Pinienrinden Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Pinus pinaster · Pycnogenol · Strandkiefernrinden-Extrakt · Französische Meereskiefer
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Extrakt aus der Rinde der Strandkiefer (Pinus pinaster), reich an oligomeren Proanthocyanidinen, Catechin und phenolischen Säuren
- Herkunft
- Wird aus der Rinde von Strandkiefern gewonnen, die an der Atlantikküste im Südwesten Frankreichs wachsen
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Überwiegend der standardisierte Markenrohstoff Pycnogenol aus der Strandkiefer als Einzelstoff, in mehreren der ausgewerteten Studien jedoch als Bestandteil eines Kombinationspräparats mit L-Arginin, Vitamin E, Coenzym Q10 oder weiteren Pflanzenextrakten unter eigenen Markennamen. Der Cochrane-Review fasst zusätzlich Extrakte anderer Kiefernarten mit ein, etwa Enzogenol aus der neuseeländischen Pinus radiata. Ein Extrakt ohne ausgewiesene Herkunft und ohne ausgewiesenen Procyanidin-Gehalt lässt sich diesen Studien nicht zuordnen
- Übliche Studiendosis
- 50 bis 200 mg täglich über vier Wochen bis zwölf Monate, in einzelnen Studien bis 360 mg täglich
- Bekannt geworden durch
- Die Vermarktung durch den Hersteller Horphag Research unter dem Markennamen Pycnogenol seit den 1980er Jahren
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien überwiegend gut vertragen, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Systolischer und diastolischer Blutdruck bei Erwachsenen, in einer Metaanalyse mehrerer kleiner Studien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Metaanalyse von zwölf kleinen Studien fand eine Senkung von systolischem und diastolischem Blutdruck gegenüber Placebo. Die zugrundeliegenden Einzelstudien sind klein, und ein Großteil der Pinienrinden-Literatur insgesamt stammt von Herstellernahen oder nicht offengelegt finanzierten Arbeiten.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2020 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse wertete 12 klinische Studien mit zusammen 922 Teilnehmenden zur Wirkung von Pycnogenol auf den Blutdruck bei Erwachsenen aus [2]. Gepoolt sank der systolische Blutdruck um 3,22 mmHg (95-Prozent-Intervall minus 5,52 bis minus 0,92) und der diastolische Blutdruck um 1,91 mmHg (95-Prozent-Intervall minus 3,64 bis minus 0,18) gegenüber Placebo [2]. Der Effekt auf den systolischen Wert war in der Untergruppe stärker ausgeprägt, in der Pycnogenol zusammen mit weiteren Behandlungen verabreicht wurde, ein Hinweis auf eine mögliche Vermischung mit Begleittherapien [2]. Der Effekt auf den diastolischen Wert zeigte sich nur in Studien mit mehr als 12 Wochen Dauer, nicht in Studien mit 12 Wochen oder weniger, ein Hinweis auf Uneinheitlichkeit zwischen den Einzelstudien [2]. Die Arbeit selbst schließt, weitere hochwertige randomisierte Studien seien nötig, um den Befund zu bestätigen [2]. Der Volltext dieser Metaanalyse lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract, Förderung und Interessenlage der 12 eingeschlossenen Einzelstudien lassen sich daraus nicht prüfen. Ein unabhängiger Cochrane-Review, der einen großen Teil derselben Pinienrinden-Literatur zu anderen Endpunkten auswertete, fand, dass von 27 eingeschlossenen Studien 13 vom Hersteller Horphag Research finanziert waren, neun davon offengelegt und vier erst nach Rückfrage bei den Studienautoren, dass eine weitere ihr Prüfpräparat kostenlos von einem Hersteller gestellt bekam, dass 12 die Geldquelle gar nicht nannten und dass genau eine Studie des ganzen Bestands von einer herstellerfremden Einrichtung finanziert war und ein niedriges Verzerrungsrisiko trug [1]. Diese Grundrate an Herstellernähe gilt als Kontext für das gesamte Pinienrinden-Feld, nicht als geprüfte Aussage über die 12 Studien dieser Metaanalyse im Einzelnen.
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02
Beinschwere, Schwellung und Schmerz bei Menschen mit venöser Stauung in den Beinen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei kleine Studien fanden weniger Schmerzen und eine von Ärzten besser beurteilte Wirksamkeit als unter Placebo. Ein unabhängiger Cochrane-Review stuft die Ergebnissicherheit trotz der statistisch auffälligen Werte als sehr niedrig ein, wegen kleiner Stichproben und unklarer Finanzierung.
Ausführlicher Nachweis
Der 2020 veröffentlichte Cochrane-Review zu Pinienrinden-Extrakt bei chronischen Erkrankungen wertete zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien mit zusammen 40 Teilnehmenden zu Symptomen einer venösen Stauung in den Beinen aus [1]. Pinienrinden-Extrakt senkte den Schmerz-Score gegenüber Placebo (mittlere Differenz minus 0,59, 95-Prozent-Intervall minus 1,02 bis minus 0,16, eine Studie, 40 Teilnehmende), erhöhte den Anteil der Personen ohne Schmerzen (relatives Risiko 25,0, 95-Prozent-Intervall 1,58 bis 395,48) und die von den behandelnden Ärzten beurteilte Wirksamkeit (relatives Risiko 4,75, 95-Prozent-Intervall 1,97 bis 11,48) [1]. Die Übersichtsarbeit stuft die Ergebnissicherheit für alle drei Werte nach GRADE dennoch als sehr niedrig ein, wegen der kleinen Stichprobe, unklarem Verzerrungsrisiko und je nur einer einzigen zugrundeliegenden Studie pro Wert [1]. Für beide eingeschlossenen Studien ist die Finanzierung nach Angabe des Cochrane-Reviews nicht berichtet [1]. Der Volltext des Cochrane-Reviews lag uns vor, die Volltexte der beiden Primärstudien nicht.
Quellen: 1
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03
Kniegelenk-Beschwerden (Beschwerde-Index, Bedarf an entzündungshemmenden Medikamenten)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Studien mit Pinienrinden-Extrakt fanden einen niedrigeren Beschwerde-Index und einen geringeren Bedarf an entzündungshemmenden Medikamenten als unter Placebo. Die Studien waren klein, und alle drei wurden vom Hersteller finanziert.
Ausführlicher Nachweis
Der Cochrane-Review wertete drei Studien mit zusammen 293 Teilnehmenden zu Kniegelenk-Beschwerden aus [1]. Der zusammengesetzte WOMAC-Beschwerde-Index sank gegenüber Placebo (mittlere Differenz minus 730, 95-Prozent-Intervall minus 1011,95 bis minus 448,05, eine Studie, 37 Teilnehmende), ebenso der Einsatz nichtsteroidaler entzündungshemmender Medikamente (mittlere Differenz minus 18,30, 95-Prozent-Intervall minus 25,14 bis minus 11,46, eine Studie, 35 Teilnehmende) [1]. Auch hier stuft der Review die Ergebnissicherheit nach GRADE als sehr niedrig ein [1]. Alle drei Studien zu diesem Beschwerdebild nannten nach Angabe des Reviews ihre Geldquelle, und in allen drei war es der Hersteller Horphag Research, bei einer davon erst nach Rückfrage des Reviews bei den Studienautoren [1]. Die Manhattan Drug Company, die in zwei dieser Studien auftaucht, ist nach der Tabelle des Reviews nicht die Geldgeberin, sondern die Lieferantin des Prüfpräparats [1]. Der Volltext des Cochrane-Reviews lag uns vor, die Volltexte der beiden Primärstudien nicht.
Quellen: 1
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04
Hautelastizität und Hautfeuchtigkeit bei Frauen nach den Wechseljahren, in einer Studie ohne Kontrollgruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie ohne Placebo- oder Kontrollgruppe war die Hautelastizität und -feuchtigkeit nach der Einnahme höher als vor der Einnahme. Ein Mitautor ist nach einer unabhängigen Quelle beim Hersteller des Präparats angestellt.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie erhielten 20 gesunde Frauen nach den Wechseljahren 12 Wochen lang Pycnogenol, ihre Hautfeuchtigkeit und -elastizität wurden mit nicht invasiven Messverfahren vor, während und nach der Einnahme erfasst, zusätzlich Hautbiopsien zur Genexpression [3]. Feuchtigkeit und Elastizität der Haut waren nach der Einnahme signifikant höher als vor Beginn, am deutlichsten bei Teilnehmerinnen mit zu Beginn trockener Haut, begleitet von einer erhöhten Genexpression von Hyaluronsäure-Synthase und Kollagen [3]. Die Studie hatte keine Placebo- oder unbehandelte Kontrollgruppe, alle berichteten Veränderungen sind Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb derselben 20 Teilnehmerinnen, ein Vergleich zu einer unbehandelten Gruppe fehlt vollständig. Das Abstract nennt kein Interessenkonflikt-Feld. Der unabhängige Cochrane-Review dokumentiert für eine andere, von denselben zwei Autoren (Belcaro als Studien-Investigator, Schönlau als Angestellter) mitgetragene Pinienrinden-Studie wörtlich, Frank Schönlau sei ein Angestellter des Herstellers Horphag Research [1]. Schönlau ist auch Mitautor dieser Hautstudie, ohne dass deren eigenes Interessenkonflikt-Feld das nennt [3]. Eine Aussage über einen Effekt gegenüber Placebo lässt sich aus dieser Studie wegen der fehlenden Kontrollgruppe nicht ableiten.
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05
Konzentration, Aufmerksamkeit und mentale Leistungsfähigkeit bei gesunden Erwachsenen mit erhöhtem oxidativem Stress, in zwei unkontrollierten Registerstudien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei Studien ohne Randomisierung verglichen Personen, die sich selbst für die Einnahme entschieden hatten, mit einer Vergleichsgruppe. Beide fanden eine bessere kognitive Leistung. Derselbe Erstautor ist nach einer unabhängigen Quelle Studien-Investigator für den Hersteller.
Ausführlicher Nachweis
In einer zwölfmonatigen Registerstudie wurden 44 gesunde Personen zwischen 55 und 70 Jahren mit erhöhtem oxidativem Stress, die sich selbst für die Einnahme von 100 mg Pycnogenol täglich entschieden hatten, mit einer Vergleichsgruppe mit vergleichbarem oxidativem Stress verglichen, die dies nicht taten [4]. Nach 12 Monaten war der Punktwert im IQ-Code-Fragebogen niedriger (besser) in der Pycnogenol-Gruppe, ebenso verbesserten sich Alltagsaufgaben und der kognitive Leistungswert (jeweils p kleiner 0,05), bei unveränderten Werten in der Vergleichsgruppe [4]. In einer zweiten, zwölfwöchigen Registerstudie an 60 Berufstätigen zwischen 35 und 55 Jahren mit erhöhtem oxidativem Stress verbesserten sich kognitive Testwerte und berufliche Alltagsaufgaben unter 150 mg Pycnogenol täglich stärker als in der Vergleichsgruppe von 29 Personen, bei einer unveränderten Erkennungsgedächtnis-Teilaufgabe [5]. Beide Studien sind ausdrücklich als Register- beziehungsweise Produktevaluationsstudien beschrieben, keine der Teilnehmenden wurde randomisiert der Verum- oder Vergleichsgruppe zugeteilt, die Zuteilung erfolgte durch die eigene Entscheidung zur Einnahme [4][5]. Erstautor beider Studien ist Gianni Belcaro. Der unabhängige Cochrane-Review dokumentiert für eine andere Pinienrinden-Studie mit demselben Erstautor wörtlich, Gianni Belcaro sei Studien-Investigator für den Hersteller Horphag Research [1]. Beide Kognitionsstudien selbst nennen im Abstract kein Interessenkonflikt-Feld.
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06
Sexuelle Funktion von Mann und Frau, überwiegend in Kombinationspräparaten mit L-Arginin geprüft, als Einzelstoff nur in einer Studie mit 21 Männern
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die meisten dieser Studien prüften Kombinationspräparate mit L-Arginin und wurden vom Hersteller finanziert. Die einzige Studie mit dem Extrakt als alleinigem Wirkstoff hat 21 Männer eingeschlossen, sie ist zugleich die einzige unabhängig finanzierte Arbeit des ganzen Cochrane-Bestands.
Ausführlicher Nachweis
Der Cochrane-Review erfasst zur erektilen Funktion bei Männern zwei nicht gepoolte Studien mit zusammen 147 Teilnehmenden und zur sexuellen Funktion bei Frauen eine Studie mit 75 Teilnehmenden [1]. Von den Studien zur erektilen Funktion prüfte eine ein Kombinationspräparat aus 20 mg Pycnogenol und 700 mg L-Arginin-Aspartat unter dem Markennamen Prelox, finanziert von Horphag Research, mit einer Interessenerklärung, nach der ein Mitautor bei Horphag Research angestellt und ein weiterer Studien-Investigator für Horphag Research war [1]. Eine weitere Studie zur erektilen Funktion prüfte ein gänzlich anderes Präparat aus Sägepalme, Safran und einer anderen Kiefernart (Pinus massoniana statt Pinus pinaster), ohne Pycnogenol [1]. Die Studie zur sexuellen Funktion bei Frauen prüfte ein Kombinationspräparat aus Pinienrinden-Extrakt, L-Arginin, L-Citrullin und Hagebuttenextrakt unter dem Markennamen Lady Prelox, ebenfalls von Horphag Research finanziert, und der Cochrane-Review stuft diese Studie zusätzlich als hohes Verzerrungsrisiko ein, weil unklar bleibt, ob die eingeschlossenen Frauen den in der Literatur üblichen Schwellenwert für eine sexuelle Funktionsstörung überhaupt unterschritten [1]. Eine einzelne kleine Studie aus der Slowakei prüfte Pycnogenol als alleinigen Wirkstoff gegen Placebo an 21 Männern über drei Monate und fand einen um 6,00 Punkte besseren Wert im Fragebogen IIEF-5 (95-Prozent-Intervall 3,33 bis 8,67), gerechnet aus einer vom Review nachgeforderten Streuungsangabe [1]. Diese Studie hat ihre Geldquelle sehr wohl genannt, sie ist von einer herstellerfremden Einrichtung finanziert, und sie ist die einzige Arbeit des ganzen Cochrane-Bestands, der die Übersichtsarbeit ein niedriges Verzerrungsrisiko zuschreibt [1]. Mit 21 Teilnehmern trägt sie keine feste Aussage, sie ist aber der einzige herstellerunabhängige Gruppenvergleich zum Einzelstoff in diesem ganzen Eintrag.
Quellen: 1
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07
Verschiedene weitere Messwerte (Blutzucker, Atemwegsbeschwerden, Konzentrationsfähigkeit bei Kindern, Denkleistung nach einer Kopfverletzung), in einzelnen kleinen Studien eines Cochrane-Reviews mit durchgehend sehr niedriger Ergebnissicherheit
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Ein unabhängiger Cochrane-Review fand für Blutzucker, Atemwegsbeschwerden, Konzentrationsfähigkeit bei Kindern und Denkleistung nach einer Kopfverletzung jeweils nur eine oder zwei kleine Studien, mit durchgehend sehr niedriger Ergebnissicherheit. Die Studie zur Denkleistung prüfte einen Extrakt aus einer anderen Kiefernart.
Ausführlicher Nachweis
Zu Blutzuckerwerten wertete der Cochrane-Review zwei Studien aus [1]. Die beiden hier genannten Zahlen stammen aus einer Studie mit 48 Teilnehmenden, die Pycnogenol als alleinigen Wirkstoff gegen Placebo prüfte, fünfmal 25 mg täglich über zwölf Wochen [1]. Der Nüchternblutzucker sank dort um 1,0 mmol/L stärker als unter Placebo (95-Prozent-Intervall 0,91 bis 1,09), der HbA1c-Wert lag am Ende um 0,90 Prozentpunkte niedriger (95-Prozent-Intervall minus 1,78 bis minus 0,02) [1]. Beide Werte hat der Review erst aus nachgereichten Streuungsangaben der Studienautoren gerechnet und stuft beide als sehr niedrige Ergebnissicherheit ein [1]. Das Kombinationspräparat aus Pinienrinden-Extrakt, Vitamin E und Coenzym Q10 unter dem Markennamen Diaberet ist eine andere Arbeit mit 68 Teilnehmenden über sechs Monate, sie hatte keine Placebogruppe, sondern eine unbehandelte Vergleichsgruppe, und der Review berichtet für sie Augenwerte und nicht diese Blutzuckerwerte [1]. Bei einer gemischten Gruppe von Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes prüfte eine zweite Studie ein Präparat aus 15 Wirkstoffen, darunter Vitamine C, D3 und E, Zink, Omega-3-Fettsäuren, Alpha-Liponsäure, Coenzym Q10, Zeaxanthin, Lutein, Grüntee-Extrakt und Pinienrinden-Extrakt unter dem Markennamen DiVFuSS, dabei veränderte sich der HbA1c-Wert gegenüber Placebo nicht statistisch gesichert (mittlere Differenz minus 0,20 Prozentpunkte, 95-Prozent-Intervall minus 1,83 bis plus 1,43, 67 Teilnehmende) [1]. Von den beiden hier zitierten Arbeiten prüfte damit eine den Pinienrinden-Extrakt als alleinigen Wirkstoff und eine als einen von 15 Bestandteilen. Zu Atemwegsbeschwerden wertete der Review zwei kleine Studien mit Kindern und Erwachsenen aus, mit einem statistisch auffälligen Vorteil bei der Lungenfunktion (mittlere Differenz 7,70 Prozentpunkte FEV1/FVC, 95-Prozent-Intervall 3,19 bis 12,21, 44 Teilnehmende) und beim Absetzen des Bedarfsinhalators (relatives Risiko 6,00, 95-Prozent-Intervall 1,97 bis 18,25, 60 Teilnehmende), eine der beiden Studien war vom Hersteller Horphag Research finanziert [1]. Zur Konzentrationsfähigkeit bei Kindern, deren Eltern und Lehrkräfte sie in einer Skala als unaufmerksam und überaktiv einstuften, fand eine einzelne einmonatige Studie eine bessere visuell-motorische Koordination und Konzentration (mittlere Differenz 3,37, 95-Prozent-Intervall 2,41 bis 4,33, 57 Teilnehmende), teilweise mit einem Zuschuss des Herstellers [1]. Zur Denkleistung nach einer Kopfverletzung mit vorübergehender Bewusstseinsstörung fand eine einzelne Studie an 56 Teilnehmenden keinen statistisch gesicherten Unterschied zu Placebo, weder beim Fehlerwert im Alltagsdenken (mittlere Differenz minus 2,24, 95-Prozent-Intervall minus 11,17 bis 6,69) noch bei Beschwerden nach der Kopfverletzung (mittlere Differenz minus 0,76, 95-Prozent-Intervall minus 5,39 bis 3,87) [1]. Geprüft wurde dort nicht der Extrakt aus der Strandkiefer, sondern der Markenrohstoff Enzogenol aus in Neuseeland gewachsener Pinus radiata, also eine andere Kiefernart und eine andere Zubereitung, und der Review vermerkt eine anteilige Finanzierung durch das herstellende Unternehmen [1]. Die Übersichtsarbeit selbst zieht das Gesamtfazit, wegen kleiner Stichproben, weniger Studien je Fragestellung, unterschiedlicher Messmethoden und lückenhafter Berichterstattung seien keine abschließenden Schlüsse zu Wirksamkeit oder Sicherheit von Pinienrinden-Extrakt möglich [1].
Quellen: 1
Studien im Detail
Der Cochrane-Review als Rahmen
Ein 2020 veröffentlichter Cochrane-Review ist die mit Abstand umfassendste unabhängige Auswertung der klinischen Literatur zu Pinienrinden-Extrakt. Er wertete 27 randomisierte Studien mit zusammen 1641 Teilnehmenden zu zehn verschiedenen Beschwerdebildern aus, von Asthma über Herz-Kreislauf-Risikofaktoren bis zu Kniegelenk-Beschwerden. Für jeden einzelnen geprüften Wert stuft die Arbeit die Ergebnissicherheit nach dem GRADE-System als sehr niedrig ein, selbst dort, wo das Konfidenzintervall die Null ausschließt, weil jeweils nur eine einzelne kleine Studie vorliegt. Der Review selbst zieht das Fazit, wegen kleiner Stichproben, weniger Studien je Fragestellung und lückenhafter Berichterstattung seien keine abschließenden Schlüsse zu Wirksamkeit oder Sicherheit möglich.
Eine Besonderheit dieses Reviews ist die Prüfung der Finanzierung. Von 27 eingeschlossenen Studien waren 13 vom Hersteller Horphag Research finanziert, neun davon offengelegt und vier erst nach Kontakt mit den Studienautoren. Eine weitere bekam ihr Prüfpräparat kostenlos von einem Hersteller gestellt, 12 nannten ihre Geldquelle gar nicht, und genau eine Studie des ganzen Bestands war von einer herstellerfremden Einrichtung finanziert und trug ein niedriges Verzerrungsrisiko. Es ist die kleinste Arbeit des Bestands, mit 21 Teilnehmern.
Blutdruck, venöse Beinbeschwerden und Kniegelenk-Beschwerden
Für diese drei Bereiche liegt die deutlichste, wenn auch unsichere Evidenz vor. Eine eigene Metaanalyse zum Blutdruck fand über zwölf Studien eine Senkung von systolischem und diastolischem Blutdruck gegenüber Placebo, mit Hinweisen auf Uneinheitlichkeit zwischen den Studien. Der Cochrane-Review fand für Schmerz und Schwellung bei venöser Beinstauung sowie für Beschwerde-Index und Medikamentenbedarf bei Kniegelenk-Beschwerden statistisch auffällige Verbesserungen, jeweils aber nur aus einer einzelnen kleinen Studie mit unklarer oder kommerzieller Finanzierung.
Haut, Konzentration und mentale Leistungsfähigkeit
Zur Haut und zur kognitiven Leistung liegen ausschließlich Studien ohne echte Kontrollgruppe oder ohne Randomisierung vor. Die Hautstudie verglich nur den Zustand vor und nach der Einnahme, ohne Placebo-Gruppe. Die beiden Studien zur Konzentration und mentalen Leistung waren als Register- beziehungsweise Produktevaluationsstudien angelegt, bei denen sich die Teilnehmenden selbst für oder gegen die Einnahme entschieden, keine randomisierte Zuteilung. In allen drei Studien lässt sich ein natürlicher Verlauf oder ein Erwartungseffekt nicht von einer echten Wirkung des Extrakts unterscheiden.
Sexuelle Funktion und Kombinationspräparate
Die vom Cochrane-Review erfassten Studien zur sexuellen Funktion prüften überwiegend Kombinationspräparate aus Pinienrinden-Extrakt und L-Arginin, teils mit weiteren Zusätzen, unter eigenen Markennamen und vom Hersteller finanziert. Ein eigenständiger Beitrag von Pinienrinden-Extrakt lässt sich aus diesen Kombinationen nicht herauslösen, und die einzige Studie mit dem Extrakt als Einzelstoff ist zu klein für eine eigene Aussage.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Studien war Pinienrinden-Extrakt überwiegend gut verträglich, mit gelegentlichen leichten Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel oder Kopfschmerzen.
Pinienrinden-Extrakt zeigte in mehreren Studien einen blutdrucksenkenden Effekt und wurde in Kombinationspräparaten auch bei Menschen mit Blutzuckererkrankungen geprüft. Bei gleichzeitiger Einnahme von blutdrucksenkenden oder blutzuckersenkenden Medikamenten ist deshalb Vorsicht angebracht, eine engmaschige Kontrolle der eigenen Werte ist sinnvoll.
Da einzelne Studien Wirkungen auf die Blutgerinnung und den Gefäßtonus nahelegen, ist bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente sowie im zeitlichen Umfeld von Operationen ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist deshalb sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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Studie ohne Kontrollgruppe, Vorher-Nachher-Vergleich, n gleich 20, 12 Wochen · 2012
Pycnogenol effects on skin elasticity and hydration coincide with increased gene expressions of collagen type I and hyaluronic acid synthase in women
Marini A, Grether-Beck S, Jaenicke T, Weber M, Burki C, Formann P, Brenden H, Schönlau F, Krutmann J. Skin Pharmacol Physiol
Zur Zuschreibung: 04
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04
Unkontrollierte, nicht randomisierte Registerstudie, n gleich 44 plus Vergleichsgruppe, 12 Monate · 2015
The COFU3 Study, Improvement in cognitive function, attention, mental performance with Pycnogenol in healthy subjects (55-70) with high oxidative stress
Belcaro G, Dugall M, Ippolito E, Hu S, Saggino A, Feragalli B. J Neurosurg Sci
Zur Zuschreibung: 05
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05
Unkontrollierte, nicht randomisierte Registerstudie, n gleich 31 plus 29 Vergleichsgruppe, 12 Wochen · 2014
Pycnogenol improves cognitive function, attention, mental performance and specific professional skills in healthy professionals aged 35-55
Belcaro G, Luzzi R, Dugall M, Ippolito E, Saggino A. J Neurosurg Sci
Zur Zuschreibung: 05
Bei H.P.N
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