Shiitake-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pilze
Lentinula edodes · Shiitake · Waldchampignon
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus dem Fruchtkörper des Shiitake-Pilzes (Lentinula edodes), reich an Polysacchariden, darunter Beta-Glucane. Kein einzelner isolierter Wirkstoff, anders als das aus demselben Pilz gewonnene, injizierbare Lentinan
- Herkunft
- Ursprünglich Ostasien, heute einer der weltweit meistkultivierten Speisepilze. Für Extrakte wird meist der Fruchtkörper verwendet, in einzelnen Studien auch das Pilzmyzel
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Je nach Arbeit ganzer getrockneter Pilz, ein mit Beta-Glucan angereicherter Extrakt, ein gereinigtes Beta-Glucan oder ein eigenständiger Myzelextrakt (etwa AHCC oder LEM). Ein schlichter Extrakt aus dem Fruchtkörper, wie ihn Kapselprodukte enthalten, wurde in keiner der hier ausgewerteten Humanstudien geprüft
- Übliche Studiendosis
- 5 bis 10 g getrockneter, ganzer Pilz täglich, 10,4 g eines Beta-Glucan-angereicherten Extrakts (davon 3,5 g Beta-Glucane) täglich oder 500 mg gereinigtes Beta-Glucan täglich, je nach geprüfter Zubereitung
- Bekannt geworden durch
- Die Forschung zu Lentinan, einem aus Shiitake isolierten Polysaccharid, das in Japan als injizierbares Arzneimittel begleitend zu einer Chemotherapie eingesetzt wird. Das ist ein anderer Stoff in anderer Darreichungsform als ein oral eingenommener Kapsel-Extrakt, Einzelheiten dazu weiter unten
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien oral gut vertragen. Nach dem Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Pilz kann in seltenen Fällen eine streifenförmige Hautreaktion auftreten (Shiitake-Dermatitis), ausgelöst durch das im Pilz enthaltene Lentinan
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Immunzell-Marker (Gamma-Delta-T- und NK-T-Zell-Aktivität, sekretorisches IgA, CRP) bei gesunden Erwachsenen, alle Werte im Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebo-Gruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte Ernährungsstudie mit zwei Dosis-Gruppen und ohne Placebo-Arm liess 52 gesunde Erwachsene 4 Wochen lang täglich 5 oder 10 g getrockneten, ganzen Shiitake-Pilz essen [1]. Alle berichteten Veränderungen sind Vorher-Nachher-Werte innerhalb der Teilnehmenden, ein Vergleich gegen eine Placebo-Gruppe ist bauartbedingt nicht möglich [1]. Die Vermehrung von Gamma-Delta-T-Zellen ausserhalb des Körpers stieg gegenüber dem Ausgangswert um 60 Prozent (p kleiner 0,0001), die von NK-T-Zellen verdoppelte sich (p kleiner 0,0001) [1]. Das sekretorische IgA im Speichel nahm zu und der Entzündungswert CRP im Serum sank, ebenfalls gegenüber dem Ausgangswert [1]. Gemessen wurden ausschliesslich Zell- und Laborwerte im Blut und Speichel, kein klinischer Endpunkt wie eine geringere Infekthäufigkeit. Geprüft wurde ganzer getrockneter Pilz, kein Extrakt.
Quellen: 1
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02
Blutfettwerte, vor allem Triglyceride, bei grenzwertig erhöhtem Cholesterin- oder Blutfettspiegel, in der einzigen Arbeit mit ausgewiesenem Placebo-Vergleich kein Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 68 Personen mit grenzwertig erhöhtem Cholesterin-, LDL- oder Triglyceridwert täglich einen aus getrocknetem Shiitake hergestellten Riegel oder Placebo [2]. Der berichtete Rückgang der Triglyceride um 10 Prozent nach 66 Tagen (p gleich 0,0352) ist ausdrücklich eine Veränderung innerhalb der Shiitake-Gruppe gegenüber ihrem eigenen Ausgangswert, einen Vergleich gegen die Placebo-Gruppe weist die Arbeit nicht aus [2]. Ein frei zugänglicher Volltext dieser Arbeit existiert nicht, geprüft am 07.09.2026. In einer zweiten randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 52 Personen mit unbehandelter, leichter Hypercholesterinämie veränderte ein mit Beta-Glucan angereicherter Shiitake-Extrakt (10,4 g täglich mit 3,5 g Beta-Glucanen, in ein Lebensmittel eingearbeitet) nach 8 Wochen weder das Gesamtcholesterin noch andere Blutfettwerte, und zwar weder gegenüber Placebo noch gegenüber dem eigenen Ausgangswert [3]. Damit steht kein positiver Placebo-Vergleich gegen einen negativen, sondern eine Arbeit ohne ausgewiesenen Placebo-Vergleich neben einer Arbeit, die gegen Placebo nichts fand. Die Zubereitungen (Vollpilz-Riegel gegenüber konzentriertem Beta-Glucan-Extrakt) und Dosen unterscheiden sich zusätzlich stark.
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03
Entzündungsmarker im Blut (Interleukin-1-beta, Interleukin-6, TNF-alpha, oxidiertes LDL) bei leichter Hypercholesterinämie, in der bisher einzigen Studie ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie an 52 Personen mit unbehandelter, leichter Hypercholesterinämie wurden nach 8 Wochen mit dem Beta-Glucan-angereicherten Shiitake-Extrakt (10,4 g täglich, 3,5 g Beta-Glucane) auch mehrere Entzündungswerte im Blut gemessen. Interleukin-1-beta, Interleukin-6, Tumornekrosefaktor-alpha und oxidiertes LDL-Cholesterin veränderten sich gegenüber Placebo nicht [3]. Die Arbeit nennt dazu weder ein Effektmass noch ein Konfidenzintervall, das ist ein Restvorbehalt und keine Aufwertung der Stufe. Es handelt sich um einen Nullbefund auf Ebene von Blutmarkern in einer einzelnen, kleinen Studie, keine Aussage zu einem klinischen Entzündungsgeschehen.
Quellen: 3
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04
Oxidativer Stress im Blut (reduziertes Glutathion, Lipidperoxidation) bei grenzwertig erhöhtem Cholesterinspiegel
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der oben beschriebenen Riegel-Studie an 68 Personen mit grenzwertig erhöhtem Cholesterin-, LDL- oder Triglyceridwert stieg nach 66 Tagen täglichem Shiitake-Verzehr der Spiegel des körpereigenen Antioxidans reduziertes Glutathion, während ein Marker für Lipidperoxidation sank [2]. Auch das ist ein Verlauf innerhalb der Shiitake-Gruppe, einen Vergleich gegen die Placebo-Gruppe weist die Arbeit nicht aus, Zahlen oder p-Werte nennt sie für diese beiden Messgrössen ebenfalls nicht [2]. Ein frei zugänglicher Volltext dieser Arbeit existiert nicht, geprüft am 07.09.2026. Es handelt sich um eine einzelne, kleine Studie mit einer Vollpilz-Zubereitung (Riegel), nicht mit einem konzentrierten Extrakt.
Quellen: 2
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05
Antikörperantwort auf eine Grippeimpfung bei über 50-jährigen, gesunden Erwachsenen, kein Vorteil gegenüber der Kontrolle, der Titeranstieg fiel im Shiitake-Arm sogar niedriger aus
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden Pilotstudie nahmen 239 gesunde Personen zwischen 50 und 79 Jahren fünf Wochen lang täglich eines von fünf nicht verdaulichen Polysacchariden oder ein Kontrollpräparat aus Maltodextrin ein, darunter 40 Personen 500 mg gereinigtes Shiitake-Beta-Glucan [4]. Geimpft wurde nach zwei Wochen Einnahme, gemessen drei Wochen nach der Impfung. Im freien Volltext PMC8400163, Tabelle 2, steht der Shiitake-Arm einzeln. Der mittlere logarithmierte Anstieg der Antikörpertiter im Hämagglutinationshemmtest gegen den Grippestamm A H1N1 lag im Shiitake-Arm bei 0,75 (Quartile 0,00 bis 1,50) gegenüber 1,25 (Quartile 0,50 bis 2,00) in der Kontrolle, also niedriger, mit einem unkorrigierten p von 0,044, das nach Korrektur für mehrfaches Testen nicht mehr signifikant war [4]. Für die Stämme H3N2 und Influenza B gab es keinen Unterschied zur Kontrolle. Die Autoren führen den niedrigeren Anstieg auf höhere Ausgangstiter in dieser Gruppe zurück. Ein die Impfantwort verstärkender Effekt ist damit nicht gezeigt. Finanziert wurde die Arbeit aus dem EU-Programm FibeBiotics, zwei der Autoren sind Angestellte von BioActor BV, dem Lieferanten des Arabinoxylan-Präparats, das als einziger Arm ein positives Signal zeigte [4].
Quellen: 4
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06
Zusammensetzung der Darmflora bei leichter Hypercholesterinämie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Studie an 52 Personen mit unbehandelter, leichter Hypercholesterinämie fand nach 8 Wochen mit dem Beta-Glucan-angereicherten Shiitake-Extrakt eine gegenüber Placebo unterschiedliche Zusammensetzung der Darmbakterien, mit mehreren Bakteriengattungen, deren Häufigkeit mit Cholesterin-Stoffwechselwerten korrelierte [3]. Die Autoren selbst bewerten die genaue Bedeutung dieser Verschiebung als noch nicht ausreichend geklärt und fordern weitere Studien, ein klinischer Nutzen dieser Verschiebung der Darmflora ist damit nicht gezeigt.
Quellen: 3
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07
Häufigkeit von Atemwegsinfekten oder Erkältungen als klinischer Endpunkt, in der bisher einzigen Studie mit diesem Endpunkt ohne Unterschied zur Kontrolle
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der Pilotstudie von Laue und Kollegen wurde die Zahl der Erkältungsepisoden über den fünfwöchigen Einnahmezeitraum miterfasst, auch für den Arm mit gereinigtem Shiitake-Beta-Glucan (500 mg täglich, n gleich 40) [4]. Nach den Kriterien von Jackson hatten im Shiitake-Arm 3 von 40 Personen eine Erkältung gegenüber 8 von 40 in der Kontrollgruppe, nach den Kriterien von Predy 1 gegenüber 5 [4]. Der Vergleich über alle sechs Gruppen war nicht signifikant (p gleich 0,141 beziehungsweise p gleich 0,317), und ausser für Arabinoxylan war kein paarweiser Vergleich gegen die Kontrolle signifikant (p grösser 0,05) [4]. Gelesen im freien Volltext PMC8400163, Tabelle 6. Die Autoren selbst sprechen von einem deutlichen, aber nicht signifikanten Trend und weisen darauf hin, dass die Pilotstudie mit rund 40 Personen je Arm zu klein besetzt war. Geprüft wurde ein gereinigtes Beta-Glucan, nicht ein oral eingenommener Fruchtkörper-Extrakt. Gesucht wurde ausserdem mit den Suchbegriffen common cold und respiratory infection, weitere Humanstudien mit diesem Endpunkt brachte die Suche nicht.
Quellen: 4
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08
Hautgesundheit und sichtbare Hautalterung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Eine gezielte Suche zu Shiitake und Haut ergab beim Menschen ausschliesslich Arbeiten zur Shiitake-Dermatitis (einer Hautreaktion nach dem Verzehr des rohen Pilzes, siehe Sicherheit) sowie eine methodische Arbeit zur Gewinnung von Hautlipiden aus dem Pilz selbst, keine einzige Studie zu einer hautbezogenen Wirkung beim Menschen. Im Tier- und Labor-Modus fand sich eine Zellkultur-Arbeit zu Hautkrebszellen (siehe Tier- und Laborstudien) sowie eine themenfremde Arbeit zu Leberfibrose bei Mäusen. Zur häufig beworbenen hautstraffenden oder Anti-Aging-Wirkung liegt uns damit weder eine Human- noch eine Tier- oder Laborstudie vor.
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09
Wachstum von Tumorzellen in Zellkultur- und Tiermodellen, unterschiedliche Shiitake-Zubereitungen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ein Ethanolextrakt aus Shiitake-Fruchtkörpern hemmte in Zellkultur das Wachstum einer Maus-Hautkrebs-Zelllinie und löste programmierten Zelltod aus, wirkte auf eine nicht-tumorartige Hautzelllinie derselben Herkunft dagegen nicht [5]. In einer weiteren Untersuchung an Mäusen mit einem implantierten Melanom verstärkte die zusätzliche orale Gabe eines Myzelextrakts aus Shiitake (LEM) die Wirkung einer Peptid-Impfung auf das Tumorwachstum, erkennbar an mehr tumorspezifischen T-Zellen und weniger regulatorischen T-Zellen in Lymphknoten und Milz [6]. Beide Untersuchungen fanden ausschliesslich an Zellkulturen beziehungsweise an Mäusen statt, keine an Menschen. Beide nutzen zudem andere Extraktionsverfahren (Ethanolextrakt beziehungsweise Myzelextrakt) als ein oral eingenommener Fruchtkörper-Extrakt in Kapselform. Getrennt davon zu betrachten ist Lentinan, ein aus Shiitake isoliertes Polysaccharid, das in Japan injizierbar als Arzneimittel gegen bestimmte Tumoren eingesetzt wird, siehe die Abgrenzung im Text unten.
Studien im Detail
Immunzell-Marker bei gesunden Erwachsenen
Dai und Kollegen liessen 2015 in einer randomisierten Ernährungsstudie 52 gesunde Männer und Frauen im Alter von 21 bis 41 Jahren vier Wochen lang täglich 5 oder 10 g getrockneten, ganzen Shiitake-Pilz essen. Es gab keine Placebo-Gruppe, verglichen wurden Blut- und Speichelwerte vor und nach der Intervention. Die Vermehrung von Gamma-Delta-T-Zellen ausserhalb des Körpers stieg um 60 Prozent, die von natürlichen Killer-T-Zellen verdoppelte sich, beide Effekte statistisch deutlich. Das sekretorische IgA im Speichel, ein Marker der Schleimhautimmunität, nahm zu, der Entzündungswert CRP im Serum sank. Gemessen wurden ausschliesslich Zell- und Laborwerte, keine tatsächliche Infekthäufigkeit.
Einschränkung: Ohne Placebo-Gruppe misst die Studie den Verlauf über vier Wochen und nicht die Wirkung des Pilzes gegenüber einer Vergleichsgruppe. Alle genannten Werte sind Vorher-Nachher-Werte.
Blutfettwerte, Entzündungsmarker, oxidativer Stress und Darmflora bei leicht erhöhtem Cholesterin
Zwei unabhängige, plazebokontrollierte Studien prüfen unterschiedliche Shiitake-Zubereitungen bei Personen mit leicht erhöhten Blutfettwerten. Nur eine der beiden weist für die Blutfettwerte einen Vergleich gegen die Placebo- Gruppe aus, und dieser Vergleich fällt negativ aus.
Spim und Kollegen zeigten 2021 in einer doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 68 Personen mit grenzwertig erhöhtem Cholesterin-, LDL- oder Triglyceridwert, dass ein täglicher Riegel aus getrocknetem Shiitake nach 66 Tagen die Triglyceride um 10 Prozent gegenüber dem Ausgangswert senkte. Dieser Wert beschreibt den Verlauf innerhalb der Shiitake-Gruppe, einen Vergleich gegen die Placebo-Gruppe weist die Arbeit nicht aus. Zusätzlich stieg der Spiegel des körpereigenen Antioxidans reduziertes Glutathion, ein Marker für Lipidschäden (Lipidperoxidation) sank, auch das ohne Zahlen und ohne Placebo-Vergleich. Ein frei zugänglicher Volltext dieser Arbeit existiert nicht, geprüft am 07.09.2026. Bei 10 Prozent der Teilnehmenden löste der Verzehr des rohen oder nicht ausreichend erhitzten Pilzanteils eine Shiitake-Dermatitis aus.
Morales und Kollegen prüften 2021 in einer doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 52 Personen mit unbehandelter, leichter Hypercholesterinämie eine andere Zubereitung. Ein mit Beta-Glucan angereicherter Extrakt (10,4 g täglich, davon 3,5 g Beta-Glucane, eingearbeitet in ein Lebensmittel) veränderte nach 8 Wochen weder das Gesamtcholesterin noch andere Blutfettwerte, und zwar weder gegenüber Placebo noch gegenüber dem eigenen Ausgangswert. Ebenso ohne Unterschied zu Placebo blieben mehrere Entzündungswerte im Blut (Interleukin-1-beta, Interleukin-6, TNF-alpha, oxidiertes LDL-Cholesterin). Die Zusammensetzung der Darmbakterien veränderte sich dagegen gegenüber Placebo, mit mehreren Bakteriengattungen, deren Häufigkeit mit Cholesterin-Stoffwechselwerten korrelierte. Die Autoren selbst stufen die genaue Bedeutung dieser Verschiebung als noch nicht ausreichend geklärt ein.
Einordnung: Die beiden Studien prüfen ähnlich zusammengesetzte Personengruppen unter Placebo-Kontrolle, nutzen aber stark unterschiedliche Zubereitungen (Vollpilz-Riegel gegenüber konzentriertem Beta-Glucan-Extrakt in Lebensmittel-Matrix) und Dosen. Das erklärt mit, warum sich eine Wirkung nicht pauschal auf jede Shiitake- Zubereitung übertragen lässt. Ein Widerspruch zwischen den beiden Arbeiten liegt aber nicht vor, denn nur eine von beiden weist für die Blutfettwerte überhaupt einen Vergleich gegen die Placebo-Gruppe aus.
Antikörperantwort auf eine Grippeimpfung bei älteren Erwachsenen
Laue und Kollegen prüften 2021 in einer randomisierten, doppelblinden Pilotstudie an 239 gesunden Personen zwischen 50 und 79 Jahren fünf verschiedene, nicht verdauliche Polysaccharide, darunter gereinigtes Shiitake-Beta-Glucan, gegen ein Kontrollpräparat. Nach zwei Wochen täglicher Einnahme wurden die Teilnehmenden gegen die saisonale Grippe geimpft, die Einnahme lief insgesamt fünf Wochen. Der Shiitake-Arm umfasste 40 Personen und erhielt 500 mg gereinigtes Beta-Glucan täglich. Über alle fünf Polysaccharid-Gruppen zusammengenommen war der Anstieg der Antikörpertiter gegenüber der Kontrolle nicht statistisch signifikant erhöht. Im freien Volltext (PMC8400163) steht der Shiitake-Arm einzeln, und dort fällt der Anstieg der Titer gegen den Stamm A H1N1 sogar niedriger aus als in der Kontrolle (0,75 gegenüber 1,25, unkorrigiertes p gleich 0,044, nach Korrektur für mehrfaches Testen nicht mehr signifikant). Die Autoren erklären das mit höheren Ausgangstitern in dieser Gruppe. Ebenfalls nur im Volltext steht die Zahl der Erkältungen je Gruppe, im Shiitake-Arm 3 von 40 gegenüber 8 von 40 in der Kontrolle, ein nicht signifikanter Unterschied. Einzig für die Arabinoxylan-Gruppe berichten die Autoren einen separaten, ebenfalls nicht signifikanten Trend bei den Titern sowie eine statistisch geringere Anzahl an Erkältungen (1 gegenüber 8, p gleich 0,029). Finanziert wurde die Studie aus dem EU-Programm FibeBiotics, zwei der Autoren sind Angestellte des Unternehmens, das dieses Arabinoxylan-Präparat liefert.
Einschränkung: Die Studie war als Pilotstudie angelegt und mit rund 40 Personen je Arm zu klein besetzt, um kleine Effekte zu erkennen, die Autoren bezeichnen ihre Auswertung selbst als explorativ. Die Aussagekraft für Shiitake allein ist damit begrenzt.
Tier- und Laborstudien
Zur Frage, ob Shiitake-Zubereitungen das Wachstum von Tumorzellen beeinflussen, liegen ausschliesslich Zellkultur- und Tierdaten vor, keine Humanstudien zum oralen Extrakt. Gu und Belury zeigten 2005 in Zellkultur, dass ein Ethanolextrakt aus Shiitake-Fruchtkörpern das Wachstum einer Maus-Hautkrebs-Zelllinie hemmte und programmierten Zelltod auslöste, während eine nicht-tumorartige Hautzelllinie derselben Herkunft unverändert blieb. Tanaka und Kollegen zeigten 2012 an Mäusen mit implantiertem Melanom, dass die zusätzliche orale Gabe eines Myzelextrakts aus Shiitake (LEM) die Wirkung einer Peptid-Impfung auf das Tumorwachstum verstärkte, erkennbar an mehr tumorspezifischen T-Zellen und weniger regulatorischen T-Zellen in Lymphknoten und Milz. Beide Arbeiten nutzen andere Extraktionsverfahren (Ethanolextrakt beziehungsweise Myzelextrakt) als ein oral eingenommener Fruchtkörper-Extrakt in Kapselform, und beide fanden ausschliesslich an Zellkulturen beziehungsweise Mäusen statt. Daraus folgt keine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmass sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme beim Menschen einstellt.
Abgrenzung, Lentinan, AHCC und Myzel-Extrakte
Die umfangreichste und bekannteste Studienlage zu Lentinula edodes betrifft nicht den oralen Pilzextrakt, sondern Lentinan, ein aus dem Pilz isoliertes, gereinigtes Beta-1,3-Glucan. Lentinan wird in Japan intravenös verabreicht und dort als Arzneimittel begleitend zu einer Chemotherapie eingesetzt [7]. Kataoka und Kollegen zeigten 2009 in einer randomisierten Studie an 20 Personen unter einer laufenden Chemotherapie-Kombination, dass wöchentlich intravenös verabreichtes Lentinan über 12 Wochen einen Lebensqualitäts-Score gegenüber einer kürzeren, sechswöchigen Gabedauer verbesserte (p gleich 0,018) [7]. Diese injizierte, gereinigte Einzelsubstanz ist weder derselbe Stoff noch dieselbe Darreichungsform wie ein oral eingenommener Shiitake-Extrakt, und die Studienergebnisse zu Lentinan lassen sich nicht auf eine Kapsel übertragen. Aus genau diesem Grund tauchen Lentinan-Studien in der Wirkungstabelle oben nicht als eigene Zeile auf.
Zusätzlich wird Lentinula edodes für mehrere weitere, jeweils eigenständige Extrakte verwendet, die untereinander nicht austauschbar sind. AHCC ist ein standardisierter, Alpha-Glucan-reicher Myzel-Extrakt eines japanischen Herstellers. LEM (Lentinula edodes Mycelium-Extrakt) ist ein weiterer, davon verschiedener Myzel-Extrakt, der in der oben beschriebenen Mäuse-Studie [6] verwendet wurde.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Humanstudien war der orale Verzehr von Shiitake in Form von Riegeln, ganzem Pilz oder Extrakt gut verträglich.
Eigenständig zu beachten ist die Shiitake-Dermatitis, eine seltene Hautreaktion auf Lentinan in der Zellwand des Pilzes. Nguyen und Kollegen werteten 2017 in einer systematischen Übersichtsarbeit 50 in der Literatur beschriebene Fälle aus (38 Männer, 12 Frauen, mittleres Alter 44,6 Jahre). Die meisten Fälle folgten auf den Verzehr von rohem Pilz, 22 Prozent auf leicht angegarten oder unzureichend erhitzten Pilz. Typisch sind ein streifenförmiger, peitschenartiger Hautausschlag (98 Prozent der Fälle) und Juckreiz (78 Prozent der Fälle), seltener Fieber, Durchfall oder Schleimhautgeschwüre. Die Beschwerden klingen im Mittel nach rund 12,5 Tagen von selbst ab [9]. Diese Beobachtung betrifft den Verzehr des rohen oder nicht ausreichend erhitzten Pilzes, eine Übertragbarkeit auf einen verarbeiteten, oral eingenommenen Extrakt in Kapselform ist unklar.
Da Shiitake-Polysaccharide das Immunsystem in mehreren der oben beschriebenen Studien messbar veränderten, ist bei einer bestehenden Einnahme von das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten oder bei einer Autoimmunerkrankung ärztliche Rücksprache sinnvoll. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.
Quellen zum Nachlesen
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01
Randomisierte Ernährungsstudie, zwei Dosis-Gruppen ohne Placebo-Arm, n gleich 52, 4 Wochen · 2015
Consuming Lentinula edodes (Shiitake) Mushrooms Daily Improves Human Immunity, A Randomized Dietary Intervention in Healthy Young Adults
Dai X, Stanilka JM, Rowe CA, Esteves EA, Nieves C, Spaiser SJ, Christman MC, Langkamp-Henken B, Percival SS. J Am Coll Nutr
Zur Zuschreibung: 01
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02
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 68, 66 Tage · 2021
Effects of Shiitake Culinary-Medicinal Mushroom, Lentinus edodes (Agaricomycetes), Bars on Lipid and Antioxidant Profiles in Individuals with Borderline High Cholesterol, A Double-Blind Randomized Clinical Trial
Spim SRV, Pistila AMH, Pickler TB, Silva MT, Grotto D. Int J Med Mushrooms
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03
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 52, 8 Wochen · 2021
Modulation of human intestinal microbiota in a clinical trial by consumption of a beta-D-glucan-enriched extract obtained from Lentinula edodes
Morales D, Shetty SA, López-Plaza B, Gómez-Candela C, Smidt H, Marín FR, Soler-Rivas C. Eur J Nutr
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04
RCT, doppelblind, kontrolliert, Pilotstudie, n gleich 239, fünf Polysaccharid-Arme plus Kontrolle · 2021
Adjuvant Effect of Orally Applied Preparations Containing Non-Digestible Polysaccharides on Influenza Vaccination in Healthy Seniors, A Double-Blind, Randomised, Controlled Pilot Trial
Laue C, et al. Nutrients
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06
Tierstudie, Mäuse mit implantiertem Melanom · 2012
Combining a peptide vaccine with oral ingestion of Lentinula edodes mycelia extract enhances anti-tumor activity in B16 melanoma-bearing mice
Tanaka K, Ishikawa S, Matsui Y, Kawanishi T, Tamesada M, Harashima N, Harada M. Cancer Immunol Immunother
Zur Zuschreibung: 09
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07
RCT, n gleich 20, intravenöses Lentinan zusätzlich zu einer Chemotherapie-Kombination · 2009
Lentinan with S-1 and paclitaxel for gastric cancer chemotherapy improve patient quality of life
Kataoka H, et al. Hepatogastroenterology
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08
Laborstudie und Tierstudie, Mäuse-Makrophagen und Mäuse, zum Mechanismus von Lentinan · 2017
Lentinan from shiitake selectively attenuates AIM2 and non-canonical inflammasome activation while inducing pro-inflammatory cytokine production
Ahn H, Jeon E, Kim JC, Kang SG, Yoon SI, Ko HJ, Kim PH, Lee GS. Sci Rep
- 09
Bei H.P.N
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