Reishi-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pilze
Ganoderma lucidum · Ling Zhi · Lingzhi · Glänzender Lackporling · Reishi-Pilz
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus dem Fruchtkörper des Reishi-Pilzes (Ganoderma lucidum), teils auch aus Myzel oder Sporen. Die beiden namensgebenden Wirkstoffgruppen sind chemisch sehr verschieden, Triterpene (Ganodersäuren) sind fettlöslich und werden vor allem mit Ethanol extrahiert, Polysaccharide (darunter Beta-Glucane) sind wasserlöslich und werden vor allem mit Heißwasser extrahiert. Ein Extrakt trägt je nach Herstellungsverfahren ein völlig unterschiedliches Wirkstoffprofil, ein deklarierter Gehalt an Triterpenen oder Beta-Glucanen ist bei handelsüblichen Extrakten meist nicht angegeben, ohne diese Angabe lässt sich die Konzentration der wirksamkeitsrelevanten Verbindungen in einem Extrakt nicht einschätzen
- Herkunft
- Ein auf totem oder absterbendem Laub- oder Nadelholz wachsender Pilz, vor allem in China, Japan und Korea beheimatet. In der traditionellen chinesischen Medizin als Ling Zhi über 2000 Jahre verwendet
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich. Getrocknetes, gemahlenes Fruchtkörperpulver, wässrige oder ethanolische Fruchtkörperextrakte, ein aufgereinigter Polysaccharid-Extrakt unter dem Handelsnamen Ganopoly, sowie, als eigene Zubereitung mit anderem Stoffprofil, Sporenöl und Sporenpulver. Diese Zubereitungen sind untereinander nicht austauschbar, siehe die einzelnen Wirkungen unten
- Übliche Studiendosis
- 1 bis 6 g Fruchtkörperpulver oder -extrakt täglich in den meisten Studien, vereinzelt bis 5,4 g eines Polysaccharid-Extrakts (Ganopoly). In einer sechsmonatigen Studie von Chiu und Kollegen nahmen die Teilnehmenden täglich 225 mg eines speziell standardisierten, mit Triterpenen und Polysacchariden angereicherten Extrakts ein. Für Sporenöl wurden in der randomisierten Studie 3,0 g täglich eingesetzt, entsprechend rund 1,011 g Gesamttriterpenen aus einem mit 33,7 g Triterpenoiden je 100 g deklarierten Extrakt. Für den in einer Sicherheitsstudie eingesetzten Extrakt nennt das Abstract nur eine Kapselzahl (10 beziehungsweise 20 Kapseln täglich) ohne Milligramm-Angabe. In zwei Studien zu Harnwegsbeschwerden wurde dagegen ein auf 5-alpha-Reduktase-Hemmung selektierter Ethanolextrakt mit nur 6 mg täglich geprüft, rund drei Größenordnungen unter allen übrigen hier genannten Mengen
- Bekannt geworden durch
- Die jahrtausendealte Verwendung als Ling Zhi, der Pilz der Unsterblichkeit, in der traditionellen chinesischen Medizin. Wissenschaftlich geprägt vor allem durch zwei Cochrane-Übersichtsarbeiten, für Herz-Kreislauf-Risikofaktoren negativ, als Zusatz zu einer Krebstherapie schwach positiv bei insgesamt schwacher Studienqualität
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien meist gut vertragen, in einer Cochrane-Übersicht numerisch mehr, aber statistisch nicht signifikant mehr leichte Nebenwirkungen unter Reishi als unter Placebo. Vereinzelte Fallberichte zu schwerer Leberschädigung, vor allem bei pulverförmigen Zubereitungen, siehe Sicherheit. Reishi beeinflusst über isolierte Inhaltsstoffe die Thrombozytenfunktion, die einzige gezielte Humanstudie dazu fand jedoch keine Beeinträchtigung der Blutgerinnung, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Blutzuckerwerte (Nüchternblutzucker, glykiertes Hämoglobin HbA1c) bei Erwachsenen mit für einen Typ-2-Diabetes typisch erhöhtem Blutzucker, ohne belegten Effekt, postprandialer Blutzucker uneinheitlich in einer einzelnen, für diesen Endpunkt teils fehlerbehafteten Studie
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit registrierte für diese Fragestellung 5 randomisierte oder kontrollierte Studien mit insgesamt 398 Teilnehmenden, von denen jedoch nur 3 Studien auswertbare Vergleichsdaten lieferten, Chu 2012 (26 randomisiert, 23 auswertbar, 1,44 g täglich, 12 Wochen, entspricht Quelle 3 dieses Eintrags), Wang 2008 (50 randomisiert, 46 auswertbar, 3 g täglich, 12 Wochen) und Klupp 2014 (84 Teilnehmende, 3 g täglich, 16 Wochen); die übrigen 2 Studien lieferten keine für einen Gruppenvergleich geeigneten Daten [1]. Die drei Zubereitungen sind nicht dieselben, nach der Tabelle der eingeschlossenen Studien im Volltext der Übersicht prüfte Chu 2012 einen Polysaccharid-Extrakt, Wang 2008 ein aus dem Rohpilz durch Abkochen, Einengen und Trocknen gewonnenes Pulver und Klupp 2014 eine Kapsel aus Fruchtkörperextrakt zusammen mit Ganoderma-lucidum-Sporen [1]. Für das glykierte Hämoglobin HbA1c nennt die Zusammenfassung der Übersicht eine gepoolte Differenz von minus 0,10 Prozentpunkten gegenüber Placebo (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,05 bis 0,85, 130 Teilnehmende), der Ergebnisteil und die zugehörige Analysetabelle derselben Übersicht nennen für dieselbe Zusammenführung von Wang 2008 und Klupp 2014 dagegen minus 0,07 Prozentpunkte (minus 0,57 bis 0,42, Analysis 1.1); die beiden Zahlen weichen innerhalb derselben Arbeit voneinander ab, keine ist statistisch signifikant, doch das im Ergebnisteil und in der Analysetabelle berichtete, engere Intervall schließt eine Senkung über rund 0,57 Prozentpunkte hinaus aus und ist damit deutlich aussagekräftiger als das im Abstract genannte [1]. Für den Nüchternblutzucker berichtet die Übersicht aus der Einzelstudie Klupp 2014 (84 Teilnehmende) drei Zeitpunkte, nach 8 Wochen 0,80 mmol pro Liter (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,35 bis 1,95), nach 12 bis 16 Wochen 0,30 mmol pro Liter (minus 0,95 bis 1,55) und nach 24 Wochen 1,00 mmol pro Liter (minus 0,18 bis 2,18); an keinem der drei Zeitpunkte statistisch signifikant, an allen drei jedoch numerisch zuungunsten von Reishi [1]. Für HbA1c nach 24 Wochen, nach einer achtwöchigen Auswaschphase ohne weitere Einnahme, fand sich dagegen ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Placebo (0,70 Prozentpunkte, 0,06 bis 1,34) [1]. Wang 2008 hatte für den Nüchternblutzucker ebenfalls Daten geliefert, die Übersicht schließt diese jedoch wegen eines von den Autoren festgestellten Datenfehlers ausdrücklich aus der Analyse aus; für den im Folgenden beschriebenen postprandialen Blutzucker stammen die verwendeten Werte aus derselben Studie [1]. Für den postprandialen Blutzucker aus Wang 2008 (46 auswertbare Teilnehmende, eine von der 84-köpfigen Klupp-Kohorte unabhängige Studie) ergab sich ein uneinheitliches Bild, der 2-Stunden-Wert fiel statistisch signifikant zugunsten von Placebo aus (Differenz 0,7 mmol pro Liter, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,29 bis 1,11), während die Fläche unter der Blutzuckerkurve nach 4 Stunden statistisch signifikant zugunsten von Reishi ausfiel, mit einem Intervall vollständig unterhalb von null (Differenz minus 49,4 mg/dl pro Stunde, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 77,21 bis minus 21,59) [1]. Die Cochrane-Autoren selbst schreiben zu diesem letzten Befund, mangels bekannter minimaler klinisch relevanter Differenz sei seine klinische Bedeutung unklar [1]. In der separat berichteten Cross-over-Studie Chu 2012 waren Nüchterninsulin und der Insulinresistenz-Index HOMA-IR unter Lingzhi niedriger als unter Placebo, ein Effektmaß oder Konfidenzintervall dazu nennt das Abstract nicht, die Autoren schließen daraus auf einen möglichen milden blutzuckersenkenden Effekt ("might have mild antidiabetic effects") [3]. Die Cochrane-Autoren ziehen im Ergebnisteil zweimal ein klares Fazit, zunächst "Evidence from existing randomised and controlled trials does not support the use of G lucidum for treatment of cardiovascular risk factors" und, im unmittelbaren Anschluss an die Einzelergebnisse, "There was evidence of no effect for the primary outcomes of this review; HbA1c, fasting plasma glucose, blood pressure, triglycerides and cholesterol profile" [1]. In einem separaten Abschnitt zur Bewertung der Studienqualität schreiben dieselben Autoren, wegen methodischer Einschränkungen und Qualitätsbedenken lasse sich "a robust conclusion" zu Konsistenz, Größe und Richtung der Effekte "nicht ziehen" ("a robust conclusion cannot be drawn for consistency, size and direction of outcome effects"); dieser Satz bewertet ausdrücklich die Verlässlichkeit der Gesamtevidenz und nicht das Ergebnis selbst, das an anderer Stelle im Volltext zweimal klar als Nulleffekt benannt wird, eine GRADE-Einstufung der Evidenzsicherheit nennt die Übersicht nicht [1]. Die zum Zeitpunkt der Cochrane-Übersicht noch unveröffentlichte Studie Klupp 2014 erschien 2016 unter Klupp und Kollegen als eigenständige, nach Jadad-Skala, PEDro-Skala und Cochrane-Risk-of-Bias-Tool als risikoarm eingestufte Publikation mit HbA1c und Nüchternblutzucker als gleichrangigen primären Endpunkten [30]. Dort finden sich eigene, ähnlich enge Werte (HbA1c 0,13 Prozentpunkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,35 bis 0,60; Nüchternblutzucker 0,03 mmol pro Liter, minus 0,90 bis 0,96), beide statistisch nicht signifikant, mit einer Effektrichtung zuungunsten von Reishi bei beiden Werten [30]. Die Autoren fassen zusammen, "Evidence from this randomised clinical trial does not support the use of Ganoderma lucidum for treatment of cardiovascular risk factors in people with diabetes mellitus or metabolic syndrome" [30]. Nach der Tabelle der Primärpublikation enthielt die Tagesdosis 2240 mg Fruchtkörperextrakt im Verhältnis 10 zu 1 und zusätzlich 740 mg Sporen, das Prüfpräparat bestand damit zu rund einem Viertel aus Sporenmaterial [30]. Der Danksagungsteil derselben Publikation nennt die Firma Allife Australia Pty Ltd, die Prüfpräparate und Geld beisteuerte, sowie Allife International Pty Ltd als Auftraggeber, nach Angabe der Autoren unter einem Vertrag, der dem Auftraggeber jede Beteiligung an Durchführung, Auswertung und Berichterstattung untersagte; das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer, die Firmenbindung steht nur im Volltext, und sie läuft hier gegen das Interesse des Geldgebers, weil das Ergebnis negativ ausfiel [30]. Fünf der sieben Autoren der Cochrane-Übersicht sind zugleich Autoren dieser am stärksten gewichteten eingeschlossenen Studie, die Übersicht weist das in ihrer Interessenerklärung selbst aus [1]. Weil die geplante Stichprobengröße nicht erreicht wurde, fasste die Studie die reine Reishi-Gruppe mit einer zweiten Gruppe zusammen, die zusätzlich zur selben Reishi-Menge noch Cordyceps sinensis erhielt, mit der Begründung, beide Gruppen enthielten dieselbe Menge des interessierenden Wirkstoffs; ein Effekt allein durch Cordyceps lässt sich damit nicht ausschließen, erscheint angesichts des insgesamt fehlenden Effekts aber unwahrscheinlich [30]. Wegen des mit dem engeren, im Ergebnisteil berichteten Intervall so gut wie ausgeschlossenen HbA1c-Effekts, bestätigt durch die noch engere Zahl aus der eigenständigen, risikoarmen Publikation derselben Studie, der an allen drei Zeitpunkten ungünstigen Nüchternblutzucker-Richtung, der statistisch signifikanten 24-Wochen-Verschlechterung gegenüber Placebo und der insgesamt dreifach ausdrücklich formulierten Autorenaussage, es gebe keinen Effekt auf die primären Endpunkte, ist eine blutzuckersenkende Wirkung auf Nüchternwerte und Langzeitblutzucker in dieser Studienlage nicht bestätigt; das uneinheitliche postprandiale Bild aus einer einzelnen, für einen anderen Messwert von einem dokumentierten Datenfehler betroffenen Studie und der unquantifizierte Insulin-Befund aus Chu 2012 ändern an dieser Einschätzung nichts.
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02
Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyzeride), kein Unterschied zu Placebo bei Fruchtkörperpulver und bei einem teils aus Sporen bestehenden Extrakt an nicht auf erhöhte Blutfette ausgewählten Menschen, bei Sporenöl an gezielt auf grenzwertig erhöhte Triglyzeride ausgewählten Menschen deutliche Senkung der Triglyzeride sowie ein bei Gesamt- und LDL-Cholesterin überwiegend durch die Placebogruppe getriebener Unterschied
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
In der oben genannten Cochrane-Übersicht wurden für Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin die 12-Wochen-Daten von Chu 2012 (Quelle 3 dieses Eintrags) mit den 16-Wochen-Daten von Klupp 2014 zusammengeführt, Chu 2012 ist also für diese beiden Werte kein von der Cochrane-Übersicht unabhängiger dritter Beleg, sondern Teil von deren Datengrundlage [1]. Dabei zeigte sich weder beim Gesamtcholesterin (gewichtete Differenz minus 0,07 mmol pro Liter, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,57 bis 0,42, 107 Teilnehmende) noch beim LDL-Cholesterin (0,02 mmol pro Liter, minus 0,41 bis 0,45, 107 Teilnehmende) ein statistisch signifikanter Unterschied zu Placebo [1]. Keines der beiden Prüfpräparate dieser Zusammenführung war ein reines Fruchtkörperpräparat, nach der Tabelle der eingeschlossenen Studien im Volltext prüfte Chu 2012 einen Polysaccharid-Extrakt und Klupp 2014 einen Fruchtkörperextrakt zusammen mit Sporen, nach der Tabelle der Primärpublikation täglich 2240 mg Extrakt und 740 mg Sporen [1] [30]. Bei den Triglyzeriden beruht der Nullbefund der Übersicht dagegen allein auf der Einzelstudie Klupp 2014, Chu 2012 ging dort nicht ein [1]. Die einzige Studie hinter diesem Triglyzerid-Nullbefund enthielt damit selbst zu rund einem Viertel Sporenmaterial [30]. Chu 2012 selbst berichtet für Triglyzeride und HDL-Cholesterin ein eigenes Ergebnis, im Verlauf der ersten von zwei Studienperioden sanken die Triglyzeride und stieg das HDL-Cholesterin während der Einnahme von 1,44 g Reishi täglich, während sich in der Placebo-Phase keine Veränderung zeigte; ein direkter statistischer Vergleich zwischen den beiden Phasen nennt das Abstract dafür nicht, und ein Verschleppungseffekt zwischen den Studienphasen verhinderte ohnehin eine vollständige Auswertung über beide Perioden [3]. In einer randomisierten, doppelblinden Pilotstudie an 64 Frauen mit chronischer, großflächiger Schmerzempfindlichkeit und eingeschränkter körperlicher Fitness (32 je Gruppe, die Zahl steht nicht im Abstract, wohl aber im Volltext) zeigte 6 g täglich mikrogemahlenes Fruchtkörperpulver über 6 Wochen gegenüber einer Vergleichsgruppe mit derselben Menge Johannisbrotmehl (Ceratonia siliqua) keinen Unterschied bei Nüchternglukose, Cholesterin oder Triglyzeriden [4]. Der Volltext dieser Studie schreibt ausdrücklich, es sei bewusst kein Extrakt, sondern der ganze Fruchtkörper eingesetzt worden, sie ist damit die einzige Arbeit in dieser Zeile mit einem reinen Fruchtkörperpräparat [4]. Ihr Förderhinweis nennt die Firma MundoReishi Salud S.L., die Reishi und Johannisbrotmehl kostenlos bereitstellte, das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer und die Autoren erklären keine Interessenkonflikte [4]. Dem gegenüber steht eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 110 Personen mit grenzwertig erhöhten Triglyzeriden (Einschlusskriterium 1,70 bis 2,25 mmol pro Liter), in der ein Reishi-Sporenöl-Extrakt (3,0 g täglich, entsprechend rund 1,011 g Gesamttriterpenen, aus einem mit 33,7 g Triterpenoiden je 100 g deklarierten Extrakt), eine gegenüber Fruchtkörperpulver und Polysaccharid-Extrakten chemisch andersartige, überwiegend fettsäure-, triglycerid- und sterolhaltige Zubereitung, nach 12 Wochen die Triglyzeride deutlich stärker senkte als Placebo (relative Änderung minus 22,18 gegenüber minus 1,98 Prozent, p kleiner 0,001) [5]. Gesamtcholesterin (minus 1,98 gegenüber plus 4,01 Prozent, p gleich 0,011) und LDL-Cholesterin (minus 4,1 gegenüber plus 3,6 Prozent, p gleich 0,038) unterschieden sich zwar ebenfalls statistisch signifikant von Placebo, die Signifikanz beruht hier aber überwiegend auf einem Anstieg in der Placebogruppe und nicht auf einer ausgeprägten Senkung unter Sporenöl, "deutlich" trifft in dieser Studie in erster Linie auf die Triglyzeride zu; das HDL-Cholesterin stieg gegenüber Placebo ebenfalls signifikant stärker (plus 7,44 gegenüber plus 2,40 Prozent, p gleich 0,019) [5]. Anders als in den Fruchtkörper-Studien lagen Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin bei Studienbeginn in beiden Gruppen dieser Studie im beziehungsweise nahe am Normbereich (Gesamtcholesterin rund 5,0 bis 5,1 mmol pro Liter, LDL-Cholesterin rund 2,9 bis 3,1 mmol pro Liter), eingeschlossen wurden gezielt Personen mit grenzwertig erhöhten Triglyzeriden, nicht mit allgemein erhöhten Blutfettwerten [5]. Die Studie selbst gibt an, der Triterpenoid-Gehalt in Sporenöl sei signifikant höher als in Reishi-Sporenpulver ("the content of triterpenoids in GLSO is significantly higher than that in Ganoderma lucidum spore powder"), diese Aussage stützt sich auf eine von den Studienautoren zitierte weitere Arbeit und nicht auf eigene vergleichende Messungen, und sie betrifft den Vergleich von Sporenöl mit Sporenpulver, nicht den Vergleich mit Fruchtkörperextrakten [5]. Zur allgemeineren, verbreiteten Annahme, Sporen enthielten grundsätzlich höher konzentrierte Wirkstoffe als der Fruchtkörper, hält die Cochrane-Übersicht dagegen ausdrücklich fest, dies sei durch Forschung nicht belegt ("This has not been determined by research") [1]. Der Widerspruch fällt damit sowohl mit der Art der Zubereitung als auch mit der Ausgangslage der Teilnehmenden zusammen, die Sporenöl-Studie schloss gezielt Menschen mit grenzwertig erhöhten Triglyzeriden ein, während die Fibromyalgie-Kohorte [4] nicht auf erhöhte Blutfette selektiert war und die Cochrane-Kohorten nach eigener Protokollangabe teils Werte im Normbereich aufwiesen; wer im Normbereich startet, kann dort kaum eine weitere Senkung zeigen. Die Zubereitung trennt die Befunde damit nicht sauber, denn ausgerechnet die einzige Studie hinter dem Triglyzerid-Nullbefund enthielt selbst Sporenmaterial, und das einzige reine Fruchtkörperpulver wurde an einer nicht auf Blutfette hin ausgewählten Gruppe geprüft. Was die Befunde trennt, ist vor allem die Ausgangslage, ohne Vorauswahl auf erhöhte Triglyzeride zeigt sich kein Unterschied zu Placebo, bei gezielt auf grenzwertig erhöhte Triglyzeride ausgewählten Personen senkte ein chemisch andersartiges Sporenöl-Präparat die Triglyzeride deutlich und erzeugte bei Gesamt- und LDL-Cholesterin einen statistisch signifikanten, aber überwiegend durch die Placebogruppe getriebenen Unterschied.
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03
Blutdruck bei Erwachsenen mit grenzwertig erhöhtem Blutdruck, Cholesterin oder chronischer Schmerzempfindlichkeit, in drei kleinen Studien ohne Effekt
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Innerhalb der oben genannten Cochrane-Übersicht stammt die Blutdruckauswertung ausschließlich aus der Einzelstudie Klupp 2014 (mittlerer arterieller Druck, 84 Teilnehmende), Chu 2012 (Quelle 3) ging dafür nicht in die Übersicht ein, seine Blutdruck-Ausgangswerte lagen laut Cochrane-Volltext teils im Normbereich und wurden deshalb protokollgemäß nicht mit ausgewertet [1]. Die Cochrane-Übersicht nennt für den mittleren arteriellen Druck drei Vergleiche mit Effektmaß und Konfidenzintervall aus dieser einen Studie, nach 8 Wochen 1,90 mmHg (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 33,62 bis 37,42, eine Spannbreite von rund 70 mmHg), nach 16 Wochen 0,30 mmHg (minus 4,59 bis 5,19) und nach 24 Wochen minus 3,20 mmHg (minus 8,66 bis 2,26) [1]. Das 8-Wochen-Intervall ist mit seiner rund 70 mmHg weiten Spanne so breit, dass es einen für Betroffene spürbaren Effekt in beide Richtungen einschließt, und auch das 24-Wochen-Intervall reicht von einer spürbaren Senkung bis zu einer leichten Erhöhung; für diese beiden Zeitpunkte ist ein sauber gezeigtes Ausbleiben der Wirkung damit nicht belegt. Das 16-Wochen-Intervall ist dagegen deutlich enger (minus 4,59 bis 5,19) und schließt eine für Betroffene spürbare Blutdrucksenkung an diesem einzelnen Zeitpunkt weitgehend aus; ob sich daraus verallgemeinern lässt, dass Reishi über die gesamte Einnahmedauer ohne Blutdruckwirkung bleibt, bleibt angesichts der beiden deutlich weiteren Intervalle an den anderen beiden Zeitpunkten strittig. Chu 2012 selbst berichtet für seine eigene, unabhängige Kohorte ebenfalls keine Veränderung des Blutdrucks unter Reishi gegenüber Placebo, ohne dafür Zahlen zu nennen [3]. In der Pilotstudie an Frauen mit chronischer Schmerzempfindlichkeit zeigte sich nach 6 Wochen 6 g täglich Reishi-Fruchtkörperpulver ebenfalls kein Unterschied beim Blutdruck gegenüber der Vergleichsgruppe mit Johannisbrotmehl, auch hier ohne genannte Zahlen [4]. Die 2016 eigenständig veröffentlichte Primärpublikation derselben Klupp-2014-Studie bestätigt den 16-Wochen-Wert mit ihrer eigenen Formulierung, der mittlere arterielle Druck sei um 0,3 mmHg gesunken, ohne für diesen sekundären Endpunkt ein eigenes Konfidenzintervall zu nennen [30]. Drei separate kleine bis mittelgroße Studien kommen damit übereinstimmend zu keinem erkennbaren Effekt auf den Blutdruck; dass nur eine davon überhaupt ein Effektmaß mit Konfidenzintervall liefert und dieses nur an einem von drei Zeitpunkten eng genug ist, macht aus diesem geprüften und übereinstimmend berichteten Nullbefund keinen Hinweis auf eine blutdrucksenkende Wirkung, die Zeile steht deshalb auf Nicht bestätigt.
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04
Tumor-Ansprechrate bei Lungenkrebs ohne statistisch signifikanten Unterschied, Immunzellzahlen signifikant erhöht, Lebensqualität uneinheitlich, überwiegend als Zusatz zu einer laufenden Chemo- oder Strahlentherapie, in einer eingeschlossenen Studie dagegen als alleinige Gabe ohne begleitende Krebstherapie, über sehr verschiedene Zubereitungen hinweg zusammengeführt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Cochrane-Übersicht aus 5 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 373 ausgewerteten Personen wertete Reishi bei Menschen mit einer diagnostizierten Krebserkrankung unter laufender Chemo- oder Strahlentherapie aus, alle 5 Studien rekrutierten ausschließlich in der chinesischen Bevölkerung [2]. Für das Tumor-Ansprechen nach dem Kriterium der Weltgesundheitsorganisation lagen Daten aus 3 der 5 Studien vor, alle 3 ausschließlich bei Lungenkrebs, eine davon (Gao 2003b) trug wegen null positiver Ansprechraten in beiden Studienarmen nicht zur Berechnung bei, sodass die eigentliche Risikoverhältnis-Berechnung nur aus 2 der 5 Studien stammt [2]. Wer Reishi zusätzlich zur Chemo- oder Strahlentherapie erhielt, sprach danach häufiger auf die Behandlung an als unter Chemo- oder Strahlentherapie allein (Risikoverhältnis 1,50, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,90 bis 2,51), im Volltext der Übersicht ausdrücklich als statistisch nicht signifikant benannt (p gleich 0,12); das im Abstract genannte p gleich 0,02 weicht davon ab und ist nach dem Volltext ein Druckfehler [2]. Die nicht in die Berechnung eingegangene dritte Studie (Gao 2003b) prüfte Reishi als alleinige Gabe ohne begleitende Chemo- oder Strahlentherapie und fand in beiden Armen keinen einzigen positiven Ansprechfall, das Konfidenzintervall aus den übrigen zwei Studien schließt einen bedeutsamen Effekt der Kombination nicht sicher aus, macht ihn aber auch nicht robust nachgewiesen [2]. Die fünf eingeschlossenen Studien setzten nach der Tabelle der eingeschlossenen Studien im Volltext sehr verschiedene Zubereitungen ein, einen aufgereinigten Polysaccharid-Extrakt (Ganopoly, Gao 2003b, ohne begleitende Krebstherapie), eine Sporenpulver-Kapsel (He 1997), zwei Lingzhi-Trinklösungen (Leng 2003, Yan 1998) und eine Lingzhi-Tablette (Zhang 2000); die zusammengeführten Werte für Immunmarker und Lebensqualität mischen diese Zubereitungen und schließen die Studie ohne begleitende Krebstherapie mit ein [2]. Die Immunmarker CD3, CD4 und CD8 stiegen, gepoolt aus 4 der 5 Studien (alle außer He 1997, 213 Teilnehmende je Marker), unter Reishi gegenüber der Vergleichsgruppe um 3,91 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,92 bis 5,90), 3,05 (1,00 bis 5,11) beziehungsweise 2,02 (0,21 bis 3,84) Prozentpunkte, jeweils statistisch signifikant; eine der zugrunde liegenden Studien (Zhang 2000) zeigte bei allen gemessenen Immunparametern eine gegenläufige, negative Veränderung und trug damit nach Angabe der Autoren wesentlich zu einer signifikant erhöhten Heterogenität dieser drei Auswertungen bei, ohne dass der Volltext dafür einen eigenen Zahlenwert nennt [2]. Die natürliche Killerzellaktivität stieg dagegen über 2 gegenläufige Einzelstudien (89 Teilnehmende) im Random-Effects-Modell nicht statistisch signifikant (standardisierte Differenz 0,45, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,60 bis 2,50), bei einer für diese Auswertung tatsächlich berichteten hohen Heterogenität von I-Quadrat 94 Prozent (Chi-Quadrat 17,78, p kleiner 0,01) [2]. Die Lebensqualität, als Anteil der Personen mit einer Verbesserung des Karnofsky-Scores erfasst, war in 3 von 4 dazu ausgewerteten Studien (284 Teilnehmende) statistisch signifikant häufiger verbessert als unter der Vergleichsbehandlung (Risikoverhältnis 2,51, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,86 bis 3,40, p kleiner 0,01), in der vierten, als Punktwert quantitativ ausgewerteten Studie (Zhang 2000, 29 Teilnehmende) war der Unterschied nicht statistisch signifikant (mittlere Differenz 12,70 Punkte auf der Karnofsky-Skala, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 4,72 bis 30,12) [2]. Nebenwirkungen erfasste nur eine der 5 eingeschlossenen Studien (Gao 2003b), dort traten unter Reishi 3 Episoden auf, 2 Fälle von Übelkeit und ein Fall von Schlafstörung, die übrigen 4 Studien machten dazu keine Angaben [2]. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien war laut den Autoren durchgehend unbefriedigend, mit unklarem oder hohem Verzerrungsrisiko in mehreren der fünf Studien, kein Langzeitüberleben wurde erfasst, und die Autoren selbst schreiben, die Evidenz rechtfertige Reishi nicht als Erstlinientherapie, es bleibe unklar, ob Reishi das langfristige Überleben verbessere; im unmittelbar folgenden Satz halten dieselben Autoren jedoch fest, Reishi könne als ergänzendes Mittel neben einer konventionellen Behandlung in Betracht gezogen werden, wegen seines Potenzials, das Ansprechen auf die Behandlung zu verbessern und die Immunabwehr des Wirts zu stimulieren ("However, G. lucidum could be administered as an alternative adjunct to conventional treatment in consideration of its potential of enhancing tumour response and stimulating host immunity") [2]. In einer kleineren, unkontrollierten Studie ohne Placebo-Arm an 34 Personen mit fortgeschrittener Krebserkrankung (30 auswertbar) stiegen unter 12 Wochen täglich 5,4 g eines Polysaccharid-Extrakts (Ganopoly, dreimal täglich 1,8 g) mehrere Immunwerte im Blut gegenüber dem Ausgangswert, darunter die natürliche Killerzellaktivität, ohne Placebo-Vergleich lässt sich ein reiner Zeiteffekt nicht ausschließen [21]. Wegen der durchweg schwachen methodischen Qualität, der auf Lungenkrebs beschränkten und auf 2 von 5 Studien gestützten Ansprechrate, der hohen Heterogenität bei den Immunmarkern und der regionalen Beschränkung auf die chinesische Bevölkerung bleibt die Stufe bei Hinweise statt bei Belegt.
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05
Immunzell-Marker bei gesunden, nicht an Krebs erkrankten Erwachsenen, in zwei kleinen Studien ohne statistisch signifikanten Effekt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Sicherheitsstudie an 16 gesunden Erwachsenen, die 10 Tage lang zweimal täglich 2 g Reishi-Extrakt (4 g pro Tag) einnahmen, veränderten sich CD4-, CD8- und CD19-Zellzahlen gegenüber Placebo nicht, die CD56-Zellzahl (natürliche Killerzellen) stieg während der Einnahme numerisch an, wegen hoher Streuung und kleiner Stichprobe erreichte dieser Anstieg keine statistische Signifikanz [11]. In einer randomisierten Studie an 40 männlichen Fußballspielern unter einem 28-tägigen Höhentrainingsprotokoll (Training auf Meereshöhe, gleichzeitiger Aufenthalt in einem Raum mit reduziertem Sauerstoffgehalt) wurden die Teilnehmenden in vier Gruppen zu je etwa 10 Personen aufgeteilt, eine Kontrollgruppe ohne Sauerstoffmangel-Protokoll, sowie drei Gruppen mit dem Protokoll, die zusätzlich Placebo, 10 Reishi-Kapseln täglich oder 20 Reishi-Kapseln täglich erhielten, eine Milligramm-Angabe zur Dosis nennt das Abstract nicht, nur 20 der 40 Teilnehmenden erhielten damit überhaupt eine Reishi-Kapsel [10]. In der Gruppe mit 20 Kapseln täglich fiel der belastungsbedingte Abfall des CD4/CD8-Verhältnisses gegenüber dem Ausgangswert tendenziell geringer aus als in der Placebo-Gruppe und der Gruppe mit 10 Kapseln täglich, ohne dass dieser Unterschied statistische Signifikanz erreichte [10]. Beide Studien untersuchen Immunzellmarker bei nicht krebskranken Menschen unter unterschiedlicher körperlicher Belastung, keine zeigt einen eindeutigen, statistisch gesicherten Effekt.
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06
Erschöpfung und subjektives Wohlbefinden bei Erwachsenen mit anhaltender Erschöpfung (Neurasthenie nach den Kriterien der 10. Ausgabe der Internationalen Klassifikation der Krankheiten)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Suche nach Ganoderma lucidum und fatigue mit gelöstem Studientyp-Filter (PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "fatigue" (alle Publikationstypen), 12 Treffer) ergab zwei kontrollierte Interventionsstudien mit Erschöpfung als Ein- oder Zielkriterium. In der ersten erhielten 132 chinesische Teilnehmende mit einer nach ICD-10-Kriterien diagnostizierten Neurasthenie 8 Wochen lang täglich 5,4 g eines Polysaccharid-Extrakts (Ganopoly, dreimal täglich 1,8 g) oder Placebo in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Parallelstudie [6]. Bei 123 auswertbaren Teilnehmenden sank der Schweregrad-Score der klinischen Gesamteinschätzung unter Ganopoly stärker als unter Placebo (minus 15,5 Prozent gegenüber minus 4,9 Prozent vom Ausgangswert) und ebenso das Ausmaß der auf einer visuellen Analogskala erfassten Erschöpfung (minus 28,3 Prozent gegenüber minus 20,1 Prozent), das selbst eingeschätzte Wohlbefinden stieg stärker (plus 38,7 Prozent gegenüber plus 29,7 Prozent), der Unterschied in der Gesamtverteilung der fünf klinischen Besserungskategorien war statistisch signifikant (p gleich 0,0322) [6]. Ein enger gefasster Vergleich fiel deutlicher aus, 51,6 Prozent (32 von 62) der Ganopoly-Gruppe galten als mehr als minimal gebessert gegenüber 24,6 Prozent (15 von 61) der Placebo-Gruppe (p gleich 0,002) [6]. In der zweiten Studie, einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten, als Cross-over bezeichneten Studie an 29 Männern mit einer chronischen, mehrere Körpersysteme betreffenden Beschwerdesymptomatik im Zusammenhang mit einem früheren Militäreinsatz während des Golfkriegs, durchliefen die Teilnehmenden je Pflanzenmittel eine feste Phasenreihenfolge, zuerst 30 Tage Placebo, danach 30 Tage die niedrigere und danach 30 Tage die höhere Reishi-Dosis (1600 beziehungsweise 3200 mg täglich eines mit 12 Prozent Polysacchariden und 4 Prozent Triterpenen standardisierten Extrakts), diese Reihenfolge war nicht randomisiert, sodass sich ein Zeit- oder Verschleppungseffekt von einer echten Dosiswirkung nicht sicher trennen lässt, auch wenn die Bezeichnung als Cross-over-Studie eine umfassendere Randomisierung nahelegt, als tatsächlich stattfand; 10 Teilnehmende schlossen den Reishi-Studienarm ab [23]. Bei der auf Erschöpfung bezogenen Einzelskala zeigte sich in keiner der beiden Reishi-Dosisstufen ein signifikanter Unterschied zu Placebo, beim zusammengesetzten Beschwerde-Schweregrad-Score war die niedrigere Dosis gegenüber Placebo unverändert (p gleich 0,603), unter der höheren Dosis war der Score dagegen signifikant höher, also ungünstiger, als unter Placebo (p gleich 0,012) und als unter der niedrigeren Dosis (p gleich 0,046); die Autoren merken dazu an, dass die für die Placebo-Bedingung sonst typische Besserung von rund 20 bis 25 Prozent in dieser Reishi-Teilgruppe ausblieb, und schreiben angesichts dieses ungewöhnlichen Placebo-Verlaufs, sie seien mit dem Schluss zurückhaltend, Reishi könne die Beschwerden verschlimmern, dies müsse aber in Betracht gezogen werden ("Given the atypical placebo effect, we are hesitant to conclude that reishi can exacerbate GWI symptoms, but it must be considered") [23]. Eine systematische Übersichtsarbeit zu oral eingenommenen komplementären Mitteln bei Frauen mit einer Brustkrebs-Vorgeschichte nennt Ganoderma lucidum unter mehreren Mitteln mit Hinweisen auf eine günstige Wirkung bei Erschöpfung, ohne eigene Zahlen zu liefern und bei insgesamt als unzureichend für klare Empfehlungen eingestufter Evidenzlage [16]. Diese Übersichtsarbeit betrifft eine andere Personengruppe als die beiden Interventionsstudien und liefert keine eigenständige Bestätigung für deren Ergebnisse. Die beiden vorliegenden kontrollierten Studien betreffen unterschiedliche Personengruppen, unterschiedliche Zubereitungen und einen entgegengesetzten Dosis-Trend, eine unabhängige Wiederholung der positiven Neurasthenie-Studie liegt nicht vor.
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07
Körperliche Ausdauerleistung bei Frauen mit chronischer, großflächiger Schmerzempfindlichkeit, in der bisher einzigen Auswertung ohne berichteten Gruppenvergleich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden Pilotstudie an 64 Frauen mit chronischer, großflächiger Schmerzempfindlichkeit und eingeschränkter körperlicher Fitness nahm eine Gruppe 6 Wochen lang täglich 6 g mikrogemahlenes Reishi-Fruchtkörperpulver ein, die Vergleichsgruppe dieselbe Menge Johannisbrotmehl (Ceratonia siliqua), kein Placebo [7]. Innerhalb der Reishi-Gruppe verbesserten sich nach 6 Wochen gegenüber dem eigenen Ausgangswert die aerobe Ausdauer, die Beweglichkeit der unteren Extremitäten und die Schnelligkeit statistisch signifikant, in der Vergleichsgruppe zeigte sich in keinem der Fitnesstests eine signifikante Verbesserung gegenüber deren Ausgangswert; ob sich die beiden Gruppen im direkten statistischen Vergleich miteinander unterschieden, geht aus dem Abstract nicht hervor [7]. Dieselbe Arbeitsgruppe veröffentlichte eine weitere Arbeit zu Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerten ohne Effekt, siehe die Zeilen oben [4]. Deren Volltext nennt 64 Frauen aus spanischen Selbsthilfeverbänden, 32 je Gruppe, dieselbe Menge von 6 g täglich über dieselben 6 Wochen, die Ethikgenehmigung 91/2014 der Universidad de Extremadura und die Registrierung ACTRN12614001201662, die Teilnehmerzahl fehlt also nur im Abstract, nicht in der Arbeit [4]. Ob beide Publikationen dieselbe Kohorte berichten, spricht keine von beiden aus, der Volltext der Fitness-Publikation wurde für diese Prüfung nicht beschafft. Eine unabhängige Wiederholung dieser Fitness-Befunde liegt uns nicht vor, und die Übertragbarkeit auf Menschen ohne eine vergleichbare Beschwerdelage ist unklar.
Quellen: 7
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08
Körperliche Leistungsfähigkeit (maximale Sauerstoffaufnahme, Ausdauerkapazität) und psychisches Wohlbefinden bei jungen, gesunden Frauen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Parallelstudie (PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "vitality randomized", ein Treffer, der Suchbegriff trifft eine im Abstract tatsächlich erhobene Fragebogen-Kategorie) nahmen 78 gesunde Studentinnen 30 Tage lang täglich 500 mg oder 1000 mg Reishi-Extrakt oder Placebo ein (26 Personen je Gruppe) [8]. Am Tag 30 (Studienende) unterschied sich die 1000-mg-Gruppe von der Placebo-Gruppe signifikant bei Herzfrequenz, maximaler Sauerstoffaufnahme (VO2max), körperlicher Arbeitskapazität (PWC170) und Griffkraft der rechten Hand (p kleiner 0,05 für alle vier, ein gemeinsamer, nicht nach Messgröße aufgeschlüsselter Wert) [8]. Innerhalb der 1000-mg-Gruppe verbesserten sich Herzfrequenz, VO2max und PWC170 zudem gegenüber dem eigenen Ausgangswert (Tag 0), für Herzfrequenz mit p kleiner 0,05, für VO2max und PWC170 mit p kleiner 0,001 [8]. Zwei weitere, im selben Satz des Abstracts zusammengefasste Vergleiche betreffen andere Messzeitpunkte und Gruppenpaare als die beiden vorigen, am Tag 15 unterschied sich die 1000-mg-Gruppe von der Placebo-Gruppe bei VO2max signifikant (p kleiner 0,001), und am Tag 30 unterschied sich die 1000-mg- von der 500-mg-Gruppe bei PWC170 signifikant (p kleiner 0,05) [8]. Auf Fragebogen erfasste Werte für Angst, depressive Symptome, Vitalität und positives Wohlbefinden verbesserten sich unter der 1000-mg-Dosis, ob dies gegenüber Placebo, gegenüber dem eigenen Ausgangswert oder beides gilt, geht aus dem Abstract nicht eindeutig hervor, eine Korrektur für die gleichzeitige Erhebung mehrerer Fragebögen nennt es nicht [8]. Eine größere, randomisierte, plazebokontrollierte Studie an 96 gesunden Sportstudierenden (43 Frauen, 53 Männer) fand für ein Kombinationspräparat aus Cordyceps sinensis und Ganoderma lucidum über 28 bis 33 Tage dagegen keinen Effekt auf VO2max oder andere physiologische Messwerte bei maximaler Belastung gegenüber Placebo, wegen der Kombination mit einem zweiten Pilz ist diese Studie kein eigenständiger Beleg für oder gegen Reishi allein, zeigt aber, dass ein größerer Studienzuschnitt zum selben Endpunkt keinen Effekt fand [24]. Es handelt sich bei der positiven Studie um eine einzelne Arbeit an jungen, gesunden Frauen aus einer Region Indiens mit mehreren nicht eindeutig einer Vergleichsgruppe zugeordneten Effekten, eine unabhängige Wiederholung mit reinem Reishi-Extrakt liegt nicht vor.
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09
Antioxidative Kapazität im Blut und Leberwerte bei Menschen mit leicht erhöhten Leberwerten und Fettleber, ohne berichteten Gruppenvergleich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Suche nach Ganoderma lucidum und oxidative stress randomized (3 Treffer) ergab eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Cross-over-Studie an 42 Personen mittleren Alters (40 bis 54 Jahre) mit leicht erhöhten Leberwerten (Transaminasen GOT und GPT) und Fettleber (39 auswertbar, 21 pro Gruppe), die 6 Monate lang täglich 225 mg eines Triterpen- und Polysaccharid-angereicherten Reishi-Extrakts oder Placebo einnahmen, mit einmonatiger Auswaschphase und geplantem Gruppenwechsel; der Titel der Arbeit spricht von "gesunden Freiwilligen", der Methodenteil beschreibt jedoch ausdrücklich eine gezielt auf leichte Leberfunktionsstörung selektierte Stichprobe [9]. Die im Volltext berichteten Tabellen vergleichen die Werte nicht direkt zwischen der Reishi- und der Placebo-Gruppe, sondern weisen die statistische Signifikanz jeweils getrennt für die Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert innerhalb jeder Gruppe aus, obwohl der Methodenteil auch einen direkten Gruppenvergleich ankündigt; ein Ergebnis dieses direkten Vergleichs wird für keinen der folgenden Werte berichtet [9]. Innerhalb der Reishi-Gruppe stiegen gegenüber dem eigenen Ausgangswert nach 6 Monaten die gesamte antioxidative Kapazität im Blutplasma sowie Gesamtthiole und Glutathion statistisch signifikant, während ein Marker für Lipidschäden (TBARS) und ein Marker für oxidative DNA-Schäden (8-OH-dG) statistisch signifikant sanken, in der Placebo-Gruppe veränderte sich im selben Zeitraum keiner dieser Werte signifikant [9]. Ebenso stiegen innerhalb der Reishi-Gruppe mehrere erythrozytäre antioxidative Enzyme (SOD, Katalase, Glukose-6-phosphat-Dehydrogenase, Glutathionperoxidase) gegenüber dem Ausgangswert, in der Placebo-Gruppe blieben sie unverändert [9]. Die Leberenzyme GPT und GOT sanken innerhalb der Reishi-Gruppe gegenüber dem Ausgangswert um rund 42 beziehungsweise 25 Prozent (aus den in Tabelle 4 berichteten Mittelwerten errechnet, das Abstract selbst nennt für GOT abweichend 27 Prozent), in der Placebo-Gruppe zeigte sich keine signifikante Veränderung [9]. Bei den beiden Teilnehmenden der Reishi-Gruppe mit anfangs im Ultraschall sichtbarer leichter Fettleber sowie bei einem weiteren Teilnehmenden mit einem Gallenblasenpolypen normalisierte sich der Befund nach 6 Monaten [9]. Weil kein direkter statistischer Vergleich zwischen Reishi- und Placebo-Gruppe berichtet wird, belegen diese Zahlen einen Unterschied im zeitlichen Verlauf innerhalb der Reishi-Gruppe gegenüber einer unveränderten Placebo-Gruppe, nicht aber einen im gleichen Zeitraum statistisch abgesicherten Gruppenunterschied. Die Autoren selbst benennen als Einschränkung, dass ausschließlich Personen mit leichter, nicht mit mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung eingeschlossen wurden, und schreiben, dies mache die Studie in ihrem Schluss unbestimmt ("the inclusion of only mild liver dysfunctional subjects thus made this trial inconclusive") [9]. Eine weitere, aus derselben Suche stammende Studie prüfte eine Kombination aus Reishi und einer zweiten chinesischen Heilpflanzenmischung bei Menschen mit einer entzündlichen Gelenkerkrankung und fand keine signifikanten antioxidativen, entzündungshemmenden oder immunmodulierenden Effekte, wegen der Kombination mit einem zweiten Mittel ist sie kein Beleg für oder gegen Reishi allein und wird hier nicht als Gegenbeleg gewertet [25]. Es handelt sich um eine einzelne Studie ohne unabhängige Wiederholung, an einer nicht gesunden, sondern gezielt auf leichte Leberfunktionsstörung selektierten Stichprobe, mit einer vergleichsweise niedrigen Dosis eines spezifisch standardisierten Extrakts, der sich nicht auf andere Reishi-Zubereitungen übertragen lässt.
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Blutgerinnung und Thrombozytenfunktion, in der bislang einzigen gezielten Humanstudie ohne Beeinträchtigung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Ein aus Reishi isolierter Triterpen-Einzelstoff (Ganodersäure S) verstärkte in einer Laborarbeit an aus Menschen gewonnenen Blutplättchen im Reagenzglas die hemmende Wirkung von Prostaglandin E1 auf mehrere Schritte der Thrombozytenaktivierung, ein Hinweis auf ein pharmakologisch plausibles, plättchenhemmendes Wirkprinzip einzelner Reishi-Inhaltsstoffe [14]. In der bislang einzigen von uns gefundenen kontrollierten Humanstudie mit oraler Einnahme zu diesem Endpunkt (PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "platelet aggregation" (alle Publikationstypen), 11 Treffer, sowie PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "bleeding", ein Treffer) nahmen 40 gesunde Erwachsene 4 Wochen lang täglich 1,5 g Reishi-Extrakt oder Placebo ein, überwacht wurden Gerinnungsstatus, Fibrinogen, von-Willebrand-Faktor-Aktivität sowie zwei Globaltests der Blutgerinnung [12]. Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen, alle Messwerte blieben im Normbereich, die Studienautoren schließen, die Einnahme von Reishi vor einer Operation erhöhe bei ansonsten gesunden Personen das Blutungsrisiko wahrscheinlich nicht [12]. Eine ältere Fallserie an 5 Personen mit Bluterkrankheit, die einen Reishi-Rohextrakt einnahmen, fand ebenfalls keine veränderte Thrombozytenaggregation trotz des im Extrakt enthaltenen Adenosins [13]. Die eine vorliegende, gezielt auf Blutgerinnung ausgelegte Humanstudie zeigt damit keine Beeinträchtigung, bei begrenzter Dauer von 4 Wochen und ausschließlich gesunden Teilnehmenden ohne gleichzeitige Einnahme gerinnungshemmender Medikamente.
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Hautalterung (Faltenbildung, Kollagenabbau, Pigmentierung, UV-Schäden), bislang nur in Zellkultur- und Tiermodellen sowie bei topischer Anwendung geprüft
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ein Polysaccharid-Extrakt aus Reishi schützte in Zellkultur menschliche Hautfibroblasten vor UVB-Strahlung, erkennbar an weniger gealterten Zellen, weniger des kollagenabbauenden Enzyms MMP-1 und weniger reaktiven Sauerstoffspezies gegenüber unbehandelten, bestrahlten Zellen [15]. Ein Reishi-Extrakt verringerte in einer weiteren Zellkulturarbeit sowie in einem Mäuse-Modell mit UVA-Bestrahlung mitochondrialen Stress, verringerte Hautverdickung und Kollagenabbau gegenüber unbehandelten, bestrahlten Kontrollen [17]. Eine topisch aufgetragene Mikroemulsion mit einem Reishi-Glykoprotein verringerte bei UV-bestrahlten Ratten Hautrötung, Gewebeschäden und mehrere oxidative und entzündliche Marker gegenüber unbehandelten, bestrahlten Kontrolltieren [19]. Alle drei Arbeiten fanden ausschließlich an Zellkulturen, Mäusen oder Ratten statt, keine an Menschen, und keine davon prüft eine orale Einnahme. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Reishi und Hautalterung (PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "wrinkle" und PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "photoaging", je 0 Treffer) ergab keine kontrollierte Interventionsstudie mit oraler Einnahme beim Menschen.
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Schlaf und Schlafqualität, bislang keine gezielte Humanstudie gefunden
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Reishi wird traditionell und in mehreren narrativen Übersichtsarbeiten ohne Bezug auf eine konkrete Studie ein schlaffördernder Effekt zugeschrieben, eine solche Übersicht führt "sleep promoting" unter einer langen Liste pharmakologischer Wirkungen auf, ohne eine Humanstudie dazu zu benennen [26]. Eine gezielte Suche ergab keine kontrollierte Interventionsstudie, die Schlaf oder Schlafqualität unter Reishi-Einnahme als Ziel- oder Nebenendpunkt geprüft hätte, mit den PubMed-Suchbegriffen "Ganoderma lucidum" "sleep" (alle Publikationstypen) (4 Treffer, davon keiner eine Interventionsstudie zu Reishi und Schlaf) und PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "insomnia" (2 Treffer, die oben zitierte Krebs-Übersicht [2] sowie deren eigene, durch [2] ersetzte Vorgängerfassung von 2012, keine unabhängige zweite Arbeit); mit gelöstem Studientyp-Filter (PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "insomnia" (alle Publikationstypen), 3 Treffer) kommt eine weitere narrative Übersichtsarbeit hinzu, die Schlaflosigkeit unter einer langen Liste traditionell behandelter Beschwerden ohne Bezug auf eine Studie nennt [29]. In der oben zitierten Cochrane-Übersicht zu Reishi als Zusatz zur Krebstherapie war Schlafstörung eine von drei bei einer einzelnen Studie erfassten Nebenwirkungen unter Reishi, siehe dazu den Sicherheitsabschnitt [2]. In der oben zitierten, als Cross-over bezeichneten Studie an Männern mit einer chronischen, mehrere Körpersysteme betreffenden Beschwerdesymptomatik verschlechterte sich unter der höheren Reishi-Dosis der zusammengesetzte Beschwerde-Score gegenüber Placebo, ohne dass Schlaf darin gesondert ausgewiesen wäre; die Autoren selbst sind mit der Schlussfolgerung, Reishi verschlimmere die Beschwerden, wegen eines für diese Teilgruppe ungewöhnlich ausbleibenden Placebo-Effekts zurückhaltend, siehe die Zeile zu Erschöpfung sowie den Sicherheitsabschnitt [23]. Diese Befunde sind kein Beleg für einen schlaffördernden Effekt, eher ein Hinweis darauf, dass Reishi Schlaf in Einzelfällen eher stören als fördern könnte, eine gezielte Untersuchung dazu steht aus.
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Harnwegsbeschwerden (Internationaler Prostata-Symptom-Score) bei Männern mit leichten bis mittleren unteren Harnwegsbeschwerden, in zwei Studien derselben Arbeitsgruppe mit engem, statistisch signifikantem Intervall bei sehr geringer Dosis
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Suche ohne Studientyp- oder sonstige Einschränkung (PubMed-Suche nach "Ganoderma lucidum" "prostate", 2 Treffer) ergab zwei randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studien derselben japanischen Arbeitsgruppe an Männern mit leichten bis mittelschweren unteren Harnwegsbeschwerden. In der größeren Studie erhielten 88 Männer über 49 Jahre 12 Wochen lang täglich 6 mg eines auf 5-alpha-Reduktase-Hemmung selektierten Ganoderma-lucidum-Ethanolextrakts (ausgewählt als potentester unter 19 geprüften Speise- und Heilpilz-Extrakten) oder Placebo; der Internationale Prostata-Symptom-Score (IPSS) sank unter Reishi statistisch signifikant stärker als unter Placebo (mittlere Differenz minus 1,18 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,74 bis minus 0,62, p kleiner 0,0001), ohne Veränderung von Lebensqualitäts-Score, maximalem und mittlerem Harnfluss, Restharnvolumen, Prostatavolumen, PSA- oder Testosteronwerten gegenüber Placebo [27]. In einer kleineren, dosisfindenden Studie derselben Arbeitsgruppe erhielten 50 Männer über 50 Jahre Placebo (12 Personen), 0,6 mg (12), 6 mg (12) oder 60 mg (14) desselben Extrakts täglich über denselben Zeitraum; die Veränderung des IPSS unterschied sich an den Wochen 4 und 8 statistisch signifikant zwischen den Gruppen, ohne Veränderung von maximalem Harnfluss, Restharnvolumen, Prostatavolumen oder PSA-Werten, das Abstract nennt keine Effektmaße je Einzelvergleich; die Autoren empfehlen aus dieser Studie 6 mg täglich als Dosis [28]. Beide Studien setzen einen speziell auf eine starke 5-alpha-Reduktase-Hemmung selektierten Ethanolextrakt ein, dessen Dosis mit 6 mg täglich rund drei Größenordnungen unter den in Gramm-Mengen dosierten Fruchtkörperpulvern, Polysaccharid-Extrakten und dem Sporenöl der übrigen Studien in diesem Eintrag liegt und sich damit nicht auf diese Zubereitungen übertragen lässt. Die größere der beiden Studien ist die einzige Wirkung in diesem Eintrag, bei der ein primärer Endpunkt mit einem engen, statistisch signifikanten Konfidenzintervall belegt ist, beide Studien stammen jedoch von derselben Arbeitsgruppe mit demselben proprietären Extrakt, eine unabhängige Wiederholung mit einem anders standardisierten Reishi-Präparat liegt uns nicht vor, weshalb die Stufe bei Hinweise bleibt.
Studien im Detail
Herz-Kreislauf- und Stoffwechselwerte
Die umfangreichste Datenlage zu Reishi betrifft Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, zusammengefasst in einer Cochrane-Übersichtsarbeit, die 5 Studien mit 398 Teilnehmenden registrierte, von denen aber nur 3 auswertbare Daten lieferten: Chu 2012 (26 randomisiert, 23 auswertbar), Wang 2008 (50 randomisiert, 46 auswertbar) und Klupp 2014 (84 Teilnehmende), alle mit für einen Typ-2-Diabetes typisch erhöhtem Blutzucker. Für HbA1c weichen die im Abstract genannte Zahl (minus 0,10 Prozentpunkte, minus 1,05 bis 0,85) und die im Ergebnisteil und der Analysetabelle derselben Übersicht genannte Zahl (minus 0,07 Prozentpunkte, minus 0,57 bis 0,42) voneinander ab, das engere, verlässlichere Intervall schließt eine Senkung über rund 0,57 Prozentpunkte hinaus aus. Der Nüchternblutzucker (Klupp allein) fiel an allen drei geprüften Zeitpunkten numerisch zuungunsten von Reishi aus, nach 24 Wochen war zudem das HbA1c statistisch signifikant zugunsten von Placebo verschoben. Der postprandiale Blutzucker aus der Wang-Studie ergab ein uneinheitliches Bild zwischen zwei verschiedenen Messzeitpunkten, einmal signifikant zugunsten Placebo, einmal signifikant zugunsten Reishi, wobei dieselbe Studie für den Nüchternblutzucker wegen eines Datenfehlers aus der Analyse ausgeschlossen wurde. In der separat berichteten Chu-Studie waren Nüchterninsulin und der Insulinresistenz-Index unter Reishi niedriger als unter Placebo, ohne im Abstract genanntes Effektmaß. Die Cochrane-Autoren schreiben im Ergebnisteil zweimal ausdrücklich, es habe sich kein Effekt auf die primären Endpunkte gezeigt und die Evidenz stütze die Anwendung von Reishi bei Herz-Kreislauf-Risikofaktoren nicht; in einem separaten Abschnitt zur Studienqualität halten sie zusätzlich fest, wegen methodischer Einschränkungen lasse sich kein belastbares Urteil zu Konsistenz, Größe und Richtung der Effekte fällen. Für Nüchtern- und Langzeitblutzucker werten wir dies in der Summe als nicht bestätigten Effekt, nicht als offene Frage.
Für Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin wurden die Daten von Chu 2012 und Klupp 2014 gemeinsam ausgewertet, hier ist Chu also Teil der Cochrane-Datengrundlage und kein unabhängiger dritter Beleg. Für den Blutdruck stammt die Cochrane-Auswertung dagegen allein aus Klupp 2014, mit drei unterschiedlich weiten Konfidenzintervallen; die 8- und 24-Wochen-Werte sind sehr breit, darunter eines mit einer Spannweite von rund 70 mmHg, der 16-Wochen-Wert dagegen eng genug, um eine spürbare Senkung an diesem Zeitpunkt weitgehend auszuschließen. Chu 2012 blieb hier wegen teils normwertiger Ausgangswerte protokollgemäß außen vor und berichtet für seine eigene Kohorte separat ebenfalls keinen Effekt auf den Blutdruck, allerdings auch für Triglyzeride und HDL-Cholesterin ein eigenes, nur in der ersten von zwei Studienperioden beobachtetes Bild, für das kein direkter statistischer Gruppenvergleich berichtet wird. Eine Pilotstudie an 64 Frauen mit chronischer, großflächiger Schmerzempfindlichkeit fand nach 6 Wochen mit 6 g täglich Fruchtkörperpulver gegenüber einer Vergleichsgruppe mit Johannisbrotmehl ebenfalls keinen Effekt auf Blutzucker, Blutfette oder Blutdruck.
Dem gegenüber steht eine neuere, randomisierte, plazebokontrollierte Studie von Wang und Kollegen an 110 Personen mit gezielt grenzwertig erhöhten Triglyzeriden, in der ein chemisch andersartiges Sporenöl-Präparat (3,0 g täglich, rund 1,011 g Gesamttriterpene) nach 12 Wochen die Triglyzeride deutlich senkte; Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin unterschieden sich ebenfalls signifikant von Placebo, hier lag der Effekt jedoch überwiegend an einem Anstieg in der Placebogruppe, beide Werte waren bei Studienbeginn ohnehin nahe am Normbereich. HDL-Cholesterin stieg gegenüber Placebo ebenfalls signifikant. Sporenöl gilt als überwiegend fettsäure-, triglycerid- und sterolhaltige, an Polysacchariden ärmere Zubereitung; die Studie selbst gibt unter Verweis auf eine weitere Arbeit an, ihr Triterpenoid-Gehalt liege deutlich über dem von Sporenpulver, eine eigene vergleichende Messung ist das nicht. Zur allgemeineren Annahme, Sporen enthielten grundsätzlich höher konzentrierte Wirkstoffe als der Fruchtkörper, hält die Cochrane-Übersicht dagegen fest, dies sei durch Forschung nicht belegt. Der Unterschied zu den Fruchtkörper-Studien fällt außerdem mit der Ausgangslage zusammen, die Sporenöl-Studie schloss gezielt Menschen mit grenzwertig erhöhten Triglyzeriden ein, mehrere der anderen Kohorten nicht.
Zusatz zu einer Krebstherapie
Eine zweite Cochrane-Übersichtsarbeit wertete 5 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 373 ausgewerteten Personen aus, alle ausschließlich aus der chinesischen Bevölkerung, zu Reishi bei Menschen mit einer Krebserkrankung unter laufender Chemo- oder Strahlentherapie. Das Tumor-Ansprechen wurde nur in Studien zu Lungenkrebs erfasst, und nur 2 von 5 Studien lieferten dafür auswertbare Daten; wer Reishi zusätzlich zur Therapie erhielt, sprach danach häufiger an (Risikoverhältnis 1,50, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,90 bis 2,51), im Volltext ausdrücklich als statistisch nicht signifikant benannt (p gleich 0,12); das im Abstract genannte p gleich 0,02 ist nach dem Volltext ein Druckfehler. Mehrere Immunzellwerte (CD3, CD4, CD8), gepoolt aus 4 der 5 Studien, stiegen statistisch signifikant, allerdings zeigte eine der vier zugrunde liegenden Studien bei allen gemessenen Immunparametern eine gegenläufige Veränderung und trug damit wesentlich zu einer erhöhten Heterogenität dieser Auswertungen bei, ein eigener Zahlenwert dafür wird im Volltext nicht genannt. Bei der natürlichen Killerzellaktivität ist dagegen ein Wert berichtet, hier lag die Heterogenität bei I-Quadrat 94 Prozent. Die Lebensqualität war in 3 von 4 dazu ausgewerteten Studien statistisch signifikant häufiger verbessert (Risikoverhältnis 2,51, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,86 bis 3,40), in der vierten, quantitativ ausgewerteten Studie nicht statistisch signifikant. Nebenwirkungen erfasste nur eine der 5 Studien, dort traten unter Reishi Übelkeit und eine Schlafstörung auf. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien war laut den Autoren durchgehend unbefriedigend, kein Langzeitüberleben wurde erfasst, und die Cochrane-Autoren selbst schreiben, die Evidenz rechtfertige Reishi nicht als Erstlinientherapie; im unmittelbar folgenden Satz halten sie jedoch fest, Reishi könne als ergänzendes Mittel zu einer konventionellen Behandlung in Betracht gezogen werden. Eine kleinere, unkontrollierte Studie ohne Placebo-Arm an Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung fand nach 12 Wochen täglich 5,4 g eines Polysaccharid-Extrakts (Ganopoly) einen Anstieg mehrerer Immunwerte gegenüber dem Ausgangswert, ohne Placebo-Kontrolle lässt sich ein reiner Zeiteffekt nicht ausschließen.
Harnwegsbeschwerden
Noguchi und Kollegen prüften in zwei randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studien einen auf 5-alpha-Reduktase-Hemmung selektierten Reishi-Ethanolextrakt bei Männern mit leichten bis mittelschweren unteren Harnwegsbeschwerden. In der größeren der beiden Studien (88 Männer, 12 Wochen) sank der Internationale Prostata-Symptom-Score unter 6 mg Extrakt täglich statistisch signifikant stärker als unter Placebo, mit einem für diesen Eintrag ungewöhnlich engen Konfidenzintervall (minus 1,18 Punkte, minus 1,74 bis minus 0,62); Harnfluss, Restharn, Prostatavolumen sowie PSA- und Testosteronwerte veränderten sich nicht [27]. Eine kleinere, dosisfindende Studie derselben Gruppe (50 Männer) fand ebenfalls signifikante Gruppenunterschiede beim Symptom-Score, ohne im Abstract genannte Einzelvergleiche, und empfiehlt aus ihren Daten dieselbe 6-mg-Dosis [28]. Diese 6 mg liegen rund drei Größenordnungen unter allen übrigen in diesem Eintrag geprüften Reishi-Mengen und stammen aus einem eigens auf ein einzelnes Wirkprinzip selektierten Extrakt; beide Studien sind zudem von derselben Arbeitsgruppe, eine unabhängige Wiederholung fehlt.
Erschöpfung, Wohlbefinden und körperliche Leistungsfähigkeit
Die bislang größte und am klarsten positive Einzelstudie zu Reishi betrifft eine nach ICD-10-Kriterien diagnostizierte Neurasthenie. In dieser randomisierten, doppelblinden Studie an 132 Teilnehmenden (123 auswertbar) senkte ein hochdosierter Polysaccharid-Extrakt (Ganopoly, 5,4 g täglich) über 8 Wochen sowohl die klinisch eingeschätzte Beschwerdeschwere als auch die selbst berichtete Erschöpfung stärker als Placebo, das selbst eingeschätzte Wohlbefinden stieg ebenfalls stärker; ein enger gefasster Vergleich der Besserungsraten fiel mit p gleich 0,002 noch deutlicher aus. Eine unabhängige Wiederholung dieser Studie liegt uns nicht vor. Eine zweite, kleinere, als Cross-over bezeichnete Studie an Männern mit einer chronischen, mehrere Körpersysteme betreffenden Beschwerdesymptomatik nach einem früheren Militäreinsatz fand dagegen unter der höheren der beiden geprüften Reishi-Dosen (1600 beziehungsweise 3200 mg täglich eines standardisierten Extrakts) eine gegenüber Placebo signifikant höhere, also ungünstigere Beschwerdeschwere; die Phasenreihenfolge (Placebo, dann niedrigere, dann höhere Dosis) war dabei nicht randomisiert, und die Autoren selbst sind wegen eines für diese Teilgruppe untypisch ausbleibenden Placebo-Effekts mit dem Schluss zurückhaltend, Reishi könne die Beschwerden verschlimmern. Beide Studien betreffen unterschiedliche Personengruppen und Zubereitungen und lassen sich nicht direkt gegeneinander abwägen.
Zwei kleinere Studien untersuchten körperliche Leistungsfähigkeit. Bei jungen, gesunden Studentinnen unterschied sich die Gruppe mit 1000 mg Reishi täglich über 30 Tage am Studienende von der Placebo-Gruppe bei Herzfrequenz, maximaler Sauerstoffaufnahme, körperlicher Arbeitskapazität und Griffkraft [8], dazu kommen mehrere im Abstract nicht eindeutig einer Vergleichsgruppe zugeordnete Verbesserungen bei Angst, depressiven Symptomen, Vitalität und Wohlbefinden [8]. Eine größere, randomisierte Studie an 96 gesunden Sportstudierenden fand für ein Kombinationspräparat aus Reishi und Cordyceps sinensis dagegen keinen Effekt auf dieselbe maximale Sauerstoffaufnahme, wegen der Kombination mit einem zweiten Pilz kein eigenständiger Beleg gegen Reishi allein, aber ein Hinweis darauf, dass ein größerer Studienzuschnitt zum selben Endpunkt keinen Effekt fand [24]. Bei Frauen mit chronischer Schmerzempfindlichkeit verbesserten sich innerhalb der Reishi-Gruppe unter 6 g täglich über 6 Wochen aerobe Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit gegenüber dem eigenen Ausgangswert, während sich die Vergleichsgruppe mit Johannisbrotmehl in keinem Test besserte, ein direkter statistischer Vergleich zwischen beiden Gruppen wird im Abstract nicht berichtet [7]. Alle drei Studien sind Einzelbefunde ohne unabhängige Wiederholung mit reinem Reishi-Extrakt.
Antioxidative Kapazität und Leberwerte bei Menschen mit leicht erhöhten Leberwerten
Chiu und Kollegen fanden in einer Cross-over-Studie an 42 Personen mittleren Alters mit leicht erhöhten Leberwerten und Fettleber (39 auswertbar; der Titel der Arbeit spricht von "gesunden Freiwilligen", der Methodenteil beschreibt jedoch eine gezielt auf leichte Leberfunktionsstörung selektierte Stichprobe), dass innerhalb der Gruppe mit einer niedrig dosierten, über 6 Monate eingenommenen Kombination aus Triterpenen und Polysacchariden (225 mg täglich) mehrere Blutwerte des antioxidativen Status gegenüber dem eigenen Ausgangswert stiegen und zwei Marker für oxidative Zell- und DNA-Schäden sanken, während sich in der Placebo-Gruppe im selben Zeitraum keiner dieser Werte änderte; ein direkter statistischer Vergleich zwischen beiden Gruppen wird für diese Werte an keiner Stelle berichtet. Gleichermaßen sanken innerhalb der Reishi-Gruppe die Leberenzyme GPT und GOT gegenüber dem Ausgangswert (rund 42 beziehungsweise 25 Prozent, aus Tabelle 4 errechnet), und bei zwei Teilnehmenden mit anfangs leichter Fettleber sowie einem weiteren mit einem Gallenblasenpolypen normalisierte sich der Ultraschallbefund. Die Autoren selbst benennen die Beschränkung auf leichte Leberfunktionsstörungen als Grund, warum sich aus der Studie kein abschließender Schluss ziehen lasse. Es handelt sich um eine einzelne Studie mit einem spezifisch standardisierten Extrakt und ohne berichteten Gruppenvergleich, das Ergebnis lässt sich nicht auf andere Reishi-Zubereitungen oder auf gesunde Personen übertragen.
Immunzell-Marker bei gesunden Menschen
Zwei kleine Studien an nicht krebskranken Menschen fanden keine eindeutigen Effekte auf Immunzellzahlen. Bei gesunden Erwachsenen unter kurzzeitiger, hoher Dosierung stieg die Zahl natürlicher Killerzellen numerisch, ohne statistische Signifikanz. Bei 40 Fußballspielern unter Höhentraining, aufgeteilt in eine Kontrollgruppe ohne Sauerstoffmangel-Protokoll sowie drei mit dem Protokoll (Placebo, 10 oder 20 Reishi-Kapseln täglich, ohne Milligramm-Angabe), milderte die Gruppe mit 20 Kapseln täglich einen belastungsbedingten Abfall des CD4/CD8-Verhältnisses gegenüber der Placebo- und der 10-Kapsel-Gruppe tendenziell ab, ohne statistische Signifikanz; nur 20 der 40 Teilnehmenden erhielten damit überhaupt Reishi.
Tier- und Laborstudien
Zur Hautalterung liegen ausschließlich Zellkultur-, Mäuse- und Ratten-Daten vor, keine Humanstudie mit oraler Einnahme. Ein Polysaccharid-Extrakt schützte menschliche Hautfibroblasten in Zellkultur vor UVB-bedingter Zellalterung. Ein Reishi-Extrakt verringerte in Zellkultur und in einem Mäuse-Modell mit UVA-Bestrahlung mitochondrialen Stress und UV-bedingte Hautveränderungen. Eine topisch aufgetragene Mikroemulsion mit einem Reishi-Glykoprotein verringerte bei UV-bestrahlten Ratten Hautrötung und Gewebeschäden. Aus keiner dieser Arbeiten folgt eine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmaß sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme beim Menschen einstellt, zumal keine der drei Arbeiten überhaupt eine orale Aufnahme prüft.
Zum plättchenhemmenden Wirkprinzip liegt eine Laborarbeit an isolierten menschlichen Blutplättchen vor, in der ein einzelner Reishi-Triterpen-Wirkstoff (Ganodersäure S) die plättchenhemmende Wirkung von Prostaglandin E1 verstärkte. Diese Arbeit zeigt ein pharmakologisch plausibles Wirkprinzip an isolierten Zellen im Reagenzglas, keine Aussage zur Wirkung eines vollständigen, oral eingenommenen Extrakts, siehe dazu die Humanstudie im Sicherheitsteil.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Blutgerinnung: Der isolierte Triterpen-Einzelstoff Ganodersäure S aus Reishi verstärkte im Reagenzglas an menschlichen Blutplättchen die Thrombozytenhemmung, ein pharmakologisch plausibles Wirkprinzip [14]. Die bislang einzige von uns gefundene, gezielt auf die Blutgerinnung ausgelegte Humanstudie mit oraler Einnahme fand bei 40 gesunden Erwachsenen unter 1,5 g Reishi täglich über 4 Wochen jedoch keine statistisch signifikante Beeinträchtigung von Gerinnungsstatus, Fibrinogen, von-Willebrand-Faktor-Aktivität oder zwei Globaltests der Gerinnung gegenüber Placebo, alle Werte blieben im Normbereich [12]. Die Studienautoren schließen daraus, dass Reishi bei ansonsten gesunden Menschen das Blutungsrisiko vor einer Operation wahrscheinlich nicht erhöht [12]. Eine ältere Fallserie an 5 Personen mit Bluterkrankheit fand ebenfalls keine veränderte Thrombozytenaggregation unter einem Reishi-Rohextrakt [13]. Diese Humanbefunde stammen aus einer einzigen kleinen, kurzen (4 Wochen) Studie an ausschließlich gesunden Personen ohne gleichzeitige gerinnungshemmende Medikation [12]. Wegen des pharmakologisch plausiblen Wirkprinzips einzelner Reishi-Inhaltsstoffe an Blutplättchen [14] und wegen der begrenzten Größe und Dauer der einzigen entlastenden Humanstudie [12] ist bei bestehender Einnahme gerinnungshemmender oder blutplättchenhemmender Medikamente sowie vor einer geplanten Operation ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Leber: Zwei Fallberichte beschreiben eine schwere Leberschädigung im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Reishi-Präparaten. Eine Publikation beschreibt einen tödlichen Fall von fulminanter Hepatitis und verweist auf einen früheren Fall von Hepatotoxizität. Bei beiden Personen trat die Leberschädigung ein bis zwei Monate nach dem Wechsel von traditionell gekochtem Reishi auf eine Pulverform auf; beide nahmen gleichzeitig weitere Arzneimittel ein [18]. Aus dem verfügbaren Abstract lässt sich nicht bestätigen, ob es sich dabei um Sporenpulver oder eine andere Pulverform handelte [18]. Ein zweiter Fallbericht beschreibt bei einer Person unter Reishi-Einnahme eine Bluteosinophilie mit Leberknoten, die sich nach Absetzen des Präparats vollständig zurückbildeten [22]. Dem stehen die oben beschriebenen Ergebnisse einer kontrollierten Studie gegenüber, in der eine niedrige Dosis eines standardisierten Extrakts über 6 Monate die Leberwerte von Teilnehmenden mit leicht erhöhten Leberwerten und Fettleber eher verbesserte, die Autoren selbst bezeichnen diese Studie wegen der Beschränkung auf leichte Leberfunktionsstörungen als in ihrem Schluss unbestimmt [9]. Eine schwere Leberschädigung durch Reishi scheint danach selten und möglicherweise idiosynkratisch aufzutreten, aus zwei Fallberichten lässt sich keine Häufigkeit schätzen. Bei bestehender Lebererkrankung sowie bei gleichzeitiger Einnahme anderer leberbelastender Mittel ist Vorsicht und ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Zur allgemeinen Verträglichkeit fand die oben zitierte Cochrane-Übersicht zu Herz-Kreislauf-Risikofaktoren unter Reishi ein 1,67-fach höheres Risiko für ein leichtes, nicht schwerwiegendes Nebenwirkungsereignis gegenüber Placebo (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,86 bis 3,24), statistisch nicht signifikant [1]. Eine Sicherheitsstudie an 16 gesunden Erwachsenen unter hoher Kurzzeitdosierung (4 g täglich, 10 Tage) fand keine Unterschiede bei Blutbild, Blutchemie, Urinstatus oder Elektrokardiogramm gegenüber Placebo [11]. Von den 5 Studien der Cochrane-Übersicht zu Reishi als Zusatz zur Krebstherapie erfasste nur eine einzige überhaupt Nebenwirkungen, dort traten unter Reishi 3 Episoden auf, 2 Fälle von Übelkeit und ein Fall von Schlafstörung [2].
Schlaf: Zu einem eigenständig schlaffördernden Effekt, wie er Reishi in mehreren narrativen, nicht auf einzelne Humanstudien gestützten Übersichtsarbeiten zugeschrieben wird, haben wir keine gezielte kontrollierte Humanstudie gefunden [26]. Zwei Befunde deuten eher in die Gegenrichtung: In der oben genannten Krebstherapie-Übersicht war Schlafstörung eine der wenigen erfassten Nebenwirkungen unter Reishi [2]. In einer als Cross-over bezeichneten Studie an Männern mit einer chronischen, mehrere Körpersysteme betreffenden Beschwerdesymptomatik nach einem früheren Militäreinsatz war die höhere der beiden geprüften Reishi-Dosen (1600 beziehungsweise 3200 mg täglich, in fester statt randomisierter Reihenfolge nach Placebo und niedrigerer Dosis eingenommen) mit einer gegenüber Placebo signifikant höheren Beschwerdeschwere verbunden, Schlaf wurde darin nicht als eigener Endpunkt ausgewiesen; die Autoren selbst sind wegen eines für diese Teilgruppe untypisch ausbleibenden Placebo-Effekts mit der Schlussfolgerung, Reishi verschlimmere die Beschwerden, zurückhaltend, halten dies aber für möglich [23]. Beide Befunde stammen aus kleinen Studien an klinisch vorbelasteten Personengruppen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf gesunde Personen übertragen, sie sprechen aber gegen eine unbesehene Übernahme der traditionellen Zuschreibung.
Quellen zum Nachlesen
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A Placebo-Controlled, Pseudo-Randomized, Crossover Trial of Botanical Agents for Gulf War Illness, Reishi Mushroom (Ganoderma lucidum), Stinging Nettle (Urtica dioica), and Epimedium (Epimedium sagittatum).
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Effect of an extract of Ganoderma lucidum in men with lower urinary tract symptoms: a double-blind, placebo-controlled randomized and dose-ranging study.
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Bei H.P.N
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