Sauerkirsch Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Prunus cerasus · Montmorency-Kirsche · Sauerkirschsaft · Tart Cherry · Prunus-cerasus-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt oder Saft aus den Früchten der Sauerkirsche, meist der Sorte Montmorency. Reich an Anthocyanen, dazu geringe Mengen an natürlichem Melatonin. In den zitierten Studien kommen drei unterschiedliche Zubereitungen vor, ein verdünntes Saftkonzentrat, ein Fruchtsaftgetränk und ein Pulverextrakt in Kapselform, mit jeweils eigener Studienlage
Herkunft
Ein Kirschbaum, der vor allem in Nordamerika und Osteuropa kultiviert wird. Verwendet werden die reifen Früchte, meist als Saftkonzentrat oder gefriergetrocknetes Pulver
Wirkform in Studien
Uneinheitlich zwischen den Studien. Ein Teil prüft ein verdünntes Saftkonzentrat, ein Teil ein fertiges Fruchtsaftgetränk eines bestimmten Herstellers, ein Teil eine Pulverkapsel mit angegebener Tagesmenge Montmorency-Kirschpulver, teils zusätzlich mit einem quantifizierten Gehalt an Proanthocyanen. Diese Zubereitungen sind nicht ohne Weiteres austauschbar
Übliche Studiendosis
Bei Saftkonzentrat meist der auf etwa 60 bis 240 Milliliter verdünnte Extrakt zweimal täglich über 5 bis 7 Tage, bei Pulverkapseln am häufigsten 480 bis 500 Milligramm Montmorency-Kirschpulver ein- bis zweimal täglich über 1 bis 2 Wochen, bei einer Studie 960 Milligramm eines quantifizierten Pulvers mit 20,7 Milligramm Proanthocyanen als Einzelgabe
Bekannt geworden durch
Den natürlichen Gehalt an Melatonin und Anthocyanen sowie die traditionelle Verwendung als Frucht und Saft in Nordamerika und Europa, in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend als Sportlernahrung vermarktet
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien gut vertragen, mit Nebenwirkungsraten auf dem Niveau von Placebo oder Vergleichspräparaten

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Schlafdauer und Schlafeffizienz nach 7 Tagen Einnahme eines verdünnten Saftkonzentrats bei gesunden Erwachsenen, gegenüber dem Ausgangswert länger beziehungsweise höher, ohne ausgewiesenen Vergleich zur Placebophase, mit erhöhter Melatonin-Ausscheidung im Urin

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen Cross-over-Studie mit 20 gesunden Erwachsenen stiegen Schlafdauer, Zeit im Bett und Schlafeffizienz nach 7 Tagen Saftkonzentrat gegenüber dem Ausgangswert an. Einen Vergleich zur Placebophase weist die Arbeit für diese Schlafmaße nicht aus, wohl aber für die erhöhte Melatonin-Ausscheidung im Urin.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie nahmen 20 gesunde Erwachsene über 7 Tage entweder ein verdünntes Sauerkirsch-Saftkonzentrat oder ein Placebogetränk ein [1]. Die Gesamtmenge des im Urin über 48 Stunden ausgeschiedenen Melatonin-Metaboliten 6-Sulfatoxymelatonin war unter dem Saftkonzentrat statistisch gesichert höher als zu Studienbeginn, während sich zwischen Ausgangswert und Placebo-Phase kein Unterschied zeigte (p kleiner 0,05) [1]. Per Aktigraphie und Schlaffragebogen gemessen stiegen Zeit im Bett, Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz unter dem Saftkonzentrat statistisch gesichert an (p kleiner 0,05) [1]. Anders als beim Melatonin, wo die Arbeit die Placebophase ausdrücklich danebenstellt, weist sie für diese drei Schlafmaße keinen Vergleich zur Placebophase aus, der Anstieg ist im uns vorliegenden Text also nur als Veränderung innerhalb der Verumphase belegt [1]. Die Arbeit nennt Signifikanzen, aber keine Effektmaße mit Konfidenzintervall für diese Gruppenunterschiede. Bei der zirkadianen Timing des Melatoninrhythmus zeigte sich kein Unterschied, nur ein Trend zu einem höheren Mesor und einer größeren Amplitude [1]. Eine kleine Studie mit 20 Teilnehmenden über eine Woche, ohne Angabe zu Interessenkonflikten oder Förderung im Abstract, kein freier Volltext verfügbar.

    Quellen: 1

  2. 02

    Nächtliches Wachliegen nach dem Einschlafen bei älteren Erwachsenen mit anhaltender Schlaflosigkeit, unter einem Fruchtsaftgetränk geringer als unter Placebo, ohne Unterschied bei Einschlafzeit, Gesamtschlafzeit oder Schlafeffizienz

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Pilotstudie mit 15 älteren Betroffenen war nur das nächtliche Wachliegen nach dem Einschlafen unter einem Fruchtsaftgetränk geringer als unter Placebo. Einschlafzeit, Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz unterschieden sich nicht, die Effektstärken waren nach eigener Angabe der Autoren mäßig bis vernachlässigbar.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Pilotstudie mit zweiwöchiger Auswaschphase nahmen 15 ansonsten gesunde ältere Erwachsene mit chronischer Schlaflosigkeit über je 2 Wochen ein proprietäres Fruchtsaftgetränk eines Herstellers oder ein Placebogetränk ein [2]. Gegenüber Placebo zeigte sich eine statistisch gesicherte Verringerung der nächtlichen Wachzeit nach dem Einschlafen, während sich Einschlafzeit, Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz gegenüber Placebo nicht unterschieden [2]. Auch der Schweregrad der Schlaflosigkeit auf einem Fragebogen war unter dem Verum geringer als unter Placebo [2]. Die Autoren selbst beschreiben die Effektstärken als moderat und teils vernachlässigbar und stellen sie ausdrücklich neben die kleineren Effekte, die in Studien zu Baldrian und teils auch zu Melatonin gefunden wurden, deutlich unterhalb der Effekte etablierter Behandlungsformen wie Schlafmitteln oder Verhaltenstherapie [2]. Ein Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied nennt das Abstract nicht. Die Studie ist mit 15 Teilnehmenden sehr klein und geprüft wurde ein benanntes Handelsprodukt (CherryPharm), keine generische Zubereitung.

    Quellen: 2

  3. 03

    Schlafdauer, Tiefschlafanteil und Entzündungsmarker im Blut bei Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index über 30 und bestehenden Schlafproblemen, unter Pulverkapseln ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Cross-over-Studie mit 34 Betroffenen veränderte eine tägliche Pulverkapsel mit 500 Milligramm Sauerkirschpulver über 14 Tage weder Tiefschlafdauer noch Gesamtschlafzeit oder Entzündungsmarker gegenüber Placebo, etwa für die Tiefschlafdauer ein enges 95-Prozent-Intervall von minus 12,8 bis 11,6 Minuten.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, kontrollierten Cross-over-Studie nahmen 34 Erwachsene mit bestehenden Schlafproblemen und Übergewicht oder Adipositas (mittlerer Body-Mass-Index 32,1) über 14 Tage täglich eine Kapsel mit 500 Milligramm Montmorency-Kirschpulver oder Placebo eine Stunde vor dem Schlafengehen ein [3]. Für die per Schlafmessgerät erfasste Tiefschlafdauer betrug der Behandlungseffekt minus 0,57 Minuten, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 12,76 bis 11,62 (p gleich 0,93), für die REM-Schlafdauer plus 0,51 Minuten, Intervall minus 2,81 bis 3,82 (p gleich 0,76) [3]. Für die Gesamtschlafzeit betrug der Behandlungseffekt minus 9,52 Minuten, Intervall minus 33,80 bis 14,72 (p gleich 0,44), ein weniger eng eingegrenztes, aber ebenfalls die Null einschließendes Ergebnis [3]. Für Schlafqualität nach dem Pittsburgh-Fragebogen, der Schlafqualitäts-Skala und dem Insomnia-Schweregrad-Index sowie für die Entzündungsmarker C-reaktives Protein, TNF-alpha, Interleukin-6, Interleukin-8, Interleukin-10 und Interleukin-17A fand sich für keine der Messgrößen ein statistisch gesicherter Unterschied zu Placebo (p größer 0,05 für alle) [3]. Die Studie wurde vom Cherry Marketing Institute finanziert, einem Branchenverband der Kirschindustrie, und fand trotz dieser Förderung keinen Effekt [3]. Die Autoren schlagen selbst vor, künftige Studien an Menschen mit Übergewicht oder Adipositas sollten höhere Dosen prüfen als die hier verwendete. Geprüft wurde ein Pulverextrakt mit vergleichsweise geringer Tagesmenge, keine Aussage über höhere Dosen oder andere Zubereitungen ist daraus ableitbar.

    Quellen: 3

  4. 04

    Ausdauerleistung in einem Belastungstest nach mehrtägiger Einnahme von Saftkonzentrat oder Pulver vor dem Test, besser als unter Placebo

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Metaanalyse aus 10 Studien mit 147 Sportlerinnen und Sportlern fand eine kleine, aber statistisch gesicherte Verbesserung der Ausdauerleistung nach Einnahme von Sauerkirsch-Zubereitungen über 7 Tage bis 1,5 Stunden vor dem Test, ohne messbare Unterschiede zwischen den Einzelstudien.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2020 veröffentlichte Metaanalyse wertet 10 randomisierte, plazebokontrollierte Studien mit zusammen 127 Männern und 20 Frauen aus, die Sauerkirsch-Zubereitung in Saft- oder Pulverform zwischen 7 Tagen und 1,5 Stunden vor einem Ausdauerleistungstest einnahmen [4]. Die standardisierte mittlere Differenz gegenüber Placebo betrug 0,36, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,07 bis 0,64 (p gleich 0,01), ohne Heterogenität zwischen den Studien (I-Quadrat gleich 0) [4]. Die Metaanalyse führt den möglichen Wirkmechanismus auf den niedrigen glykämischen Index der Frucht, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften sowie eine mögliche Verbesserung der Durchblutung zurück, ohne dies in der Metaanalyse selbst experimentell zu trennen [4]. Die zusammengefassten Studien nutzen unterschiedliche Zubereitungen (Saft und Pulver) und unterschiedliche Belastungsprotokolle, das Konfidenzintervall reicht von einem kleinen bis zu einem moderaten Effekt.

    Quellen: 4

  5. 05

    Muskelkater nach intensiver Belastung, in einer älteren Übersichtsarbeit gebessert, in einer neueren Einzelstudie zu wiederholten Sprints ohne Unterschied zu Placebo

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Metaanalyse aus 14 Studien fand 2021 einen kleinen Effekt gegen Muskelkater nach Sauerkirsch-Einnahme. Eine neuere, in dieser Übersicht noch nicht enthaltene Studie zu wiederholten Sprints fand 2026 für denselben Endpunkt keinen Unterschied zu Placebo.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2021 veröffentlichte Metaanalyse aus 14 Studien zu Sauerkirsch-Supplementierung und Erholung nach intensiver Belastung fand für Muskelkater einen kleinen Effekt gegenüber Placebo (Effektstärke minus 0,44, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,87 bis minus 0,02) [5]. Eine 2026 veröffentlichte, in diese Metaanalyse noch nicht eingegangene randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Parallelgruppenstudie prüfte an 40 aktiven Erwachsenen 10 Tage lang 500 Milligramm Sauerkirschpulver täglich rund um ein Protokoll aus 15 wiederholten 30-Meter-Sprints [6]. Der subjektiv erfasste Muskelkater-Wert stieg dort in der Placebogruppe um 250 Prozent und in der Verumgruppe um 261 Prozent gegenüber dem Ausgangswert, ohne gesicherten Unterschied zwischen den Gruppen (p gleich 0,838) [6]. Beide Arbeiten prüfen denselben Endpunkt, Muskelkater nach intensiver körperlicher Belastung, mit einem Placebovergleich und vergleichbarer Population (aktive, junge Erwachsene). Die neuere Einzelstudie ist in der älteren Metaanalyse nicht enthalten, da sie erst 2026 erschien, und prüft mit wiederholten Sprints eine andere Belastungsart als die in der Metaanalyse überwiegenden Ausdauer- und Krafttests. Die Studie finanzierte sich über eine an der Forschung nicht beteiligte externe Firma, ein Interessenkonflikt eines Koautors mit einer Beratungsfirma ist offengelegt [6]. Für Kreatinkinase als Muskelschädigungsmarker fanden beide Arbeiten übereinstimmend keinen gesicherten Effekt, in der Metaanalyse ausdrücklich genannt, in der neueren Studie mit p gleich 0,31 [5][6].

    Quellen: 5, 6

  6. 06

    Erholung von Muskelkraft und Muskelleistung (Sprunghöhe, Sprintzeit) nach intensiver Belastung, in einer älteren Übersichtsarbeit gebessert, in einer neueren Einzelstudie zu wiederholten Sprints ohne Unterschied zu Placebo

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Metaanalyse aus 14 Studien fand 2021 einen moderaten bis großen Effekt für die Erholung von Kraft, Leistung und Sprunghöhe. Dieselbe neuere Sprint-Studie fand 2026 für Sprunghöhe und Kraftwerte keinen Unterschied zu Placebo.

    Ausführlicher Nachweis

    Dieselbe 2021 veröffentlichte Metaanalyse aus 14 Studien fand für die Erholung der Muskelkraft einen moderaten Effekt (minus 0,78, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,11 bis minus 0,46), für die Muskelleistung einen moderaten Effekt (minus 0,53, Intervall minus 0,77 bis minus 0,29), in einer Untergruppenanalyse für Sprunghöhe einen großen Effekt (minus 0,82, Intervall minus 1,18 bis minus 0,45) und für Sprintzeit einen kleinen Effekt (minus 0,32, Intervall minus 0,60 bis minus 0,04), jeweils zugunsten der Sauerkirsch-Gruppe [5]. Dieselbe 2026 veröffentlichte, in diese Metaanalyse nicht eingegangene Studie an 40 aktiven Erwachsenen mit 500 Milligramm Sauerkirschpulver täglich über 10 Tage fand für die Sprunghöhe nach dem Sprintprotokoll keinen gesicherten Unterschied (Placebo minus 6,7 Prozent gegenüber Verum minus 11,0 Prozent gegenüber dem Ausgangswert, p gleich 0,608), ebenso wenig für die isometrische Maximalkraft (Peak-Kraft, p gleich 0,194) und die isokinetische Kniestreckung (p gleich 0,335) [6]. Bei allen drei Kraft- und Leistungsmaßen fiel der numerische Trend in dieser Studie nicht zugunsten der Verumgruppe aus. Beide Arbeiten prüfen denselben Endpunktbereich, Kraft- und Leistungserholung nach intensiver Belastung, mit Placebovergleich, an vergleichbaren aktiven Erwachsenen, die neuere Studie ist in der älteren Metaanalyse nicht enthalten und prüft eine andere Belastungsart (wiederholte Sprints statt überwiegend Ausdauer- und Krafttests) [5][6]. Eine dritte, vergleichende Studie ohne Placebo fand 2024 an 12 Radsportlerinnen und Radsportlern zudem keinen Unterschied zwischen Sauerkirschsaft und einem Sportgetränk bei Zeitfahrleistung, Substratverbrennung oder Erholung der Muskelermüdung, allerdings ohne Placebokontrolle und mit einem aktiven Vergleichsgetränk, weshalb sie hier nur ergänzend und nicht als eigenständiger Beleg gewertet wird [7].

    Quellen: 5, 6, 7

  7. 07

    Harnsäurespiegel im Blut nach einer purinreichen Mahlzeit bei Menschen mit leicht erhöhtem Ausgangswert, unter Pulverkapseln ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen Cross-over-Studie mit 25 Betroffenen veränderte eine Kapsel mit konzentriertem Sauerkirschpulver den Anstieg der Harnsäure nach einer purinreichen Mahlzeit nicht gegenüber Placebo, senkte aber den Blutzuckeranstieg nach derselben Mahlzeit leicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie erhielten 25 Erwachsene mit leicht erhöhtem Nüchtern-Harnsäurewert (im Mittel 5,8 Milligramm je Deziliter) einmalig sowie über eine anschließende einwöchige tägliche Einnahme eine Kapsel mit 960 Milligramm eines konzentrierten Sauerkirschpulvers, quantifiziert mit 20,7 Milligramm Proanthocyanen, oder Placebo, jeweils zusammen mit einer purinreichen Testmahlzeit [8]. Für den Harnsäureanstieg nach der Mahlzeit fand sich weder bei der einmaligen noch bei der einwöchigen Einnahme ein statistisch gesicherter Unterschied zwischen den Bedingungen, ebenso wenig bei den pharmakokinetischen Kennwerten der Harnsäure [8]. Ein Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied bei der Harnsäure selbst geht aus dem uns vorliegenden Text nicht hervor, geprüft und nicht gefunden wurde die Wirkung damit in einer einzelnen kleinen Studie zu zwei Einnahmeformen. Der Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit war unter dem Sauerkirschpulver dagegen geringer, minus 4,2 Prozent gegenüber dem Ausgangswert, 95-Prozent-Intervall minus 7,7 bis minus 0,7 Prozent (p gleich 0,017), und einzelne Entzündungsbotenstoffe veränderten sich in Ansätzen [8]. Die Studie bezeichnet sich selbst als Konzeptstudie mit kleiner Teilnehmerzahl, ein Interessenkonflikt wird für die Studienförderung selbst nicht als bestehend erklärt.

    Quellen: 8

  8. 08

    Häufigkeit erneuter Gichtanfälle und C-reaktives Protein bei Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie, unter einer Sauerkirsch-Citrat-Kombination niedriger als unter einer Natriumbicarbonat-Vergleichsgruppe, beim Harnsäurespiegel selbst ohne Unterschied zwischen allen drei Gruppen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer offenen Vergleichsstudie mit 282 Männern hatten Teilnehmende unter einer Sauerkirsch-Citrat-Mischung nach 12 Wochen seltener erneute Gichtanfälle und ein niedrigeres CRP als unter Natriumbicarbonat. Es gab keine Placebogruppe, und der Harnsäurespiegel selbst sank in allen drei Gruppen gleich stark.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer prospektiven, randomisierten, offenen Vergleichsstudie ohne Placebogruppe erhielten 282 Männer mit Gicht und niedrigem Urin-pH-Wert bei Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie mit Febuxostat zusätzlich entweder Natriumbicarbonat, eine Citrat-Mischung oder eine Sauerkirsch-Citrat-Mischung, über 12 Wochen [9]. Der Urin-pH-Wert stieg und der Harnsäurespiegel sank in allen drei Gruppen in vergleichbarem Ausmaß, ohne gesicherten Unterschied zwischen den Gruppen [9]. Das Verhältnis von Albumin zu Kreatinin im Urin sank in der Sauerkirsch-Citrat-Gruppe nach 12 Wochen stärker als in den beiden anderen Gruppen (p kleiner 0,05), erneute Gichtanfälle traten unter der Sauerkirsch-Citrat-Mischung und der reinen Citrat-Mischung seltener auf als unter Natriumbicarbonat (p kleiner 0,05), und das C-reaktive Protein lag in der Sauerkirsch-Citrat-Gruppe nach 12 Wochen niedriger als in den beiden anderen Gruppen (p kleiner 0,01) [9]. Nebenwirkungen unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht [9]. Geprüft wurde eine Mischung aus Sauerkirschextrakt und einer Citrat-Zubereitung gegen zwei aktive Vergleichsbehandlungen, keine Placebogruppe, und die Studie war nicht verblindet. Der Anteil des Sauerkirschbestandteils an den gefundenen Unterschieden lässt sich aus dem Studiendesign nicht isolieren.

    Quellen: 9

  9. 09

    Aufnahme und Blutspiegel von Anthocyanen sowie Genaktivität von Antioxidations- und Entzündungsmarkern nach akuter Einnahme von Sauerkirsch-Saftkonzentrat bei Menschen mit Gicht, dosisabhängig messbar

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Betroffenen mit Gicht stieg der Blutspiegel des Hauptanthocyans nach 60 beziehungsweise 120 Millilitern Saftkonzentrat dosisabhängig an, begleitet von einer veränderten Genaktivität einzelner Antioxidations- und Entzündungsmarker. Gemessen wurden Blutwerte und Genaktivität, kein klinischer Endpunkt wie ein Gichtanfall.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten Studie erhielten Menschen mit einer Gicht-Vorgeschichte einmalig entweder 60 oder 120 Milliliter eines Sauerkirsch-Saftkonzentrats [10]. Das mengenmäßig bedeutsamste Anthocyan, Cyanidin-3-glucosylrutinosid, erreichte im Blut die höchste Konzentration aller gemessenen Anthocyane und stieg dosisabhängig an [10]. Vor und nach der Einnahme gemessen veränderte sich zudem die Genaktivität einzelner antioxidativer und entzündungsbezogener Marker per quantitativer PCR [10]. Die Arbeit ist als pharmakokinetische und pharmakodynamische Modellstudie angelegt und nennt weder einen klinischen Endpunkt wie die Häufigkeit von Gichtanfällen noch ein Konfidenzintervall für die Genaktivitäts-Unterschiede. Sie zeigt, dass die Inhaltsstoffe des Saftkonzentrats bei Menschen mit Gicht messbar aufgenommen werden und Zielgene beeinflussen, ohne dass daraus ein klinischer Nutzen abgeleitet werden kann.

    Quellen: 10

Studien im Detail

Schlaf

Die drei vorliegenden Schlafstudien prüfen drei verschiedene Zubereitungen und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein verdünntes Saftkonzentrat verbesserte in einer kleinen Studie an gesunden Erwachsenen mehrere Schlafmaße und ging mit einer höheren Melatonin-Ausscheidung einher. Ein Fruchtsaftgetränk eines bestimmten Herstellers besserte bei älteren Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit nur das nächtliche Wachliegen, nicht aber Einschlafzeit, Gesamtschlafzeit oder Schlafeffizienz, mit nach eigener Angabe der Autoren moderaten bis vernachlässigbaren Effektstärken. Eine neuere, deutlich sauberer ausgewertete Studie an Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und Schlafproblemen fand für eine Pulverkapsel mit der in Präparaten üblichen Dosis keinerlei Unterschied zu Placebo, weder bei objektiven noch bei subjektiven Schlafmaßen und auch nicht bei Entzündungsmarkern im Blut, obwohl die Studie von einem Verband der Kirschindustrie finanziert wurde.

Sportliche Leistung und Erholung

Für die Ausdauerleistung selbst ist die Studienlage über eine Metaanalyse mit 10 Studien und einer sicheren, wenn auch kleinen Effektgröße vergleichsweise solide. Für die Erholung nach intensiver Belastung, gemessen an Muskelkater, Muskelkraft und Muskelleistung, fand eine ältere Metaanalyse ebenfalls positive Effekte, während eine neuere, noch nicht darin enthaltene Einzelstudie zu einer anderen Belastungsform (wiederholte Sprints) keinen Unterschied zu Placebo fand. Übereinstimmend fanden beide Arbeiten keinen gesicherten Effekt auf die Kreatinkinase als Marker der Muskelschädigung.

Harnsäure und Gicht

Zur Harnsäure und zu Gicht liegen drei kleine bis mittelgroße Studien mit unterschiedlichem Design vor, keine davon ein einfacher Placebovergleich bei einem klinischen Endpunkt wie der Häufigkeit von Gichtanfällen unter alleiniger Sauerkirsch-Einnahme. Eine Studie zur akuten Harnsäurereaktion auf eine purinreiche Mahlzeit fand keinen Unterschied zu Placebo bei der Harnsäure selbst, wohl aber bei einem sekundären Blutzuckerwert. Eine größere Vergleichsstudie ohne Placebogruppe fand bei einer Sauerkirsch-Citrat-Mischung im Vergleich zu zwei anderen aktiven Behandlungen seltener erneute Gichtanfälle und ein niedrigeres CRP, jedoch keinen Unterschied bei der Harnsäure selbst. Eine dritte, pharmakokinetisch angelegte Studie zeigt lediglich, dass die Anthocyane des Saftkonzentrats bei Menschen mit Gicht messbar aufgenommen werden und einzelne Zielgene beeinflussen, ohne einen klinischen Endpunkt zu prüfen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den vorliegenden Studien war die Einnahme von Sauerkirsch-Zubereitungen als Saft, Konzentrat oder Pulver gut verträglich, mit Nebenwirkungsraten auf dem Niveau von Placebo oder aktiven Vergleichspräparaten.

Da mehrere Zubereitungen geringe Mengen an natürlichem Melatonin enthalten und in einer Studie die körpereigene Melatoninausscheidung erhöhten, ist bei gleichzeitiger Einnahme von Schlafmitteln oder anderen sedierenden Medikamenten Zurückhaltung sinnvoll. Wegen des möglichen Einflusses auf Blutzuckerwerte, wie er in einer Studie nach einer Testmahlzeit auftrat, ist bei einer bestehenden Zuckerkrankheit oder blutzuckersenkenden Medikamenten auf mögliche Wechselwirkungen zu achten. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 20, 7 Tage · 2012

    Effect of tart cherry juice (Prunus cerasus) on melatonin levels and enhanced sleep quality

    Howatson G, Bell PG, Tallent J, Middleton B, McHugh MP, Ellis J. Eur J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, Pilotstudie, n gleich 15, je 2 Wochen · 2010

    Effects of a tart cherry juice beverage on the sleep of older adults with insomnia, a pilot study

    Pigeon WR, Carr M, Gorman C, Perlis ML. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    RCT, kontrolliert, Cross-over, n gleich 34, 14 Tage, herstellernah finanziert · 2024

    Commonly Used Dose of Montmorency Tart Cherry Powder Does Not Improve Sleep or Inflammation Outcomes in Individuals with Overweight or Obesity

    Tucker RM, Kim N, Gurzell E, Mathi S, Chavva S, Senthilkumar D, Bartunek O, Fenton KC, Herndon-Fenton SJ, Cardino VN, Cooney GM, Young S, Fenton JI. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Metaanalyse, 10 RCT, n gleich 147 (127 Männer, 20 Frauen) · 2020

    Effect of Tart Cherry Concentrate on Endurance Exercise Performance, A Meta-analysis

    Gao R, Chilibeck PD. J Am Coll Nutr

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    Metaanalyse, 14 Studien · 2021

    Tart Cherry Supplementation and Recovery From Strenuous Exercise, A Systematic Review and Meta-Analysis

    Hill JA, Keane KM, Quinlan R, Howatson G. Int J Sport Nutr Exerc Metab

    Zur Zuschreibung: 05, 06

  6. 06

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Parallelgruppen, n gleich 40, 10 Tage, extern finanziert · 2026

    Impact of Powdered Tart Cherry Supplementation on Performance Recovery Following Repeated Sprint Exercise

    Hagele AM, Levers KS, Holley KF, Schrautemeier AC, Krieger JM, Iannotti JM, Gaige CJ, Jäger R, Kerksick CM. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 05, 06

  7. 07

    RCT, Cross-over, aktiver Vergleich ohne Placebo, n gleich 12 · 2024

    The effect of tart cherry juice compared to a sports drink on cycling exercise performance, substrate metabolism, and recovery

    Gao R, Rapin N, Andrushko JW, Farthing JP, Gordon J, Chilibeck PD. PLoS One

    Zur Zuschreibung: 06

  8. 08

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 25 · 2024

    Effects of Acute and One-Week Supplementation with Montmorency Tart Cherry Powder on Food-Induced Uremic Response and Markers of Health, A Proof-of-Concept Study

    Gonzalez DE, Kendra JA, Dickerson BL, Yoo C, Ko J, McAngus K, Martinez V, Leonard M, Johnson SE, Xing D, Sowinski RJ, Rasmussen CJ, Kreider RB. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 07

  9. 09

    RCT, offen, Parallelgruppen ohne Placebo, n gleich 282, 12 Wochen · 2023

    Efficacy and safety of tart cherry supplementary citrate mixture on gout patients, a prospective, randomized, controlled study

    Wang C, Sun W, Dalbeth N, Wang Z, Wang X, Ji X, Xue X, Han L, Cui L, Li X, Liu Z, Ji A, He Y, Sun M, Li C. Arthritis Res Ther

    Zur Zuschreibung: 08

  10. 10

    Pharmakokinetische und pharmakodynamische Modellstudie, randomisiert, kein klinischer Endpunkt · 2023

    Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Anthocyanins after Administration of Tart Cherry Juice to Individuals with Gout

    Brunetti L, Wang L, Wassef A, Gong Y, Brinker A, Buckley B, Lipsky PE, Ondar P, Poiani G, Zhao L, Kong AN, Schlesinger N. Mol Nutr Food Res

    Zur Zuschreibung: 09

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