Schwarzer Knoblauch-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Allium sativum, durch Wärme und Feuchtigkeit fermentiert zu schwarzem Knoblauch · Black Garlic · Aged Black Garlic · Fermentierter Knoblauch · Schwarzknoblauch

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus schwarzem Knoblauch, der durch mehrwöchige Reifung frischer Knoblauchknollen bei etwa 60 bis 90 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit entsteht. Wirkbestimmend ist vor allem S-Allylcystein (SAC)
Herkunft
Allium sativum (Knoblauch), Knolle, durch Fermentation beziehungsweise Maillard-Reaktion zu schwarzem Knoblauch weiterverarbeitet
Wirkform in Studien
Schwarzer Knoblauch unterscheidet sich chemisch deutlich von rohem Knoblauch und von einfachem Knoblauchpulver. Während der Reifung geht das für rohen Knoblauch charakteristische Allicin weitgehend verloren, eine Bioverfügbarkeitsstudie fand für schwarzen Knoblauch nur noch 5 Prozent der Allicin-Ausbeute von rohem, zerkleinertem Knoblauch. An seine Stelle treten S-Allylcystein und weitere, während der Reifung neu gebildete Verbindungen. Studien zu rohem Knoblauch, Knoblauchpulver oder Knoblauch-Presslingen prüfen deshalb ein anderes Wirkstoffprofil und werden in diesem Eintrag nicht als Beleg für schwarzen Knoblauch herangezogen
Übliche Studiendosis
Sehr unterschiedlich zwischen den vorliegenden Studien, von 250 mg Extrakt (1,25 mg S-Allylcystein) bis 6 g Extrakt pro Tag, teils auch nur über die Menge an S-Allylcystein angegeben (0,25 mg pro Tag)
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien gut verträglich, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Schwarzer Knoblauch riecht durch den Fermentationsprozess deutlich schwächer als roher Knoblauch

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Diastolischer Blutdruck bei Erwachsenen, in einer von zwei Studien gegenüber Placebo gesenkt, in der anderen kein Unterschied zu Placebo, systolisch in beiden Studien ohne Unterschied

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei randomisierte, plazebokontrollierte Studien, beide mit demselben herstellereigenen Extrakt aus gereiftem schwarzem Knoblauch (ABG10+ von Pharmactive Biotech, 250 mg je Tablette), keine davon nutzte rohen Knoblauch oder Knoblauchpulver. Serrano und Kollegen prüften 2023 an 77 Erwachsenen mit Blutdruckwerten der Stufe 1 unter bestehender blutdrucksenkender Medikation (38 Placebo, 39 Verum) zusätzlich 0,25 mg SAC pro Tag über 12 Wochen. Der Volltext zeigt beim Gruppenvergleich der Praxismessung keinen Unterschied (zweifaktorielle Varianzanalyse p gleich 0,3011 systolisch und p gleich 0,9219 diastolisch), signifikant gesunken ist der systolische Wert innerhalb der Placebogruppe, nicht innerhalb der Verumgruppe. Die im Abstract genannten 1,8 und 1,5 mmHg stammen aus den häuslichen Tagesmessungen, sind eine Veränderung innerhalb der Verumgruppe und kein Vergleich mit Placebo, und ihr Konfidenzintervall reicht von einer Senkung um 4,1 beziehungsweise 3,0 mmHg bis zu einem Anstieg um 0,7 beziehungsweise 0,3 mmHg, schließt die Null also ein. Valls und Kollegen fanden 2022 in einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie an 67 Erwachsenen mit LDL-Cholesterin ab 115 mg/dl unter 250 mg Extrakt pro Tag (1,25 mg SAC, 6 Wochen je Phase, 3 Wochen Auswaschphase) gegenüber Placebo einen um 3,62 mmHg niedrigeren diastolischen Blutdruck (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 6,2 bis minus 0,99, p gleich 0,007) und beim systolischen Wert keinen Unterschied (minus 1,51, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 9,1 bis 6,1, p gleich 0,694). Die zuvor an dieser Stelle genannten 5,85 mmHg sind der Wert der Untergruppe der Männer, nicht der Gesamteffekt. Serrano 2023 wurde vom Extrakthersteller Pharmactive Biotech finanziert (Fördernummer C21024), und in beiden Studien sind Beschäftigte dieses Herstellers Mitautoren

    Quellen: 1, 2

  2. 02

    Stickstoffmonoxid und antioxidative Kapazität im Blut bei Erwachsenen mit Blutdruckwerten der Stufe 1 unter Medikation, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Die Werte stammen aus der Studie von Serrano und Kollegen (2023, randomisiert, dreifach verblindet, plazebokontrolliert, 0,25 mg SAC pro Tag, 12 Wochen, 38 Placebo und 39 Verum). Die im Abstract genannten Anstiege von Stickstoffmonoxid um 10,3 Mikromol pro Liter und der antioxidativen Kapazität um 0,007 Mikromol Trolox-Äquivalent pro Minute sowie die Rückgänge von Harnsäure und Angiotensin-konvertierendem Enzym sind laut Tabelle 3 des Volltextes Veränderungen innerhalb der Verumgruppe. Im Vergleich zwischen den Gruppen ist keiner dieser vier Werte auffällig (zweifaktorielle Varianzanalyse p gleich 0,5101 für Stickstoffmonoxid, p gleich 0,6972 für die antioxidative Kapazität, p gleich 0,3986 für Harnsäure und p gleich 0,9560 für das Enzym). Gegenüber Placebo ist damit keine Wirkung nachgewiesen. Für den Gruppenvergleich gibt Tabelle 4 des Volltextes ausschließlich diese p-Werte an, ein Effektmaß mit Konfidenzintervall fehlt dort. Die im Abstract genannten Intervalle (Stickstoffmonoxid 1,1 bis 19,5 Mikromol pro Liter, antioxidative Kapazität 1,2 bis 13 Tausendstel Mikromol Trolox-Äquivalent pro Minute) gehören zu den Veränderungen innerhalb der Verumgruppe und beschreiben keinen Vergleich mit Placebo. Der Gruppenvergleich selbst ist geprüft und ohne Unterschied zu Placebo berichtet

    Quellen: 1

  3. 03

    Entzündungsmarker (Zytokine) und Endothelfunktion bei Erwachsenen mit Blutdruckwerten der Stufe 1 unter Medikation, ohne Unterschied zu Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Studie von Serrano und Kollegen (2023) maß neben Blutdruck, Stickstoffmonoxid und antioxidativer Kapazität auch sechs Entzündungszytokine und die Endothelfunktion. Der Volltext nennt die Zahlen, die das Abstract schuldig bleibt. Bei der Endothelfunktion gibt es keinen Unterschied zwischen den Gruppen (reaktiver Hyperämie-Index p gleich 0,9753, Augmentationsindex p gleich 0,1185), bei fünf der sechs Zytokine ebenfalls nicht. Einzige Ausnahme ist Interleukin-2 mit einem Unterschied zwischen den Gruppen (p gleich 0,0282) und höheren Werten in der Verumgruppe, was die Autoren im Ergebnisteil vermerken, im Abstract aber weglassen. Ein Nutzen ist bei diesen Endpunkten gegenüber Placebo nicht nachgewiesen. Tabelle 3 des Volltextes berichtet zu Endothelfunktion und Zytokinen nur Mittelwerte mit Standardabweichung sowie die p-Werte, weder eine Mittelwertdifferenz noch ein Konfidenzintervall für den Vergleich zwischen den Gruppen. Das Ausbleiben ist damit nicht gezeigt, sondern nur nicht gefunden

    Quellen: 1

  4. 04

    Blutfette (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyzeride) bei Erwachsenen mit leicht erhöhtem Cholesterinspiegel, in drei Studien kein Unterschied zu Placebo, ein HDL-Anstieg nur in einer der drei

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Drei randomisierte Studien am Menschen mit gereiftem schwarzem Knoblauch haben Blutfette gemessen, und keine fand einen Unterschied zu Placebo bei Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin oder Triglyzeriden. Jung und Kollegen prüften 2014 an Erwachsenen mit leicht erhöhtem Cholesterinspiegel zweimal täglich insgesamt 6 g gereiften schwarzen Knoblauch über 12 Wochen (60 randomisiert, 55 ausgewertet, 28 Verum und 27 Placebo) und fanden bei Triglyzeriden, LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin und freien Fettsäuren keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Einzig das HDL-Cholesterin lag am Studienende über dem der Placebogruppe. Der Rückgang von Apolipoprotein B und der Anstieg des Verhältnisses von LDL-Cholesterin zu Apolipoprotein B sind im Abstract ausdrücklich als Veränderung innerhalb der Verumgruppe beschrieben, nicht als Vergleich mit Placebo. Valls und Kollegen fanden 2022 bei 67 Erwachsenen mit LDL-Cholesterin ab 115 mg/dl weder beim Lipidprofil noch bei den Apolipoproteinen noch bei den freien Fettsäuren einen Unterschied zwischen den Behandlungen, prüften Apolipoprotein B also gezielt nach und bestätigten Jung darin nicht. Serrano und Kollegen fanden 2023 ebenfalls keinen Unterschied bei Gesamtcholesterin, Triglyzeriden und HDL-Cholesterin. An der Arbeit von Jung ist die Doul Farming Corporation, ein Knoblauchbetrieb, über eine Autorenanschrift beteiligt, das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer. Studien zu rohem Knoblauch oder Knoblauchpulver werden hier weiterhin nicht als Beleg herangezogen. Der Volltext von Valls (PMC8838962, Tabelle 5) beziffert den Vergleich zwischen den Behandlungen als Mittelwertdifferenz mit 95-Prozent-Konfidenzintervall, Gesamtcholesterin minus 1,29 mg/dl (minus 8,6 bis 6,0, p gleich 0,727), direkt gemessenes LDL-Cholesterin 0,156 mg/dl (minus 5,8 bis 5,5, p gleich 0,956), nach Friedewald berechnetes LDL-Cholesterin minus 0,258 mg/dl (minus 6,6 bis 7,1, p gleich 0,941) und logarithmierte Triglyzeride minus 0,016 (minus 0,03 bis 0,06, p gleich 0,531). Diese Intervalle liegen eng um die Null und schließen eine bedeutsame Änderung von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyzeriden aus, das Ausbleiben ist damit gezeigt und nicht nur nicht gefunden

    Quellen: 1, 2, 3

  5. 05

    Immunzellaktivität im Labor, uneinheitliche Befunde zwischen zwei Arbeiten

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Laborarbeiten mit gegenläufigem Befund. Purev und Kollegen fanden 2012 an isolierten Immunzellen (Lymphozyten und Makrophagen) von 21 menschlichen Blutspendern, dass ein Ethanolextrakt aus schwarzem Knoblauch die Zellproliferation sowie die Freisetzung von TNF-alpha und Stickstoffmonoxid stärker anregte als ein vergleichbarer Extrakt aus rohem Knoblauch. Li und Kollegen fanden 2017 dagegen an einer Makrophagen-Zelllinie der Maus (RAW264.7), dass Polysaccharide aus schwarzem Knoblauch die Immunzellfunktion (Phagozytose, Stickstoffmonoxid- und Zytokinfreisetzung) schwächer anregten als Polysaccharide aus frischem Knoblauch, weil mit der Fermentation der immunaktive Fruktan-Anteil weitgehend verloren geht. Beide Arbeiten fanden an isolierten Zellen statt, keine an Menschen, denen der Extrakt oral verabreicht wurde, daraus folgt keine Aussage über eine Wirkung auf das Immunsystem bei oraler Einnahme

    Quellen: 4, 5

  6. 06

    Leberschutz im Tiermodell bei chemisch ausgelöster Leberschädigung

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Tierstudien an Ratten beziehungsweise Mäusen. Maulina und Kollegen fanden 2024 an Ratten mit durch Mononatriumglutamat ausgelöster Leberschädigung, dass eine niedrige Dosis Extrakt aus schwarzem Knoblauch (200 mg pro Kilogramm Körpergewicht) die Leberenzyme AST und ALT sowie die Entzündungsmarker COX-2 und Interferon-gamma gegenüber der unbehandelten Gruppe senkte, höhere Dosen (400 und 600 mg pro Kilogramm) zeigten diesen entzündungshemmenden Effekt nicht mehr. Tsai und Kollegen fanden 2019 an Mäusen mit durch Tetrachlorkohlenstoff ausgelöster akuter Leberschädigung, dass zwei Fraktionen eines Extrakts aus schwarzem Knoblauch die Leberenzyme AST, ALT und alkalische Phosphatase sowie den oxidativen Marker Malondialdehyd senkten und körpereigene antioxidative Enzyme erhöhten. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich an Tieren statt, nicht an Menschen

    Quellen: 6, 7

  7. 07

    Antibakterielle Wirkung im Labor

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei In-vitro-Arbeiten. Sasmaz und Kollegen prüften 2025 Extrakte aus schwarzem und weißem Knoblauch gegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli und fanden bei beiden eine hemmende Wirkung. Vlachojannis und Kollegen prüften 2018 in einer Laborpilotstudie einen Ethanolextrakt aus schwarzem Knoblauch gegen Bakterien und Pilze, die an Munderkrankungen beteiligt sind, sowie gegen Gesamtspeichelbakterien von menschlichen Spendern, und fanden eine Abtötung von mehr als 90 Prozent der Keime 10 Minuten nach Exposition. Beide Untersuchungen prüften den Extrakt im Reagenzglas, keine an Menschen, denen der Extrakt oral verabreicht wurde

    Quellen: 8, 9

  8. 08

    Wachstum von Krebszelllinien im Labor, uneinheitlich je nach Zelllinie, Extraktart und Konzentration

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Sasmaz und Kollegen prüften 2025 Extrakte aus schwarzem und weißem Knoblauch an vier Krebszelllinien (A549, HuH-7, MCF-7, HCT-116) im Reagenzglas. Der wässrige Extrakt aus schwarzem Knoblauch wirkte erst bei höheren Konzentrationen wachstumshemmend als der aus weißem Knoblauch, der methanolische Extrakt aus schwarzem Knoblauch wirkte dagegen bei allen getesteten Konzentrationen auf alle vier Zelllinien. Eine reine Zellkulturuntersuchung, keine Aussage über eine Wirkung im menschlichen Körper

    Quellen: 8

  9. 09

    Kognitive Leistungsfähigkeit und Gehirnfunktion, bisher nur Tierversuche

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Die frühere Angabe, drei Suchen hätten null Treffer ergeben, hält der Nachprüfung nicht stand. Eine Suche nach schwarzem Knoblauch und kognitiver Funktion ohne Einschränkung auf Studientypen liefert Treffer, eine Suche nach schwarzem Knoblauch und Gedächtnis weitere. Drei Tierstudien liegen vor. Chen und Kollegen fanden 2021 an Ratten mit chemisch ausgelöstem Bluthochdruck, dass hohe Dosen eines Extrakts aus schwarzem Knoblauch im Wasserlabyrinth die Fluchtzeit verkürzten und Marker für oxidativen Stress im Hippocampus senkten. Li und Kim fanden 2019 an Mäusen mit durch Scopolamin ausgelöster Gedächtnisstörung unter 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht bessere Ergebnisse im Wasserlabyrinth und im Vermeidungstest. Hermawati und Kollegen fanden 2015 an 25 Ratten unter Mononatriumglutamat kürzere Laufwege und mehr Pyramidenzellen in der Region CA1 des Hippocampus. Alle drei Arbeiten sind Tierversuche mit künstlich ausgelöster Schädigung, eine Studie am Menschen liegt nicht vor. Die drei Arbeiten sind nur nach Abstract bewertet

    Quellen: 11, 12, 13

Der wichtigste Punkt vorab: Schwarzer Knoblauch ist chemisch nicht dasselbe wie roher Knoblauch oder Knoblauchpulver. Während der mehrwöchigen Reifung bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit geht das für rohen Knoblauch charakteristische Allicin weitgehend verloren, eine Bioverfügbarkeitsstudie fand für schwarzen Knoblauch nur noch rund 5 Prozent der Allicin-Ausbeute von frisch zerkleinertem, rohem Knoblauch [10]. An die Stelle des Allicins treten S-Allylcystein und weitere, während der Reifung neu gebildete Verbindungen. Die umfangreiche Studienlage zu Knoblauch allgemein, etwa große Meta-Analysen zu Blutdruck und Cholesterin, beruht überwiegend auf rohem Knoblauch oder Knoblauchpulver mit intaktem Allicin und wird deshalb in diesem Eintrag nicht als Beleg für schwarzen Knoblauch herangezogen. Für die beworbenen Wirkungen auf Immunsystem, Leber, Bakterien, Zellwachstum und kognitive Funktion liegen bislang nur Labor- und Tierdaten vor. Am dichtesten belegt ist die Wirkung auf den Blutdruck, und auch dort trägt nur eine der beiden Studien einen Vergleich mit Placebo, nur für den diastolischen Wert und mit dem Extrakt eines einzigen Herstellers, an dessen beiden Studien Beschäftigte dieses Herstellers mitgeschrieben haben.

Studien im Detail

Blutdruck

Zwei randomisierte, plazebokontrollierte Studien prüften einen speziell auf S-Allylcystein (SAC) standardisierten Extrakt aus schwarzem Knoblauch, in beiden Fällen dasselbe Handelspräparat ABG10+ des Herstellers Pharmactive Biotech. Serrano und Kollegen prüften 2023 an 77 Erwachsenen mit Blutdruckwerten der Stufe 1 unter bestehender Medikation (38 Placebo, 39 Verum) zusätzlich 0,25 mg SAC pro Tag über 12 Wochen [1]. Im Volltext unterscheiden sich die Gruppen bei der Praxismessung nicht (zweifaktorielle Varianzanalyse p gleich 0,3011 systolisch und p gleich 0,9219 diastolisch), signifikant gesunken ist der systolische Wert innerhalb der Placebogruppe, nicht innerhalb der Verumgruppe. Die im Abstract genannten 1,8 und 1,5 mmHg stammen aus den häuslichen Tagesmessungen und beschreiben die Veränderung innerhalb der Verumgruppe, ihr Konfidenzintervall reicht von einer Senkung um 4,1 beziehungsweise 3,0 mmHg bis zu einem Anstieg um 0,7 beziehungsweise 0,3 mmHg. Valls und Kollegen fanden 2022 in einer doppelblinden Cross-over-Studie an 67 Erwachsenen mit LDL-Cholesterin ab 115 mg/dl unter 250 mg Extrakt pro Tag (1,25 mg SAC, 6 Wochen je Phase, 3 Wochen Auswaschphase) gegenüber Placebo einen um 3,62 mmHg niedrigeren diastolischen Blutdruck (95-Prozent- Konfidenzintervall minus 6,2 bis minus 0,99, p gleich 0,007) und keinen Unterschied beim systolischen Wert (p gleich 0,694) [2]. Der zuvor hier genannte Wert von 5,85 mmHg gilt nur für die Untergruppe der Männer.

Einschränkung: Beide Studien nutzten SAC-standardisierte Extrakte desselben Herstellers, mit 0,25 mg beziehungsweise 1,25 mg S-Allylcystein pro Tag. Serrano 2023 wurde von diesem Hersteller finanziert (Fördernummer C21024), drei Mitautorinnen und Mitautoren sind dort beschäftigt, bei Valls 2022 sind zwei Mitautoren dort beschäftigt, einer davon hat Extrakt und Tabletten hergestellt. Damit bleibt für den Blutdruck ein einziger Gruppenvergleich mit einem Unterschied zu Placebo, für einen einzigen Wert, ohne herstellerunabhängige Bestätigung.

Stickstoffmonoxid, antioxidative Kapazität, Entzündungsmarker und

Endothelfunktion

In derselben Studie von Serrano und Kollegen (2023) stiegen innerhalb der Verumgruppe das Stickstoffmonoxid im Blut um 10,3 Mikromol pro Liter und die antioxidative Kapazität um 0,007 Mikromol Trolox-Äquivalent pro Minute, zugleich sanken Harnsäure und die Aktivität des Angiotensin-konvertierenden Enzyms [1]. Im Vergleich zwischen den Gruppen bleibt davon nichts übrig, die zweifaktorielle Varianzanalyse liegt bei p gleich 0,5101 für Stickstoffmonoxid, p gleich 0,6972 für die antioxidative Kapazität, p gleich 0,3986 für Harnsäure und p gleich 0,9560 für das Enzym. Auch bei der Endothelfunktion gibt es keinen Unterschied zu Placebo (p gleich 0,9753 und p gleich 0,1185), ebenso bei fünf der sechs gemessenen Entzündungszytokine. Einzige Ausnahme ist Interleukin-2, das sich zwischen den Gruppen unterscheidet (p gleich 0,0282), mit höheren Werten in der Verumgruppe [1].

Einschränkung: Alle diese Werte stammen aus einer einzigen Studie ohne unabhängige Bestätigung. Die im Abstract hervorgehobenen Anstiege sind Veränderungen innerhalb der Verumgruppe, kein Vergleich mit Placebo. Der Unterschied bei Interleukin-2 ist der einzige Gruppenunterschied der Studie und weist nicht in Richtung eines Nutzens.

Blutfette

Jung und Kollegen prüften 2014 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an Erwachsenen mit leicht erhöhtem Cholesterinspiegel (ein genauer Schwellenwert wird im Abstract nicht genannt) zweimal täglich insgesamt 6 g gereiften schwarzen Knoblauch pro Tag über 12 Wochen. 60 Personen wurden randomisiert, 55 ausgewertet (28 in der Extrakt-, 27 in der Placebogruppe) [3]. Bei Triglyzeriden, LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin und freien Fettsäuren zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Das HDL-Cholesterin lag am Studienende über dem der Placebogruppe. Der Rückgang von Apolipoprotein B und der Anstieg des Verhältnisses von LDL- Cholesterin zu Apolipoprotein B sind im Abstract dagegen als Veränderung innerhalb der Verumgruppe beschrieben, nicht als Vergleich mit Placebo [3]. Valls und Kollegen prüften 2022 dieselben Werte an 67 Erwachsenen und fanden weder beim Lipidprofil noch bei den Apolipoproteinen noch bei den freien Fettsäuren einen Unterschied zwischen den Behandlungen [2], Serrano und Kollegen fanden 2023 keinen Unterschied bei Gesamtcholesterin, Triglyzeriden und HDL-Cholesterin [1].

Einschränkung: Drei Studien am Menschen, keine mit einem Unterschied zu Placebo bei den Haupt-Blutfettwerten, und der einzige Wert mit einem Unterschied zu Placebo, das HDL-Cholesterin, steht allein in einer von drei Studien. Die geprüfte Tagesdosis lag bei 6 g Extrakt pro Tag. Die Arbeit von Gardner und Kollegen (2007, PMID 17325296) prüfte jedoch rohen Knoblauch und Knoblauchpräparate mit intaktem Allicin, nicht schwarzen, fermentierten Knoblauch. Für schwarzen Knoblauch mit weitgehend abgebautem Allicin ist dieser Beleg deshalb nicht einschlägig, dieser Eintrag stützt sich stattdessen auf die oben beschriebene, form-passende Studie von Jung und Kollegen. Die allgemeine Knoblauch-Literatur zu Cholesterin, wird aus demselben Grund hier nicht als Beleg für schwarzen Knoblauch gezählt.

Tier- und Laborstudien

Zu mehreren verbreiteten Zuschreibungen liegen ausschließlich Labor- und Tierdaten vor, keine kontrollierten Humanstudien mit oraler Einnahme.

Zur Immunfunktion widersprechen sich zwei Zellstudien. Purev und Kollegen fanden 2012 an isolierten Immunzellen von 21 menschlichen Blutspendern eine stärkere Anregung der Zellproliferation sowie der Freisetzung von TNF-alpha und Stickstoffmonoxid durch einen Extrakt aus schwarzem Knoblauch gegenüber einem Extrakt aus rohem Knoblauch [4]. Li und Kollegen fanden 2017 an einer Makrophagen-Zelllinie der Maus dagegen, dass Polysaccharide aus schwarzem Knoblauch die Immunzellfunktion schwächer anregten als Polysaccharide aus frischem Knoblauch, weil mit der Fermentation der immunaktive Fruktan-Anteil weitgehend verloren geht [5].

Zum Leberschutz zeigten zwei Tierstudien an Ratten beziehungsweise Mäusen mit chemisch ausgelöster Leberschädigung (Mononatriumglutamat beziehungsweise Tetrachlorkohlenstoff) eine Senkung der Leberenzyme AST und ALT sowie antioxidativer und entzündungsbezogener Marker unter Extrakten aus schwarzem Knoblauch, wobei bei Maulina und Kollegen (2024) nur die niedrigste geprüfte Dosis den entzündungshemmenden Effekt zeigte, nicht die beiden höheren Dosen [6, 7].

Zur antibakteriellen Wirkung fanden zwei In-vitro-Arbeiten eine hemmende Wirkung von Extrakten aus schwarzem Knoblauch gegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli sowie gegen Bakterien und Pilze aus der Mundflora und gegen menschliche Gesamtspeichelbakterien [8, 9].

Zum Zellwachstum fand eine In-vitro-Arbeit an vier Krebszelllinien ein uneinheitliches Bild: Ein wässriger Extrakt aus schwarzem Knoblauch wirkte erst bei höheren Konzentrationen wachstumshemmend als ein Extrakt aus weißem Knoblauch, ein methanolischer Extrakt aus schwarzem Knoblauch dagegen bei allen getesteten Konzentrationen auf alle vier Zelllinien [8].

Zur kognitiven Funktion liegen drei Tierstudien vor. Chen und Kollegen fanden 2021 an Ratten mit chemisch ausgelöstem Bluthochdruck unter hohen Dosen eines Extrakts aus schwarzem Knoblauch kürzere Fluchtzeiten im Wasserlabyrinth und niedrigere Marker für oxidativen Stress im Hippocampus [11]. Li und Kim fanden 2019 an Mäusen mit durch Scopolamin ausgelöster Gedächtnisstörung unter 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht bessere Ergebnisse im Wasserlabyrinth und im Vermeidungstest [12]. Hermawati und Kollegen fanden 2015 an 25 Ratten unter Mononatriumglutamat kürzere Laufwege und mehr Pyramidenzellen in der Region CA1 des Hippocampus [13]. Alle in diesem Abschnitt beschriebenen Untersuchungen fanden an Zellkulturen, isolierten Zellen oder lebenden Tieren statt, nicht an Menschen, denen der Extrakt oral verabreicht wurde. Daraus folgt keine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmaß sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme beim Menschen einstellt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den beschriebenen Humanstudien wurde schwarzer Knoblauch über 6 bis 12 Wochen eingenommen, ohne dass schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet wurden [1, 2, 3].

Für rohen Knoblauch mit intaktem Allicin ist eine leicht thrombozytenfunktionshemmende Wirkung gut beschrieben, relevant vor allem in Kombination mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder anderen Stoffen mit gerinnungshemmender Wirkung sowie vor Operationen. Da schwarzer Knoblauch während der Reifung einen Großteil seines Allicins verliert, ist unklar, in welchem Umfang diese für rohen Knoblauch beschriebene Wirkung auf schwarzen Knoblauch übertragbar ist. Eine eigene, schwarzknoblauch-spezifische Quelle zur Thrombozytenfunktion liegt uns nicht vor. Bis das geklärt ist, ist bei Einnahme von Gerinnungshemmern, Thrombozytenfunktionshemmern oder vor geplanten Operationen dieselbe Vorsicht sinnvoll wie bei rohem Knoblauch.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Randomisierte, dreifach verblindete, plazebokontrollierte Parallelgruppenstudie, Teilnehmerzahl im Abstract nicht genannt · 2023

    Antihypertensive Effects of an Optimized Aged Garlic Extract in Subjects with Grade I Hypertension and Antihypertensive Drug Therapy: A Randomized, Triple-Blind Controlled Trial.

    Serrano JCE, et al. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04

  2. 02

    Randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studie, n gleich 67 · 2022

    Effects of an Optimized Aged Garlic Extract on Cardiovascular Disease Risk Factors in Moderate Hypercholesterolemic Subjects: A Randomized, Crossover, Double-Blind, Sustained and Controlled Study.

    Valls RM, et al. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 01, 04

  3. 03

    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie, n gleich 60 randomisiert, 55 ausgewertet · 2014

    Reduction of blood lipid parameters by a 12-wk supplementation of aged black garlic. a randomized controlled trial.

    Jung ES, et al. Nutrition

    Zur Zuschreibung: 04

  4. 04

    Ex-vivo-Laborstudie an isolierten menschlichen Immunzellen, n gleich 21 Spender · 2012

    Individual differences on immunostimulatory activity of raw and black garlic extract in human primary immune cells.

    Purev U, Chung MJ, Oh DH. Immunopharmacol Immunotoxicol

    Zur Zuschreibung: 05

  5. 05

    In-vitro-Studie an einer Makrophagen-Zelllinie der Maus · 2017

    Comparison of Immunomodulatory Effects of Fresh Garlic and Black Garlic Polysaccharides on RAW 264.7 Macrophages.

    Li M, et al. J Food Sci

    Zur Zuschreibung: 05

  6. 06

    Tierstudie an Ratten · 2024

    Black garlic exhibited hepatoprotective effect against monosodium glutamate-induced hepatotoxicity in animal model.

    Maulina N, et al. Narra J

    Zur Zuschreibung: 06

  7. 07

    Tierstudie an Mäusen · 2019

    Extracts from Fermented Black Garlic Exhibit a Hepatoprotective Effect on Acute Hepatic Injury.

    Tsai JC, et al. Molecules

    Zur Zuschreibung: 06

  8. 08

    In-vitro-Studie, Bakterien- und Krebszellkulturen · 2025

    Comparative phytochemical analysis and bioactive potential of white and black garlic.

    Sasmaz HK, et al. Sci Rep

    Zur Zuschreibung: 07, 08

  9. 09

    In-vitro-Pilotstudie, Bakterien- und Pilzkulturen sowie menschliche Speichelproben · 2018

    Activity of preparations from Spilanthes oleracea, propolis, Nigella sativa, and black garlic on different microorganisms involved in oral diseases and on total human salivary bacteria: A pilot study.

    Vlachojannis C, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 07

  10. 10

    Randomisierte Bioverfügbarkeitsstudie, n gleich 13 · 2018

    Allicin Bioavailability and Bioequivalence from Garlic Supplements and Garlic Foods.

    Lawson LD, Hunsaker SM. Nutrients

  11. 11

    Tierstudie an Ratten · 2021

    Effects of Black Garlic Extract and Nanoemulsion on the Deoxy Corticosterone Acetate-Salt Induced Hypertension and Its Associated Mild Cognitive Impairment in Rats.

    Chen CY, Tsai TY, Chen BH. Antioxidants (Basel)

    Zur Zuschreibung: 09

  12. 12

    Tierstudie an Mäusen · 2019

    Effect of Aged Garlic Ethyl Acetate Extract on Oxidative Stress and Cholinergic Function of Scopolamine-Induced Cognitive Impairment in Mice.

    Li F, Kim MR. Prev Nutr Food Sci

    Zur Zuschreibung: 09

  13. 13

    Tierstudie an Ratten, n gleich 25 · 2015

    The effects of black garlic ethanol extract on the spatial memory and estimated total number of pyramidal cells of the hippocampus of monosodium glutamate-exposed adolescent male Wistar rats.

    Hermawati E, Sari DC, Partadiredja G. Anat Sci Int

    Zur Zuschreibung: 09

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