Rosmarin-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Rosmarinus officinalis (auch Salvia rosmarinus) · Rosmarin · Rosmarinblattextrakt · Rosmarinöl
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus den Blättern des Rosmarins, eines mediterranen Lippenblütlers
- Herkunft
- Mittelmeerraum, seit der Antike als Küchenkraut und in der Volksmedizin genutzt
- Wirkform in Studien
- Je nach Studie wässriger oder alkoholischer Blattextrakt zum Einnehmen, ätherisches Öl zum Einatmen oder Auftragen auf die Haut, oder isolierte Einzelstoffe wie Rosmarinsäure, Carnosolsäure/Carnosol und Ursolsäure. Die Formen sind untereinander nicht austauschbar
- Übliche Studiendosis
- Oral als Blattpulver 750 bis 6000 mg pro Tag geprüft, isolierte Ursolsäure bislang mit 150 bis 450 mg pro Tag, ein zusätzlicher Studienarm setzte statt isolierter Ursolsäure einen Loquat-Blattextrakt mit 50,9 mg Ursolsäure ein, ätherisches Öl ohne einheitliche Dosisangabe
- Sonstige Verwendung
- Rosmarinextrakt ist als Lebensmittelzusatzstoff E392 zur Haltbarkeitsverlängerung von Fetten zugelassen. Das ist eine Wirkung im Produkt, keine Wirkung am Menschen
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien meist gut vertragen. Sicherheitshinweise zu Schwangerschaft und Epilepsie stehen im Abschnitt Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Gedächtnis und Aufmerksamkeit bei oraler Einnahme, uneinheitlich je nach Dosis, Dauer und Zubereitung
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten Cross-over-Studie an 28 gesunden älteren Erwachsenen verbesserte die niedrigste geprüfte Dosis von 750 mg getrocknetem Rosmarinblattpulver das Gedächtnistempo gegenüber Placebo (p=0,01), während die höchste Dosis von 6000 mg es gegenüber Placebo signifikant verschlechterte (p<0,01) [1]. Eine placebokontrollierte Studie an 40 Erwachsenen mit 1,7 g Rosmarinkapseln, Geruch durch Nasenklammer ausgeschaltet, fand dagegen keinen signifikanten Unterschied zu Placebo bei Daueraufmerksamkeit, Motivation oder Energie- und Erschöpfungsgefühl [2]. Eine dritte Studie an 80 gesunden Erwachsenen mit 250 Millilitern eines Rosmarinextrakt-Wassers fand gegenüber reinem Wasser kleine, statistisch signifikante Verbesserungen bei einzelnen kognitiven Teilmaßen, aber keine durchgehende Wirkung. Die Autoren selbst ordnen den Befund in die Nähe der bekannten Effekte beim Einatmen des ätherischen Öls ein [3]. Diese drei Studien prüften jeweils nur eine einzelne Einnahme. Gesucht mit rosemary und memory, ein zusätzlicher Treffer, den eine frühere Suche mit rosemary und cognitive function nicht fand, eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 68 Studierenden mit 500 mg Rosmarinkapseln zweimal täglich über einen Monat, insgesamt 1000 mg pro Tag und damit näher an einer für Nahrungsergänzung üblichen Tagesmenge als die Einmalgaben der anderen drei Studien. Nach Angabe des Abstracts sank die Zahl erinnerter Gedächtnisfehler, sowohl prospektiv als auch retrospektiv erfasst, in der Rosmarin-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe signifikant. Die Auswertung stützt sich hier auf die Studienzusammenfassung (Abstract), das Abstract nennt weder Zahlenwerte noch p-Werte noch das genaue Verfahren für den Gruppenvergleich [27]. Die orale Datenlage bleibt insgesamt uneinheitlich, mit einem durchgehend positiven Befund nur in dieser einen, länger dauernden Studie
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02
Angst und Schlafqualität bei oraler Einnahme über einen Monat, einzelne Studie ohne zugänglichen Volltext
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Studie [27] erhob neben dem Gedächtnis auch Angst, Depressivität und Schlafqualität, mit der Hospital Anxiety and Depression Scale und dem Pittsburgh-Schlafqualitätsindex, jeweils vor und nach einem Monat 500 mg Rosmarinkapseln zweimal täglich gegen Placebo bei 68 Studierenden. Nach Angabe des Abstracts sanken alle erfassten Werte und Teilwerte in der Rosmarin-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe signifikant, mit Ausnahme der Schlaflatenz und der Schlafdauer als Teilwerte des Schlafqualitätsindex, für die keine signifikante Verringerung berichtet wird. Die Auswertung stützt sich hier auf die Studienzusammenfassung (Abstract), weder Effektgrößen noch p-Werte noch das genaue Verfahren für den Gruppenvergleich lassen sich damit prüfen, und es handelt sich um eine einzelne Studie ohne unabhängige Wiederholung. Für eine mögliche beruhigende Wirkung beim Einatmen des ätherischen Öls, einer anderen Aufnahmeform mit eigener Studienlage, siehe die eigene Zeile
Quellen: 27
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03
Gedächtnisqualität und -tempo beim Einatmen des ätherischen Öls, gegenläufig in einer Studie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Gesucht mit den Begriffen rosemary und aromatherapy cognitive, zwei Treffer. Der erste ist die einzige Studie, die reines Rosmarinaroma gegen eine geruchsfreie Kontrolle prüft, statt gegen ein anderes Aroma. 144 gesunde Erwachsene wurden per Zufall einer Rosmarin-, einer Lavendel- oder einer geruchsfreien Kontrollbedingung zugeteilt und bearbeiteten anschließend eine computergestützte Testbatterie. Gegenüber der Kontrolle verbesserte sich unter Rosmarinduft die Gesamtqualität des Gedächtnisses, insbesondere das sekundäre Gedächtnis, gleichzeitig verschlechterte sich die Gedächtnisgeschwindigkeit gegenüber derselben Kontrolle [4]. Der zweite Treffer, eine randomisierte Arbeit von 2024 mit separater Rosmarin-, Lavendel- und Kontrollgruppe bei älteren Menschen, nennt in den Methoden mit einfaktorieller ANOVA sowie Mann-Whitney-U-/Kruskal-Wallis-Test zwei Verfahren für Gruppenvergleiche, berichtet im Abstract aber nur Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb jeder Gruppe, kein Ergebnis eines Vergleichs zwischen den Gruppen nach der Intervention; die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Sie trägt deshalb nichts zur Einordnung bei [26]
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04
Haarzahl und Kopfhautzustand bei äußerlicher Anwendung des Öls, kein Unterschied zu Minoxidil, kein Vergleich gegen Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Gesucht mit rosemary oil und hair growth, ein Treffer, zusätzlich die Einschlussliste einer Netzwerk-Meta-Analyse zu Behandlungen bei Haarausfall durchgesehen [6]. Danach ist dies die einzige randomisierte Studie mit reinem Rosmarinöl bei Haarausfall bei Männern. Rosmarinöl wurde über 6 Monate zweimal täglich gegen Minoxidil 2 Prozent verglichen, je 50 Teilnehmer pro Gruppe, ohne Placebo-Arm. Nach 6 Monaten stieg die Haarzahl in beiden Gruppen gegenüber dem Ausgangswert signifikant an, ohne Unterschied zwischen Rosmarinöl und Minoxidil; auch bei trockenem Haar, fettigem Haar und Schuppen zeigte sich in keiner der beiden Gruppen eine signifikante Veränderung, Kopfhautjucken nahm in beiden Gruppen zu [5]. Ohne unbehandelte Vergleichsgruppe lässt sich daraus nicht ableiten, ob der Zuwachs auf das Öl zurückgeht oder auch ohne Behandlung eingetreten wäre. Eine vom Hersteller finanzierte, dreiarmige Studie mit Rosmarin kombiniert mit Lavendel- oder Rizinusöl gegen Kokosöl fand größere Verbesserungen bei Haarwachstumsrate, -dicke und -dichte für die Rosmarinkombinationen, hier handelt es sich aber um Kombinationspräparate mit einer Firmenangestellten als Koautorin und um einen aktiven Vergleichsarm statt eines inerten Placebos [7]
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05
Fettfreie Körpermasse unter Krafttraining mit Ursolsäure, Ergebnis zu unscharf für eine Aussage
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Keine der eingeschlossenen Studien prüft Rosmarinextrakt selbst, alle 3 hierzu beitragenden Studien gaben isolierte Ursolsäure. Von den 6 Studien und 8 Studienarmen einer Meta-Analyse zu Ursolsäure, zusammen 158 Teilnehmende, maßen 3 Studien mit zusammen 54 Teilnehmenden, alle Männer, die fettfreie Körpermasse unter Krafttraining und 400 bis 450 mg Ursolsäure pro Tag. Für diesen Marker fand sich kein Unterschied zwischen Ursolsäure und Placebo, gewichtete Mittelwertdifferenz 0,84 kg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,67 bis 3,35 kg, p=0,551, keine Heterogenität zwischen den Studien, I-Quadrat 0 Prozent [8]. Eine dieser Studien prüfte gezielt Krafttraining plus 400 mg Ursolsäure täglich über 8 Wochen bei 22 aktiven Männern und fand auch bei der Muskelkraft keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen [9]. Das gepoolte Intervall reicht jedoch bis plus 3,35 kg fettfreier Masse, ein Zuwachs dieser Größenordnung wäre unter Krafttraining deutlich bemerkbar. Nach demselben Maßstab, den wir in der Nachbarzeile anlegen, nämlich ob das Konfidenzintervall einen spürbaren Unterschied ausschließt, ist dieses Ergebnis unscharf und nicht negativ. Die Einzelstudie [9] ist mit 22 Männern für sich genommen zu klein, um daran etwas zu ändern
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06
Körpergewicht, Insulin, Triglyzeride, HDL-Cholesterin und Körperfettanteil unter Ursolsäure, kein Unterschied zu Placebo, der spürbar wäre
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Keine der eingeschlossenen Studien prüft Rosmarinextrakt selbst, alle 6 zugrunde liegenden Studien prüften isolierte Ursolsäure, bis auf einen Studienarm mit einem Loquat-Blattextrakt mit Ursolsäure-Gehalt. Dieselbe Meta-Analyse aus 6 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit 8 Studienarmen und 158 Teilnehmenden fand für Körpergewicht (gewichtete Mittelwertdifferenz minus 0,94 kg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,01 bis 0,14, p=0,087, I-Quadrat 0 Prozent), Insulin (WMD 0,16, 95-Prozent-KI minus 1,14 bis 1,47, p=0,806, I-Quadrat 0 Prozent), Triglyzeride (WMD 1,67 mg/dl, 95-Prozent-KI minus 13,37 bis 16,71, p=0,827, I-Quadrat 0 Prozent) und HDL-Cholesterin (WMD 0,03 mg/dl, 95-Prozent-KI minus 3,18 bis 3,25, p=0,981, I-Quadrat 0 Prozent) keinen signifikanten Unterschied zwischen Ursolsäure und Placebo, bei durchweg niedriger Heterogenität zwischen den Studien. Für den Körperfettanteil war die Heterogenität zwischen den Studien zwar sehr hoch, I-Quadrat 77,1 Prozent, p=0,002, das Konfidenzintervall selbst ist dabei aber eng, gewichtete Mittelwertdifferenz minus 0,49 Prozentpunkte, 95-Prozent-KI minus 1,61 bis 0,62. Selbst am günstigen Rand dieses Intervalls liegt die Verringerung bei höchstens 1,61 Prozentpunkten, das liegt unterhalb dessen, was sich als Veränderung der Körperzusammensetzung bemerkbar machen würde. Anders als beim Blutdruck und den beiden anderen Markern in der Nachbarzeile, dort auch mit ebenfalls hoher Heterogenität, schließt das Intervall hier einen spürbaren Effekt praktisch aus, deshalb zählen wir den Körperfettanteil zu dieser Zeile und nicht zur unscharfen. Die Dosis reichte von 150 bis 450 mg Ursolsäure pro Tag, ein Studienarm speiste die Analyse stattdessen mit einem Loquat-Blattextrakt mit 50,9 mg Ursolsäure
Quellen: 8
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07
Body-Mass-Index, Taillenumfang, Blutdruck und Nüchternblutzucker unter Ursolsäure, Ergebnisse zu unscharf für eine Aussage
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Keine der eingeschlossenen Studien prüft Rosmarinextrakt selbst, alle zugrunde liegenden Studien prüften isolierte Ursolsäure, bis auf einen Studienarm mit einem Loquat-Blattextrakt mit Ursolsäure-Gehalt. Für die Auswahl dieser Zeile zählt nicht die Heterogenität zwischen den Studien allein, I-Quadrat misst nur, wie uneinheitlich die Einzelstudien untereinander sind, nicht wie unscharf der gepoolte Schätzer selbst ist. Ein Marker kann eine hohe Heterogenität und trotzdem ein enges Konfidenzintervall haben, siehe die eigene Zeile zum Körperfettanteil, und umgekehrt eine niedrige Heterogenität und trotzdem ein Konfidenzintervall, das einen spürbaren Effekt nicht ausschließt, siehe den systolischen Blutdruck weiter unten. Entscheidend ist deshalb, ob das Konfidenzintervall einen Unterschied ausschließt, den jemand bemerken würde, die Heterogenität nennen wir zusätzlich, sie entscheidet aber nicht. Bei den folgenden Markern reicht das Intervall bis zu einem Wert, der spürbar wäre, und zwar Body-Mass-Index, gewichtete Mittelwertdifferenz minus 1,46 kg/m², 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 4,46 bis 1,72, I-Quadrat 91,4 Prozent, p<0,001; ein Rückgang von bis zu 4,46 kg/m² entspricht bei einer Person mittlerer Körpergröße mehreren Kilogramm Körpergewicht. Taillenumfang, WMD minus 4,08 cm, 95-Prozent-KI minus 8,91 bis 0,74, I-Quadrat 89,8 Prozent, p<0,001; ein Rückgang von bis zu 8,91 cm wäre an der Kleidung bemerkbar. Nüchternblutzucker, gepoolt aus 4 Studienarmen, WMD minus 1,93 mg/dl, 95-Prozent-KI minus 16,68 bis 12,81, I-Quadrat 91,9 Prozent, p<0,001; eine Schwankung von über 16 mg/dl in beide Richtungen liegt oberhalb dessen, was üblicherweise als relevante Veränderung des Blutzuckers gilt. Systolischer Blutdruck, WMD 0,37 mmHg, 95-Prozent-KI minus 6,21 bis 6,95, p=0,912, I-Quadrat 0 Prozent; eine Schwankung von rund 6 bis 7 mmHg in beide Richtungen liegt in einer Größenordnung, die bei Blutdruckmessungen üblicherweise als wahrnehmbarer Unterschied gilt, obwohl die Heterogenität zwischen den Studien hier niedrig ist, nicht hoch wie bei den drei vorigen Markern. Diastolischer Blutdruck, die Originalarbeit druckt an dieser Stelle ein Konfidenzintervall von 4,47 bis 6,08, beide Grenzen positiv, was den in derselben Zeile genannten Punktschätzer von 0,81 mmHg nicht einschließt und wie ein fehlendes Minuszeichen an der unteren Grenze wirkt. Wir gehen deshalb von minus 4,47 bis 6,08 aus und benennen diese Korrektur hier ausdrücklich, WMD 0,81 mmHg, 95-Prozent-KI vermutlich minus 4,47 bis 6,08, p=0,765, I-Quadrat 23,7 Prozent; auch dieses Intervall reicht bis zu einer Größenordnung, die wahrnehmbar wäre [8]. Bei allen fünf Markern lässt das Konfidenzintervall damit sowohl einen bedeutsamen Vorteil als auch einen bedeutsamen Nachteil offen, das gepoolte Ergebnis zeigt weder einen belastbaren Effekt noch widerlegt es einen. Die genannten Schwellen für Spürbarkeit sind unsere eigene, nachvollziehbar begründete Einschätzung, keine Angabe aus der Quelle selbst
Quellen: 8
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08
Blutzucker- und Fettstoffwechsel des ganzen Rosmarinextrakts, bislang nur in Zellkultur- und Tiermodellen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In Muskelzellkulturen, L6-Myotuben, steigerte Rosmarinextrakt die Glukoseaufnahme dosis- und zeitabhängig auf bis zu 184 Prozent des Kontrollwerts, ein Anstieg um 84 Prozent, nach 4 Stunden bei 5 Mikrogramm pro Milliliter, vermittelt über eine Aktivierung von AMPK [10]. Eine Übersichtsarbeit fasst weitere Tier- und Zellbefunde zu Rosmarinextrakt und seinen Phenolen bei Glukose- und Fettstoffwechsel zusammen [11]. Eine kontrollierte Humanstudie zu diesem Endpunkt mit dem ganzen Extrakt haben wir nicht gefunden, gesucht mit rosemary extract und blood glucose
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09
Antioxidative Wirkung im Körper nach oraler Einnahme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Wird verbreitet angenommen. Gesucht mit rosemary und oxidative stress, zehn Treffer, darunter eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit standardisiertem Rosmarin-Trockenextrakt allein in drei oralen Dosierungen, 100, 500 und 1000 mg pro Tag, bei 32 Frauen unter einer begleitenden ästhetischen Radiofrequenzbehandlung, die in allen vier Gruppen (0/Placebo, 100, 500, 1000 mg) gleich war, n=8 je Gruppe. Der freie Volltext zeigt, dass die Sternchen in der Ergebnistabelle keinen Vergleich gegen die Placebogruppe markieren, sondern den gepaarten Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb derselben Dosisgruppe; eine Verumgruppe wird an keiner Stelle statistisch gegen die Placebogruppe getestet. Innerhalb dieses Vorher-Nachher-Vergleichs sank die Superoxiddismutase-Aktivität sowohl bei 500 mg (von 469,0 auf 93,1) als auch bei 1000 mg (von 292,1 auf 88,7) signifikant, die Katalase-Aktivität nur bei 500 mg (von 114,4 auf 86,9), die nichtproteingebundenen Thiole stiegen nur bei 500 mg (von 559,4 auf 1263,0) signifikant. Es reagierte demnach nicht nur die mittlere Dosis, sondern bei einem von drei Markern (SOD) auch die höchste. Ein vierter erhobener Marker, die Thiobarbitursäure-reaktiven Substanzen (TBARS), ein Maß für Lipidperoxidation, veränderte sich in keiner der vier Gruppen signifikant, auch nicht in der Placebogruppe [19]. Weil kein Gruppenvergleich gegen Placebo berichtet wird, lässt sich aus den gepaarten Innerhalb-Gruppen-Tests allein nicht ableiten, ob die beobachteten Veränderungen über einen reinen Zeit- oder Messwiederholungseffekt hinausgehen. Die Studie ist zudem klein. Weitere Humanstudien zu diesem Endpunkt liegen nur zu Rosmarin in Kombination vor, etwa mit Omega-3-Fettsäuren in angereichertem Fleisch [20] oder in der Ernährung von Kindern [21], sie lassen sich nicht auf den Extrakt allein zurückführen
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10
Verdauungsfördernde und gallenflussbezogene Wirkung, bislang nur in Tier- und Gewebemodellen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Traditionell wird Rosmarin als Verdauungs- und Gallenflusshilfe genutzt. Gesucht mit Rosmarinus officinalis und digestion, kein Treffer zu einer Humanstudie mit diesem Endpunkt. Gezielt mit rosemary und bile sowie rosemary und gastrointestinal motility nachgesucht, ohne Humanfilter. Ein hydroethanolischer Rosmarinextrakt zeigte an isoliertem Meerschweinchen-Ileum und Kaninchen-Jejunum sowie in Mäusen sowohl abführende als auch krampflösende und motilitätshemmende Effekte, je nach Dosis in unterschiedliche Richtungen, vermittelt unter anderem über muskarinerge und histaminerge Rezeptoren sowie KATP-Kanäle [22]. In einem Hühnermodell veränderte Carnosolsäure, ein Rosmarin-Inhaltsstoff, als Hemmstoff des bakteriellen Enzyms Gallensalz-Hydrolase den Gallensäurestoffwechsel in Leber- und Darmgewebe [23]. Eine kontrollierte Humanstudie zu Verdauung oder Gallenfluss mit Rosmarinextrakt haben wir nicht gefunden
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UV-Schutz der Haut bei oraler Einnahme in Kombination mit Grapefruitextrakt zu gleichen Teilen, Anteil des Rosmarins nicht bezifferbar, herstellernahe Studie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Gesucht mit rosemary und oxidative stress. Eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an 20 Personen der Hauttypen I bis III prüfte eine Kombination aus Rosmarin- und Grapefruitextrakt (Nutroxsun) oral in zwei Dosen. Der Abstract nennt dafür 100 und 200 mg pro Tag, der frei zugängliche Volltext nennt in Methoden- und Ergebnisteil durchgehend 100 und 250 mg pro Tag als tatsächlich verabreichte Dosen, dem folgen wir hier. Beide Dosen reduzierten die UV-induzierte Hautrötung, a*-Wert, gegenüber Placebo und beschleunigten die Erholung; nach 24 Stunden war der Unterschied zu Placebo bei der 250-mg-Dosis signifikant (p=0,006), bei der 100-mg-Dosis erst nach 25 Stunden (p=0,02), begleitende Zell- und Gewebedaten zeigten weniger UV-bedingten Abbau von Prokollagen I und Elastin sowie weniger reaktive Sauerstoffspezies und entzündungsfördernde Interleukine [24]. Geprüft wurde ein Kombinationspräparat, kein reines Rosmarinextrakt, und vier der fünf Autorinnen und Autoren sind bei der Herstellerfirma des Extrakts angestellt. Der Volltext benennt das Prüfpräparat als Mischung von Rosmarin- und Grapefruitextrakt zu gleichen Teilen, von 250 mg entfallen also rund 125 mg auf den Rosmarinanteil, und die Arbeit begründet die Kombination ausdrücklich mit einem Zusammenwirken der Phenole beider Extrakte. Ein Studienarm mit Rosmarinextrakt allein fehlt, der Anteil des Rosmarins am beobachteten Effekt lässt sich deshalb nicht beziffern. Die Zeile trägt keine eigenständige Bejahung für Rosmarinextrakt allein
Quellen: 24
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Schläfrigkeit und Wachheit während der Nachtschicht beim Einatmen des ätherischen Öls, unmittelbar nach Anwendung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Dem ätherischen Öl wird verbreitet eine beruhigende oder schlaffördernde Wirkung zugeschrieben, siehe die eigene Zeile dazu. Die einzige dazu gefundene randomisierte Arbeit mit reinem Rosmarinöl prüfte jedoch keinen Schlaf-, Angst- oder Beruhigungsendpunkt, sondern Schläfrigkeit und Wachheit während einer laufenden Nachtschicht, unmittelbar nach der Anwendung, bei 80 randomisiert zugeteilten Pflegekräften, die entweder einen Tropfen Rosmarinöl oder destilliertes Wasser über eine Maske einatmeten. Beide Gruppen füllten vor und nach der Intervention den Karolinska-Schlaffragebogen und die Epworth-Schläfrigkeitsskala aus; welcher der beiden berichteten Werte zu welchem der beiden Fragebögen gehört, benennt der Abstract nicht. Der als Schläfrigkeit bezeichnete Wert sank in der Rosmarin-Gruppe von 12,15 auf 8,3 und stieg in der Kontrollgruppe von 11,41 auf 13,76, der als Wachheit bezeichnete Wert sank in der Rosmarin-Gruppe von 4,45 auf 3,25 und stieg in der Kontrollgruppe von 4,41 auf 5,34, beides p<0,001 [25]. Dass der als Wachheit bezeichnete Wert unter Rosmarin sinkt, während die Autoren den Befund als gesteigerte Wachheit beschreiben, lässt sich aus den berichteten Zahlen allein nicht ohne Weiteres nachvollziehen, wir lösen diesen Widerspruch nicht auf, sondern benennen ihn. In der Tendenz sprechen die Zahlen für einen anregenden statt beruhigenden Effekt des Duftes während der Nachtarbeit. Das Ergebnis lässt sich aber nicht auf einen Schlaf- oder Beruhigungsendpunkt am Abend übertragen, dafür siehe die eigene Zeile
Quellen: 25
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Beruhigende oder angstlösende Wirkung beim Einatmen des ätherischen Öls, eine randomisierte Studie vor einer Operation
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Verbreitete Zuschreibung. Gesucht mit rosemary und anxiety sowie gezielter mit rosemary essential oil und anxiety, ein Treffer. Eine randomisierte, kontrollierte Studie an 236 Personen vor einer geplanten Bauchoperation prüft diesen Endpunkt direkt, in vier Gruppen zu je 59 Personen, Einatmen von reinem Rosmarinöl, Musiktherapie über Kopfhörer, eine Kombination aus beidem, und eine Kontrollgruppe, die statt Rosmarinöl drei Tropfen eines aromatischen Placebos einatmete. Angst wurde mit dem Spielberger-State-Angstinventar erfasst, für Gruppenvergleiche wurden laut Methodenteil unter anderem eine einfaktorielle Varianzanalyse und ein LSD-Post-hoc-Test eingesetzt. Nach Angabe des Abstracts sank die Angst in allen drei aktiven Armen signifikant, Rosmarin-Gruppe p=0,001, Musiktherapie-Gruppe p<0,001, Kombinationsgruppe p=0,001, wobei laut Abstract die Rosmarin-Gruppe den stärksten Rückgang der Angst zeigte und die Kombinationsgruppe den geringsten. Die Auswertung stützt sich hier auf die Studienzusammenfassung (Abstract), weshalb sich nicht prüfen lässt, gegen welchen genauen Vergleich sich diese p-Werte richten, doch setzt eine berichtete Rangfolge zwischen mehreren Gruppen einen tatsächlichen Gruppenvergleich voraus, keinen reinen Vorher-Nachher-Wert je Gruppe, zumal ein aromatisches statt eines geruchlosen Placebos verwendet wurde [28]. Eine Tierstudie mit demselben Aufnahmeweg liefert dazu einen passenden Mechanismus, Mäuse, die reines ätherisches Rosmarinöl einatmeten, zeigten in einem Stresstest eine kürzere Unbeweglichkeitszeit und ein niedrigeres Stresshormon Kortikosteron im Blut; das Abstract benennt die genaue Kontrollbedingung dafür nicht. Der Anti-Stress-Effekt war hier die Hauptfragestellung der Arbeit, nicht ein Nebenbefund einer Studie zu einem anderen Endpunkt [29]. Eine weitere Tierstudie mit oral verabreichtem, nicht eingeatmetem hydroethanolischem Rosmarinextrakt fand bei Mäusen ebenfalls einen dosisabhängigen angstlösenden Effekt, hier allerdings als Nebenbefund einer Studie zur Darmmotilität und mit einer anderen Aufnahmeform als beim Einatmen, sie trägt deshalb nur ergänzenden, nicht direkt übertragbaren Hinweis auf einen möglichen Wirkmechanismus bei [22]. Eine randomisierte Studie mit getrennten Rosmarin-, Lavendel- und Kontrollgruppen bei 63 älteren Menschen erhob Angst und Schlafqualität ebenfalls direkt, berichtet im Abstract aber nur Vorher-Nachher-Werte innerhalb jeder Gruppe, kein Ergebnis eines Vergleichs zwischen den Gruppen nach der Intervention, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract; sie trägt deshalb nichts zur Einordnung bei [26]. Siehe auch die eigene Zeile zu Schläfrigkeit und Wachheit während der Nachtschicht, die einen anderen Endpunkt misst, und die Zeile zu Angst und Schlafqualität bei oraler Einnahme, einer anderen Aufnahmeform
Studien im Detail
Vier Zubereitungen, vier Studienlagen
Wer nach Rosmarin sucht, findet je nach Studie ganz unterschiedliche Dinge, und ihre Ergebnisse lassen sich nicht gegeneinander austauschen.
- Rosmarinsäure, eine Phenolsäure, die in praktisch allen Lippenblütlern vorkommt, etwa auch in Melisse und Salbei. Sie ist nicht rosmarinspezifisch, eine Studie zu Rosmarinsäure aus einer anderen Pflanze sagt nichts über Rosmarin aus.
- Carnosolsäure und ihr Oxidationsprodukt Carnosol, zwei fettlösliche Diterpene, denen ein Großteil der antioxidativen Wirkung im Reagenzglas zugeschrieben wird. Isolierte Humanstudien dazu haben wir nicht gefunden.
- Ursolsäure, ein pentazyklisches Triterpen. Auch sie ist nicht rosmarinspezifisch, sie kommt zum Beispiel auch in Apfelschalen vor, wird aber in standardisierten Rosmarinextrakten häufig als Wirkmarker angegeben.
- Ätherisches Rosmarinöl, meist eingeatmet oder auf Haut und Kopfhaut aufgetragen, mit hohem Anteil an Campher, 1,8-Cineol und Bornylacetat.
- Wässriger oder alkoholischer Blattextrakt beziehungsweise getrocknetes Blattpulver zum Einnehmen.
Eine Studie zum Einatmen des ätherischen Öls sagt nichts über eine Kapsel aus, und eine Studie zu Rosmarinsäure aus Melisse sagt nichts über Rosmarinextrakt aus. Die Wirkungstabelle trennt deshalb konsequent danach, welche Form jeweils geprüft wurde.
Für die Lebensmittelherstellung gibt es eine weitere, vom Menschen unabhängige Verwendung: Rosmarinextrakt ist unter der Bezeichnung E392 als Antioxidans-Zusatzstoff für Fette und Öle zugelassen, gelistet etwa in der Übersicht der britischen Lebensmittelbehörde [18]. Das schützt Fette vor dem Ranzigwerden im Produkt, es ist keine Wirkung im Körper.
Zugelassene gesundheitsbezogene Angabe: keine
Das EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben [17] ist eine interaktive Anwendung und lässt sich nicht per Skript durchsuchen. Diese Aussage stützt sich deshalb auf den bekannten Aussetzungsstatus: Gesundheitsbezogene Angaben zu pflanzlichen Stoffen sind bei der EFSA seit Jahren als Verfahren ausgesetzt und wurden nie abschließend bewertet. Das betrifft Rosmarin ebenso wie die meisten anderen Pflanzenstoffe, eine nach Verordnung (EU) 432/2012 zugelassene Angabe zu Rosmarin oder Rosmarinus officinalis ist uns nicht bekannt.
Oral eingenommen: Gedächtnis
Die Cross-over-Studie von Pengelly und Kollegen [1] testete an 28 gesunden Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren vier Dosen getrockneten Rosmarinblattpulvers (750, 1500, 3000 und 6000 mg) gegen Placebo, mit einer Woche Auswaschphase zwischen den Terminen. Bei der niedrigsten Dosis, die am nächsten an einer üblichen Gewürzmenge liegt, verbesserte sich die Gedächtnisgeschwindigkeit gegenüber Placebo, bei der höchsten Dosis verschlechterte sie sich. Bei weiteren Maßen der kognitiven Leistung zeigten sich ebenfalls signifikant nachteilige Effekte, wenn auch weniger einheitlich als beim Hauptmaß. Die Autoren selbst betonen die Biphasik des Effekts, ein Hinweis darauf, dass mehr nicht automatisch mehr Wirkung bedeutet.
Lindheimer und Kollegen [2] verglichen bei 40 jungen Erwachsenen mit unterdurchschnittlichem Energielevel eine Einzeldosis Rosmarinkapseln (1,7 g) gegen schwarzen Pfeffer und Placebo, wobei eine Nasenklammer den Geruchseffekt ausschloss. Weder bei der Daueraufmerksamkeit noch bei Energie- oder Erschöpfungsgefühl zeigte sich ein signifikanter Unterschied zu Placebo.
Moss und Kollegen [3] gaben 80 gesunden Erwachsenen einmalig 250 ml eines kommerziellen Rosmarinwassers (Extrakt plus Hydrolat) oder reines Mineralwasser. Einzelne kognitive Teilmaße verbesserten sich statistisch signifikant, insgesamt war der Effekt klein. Die Studie maß zusätzlich per Nahinfrarotspektroskopie die Sauerstoffausschöpfung im Gehirn während der Testbearbeitung, mit einem auffälligen, aber neuen Einzelbefund.
Diese drei Studien prüften jeweils nur eine einzelne Einnahme. Nematolahi und Kollegen [27] prüften stattdessen eine mehrwöchige Einnahme: 68 Studierende erhielten doppelblind über einen Monat entweder 500 mg Rosmarinkapseln oder Placebo, jeweils zweimal täglich, insgesamt 1000 mg pro Tag. Erfasst wurden Gedächtnisfehler mit dem Prospective and Retrospective Memory Questionnaire sowie, in einer eigenen Zeile behandelt, Angst, Depressivität und Schlafqualität. Nach Angabe des Abstracts sanken die Gedächtnisfehler in der Rosmarin-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe signifikant. Die Auswertung stützt sich hier auf die Studienzusammenfassung (Abstract), sodass sich weder Zahlenwerte noch das genaue Verfahren für den Gruppenvergleich prüfen lassen. Es ist die einzige uns bekannte orale Studie über einen längeren Zeitraum und mit einer für Nahrungsergänzung typischen Tagesmenge.
Eingeatmet: Gedächtnis und Stimmung
Die Studie von Moss und Kollegen aus dem Jahr 2003 [4] ist die methodisch sauberste zum reinen Einatmen: randomisiert, mit einer geruchsfreien Kontrollgruppe, 144 Teilnehmende. Der widersprüchliche Befund innerhalb derselben Studie, bessere Gedächtnisqualität bei gleichzeitig langsamerem Gedächtnistempo, macht deutlich, dass "besser fürs Gedächtnis" hier keine einheitliche Aussage ist. Eine unabhängige Wiederholung mit direktem Vergleich zwischen den Gruppen haben wir nicht gefunden. Eine 2024 veröffentlichte randomisierte Studie mit separater Rosmarin-, Lavendel- und Kontrollgruppe bei 63 älteren Menschen fand in der Rosmarin-Gruppe nach 4 Wochen gegenüber dem Ausgangswert Verbesserungen bei kognitiver Funktion, Angst und Schlafqualität, berichtet aber nur Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb der Gruppen und keinen statistischen Vergleich der Gruppen untereinander am Studienende [26]. Sie liefert damit keine unabhängige Bestätigung des Aroma-Befunds von 2003.
Eingeatmet: Angst vor einer Operation
Sayadi Mank-Halati und Kollegen [28] prüften bei 236 Personen vor einer geplanten Bauchoperation vier randomisiert zugeteilte Gruppen zu je 59 Personen: Einatmen von reinem Rosmarinöl, Musiktherapie, eine Kombination aus beidem, und eine Kontrollgruppe mit einem aromatischen statt einem geruchlosen Placebo. Angst wurde mit dem Spielberger-State-Angstinventar erfasst, für Gruppenvergleiche kamen laut Methodenteil unter anderem eine einfaktorielle Varianzanalyse und ein LSD-Post-hoc-Test zum Einsatz. Laut Abstract sank die Angst in der Rosmarin-Gruppe am stärksten von den drei aktiven Armen (p=0,001), Musiktherapie allein erzielte den insgesamt größten Rückgang (p<0,001), die Kombination aus beidem den geringsten. Die Auswertung stützt sich hier auf die Studienzusammenfassung (Abstract), die genaue Vergleichsbasis der berichteten p-Werte lässt sich damit nicht nachvollziehen. Eine Tierstudie mit demselben Aufnahmeweg [29] prüfte den Anti-Stress-Effekt des eingeatmeten Öls als Hauptfragestellung, nicht als Nebenbefund: Mäuse, die reines ätherisches Rosmarinöl einatmeten, zeigten in einem Stresstest eine kürzere Unbeweglichkeitszeit und ein niedrigeres Stresshormon Kortikosteron im Blut als unbehandelte Tiere.
Äußerlich angewendet: Kopfhaut und Haar
Panahi und Kollegen [5] verglichen bei 100 Personen mit Haarausfall über 6 Monate Rosmarinöl gegen Minoxidil 2 Prozent. Beide Gruppen gewannen an Haarzahl, ohne dass sich die Gruppen unterschieden. Häufigkeit von trockenem Haar, fettigem Haar und Schuppen veränderte sich in keiner der beiden Gruppen signifikant gegenüber dem Ausgangswert, Kopfhautjucken nahm in beiden Gruppen zu, in der Minoxidil-Gruppe häufiger. Weil kein unbehandelter oder Placebo-Arm mitlief, lässt die Studie offen, ob der Zuwachs auf das Öl zurückgeht. Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 [6] bindet genau diese eine Studie als einzigen Rosmarin-Knoten in ein größeres Vergleichsnetz mit Minoxidil, Finasterid und weiteren Wirkstoffen bei Haarausfall ein. Das erweitert nicht die Zahl unabhängiger Rosmarin-Studien, sondern ordnet dieselbe Studie in einen größeren Vergleich ein.
Eine 2025 veröffentlichte, vom Hersteller finanzierte Studie [7] prüfte Rosmarinöl in Kombination mit Lavendel- oder Rizinusöl gegen Kokosöl bei 90 Teilnehmenden über 90 Tage und fand deutliche Verbesserungen bei Wachstumsrate, Dicke und Dichte der Haare. Eine Studienautorin ist bei der Herstellerfirma angestellt, das Kokosöl als Vergleichsarm ist kein inertes Placebo, und geprüft wurde eine Kombination, kein reines Rosmarinöl. Diese Studie zählt deshalb nicht als zweiter unabhängiger Beleg zu reinem Rosmarinöl.
Ursolsäure: Körperzusammensetzung und Stoffwechsel
Die Meta-Analyse von Rafiee und Kollegen [8] wertete 6 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit 8 Behandlungsarmen und zusammen 158 Teilnehmenden aus, überwiegend mit isolierter Ursolsäure als Zusatz zu Diät oder Training. Ein Studienarm setzte stattdessen einen Loquat-Blattextrakt mit 50,9 mg Ursolsäure ein. Drei der acht Arme stammen aus derselben mexikanischen Kohorte und wurden einmal gemeinsam sowie getrennt nach Geschlecht ausgewertet, sodass die Zahl unabhängiger Stichproben kleiner ist als die Zahl der Arme. Für 7 der elf erfassten Stoffwechsel- und Körperzusammensetzungsmarker, Körpergewicht, fettfreie Körpermasse, systolischer und diastolischer Blutdruck, Insulin, Triglyzeride und HDL-Cholesterin, fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen Ursolsäure und Placebo bei niedriger bis mäßiger Heterogenität zwischen den Studien, jeweils gestützt auf einen Teil der 6 Studien. Beim diastolischen Blutdruck druckt die Originalarbeit das Konfidenzintervall mit zwei positiven Grenzen, was den eigenen Punktschätzer nicht einschließt und wie ein fehlendes Minuszeichen wirkt, wir übernehmen diese vermutliche Korrektur sichtbar benannt, siehe die Zeile dazu für die genauen Zahlen. Für vier weitere Marker, Body-Mass-Index, Taillenumfang, Körperfettanteil und Nüchternblutzucker, war die Heterogenität zwischen den Studien sehr hoch, I-Quadrat zwischen 77,1 und 91,9 Prozent. Heterogenität allein entscheidet aber nicht, ob ein Ergebnis zu unscharf für eine Aussage ist, dafür zählt die Breite des Konfidenzintervalls gegenüber einer spürbaren Differenz. Bei drei dieser vier Marker, Body-Mass-Index, Taillenumfang und Nüchternblutzucker, reicht das Intervall bis zu einem Wert, der spürbar wäre, das gepoolte Ergebnis bleibt deshalb unscharf. Beim vierten, dem Körperfettanteil, ist das Intervall trotz hoher Heterogenität eng genug, um einen spürbaren Effekt so gut wie auszuschließen, wir führen ihn deshalb bei den Markern ohne Unterschied. Keine der eingeschlossenen Studien prüfte Rosmarinextrakt. Eine der 6 eingeschlossenen Studien, Lobo und Kollegen [9], maß zusätzlich die Muskelkraft und fand auch dort keinen Zusatzeffekt zu einem hochproteinhaltigen Trainingsprogramm. Die Autoren dieser Meta-Analyse selbst verweisen auf methodische Einschränkungen bei Dosierung und Verabreichung der Einzelstudien und fordern weitere Forschung.
Tier- und Laborstudien
Zu Rosmarinextrakt insgesamt existieren umfangreiche Zell- und Tierdaten, die hier nicht als Beleg für eine Wirkung beim Menschen gelten, sondern nur den Mechanismus einordnen.
Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 15 Tierstudien mit 35 Vergleichen fand bei Nagern, unabhängig von Extraktform, Behandlungsdauer und Gedächtnistyp, verbesserte kognitive Leistungen sowohl bei gesunden als auch bei kognitiv beeinträchtigten Tieren, mit erheblicher, nicht aufgeklärter Heterogenität zwischen den Studien [15]. Das stützt einen Wirkmechanismus im Tiermodell, es überträgt sich aber aus den oben genannten Gründen nicht direkt auf die widersprüchliche Datenlage beim Menschen.
Zum Zucker- und Fettstoffwechsel steigerte Rosmarinextrakt in Muskelzellkulturen die Glukoseaufnahme über eine AMPK-Aktivierung [10], und eine Übersichtsarbeit fasst weitere zellbiologische und tierexperimentelle Befunde zu Rosmarinextrakt, Carnosolsäure, Rosmarinsäure und Carnosol beim Glukose- und Fettstoffwechsel zusammen [11]. Eine Übersicht zu Ursolsäure beschreibt zusätzlich angenommene Wirkwege auf Muskel- und Fettgewebe über Wachstumshormon, IGF-1 und mTOR, überwiegend aus Tier- und Zelldaten hergeleitet, mit nur vereinzelten menschlichen Daten [16].
Zur Verdauung und zum Gallenfluss zeigte ein hydroethanolischer Rosmarinextrakt an Mäusen sowie an isoliertem Meerschweinchen-Ileum und Kaninchen-Jejunum sowohl abführende als auch krampflösende und motilitätshemmende Effekte, je nach Dosis in unterschiedliche Richtungen [22]. In einem Hühnermodell veränderte Carnosolsäure, ein Rosmarin-Einzelstoff und kein ganzer Extrakt, als Hemmstoff der bakteriellen Gallensalz-Hydrolase den Gallensäurestoffwechsel in Leber- und Darmgewebe [23]. Eine Humanstudie zu diesem Endpunkt fehlt.
Zum Einatmen des ätherischen Öls und einem möglichen Anti-Stress-Effekt gibt es eine Tierstudie mit demselben Aufnahmeweg wie beim Menschen: Mäuse inhalierten reines ätherisches Rosmarinöl und zeigten in einem Stresstest gegenüber unbehandelten Tieren eine kürzere Unbeweglichkeitszeit und ein niedrigeres Stresshormon Kortikosteron im Blut, begleitet von einem höheren Dopaminspiegel im Gehirn; der Anti-Stress-Effekt war hier die Hauptfragestellung der Arbeit, kein Nebenbefund einer Studie zu einem anderen Endpunkt [29]. Eine weitere Tierstudie fand bei Mäusen unter oral verabreichtem, nicht eingeatmetem hydroethanolischem Rosmarinextrakt ebenfalls einen dosisabhängigen angstlösenden Effekt, dort allerdings als Nebenbefund einer Studie zur Darmmotilität [22].
Eine ältere Tierstudie an trächtigen Ratten [14] prüfte einen wässrigen Rosmarinextrakt (26 mg täglich) in zwei Zeitfenstern der Trächtigkeit. Nach Einnistung der Embryonen zeigte sich keine signifikante Zunahme von Fehlbildungen. Wurde der Extrakt vor der Einnistung gegeben, war die Rate an Verlusten vor der Einnistung höher, ohne statistische Signifikanz. Mehr dazu im Abschnitt Sicherheit.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Epilepsie und Krampfanfälle. Eine systematische Übersicht zu ätherischen Ölen und Epilepsie [12] ordnet Rosmarinöl neben Salbei-, Kampfer-, Eukalyptus- und weiteren Ölen als potenziell krampfauslösend ein, wegen der enthaltenen Ketone Campher, 1,8-Cineol und Pinocamphon. Der einzige darin referierte menschliche Einzelfall mit Rosmarinbezug betraf eine äußerliche Anwendung: Ein Krampfanfall bei einer Person mit Epilepsie nach einer Massage mit einer Ölmischung aus Meerfenchel, Strandkiefer, Sanddorn und Rosmarin, mit dem Camphergehalt des Rosmarinöls als vermutetem Auslöser. Eine ältere, unabhängige Fallserie [13] beschreibt drei sonst gesunde Personen, zwei Erwachsene und ein Kind, bei denen nach Aufnahme ätherischer Öle in Eigenanwendung ein generalisierter Krampfanfall auftrat; welche Öle im Einzelnen aufgenommen wurden, nennt der Abstract nicht. Im begleitenden Literaturüberblick derselben Arbeit wird Rosmarinöl unter elf als starke Krampfauslöser beschriebenen Pflanzenölen aufgeführt. Zur Interessenlage von [12]: Alle vier Autorinnen und Autoren sind bei einem Hersteller ätherischer Öle angestellt, die Arbeit ist von diesem Hersteller finanziert. Die Einordnung von Rosmarinöl als potenziell krampfauslösend richtet sich gegen ein naheliegendes kommerzielles Interesse dieser Publikation und ist dadurch eher stärker als schwächer zu werten.
Schwangerschaft. Traditionell gilt Rosmarin in Arzneimengen als in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Die oben genannte Tierstudie [14] fand bei bereits eingenisteten Feten keine erhöhte Fehlbildungsrate, aber einen nicht signifikanten Trend zu mehr Verlusten vor der Einnistung. Diese Tierdaten begründen keine Aussage für den Menschen, sie passen aber zur überlieferten Zurückhaltung bei Arzneimengen in der Schwangerschaft.
Allgemeine Verträglichkeit. In den ausgewerteten Humanstudien zur oralen Einnahme wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Bei äußerlicher Anwendung des Öls trat in einer Studie [5] häufiger Kopfhautjucken auf als zu Beginn der Behandlung, seltener als unter Minoxidil.
Eine belastbare Aussage zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns nicht vor. Dafür ist eine eigene Recherche nötig.
Quellen zum Nachlesen
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RCT, placebokontrolliert · 2013
Short-term effects of black pepper (Piper nigrum) and rosemary (Rosmarinus officinalis and Rosmarinus eriocalyx) on sustained attention and on energy and fatigue mood states in young adults with low energy
Lindheimer JB, Loy BD, O'Connor PJ. J Med Food
Zur Zuschreibung: 01
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RCT, herstellerfinanziert, Kombinationsprodukt, mit Erratum PMID 42318379, geprueft, das Erratum enthaelt nur den formalen Korrekturhinweis ohne inhaltliche Angaben, wir zitieren aus dieser Quelle ohnehin keine Zahl · 2025
Rosmagain as a natural therapeutic for hair regrowth and scalp health, a double-blind, randomized, three-armed, placebo-controlled clinical trial
Patel MN, et al. Cureus
Zur Zuschreibung: 04
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Tierstudie, Ratte · 1996
Study of the embryotoxic effects of an extract of rosemary (Rosmarinus officinalis L.)
Lemonica IP, Damasceno DC, di-Stasi LC. Braz J Med Biol Res
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Behördliche Quelle ·
EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben
Europäische Kommission
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RCT, placebokontrolliert, drei Dosierungen, mit begleitender Radiofrequenzbehandlung in allen Gruppen, berichtete Signifikanzen sind Vorher-Nachher-Vergleiche je Dosisgruppe, kein Test gegen Placebo · 2024
Aesthetic radiofrequency associated with Rosmarinus officinalis supplementation is safe and reduces oxidative stress in women, randomized and double-blind clinical trial
Tremêa GTF, et al. J Evid Based Integr Med
Zur Zuschreibung: 09
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Tierstudie und Studie an isoliertem Gewebe (Maus, Meerschweinchen-Ileum, Kaninchen-Jejunum), oral verabreichter hydroethanolischer Extrakt, prüft auch einen angstlösenden Endpunkt · 2024
Unraveling the multi-faceted role of Rosmarinus officinalis L. (rosemary) and diosmetin in managing gut motility
Naqvi S, et al. J Ethnopharmacol
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RCT, Cross-over, placebokontrolliert, Kombinationsprodukt aus Rosmarin- und Grapefruitextrakt zu gleichen Teilen, vier der fünf Autorinnen und Autoren bei der Herstellerfirma angestellt, der Förderhinweis nennt dagegen keine externe Förderung, Dosis laut Methoden und Ergebnissen im Volltext 100/250 mg, Abstract nennt abweichend 200 mg für die hohe Dosis · 2025
Skin photoprotection and anti-aging benefits of a combination of rosemary and grapefruit extracts, evidence from in vitro models and human study
Navarro P, et al. Int J Mol Sci
Zur Zuschreibung: 11
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RCT, Methoden nennen ANOVA und Mann-Whitney-U/Kruskal-Wallis als Gruppenvergleichsverfahren, berichtet werden im Abstract aber nur Vorher-Nachher-Vergleiche je Gruppe, Auswertung anhand des Abstracts · 2024
The effect of lavender and rosemary aromatherapy application on cognitive functions, anxiety, and sleep quality in the elderly with diabetes
Can S, et al. Explore (NY)
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RCT, doppelblind, placebokontrolliert, einzige uns bekannte orale Studie über einen Monat statt einer Einmalgabe, Auswertung anhand des Abstracts · 2018
Effects of Rosmarinus officinalis L. on memory performance, anxiety, depression, and sleep quality in university students, a randomized clinical trial
Nematolahi P, Mehrabani M, Karami-Mohajeri S, Dabaghzadeh F. Complement Ther Clin Pract
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RCT, vier Gruppen, Kontrollgruppe mit aromatischem Placebo, Auswertung anhand des Abstracts · 2024
Comparing the effects of rosemary aromatherapy and music therapy on anxiety levels in patients undergoing general surgery, a randomized controlled clinical trial
Sayadi Mank-Halati M, Rezaei M, Farzaei MH, Khatony A. Explore (NY)
Zur Zuschreibung: 13
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Tierstudie und In-vitro-Studie, Mäuse inhalierten reines ätherisches Öl, Anti-Stress-Effekt als Hauptfragestellung · 2017
Anti-stress and neuronal cell differentiation induction effects of Rosmarinus officinalis L. essential oil
Villareal MO, et al. BMC Complement Altern Med
Zur Zuschreibung: 13
Bei H.P.N
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