz gerechnet [6]. Zubereitungsvorbehalt: geprüft wurde ausschließlich das Einatmen von Öldampf, keine geschluckte Zubereitung
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06
Übelkeit unter einer Krebsbehandlung bei Aromatherapie-Inhalation, gepoolter Vorteil nur für Duftstoffe insgesamt
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Verbreitet angenommen, und die Datenlage ist hier neuer und größer als bei der Übelkeit nach einem Eingriff, deshalb eine eigene Zeile statt einer Vermischung zweier Populationen. Eine Meta-Analyse von 2024 über 25 randomisierte Vergleiche aus 10 Arbeiten fand für Aromatherapie insgesamt eine Verringerung von Übelkeit und Erbrechen (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,81, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,11 bis minus 0,52), für Übelkeit allein minus 0,85 (minus 1,23 bis minus 0,46) und für Erbrechen allein keinen gesicherten Effekt (minus 0,24, minus 1,03 bis 0,55); Pfefferminzöl wird im Abstract als besonders erfolgreich hervorgehoben, ohne eigene Zahl [25]. Wie viele Primärstudien und Teilnehmer hinter dieser Untergruppe stehen, geht aus dem Abstract nicht hervor, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Damit lässt sich kein Effekt für Pfefferminz allein beziffern, und wir vergeben keine eigene Bewertung. Dieselbe Übersicht schränkt selbst ein, dass belastbare Schlüsse wegen der begrenzten Zahl randomisierter Studien noch fehlen
Quellen: 25
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07
Subjektives Atem- und Nasengefühl bei Inhalation oder im Mund, ohne begleitende Änderung objektiver Messwerte
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Vier randomisierte Humanstudien zeigen dasselbe Muster: Das Empfinden ändert sich, die Messwerte nicht. Bei 20 Erwachsenen mit einer mittleren Einsekundenkapazität von 47 Prozent des Sollwerts senkten 300 mg L-Menthol in der Atemmaske während eines Fahrradbelastungstests den Anstieg der Atemnot-Intensität über die Testzeit (Schätzwert minus 0,09 je 10 Prozent der Testzeit, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,15 bis minus 0,02, p gleich 0,01), 85 Prozent empfanden das Einatmen als leichter. Laut Volltext unterschieden sich die absoluten Bewertungen zu keinem Zeitpunkt, die Ausdauerzeit blieb gleich (6,1 gegenüber 5,8 Minuten, Differenz 0,3 plus minus 1,6, p gleich 0,50), Atmungs- und Muskelparameter zeigten keinen Unterschied, und die Teilnehmer konnten nicht verblindet werden [8]. Bei 118 Testpersonen (67 mit normalem, 51 mit vermindertem Riechvermögen) erzeugte eingeatmetes Menthol das stärkste Gefühl freier Nase, der gemessene Nasenspitzenfluss unterschied sich zwischen den Bedingungen nicht; eine Menthol-Konzentration nennt das Abstract nicht [9]. Bei 42 gesunden Kindern von 10 bis 11 Jahren stieg das empfundene Nasengefühl gegenüber Placebo (mittlere Differenz im logarithmierten Skalenwert minus 0,207, Konfidenzintervall minus 0,329 bis minus 0,085), ohne jede Änderung der Spirometrie [27]. Und in der größten Arbeit dieser Reihe erhielten 106 gesunde Erwachsene 15 Minuten lang vernebeltes Pfefferminz-, Eukalyptus- oder Rosmarinöl oder keine Behandlung: Keines der Öle veränderte Vitalkapazität, Spitzenfluss oder Einsekundenkapazität, und die empfundene Veränderung hing von der Erwartung der Teilnehmer ab, nicht von der Messung; die vernebelte Ölmenge nennt das Abstract nicht [26]. Der Zweitautor dieser Arbeit ist bei einem Kräuterunternehmen tätig, was den Nullbefund eher stärkt als schwächt, weil er gegen ein kommerzielles Interesse ausfällt [26]. Zubereitungsvorbehalt: Alle vier Studien prüfen Inhalation oder Wirkung im Mund- und Rachenraum, keine die orale Einnahme eines Extrakts
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08
Hustenreiz-Schwelle bei eingeatmetem Menthol, im Reizversuch erhöht, gegenüber Placebo im Alltagsversuch nicht
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Drei kleine Humanstudien mit uneinheitlichem Bild. Im Reizversuch mit einem einzelnen Capsaicin-Atemzug erhöhte das Einatmen von Menthol-Dampf bei 12 gesunden Nichtrauchern die Hustenreiz-Schwelle um rund 25 Prozent (F(1,10) gleich 5,67, p gleich 0,039); die eingesetzte Konzentration von 48,9 mg L-Menthol je Milliliter Mineralöl war laut Volltext so gewählt, dass sie im Kühlgefühl einer Mentholzigarette entspricht, und die Autoren beschreiben ihren eigenen Befund ausdrücklich als Herabsetzung eines Schutzreflexes der Atemwege, nicht nur als Vorteil [10]. Gegen ein Placebo gemessen bleibt davon wenig: Bei 42 Kindern war die Hustenzahl nach Menthol zwar niedriger als im Ausgangswert, gegenüber Placebo aber nicht (mittlere Differenz minus 1,71, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 4,11 bis 0,69) [27]. Und bei 64 Erwachsenen vor einer Bronchoskopie unterschied sich die Hustenhäufigkeit unter 1-prozentiger Menthol-Inhalation nicht von der unter einer 0,05-prozentigen Vergleichslösung; die Reizbarkeit der Schleimhaut war unter Menthol sogar höher (Hauptbronchus 62,2 plus minus 22 gegenüber 48,6 plus minus 23 mm auf einer visuellen Skala, p gleich 0,03), lediglich der Spitzenfluss stieg unmittelbar nach der Inhalation an (307 plus minus 103 auf 329 plus minus 84 Liter pro Minute, p gleich 0,003) [11]. Zubereitungsvorbehalt: geprüft wurde eingeatmeter Menthol-Dampf, keine geschluckte Zubereitung
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09
Atemkomfort und Ausdauerleistung bei sportlicher Belastung, orale Einnahme von reinem L-Menthol
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Randomisierte Cross-over-Studie an 13 gut trainierten, ausschließlich männlichen Läufern (Durchschnittsalter 35,8 Jahre, Spitzensauerstoffaufnahme 62,7 ml je Kilogramm und Minute) mit drei Bedingungen: Wasser schlucken, L-Menthol-Lösung spülen, L-Menthol-Lösung schlucken. Beim Schlucken lag die Laufzeit bis zur Erschöpfung bei 1683,9 plus minus 520,3 Sekunden gegenüber 1410,2 plus minus 465,9 Sekunden unter Wasser, Effektstärke 0,55; einen p-Wert für diesen Vergleich nennt das Abstract nicht, und die Streuungen überlappen weit. Das empfundene Atemgefühl bei Erschöpfung war deutlich besser (2,00 plus minus 0,74 gegenüber 0,42 plus minus 0,79, Effektstärke über 2,0). Die Schwelle für Atemnot gegen einen Einatemwiderstand fiel nach dem Lauf unter Wasser auf 19,2 plus minus 7,6 und blieb unter Spülen (26,2 plus minus 6,5) und Schlucken (29,2 plus minus 2,8 cm Wassersäule je Liter und Sekunde) höher, p für die Wechselwirkung kleiner 0,001 [17]. Eine Hustenreiz-Schwelle hat diese Arbeit nicht gemessen. Die eingesetzte Menthol-Konzentration nennt das Abstract nicht, den Volltext konnten wir trotz Kennzeichnung als frei zugänglich nicht abrufen. Einzelne, kleine Studie ohne unabhängige Bestätigung in unserer Suche (PubMed-Suche nach "menthol" "endurance running breathing comfort" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen)). Zubereitungsvorbehalt: geprüft wurde reines L-Menthol zum Schlucken, nicht der Pfefferminzblatt-Extrakt, und die Teilnehmer waren gesunde Sportler
Quellen: 17
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10
Geistige Leistung und Wachheit, je nach Zubereitung uneinheitlich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Verbreitete Zuschreibung, dazu drei kleine Humanstudien mit drei verschiedenen Zubereitungen und uneinheitlichem Ergebnis. 144 Freiwillige wurden auf Pfefferminz-Aroma, Ylang-Ylang-Aroma oder eine Bedingung ohne Aroma verteilt: Unter Pfefferminz war das Gedächtnis besser und die selbst eingeschätzte Wachheit höher; Effektmaße und eine Duftmenge nennt das Abstract nicht, und die Vergleichsbedingung war kein Duft-Placebo, sondern gar kein Duft [30]. 25 gesunde Erwachsene tranken 200 ml Pfefferminztee oder 200 ml warmes Wasser, von dem ihnen gesagt wurde, es enthalte geschmacklosen Pfefferminz-Extrakt: In allen vier Aufgaben war die Veränderung in der Pfefferminzgruppe größer (Bilderabruf F(1,23) gleich 13,66, Kopfrechnen 7,70, Merkspanne 18,52, Wortabruf 93,90, p-Werte 0,011 oder kleiner nach Bonferroni-Korrektur), und die Sauerstoffbeladung im Stirnhirn stieg stärker an; eine Vermittlung über die Durchblutung liess sich nicht nachweisen. Laut Volltext wurde ein Teil des Gruppenunterschieds dadurch erzeugt, dass die Kontrollgruppe beim Bilder- und Wortabruf schlechter wurde, die Studie war einfach verblindet, hatte eine Gelegenheitsstichprobe und keine Erfassung von Ernährung, Koffein und Bewegung [31]. Dagegen fand eine Studie an 10 Personen unter erschöpfender Belastung in der Hitze für Menthol-Lutschtabletten gegenüber Placebo keinen Effekt: Für die empfundene Anstrengung nennt das Abstract p größer 0,05, für Wachheit, Stimmung, Reaktionszeit und Gedächtnis sagt es ohne p-Wert, es habe zwischen den drei Bedingungen keinen Unterschied gegeben. Den Mentholgehalt der Lutschtablette nennt es nicht, wohl aber die 400 mg Koffein des dritten Arms [32]. Ein Widerspruch im Sinne der Skala lässt sich daraus nicht bauen: Die Nullbefundseite berichtet nur p-Werte ohne Punktschätzer, die Zubereitungen sind verschieden, und beide positiven Arbeiten stammen aus derselben Universität in Newcastle, sind also kein unabhängiger Doppelbeleg. Zubereitungsvorbehalt: geprüft wurden Aroma, Tee und Lutschtablette, kein Blattextrakt in einer Kapsel
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11
Menstruationsschmerz bei oraler Einnahme von Pfefferminzkapseln
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Verbreitete Zuschreibung. Eine systematische Übersicht von 2025 fasst 5 randomisierte Studien mit zusammen 499 Teilnehmerinnen zusammen, davon laut Volltext 214 im Pfefferminzarm; 4 Studien betreffen Menstruationsschmerz, eine das prämenstruelle Beschwerdebild. Alle 5 berichten für Pfefferminz eine Besserung, in den Kapselstudien jeweils bei p kleiner 0,05, in der Studie zum prämenstruellen Beschwerdebild bei p kleiner 0,001 [36]. Die Übersicht rechnet nichts zusammen, es gibt also kein gepooltes Effektmaß und kein Konfidenzintervall, und daran hängt die Stufe. Was sie liefert, ist eine Qualitätsspreizung nach der Jadad-Skala: 3 Studien mit dem Höchstwert 5, eine mit 2 und eine mit 1, weil dort die Verblindung gar nicht beschrieben wird; die Randomisierungsmethode nennen nur 3 der 5 [36]. Zwei weitere Einschränkungen sind der Tabelle direkt zu entnehmen: Der Effekt ist überall nur gegen den eigenen Ausgangswert oder gegen Placebo gemessen, aber die Vergleichssubstanz Ingwer war in einer Studie besser als Pfefferminz (p gleich 0,001), und die einzige Studie ohne Placeboarm vergleicht gegen Mefenaminsäure und findet zwischen beiden Armen keinen Unterschied (p größer 0,05), bei stärkerer Blutungsminderung und geringerem Schmerzmittelverbrauch auf der Seite der Mefenaminsäure [36, 37]. Diese Cross-over-Studie, die die Übersicht in ihrer Tabelle mit 126 ausgewerteten Studentinnen führt, behauptet im Abstract einen Placeboarm, den ihr eigener Methodenteil nicht beschreibt, sie hat nur zwei Arme; wir folgen dem Volltext [37]. Sie ist zugleich einer der 5 Einschlüsse der Übersicht und damit kein zweiter Bestand. Dosis laut Volltext 374 bis 990 mg pro Tag, Studiendauer bei 4 der 5 Studien 8 Wochen. Zubereitungsvorbehalt: Laut der Übersicht nutzten von den 4 oralen Studien nur 2 magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln (Colpermin), für die beiden anderen nennt sie die Zubereitung nicht, und die fünfte Studie ist eine Aromamassage mit 1,5-prozentigem ätherischem Öl. Ein Blattextrakt zum Schlucken ist damit weder geprüft noch ausgeschlossen. Übertragbarkeitsvorbehalt: Alle 5 Studien stammen laut Volltext aus dem Iran, Pakistan und Ägypten und wurden an Schülerinnen und Studentinnen von 13 bis 26 Jahren durchgeführt
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12
Mundgeruch bei einer Mundspülung mit Pfefferminz
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine kleine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 84 Schülerinnen von 14 bis 18 Jahren mit festgestelltem Mundgeruch. 43 spülten eine Woche lang dreimal täglich 15 bis 20 ml einer Lösung mit 1 Prozent Pfefferminzbasis, 41 eine in allen übrigen Bestandteilen gleiche Lösung ohne diese Basis. Nach einer Woche war der Mundgeruch bei 23 der 43 in der Pfefferminzgruppe nicht mehr feststellbar, in der Placebogruppe blieb er bei 30 der 41 bestehen, Chi-Quadrat-Test p kleiner 0,02 [28]. Diese Zahlen stammen aus dem freien Volltext; das Abstract derselben Arbeit gibt die Placebogruppe abweichend mit 11 an, was mit seinen eigenen Gruppengrößen nicht aufgeht, wir folgen dem Volltext. Einschränkungen: eine einzelne Studie, ein Zentrum, nur Mädchen, eine Woche, und der Mundgeruch wurde durch Riechen beurteilt statt über flüchtige Schwefelverbindungen gemessen; die Autoren führen abweichende Ergebnisse anderer Arbeiten selbst auf diesen Methodenunterschied zurück. Dazu passen Laborbefunde, siehe die Zeile zur antibakteriellen Wirkung. Zubereitungsvorbehalt: geprüft wurde eine Spülung mit niedrig konzentrierter Pfefferminzbasis im Mund, keine geschluckte Zubereitung
Quellen: 28
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13
Hautberuhigung bei äußerlicher Anwendung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Verbreitet angenommen. Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "menthol OR peppermint topical" "pruritus itch randomized" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 13 Treffer. Was wir fanden, war entweder ein Mischpräparat, etwa eine Salbe aus Aloe vera, Honig und Pfefferminz an Hautentnahmestellen, oder eine Übersicht, die Menthol neben vielen anderen Stoffen gegen Juckreiz aufzählt, ohne einen eigenen Effekt für Pfefferminz zu beziffern. Die methodisch beste Arbeit dieses Feldes prüft ausdrücklich zwei ANDERE Kältestoffe gegen ein Trägermittel und begründet das damit, dass äußerlich angewendetes Menthol reizen könne und bei starkem Juckreiz von schwacher Wirkstärke sei; eine Pfefferminz- oder Menthol-Gruppe führte sie nicht mit [33]. Diese Einordnung stammt allerdings von einer Arbeit, an der die Forschungsabteilung von Beiersdorf AG beteiligt ist, also des Unternehmens, dessen eigene Menthol-Alternative dort geprüft wird. Sie ist deshalb ein Grund, nicht selbst zu bewerten, aber kein Beleg gegen Menthol [33]. In keinem Fall lässt sich der Beitrag von Pfefferminz allein herausrechnen, deshalb keine eigene Bewertung
Quellen: 33
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14
Beschwerden des oberen Verdauungstrakts in fester Kombination mit Kümmelöl
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Verbreitet angenommen, klassisch als Fixkombination Pfefferminzöl plus Kümmelöl. Dazu existiert gute Evidenz, aber nicht für Pfefferminz allein. Ein Cochrane-Review von 2023 über 41 Studien zu 27 Kräuterarzneien fand für diese Kombination gegenüber Placebo nach vier Wochen eine deutliche Besserung der Globalsymptomatik (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,87, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,15 bis minus 0,58, I-Quadrat 0 Prozent, 2 Studien, 210 Teilnehmer, mittlere Vertrauenswürdigkeit) und eine höhere Besserungsrate (relatives Risiko 1,53, 1,30 bis 1,81, 3 Studien, 305 Teilnehmer), bei den unerwünschten Ereignissen dagegen keinen gesicherten Unterschied (relatives Risiko 1,56, 0,69 bis 3,53, I-Quadrat 47 Prozent, 3 Studien, 305 Teilnehmer, niedrige Vertrauenswürdigkeit) und in einer Studie mit 99 Teilnehmern eine bessere Lebensqualität (mittlere Differenz minus 131,40, minus 193,76 bis minus 69,04) [18]. Zur Interessenlage gehört, dass alle drei Studien hinter diesen Zahlen, Chey 2019, May 2000 und Rich 2017, in der Finanzierungsübersicht desselben Reviews unter den von der Arzneimittelindustrie getragenen Arbeiten stehen [18]. Die häufig getrennt zitierte deutsche Äquivalenzstudie mit 120 randomisierten und 118 ausgewerteten Teilnehmern ist kein zweiter Beleg: Sie ist in demselben Cochrane-Review als eigener Vergleich enthalten, dort mit standardisierter Mittelwertdifferenz 0,11 (minus 0,25 bis 0,47) gegenüber dem Vergleichsmittel Cisaprid und unerwünschten Ereignissen mit relativem Risiko 0,83 (0,42 bis 1,64), niedrige Vertrauenswürdigkeit [18]; sie wurde laut der Finanzierungsübersicht desselben Reviews von der Arzneimittelindustrie getragen [18], und ihr Vergleichsmittel wird heute nicht mehr eingesetzt [18]. Ihre eigene Angabe lautet 4,62 Punkte Schmerzminderung auf einer visuellen Skala gegenüber 4,60 unter Cisaprid (p gleich 0,021 im Äquivalenztest), bei 2 mal 1 magensaftresistenter Kapsel mit 90 mg Pfefferminzöl und 50 mg Kümmelöl täglich über vier Wochen [19]. Ob alle gepoolten Studien dieselbe Dosis verwendeten, sagt der Review nicht, eine der drei nutzte ausdrücklich eine andere Zubereitung [18]. Der eigene Anteil von Pfefferminz lässt sich aus diesen Daten nicht heraustrennen, deshalb keine eigene Bewertung für den Pfefferminz-Extrakt für sich genommen
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Antibakterielle Wirkung im Labor und Tierversuch
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Zwei Laborarbeiten und ein Tierversuch. Eine Nanoemulsion aus Pfefferminz-ätherischem-Öl (Mentholgehalt 32,3 Prozent) hemmte im Reagenzglas das Wachstum von Escherichia coli und Staphylococcus aureus, die wirksame Menge lag laut Volltext nach 72 Stunden bei 120 Mikrolitern für E. coli und 200 Mikrolitern für S. aureus; die Arbeit selbst bezeichnet diese Werte als HÖCHSTE minimale Hemmkonzentration, was sich mit dem Begriff nicht deckt, wir geben deshalb die Zahlen und nicht die Deutung wieder. Im Tierversuch an 90 Masthühnern in 6 Fütterungsgruppen erhöhte die höchste Beimischung die Gewichtszunahme und die Zahl der Milchsäurebakterien im Blinddarm und senkte die Gesamtzahl coliformer Keime; hämatologische und biochemische Blutwerte unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht [12]. In einer zweiten Laborarbeit wirkte Pfefferminzöl gegen das mundgeruchbildende Bakterium Fusobacterium nucleatum, allerdings schwächer als zwei Vergleichsöle (niedrigste hemmende Konzentration 0,25 Prozent gegenüber 0,03 Prozent für Bergbohnenkraut), und senkte die Bildung flüchtiger Schwefelverbindungen dosisabhängig um 12,2 Prozent bei 0,015 Prozent und um 43,9 Prozent bei 0,03 Prozent. An menschlichen Mundschleimhautzellen zeigte sich bis 0,5 Prozent keine Schädigung, bei 1 Prozent dagegen ein deutlicher Rückgang der Zellvitalität [29]. Am Menschen liegt uns zu einer antibakteriellen Wirkung keine Untersuchung vor; gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "peppermint essential oil" "antibacterial infection humans clinical" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 3 Treffer, keiner davon eine Anwendung am Menschen
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Antivirale Wirkung im Labor
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In einem Versuch an bebrüteten Hühnereiern hemmte ätherisches Pfefferminzöl die Vermehrung eines Vogel-Coronavirus weder bei 0,1 noch bei 1 Prozent vollständig, während vier andere getestete Pflanzenöle (Gewürznelke, Oregano, Palmarosa und Zitronengras) das bei 1 Prozent komplett schafften. Das nah verwandte Öl der Grünen Minze (Mentha spicata) verhielt sich genauso wenig wirksam wie das Pfefferminzöl [13]. Die verbreitete Annahme einer antiviralen Wirkung hält sich in diesem Befund für Pfefferminz schwächer als für andere Pflanzenöle. Am Menschen liegt uns dazu keine Untersuchung vor; gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "peppermint OR Mentha piperita" "antiviral clinical trial humans" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 2 Treffer, keiner davon eine Anwendung am Menschen
Quellen: 13
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Antioxidative Wirkung im Labor- und Tiermodell, im Zellversuch nur teilweise
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In chemischen Tests hatte Pfefferminz-ätherisches-Öl die niedrigste halbmaximale Wirkkonzentration im Vergleich zu zwei verwandten Minzölen (p kleiner 0,05 im DPPH- und im TEAC-Test), also die stärkste radikalfangende Wirkung. An einer Darmzelllinie vom Schwein senkte es die messbare Radikalbildung am stärksten bei 5 Mikrogramm je Milliliter. Laut Volltext war es allerdings das einzige der drei Öle, das den zellulären Glutathiongehalt NICHT erhöhte, was die Autoren selbst als unerwartet bezeichnen; ab 200 Mikrogramm je Milliliter fiel die Zellvitalität deutlich, und die Autoren führen eine konzentrationsabhängige, bei Pfefferminzöl stärker ausgeprägte prooxidative Wirkung an. Im Fadenwurm C. elegans erhöhte Pfefferminzöl bei 100 Mikrogramm je Milliliter die Überlebensrate unter Wasserstoffperoxid-Belastung vergleichbar mit Vitamin C, das dafür allerdings nur 10 Mikrogramm je Milliliter benötigte und die Überlebensrate um 18 Prozent anhob; die Öle wurden vom Futtermittelunternehmen ADM Animal Nutrition bereitgestellt, drei der acht Autoren sind bei ADM-Gesellschaften angestellt, die Arbeit selbst erklärt keinen Interessenkonflikt [15]. In einem zweiten Tierversuch senkten Phenole aus Mentha piperita bei 8 Milligramm je Liter Wasser in Gruppen von je 12 Fischen unter Arsen-Belastung mehrere Marker von oxidativem Stress gegenüber der nur arsenbelasteten Gruppe (p kleiner 0,05) [16]. Am Menschen liegt uns zu Pfefferminz und oxidativem Stress keine Untersuchung vor; gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "Mentha piperita OR peppermint" "oxidative stress markers humans supplementation" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 1 Treffer, eine Übersicht über polyphenolreiche Präparate ohne eigenen Pfefferminz-Arm
Studien im Detail
Warum die Zubereitung bei diesem Stoff fast alles entscheidet
Pfefferminze kommt in den Studien in mindestens sechs verschiedenen Formen vor, und sie sind nicht austauschbar: ätherisches Öl in einer Kapsel, die sich erst im Dünndarm auflöst; ätherisches Öl in einer Kapsel ohne diesen Überzug; eingeatmeter Öldampf; eine hochprozentige Öl-Ethanol-Lösung auf der Haut; eine niedrig konzentrierte Spülung im Mund; und Tee aus dem Blatt. Dazu kommt reines L-Menthol, der Hauptbestandteil des Öls, das in mehreren Studien statt der Pflanze geprüft wurde. Für keine dieser Formen darf ein Ergebnis der anderen übernommen werden, und dieser Vorbehalt gilt in beide Richtungen: für den Nutzen genauso wie für das Risiko. Wo unten ein Vorbehalt gegen eine Wirkung steht, steht er im Sicherheitsteil ebenso gegen die Übertragung eines Risikos.
Ein Vorbehalt, der zehn Wirkungszeilen abwertet, muss selbst geprüft werden, und eine unserer eigenen Quellen widerspricht ihm teilweise. Die dermatologische Übersicht [14] hält fest, dass die Erfahrungen mit dem Öl auch für Zubereitungen aus dem Blattextrakt als einschlägig gelten. Für die Nutzenseite folgt daraus wenig: Diese Aussage stammt aus einer Sensibilisierungsübersicht zur äußerlichen Anwendung und betrifft die Frage, wer auf welchen Bestandteil allergisch reagiert, nicht die Frage, wie viel Menthol nach dem Schlucken wo im Darm ankommt. Für die Risikoseite folgt daraus mehr, und dort steht sie auch. Wir halten den Vorbehalt für die Wirkungszeilen deshalb aufrecht, benennen aber, dass er auf der Nutzenseite stärker abwertet als auf der Risikoseite, und dass das die einzige Stelle ist, an der eine eigene Quelle ihm entgegensteht.
Der Überzug ist dabei kein Nebendetail. Er sorgt dafür, dass sich die Kapsel erst im Dünndarm auflöst und das Öl dort freisetzt, statt schon im Magen. Nach der Studientabelle der Meta-Analyse von Ingrosso und Kollegen nutzten 9 der 10 eingeschlossenen Studien eine Zubereitung mit Freisetzung im Dünndarm, eine davon randomisierte zusätzlich einen Teil der Teilnehmer auf eine Freisetzung erst im Dickdarm [1]. Ohne Freisetzungsangabe ist dort nur eine einzige Studie geführt, Alam 2013 mit 2 ml Pfefferminzöl. Ein früherer Stand dieses Eintrags nannte 8 von 10; diese Zahl stammt aus einem Ergebnissatz, der eine der Dünndarm-Studien ausklammert, und die Studientabelle ist die genauere Quelle. Ohne diesen Überzug wird Sodbrennen eher wahrscheinlicher, denn genau das ist die häufigste unerwünschte Wirkung von oralem Pfefferminzöl [1].
Bauchschmerz und globale Beschwerdestärke
Die Meta-Analyse von Ingrosso und Kollegen aus dem Jahr 2022 fasst 10 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit 1030 Teilnehmern zusammen, Erwachsene ab 18 Jahren mit wiederkehrenden Bauchschmerzen und veränderter Stuhlgewohnheit, Behandlungsdauer mindestens vier Wochen [1]. Auf den Endpunkt Bauchschmerz entfallen davon 7 Studien mit 748 Teilnehmern, und der Volltext nennt einen Punkt, den das Abstract weglässt: Nur 4 dieser 7 berichteten den Bauchschmerz direkt, für 3 weitere wurde er aus Mittelwerten und Streuungen geschätzt [1]. In dieser Rechnung besserte sich der Bauchschmerz bei 47,3 Prozent unter Pfefferminzöl nicht, unter Placebo bei 59,7 Prozent, relatives Risiko für keine Besserung 0,76 (95-Prozent- Konfidenzintervall 0,62 bis 0,93), Zahl der notwendigen Behandlungen 7 (4 bis 24), Heterogenität I-Quadrat 56 Prozent [1].
Drei Sensitivitätsrechnungen desselben Volltexts sind für die Einordnung wichtiger als der Hauptwert, und sie gehen auseinander. Erstens: Beschränkt auf die 3 Studien mit durchgehend niedrigem Verzerrungsrisiko und 351 Teilnehmern bleibt Pfefferminzöl auf dem Bauchschmerz Placebo überlegen, relatives Risiko 0,78 (0,61 bis 0,99), Zahl der notwendigen Behandlungen 7 (4 bis 155) [1]. Das obere Ende beider Intervalle liegt dicht an der Wirkungslosigkeit, der Befund hält aber. Zweitens: Auf dem zusammengefassten Endpunkt aus globalen Beschwerden oder Bauchschmerz findet dieselbe Rechnung über denselben Bestand von 351 Teilnehmern keinen Vorteil mehr, relatives Risiko 0,86 (0,62 bis 1,20), und die Autoren halten dazu ausdrücklich fest, Pfefferminzöl sei in dieser Auswertung Placebo nicht überlegen gewesen [1]. Drittens: Für die globale Beschwerdestärke allein gilt dasselbe. Über 7 Studien mit 756 Teilnehmern liegt das relative Risiko bei 0,65 (0,43 bis 0,98) bei sehr hoher Heterogenität von I-Quadrat 94 Prozent, in den 2 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko und 261 Teilnehmern dagegen bei 0,77 (0,28 bis 2,08), also ohne gesicherten Vorteil [1]. Deshalb stehen die beiden Endpunkte in diesem Eintrag in zwei getrennten Zeilen mit zwei verschiedenen Stufen.
Wer diese drei Studien für den Maßstab hält, sollte eine vierte Angabe aus demselben Volltext kennen: Eine von ihnen ist Cash 2016, und die ist vom Hersteller ihrer Prüfzubereitung finanziert, alle drei Autoren sind dort angestellt oder als Berater tätig [21]. Die drei Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko sind also methodisch sauber und zu einem Drittel herstellernah, und beides gehört in dieselbe Zeile.
Die Autoren selbst stufen die Evidenzqualität nach GRADE als sehr niedrig ein, und der Volltext nennt die drei Gründe: Uneinheitlichkeit zwischen den Studien, eine Trichterdiagramm-Asymmetrie (Egger-Test p gleich 0,0007, ein Hinweis auf fehlende kleine Negativstudien) und die Tatsache, dass nur 3 von 10 Studien ein niedriges Verzerrungsrisiko haben [1]. Die Trichterdiagramm-Asymmetrie ist dabei genau zuzuordnen: Sie stammt aus der gepoolten Rechnung über alle 10 Studien auf dem zusammengefassten Endpunkt. Für den Bauchschmerz allein schreiben die Autoren, es seien zu wenige Studien, um eine Veröffentlichungsverzerrung überhaupt zu prüfen [1]. Als Abzug dieser Zeile taugt sie deshalb nur mittelbar. Ihr eigener Schlusssatz lautet, angesichts der jetzt breiten Intervalle sei es möglich, dass eine künftige große Studie ohne Effekt das gepoolte Ergebnis umdrehen würde [1]. Zugleich empfehlen sie Pfefferminzöl weiterhin und heben hervor, dass sie den Bauchschmerz erstmals gesondert auswerten konnten [1].
Die beiden neuesten Einzelstudien des Feldes fallen beide in diese Meta-Analyse und sind deshalb kein zusätzlicher Beleg. Als methodisch streng gilt nach der Verzerrungstabelle der Übersicht nur die erste von beiden: Weerts 2020 ist neben Merat 2010 und Cash 2016 eine der drei Studien mit niedrigem Risiko in allen fünf Bewertungsfeldern, Nee 2021 trägt dort ein hohes Risiko bei der Vollständigkeit der Ergebnisdaten. Was die Autoren beiden zugutehalten, sind strengere Endpunkte und eine zeitgemäße Falldefinition, nicht der Rang der besten Studien [1]. Weerts und Kollegen 2020 randomisierten 190 Teilnehmer, werteten 189 aus, 178 beendeten die Studie; auf dem vorab festgelegten Hauptendpunkt, mindestens 30 Prozent Rücklauf der wöchentlichen Bauchschmerz-Spitzenwerte in mindestens vier von acht Wochen, ergab sich kein Unterschied (46,8 Prozent unter Öl mit Freisetzung im Dünndarm, 41,3 Prozent unter Freisetzung im Dickdarm, 34,4 Prozent unter Placebo, p gleich 0,170 und 0,385). Auf den sekundären, stetigen Messgrößen für Bauchschmerz, Missempfinden und Beschwerdegrad war die Zubereitung mit Freisetzung im Dünndarm dagegen besser als Placebo (p gleich 0,016, 0,020 und 0,020) [2]. Nee und Kollegen 2021 gaben Teilnehmern mit einem Summenscore der Beschwerdestärke von mindestens 175 Punkten sechs Wochen lang 180 mg magensaftresistentes Pfefferminzöl dreimal täglich oder Placebo im Verhältnis eins zu zwei. Eine Teilnehmerzahl nennt ihr Abstract nicht; die Übersicht führt die Studie mit 133 Teilnehmern, davon 46 im Pfefferminzarm, nach Rückfrage bei den Autoren [1]. Beide Gruppen besserten sich deutlich, die Pfefferminzgruppe zahlenmäßig sogar etwas weniger (90,8 Punkte, Standardabweichung 75,3, gegenüber 100,3 Punkten, Standardabweichung 99,6), Effektstärke minus 0,11, p gleich 0,97, und auch auf keinem sekundären Endpunkt ergab sich ein Unterschied [20]. Ingrosso und Kollegen führen genau diese beiden Arbeiten als Grund dafür an, dass die Zahl der notwendigen Behandlungen gegenüber ihrer eigenen früheren Auswertung von 2,5 auf 4 beziehungsweise 7 gestiegen ist [1].
Eine ältere Meta-Analyse aus 12 Studien mit 835 Teilnehmern berichtet deutlich günstigere Werte, relatives Risiko 2,39 (1,93 bis 2,97) für die globale Besserung und 1,78 (1,43 bis 2,20) für den Bauchschmerz, jeweils bei I-Quadrat 0 Prozent [22]. Das ist kein zweiter, unabhängiger Beleg: Ihre Erstsuche lief im Oktober 2016 und wurde im Oktober 2017 und im April 2018 wiederholt, sie kennt die beiden neuen Studien ohne Effekt also noch nicht, und sie teilt sieben Primärstudien mit der neueren Arbeit. Ingrosso und Kollegen begründen ihre abweichende Rechnung damit, dass die ältere Auswertung Daten aus Cross-over-Studien auch dann einbezog, wenn sie nicht getrennt für die Zeit vor dem Wechsel berichtet wurden [1]. Wo die beiden Arbeiten auseinandergehen, folgen wir der größeren und neueren.
Darmbewegung und Muskelaktivität des Dickdarms
Han und Kollegen 2021 gaben erwachsenen Teilnehmenden vor einer Darmspiegelung oral eine Pfefferminzöl-Zubereitung mit verzögerter Freisetzung im Dünndarm (IBgard) oder Placebo. Die Endoskopikerin oder der Endoskopiker beurteilte den Spasmus des Dickdarms während Einführung, Betrachtung und Polypektomie verblindet. In keiner der drei Phasen zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied (1,23 zu 1,2, p gleich 0,9; 1,3 zu 1,23, p gleich 0,72; 0,52 zu 0,46, p gleich 0,69), und auch die Adenom-Entdeckungsrate unterschied sich nicht (47,8 zu 43,1 Prozent, p gleich 0,51). Auch die Beschränkung auf Teilnehmende, die das Mittel mehr als 60 Minuten vor dem Eingriff bekommen hatten, änderte daran nichts. Konfidenzintervalle nennt die Arbeit nicht. Die Autoren schließen selbst nicht auf Wirkungslosigkeit, sondern halten eine passend formulierte und zeitlich passend gegebene orale Zubereitung für weiter untersuchenswert [3].
Zu derselben Zubereitung gibt es eine positive Wirksamkeitsstudie, und ihre Herkunft gehört dazu: 72 Teilnehmer, vier Wochen, Rückgang des Beschwerdesummenscores um 40 Prozent gegenüber 24,3 Prozent unter Placebo (p gleich 0,0246). Der Volltext weist die Finanzierung durch IM HealthScience LLC aus, und alle drei Autoren sind dort angestellt oder als Berater tätig [21]. Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die beiden Meta-Analysen mit dieser Arbeit umgehen: Die neuere zählt sie zu den drei Studien mit durchgehend niedrigem Verzerrungsrisiko [1], die ältere stuft sie wegen der Industriefinanzierung ausdrücklich als hohes Verzerrungsrisiko ein [22].
Shulman und Kollegen 2025 untersuchten bei Kindern von 7 bis 12 Jahren mit wiederkehrenden Bauchschmerzen zwei Dosen magensaftresistenten Pfefferminzöls (540 mg pro Tag als dreimal 180 mg bei 25 Kindern, 900 mg pro Tag als fünfmal 180 mg bei 15 Kindern) und massen die Darmbewegung direkt mit einer schluckbaren Messkapsel. Bei der höheren Dosis sank die Kontraktionsfrequenz von Dickdarm (p gleich 0,002) und Gesamtdarm (p gleich 0,02) im Vergleich zur niedrigeren. Die Studie war als Pharmakokinetik-Vergleich angelegt, nicht als placebokontrollierte Wirksamkeitsstudie [4].
Die beiden Arbeiten widersprechen sich nicht, sie beantworten verschiedene Fragen: Han vergleicht gegen Placebo bei Erwachsenen auf einem endoskopisch geschätzten Score, Shulman vergleicht zwei Dosen ohne Placebo-Arm bei Kindern auf einer direkt gemessenen Kontraktionsfrequenz. Gemeinsamer Vergleich, gemeinsamer Endpunkt und gemeinsame Altersgruppe fehlen. Für die placebokontrollierte Frage bei Erwachsenen bleibt Han die einzige uns bekannte Messung, gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "peppermint oil" "colonic spasm motility placebo" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen).
Kopfschmerzintensität bei äußerlicher Anwendung
Zu dieser Anwendung liegen zwei voneinander unabhängige randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studien vor, aus Deutschland und aus dem Iran, mit vierzehn Jahren Abstand. Sie prüfen dasselbe Auftragen auf dieselbe Hautfläche, aber nicht denselben Stoff in derselben Stärke, und das ist für die Einordnung wichtiger, als es aussieht.
Göbel und Kollegen prüften 1996 an 41 Erwachsenen von 18 bis 65 Jahren mit wiederkehrenden Kopfschmerzattacken nach den Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation 164 Episoden. Jede Episode wurde mit zwei Kapseln zum Schlucken (1000 mg Paracetamol oder Placebo) und mit dem großflächigen Auftragen einer Lösung auf Stirn und Schläfen behandelt, wiederholt nach 15 und 30 Minuten. Verglichen mit Placebo sank die Kopfschmerzintensität unter der 10-prozentigen Pfefferminzöl-Ethanol-Lösung bereits nach 15 Minuten (p kleiner 0,01) und blieb über die einstündige Beobachtungszeit niedriger. Ein statistisch nachweisbarer Unterschied zu 1000 mg Paracetamol bestand nicht, was bei dieser Fallzahl keine Gleichwertigkeit belegt, sondern nur bedeutet, dass ein Unterschied nicht gezeigt wurde. Die Teilnehmer berichteten keine unerwünschten Ereignisse. Als Placebo diente eine 90-prozentige Ethanollösung mit Spuren Pfefferminzöl. Geprüft wurde eine handelsübliche Zubereitung, die das Abstract als LI 170 von Lichtwer Pharma, Berlin, bezeichnet [5].
Borhani Haghighi und Kollegen gaben 2010 in Schiras 35 Erwachsenen (Durchschnittsalter 29,6 Jahre, 80 Prozent Frauen) über 118 Attacken eine 10-prozentige Menthol-Ethanol-Lösung auf Stirn und Schläfe, im Wechsel mit einer 0,5-prozentigen Lösung als Placebo. Die Menthol-Lösung war in der Auswertung nach Behandlungsabsicht überlegen bei Schmerzfreiheit nach zwei Stunden (p gleich 0,001), Schmerzlinderung nach zwei Stunden (p kleiner 0,001) und den beiden Endpunkten zur anhaltenden Wirkung (p gleich 0,008), außerdem bei Übelkeit und Licht- oder Lärmempfindlichkeit (p gleich 0,02). Unerwünschte Ereignisse unterschieden sich zwischen den Armen nicht (p gleich 0,13) [23].
Der Unterschied zwischen beiden ist nicht nur der Name: Die deutsche Studie gab 10 Prozent Pfefferminzöl, und Menthol macht 35 bis 45 Prozent dieses Öls aus [6], die Lösung enthielt also rund 3,5 bis 4,5 Prozent Menthol. Die iranische Studie gab 10 Prozent Menthol, etwa das Zweieinhalbfache. Dazu kommen zwei verschiedene Teilnehmergruppen und zwei verschiedene Endpunktfamilien, nämlich der Intensitätsverlauf über 60 Minuten gegen Schmerzfreiheit und Schmerzlinderung nach zwei Stunden. Zwei unabhängige Befunde in dieselbe Richtung sind das trotzdem, nur eben nicht zwei Wiederholungen desselben Versuchs.
Eine systematische Übersicht von 2020 über 19 randomisierte Studien zu neun Pflanzen ordnet Menthol als äußerlich aufgetragene Akutanwendung mit vorläufig positiven Befunden ein und weist zugleich darauf hin, dass viele der eingeschlossenen Studien ein hohes Verzerrungsrisiko haben [24]. Sie ist sehr wahrscheinlich keine dritte, unabhängige Stimme, denn ihr Suchfeld deckt die iranische Studie ab. Prüfen konnten wir das nicht, ihr Volltext lag für diese Recherche nicht vor. Wir führen sie deshalb als Einordnung desselben Bestands, nicht als zusätzlichen Beleg.
Warum die Zeile auf hinweise steht und nicht höher: Drei Gründe zusammen,
nicht ein formaler. Erstens prüfen die beiden Studien verschiedene Stoffe in
verschiedener Stärke an verschiedenen Gruppen. Zweitens messen sie
verschiedene Endpunktfamilien, die Zeile ist nach der ersten benannt.
Drittens berichtet keine von beiden ein Effektmaß mit Konfidenzintervall,
sondern nur p-Werte, sodass eine höhere Stufe nichts Belastbares zu
zitieren hätte; beide Volltexte lagen für diese Recherche nicht vor. Der dritte Grund allein würde eine
Herabstufung nicht tragen, die drei zusammen tun es. Entscheidend für die
Übertragbarkeit bleibt: Es handelt sich um eine äußerliche Anwendung
einer hochkonzentrierten Lösung auf der Haut. Daraus lässt sich keine
Aussage über die orale Einnahme eines Pfefferminzblatt-Extrakts ableiten.
Übelkeit bei Inhalation
Der Cochrane-Review von Hines und Kollegen liegt in einer aktualisierten Fassung von 2018 vor: 16 kontrollierte Studien mit 1036 Teilnehmern, davon 11 randomisierte und 5 kontrollierte klinische Studien, GRADE-Qualität zwischen moderat und sehr niedrig [6]. Anders als die Vorgängerfassung rechnet er Pfefferminzöl erstmals gesondert von den übrigen Duftstoffen: Im gepoolten Vergleich gegen Placebo aus 4 Studien mit 115 Teilnehmern zeigte sich fünf Minuten nach der Anwendung kein signifikanter Unterschied bei der Übelkeitsintensität (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,18, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,86 bis 0,49, p gleich 0,59, Heterogenität I-Quadrat 66 Prozent, niedrige Evidenzqualität) [6].
Dieser Nullbefund trägt keine Absprache, und das ist der Grund, warum die
Zeile hier nicht mehr auf nicht bestätigt steht. Das Intervall reicht bis
minus 0,86, schließt also einen großen Vorteil ausdrücklich nicht aus. Es
beruht auf 115 Teilnehmern. Gemessen wurde nur ein einziger Zeitpunkt, fünf
Minuten nach der Anwendung, und der Review nennt die frühen Messzeitpunkte
selbst als Schwäche des ganzen Feldes; für Wirkungen jenseits von 60 Minuten
bleiben die Daten unvollständig [6]. Die Autoren formulieren im
Ergebnisteil entsprechend, Pfefferminz führe möglicherweise zu wenig oder
keinem Unterschied. Der Vollständigkeit halber gehört der zweite Satz
daneben: Unter "Implications for practice" schreiben dieselben Autoren, es
gebe keinen Beleg für einen Effekt von Pfefferminz-Aromatherapie auf die
Übelkeitsstärke. Beide Sätze stehen in derselben Arbeit, der zweite ist der
schärfere.
Der Volltext nennt die vier gepoolten Studien namentlich: Anderson 2004, Ferruggiari 2012, Lane 2012 und Sites 2014. Die fünfte Pfefferminz-Studie des Reviews, Tate 1997 [7], ist gerade nicht Teil dieser Rechnung. Sie berichtete nur Tagesmittelwerte auf einer vierstufigen Skala und war deshalb nicht poolbar. Am Operationstag lag der mittlere Übelkeitswert bei 0,5 unter Pfefferminzöl, bei 1,61 unter dem Placebo aus Pfefferminz-Aroma und bei 0,97 unter üblicher Versorgung, ohne Standardabweichungen; die Autorin gibt den Unterschied als signifikant an (p gleich 0,02, Mann-Whitney U gleich 3 zwischen Placebo- und Verumgruppe) [6, 7].
Diese Studie ruht auf 18 Frauen nach einem größeren gynäkologischen Eingriff, verteilt auf drei Arme, also rund sechs je Gruppe. Eine Einatemmenge nennt sie nicht: Die Teilnehmerinnen bekamen eine Flasche mit ihrer zugeteilten Substanz und atmeten daraus, wann immer ihnen übel war [6]. Was der Cochrane-Review ihr vorhält, ist dreierlei: hohes Risiko selektiver Berichterstattung, weil sie weder Streuungsmaße noch einen Signifikanztest zu ihren Tagesmittelwerten liefert; unklare Vollständigkeit der Ergebnisdaten; und ein möglicher Erwartungseffekt, weil die Teilnehmerinnen aus dem Aufbau der Studie auf ihren Zweck schließen konnten. Die Verblindung von Teilnehmerinnen und Auswertung bewertet er dagegen beide als risikoarm, weil ein Pfefferminz-Aroma als Placebo diente [6].
Zur Opioidgabe: Der Review führt sie nicht als Störfaktor, sondern als Anzeichen für einen Effekt. Wörtlich hält er unter "Other bias" fest, die Verumgruppe habe im Schnitt etwas weniger Mittel gegen Übelkeit und mehr Opioide bekommen als die Placebogruppe, was eher auf einen Effekt hindeute [6]. Der Vorwurf einer wahrscheinlichen Verzerrung durch vorbeugende Übelkeitsmedikation gilt im Review einer anderen eingeschlossenen Studie, Merritt 2002 [6].
Ein Widerspruch im Sinne der Skala lässt sich aus beiden Arbeiten nicht
bauen. Auf der einen Seite steht ein Punktschätzer mit Intervall, auf der
anderen nur ein p-Wert ohne Streuungsmaß, und beide gehören zu demselben
Bestand, nämlich den fünf Pfefferminz-Studien desselben Reviews. Deshalb
steht die Zeile auf hinweise mit der Richtung im Namen.
Über alle Duftstoffe gemeinsam zeigte sich ebenfalls kein Unterschied bei der Übelkeitsintensität am Ende der Behandlung (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,22, Konfidenzintervall minus 0,63 bis 0,18, p gleich 0,28, 6 Studien, 241 Teilnehmer), wohl aber ein geringerer Bedarf an zusätzlicher Übelkeitsmedikation (relatives Risiko 0,60, Konfidenzintervall 0,37 bis 0,97, p gleich 0,04, 7 Studien, 609 Teilnehmer, hohe Heterogenität von 79 Prozent, niedrige Evidenzqualität). Dieser Vorteil ist über alle Duftstoffe zusammen gerechnet und nicht gesondert für Pfefferminz [6].
Zu einer anderen Population liegt eine neuere und größere Auswertung vor:
Eine Meta-Analyse von 2024 über 25 randomisierte Vergleiche aus 10 Arbeiten
zu Übelkeit und Erbrechen unter einer Krebsbehandlung fand für Aromatherapie
insgesamt eine deutliche Verringerung (standardisierte Mittelwertdifferenz
minus 0,81, Konfidenzintervall minus 1,11 bis minus 0,52), für Übelkeit
allein minus 0,85 (minus 1,23 bis minus 0,46), für Erbrechen allein dagegen
keinen gesicherten Effekt (minus 0,24, minus 1,03 bis 0,55). Pfefferminzöl
wird als besonders erfolgreich hervorgehoben, ohne dass eine eigene Zahl
genannt wird, und die Autoren schränken selbst ein, dass belastbare Schlüsse
wegen der begrenzten Zahl randomisierter Studien noch fehlen [25]. Weil sich
daraus kein Effekt für Pfefferminz allein beziffern lässt, steht diese
Population in einer eigenen Zeile auf Studienlage offen und nicht mit
der Übelkeit nach einem Eingriff vermischt.
Beide Auswertungen prüfen das Einatmen von Duftstoffen, nicht die orale Einnahme.
Subjektives Atemgefühl, Nasengefühl und Hustenreiz
Vier randomisierte Humanstudien zeigen dasselbe Muster: Das Empfinden ändert sich, die Messwerte nicht.
Schaeffer und Kollegen 2025 prüften 20 Erwachsene mit einer mittleren Einsekundenkapazität von 47 Prozent des Sollwerts während eines Fahrradbelastungstests bis zur Erschöpfung. Laut Volltext wurden 300 mg L-Menthol in 600 Mikrolitern Propylenglykol auf einen Zellstofftupfer im Inneren der Atemmaske gegeben, als Vergleich diente Erdbeeraroma. Der Anstieg der Atemnot-Intensität über die Testzeit war unter Menthol geringer (Schätzwert minus 0,09 je 10 Prozent der Testzeit, 95-Prozent- Konfidenzintervall minus 0,15 bis minus 0,02, p gleich 0,01), und 85 Prozent empfanden das Einatmen als leichter. Der Volltext nennt drei Dinge, die das Abstract weglässt: Die absoluten Bewertungen von Atemnot-Intensität, Unangenehmheit und Beinbeschwerden unterschieden sich zu keinem einzigen Zeitpunkt zwischen den Bedingungen; die Ausdauerzeit lag bei 6,1 plus minus 3,3 Minuten unter Menthol gegenüber 5,8 plus minus 3,2 Minuten unter Placebo (Differenz 0,3 plus minus 1,6, p gleich 0,50); und die Teilnehmer konnten nicht verblindet werden, sie wussten nur nicht, welche Richtung die Autoren erwarteten. Auf dem mehrdimensionalen Fragebogen am Belastungsende waren die Unangenehmheit sowie die Empfindungen Lufthunger und geistige Atemanstrengung unter Menthol geringer (jeweils p gleich 0,03), körperliche Atemanstrengung, Enge und Atemüberschuss dagegen nicht. Finanziert wurde die Arbeit aus öffentlicher Forschungsförderung, alle Autoren erklären, nichts offenlegen zu müssen [8].
Chao und Kollegen 2023 ließen 118 Testpersonen, 67 mit normalem und 51 mit vermindertem Riechvermögen, vier Duftstoffe über Nasenklammern einatmen: Menthol erzeugte das stärkste subjektive Gefühl freier Nase, der objektiv gemessene Nasenspitzenfluss unterschied sich zwischen den Bedingungen jedoch nicht [9].
Kenia und Kollegen 2008 prüften 42 gesunde Kinder von 10 und 11 Jahren im Cross-over-Versuch mit Menthol gegen Eukalyptusöl als Placebo. Auf die Spirometrie hatte Menthol keinerlei Wirkung. Das empfundene Nasengefühl stieg dagegen deutlich (mittlere Differenz im logarithmierten Skalenwert minus 0,207, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,329 bis minus 0,085). Die Hustenzahl nach Zitronensäure-Reizung war unter Menthol zwar niedriger als im Ausgangswert, gegenüber Placebo aber nicht (mittlere Differenz minus 1,71, Konfidenzintervall minus 4,11 bis 0,69). Die Autoren schränken ausdrücklich ein, dass sich das nicht auf jüngere Kinder oder auf Personen mit gereizter Nasenschleimhaut übertragen lässt [27].
Die größte Arbeit dieser Reihe ist zugleich die deutlichste: Köteles und Kollegen 2018 gaben 106 gesunden Erwachsenen 15 Minuten lang vernebeltes Pfefferminz-, Eukalyptus- oder Rosmarinöl oder keine Behandlung. Keines der Öle veränderte forcierte Vitalkapazität, Spitzenfluss oder das Verhältnis von Einsekundenkapazität zu Vitalkapazität. Die Erwartungen der Teilnehmer sagten die empfundene Veränderung vorher, nicht aber die gemessene, und empfundene und gemessene Veränderung hingen nicht miteinander zusammen [26]. Der Vergleichsarm war hier allerdings keine Scheinvernebelung, sondern gar keine Behandlung.
Beim Hustenreiz ist das Bild uneinheitlich. Wise und Kollegen 2012 maßen bei 12 gesunden Nichtrauchern (9 Frauen, 3 Männer, 23 bis 47 Jahre) die Schwelle, ab der ein einzelner Capsaicin-Atemzug Husten auslöst. Drei Atemzüge über einer Lösung mit 48,9 mg L-Menthol je Milliliter Mineralöl hoben diese Schwelle um rund 25 Prozent an (F(1,10) gleich 5,67, p gleich 0,039). Zwei Angaben aus dem Volltext gehören dazu: Die Konzentration war so gewählt, dass ihr Kühlgefühl dem einer Mentholzigarette entspricht, und die Autoren deuten ihr Ergebnis ausdrücklich in beide Richtungen, nämlich als möglichen Nutzen in Hustenmitteln und zugleich als Herabsetzung eines wichtigen Schutzreflexes der Atemwege, die das Rauchen von Mentholzigaretten erleichtern könnte. Nicht alle Teilnehmer zeigten einen Anstieg [10].
Gegen ein Placebo bleibt davon wenig. Bei den 42 Kindern war die Hustenzahl gegenüber Placebo nicht verringert [27]. Und Haidl und Kollegen 2001 fanden bei 64 Personen vor einer Bronchoskopie unter Inhalation einer 1-prozentigen L-Menthol-Lösung keine geringere Hustenhäufigkeit als unter einer 0,05-prozentigen Vergleichslösung. Zwei Befunde derselben Arbeit gehören dazu: Der Spitzenfluss stieg unmittelbar nach der Inhalation an (307 plus minus 103 auf 329 plus minus 84 Liter pro Minute, p gleich 0,003), und die vom Untersucher beurteilte Reizbarkeit der Schleimhaut war unter Menthol höher als unter der Vergleichslösung (Hauptbronchus 62,2 plus minus 22 gegenüber 48,6 plus minus 23 mm auf einer visuellen Skala, p gleich 0,03). Die Verträglichkeit des Eingriffs verbesserte sich nicht [11].
Alle diese Studien prüfen Inhalation oder Wirkung im Mund- und Rachenraum, keine die orale Einnahme eines Pfefferminz-Extrakts als Kapsel.
Atemkomfort und Ausdauerleistung bei sportlicher Belastung
Tsutsumi und Kollegen 2023 ließen 13 gut trainierte, ausschließlich männliche Läufer (Durchschnittsalter 35,8 Jahre, Spitzensauerstoffaufnahme 62,7 ml je Kilogramm und Minute) auf dem Laufband bis zur Erschöpfung laufen, in randomisierter Reihenfolge unter drei Bedingungen: Wasser schlucken, L-Menthol-Lösung im Mund spülen, L-Menthol-Lösung schlucken, jeweils alle fünf Minuten während des Laufs.
Beim Schlucken der L-Menthol-Lösung lag die Laufzeit bei 1683,9 plus minus 520,3 Sekunden gegenüber 1410,2 plus minus 465,9 Sekunden unter Wasser, Effektstärke 0,55. Das Abstract nennt für diesen Vergleich keinen p-Wert, und die Streuungen überlappen weit; die Zahl trägt deshalb weniger, als sie auf den ersten Blick verspricht. Das empfundene Atemgefühl bei Erschöpfung war deutlich besser (2,00 plus minus 0,74 gegenüber 0,42 plus minus 0,79, Effektstärke über 2,0). Die Schwelle für Atemnot gegen einen Einatemwiderstand fiel nach dem Lauf unter Wasser auf 19,2 plus minus 7,6 und blieb unter Spülen (26,2 plus minus 6,5) wie unter Schlucken (29,2 plus minus 2,8 cm Wassersäule je Liter und Sekunde) höher, p für die Wechselwirkung kleiner 0,001 [17].
Eine Hustenreiz-Schwelle hat diese Arbeit nicht gemessen. Die eingesetzte Menthol-Konzentration nennt das Abstract nicht, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Das ist die einzige uns bekannte Studie, die Menthol geschluckt statt eingeatmet auf Atemkomfort und Leistung prüft, gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "menthol" "endurance running breathing comfort" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen). Einschränkend: geprüft wurde reines L-Menthol, nicht der Pfefferminzblatt-Extrakt, die Stichprobe war klein und ausschließlich männlich, und eine unabhängige Bestätigung fehlt.
Geistige Leistung und Wachheit
Diese Zuschreibung ist verbreitet. Es gibt dazu drei kleine Humanstudien mit drei verschiedenen Zubereitungen.
Moss und Kollegen 2008 verteilten 144 Freiwillige auf Pfefferminz-Aroma, Ylang-Ylang-Aroma oder eine Bedingung ohne Aroma. Unter Pfefferminz war das Gedächtnis besser und die selbst eingeschätzte Wachheit höher, unter Ylang-Ylang war beides schlechter beziehungsweise die Verarbeitung langsamer. Effektmaße nennt das Abstract nicht, und die Vergleichsbedingung war kein Duft-Placebo, sondern gar kein Duft, was eine Erwartungswirkung nicht ausschließt [30].
Netzler und Lovell 2025 gaben 25 gesunden Erwachsenen (Durchschnittsalter 30,5 Jahre, 52 Prozent Frauen, Gelegenheitsstichprobe) entweder 200 ml fünf Minuten aufgebrühten Pfefferminztee oder 200 ml warmes Wasser, von dem ihnen gesagt wurde, es enthalte einen geschmack- und geruchlosen Pfefferminz-Extrakt. Zwanzig Minuten später wurden dieselben vier Computeraufgaben wiederholt. In allen vier war die Veränderung in der Pfefferminzgruppe größer (Bilderabruf F(1,23) gleich 13,66, Kopfrechnen 7,70, Merkspanne 18,52, Wortabruf 93,90, alle p-Werte 0,011 oder kleiner bei einer Bonferroni-Schwelle von 0,012), und die Sauerstoff- sowie Gesamthämoglobin-Werte im Stirnhirn stiegen stärker an. Eine Vermittlung der geistigen Wirkung über die Durchblutung ließ sich nicht nachweisen. Aus dem Volltext kommen drei Einschränkungen: Ein Teil des Gruppenunterschieds entstand dadurch, dass die Kontrollgruppe beim Bilder- und Wortabruf schlechter wurde; die Studie war nur einfach verblindet und benutzte für die Kontrolle eine Täuschung; und Ernährung, Koffein und Bewegung wurden nicht erfasst. Die Arbeit berichtet für ihre beiden getrennten multivariaten Analysen dieselbe Prüfgröße, was auf einen Übertragungsfehler hindeutet; deshalb stützen wir uns oben auf die einzelnen Aufgaben und nicht auf den Sammelwert [31].
Dagegen steht ein klarer Nullbefund: Zhang und Kollegen 2014 gaben 10 Personen während einer erschöpfenden Belastung in der Hitze in ausbalancierter Reihenfolge 400 mg Koffein, Menthol-Lutschtabletten oder Placebo. Weder Koffein noch Menthol senkten die empfundene Anstrengung, und Wachheit, Stimmung, einfache Reaktionszeit, Kurzzeit- und Abrufgedächtnis unterschieden sich zwischen den drei Bedingungen nicht (alle p größer 0,05) [32].
Ein Widerspruch im Sinne der Skala lässt sich daraus nicht bauen. Die Nullbefundseite berichtet nur p-Werte ohne Punktschätzer, die Zubereitungen sind verschieden (Aroma, Tee, Lutschtablette), und die beiden positiven Arbeiten stammen aus derselben Universität in Newcastle, sind also kein unabhängiger Doppelbeleg.
Menstruationsschmerz
Diese Zuschreibung ist verbreitet. Zu ihr liegen fünf randomisierte Studien vor.
Lagzian und Kolleginnen fassen 2025 fünf randomisierte Studien mit zusammen 499 Teilnehmerinnen zusammen, davon 214 im Pfefferminzarm. Vier davon betreffen Menstruationsschmerz, eine das prämenstruelle Beschwerdebild. Die Übersicht rechnet nichts zusammen, sie berichtet je Studie, und damit gibt es kein gepooltes Effektmaß und kein Konfidenzintervall. Was sie liefert, ist eine Tabelle, und die ist aussagekräftig genug [36]:
- Delavar 2019, Iran, 30 gegen 31 Teilnehmerinnen, täglich zwei Kapseln mit je 187 mg magensaftresistentem Pfefferminzöl gegen Placebo, in den zehn Tagen vor der Menstruation, acht Wochen: Stimmungs-, Verhaltens- und körperliche Symptome besser (p kleiner 0,001). Jadad 5.
- Heshmati 2016, Iran, 51 gegen 51, dreimal täglich eine 330-mg-Kapsel gegen eine 500-mg-Placebokapsel, acht Wochen: Schmerzstärke geringer (p kleiner 0,05), Schmerzdauer nicht (p größer 0,05). Jadad 5.
- Masoumi 2016, Iran, 63 gegen 63 im Wechsel, täglich drei Kapseln mit je 187 mg magensaftresistentem Pfefferminzöl gegen dreimal täglich 250 mg Mefenaminsäure: Schmerzstärke und Schmerzdauer sanken unter beidem (p kleiner 0,05), zwischen den Armen kein Unterschied. Blutung und Schmerzmittelverbrauch fielen zugunsten der Mefenaminsäure aus, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zugunsten von Pfefferminz. Jadad 5.
- Sultan 2020, Pakistan, dreimal 30 Teilnehmerinnen, dreimal täglich 250 mg Pfefferminz gegen Ingwer gegen Placebo: Schmerzstärke unter beiden Wirkstoffen geringer (p kleiner 0,05), unter Ingwer stärker als unter Pfefferminz (p gleich 0,001). Jadad 1, die Verblindung ist nicht beschrieben.
- Rizk 2013, Ägypten, dreimal 40 Teilnehmerinnen, Bauchmassage mit drei bis vier Tropfen 1,5-prozentigem ätherischem Öl gegen Ingweröl gegen Mandelöl: Schmerzstärke und Schmerzort besser unter beiden Ölen (p kleiner 0,05). Jadad 2.
Die Übersicht selbst stammt aus drei iranischen Hochschulen und erklärt keine Interessenkonflikte [36]. Die Dosis lag zwischen 374 und 990 mg pro Tag, die Studiendauer bei vier von fünf Studien bei acht Wochen. Drei Studien tragen den Jadad-Höchstwert von 5, zwei die Werte 1 und 2; die Randomisierungsmethode nennen nur drei von fünf [36].
Zwei Vorbehalte gehören unmittelbar dazu. Erstens die Zubereitung: Von den vier oralen Studien nennt die Übersicht nur für zwei die genaue Zubereitung, und das sind magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln. Für die beiden anderen ist die Zubereitung schlicht nicht angegeben, also unbekannt und nicht etwa als anders belegt. Die fünfte Studie ist eine Aromamassage mit ätherischem Öl, keine Einnahme. Zweitens die Übertragbarkeit: Alle fünf Studien stammen aus dem Iran, aus Pakistan und aus Ägypten und wurden an Schülerinnen und Studentinnen zwischen 13 und 26 Jahren durchgeführt [36].
Zur Zählung: Die Cross-over-Studie ist eine der fünf Studien der Übersicht, also kein zusätzlicher Bestand, sondern ein Einschluss, den wir im Original nachgeschlagen haben. Wir führen sie trotzdem als eigene Quelle, weil ihr Volltext eine Angabe der Übersicht berichtigt.
Diese Cross-over-Studie mit ihren 126 ausgewerteten Studentinnen haben wir im Volltext nachgeschlagen, weil ihre Rolle im Bestand davon abhängt. Ihr Abstract behauptet einen Vergleich mit Mefenaminsäure "und Placebo"; der Methodenteil beschreibt zwei Arme, dreimal täglich eine magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapsel gegen dreimal 250 mg Mefenaminsäure mit Auswaschzyklus dazwischen, und keinen Placeboarm. Wir folgen dem Methodenteil und widersprechen damit dem Abstract. Getragen wurde die Arbeit von der eigenen Universität, Interessenkonflikte erklären die Autoren keine [37].
Zusammengenommen: fünf randomisierte Studien, ein durchgehend gleichsinniges
Ergebnis, aber kein gepoolter Schätzwert, keine Konfidenzintervalle, zwei
Studien mit schwacher Methodik und eine enge Population. Das trägt
hinweise und nicht mehr.
Mundgeruch bei einer Mundspülung
Haghgoo und Abbasi untersuchten 2013 in Teheran zunächst 504 Schülerinnen von 14 bis 18 Jahren auf Mundgeruch; die Häufigkeit lag bei 24,4 Prozent. Die 84 Betroffenen wurden auf zwei Gruppen verteilt: 43 spülten eine Woche lang dreimal täglich 15 bis 20 ml einer Lösung mit 1 Prozent Pfefferminzbasis für 30 Sekunden, 41 eine in allen übrigen Bestandteilen identische Lösung ohne diese Basis, jeweils gefolgt von 30 Minuten ohne Essen. Nach einer Woche war der Mundgeruch bei 23 der 43 in der Pfefferminzgruppe nicht mehr feststellbar; in der Placebogruppe bestand er bei 30 der 41 fort. Der Chi-Quadrat-Test ergab p kleiner 0,02 [28].
Diese Zahlen stammen aus dem freien Volltext. Das Abstract derselben Arbeit
gibt die Placebogruppe abweichend mit 11 an, was mit den eigenen
Gruppengrößen nicht zusammenpasst; wir folgen dem Volltext und
widersprechen damit dem Abstract. Die Arbeit selbst nennt als Schwächen die
Zusammensetzung und Konzentration der Spüllösung sowie die kurze
Beobachtungszeit; beurteilt wurde durch Riechen und nicht über flüchtige
Schwefelverbindungen, und die Autoren führen abweichende Ergebnisse anderer
Arbeiten selbst auf diesen Methodenunterschied zurück [28]. Eine einzelne
kleine Studie an einer engen Population trägt nach dem Maßstab dieses
Kompendiums höchstens hinweise.
Der Laborbefund passt dazu, ersetzt ihn aber nicht: siehe den Abschnitt zu Tier- und Laborstudien.
Beschwerden des oberen Verdauungstrakts in Kombination mit Kümmelöl
Zur klassischen Fixkombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl gibt es gute Evidenz, nur eben nicht für Pfefferminz allein. Der Cochrane-Review von 2023 über 41 Studien zu 27 Kräuterarzneien mit insgesamt 4477 Teilnehmern fand für diese Kombination gegenüber Placebo nach vier Wochen eine deutliche Besserung der Globalsymptomatik (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,87, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,15 bis minus 0,58, I-Quadrat 0 Prozent, 2 Studien, 210 Teilnehmer, mittlere Vertrauenswürdigkeit) und eine höhere Besserungsrate (relatives Risiko 1,53, 1,30 bis 1,81, 3 Studien, 305 Teilnehmer, mittlere Vertrauenswürdigkeit). Bei den unerwünschten Ereignissen ergab sich kein gesicherter Unterschied (relatives Risiko 1,56, 0,69 bis 3,53, I-Quadrat 47 Prozent, 3 Studien, 305 Teilnehmer, niedrige Vertrauenswürdigkeit), und in einer einzelnen Studie mit 99 Teilnehmern war die Lebensqualität besser (mittlere Differenz minus 131,40, minus 193,76 bis minus 69,04) [18].
Die häufig daneben zitierte deutsche Äquivalenzstudie von Madisch und Kollegen 1999 ist kein zweiter, unabhängiger Beleg. Sie ist in demselben Cochrane-Review enthalten, dort als eigener Vergleich gegen das Mittel Cisaprid geführt, mit standardisierter Mittelwertdifferenz 0,11 (minus 0,25 bis 0,47) für die Globalsymptomatik und relativem Risiko 0,83 (0,42 bis 1,64) für unerwünschte Ereignisse, jeweils bei niedriger Vertrauenswürdigkeit [18]. Der Review führt sie außerdem in seiner Finanzierungsübersicht unter den Studien, die von der Arzneimittelindustrie getragen wurden, und weist darauf hin, dass ihr Vergleichsmittel heute nicht mehr eingesetzt wird [18]. Ihre eigenen Zahlen: 120 randomisierte und 118 ausgewertete Teilnehmer, 60 unter zweimal einer magensaftresistenten Kapsel mit 90 mg Pfefferminzöl und 50 mg Kümmelöl täglich, 58 unter dreimal 10 mg Cisaprid, vier Wochen; die mittlere Schmerzminderung auf einer visuellen Skala betrug 4,62 gegenüber 4,60 Punkten (p gleich 0,021 im Äquivalenztest), unerwünschte Ereignisse bei 12 gegenüber 14 Teilnehmern [19].
Ob alle drei gepoolten Studien dieselbe Menge verwendeten, sagt der Review
nicht; für eine davon nennt er ausdrücklich eine andere Zubereitung [18].
Der eigene Anteil von Pfefferminz lässt sich aus diesen Daten in keinem Fall
heraustrennen. Deshalb steht diese Zeile auf Studienlage offen, nach
demselben Maßstab wie die Zeile zur Übelkeit unter einer Krebsbehandlung.
Tier- und Laborstudien
Aus Zell- und Tierdaten folgt keine Aussage über die Wirkung beim Menschen. Sie stehen hier, weil sie Wirkwege plausibel machen und weil zwei von ihnen Sicherheitsfragen aufwerfen.
Antibakteriell. Eine Nanoemulsion aus Pfefferminz-ätherischem-Öl mit 32,3 Prozent Menthol hemmte im Reagenzglas das Wachstum von Escherichia coli und Staphylococcus aureus; die niedrigste hemmende Menge lag nach 72 Stunden bei 120 Mikrolitern für E. coli und 200 Mikrolitern für S. aureus. Im Tierversuch an 90 Masthühnern in 6 Fütterungsgruppen mit je 5 Wiederholungen zu 3 Tieren erhöhte die höchste Beimischung von 100 Mikrolitern die Gewichtszunahme auf ein Niveau, das dem Antibiotikum vergleichbar war, erhöhte die Zahl der Milchsäurebakterien im Blinddarm und senkte die Gesamtzahl coliformer Keime. Hämatologische und biochemische Blutwerte unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. Die Autoren erklären keinen Interessenkonflikt [12].
Eine zweite Laborarbeit prüfte Pfefferminzöl gegen Fusobacterium nucleatum, ein Bakterium, das an der Bildung von Mundgeruch beteiligt ist. Pfefferminzöl wirkte, aber deutlich schwächer als das Vergleichsöl aus Bergbohnenkraut: niedrigste hemmende Konzentration 0,25 Prozent gegenüber 0,03 Prozent. Die Bildung flüchtiger Schwefelverbindungen sank dosisabhängig, um 12,2 Prozent bei 0,015 Prozent und um 43,9 Prozent bei 0,03 Prozent. An menschlichen Mundschleimhautzellen zeigte sich bis 0,5 Prozent nach fünf Minuten keine Schädigung, bei 1 Prozent dagegen ein deutlicher Rückgang der Zellvitalität. Die Autoren halten klinische Studien für notwendig [29].
Antiviral. In einem Versuch an bebrüteten Hühnereiern hemmte ätherisches Pfefferminzöl die Vermehrung eines Vogel-Coronavirus weder bei 0,1 noch bei 1 Prozent vollständig, während die Öle von Gewürznelke, Oregano, Palmarosa und Zitronengras das bei 1 Prozent komplett schafften. Das nah verwandte Öl der Grünen Minze (Mentha spicata) verhielt sich ebenso wenig wirksam [13].
Antioxidativ. Wu und Kollegen 2019 verglichen Pfefferminzöl chemisch mit zwei verwandten Minzölen: Pfefferminzöl hatte im DPPH- und im TEAC-Test die niedrigste halbmaximale Wirkkonzentration (p kleiner 0,05), also die stärkste radikalfangende Wirkung, während alle drei Öle die Fettoxidation in Leberhomogenat gleich stark hemmten. An einer Darmzelllinie vom Schwein senkte Pfefferminzöl die messbare Radikalbildung am stärksten bei 5 Mikrogramm je Milliliter. Der Volltext nennt drei Punkte, die das Abstract nicht hervorhebt: Pfefferminzöl war das einzige der drei Öle, das den zellulären Glutathiongehalt nicht erhöhte, was die Autoren selbst als unerwartet bezeichnen; ab 200 Mikrogramm je Milliliter fiel die Zellvitalität deutlich; und die Autoren führen eine konzentrationsabhängige prooxidative Wirkung an, die sie bei Pfefferminzöl wegen dessen höherem Gehalt an Linalool und Gamma-Terpinen für stärker halten als bei den beiden Vergleichsölen. Im Fadenwurm C. elegans erhöhte Pfefferminzöl bei 100 Mikrogramm je Milliliter die Überlebensrate unter Wasserstoffperoxid- Belastung auf ein Niveau, das mit Vitamin C vergleichbar war; Vitamin C brauchte dafür allerdings nur 10 Mikrogramm je Milliliter und hob die Überlebensrate um 18 Prozent an. Zur Herkunft: Die drei Prüföle wurden von ADM Animal Nutrition bereitgestellt, drei der acht Autoren sind bei ADM-Gesellschaften angestellt, die Arbeit wurde aus einem US-Agrarforschungsfonds finanziert und erklärt keinen Interessenkonflikt [15].
Dwivedi und Kollegen 2025 setzten vier Gruppen zu je 12 Fischen (Channa punctatus) Arsentrioxid aus, allein oder zusammen mit 8 Milligramm Mentha-piperita-Phenolen je Liter Wasser. In der kombinierten Gruppe waren mehrere Marker von oxidativem Stress und von Zell- und Erbgutschäden signifikant niedriger als in der nur arsenbelasteten Gruppe (p kleiner 0,05) [16].
Arzneimittelstoffwechsel. Zwei Tierarbeiten aus dem Jahr 2015 zeigen denselben Wirkweg. Bei Mäusen, die sieben Tage lang Menthol über den Mund bekamen, wobei das Abstract die Menge nicht nennt, war die Fläche unter der Blutspiegelkurve von Triazolam und von Phenytoin niedriger und die Clearance höher als in der Kontrollgruppe; parallel dazu stiegen die Aktivität und die Menge von CYP3A und CYP2C in der Leber. Die Autoren berichten außerdem, sie hätten zuvor gezeigt, dass Menthol über denselben Weg die gerinnungshemmende Wirkung von Warfarin abschwächt [34]. Bei Ratten, denen drei Tage lang 10 mg Menthol je Kilogramm in die Bauchhöhle gespritzt wurde, also unter Umgehung von Magen und Darm, sanken die Serumspiegel von intravenös gegebenem Midazolam, die Fläche unter der Kurve nahm signifikant ab, und die Menge des Enzyms CYP3A2 in der Leber lag mehr als 2,5-fach über der Kontrolle [35]. Was das für Menschen bedeutet, ist offen; siehe den Sicherheitsabschnitt.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Orale Einnahme von Pfefferminzöl. In der Meta-Analyse von 2022 traten unerwünschte Ereignisse häufiger auf als unter Placebo: 17,1 Prozent von 340 Teilnehmern gegenüber 12,1 Prozent von 380, relatives Risiko 1,57 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,04 bis 2,37), Heterogenität I-Quadrat 13 Prozent, Zahl der Behandlungen bis zu einem zusätzlichen Schaden 14,5 (6 bis 206,5), aus 7 Studien mit 720 Teilnehmern. Der Volltext rechnet zusätzlich Sodbrennen gesondert aus, was in dieser Form vorher nicht vorlag: 17,9 Prozent von 465 gegenüber 7,7 Prozent von 444, relatives Risiko 1,67 (1,18 bis 2,38), I-Quadrat 0 Prozent, Zahl bis zu einem zusätzlichen Schaden 19,5 (9,5 bis 72,5), aus 8 Studien mit 973 Teilnehmern. Die meisten unerwünschten Ereignisse waren mild, am häufigsten Sodbrennen, Oberbauchbeschwerden und Blähungen. Die Autoren empfehlen ausdrücklich, darüber aufzuklären [1].
Hier gilt derselbe Zubereitungsvorbehalt wie auf der Nutzenseite, und zwar in beide Richtungen: Diese Zahlen stammen aus Studien mit ätherischem Öl, überwiegend mit Freisetzung im Dünndarm. Sie lassen sich weder als Nutzen noch als Risiko auf einen Blattextrakt ohne angegebenen Ölgehalt übertragen. Ohne den Überzug, der das Öl erst im Dünndarm freisetzt, ist Sodbrennen eher wahrscheinlicher, nicht seltener, denn der Wirkweg dahinter ist die Erschlaffung glatter Muskulatur, auch der am Übergang von Speiseröhre zu Magen [6].
Die ältere Meta-Analyse fand hier keinen Unterschied: 9,3 Prozent gegenüber 6,1 Prozent, relatives Risiko 1,40 (0,87 bis 2,26), I-Quadrat 0 Prozent, aus 8 Studien [22]. Wo die beiden auseinandergehen, folgen wir wie auf der Nutzenseite der größeren und neueren Auswertung. Für die Fixkombination mit Kümmelöl fand der Cochrane-Review von 2023 ebenfalls keinen gesicherten Unterschied, relatives Risiko 1,56 (0,69 bis 3,53) [18].
Äußerliche Anwendung. Bei äußerlicher Anwendung von Pfefferminzöl sind wiederholt allergische Kontaktreaktionen der Haut beschrieben, besonders bei häufiger Anwendung auf bereits gereizter Haut und im Mund- und Lippenbereich; viele der beschriebenen Reaktionen betreffen den Bereich um den Mund und in der Mundhöhle. Dieselbe Übersicht hält fest, dass die Erfahrungen mit dem Öl auch für Zubereitungen aus dem Blattextrakt als einschlägig gelten [14]. Das ist der eine Punkt, an dem eine unserer Quellen dem Zubereitungsvorbehalt ausdrücklich widerspricht, und zwar auf der Risikoseite. In den beiden kontrollierten Studien zur äußerlichen Anwendung am Kopf traten dagegen keine beziehungsweise nicht mehr unerwünschte Ereignisse auf als unter Placebo [5, 23]. Im Labor war eine Pfefferminzöl-Konzentration von 1 Prozent für menschliche Mundschleimhautzellen schädigend, 0,5 Prozent nicht [29].
Einatmen. Der Cochrane-Review von 2018 hält fest, dass keine der 16 eingeschlossenen Studien Daten zu unerwünschten Wirkungen berichtet hat, und dass unklar bleibt, ob überhaupt danach gefragt wurde [6]. In der Belastungsstudie mit 300 mg L-Menthol in der Atemmaske traten keine unerwünschten Ereignisse auf [8]. Zwei Befunde weisen dennoch in eine Richtung, die Beachtung verdient: Inhaliertes Menthol erhöhte in einer Studie vor einer Bronchoskopie die vom Untersucher beurteilte Reizbarkeit der Bronchialschleimhaut (62,2 plus minus 22 gegenüber 48,6 plus minus 23 mm, p gleich 0,03) [11], und die Arbeit zur Hustenreiz-Schwelle beschreibt ihr eigenes Ergebnis ausdrücklich als Herabsetzung eines Schutzreflexes der Atemwege, mit dem Hinweis, dass Menthol das Rauchen erträglicher machen könnte [10]. Wer bewusst hustet, um etwas abzuhusten, sollte das wissen. Auch hier gilt der Zubereitungsvorbehalt in beide Richtungen: Diese Signale stammen aus eingeatmetem Menthol in hoher örtlicher Konzentration und sagen über eine geschluckte Zubereitung ebenso wenig aus, wie die Befunde zum Nutzen des Einatmens es tun.
Menstruationsstudien. Die Übersicht über fünf randomisierte Studien berichtet für die Vergleichsstudie gegen Mefenaminsäure weniger Übelkeit, Erbrechen und Durchfall unter Pfefferminz als unter dem Vergleichsmittel (p kleiner 0,05), dafür einen höheren Schmerzmittelverbrauch [36, 37]. Ein eigener Abschnitt zu unerwünschten Wirkungen der übrigen vier Studien fehlt in der Übersicht. Auch hier gilt der Zubereitungsvorbehalt in beide Richtungen: Für zwei der vier oralen Studien ist die Zubereitung unbekannt, und was unbekannt ist, trägt weder eine Nutzen- noch eine Risikoaussage.
Wechselwirkungen. Eine Humanstudie zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns nicht vor; gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "peppermint oil OR menthol" "drug interaction cytochrome P450 CYP3A4" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), drei Treffer, davon zwei Tierstudien und eine Methodenarbeit an Zellen. Die beiden Tierstudien zeigen übereinstimmend, dass Menthol die Arzneimittel-abbauenden Enzyme CYP3A und CYP2C in der Leber vermehrt und dadurch die Blutspiegel von Triazolam, Phenytoin und Midazolam senkt; eine der beiden Arbeitsgruppen berichtet zudem, auf demselben Weg die Wirkung des Gerinnungshemmers Warfarin abgeschwächt zu haben [34, 35]. Das ist ein Tiersignal und kein Beleg für den Menschen, aber es betrifft eine Stoffklasse, deren Blutspiegel eng geführt werden muss, und es ist die einzige konkrete Wechselwirkungsspur, die wir gefunden haben. Der Zubereitungsvorbehalt gilt auch hier in beide Richtungen: Verabreicht wurde reines Menthol, nicht ein Blattextrakt und nicht Pfefferminzöl, und die Mengen je Kilogramm Körpergewicht lassen sich nicht auf eine Alltagsmenge beim Menschen umrechnen. Wer Mittel aus diesen Klassen nimmt, bespricht eine dauerhafte Einnahme höher dosierter Pfefferminzzubereitungen trotzdem sinnvollerweise ärztlich.
Quellen zum Nachlesen
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Randomisierte Dosisvergleichsstudie bei Kindern, n gleich 40 · 2025
Randomized trial: Peppermint oil (menthol) pharmacokinetics in children and effects on gut motility in children with functional abdominal pain: 540 mg vs. 900 mg dose comparison
Shulman RJ, et al. Br J Clin Pharmacol
Zur Zuschreibung: 03
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Übersichtsarbeit ohne eigene Ergebnisse, nur als Kontext zur Kontaktallergie · 2010
Mentha piperita (peppermint)
Herro E, Jacob SE. Dermatitis
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Randomisierte, doppelblinde Äquivalenzstudie, 120 randomisiert, 118 ausgewertet · 1999
Treatment of functional dyspepsia with a fixed peppermint oil and caraway oil combination preparation as compared to cisapride. A multicenter, reference-controlled double-blind equivalence study
Madisch A, et al. Arzneimittelforschung
Zur Zuschreibung: 14
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Randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 35, 118 Attacken · 2010
Cutaneous application of menthol 10% solution as an abortive treatment of migraine without aura: a randomised, double-blind, placebo-controlled, crossed-over study
Borhani Haghighi A, et al. Int J Clin Pract
Zur Zuschreibung: 04
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Meta-Analyse aus 25 randomisierten Vergleichen in 10 Arbeiten, Pfefferminz nur als Untergruppe ohne eigene Zahl · 2024
Effects of aromatherapy on nausea and vomiting in patients with cancer: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Ahn JH, Kim M, Kim RW. Complement Ther Clin Pract
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Doppelblinde randomisierte Cross-over-Studie, 127 eingeschlossen, 126 ausgewertet, ohne Placeboarm · 2016
Evaluation of mint efficacy regarding dysmenorrhea in comparison with mefenamic acid: A double blinded randomized crossover study
Masoumi SZ, et al. Iran J Nurs Midwifery Res
Zur Zuschreibung: 11
Bei H.P.N
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