Schmetterlingstrameten-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pilze
Trametes versicolor · Coriolus versicolor · Polyporus versicolor · Schmetterlingsporling · Yun Zhi · Kawaratake · Turkey Tail
Auf einen Blick
- Was es ist
- Auszug aus dem Pilz Trametes versicolor, reich an eiweißgebundenen Polysacchariden mit hohem Beta-Glucan-Anteil
- Herkunft
- Ein weltweit verbreiteter Porling, der auf abgestorbenem Laubholz wächst. Er ist nicht essbar, verwendet werden Heißwasserauszüge und aufgereinigte Polysaccharid-Präparate
- Wirkform in Studien
- Fast ausschließlich PSK, ein aufgereinigtes eiweißgebundenes Polysaccharid aus kultiviertem Myzel des Stammes CM-101, das in Japan unter dem Namen Krestin als Arzneimittel zugelassen war und dort seit September 2017 nicht mehr hergestellt wird. Das in China entwickelte Gegenstück PSP stammt aus dem Myzel des Stammes COV-1. Beide sind aufgereinigte Einzelpräparate und nicht dasselbe wie ein Nahrungsergänzungsmittel aus dem Handel
- Fruchtkörper oder Myzel
- Die traditionelle Anwendung nutzt einen Heißwasserauszug des ganzen Fruchtkörpers, die klinisch geprüften Präparate PSK und PSP stammen dagegen aus kultiviertem Myzel. Viele Handelsprodukte bestehen wiederum aus Myzel, das auf Getreidesubstrat gezogen und mitsamt Substrat vermahlen wird. Diese drei Formen sind nicht austauschbar, und die vorliegenden Humanstudien decken nur die zweite ab
- Übliche Studiendosis
- 3 g PSK täglich laut Herstellerangabe, in klinischen Studien überwiegend 1 bis 3,6 g täglich über vier Wochen bis drei Jahre. Das chinesische Arzneibuch nennt für den Pilz selbst 9 bis 27 g täglich als Abkochung
- Bekannt geworden durch
- Die Entwicklung von PSK in Japan in den 1960er Jahren und dessen dortige arzneiliche Zulassung als Begleitmittel, dazu die traditionelle Verwendung als Yun Zhi
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien überwiegend mild. Beschrieben sind vor allem Verfärbungen der Fingernägel und des Stuhls sowie Husten bei der Einnahme
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Zusammensetzung der Darmflora bei gesunden Erwachsenen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte Studie an 24 gesunden Erwachsenen fand deutliche Verschiebungen der Darmflora. Was diese Verschiebungen für die Gesundheit bedeuten, hat die Studie nicht gemessen.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten klinischen Studie wurden 24 gesunde Freiwillige einem von drei Armen zugeteilt, Polysaccharopeptid aus Trametes versicolor, Amoxicillin oder keine Behandlung [2]. 22 der 24 Teilnehmenden beendeten das Protokoll, in den beiden Behandlungsarmen wurden über acht Wochen sieben Stuhlproben je Person untersucht, in der Kontrollgruppe drei [2]. Die Autoren beschreiben unter dem Polysaccharopeptid klare und gleichgerichtete Veränderungen der Darmflora, die sie als präbiotische Wirkung deuten, während Amoxicillin vor allem den Anteil von Escherichia und Shigella erhöhte und diese Veränderung noch 42 Tage nach Ende der Antibiotikagabe anhielt [2]. Die Autoren halten zugleich fest, dass die Ausgangszusammensetzung jeder Person stabil blieb und die Behandlungseffekte überlagerte [2]. Zu dieser Arbeit lag uns kein Volltext vor. Das Abstract nennt die Zubereitung, es handelt sich um PSP, aber weder die Tagesdosis noch ein Effektmaß mit Intervall, und es benennt keine einzelne Bakteriengattung, die unter dem Präparat zugenommen hätte. Europe PMC weist als Förderung einen Zuschuss der US-Gesundheitsbehörde NCATS aus, eine Herstellerbindung ist daraus nicht erkennbar. Aus demselben Arbeitskreis stammt ein Reagenzglasversuch, in dem menschliche Stuhlflora mit demselben Auszug bebrütet wurde und in dem Bifidobakterien und Laktobazillen zunahmen, während Clostridien, Staphylokokken und Enterokokken abnahmen [8]. Dieser Versuch fand außerhalb des Körpers statt und zählt hier nicht als zweiter unabhängiger Beleg am Menschen, sondern als Erklärungsversuch zu derselben Beobachtung. Gemessen wurde in beiden Arbeiten allein die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft und kein gesundheitlicher Endpunkt.
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02
Gesamtüberleben nach fünf Jahren bei Erwachsenen unter begleitender Chemotherapie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Cochrane-Übersicht fand über fünf Jahre einen kleinen Vorteil, stuft ihre eigene Aussagesicherheit aber als niedrig ein. Keine der Studien hatte eine Scheinbehandlung, und die Chemotherapien entsprechen nicht mehr dem heutigen Vorgehen.
Ausführlicher Nachweis
Die Cochrane-Übersicht von 2022 wertete sieben randomisierte Studien mit zusammen 1569 Teilnehmenden aus, sechs davon aus Japan und eine aus China [1]. Geprüft wurde in allen sieben ausschließlich PSK, kein anderes Präparat und nicht der ganze Pilz, überwiegend nach einer Operation und über vier Wochen bis drei Jahre, bei einer üblichen Tagesdosis von 3 g [1]. Für das Überleben nach fünf Jahren ergab die Zusammenfassung von drei Studien mit 1094 Teilnehmenden ein relatives Risiko von 1,08 bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,01 bis 1,15, ohne Heterogenität zwischen den Studien, was einer Verbesserung um 6 Prozentpunkte in absoluten Zahlen entspricht, 95-Prozent-Intervall 1 bis 11 Prozentpunkte, und einer Zahl von 16 zu Behandelnden je zusätzlichem Nutzen, 95-Prozent-Intervall 9 bis 70 [1]. Zu allen anderen Zeitpunkten war kein Unterschied belegt, nach einem Jahr 1,02 mit Intervall 0,99 bis 1,05, nach drei Jahren 1,04 mit Intervall 0,94 bis 1,15 und nach sieben Jahren 1,05 mit Intervall 0,95 bis 1,16 [1]. Die Autoren stufen die Sicherheit dieser Aussage nach GRADE als niedrig ein und begründen die Abwertung mit Übertragbarkeit und Ungenauigkeit [1]. Entscheidend für die Einordnung sind vier Punkte, die alle im Volltext stehen. Erstens hatte keine der sieben Studien eine Scheinbehandlung, verglichen wurde stets gegen die alleinige Standardbehandlung, und keine Studie war verblindet [1]. Zweitens berichtete keine einzige Studie ihre Geldgeber [1]. Drittens nutzte nur eine der sieben Studien ein Chemotherapieschema, das heute noch bevorzugt eingesetzt wird, weshalb die Autoren selbst schreiben, ein Vorteil lasse sich nicht ohne Weiteres auf die heutige Praxis übertragen [1]. Viertens betraf die Untersuchung durchgehend Erwachsene unter laufender oder gerade abgeschlossener onkologischer Behandlung, nicht gesunde Menschen und nicht eine Nahrungsergänzung. Scheinbehandlungskontrollierte Studien zu diesem Pilz gibt es sehr wohl, die Cochrane-Übersicht nennt selbst zwei davon, Torisu 1986 und Torisu 1990, und schloss beide aus, weil dort keine begleitende Chemotherapie lief [1]. Die als Quelle 5 geführte Arbeit ist die einzige scheinbehandlungskontrollierte Studie in diesem Eintrag, sie umfasste 15 Personen, wurde 2 zu 1 randomisiert und fand für ihren Hauptendpunkt keinen Unterschied, Hazard Ratio 0,70 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,16 bis 3,05 [5]. Sie ist zu klein für eine Aussage in beide Richtungen und ist in der Cochrane-Übersicht nicht enthalten, da sie eine andere Population betraf.
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03
Abbruch der begleitenden Chemotherapie wegen unerwünschter Wirkungen, ohne Unterschied zur alleinigen Chemotherapie
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In drei Studien mit 703 Teilnehmenden brachen unter PSK gleich viele Menschen die Behandlung ab wie ohne. Der geprüfte Unterschied zeigte sich nicht, das Intervall ist dabei so weit, dass es einen Nutzen ebenso wenig ausschließt wie einen Nachteil.
Ausführlicher Nachweis
Die Cochrane-Übersicht fasste für den Abbruch der Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen drei Studien mit 703 Teilnehmenden zusammen und fand ein relatives Risiko von 1,03 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,45 bis 2,34, ohne Heterogenität [1]. Die Autoren stufen die Sicherheit dieser Aussage als sehr niedrig ein, abgewertet wegen Verzerrungsrisiko, Übertragbarkeit und Ungenauigkeit [1]. Das Intervall reicht von einer Halbierung bis zu einer Verdoppelung des Abbruchrisikos. Die Wirkung wurde damit an 703 Teilnehmenden geprüft und nicht gefunden, ein Ausbleiben der Wirkung ist mit dieser Unschärfe aber ebenfalls nicht bewiesen. Für die Änderung der Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen lag nur eine Studie mit 50 Teilnehmenden vor, relatives Risiko 3,00 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,13 bis 70,30 [1]. Keine der Studien hatte eine Scheinbehandlung, keine war verblindet, und die Autoren halten ausdrücklich fest, dass unklar bleibt, ob berichtete unerwünschte Wirkungen von der Chemotherapie oder vom Pilzpräparat stammten [1]. Geprüft wurde ausschließlich PSK aus kultiviertem Myzel, kein Fruchtkörperextrakt aus dem Handel.
Quellen: 1
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04
Zahl der neutrophilen Granulozyten unter begleitender Chemotherapie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In drei kleinen Studien mit zusammen 133 Teilnehmenden sank die Zahl dieser weißen Blutkörperchen seltener stark ab. Die Cochrane-Autoren halten ihre eigene Aussagesicherheit dazu für sehr niedrig.
Ausführlicher Nachweis
Die Cochrane-Übersicht fand für ein Absinken der neutrophilen Granulozyten ein relatives Risiko von 0,41 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,24 bis 0,71 aus drei Studien mit 133 Teilnehmenden, ohne Heterogenität, was einer Reduktion um 21 Prozentpunkte in absoluten Zahlen entspricht, 95-Prozent-Intervall 7 bis 36 Prozentpunkte, und einer Zahl von 5 zu Behandelnden je zusätzlichem Nutzen [1]. Für ein schweres Absinken lauteten die Werte 0,39 bei einem Intervall von 0,18 bis 0,84 aus denselben drei Studien [1]. Die Autoren stufen die Sicherheit beider Aussagen als sehr niedrig ein, abgewertet wegen Verzerrungsrisiko, Übertragbarkeit und Ungenauigkeit, und schreiben in ihrer Schlussfolgerung ausdrücklich, sie seien über den Effekt auf die neutrophilen Granulozyten im Unklaren [1]. Diese absoluten Werte und die Zahl zu Behandelnder stehen im Ergebnisteil des freien Volltexts unter Analyse 1.7.3 und 1.7.4 und nicht im Abstract [1]. Für die weißen Blutkörperchen insgesamt fand dieselbe Übersicht in Analyse 1.7.1 aus vier Studien mit 972 Teilnehmenden keinen Unterschied, relatives Risiko 0,88 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,44 bis 1,74, bei erheblicher Heterogenität [1]. Für Blutarmut lag der Wert in Analyse 1.3.1 bei 0,78 mit einem Intervall von 0,57 bis 1,07 aus vier Studien mit 972 Teilnehmenden [1]. Die drei Studien zu den neutrophilen Granulozyten sind damit die kleinste Datenbasis unter den Blutwerten, und der einzige belegte Befund stammt aus dem kleinsten Bestand. Keine Scheinbehandlung, keine Verblindung, keine Studie nannte ihre Geldgeber, geprüft wurde ausschließlich PSK [1].
Quellen: 1
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05
Übelkeit, Durchfall und Beschwerden der Mundschleimhaut unter begleitender Chemotherapie, jeweils ohne Unterschied zur alleinigen Chemotherapie
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In vier bis fünf Studien mit rund tausend Teilnehmenden zeigte sich für jede dieser drei Beschwerden kein Unterschied. Die Intervalle sind dabei so weit, dass sich aus dem Nullbefund kein Beweis für ein Ausbleiben der Wirkung ableiten lässt.
Ausführlicher Nachweis
Aus der Cochrane-Übersicht ergaben sich für Übelkeit ein relatives Risiko von 0,73 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,44 bis 1,22 aus vier Studien mit 969 Teilnehmenden, für Durchfall 0,77 bei einem Intervall von 0,32 bis 1,86 aus fünf Studien mit 1022 Teilnehmenden und für Beschwerden der Mundhöhle wie Trockenheit und Schleimhautentzündung 0,37 bei einem Intervall von 0,13 bis 1,03 aus fünf Studien mit 1022 Teilnehmenden [1]. Alle drei Aussagen tragen nach GRADE sehr niedrige Sicherheit, abgewertet wegen Verzerrungsrisiko, Übertragbarkeit und Ungenauigkeit [1]. Jedes der drei Intervalle reicht von einer deutlichen Verringerung bis nahe an eine Verdoppelung oder darüber hinaus. In allen drei Fällen wurde die Wirkung damit an rund tausend Teilnehmenden geprüft und nicht gefunden, gezeigt ist dabei Unschärfe und kein Gleichstand, wie schon bei der Zeile zum Behandlungsabbruch. Die Cochrane-Autoren halten fest, dass die Erhebung der unerwünschten Wirkungen zwischen den Studien stark schwankte, dass die Methode der Erfassung meist unklar blieb und dass alle Studien für selbst berichtete Endpunkte ein hohes Verzerrungsrisiko tragen, weil niemand verblindet war [1].
Quellen: 1
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06
Erschöpfung unter begleitender Chemotherapie, ohne Unterschied zur alleinigen Chemotherapie
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In drei Studien mit zusammen 133 Teilnehmenden kein Unterschied. Erschöpfung wurde von den Teilnehmenden selbst berichtet, und niemand war verblindet.
Ausführlicher Nachweis
Für Erschöpfung fand die Cochrane-Übersicht ein relatives Risiko von 0,76 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,33 bis 1,78 aus drei Studien mit 133 Teilnehmenden, bei geringer Heterogenität [1]. Die Sicherheit der Aussage ist sehr niedrig [1]. Das Intervall reicht von einer Verringerung um zwei Drittel bis zu einer Erhöhung um drei Viertel und lässt damit beides offen. Erschöpfung ist ein selbst berichteter Endpunkt, und die Cochrane-Autoren stufen alle Studien für selbst berichtete Endpunkte als hoch verzerrungsanfällig ein, weil keine Studie verblindet war und es keine Scheinbehandlung gab [1]. Für Schmerzen lag der Wert in Analyse 1.6.3 des freien Volltexts bei 1,20 mit einem Intervall von 0,74 bis 1,95 aus einer Studie mit 441 Teilnehmenden, für allgemeines Unwohlsein in Analyse 1.6.4 bei 1,03 mit einem Intervall von 0,06 bis 16,32 aus einer Studie mit 448 Teilnehmenden [1]. Beide Zahlen stehen nicht im Abstract. Die verbreitete Zuschreibung, der Pilz wirke als stärkendes Mittel gegen Müdigkeit und Kraftlosigkeit, stammt aus der traditionellen Verwendung und nicht aus diesen Zahlen [1]. In der einzigen scheinbehandlungskontrollierten Studie berichteten die Teilnehmenden unter dem Pilzpräparat weniger Appetitverlust und weniger Schmerzen als unter Scheinbehandlung, die Studie umfasste jedoch nur 15 Personen, nannte für diese Nebenendpunkte kein Effektmaß mit Intervall und war offen geführt [5].
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07
Nachweis von HPV 16 oder 18 im Mundabstrich nach zwei Monaten, nur zusammen mit Ganoderma lucidum geprüft
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer vorläufigen Studie an 61 Personen war der Erreger nach zwei Monaten deutlich seltener nachweisbar. Geprüft wurde eine Mischung aus zwei Pilzen gegen einen dritten Pilz, nicht gegen eine Scheinbehandlung.
Ausführlicher Nachweis
Von 472 Personen, die aus einem anderen Anlass einen Mundabstrich erhielten, waren 61 im Nachweisverfahren positiv für HPV 16 oder HPV 18 [3]. 20 von ihnen erhielten zwei Monate lang Laetiporus sulphureus, 41 erhielten Trametes versicolor zusammen mit Ganoderma lucidum [3]. Nach zwei Monaten war der Erreger in der ersten Gruppe bei 5 Prozent und in der zweiten bei 88 Prozent nicht mehr nachweisbar, p kleiner 0,001 [3]. Vier Vorbehalte begrenzen diese Zahl. Erstens gab es keine Scheinbehandlung, der Vergleichsarm erhielt einen anderen Pilz. Zweitens wurde Trametes versicolor nur in fester Kombination mit Ganoderma lucidum gegeben, ein eigener Beitrag des einen oder anderen Pilzes lässt sich daraus nicht ableiten. Drittens nennen die Autoren die Arbeit selbst vorläufig und fordern weitere Untersuchungen [3]. Viertens lag uns zu dieser Arbeit kein Volltext vor, weshalb Dosis, Zubereitungsform, Verblindung, Zuteilungsverfahren, Förderung und Interessenlage nicht überprüfbar sind, und das Abstract nennt kein Effektmaß mit Intervall. Die einzige größere randomisierte Arbeit zu einem Nachweisendpunkt bei HPV prüfte ein Gel zur örtlichen Anwendung an der Scheide und keine Einnahme über den Mund, an 91 Frauen und offen geführt gegen abwartendes Beobachten [4]. Sie ist deshalb weder auf eine Kapsel noch auf einen anderen Anwendungsort übertragbar und wird hier nur als Abgrenzung genannt.
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08
Aktivität natürlicher Killerzellen und Zahl der Immunzellen bei gesunden Erwachsenen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gesucht und keine Studie gefunden, die diese Blutwerte bei gesunden Menschen unter diesem Pilz gemessen hat.
Ausführlicher Nachweis
Gesucht wurde in PubMed, jeweils über alle Publikationstypen, mit den Suchbegriffen "Trametes versicolor OR Coriolus versicolor" zusammen mit "immune function healthy volunteers" und "Trametes versicolor OR Coriolus versicolor OR polysaccharide-K OR polysaccharopeptide" zusammen mit "immune parameters healthy subjects", beide ohne Treffer, sowie "Trametes versicolor OR Coriolus versicolor" zusammen mit "natural killer cell" mit einem einzigen Treffer, einer Mäusestudie. Die breitere Suche mit "Trametes versicolor OR Coriolus versicolor" zusammen mit "Coriolus versicolor immune" lieferte 56 Treffer, darunter keine Untersuchung an gesunden Menschen mit Immunwerten als Endpunkt. Eine systematische Übersicht zu essbaren Polysacchariden ordnet die vorliegenden Humandaten zu diesem Pilz ausdrücklich Erwachsenen unter onkologischer Behandlung zu und nicht gesunden Erwachsenen [6]. Die verbreitete Aussage, der Extrakt steigere bei Gesunden die Zahl oder die Aktivität von T-Zellen, Fresszellen oder natürlichen Killerzellen, hat damit keine uns vorliegende Grundlage am gesunden Menschen. Eine 2026 veröffentlichte randomisierte, scheinbehandlungskontrollierte Studie an 90 geimpften Erwachsenen, PMID 41620671, prüfte ein Myzelpräparat aus Fomitopsis officinalis und Trametes versicolor und maß Antikörperspiegel sowie Leber- und Nierenwerte, aber weder Zahl noch Aktivität von Immunzellen. Sie ist eine feste Zweierkombination, und einer ihrer Autoren arbeitet in der Forschungsabteilung eines Pilzpräparateherstellers, während die Interessenerklärung der Arbeit keinen Interessenkonflikt nennt. Was wir nicht gefunden haben, ist nicht dasselbe wie ein Nachweis, dass es nichts gibt.
Quellen: 6
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09
Häufigkeit von Erkältungen und anderen Atemwegsinfekten
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gesucht und keine Studie am Menschen gefunden, die gezählt hätte, wie oft jemand unter diesem Pilz krank wird.
Ausführlicher Nachweis
Gesucht wurde in PubMed über alle Publikationstypen mit den Suchbegriffen "Trametes versicolor OR Coriolus versicolor" zusammen mit "upper respiratory tract infection" und zusammen mit "common cold respiratory infection", beide ohne einen einzigen Treffer. Es liegt uns damit keine Untersuchung vor, die die Zahl von Infekten, die Dauer von Beschwerden oder Krankheitstage als Endpunkt geführt hätte, weder bei gesunden noch bei anderen Erwachsenen. Vorhanden sind ausschließlich Zellversuche zur Virusvermehrung, siehe die eigene Zeile dazu.
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10
Leberfunktion und Entgiftung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gesucht und keine Studie gefunden, in der die Leberwerte gesunder Menschen unter diesem Pilz gemessen worden wären.
Ausführlicher Nachweis
Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen "Trametes versicolor" zusammen mit "hepatoprotective liver", einschließlich Labor- und Tierstudien, ohne einen einzigen Treffer, und mit "Trametes versicolor OR Coriolus versicolor" zusammen mit "liver function" über alle Publikationstypen mit einem einzigen Treffer, einer Studie an 15 Erwachsenen mit eingeschränkter Leberfunktion, die den Pilz nicht auf Leberwerte, sondern auf Krankheitsverlauf und Lebensqualität prüfte [5]. Die Cochrane-Übersicht führt Anstiege der Leberwerte AST, ALT, alkalische Phosphatase und Bilirubin unter PSK als unerwünschte Wirkungen auf und stuft alle diese Auswertungen als sehr unsicher ein, in beide Richtungen [1]. Zur häufig behaupteten leberschützenden oder entgiftenden Wirkung liegt uns keine Humanstudie vor. Eine Tierstudie gibt es dagegen sehr wohl. Eine Mäusestudie zu einem Polysaccharid aus fermentiertem Myzel bei nichtalkoholischer Fettleber, PMID 37499724, wird von der engen Suche nach dem Wort hepatoprotective nicht erfasst und ist hier nicht als Quelle aufgeführt. Sie prüft weder PSK noch PSP und keinen Menschen. Wir haben nichts gefunden, das heißt nicht, dass es nichts gibt.
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11
Vermehrung von Grippe- und Herpesviren in der Zellkultur
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Nur Reagenzglasversuche an Zellkulturen. Am Menschen ist das nicht geprüft.
Ausführlicher Nachweis
In einer Untersuchung an zehn Pilzarten hemmte das Myzel von Trametes versicolor in Zellkultur die Vermehrung des Grippevirus A vom Serotyp H1N1 und, anders als sechs der zehn geprüften Arten, auch die des Herpes-simplex-Virus Typ 2 [7]. Für den geprüften Stamm mit der Nummer 353 geben die Autoren ein Verhältnis von wirksamer zu zellschädigender Konzentration von 324,67 an und nennen das Myzel deshalb einen möglichen Ausgangsstoff für die Arzneimittelentwicklung [7]. Die Versuche fanden ausschließlich in Zellkulturen statt, an Hundenierenzellen für das Grippevirus und an Kaninchennierenzellen für das Herpesvirus [7]. Geprüft wurde Myzel und kein Fruchtkörperextrakt. Es gibt keine Übertragung dieses Befunds auf eine Einnahme über den Mund, keine Angabe zu einer im Körper erreichbaren Konzentration und keine Untersuchung am Menschen zu einem Virusverlauf. Die verbreitete Zuschreibung einer antiviralen Wirkung gegen Grippe, Herpes und Hepatitis B beruht auf Arbeiten dieser Art.
Quellen: 7
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12
Entzündungszeichen und Fettoxidation in Zell- und Tierversuchen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Nur Reagenzglas- und Mäuseversuche. Am Menschen ist keine dieser Wirkungen geprüft.
Ausführlicher Nachweis
Ein ethanolischer Auszug aus Trametes versicolor hemmte im Reagenzglas die Bildung von Abbauprodukten der Fettoxidation um 86,99 bis 92,18 Prozent bei einer Konzentration von 1000 Mikrogramm je Milliliter und verringerte im Mäuseohr-Modell die Schwellung stärker als die Kontrolle, p kleiner oder gleich 0,05 [11]. Dieselbe Arbeit fand für den Auszug bei 1000 Mikrogramm je Milliliter eine Giftwirkung auf einen wirbellosen Testorganismus, was bei der Bewertung der beiden Positivbefunde mitzulesen ist [11]. In einer zweiten Arbeit wurde aus dem Fruchtkörper von Trametes versicolor ein 12-Kilodalton-Eiweiß mit der Bezeichnung YZP gereinigt, das in Mäuse-B-Lymphozyten die Ausschüttung des entzündungsdämpfenden Botenstoffs Interleukin-10 mehr als versechzigfachte und in einem Mausmodell einer akuten Darmentzündung Krankheitszeichen und Entzündung des Darms verringerte [9]. Beide Arbeiten fanden ausschließlich im Reagenzglas und an Mäusen statt. Die zweite prüfte ein isoliertes Einzeleiweiß aus dem Fruchtkörper und nicht die Polysaccharid-Präparate PSK oder PSP, die den Humanstudien zugrunde liegen, und nicht einen Auszug aus dem Handel. Damit ist keine dieser drei Zubereitungen mit einer anderen gleichzusetzen.
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13
Blutzucker und Insulinwirkung in Zell- und Tierversuchen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Nur Leberzellen im Reagenzglas und Ratten. Am Menschen ist das nicht geprüft.
Ausführlicher Nachweis
In menschlichen Leberzellen der Linie HepG2, die durch hohe Zucker- und Insulinkonzentrationen unempfindlich gegen Insulin gemacht worden waren, hob ein außerhalb der Zelle gebildetes Polysaccharopeptid aus fermentiertem Trametes versicolor die verringerte Zuckeraufnahme dosisabhängig wieder an und erhöhte den Glykogengehalt sowie mehrere beteiligte Eiweiße, jeweils p kleiner 0,05 [10]. In einer Rattenstudie erhielten 45 männliche Wistar-Ratten entweder Normalfutter oder Hochfettfutter, in der Hochfettgruppe wurde durch Nicotinamid und Streptozotocin eine Zuckerkrankheit ausgelöst, und ein Teil der Tiere bekam 28 Tage lang 0,1 g Polysaccharide je Kilogramm Körpergewicht über eine Schlundsonde [12]. Am 26. Tag lag der Blutzucker nach dem Fressen bei 225 plus minus 18 Milligramm je Deziliter gegenüber 292 plus minus 15 in der unbehandelten Vergleichsgruppe, p kleiner 0,001, und mehrere Knochenkennwerte fielen günstiger aus [12]. Beide Arbeiten fanden ausschließlich an Zellen und an Ratten statt, keine am Menschen. Die geprüften Zubereitungen sind ein fermentiertes Kulturüberstand-Polysaccharopeptid des Stammes LH-1 und ein Polysaccharid-Auszug, beides nicht dasselbe wie die arzneilich geprüften Präparate PSK und PSP und nicht dasselbe wie ein Fruchtkörperextrakt aus dem Handel. Eine Übertragung auf den menschlichen Blutzucker ist daraus nicht abzuleiten.
Studien im Detail
Was überhaupt geprüft wurde, und was nicht
Bei kaum einem anderen Stoff klaffen die Zuschreibung und die Studienlage so weit auseinander wie hier, und der Grund liegt nicht in der Menge der Studien, sondern in ihrer Herkunft. Die belastbare Humanevidenz zu Trametes versicolor besteht fast vollständig aus japanischen und chinesischen Studien zur Begleitbehandlung unter Chemotherapie, und sie prüft nicht den Pilz, sondern ein einziges aufgereinigtes Präparat daraus.
Dieses Präparat heißt PSK, wurde in Japan in den 1960er Jahren entwickelt und war dort unter dem Namen Krestin ein zugelassenes Arzneimittel. Es ist ein eiweißgebundenes Polysaccharid aus dem kultivierten Myzel des Stammes CM-101. Die Herstellung wurde im September 2017 eingestellt. Das in China entwickelte Gegenstück heißt PSP, stammt aus dem Myzel des Stammes COV-1 und ist chemisch ähnlich, aber nicht identisch. Die traditionelle Anwendung wiederum nutzt einen Heißwasserauszug des ganzen Fruchtkörpers, und ein großer Teil der heutigen Handelsware besteht aus Myzel, das auf Getreidesubstrat gezogen und samt Substrat vermahlen wird.
Das sind vier verschiedene Dinge. Die Cochrane-Übersicht von 2022 hält ausdrücklich fest, dass sie keine einzige Studie zu einem anderen Auszug und keine zum ganzen Pilz gefunden hat und dass frei verkäufliche Produkte nicht standardisiert sein müssen. Wer in diesem Eintrag eine Zahl liest, liest eine Zahl zu PSK.
Die Cochrane-Übersicht von 2022
Sieben randomisierte Studien mit zusammen 1569 Teilnehmenden, sechs davon aus Japan und eine aus China, geprüft wurde in allen sieben PSK zusätzlich zur üblichen Behandlung. Die Behandlungsdauer reichte von vier Wochen bis zu drei Jahren, die übliche Tagesdosis liegt laut Hersteller bei 3 g.
Für das Überleben nach fünf Jahren fanden die Autoren aus drei Studien mit 1094 Teilnehmenden ein relatives Risiko von 1,08 bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,01 bis 1,15. Das entspricht einem um 6 Prozentpunkte höheren Anteil Überlebender, von 74,6 auf 80,6 Prozent, und einer Zahl von 16 zu Behandelnden je zusätzlichem Nutzen. Zu allen anderen Zeitpunkten, nach einem, drei und sieben Jahren, war kein Unterschied belegt. Die Autoren stufen die Sicherheit ihrer Fünfjahresaussage nach GRADE als niedrig ein.
Bei den unerwünschten Wirkungen ist das Bild noch dünner. Für den Abbruch der Behandlung, für Übelkeit, Durchfall, Beschwerden der Mundschleimhaut und Erschöpfung reichen die Intervalle jeweils von einer deutlichen Verringerung bis in einen Bereich, der auch eine Verschlechterung einschließt. Belegt ist allein ein selteneres Absinken der neutrophilen Granulozyten, relatives Risiko 0,41 bei einem Intervall von 0,24 bis 0,71, und dieser Befund stützt sich auf die kleinste Datenbasis der ganzen Übersicht, drei Studien mit 133 Teilnehmenden. Die Autoren stufen ihn selbst als sehr unsicher ein.
Vier Punkte begrenzen die ganze Übersicht, und sie stehen alle im Volltext. Keine der sieben Studien hatte eine Scheinbehandlung, verglichen wurde stets gegen die alleinige Standardbehandlung. Keine war verblindet, weshalb alle selbst berichteten Endpunkte hoch verzerrungsanfällig sind. Keine einzige Studie nannte ihre Geldgeber. Und nur eine von sieben nutzte ein Chemotherapieschema, das heute noch bevorzugt eingesetzt wird, weshalb die Autoren selbst schreiben, ein Vorteil lasse sich nicht ohne Weiteres auf die heutige Praxis übertragen.
Die einzige Untersuchung an gesunden Menschen
Pallav und Kollegen teilten 2014 in einer randomisierten Studie 24 gesunde Freiwillige drei Gruppen zu, Polysaccharopeptid aus Trametes versicolor, Amoxicillin oder keine Behandlung. 22 beendeten das Protokoll, untersucht wurde über acht Wochen die Zusammensetzung der Darmflora aus Stuhlproben. Unter dem Polysaccharopeptid beschreiben die Autoren klare und gleichgerichtete Veränderungen, die sie als präbiotische Wirkung deuten. Unter Amoxicillin stieg vor allem der Anteil von Escherichia und Shigella, und diese Verschiebung hielt noch 42 Tage nach Ende der Antibiotikagabe an.
Zwei Einschränkungen sind wichtig. Erstens halten die Autoren selbst fest, dass die Ausgangszusammensetzung jeder Person stabil blieb und die Behandlungseffekte überlagerte. Zweitens liegt uns zu dieser Arbeit kein Volltext vor. Das Abstract nennt die Zubereitung, es handelt sich um PSP, aber weder die Tagesdosis noch ein Effektmaß mit Intervall, und es benennt keine einzelne Bakteriengattung, die zugenommen hätte. Damit ist die einzige uns bekannte Untersuchung an gesunden Menschen zugleich die am schlechtesten überprüfbare. Gemessen wurde außerdem allein die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft und kein gesundheitlicher Endpunkt.
Ein Reagenzglasversuch aus demselben Arbeitskreis bebrütete menschliche Stuhlflora außerhalb des Körpers mit demselben Auszug. Dort nahmen Bifidobakterien und Laktobazillen zu, Clostridien, Staphylokokken und Enterokokken ab. Das erklärt die Beobachtung, es belegt sie nicht zweimal.
Der Nachweis von HPV im Mundabstrich
Donatini untersuchte 2014 in einer als vorläufig bezeichneten randomisierten Arbeit 61 Personen, bei denen im Rahmen einer Zahnfleischuntersuchung HPV 16 oder HPV 18 im Mundabstrich nachweisbar war. 41 erhielten zwei Monate lang Trametes versicolor zusammen mit Ganoderma lucidum, 20 erhielten Laetiporus sulphureus. Danach war der Erreger in der ersten Gruppe bei 88 Prozent nicht mehr nachweisbar, in der zweiten bei 5 Prozent.
Der Zahlenunterschied ist groß, die Aussagekraft ist es nicht. Es gab keine Scheinbehandlung, der Vergleichsarm bekam einen anderen Pilz. Trametes versicolor wurde nur in fester Kombination mit einem zweiten Pilz gegeben, ein eigener Beitrag lässt sich daraus nicht ablesen. Die Autoren nennen die Arbeit selbst vorläufig. Und es liegt uns kein Volltext vor, weshalb Dosis, Zubereitung, Verblindung, Zuteilungsverfahren und Interessenlage nicht überprüfbar sind.
Die einzige größere randomisierte Arbeit zu einem Nachweisendpunkt bei HPV prüfte etwas ganz anderes. Serrano und Kollegen untersuchten 2021 ein Gel zur örtlichen Anwendung an der Scheide bei 91 Frauen, offen geführt gegen abwartendes Beobachten. Eine örtlich aufgetragene Zubereitung sagt nichts über eine Kapsel aus.
Tier- und Laborstudien
Zur antiviralen Wirkung liegen ausschließlich Zellversuche vor. In einer Untersuchung an zehn Pilzarten hemmte das Myzel von Trametes versicolor in Zellkultur die Vermehrung des Grippevirus A vom Serotyp H1N1 und, anders als sechs der zehn geprüften Arten, auch die des Herpes-simplex-Virus Typ 2. Die Versuche liefen an Hundenieren- und Kaninchennierenzellen. Über eine im Körper erreichbare Konzentration nach einer Einnahme über den Mund sagt das nichts.
Zu Entzündung und Fettoxidation liegen ein Reagenzglasversuch und zwei Mäusemodelle vor. Ein ethanolischer Auszug hemmte im Reagenzglas die Bildung von Abbauprodukten der Fettoxidation und verringerte im Mäuseohr-Modell die Schwellung. Dieselbe Arbeit fand bei der höchsten geprüften Konzentration zugleich eine Giftwirkung auf einen wirbellosen Testorganismus. In einer zweiten Arbeit wurde aus dem Fruchtkörper ein Eiweiß namens YZP gereinigt, das in Mäuse-B-Lymphozyten die Ausschüttung des entzündungsdämpfenden Botenstoffs Interleukin-10 stark erhöhte und in einem Mausmodell einer akuten Darmentzündung die Krankheitszeichen verringerte. Dieses Eiweiß ist wiederum weder PSK noch PSP noch ein Handelsprodukt.
Zum Blutzucker liegen Zell- und Rattenversuche vor. In menschlichen Leberzellen der Linie HepG2, die künstlich insulinunempfindlich gemacht worden waren, hob ein fermentiertes Polysaccharopeptid die verringerte Zuckeraufnahme dosisabhängig wieder an. In einer Rattenstudie mit 45 Tieren lag der Blutzucker nach dem Fressen unter 0,1 g Polysacchariden je Kilogramm Körpergewicht bei 225 gegenüber 292 Milligramm je Deziliter in der unbehandelten Vergleichsgruppe. Beides sind Zell- und Tierbefunde und keine Aussage über den menschlichen Blutzucker.
Abgrenzung, welche Zubereitung wovon spricht
Vier Formen dieses Pilzes kommen in der Literatur und im Handel vor, und sie sind nicht austauschbar.
PSK ist ein aufgereinigtes eiweißgebundenes Polysaccharid aus dem kultivierten Myzel des Stammes CM-101, in Japan als Arzneimittel zugelassen gewesen, seit September 2017 dort nicht mehr hergestellt. Praktisch die gesamte Humanstudienlage betrifft diese Form.
PSP ist das in China entwickelte Gegenstück aus dem Myzel des Stammes COV-1, chemisch ähnlich, aber nicht identisch. Es wurde in der einzigen Untersuchung an gesunden Menschen eingesetzt.
Der Heißwasserauszug des ganzen Fruchtkörpers ist die traditionelle Form. Das chinesische Arzneibuch nennt für den Pilz selbst 9 bis 27 g täglich als Abkochung. Zu dieser Form fand die Cochrane-Übersicht keine einzige Studie.
Myzel auf Getreidesubstrat ist die Form vieler Handelsprodukte. Dabei wird das Pilzgeflecht auf Reis oder einem anderen Getreide gezogen und samt Substrat vermahlen. Das ist weder ein Fruchtkörperextrakt noch das aufgereinigte Polysaccharid der Studien, und der Anteil an Pilzbestandteilen ist ohne Kennzeichnung nicht abzuschätzen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Die berichteten unerwünschten Wirkungen sind überwiegend mild. Beschrieben sind Verfärbungen der Fingernägel und des Stuhls sowie Husten bei der Einnahme, die Cochrane-Übersicht nennt eine ausgeschlossene Studie, in der sich Verfärbung der Nägel und Husten gegenüber einer Scheinbehandlung unterschieden. Für alle anderen unerwünschten Wirkungen hält dieselbe Übersicht ausdrücklich fest, dass unklar bleibt, ob sie von der Chemotherapie oder vom Pilzpräparat stammten.
Die Cochrane-Übersicht nennt einen möglichen Wechselwirkungsverdacht mit Cyclophosphamid und hält fest, dass PSP im Tiermodell den Abbau über das Enzymsystem Cytochrom P450 in der Leber beeinflusst, ein klinisch bedeutsames Ausmaß beim Menschen aber für unwahrscheinlich gehalten wird. Eine eigene geprüfte Humanstudie zu Wechselwirkungen liegt uns nicht vor. Wer Arzneimittel einnimmt, hält vor der Einnahme ärztliche Rücksprache.
Anstiege der Leberwerte AST, ALT, alkalische Phosphatase und Bilirubin führt dieselbe Übersicht als unerwünschte Wirkungen auf und stuft die Auswertungen dazu als sehr unsicher ein, in beide Richtungen. Eine leberschützende Wirkung ist daraus ebenso wenig abzuleiten wie eine leberschädigende.
Da die geprüften Präparate in mehreren Untersuchungen Immunwerte messbar veränderten, ist bei einer bestehenden Einnahme von das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten oder bei einer Autoimmunerkrankung ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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Cochrane-Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 7 randomisierte Studien, n gleich 1569, ausschließlich PSK, keine Scheinbehandlung in einer der Studien · 2022
Coriolus (Trametes) versicolor mushroom to reduce adverse effects from chemotherapy or radiotherapy in people with colorectal cancer
Pilkington K, Wieland LS, Teng L, Jin XY, Storey D, Liu JP. Cochrane Database Syst Rev
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02
Randomisierte Studie an gesunden Freiwilligen, drei Arme, n gleich 24 randomisiert und 22 ausgewertet, 8 Wochen · 2014
Effects of polysaccharopeptide from Trametes versicolor and amoxicillin on the gut microbiome of healthy volunteers, a randomized clinical trial
Pallav K, Dowd SE, Villafuerte J, Yang X, Kabbani T, Hansen J, Dennis M, Leffler DA, Newburg DS, Kelly CP. Gut Microbes
Zur Zuschreibung: 01
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03
Vorläufige randomisierte Studie, n gleich 61, Kombination aus zwei Pilzen gegen einen dritten Pilz, keine Scheinbehandlung, 2 Monate · 2014
Control of oral human papillomavirus (HPV) by medicinal mushrooms, Trametes versicolor and Ganoderma lucidum, a preliminary clinical trial
Donatini B. Int J Med Mushrooms
Zur Zuschreibung: 07
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04
Multizentrische, offene randomisierte Studie, n gleich 91, örtlich angewendetes Gel, Vergleich gegen abwartendes Beobachten · 2021
Efficacy of a Coriolus versicolor-Based Vaginal Gel in Women With Human Papillomavirus-Dependent Cervical Lesions, The PALOMA Study
Serrano L, López AC, González SP, Palacios S, Dexeus D, Centeno-Mediavilla C, Coronado P, de la Fuente J, López JA, Vanrell C, Cortés J. J Low Genit Tract Dis
Zur Zuschreibung: 07
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05
Randomisierte, scheinbehandlungskontrollierte Studie, n gleich 15, Zuteilung 2 zu 1 · 2017
Coriolus versicolor (Yunzhi) Use as Therapy in Advanced Hepatocellular Carcinoma Patients with Poor Liver Function or Who Are Unfit for Standard Therapy
Chay WY, Tham CK, Toh HC, Lim HY, Tan CK, Lim C, Wang WW, Choo SP. J Altern Complement Med
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09
Laborstudie und Tierstudie, isoliertes Eiweiß aus dem Fruchtkörper, Mäuse-B-Lymphozyten und Mausmodell einer akuten Darmentzündung · 2013
Trametes versicolor protein YZP activates regulatory B lymphocytes, gene identification through de novo assembly and function analysis in a murine acute colitis model
Kuan YC, Wu YJ, Hung CL, Sheu F. PLoS One
Zur Zuschreibung: 12
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10
Laborstudie, menschliche Leberzelllinie HepG2 · 2018
Potential activities and mechanisms of extracellular polysaccharopeptides from fermented Trametes versicolor on regulating glucose homeostasis in insulin-resistant HepG2 cells
Teng JF, Lee CH, Hsu TH, Lo HC. PLoS One
Zur Zuschreibung: 13
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Laborstudie und Tierstudie, ethanolische Auszüge dreier Wildpilze, Mäuseohr-Modell · 2012
Assessment of anti-inflammatory, lipid peroxidation and acute toxicity of extracts obtained from wild higher basidiomycetes mushrooms collected from Akure (southwest Nigeria)
Oyetayo VO, Nieto-Camacho A, Rodriguez BE, Jimenez M. Int J Med Mushrooms
Zur Zuschreibung: 12
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