S-Adenosylmethionin (SAMe)

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SAMe · Ademetionin · S-Adenosyl-L-Methionin

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein körpereigenes Molekül aus der Aminosäure Methionin und ATP, der wichtigste Methylgruppen-Donor des Stoffwechsels
Herkunft
Im Körper aus Methionin gebildet, als Nahrungsergänzung meist fermentativ hergestellt
Wirkform in Studien
Orales SAMe-Tosylat oder SAMe-Butandisulfonat, in einzelnen Studien intravenös
Übliche Studiendosis
200 bis 3200 mg pro Tag, häufig 800 bis 1600 mg pro Tag bei Depression und 600 bis 1200 mg pro Tag bei Kniearthrose
Bekannt geworden durch
Die langjährige Verwendung als verschreibungspflichtiges Arzneimittel in einigen europäischen Ländern, unabhängig von der hier zusammengefassten Studienlage zu einzelnen Wirkungen
Verträglichkeit
In Studien meist gut verträglich, gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden. Berichte über ausgelöste manische Episoden bei bestehender bipolarer Störung und ein Einzelfall mit Symptomen eines Serotonin-Syndroms unter gleichzeitiger serotonerger Medikation

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Depressive Symptome bei Erwachsenen mit diagnostizierter Depression, als Alleingabe gegen Placebo, Übersichtsarbeiten uneinheitlich

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Drei Übersichten geben für dieselbe Frage, SAMe als Alleingabe gegen Placebo bei Erwachsenen mit diagnostizierter Depression, unterschiedliche Antworten. Die größte und neueste Übersicht aus 23 randomisierten Studien mit 2183 Teilnehmenden fand für den Monotherapie-Vergleich mit 11 Studien eine signifikant stärkere Besserung unter SAMe (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,58, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,93 bis minus 0,23, I-Quadrat 68 Prozent, moderate Evidenzqualität) [2]. Eine im selben Jahr erschienene, kleinere Übersicht aus 14 randomisierten Studien mit 1522 Teilnehmenden berichtet für denselben Vergleich, SAMe als Monotherapie gegen Placebo, im Abstract ausdrücklich keinen signifikanten Unterschied, nennt für diesen Teilvergleich aber weder Studienzahl noch Effektmaß [3]. Der ältere, methodisch strengere Cochrane-Review kommt mit nur 2 Studien und 142 Teilnehmenden ebenfalls zu keinem signifikanten Unterschied (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,54, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,54 bis 0,46, sehr niedrige Evidenzqualität) [1]. Die beiden neueren Übersichten widersprechen sich damit für denselben, klar benannten Vergleich. Beide Übersichten durchsuchten dieselben Datenbanken von Beginn an, die eine bis zum 30. Juni 2023, die andere bis zum 3. Juli 2023, und greifen damit auf denselben Studienbestand zu, in dem auch die 8 Studien des Cochrane-Reviews liegen. Es stehen sich also nicht zwei unabhängige Belege gegenüber, sondern zwei Auswertungen desselben Bestands, die für denselben Vergleich gegenläufig ausfallen. An der Darreichungsform liegt es nicht, der Cochrane-Review hat orale und parenterale Gabe eigens als Untergruppen ausgewertet und fand dabei keinen Unterschied zur gemeinsamen Auswertung. In den 14 Studien der kleineren Übersicht reichten die Dosen von 200 bis 3200 mg pro Tag über 2 bis 12 Wochen [3].

    Quellen: 1, 2, 3

  2. 02

    Depressive Symptome als Zusatzgabe zu laufender antidepressiver Medikation, in den größten Studien ohne Zusatznutzen

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Die Übersicht aus 23 Studien fand für die Zusatzgabe zu einem Antidepressivum gegen Placebo plus Antidepressivum keinen signifikanten Unterschied (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,22, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,63 bis 0,19, 5 Studien, I-Quadrat 76 Prozent) [2]. Die Übersicht aus 14 Studien berichtet für denselben Vergleich im Abstract ebenfalls ausdrücklich keinen signifikanten Unterschied [3]. Die bislang größte Einzelstudie zu dieser Frage, eine randomisierte, doppelblinde Studie an 107 Erwachsenen mit einer auf Antidepressiva nicht ausreichend angesprochenen Depression, gab 800 mg SAMe oder Placebo über 8 Wochen zusätzlich zur laufenden Medikation und fand keinen Gruppenunterschied auf der Montgomery Asberg Skala (p gleich 0,51); die Autoren führen das auch auf eine ungewöhnlich hohe Placeboantwort trotz sorgfältiger Vorauswahl der Teilnehmenden zurück und empfehlen für künftige Studien eine Placebo-Einlaufphase [4]. Der ältere Cochrane-Review führt für denselben Vergleich zusätzlich eine einzelne kleine Studie mit einem gegenteiligen Ergebnis an, eine Verbesserung depressiver Symptome unter SAMe gegenüber Placebo als Zusatzgabe zu einem SSRI (Mittelwertdifferenz minus 3,90 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 6,93 bis minus 0,87, p gleich 0,01, 73 Teilnehmende, 1 Studie, niedrige Evidenzqualität); bei den Abbruchraten zeigte sich dagegen kein Unterschied (sehr niedrige Evidenzqualität) [1]. Diese Studie ist Papakostas und Kollegen 2010, laut Cochrane-Volltext die einzige Studie dieses Vergleichs im Review. Da beide Übersichten von 2024 von Beginn an bis Mitte 2023 gesucht haben, liegt sie in deren Beständen von je 5 Studien zur Zusatzgabe, ebenso die hier genannte Studie an 107 Erwachsenen. Übersichten und Einzelstudie sind damit ein Bestand und nicht drei voneinander unabhängige Belege, die Einstufung stützt sich auf den gepoolten Nullbefund über 5 Studien.

    Quellen: 1, 2, 3, 4

  3. 03

    Wirksamkeit im Vergleich zu etablierten Antidepressiva, als Alleingabe ohne Placebo-Arm, kein Unterschied nachweisbar

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die Übersicht aus 23 Studien fand für den direkten Vergleich von SAMe mit einem Antidepressivum, jeweils als Alleingabe, gepoolt aus 7 Studien einen Effekt nahe null (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,06, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,06 bis 0,18, I-Quadrat 49 Prozent), der bislang größte gepoolte Vergleich dieser Art, die Autoren selbst bezeichnen die vergleichende Wirksamkeit gegenüber Antidepressiva im selben Abstract als ungeklärt [2]. Der Cochrane-Review kommt für die einzelnen Wirkstoffe zu einem ähnlichen Bild, keinen signifikanten Unterschied zum trizyklischen Antidepressivum Imipramin (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,04, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,34 bis 0,27, 4 Studien mit 619 Teilnehmenden, niedrige Evidenzqualität) und keinen signifikanten Unterschied zu Escitalopram (Mittelwertdifferenz 0,12, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,75 bis 2,99, nur 1 Studie mit 129 Teilnehmenden, niedrige Evidenzqualität) [1]. Die Übersicht aus 14 Studien bestätigt für Imipramin und Escitalopram zusammengefasst ebenfalls keinen signifikanten Unterschied [3]. Ein fehlender Unterschied zu einer Vergleichssubstanz ohne Placebo-Arm belegt keine eigene Wirksamkeit. Er belegt auch keine Gleichwertigkeit, denn keine dieser Studien war als Nichtunterlegenheitsstudie mit vorab festgelegter Grenze angelegt, und bei Studien dieser Größe bleibt auch ein echter Unterschied unentdeckt. Festhalten lässt sich nur, dass in diesen Studien kein Unterschied nachweisbar war.

    Quellen: 1, 2, 3

  4. 04

    Schmerz und Funktion bei Kniearthrose gegen Placebo, in kleinen Studien ohne Effekt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Der Cochrane-Review aus 4 Studien mit 656 Teilnehmenden fand für Schmerz eine kleine, statistisch nicht signifikante standardisierte Mittelwertdifferenz von minus 0,17 (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,34 bis 0,01) und für die Funktion keinen Effekt (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,02, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,68 bis 0,71). Die eingeschlossenen Studien waren methodisch schwach und die Übersicht bezeichnet sich selbst als nicht schlüssig. Die Autoren halten die Effekte auf Schmerz und Funktion für potenziell klinisch relevant, auch wenn sie als klein erwartet werden, und fordern weitere, ausreichend große randomisierte Studien; zugleich raten sie von einer routinemäßigen Anwendung ab [5]. Eine randomisierte Vergleichsstudie an 134 Personen mit Kniearthrose in Korea, SAMe 1200 mg pro Tag über 8 Wochen gegen das NSAR Nabumeton 1000 mg pro Tag, fand in beiden Gruppen eine ähnliche Schmerzreduktion ohne signifikanten Gruppenunterschied, allerdings ohne Placebo-Arm [6]. Ein methodisch weniger strenger Übersichtsartikel mit einem bis Januar 2009 reichenden Suchzeitraum kam zu einer optimistischeren Einschätzung und nannte SAMe neben Capsaicin als konsistent wirksam, ohne dafür eigene Effektmaße zu nennen [7]. Die vier Studien des Cochrane-Reviews sind im Volltext namentlich benannt (Bradley 1994, Caruso 1987, König 1990, Montrone 1985), gesucht wurde bis zum 5. August 2008. Der Übersichtsartikel suchte bis Januar 2009 und nahm neben placebokontrollierten auch aktiv kontrollierte Studien auf, die der Cochrane-Review ausgeschlossen hat, allein sechs gegen Ibuprofen. Die placebokontrollierten Studien sind damit dieselben, der Übersichtsartikel ist kein zweiter Beleg, und sein günstigeres Urteil stützt sich in weiten Teilen auf Vergleiche ohne Placebo-Arm.

    Quellen: 5, 6, 7

  5. 05

    Leberwerte bei chronischer Lebererkrankung, Bilirubin und AST verbessert, ALT ohne Effekt, Pruritus in einer Substichprobe gebessert

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein systematischer Review aus 12 Studienarmen (11 Studien) mit 705 Teilnehmenden fand für Gesamtbilirubin und die Transaminase AST signifikante Unterschiede zugunsten von SAMe, für die Transaminase ALT dagegen keinen. In einer Substichprobe aus Schwangeren und Kindern fand sich zudem ein signifikanter Unterschied beim Pruritus-Score, dem einzigen patientenberichteten Endpunkt der Arbeit neben den Laborwerten. Im Vergleich zu Ursodesoxycholsäure und Stronger Neo Minophagen C war SAMe bei bestimmten Lebererkrankungen unterlegen, bei Nebenwirkungen und Langzeitprognose zeigte sich kein Unterschied zu Placebo. Die Autoren selbst sprechen von begrenztem klinischem Nutzen trotz guten Sicherheitsprofils [8]. Dosis und Behandlungsdauer der eingeschlossenen Studien werden im Abstract nicht genannt.

    Quellen: 8

  6. 06

    Kognitive Leistungsfähigkeit und Gedächtnis, laut Meta-Analyse ohne Effekt, einzelner unkorrigierter Teilbefund positiv

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse zu Tier- und Humanstudien kommt für die Humanstudien laut eigener Zusammenfassung zu keiner signifikanten Verbesserung der Kognition unter SAMe, verglichen wurden dabei die SAMe-Gruppen gegen die Kontrollgruppen. Die im Abstract genannte Zahl von 30 eingeschlossenen Studien findet sich im Volltext nicht wieder, dort stehen 17 Studien in der Übersicht und 13 in der Meta-Analyse, für den Humanteil 5 Studien. Im selben Abstract steht für die Humanstudien ein p-Wert von 0,047, was der Aussage "kein signifikanter Unterschied" rechnerisch widerspricht. Der Volltext ist frei zugänglich und nennt dieselbe Angabe (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,10, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,05 bis 0,26, aus 5 Studien, p gleich 0,047), ohne den Widerspruch zwischen dem nullwertigen Konfidenzintervall und dem genannten p-Wert aufzulösen [9]. Eine Sekundäranalyse einer randomisierten Studie an 46 auf ein SSRI nicht ausreichend ansprechenden Personen mit Depression, denen SAMe zusätzlich zum SSRI über 6 Wochen gegeben wurde, prüfte sieben kognitive Einzelsymptome ohne erkennbare Korrektur für multiples Testen und fand nur beim Erinnerungsvermögen eine statistisch signifikante Verbesserung (p gleich 0,04); bei den übrigen sechs Maßen, darunter eine Tendenz beim Wortfinden (p gleich 0,09), zeigte sich keine Signifikanz. Die Autoren selbst nennen den Befund vorläufig und fordern eine Wiederholung [10]. Insgesamt trägt die Datenlage keinen bestätigten Effekt auf die Kognition, sondern einen im Abstract selbst widersprüchlich berichteten Nullbefund und einen einzelnen, nicht korrigierten Teilbefund.

    Quellen: 9, 10

  7. 07

    Beitrag zur körpereigenen Glutathion-Bildung über die Transsulfurierung, nur als biochemischer Stoffwechselweg beschrieben, am Menschen nicht gemessen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    SAMe wird über die Transsulfurierung zu Cystein abgebaut, dem limitierenden Baustein der körpereigenen Glutathion-Synthese, ein etablierter biochemischer Stoffwechselweg [13]. Eine gezielte Literatursuche nach randomisierten Studien, die eine SAMe-Einnahme und die Glutathion-Konzentration als Endpunkt am Menschen prüfen, ergab keine solche Studie. Vorhandene Humandaten zu SAMe und Glutathion sind entweder rein beobachtend oder nennen Glutathion nur als Hintergrundbegründung für eine andere Fragestellung, etwa bei alkoholischer Leberschädigung, ohne eigene Glutathion-Messwerte im Abstract zu berichten. Ob eine SAMe-Einnahme über die Nahrung die körpereigene Glutathion-Bildung beim Menschen messbar steigert, ist damit offen.

    Quellen: 13

  8. 08

    Schmerz und Beschwerden bei Fibromyalgie, in einer kleinen Studie gegenüber Placebo gebessert, beim Druckpunkt-Score kein Unterschied zu Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zu SAMe bei Fibromyalgie liegen mehrere kleine, teils Jahrzehnte alte randomisierte, doppelblinde Studien vor. Sie widersprechen sich weniger, als es zunächst aussieht. Die älteste Cross-over-Studie an 17 Personen mit primärer Fibromyalgie berichtet eine Abnahme der Trigger- und Druckpunkte (p kleiner 0,02) sowie Besserungen auf zwei Depressionsskalen (Hamilton-Skala p kleiner 0,05, SAD-Skala p kleiner 0,005). Verglichen wird dort jeweils der Wert vor und nach SAMe gegen den Wert vor und nach Placebo, ein Vergleich zwischen den Gruppen und ein Effektmaß stehen im Abstract nicht, und die Darreichungsform geht aus dem Abstract ebenfalls nicht hervor; die Autoren weisen selbst auf einen engen Zusammenhang zwischen Depressionswerten und Druckpunktzahl hin und nennen die Studie vorläufig [14]. Eine placebokontrollierte Parallelgruppenstudie an 44 Personen mit primärer Fibromyalgie fand unter 800 mg oralem SAMe pro Tag über 6 Wochen signifikante Verbesserungen bei Krankheitsaktivität (p gleich 0,04), Schmerz (p gleich 0,002), Erschöpfung (p gleich 0,02), morgendlicher Steifigkeit (p gleich 0,03) und Stimmung nach der Face Scale (p gleich 0,006), aber keinen Unterschied beim Druckpunkt-Score selbst, bei der Muskelkraft oder beim Beck-Depressions-Inventar [15]. Eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an 34 Personen mit Fibromyalgie, die SAMe intravenös über 10 Tage gab, fand dagegen beim primären Endpunkt, der Zahl der Druckschmerzpunkte, keinen signifikanten Unterschied; bei sekundären Maßen wie Schmerzempfinden zeigten sich nur statistische Tendenzen (p zwischen 0,08 und 0,17) [11]. Eine weitere randomisierte, doppelblinde Studie zu SAMe bei sekundärer Fibromyalgie aus dem Jahr 1998 ist im PubMed-Datensatz gelistet, aber ohne abrufbaren Abstract, ihr Ergebnis lässt sich damit nicht belegen und bleibt hier unberücksichtigt. Ein systematischer Übersichtsartikel zu Komplementärmedizin bei Fibromyalgie führt SAMe unter den Mitteln mit mindestens einem signifikanten Ergebnis gegenüber Placebo, bewertet die Evidenz insgesamt aber als unzureichend und die positiven Einzelbefunde als nicht repliziert. Er hat zu SAMe nach eigener Angabe genau eine Studie eingeschlossen und suchte bis März 2009, infrage kommen damit nur die hier bereits geführten Studien, am ehesten die Parallelgruppenstudie an 44 Personen, weil der Übersichtsartikel für SAMe anders als für zwei andere Mittel mehr als ein signifikantes Ergebnis anführt. Ein eigener Beleg kommt damit nicht hinzu [12]. Für den Druckpunkt-Score widersprechen sich die Studien nicht, in beiden Studien mit ausgewiesenem Gruppenvergleich blieb er ohne Unterschied zu Placebo.

    Quellen: 11, 12, 14, 15

  9. 09

    Schlafqualität, nur als Nebenmaß in einer kleinen Fibromyalgie-Studie untersucht

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine eigenständige randomisierte Studie oder Übersicht zu SAMe und Schlafqualität als primärem Endpunkt wurde bei einer gezielten Suche mit unter anderem den Begriffen insomnia sleep und sleep quality nicht gefunden. In der placebokontrollierten Cross-over-Studie zu SAMe bei Fibromyalgie zählen die Autoren Schlafqualität unter mehreren sekundären Maßen mit leichter Besserung auf, ohne dafür einen eigenen Signifikanzwert zu berichten; das ist etwas anderes als ein geprüftes und nicht bestätigtes Ergebnis [11].

    Quellen: 11

Studien im Detail

Was diesem Stoff zugrunde liegt

S-Adenosylmethionin entsteht im Körper aus der Aminosäure Methionin und ATP und ist der wichtigste Methylgruppen-Donor des Stoffwechsels. Über Methyltransferasen gibt SAMe seine Methylgruppe ab und wird dabei zu S-Adenosylhomocystein, aus dem Homocystein entsteht. Homocystein kann entweder wieder zu Methionin remethyliert oder über die Transsulfurierung zu Cystein umgewandelt werden, dem limitierenden Baustein von Glutathion [13]. Dieser Stoffwechselweg ist die biochemische Grundlage dafür, dass SAMe mit der Synthese von Neurotransmittern, mit der Zellmembranbildung und mit der körpereigenen Glutathion-Bildung in Verbindung gebracht wird. Er beschreibt einen bekannten Stoffwechselweg, keine am Menschen gemessene Wirkung für sich genommen. Wie belastbar der letzte Punkt, der Beitrag zur Glutathion-Bildung, tatsächlich am Menschen geprüft ist, steht als eigene Zeile in der Wirkungstabelle.

Depression, als Alleingabe

Drei Übersichten kommen für denselben Vergleich, SAMe als Alleingabe gegen Placebo bei Erwachsenen mit diagnostizierter Depression, zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Cochrane-Review von 2016 stützte sich auf nur 2 Studien mit 142 Teilnehmenden und fand keinen signifikanten Unterschied bei sehr niedriger Evidenzqualität [1]. Die deutlich größere Übersicht aus 23 Studien mit 2183 Teilnehmenden fand 2024 für den eigens ausgewiesenen Monotherapie-Vergleich mit 11 Studien einen signifikanten Vorteil für SAMe, bei allerdings deutlicher Heterogenität zwischen den Studien (I-Quadrat 68 Prozent) [2]. Eine im selben Jahr erschienene Übersicht aus 14 Studien mit 1522 Teilnehmenden berichtet für denselben, ausdrücklich benannten Vergleich dagegen keinen signifikanten Unterschied, ohne dafür ein Effektmaß zu nennen [3]. Beide 2024er Übersichten suchten dieselben Datenbanken von Beginn an bis Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli 2023 ab und werten damit denselben Studienbestand aus, in dem auch die Studien des Cochrane-Reviews liegen. Die widersprüchliche Einstufung stützt sich deshalb nicht auf zwei unabhängige Belege, sondern darauf, dass zwei Auswertungen desselben Bestands für denselben, klar benannten Vergleich gegenläufig ausfallen.

Depression, als Zusatzgabe

Für die Zusatzgabe zu einem laufenden Antidepressivum zeigen die beiden 2024er Übersichten übereinstimmend keinen signifikanten Unterschied zu Placebo plus Antidepressivum [2, 3], ebenso die bislang größte Einzelstudie zu dieser Frage, eine randomisierte Studie an 107 Personen mit unzureichendem Ansprechen auf ihr Antidepressivum, die nach 8 Wochen mit 800 mg SAMe pro Tag keinen Gruppenunterschied fand; die Studienautoren führen das auch auf eine ungewöhnlich hohe Placeboantwort zurück [4]. Der ältere Cochrane-Review führt für denselben Vergleich zusätzlich eine kleine Studie mit einem gegenteiligen, positiven Ergebnis (Mittelwertdifferenz minus 3,90 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 6,93 bis minus 0,87, n gleich 73, niedrige Evidenzqualität) [1]. Diese ältere Studie ist Papakostas und Kollegen 2010 und liegt, wie die Studie an 107 Personen, im Bestand beider Übersichten von 2024, die von Beginn an bis Mitte 2023 gesucht haben. Die Gesamteinschätzung stützt sich damit auf einen Bestand und nicht auf drei unabhängige Quellen, in ihm zeigt der gepoolte Vergleich über 5 Studien keinen Effekt.

Kniearthrose

Der Cochrane-Review zu Kniearthrose fand für Schmerz und Funktion jeweils kleine, statistisch nicht signifikante Effekte bei insgesamt nur 4 Studien mit 656 Teilnehmenden. Die Autoren halten die Effekte trotzdem für potenziell klinisch relevant und fordern größere Studien, raten zugleich aber von einer routinemäßigen Anwendung ab [5]. Eine koreanische Vergleichsstudie ohne Placebo-Arm fand eine ähnliche Schmerzreduktion wie unter dem NSAR Nabumeton [6]. Ein methodisch weniger strenger Übersichtsartikel mit einem etwas späteren Suchzeitraum bewertete dieselbe oder eine überlappende Studienlage optimistischer [7].

Chronische Lebererkrankung

Ein Review aus 11 Studien mit 705 Teilnehmenden fand Unterschiede bei Gesamtbilirubin und der Transaminase AST, nicht aber bei ALT. In einer Substichprobe aus Schwangeren und Kindern zeigte sich zusätzlich ein signifikanter Unterschied beim Pruritus-Score, dem einzigen patientenberichteten Endpunkt der Arbeit. Die Autoren beschreiben den klinischen Nutzen von SAMe trotz guten Sicherheitsprofils selbst als begrenzt, auch weil Vergleichssubstanzen wie Ursodesoxycholsäure in Teilbereichen wirksamer waren [8].

Tier- und Laborstudien

Die dieser Recherche zugrunde liegende Meta-Analyse zur Kognition wertete neben Humanstudien auch Tiermodelle aus. Dort zeigte sich unter anderem im Morris-Water-Maze-Test bei jungen Tieren und bei längerer Gabe ein Effekt auf räumliches Lernen und Gedächtnis [9]. Diese Tierdaten sind hier nur der Vollständigkeit halber genannt und tragen keine Aussage für Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den ausgewerteten Studien war SAMe überwiegend gut verträglich, am häufigsten wurden leichte Magen-Darm-Beschwerden berichtet. Im Cochrane-Review zur Depression traten unter 441 mit SAMe behandelten Personen 2 Fälle von Manie oder Hypomanie auf [1]. In einer randomisierten Studie zur Zusatzgabe bei Depression wurde ein Fall mit Symptomen eines Serotonin-Syndroms unter SAMe beschrieben [4].

Der Wirkmechanismus, die vermehrte Bildung von Neurotransmittern, macht eine Wechselwirkung mit anderen serotonerg wirkenden Substanzen naheliegend, etwa mit SSRI, SNRI oder MAO-Hemmern aus der Gruppe der Antidepressiva. Wer bereits ein Medikament aus dieser Stoffklasse einnimmt oder eine bipolare Störung hat, sollte das vor einer Einnahme mit ärztlichem Rat abklären. Belastbare, eigens dafür angelegte Interaktionsstudien liegen uns nicht vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Cochrane-Review aus 8 RCTs, n gleich 934 · 2016

    S-adenosyl methionine (SAMe) for depression in adults.

    Galizia I, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  2. 02

    Systematischer Review und Meta-Analyse aus 23 RCTs, n gleich 2183 · 2024

    Efficacy and acceptability of S-adenosyl-L-methionine (SAMe) for depressed patients: A systematic review and meta- analysis.

    Limveeraprajak N, et al. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  3. 03

    Aktualisierter systematischer Review und Meta-Analyse aus 14 RCTs, n gleich 1522 · 2024

    S-Adenosylmethionine (SAMe) as an adjuvant therapy for patients with depression: An updated systematic review and meta-analysis.

    Peng TR, Cheng HY, Wu TW. Gen Hosp Psychiatry

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  4. 04

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n gleich 107 · 2018

    Adjunctive S-adenosylmethionine (SAMe) in treating non-remittent major depressive disorder: An 8-week double-blind, randomized, controlled trial.

    Sarris J, et al. Eur Neuropsychopharmacol

    Zur Zuschreibung: 02

  5. 05

    Cochrane-Review aus 4 RCTs, n gleich 656 · 2009

    S-Adenosylmethionine for osteoarthritis of the knee or hip.

    Rutjes AW, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 04

  6. 06

    Randomisierte, doppelblinde, aktivkontrollierte Phase-IV-Studie, n gleich 134 · 2009

    Comparative clinical trial of S-adenosylmethionine versus nabumetone for the treatment of knee osteoarthritis: an 8-week, multicenter, randomized, double-blind, double-dummy, Phase IV study in Korean patients.

    Kim J, et al. Clin Ther

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    Systematischer Review randomisierter Studien zu Komplementärmedizin bei Arthrose · 2011

    Evidence for the efficacy of complementary and alternative medicines in the management of osteoarthritis: a systematic review.

    De Silva V, et al. Rheumatology (Oxford)

    Zur Zuschreibung: 04

  8. 08

    Systematischer Review und Meta-Analyse aus 12 Studienarmen (11 Studien), n gleich 705 · 2015

    S-adenosyl-L-methionine for the treatment of chronic liver disease: a systematic review and meta-analysis.

    Guo T, et al. PLoS One

    Zur Zuschreibung: 05

  9. 09

    Systematischer Review und Meta-Analyse zu Tier- und Humanstudien, im Abstract 30 Studien, im Volltext 17 Studien und davon 13 in der Meta-Analyse · 2023

    Effects of S-Adenosylmethionine on Cognition in Animals and Humans: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials.

    Zhao Y, et al. J Alzheimers Dis

    Zur Zuschreibung: 06

  10. 10

    Sekundäranalyse einer randomisierten, doppelblinden Studie, n gleich 46 · 2012

    Effects of S-adenosylmethionine augmentation of serotonin-reuptake inhibitor antidepressants on cognitive symptoms of major depressive disorder.

    Levkovitz Y, et al. Eur Psychiatry

    Zur Zuschreibung: 06

  11. 11

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 34 · 1997

    Double-blind, placebo-controlled cross-over study of intravenous S-adenosyl-L-methionine in patients with fibromyalgia.

    Volkmann H, et al. Scand J Rheumatol

    Zur Zuschreibung: 08, 09

  12. 12

    Systematischer Review randomisierter Studien zu Komplementärmedizin bei Fibromyalgie · 2010

    Evidence for the efficacy of complementary and alternative medicines in the management of fibromyalgia: a systematic review.

    De Silva V, et al. Rheumatology (Oxford)

    Zur Zuschreibung: 08

  13. 13

    Biochemischer Übersichtsartikel · 2006

    The sulfur-containing amino acids: an overview.

    Brosnan JT, Brosnan ME. J Nutr

    Zur Zuschreibung: 07

  14. 14

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 17 · 1987

    Evaluation of S-adenosylmethionine in primary fibromyalgia. A double-blind crossover study.

    Tavoni A, et al. Am J Med

    Zur Zuschreibung: 08

  15. 15

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie, n gleich 44 · 1991

    Oral S-adenosylmethionine in primary fibromyalgia. Double-blind clinical evaluation.

    Jacobsen S, Danneskiold-Samsøe B, Andersen RB. Scand J Rheumatol

    Zur Zuschreibung: 08

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