Rosskastanien-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Aesculus hippocastanum · Rosskastaniensamenextrakt · Horse Chestnut Seed Extract · HCSE · Aescin-Extrakt · Escin-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den Samen der Rosskastanie, standardisiert auf den Saponin-Wirkstoffkomplex Aescin (auch Escin geschrieben), meist als Kapsel oder Tablette eingenommen
Herkunft
Die Samen eines in Südosteuropa heimischen, inzwischen weltweit als Park- und Alleebaum verbreiteten Laubbaums. Rohe, unverarbeitete Samen sind für Menschen nicht zum Verzehr geeignet, verwendet wird ausschließlich der verarbeitete, auf Aescin standardisierte Extrakt
Wirkform in Studien
In den zitierten placebokontrollierten Humanstudien durchgehend ein oral eingenommener, auf einen festgelegten Aescin-Gehalt standardisierter Extrakt aus den Samen. Davon zu unterscheiden sind Rutoside, halbsynthetisch aus dem Pflanzenstoff Rutin gewonnene Verbindungen, die ein chemisch eigenständiger Wirkstoff mit eigener Studienlage sind und hier nicht als Beleg für den Samenextrakt selbst herangezogen werden, siehe Abgrenzung. Einzelne Labor- und Tierstudien prüfen den isolierten Wirkstoff Aescin statt des ganzen Extrakts
Übliche Studiendosis
Ein auf 100 bis 150 mg Aescin täglich standardisierter Extrakt, meist aufgeteilt auf zwei Einnahmen, über einen Zeitraum von 2 bis 16 Wochen in den placebokontrollierten Studien
Verträglichkeit
In der zugrunde liegenden Übersichtsarbeit über 17 Studien überwiegend mild und selten. Am häufigsten wurden Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerz und Juckreiz berichtet, in einer Erhebung nach Markteinführung bei 0,7 Prozent von über 6000 behandelten Personen

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Beinschmerz gegenüber Placebo bei Erwachsenen mit gestörtem venösem Rückfluss in den Beinen, in einer Cochrane-Übersichtsarbeit

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    In sechs von sieben placebokontrollierten Studien besserte sich der Beinschmerz gegenüber Placebo deutlich, in der einzigen Studie mit poolbaren Zahlenwerten betrug der Unterschied 42,4 Millimeter auf einer 100-Millimeter-Skala.

    Ausführlicher Nachweis

    Die zuletzt 2012 veröffentlichte Cochrane-Übersichtsarbeit wertete 17 randomisierte, kontrollierte Studien zum standardisierten Rosskastaniensamenextrakt (HCSE) bei Erwachsenen mit gestörtem venösem Rückfluss in den Beinen aus, eingeschlossen nach der Stadieneinteilung von Widmer, 82 Prozent der Teilnehmenden in den Stadien I, II oder I bis II [1]. Ihr eigener Abschnitt zum Neuen hält fest, dass seit 2005 keine neue einschließbare Studie mehr gefunden wurde und die Übersicht deshalb als stabil eingestuft ist und nur noch bei neuen Studien fortgeschrieben wird [1]. Der Studienbestand endet damit nicht im Jahr 2012, sondern im Jahr 2005. Beinschmerz wurde in sieben placebokontrollierten Studien erfasst. Sechs Studien mit zusammen 543 Teilnehmenden zeigten eine statistisch abgesicherte Schmerzminderung unter dem Extrakt gegenüber Placebo (p kleiner 0,05 auf verschiedenen Messskalen), eine weitere Studie zeigte eine Besserung gegenüber dem eigenen Ausgangswert, aber keinen ausgewiesenen Placebo-Vergleich [1]. Für eine dieser sechs Studien lagen ausreichend Zahlenwerte vor, um sie mit einer 100-Millimeter-Sehskala (VAS) auszuwerten, dort betrug die gewichtete mittlere Differenz (WMD) 42,4 mm zugunsten des Extrakts (95-Prozent-Konfidenzintervall 34,9 bis 49,9) [1]. Die übrigen fünf signifikanten Studien nutzten andere Messskalen, deren Zahlenwerte laut Übersichtsarbeit nicht in eine gemeinsame Auswertung zusammengeführt werden konnten. In der Tabelle der Auswertungen steht der Beinschmerz deshalb mit einer einzigen Studie und dem Vermerk, dass keine Gesamtwerte berechnet wurden [1]. Für den Beinschmerz liegt in dieser Arbeit also keine Meta-Analyse vor, sondern eine Auszählung von sechs Studien, die alle in dieselbe Richtung zeigen, daneben der Wert einer einzelnen Studie. Dasselbe gilt für Ödem und Juckreiz. Zusammengefasst gerechnet hat die Übersichtsarbeit allein das Beinvolumen sowie den Knöchel- und den Wadenumfang [1]. Die Übersichtsarbeit wurde durch eine britische Regierungsstelle (Chief Scientist Office, Scottish Government) finanziert, die Autoren erklären, keine Interessenkonflikte zu haben, und ein Bezug zu einem Hersteller ist nicht genannt [1]. Zur Belastbarkeit hält die Arbeit selbst zweierlei fest, und beides gehört zu jeder ihrer Zahlen. Erstens erreichten alle eingeschlossenen randomisierten Doppelblindstudien auf der fünfstufigen Jadad-Skala mindestens einen von fünf Punkten, die methodische Sorgfalt schwankte stark, nur drei Studien berichten überhaupt eine Kontrolle der Einnahmetreue, und die Mehrzahl der Studien war klein [1]. Zweitens schreibt die Arbeit im Abschnitt zu den Verzerrungsrisiken des eigenen Vorgehens ausdrücklich, wegen Veröffentlichungs- und Sprachverzerrung und wegen der Übervertretung positiver Befunde in Zeitschriften der Komplementärmedizin bestehe die Möglichkeit, dass die gefundenen Effekte zu groß ausfallen [1]. Ihre eigene Schlussfolgerung nennt den Extrakt bei kurzer Anwendung wirksam und sicher, verlangt aber im selben Satz größere und methodisch strengere Studien [1].

    Quellen: 1

  2. 02

    Beinvolumen (Wasserverdrängungsmessung) gegenüber Placebo bei Erwachsenen mit gestörtem venösem Rückfluss in den Beinen

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Über sechs zusammengefasste Studien mit 502 Teilnehmenden war das per Wasserverdrängung gemessene Beinvolumen nach der Einnahme geringer als unter Placebo.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Cochrane-Übersichtsarbeit wurde das Beinvolumen per Wasserverdrängungsmessung in sieben placebokontrollierten Studien erfasst [1]. Sechs dieser Studien mit zusammen 502 Teilnehmenden ließen sich zu einer gemeinsamen Auswertung zusammenführen und ergaben eine gewichtete mittlere Differenz von 32,1 ml zugunsten des Extrakts (95-Prozent-Konfidenzintervall 13,49 bis 50,72, standardisierte mittlere Differenz 0,34, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,15 bis 0,52) [1]. Drei Studien, die 100 mg Aescin täglich prüften, zeigten bereits nach zwei Wochen eine statistisch abgesicherte Minderung des mittleren Beinvolumens gegenüber Placebo (p kleiner 0,01) [1]. Neben dem Beinvolumen hat die Übersichtsarbeit auch die Umfänge zusammengefasst, an Knöchel und Wade jeweils drei Studien mit zusammen 80 Teilnehmenden, mittlere Differenz 4,71 Millimeter (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13 bis 8,28) am Knöchel und 3,51 Millimeter (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,58 bis 6,45) an der Wade [1]. Beinvolumen und Umfänge sind die einzigen Endpunkte dieser Arbeit, für die überhaupt über mehrere Studien gerechnet wurde. Diese Zeile steht damit auf einer anderen Grundlage als die Zeilen zu Beinschmerz und Ödem. Eine einzelne Studie mit sechswöchiger Nachbeobachtung fand das Beinvolumen am Ende dieser placebofreien Nachbeobachtungszeit ähnlich wie unmittelbar nach Behandlungsende, ein Hinweis auf einen über das Behandlungsende hinaus anhaltenden Effekt, allerdings ohne Placebo-Vergleichsgruppe während dieser Nachbeobachtung [1]. Finanzierung und Interessenlage wie in der Zeile zum Beinschmerz.

    Quellen: 1

  3. 03

    Sichtbare Schwellung (Ödem) gegenüber Placebo bei Erwachsenen mit gestörtem venösem Rückfluss in den Beinen

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Vier von sechs placebokontrollierten Studien zeigten eine deutliche Minderung der sichtbaren Schwellung gegenüber Placebo, in einer weiteren Studie war der Extrakt einem anderen Pflanzenextrakt dabei unterlegen.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Cochrane-Übersichtsarbeit wurde eine sichtbare Schwellung (Ödem) in sechs placebokontrollierten Studien erfasst [1]. Vier dieser Studien mit zusammen 461 Teilnehmenden zeigten eine statistisch abgesicherte Minderung unter dem Extrakt gegenüber Placebo, eine weitere zeigte eine Besserung gegenüber dem eigenen Ausgangswert ohne ausgewiesenen Placebo-Vergleich [1]. Für eine Studie mit poolbaren Zahlenwerten (100-Millimeter-Sehskala) betrug die gewichtete mittlere Differenz 40,10 mm zugunsten des Extrakts (95-Prozent-Konfidenzintervall 31,60 bis 48,60) [1]. In einer separaten Studie, die den Extrakt mit einem anderen Pflanzenextrakt (Pycnogenol, ein Kiefernrindenextrakt) verglich, war der Rosskastanienextrakt bei der Schwellung unterlegen [1]. Eine weitere Studie ohne Placebogruppe, die eine gezielte Ödem-Provokation vor und nach der Behandlung maß, fand eine ödemschützende Wirkung, ist in der Übersichtsarbeit aber nur benannt und nicht mit eigenen Zahlenwerten referiert [1]. Finanzierung und Interessenlage wie in der Zeile zum Beinschmerz.

    Quellen: 1

  4. 04

    Juckreiz gegenüber Placebo bei Erwachsenen mit gestörtem venösem Rückfluss in den Beinen, nur in der Hälfte der Studien mit Gruppenunterschied

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur vier von acht placebokontrollierten Studien zeigten eine statistisch abgesicherte Minderung des Juckreizes gegenüber Placebo, in den übrigen bestand kein ausgewiesener Gruppenunterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Cochrane-Übersichtsarbeit wurde Juckreiz in acht placebokontrollierten Studien erfasst [1]. Vier Studien mit zusammen 407 Teilnehmenden zeigten eine statistisch abgesicherte Minderung unter dem Extrakt gegenüber Placebo (p kleiner 0,05), zwei weitere Studien zeigten eine Besserung gegenüber dem eigenen Ausgangswert ohne ausgewiesenen Placebo-Vergleich, für die übrigen zwei Studien nennt die Übersichtsarbeit kein Ergebnis zu diesem Endpunkt [1]. Ein über mehrere Studien gerechnetes Effektmaß nennt die Übersichtsarbeit für den Juckreiz nicht. Das unterscheidet ihn allerdings nicht von Beinschmerz und Ödem, für die es ebenfalls keine Meta-Analyse gibt, sondern nur den Wert je einer einzelnen Studie. Zusammengefasst gerechnet hat die Arbeit allein das Beinvolumen sowie den Knöchel- und den Wadenumfang [1]. Der Unterschied zu diesen beiden Endpunkten liegt an anderer Stelle, beim Beinschmerz zeigen sechs von sieben und beim Ödem vier von sechs plazebokontrollierten Studien einen Gruppenunterschied, beim Juckreiz nur vier von acht. Bei nur der Hälfte der acht Studien mit einem abgesicherten Gruppenunterschied ist die Befundlage für diesen Einzelendpunkt schwächer als für Beinschmerz und Beinvolumen. Finanzierung und Interessenlage wie in der Zeile zum Beinschmerz.

    Quellen: 1

  5. 05

    Wirksamkeit im Vergleich zu Kompressionsstrümpfen, Rutosiden und einem anderen Pflanzenextrakt, ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Im direkten Vergleich ohne Placebogruppe unterschied sich der Extrakt bei den meisten erfassten Zielgrößen nicht von Kompressionsstrümpfen oder von Rutosiden, bei der Schwellung war er einem anderen Pflanzenextrakt unterlegen.

    Ausführlicher Nachweis

    Neben den placebokontrollierten Studien wertete die Cochrane-Übersichtsarbeit auch Studien aus, die den Rosskastaniensamenextrakt direkt mit anderen Behandlungen verglichen, ohne eigene Placebogruppe [1]. Gegenüber vier Studien zu Rutosiden, halbsynthetisch aus Rutin gewonnenen Verbindungen mit eigener Studienlage, fand sich kein statistisch abgesicherter Unterschied bei Beinschmerz oder einem zusammengesetzten Symptomwert; eine dieser Studien hatte selbst keine Placebogruppe [1]. Gegenüber Kompressionsstrümpfen (zwei Studien) fand sich in einer Studie kein statistisch abgesicherter Unterschied bei einem Beinschmerz einschließenden Symptomwert, eine zweite fand das Beinvolumen unter dem Extrakt ähnlich wirksam wie unter Kompression (gewichtete mittlere Differenz minus 2,90 ml, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 30,42 bis plus 24,62, bei 194 Teilnehmenden) [1]. Gegenüber einem anderen Pflanzenextrakt (Pycnogenol, ein Kiefernrindenextrakt, eine Studie) fand sich kein statistisch abgesicherter Unterschied bei Beinschmerz, bei der Schwellung war der Rosskastanienextrakt diesem anderen Extrakt jedoch unterlegen [1]. Diese Vergleichsstudien zeigen weder eine Über- noch eine durchgehende Unterlegenheit gegenüber etablierten Alternativen, sie sind aber kein Beleg für eine Wirkung gegenüber einer unbehandelten oder scheinbehandelten Gruppe, weil ihnen eine Placebogruppe fehlt. Finanzierung und Interessenlage wie in der Zeile zum Beinschmerz.

    Quellen: 1

  6. 06

    Antioxidative, entzündungshemmende und gefäßschützende Wirkung in Zell- und Tiermodellen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Rattenmodellen linderte der isolierte Wirkstoff Aescin Gewebeschäden nach einer Durchblutungsstörung im Gehirn, nach einer Rückenmarksverletzung und nach einer chemisch ausgelösten Leberschädigung. Ausschließlich an Ratten untersucht, nicht am Menschen.

    Ausführlicher Nachweis

    An Ratten mit einer experimentell ausgelösten, vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn verringerte eine Behandlung mit dem isolierten Wirkstoff Aescin über einen bestimmten Signalweg (PRAS40/mTOR) das Ausmaß der Nervenzellschädigung gegenüber unbehandelten Tieren [2]. An Ratten mit einer experimentell zugefügten Rückenmarksverletzung verringerte Aescin oxidativen Stress im geschädigten Gewebe und war mit einer besseren Erholung motorischer Funktionen verbunden als bei unbehandelten Tieren [3]. An Ratten mit einer durch die Chemikalie Tetrachlorkohlenstoff ausgelösten Leberschädigung verringerte eine Vorbehandlung mit dem isolierten Wirkstoff beta-Aescin in drei geprüften Dosen (0,9 bis 3,6 mg pro Kilogramm Körpergewicht) mehrere Leberschädigungs- und oxidative Stressmarker gegenüber unbehandelten Tieren, in einer der drei Dosen vergleichbar wirksam wie das Vergleichsmedikament Silymarin [4]. Alle drei Untersuchungen fanden ausschließlich an Ratten statt, mit dem isolierten Wirkstoff Aescin statt dem ganzen Samenextrakt und in Modellen, die mit einer oralen Einnahme des Extrakts durch gesunde Menschen nicht direkt vergleichbar sind. Eine Übertragbarkeit auf den Menschen ist damit nicht gezeigt.

    Quellen: 2, 3, 4

  7. 07

    Hautgesundheit oder eine kosmetische Wirkung auf sichtbar erweiterte kleine Hautäderchen beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach einer placebokontrollierten Humanstudie zur oralen Einnahme des Extrakts mit einem hautbezogenen oder kosmetischen Endpunkt gesucht und keine gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "horse chestnut" "skin", alle Publikationstypen (17 Treffer), und "aescin" "telangiectasia", alle Publikationstypen (1 Treffer). Bei Durchsicht handelt es sich um Übersichtsarbeiten zu Venenleiden im Allgemeinen, um eine offene, nicht placebokontrollierte Registerstudie zu einer topisch aufgetragenen Gel-Zubereitung mit mehreren Wirkstoffen, und um Arbeiten zu anderen Fragestellungen. Zu einer placebokontrollierten Studie, die die orale Einnahme des Samenextrakts gezielt mit einem hautbezogenen oder kosmetischen Endpunkt beim Menschen prüft, etwa sichtbar erweiterte kleine Hautäderchen, liegt uns keine Quelle vor.

  8. 08

    Wirkung bei einer Einnahme über mehr als 16 Wochen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach einer placebokontrollierten Studie mit einer Einnahmedauer von mehr als 16 Wochen gesucht und keine gefunden. Die zugrunde liegende Cochrane-Übersichtsarbeit fasst nur Studien mit einer Einnahmedauer von 2 bis 16 Wochen zusammen.

    Ausführlicher Nachweis

    Die diesem Eintrag zugrunde liegende Cochrane-Übersichtsarbeit berichtet für die 17 eingeschlossenen Studien Behandlungsdauern zwischen zwei und 16 Wochen und fordert in ihrer eigenen Diskussion ausdrücklich weitere, größere Studien insbesondere zur langfristigen Einnahme. Eine gezielte ergänzende Suche nach neueren, längeren placebokontrollierten Studien mit den PubMed-Suchbegriffen "aescin" "leg volume" und "horse chestnut seed extract" "edema", jeweils alle Publikationstypen, ergab keine neue placebokontrollierte Studie mit einer über 16 Wochen hinausgehenden Einnahmedauer. Zu einer Einnahme über mehr als 16 Wochen liegt uns damit keine eigene geprüfte placebokontrollierte Quelle vor.

Studien im Detail

Beinschmerz, Beinvolumen, Schwellung und Juckreiz bei gestörtem venösem Rückfluss

Die mit Abstand umfangreichste und methodisch strengste Quelle zu Rosskastanien-Extrakt ist eine Cochrane-Übersichtsarbeit, zuletzt 2012 aktualisiert und seither als abgeschlossen geführt. Sie wertete 17 randomisierte, kontrollierte Studien zum standardisierten Rosskastaniensamenextrakt (HCSE) bei Erwachsenen mit gestörtem venösem Rückfluss in den Beinen aus, in allen Studien auf den Wirkstoff Aescin standardisiert.

Gegenüber Placebo besserte sich der Beinschmerz in sechs von sieben Studien statistisch abgesichert, mit einem in einer Studie ausgewiesenen Effektmaß von 42,4 Millimeter auf einer 100-Millimeter-Skala. Das per Wasserverdrängung gemessene Beinvolumen war über sechs zusammengefasste Studien mit 502 Teilnehmenden im Mittel um 32,1 Milliliter geringer als unter Placebo. Eine sichtbare Schwellung besserte sich in vier von sechs Studien statistisch abgesichert. Juckreiz besserte sich dagegen nur in vier von acht Studien, eine schwächere und uneinheitlichere Befundlage als bei den übrigen drei Endpunkten.

Bemerkenswert ist, wie diese Effekte zustande kommen: Die Übersichtsarbeit trennt durchgehend zwischen dem Vorher-Nachher-Verlauf innerhalb einer Gruppe und dem eigentlichen Gruppenvergleich zu Placebo. Bei mehreren Endpunkten berichten einzelne Studien nur eine Besserung gegenüber dem eigenen Ausgangswert, ohne einen ausgewiesenen Unterschied zur Placebogruppe, diese Studien zählen in der Übersichtsarbeit nicht zu den Studien mit belegtem Gruppenunterschied.

Die Übersichtsarbeit verglich den Extrakt außerdem, jeweils ohne eigene Placebogruppe, mit Rutosiden, mit Kompressionsstrümpfen und mit einem anderen Pflanzenextrakt (Pycnogenol, ein Kiefernrindenextrakt). Bei den meisten Zielgrößen fand sich kein statistisch abgesicherter Unterschied zu diesen Alternativen, bei der Schwellung war der Rosskastanienextrakt dem Pycnogenol-Extrakt jedoch unterlegen. Solche Vergleichsstudien beantworten eine andere Frage als die placebokontrollierten Studien und wurden hier getrennt eingeordnet.

Einschränkung: Die eingeschlossenen Einzelstudien waren überwiegend klein und reichten von zwei bis 16 Wochen Behandlungsdauer, mit teils unvollständig berichteter Randomisierung und Verblindung. Die Übersichtsarbeit selbst fordert größere, methodisch strengere Studien, insbesondere zur langfristigen Einnahme.

Tierstudien

Zur Wirkung des isolierten Wirkstoffs Aescin auf Gewebeschäden liegen mehrere Tierstudien vor. An Ratten mit einer experimentell ausgelösten, vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn verringerte Aescin das Ausmaß der Nervenzellschädigung. An Ratten mit einer zugefügten Rückenmarksverletzung verringerte Aescin oxidativen Stress im geschädigten Gewebe und war mit einer besseren Erholung motorischer Funktionen verbunden. An Ratten mit einer chemisch ausgelösten Leberschädigung verringerte eine Vorbehandlung mit dem isolierten Wirkstoff beta-Aescin mehrere Leberschädigungs- und oxidative Stressmarker. Alle drei Untersuchungen fanden ausschließlich an Ratten und mit dem isolierten Wirkstoff statt, nicht mit dem ganzen Samenextrakt und nicht am Menschen, eine Übertragbarkeit auf die orale Einnahme des Extrakts durch Menschen ist damit nicht gezeigt.

Abgrenzung, Rosskastaniensamenextrakt gegenüber Rutosiden und gegenüber dem isolierten Wirkstoff Aescin

Rosskastaniensamenextrakt (HCSE), Rutoside und der isolierte Wirkstoff Aescin werden in der Fachliteratur häufig im selben Zusammenhang genannt, sind aber drei chemisch unterschiedliche Dinge mit jeweils eigener Studienlage. Der in diesem Eintrag behandelte Rosskastaniensamenextrakt ist der ganze, auf Aescin standardisierte Extrakt aus den Samen, wie er in den placebokontrollierten Studien oben geprüft wurde. Rutoside sind halbsynthetisch aus dem Pflanzenstoff Rutin gewonnene Verbindungen (etwa O-beta-Hydroxyethyl-Rutoside), die eine eigene, in gesonderten Cochrane-Übersichtsarbeiten untersuchte Studienlage haben, unter anderem zu Beschwerden nach einer tiefen Venenthrombose. Diese Rutosid-Studien werden in diesem Eintrag ausdrücklich nicht als Beleg für den Samenextrakt selbst herangezogen. Die Tierstudien oben prüfen wiederum den isolierten Einzelstoff Aescin, nicht den ganzen Extrakt mit seinen weiteren Begleitstoffen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In der zugrunde liegenden Cochrane-Übersichtsarbeit waren berichtete Nebenwirkungen unter dem Rosskastaniensamenextrakt überwiegend mild und selten. Vier der 14 Studien mit Angaben dazu berichteten keine dem Extrakt zuzuschreibenden Nebenwirkungen, sechs weitere berichteten Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerz und Juckreiz, mit einer Häufigkeit von 1 bis 36 Prozent der behandelten Personen. Eine in der Übersichtsarbeit zitierte Erhebung nach Markteinführung fand solche Beschwerden bei 0,7 Prozent von über 6000 behandelten Personen.

Da der zugrunde liegende Wirkstoff Aescin in Tiermodellen die Blutgerinnung und Gefäßfunktion beeinflusst und der ganze Extrakt historisch mit einer möglichen Verstärkung blutverdünnender Medikamente in Verbindung gebracht wird, ist bei einer bestehenden Einnahme gerinnungshemmender oder blutverdünnender Medikamente sowie bei einer bestehenden Nierenerkrankung eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sinnvoll. Rohe, unverarbeitete Rosskastaniensamen sind für Menschen nicht zum Verzehr geeignet und nicht mit dem hier behandelten, verarbeiteten Extrakt zu verwechseln.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll. Zu einer Einnahme über mehr als 16 Wochen liegt uns ebenfalls keine eigene geprüfte placebokontrollierte Quelle vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Cochrane-Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 17 RCTs, seither als abgeschlossen (stable) geführt · 2012

    Horse chestnut seed extract for chronic venous insufficiency.

    Pittler MH, Ernst E. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05

  2. 02

    Tierstudie, Ratten, isolierter Wirkstoff Aescin · 2020

    Aescin Protects Neuron from Ischemia-Reperfusion Injury via Regulating the PRAS40/mTOR Signaling Pathway.

    Gao X, Yang H, Su J, Xiao W, Ni W, Gu Y. Oxid Med Cell Longev

    Zur Zuschreibung: 06

  3. 03

    Tierstudie, Ratten, isolierter Wirkstoff Aescin · 2016

    Aescin reduces oxidative stress and provides neuroprotection in experimental traumatic spinal cord injury.

    Cheng P, Kuang F, Ju G. Free Radic Biol Med

    Zur Zuschreibung: 06

  4. 04

    Tierstudie, Ratten, isolierter Wirkstoff beta-Aescin · 2017

    The novel role of beta-aescin in attenuating CCl4-induced hepatotoxicity in rats.

    Singh H, Sidhu S, Chopra K, Khan MU. Pharm Biol

    Zur Zuschreibung: 06

Bei H.P.N

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