Sojabohnen-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Glycine max · Soja-Isoflavone · Sojaprotein-Isolat · Soy Isoflavones · Sojaextrakt
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Sammelbegriff für drei unterschiedliche Zubereitungen aus der Sojabohne, ein Proteinisolat, ein auf Isoflavone angereicherter Extrakt oder einzelne isolierte Isoflavone wie Genistein und Daidzein. Die namensgebenden Wirkstoffe der meisten hier zitierten Studien sind die Isoflavone, deren Gehalt zwischen Produkten und selbst zwischen Chargen stark schwankt
- Herkunft
- Eine Hülsenfrucht, ursprünglich aus Ostasien, heute weltweit angebaut. Traditionell als Lebensmittel verzehrt, die isolierten Isoflavone und das Proteinisolat sind Extraktionsprodukte der modernen Lebensmittelverarbeitung
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Ein Teil der Studien prüft Sojaprotein-Isolat, ein Teil einen auf Isoflavone standardisierten Extrakt mit angegebenem Gehalt an Genistein und Daidzein, ein Teil Kombinationspräparate mit weiteren pflanzlichen Wirkstoffen. Ein wiederkehrender Untergruppenvorbehalt betrifft die Fähigkeit, das Isoflavon Daidzein im Darm mit Hilfe der eigenen Darmbakterien zu Equol umzubauen. Nur etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen in westlichen Ländern können das, und mehrere Studien finden Effekte nur oder überwiegend bei diesen sogenannten Equol-Bildnerinnen und Equol-Bildnern
- Übliche Studiendosis
- Meist 40 bis 100 Milligramm Isoflavone täglich über mehrere Wochen bis Monate, bei Studien zur Knochendichte häufig länger als 1 Jahr, bei Sojaprotein-Studien meist 25 bis 40 Gramm Protein täglich
- Bekannt geworden durch
- Die vergleichsweise seltenen Wechseljahresbeschwerden in Ländern mit traditionell hohem Sojakonsum, was Interesse an den enthaltenen Isoflavonen als pflanzlichen Phytoöstrogenen weckte
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien überwiegend gut vertragen, mit milden Magen-Darm-Beschwerden als häufigster berichteter Nebenwirkung
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
-
01
Häufigkeit von Hitzewallungen bei peri- oder postmenopausalen Frauen unter Isoflavon-Präparaten, in einer größeren älteren Übersichtsarbeit geringer als unter Placebo, in einer kleineren neueren Übersichtsarbeit ohne gesicherten Unterschied
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine grosse Übersichtsarbeit aus 2016 mit über 6600 Frauen fand für Soja-Isoflavone eine geringe, aber statistisch gesicherte Verringerung der täglichen Hitzewallungen gegenüber Placebo. Eine kleinere Übersichtsarbeit aus 2025 fand für denselben Endpunkt keinen gesicherten Unterschied, bei gesicherten Effekten auf andere Beschwerden wie Kopfschmerz und Herzklopfen.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2016 in JAMA veröffentlichte Metaanalyse wertet 62 randomisierte Studien mit 6653 Frauen zu pflanzenbasierten Therapien bei Wechseljahresbeschwerden aus [1]. Für Soja-Isoflavone im Speziellen fand sich eine Verringerung der täglichen Hitzewallungen gegenüber Placebo, mittlere Differenz der Veränderungen minus 0,79, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,35 bis minus 0,23 [1]. Für nächtliches Schwitzen fand sich über alle Phytoöstrogen-Interventionen zusammen kein gesicherter Unterschied, Intervall minus 5,57 bis plus 1,29 [1]. Die Übersichtsarbeit weist selbst auf erhebliche Qualitätsmängel hin, 46 der 62 eingeschlossenen Studien (74 Prozent) hatten laut eigener Bewertung ein hohes Verzerrungsrisiko in mindestens 3 Qualitätsbereichen [1]. Eine 2025 veröffentlichte, kleinere Übersichtsarbeit wertet 12 Studien aus, davon 7 Studien mit 533 Teilnehmerinnen für einen zusammengefassten Beschwerde-Score [2]. Titel und Abstract dieser Arbeit sprechen von perimenopausalen Frauen, im Volltext steht dagegen ausdrücklich, dass alle 12 eingeschlossenen Studien postmenopausale Frauen untersuchten [2]. Für diesen Score fand sich ein gesicherter Effekt (Hedges g minus 0,25, Intervall minus 0,42 bis minus 0,08), ebenso für Kopfschmerz, psychosoziale Beschwerden, Herzklopfen und depressive Verstimmung [2]. Für Hitzewallungen selbst, ebenso wie für Erschöpfung, körperliche Beschwerden, Schlaflosigkeit und vasomotorische Beschwerden insgesamt, fand sich dagegen kein gesicherter Effekt [2]. Der Volltext nennt für Hitzewallungen sehr wohl ein eigenes Ergebnis, Hedges g minus 0,00, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,33 bis plus 0,32, p gleich 0,98, das allerdings nur auf 3 Studien mit zusammen 143 Frauen beruht, nachdem eine vierte Studie wegen abweichender Ausgangswerte nachträglich aus der Auswertung genommen wurde [2]. Für vasomotorische Beschwerden insgesamt lautet der Wert Hedges g minus 0,03, Intervall minus 0,27 bis plus 0,21, aus 3 Studien mit 263 Frauen [2]. Die Autoren dieser neueren Arbeit mahnen selbst zur Vorsicht wegen der kleinen Stichprobengröße [2]. Die Einschlusstabelle der neueren Arbeit steht im Volltext und nennt 12 Studien, für den Vergleich zu Hitzewallungen bleiben davon 3 übrig, darunter eine aus dem Jahr 2024, die zum Suchschluss der älteren Arbeit noch nicht erschienen war. Für diesen Endpunkt sind die beiden Arbeiten deshalb weder ein doppelter Beleg noch ein echter Widerspruch, sondern eine breite Auswertung mit 6653 Frauen und eine sehr schmale mit 143 Frauen. Die Stufe bleibt deshalb bei Hinweise statt bei einem der beiden gegensätzlichen Urteile.
-
02
Häufigkeit von Hitzewallungen in Abhängigkeit von der Isoflavon-Aufnahme, in einer Beobachtungsstudie seltener nur bei Frauen, die Daidzein zu Equol umbauen können, in der randomisierten Pilotstudie ohne statistisch gesicherten Unterschied zwischen Equol-Bildnerinnen und Nichtbildnerinnen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Beobachtungsstudie mit 365 Frauen war eine hohe Isoflavon-Aufnahme nur bei den 35 Prozent, die Equol bilden können, mit selteneren Hitzewallungen verbunden. Bei Equol-Nichtbildnerinnen gab es keinen Zusammenhang. Eine Beobachtungsstudie kann eine Wirksamkeit der Einnahme ohnehin nicht zeigen, und in der randomisierten Pilotstudie war der Unterschied zwischen Equol-Bildnerinnen und Nichtbildnerinnen statistisch nicht gesichert und nach Berücksichtigung weiterer Ausgangsmerkmale verschwunden.
Ausführlicher Nachweis
In einer Querschnittsstudie an 365 Frauen im Alter von 45 bis 55 Jahren mit einem Sojaverzehr von mindestens 3 Portionen wöchentlich waren 129 (35 Prozent) anhand ihrer Urinwerte als Equol-Bildnerinnen einstufbar [3]. Bei diesen Equol-Bildnerinnen hatten Frauen im höchsten Viertel der Daidzein-Aufnahme (im Mittel 28,5 Milligramm täglich) eine um 76 Prozent geringere Chance auf eine überdurchschnittliche Zahl vasomotorischer Beschwerden als Frauen im niedrigsten Viertel (im Mittel 4,9 Milligramm täglich), Odds Ratio 0,24, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,07 bis 0,83 [3]. Bei Equol-Nichtbildnerinnen bestand kein solcher Zusammenhang [3]. Diese Studie ist eine Beobachtungsstudie ohne Intervention und ohne Placebogruppe, ein ursächlicher Nachweis, dass eine Einnahme von Isoflavonen bei Equol-Bildnerinnen Hitzewallungen tatsächlich verringert, ist daraus nicht ableitbar. Eine kleine, randomisierte Pilotstudie an 130 peri- und postmenopausalen Frauen mit mindestens 5 mäßigen bis starken Hitzewallungen täglich prüfte deshalb gezielt Dosis, Einnahmehäufigkeit und Equol-Status als Einflussgrößen [4]. Die stärkste Verringerung der Hitzewallungs-Intensität zeigte sich bei der höchsten Tagesdosis (100 bis 200 Milligramm) und bei zwei- bis dreimal täglicher statt einmaliger Einnahme, mit einem nach Angabe der Autoren etwas größeren Dosis- und Häufigkeits-Effekt bei Equol-Bildnerinnen als bei Equol-Nichtbildnerinnen, stärker für nächtliche als für tägliche Symptome [4]. Der Volltext dieser Pilotstudie nennt für den Equol-Untergruppenvergleich zwar kein Konfidenzintervall, wohl aber die p-Werte der Wechselwirkung, und keiner davon ist statistisch gesichert, p gleich 0,26 für Dosis mal Equol-Status am Tag, p gleich 0,45 in der Nacht und p gleich 0,23 für die Einnahmehäufigkeit [4]. Nach Berücksichtigung weiterer Ausgangsmerkmale kehrte sich der Unterschied bei der höchsten Tagesdosis sogar um, minus 41,5 Prozent bei Equol-Bildnerinnen gegenüber minus 42,8 Prozent bei Nichtbildnerinnen, p gleich 0,87 [4]. Die Studie war auf diese Frage nicht vorab ausgelegt und stützt die Untergruppenaussage nicht.
-
03
Knochendichte an Lendenwirbelsäule, Hüfte und Oberschenkelhals bei postmenopausalen Frauen unter Isoflavon-Einnahme, höher als unter Placebo, deutlicher bei mindestens einjähriger Einnahme
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine Metaanalyse aus 52 Studien fand eine kleine, aber statistisch gesicherte höhere Knochendichte unter Isoflavon-Einnahme gegenüber Placebo an allen drei gemessenen Knochenstellen, am deutlichsten am Oberschenkelhals und bei einer Einnahmedauer von mindestens einem Jahr.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2020 veröffentlichte Metaanalyse wertet 52 randomisierte, plazebokontrollierte Studien zu Soja-Isoflavonen und Knochendichte aus [5]. Gegenüber Placebo lag die Knochendichte unter Isoflavon-Einnahme an der Lendenwirbelsäule um 0,76 Prozent höher (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,09 bis 1,42, p gleich 0,03), an der Hüfte um 0,22 Prozent höher (Intervall 0,02 bis 0,42, p gleich 0,04) und am Oberschenkelhals um 2,27 Prozent höher (Intervall 1,22 bis 3,31, p kleiner 0,001) [5]. In Untergruppenanalysen war die Verbesserung an allen drei Stellen bei normalgewichtigen Teilnehmerinnen und bei einer Einnahmedauer über 1 Jahr gesichert, während Studienort und Dosierung die Ergebnisgröße zusätzlich beeinflussten [5]. Bei Knochenumbau-Markern fanden sich gemischte Befunde, siehe eigene Zeile. Die Übersichtsarbeit selbst schließt daraus, dass der knochenschützende Effekt bei normalgewichtigen Personen eher über eine höhere Knochendichte, bei übergewichtigen und adipösen Personen eher über eine geringere Knochenresorption vermittelt wird, und dass für einen messbaren Effekt auf die Knochendichte selbst eher eine Einnahmedauer von über einem Jahr nötig ist als bei den schneller reagierenden Umbau-Markern [5]. Der Volltext dieser Arbeit lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das vollständige, zahlenreiche Abstract mit allen relevanten Kennzahlen.
Quellen: 5
-
04
Knochenumbau-Marker im Blut (Osteocalcin, Knochen-alkalische Phosphatase, Pyridinolin, Desoxypyridinolin) bei postmenopausalen Frauen unter Isoflavon-Einnahme, ohne gesicherten Unterschied zu Placebo bei ungenauen Intervallen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Metaanalyse aus bis zu 18 Studien je Marker veränderte sich keiner der vier Knochenumbau-Marker gegenüber Placebo statistisch gesichert, bei teils sehr breiten Konfidenzintervallen, die einen Effekt nicht sicher ausschliessen.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2021 veröffentlichte Metaanalyse wertet für vier Knochenumbau-Marker jeweils 8 bis 18 randomisierte, plazebokontrollierte Studien an insgesamt 1114 mit Isoflavonen behandelten und 1081 mit Placebo behandelten postmenopausalen Frauen aus, mittlere Tagesdosis 98,2 Milligramm Isoflavone über 3 bis 24 Monate [6]. Gegenüber Placebo betrug die prozentuale Veränderung für Osteocalcin plus 4,16 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 7,72 bis plus 16,04, p gleich 0,49), für die knochenspezifische alkalische Phosphatase plus 5,50 Prozent (Intervall minus 3,81 bis plus 14,82, p gleich 0,25), für Pyridinolin minus 12,09 Prozent (Intervall minus 25,37 bis plus 1,20, p gleich 0,07) und für Desoxypyridinolin minus 7,48 Prozent (Intervall minus 15,37 bis plus 0,41, p gleich 0,06) [6]. Keines der vier Intervalle schließt die Null vollständig aus, alle vier sind zugleich deutlich breiter auf der Seite eines möglichen Nutzens als auf der Gegenseite, besonders ausgeprägt bei Pyridinolin und Desoxypyridinolin. Ein tatsächliches Ausbleiben der Wirkung ist damit nicht gezeigt, sondern nur nicht mit Sicherheit belegt, weshalb die Stufe bei Hinweise bleibt und nicht auf nicht bestätigt gesetzt wird. Die Übersichtsarbeit selbst beschreibt die Befunde als einen statistisch nicht gesicherten Trend zu höheren Werten bei den Formationsmarkern und niedrigeren Werten bei den Resorptionsmarkern und fordert größere, multizentrische Studien [6]. Die unter Quelle 5 ausgewertete Metaanalyse aus 52 Studien wertet dieselben Marker mit aus und kommt dort zu einem anderen Ergebnis, mit einer gesicherten Abnahme von Pyridinolin und C-Telopeptiden und einer gesicherten Zunahme von Osteoprotegerin [5]. Beide Arbeiten schöpfen aus weitgehend demselben Studienbestand, die Abweichung geht also auf Studienauswahl und Auswertungsverfahren zurück und nicht auf zwei voneinander unabhängige Befunde. Die Arbeit erklärt keine Interessenkonflikte.
Quellen: 6
-
05
LDL-Cholesterin bei Erwachsenen unter Sojaprotein, in älteren Übersichten als gering senkend eingestuft, in einer neueren direkten Vergleichsstudie ohne Unterschied zu Milchprotein
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine breite Sichtung von Ernährungsleitlinien und Übersichtsarbeiten stuft Sojaprotein als Lebensmittel mit geringer LDL-senkender Wirkung ein. Eine neuere direkte Vergleichsstudie mit 90 Personen fand dagegen keinen Unterschied zwischen 3 Monaten Sojaprotein und Kaseinprotein bei Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2021 veröffentlichte Übersichtsarbeit sichtet 37 Ernährungsleitlinien, 108 systematische Übersichtsarbeiten und 20 Einzelstudien zur Wirkung von Lebensmitteln auf LDL-Cholesterin und stuft Sojaprotein, neben Tomaten, Leinsamen und Mandeln, in die Kategorie mit geringer LDL-senkender Wirkung ein, im Unterschied zu Hafer, Gerste und Flohsamenschalen mit moderater bis starker Wirkung [7]. Diese Übersichtsarbeit selbst nennt für Sojaprotein keine gepoolte Zahl mit Konfidenzintervall, sondern ordnet die Evidenz in eine von mehreren Wirkungskategorien ein. Eine 2020 veröffentlichte randomisierte Studie verglich bei 90 Männern und Frauen zwischen 27 und 87 Jahren über 3 Monate täglich 40 Gramm Sojaprotein gegen 40 Gramm Kaseinprotein als aktive Vergleichsgruppe, ohne Placebogruppe [8]. Weder Gesamtcholesterin noch LDL- oder HDL-Cholesterin noch C-reaktives Protein unterschieden sich am Ende zwischen den beiden Gruppen [8]. Beide Proteine senkten in dieser Studie die knochenspezifische alkalische Phosphatase und den Körperfettanteil und erhöhten IGF-1 im Serum, mit einem stärkeren IGF-1-Anstieg unter Sojaprotein [8]. Die Studie prüft Sojaprotein gegen ein anderes aktives Protein und nicht gegen Placebo, ein Effekt gegenüber gar keiner zusätzlichen Proteinzufuhr lässt sich daraus nicht ableiten, ebenso wenig wie ein Effekt spezifisch der Isoflavone getrennt vom Protein selbst.
-
06
Kognitive Gesamtleistung und Gedächtnis bei Erwachsenen, überwiegend postmenopausalen Frauen, unter Isoflavon-Einnahme, geringfügig höher als unter Placebo in zwei sich teilweise überschneidenden Übersichtsarbeiten
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei Metaanalysen mit teils denselben Studien fanden kleine, aber statistisch gesicherte Verbesserungen der kognitiven Gesamtleistung und des Gedächtnisses unter Isoflavon-Einnahme gegenüber Placebo, mit Effektgrößen nahe der unteren Wahrnehmungsschwelle.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2020 veröffentlichte Metaanalyse wertet 16 randomisierte, kontrollierte Studien mit 1386 Teilnehmenden (mittleres Alter 60 Jahre) zur kognitiven Wirkung von Soja-Isoflavonen aus [9]. Gegenüber der jeweiligen Vergleichsgruppe verbesserte sich die kognitive Gesamtleistung um eine standardisierte mittlere Differenz von 0,19 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,07 bis 0,32) und das Gedächtnis um 0,15 (Intervall 0,03 bis 0,26) [9]. Eine ältere, 2015 veröffentlichte Metaanalyse an postmenopausalen Frauen wertet 10 plazebokontrollierte Studien mit 1024 Teilnehmerinnen aus und findet für die kognitive Gesamtleistung eine standardisierte mittlere Differenz von 0,08 (Intervall 0,02 bis 0,15) und für das visuelle Gedächtnis 0,10 (Intervall 0,02 bis 0,18) [10]. Beide Effektgrößen liegen nahe der unteren Grenze dessen, was in der Verhaltensforschung üblicherweise noch als wahrnehmbarer Unterschied gilt. Da die neuere Übersichtsarbeit einen weiteren Studienzeitraum und eine breitere Teilnehmergruppe (nicht nur postmenopausale Frauen) abdeckt, dürfte ein erheblicher Teil der 10 in der älteren Arbeit ausgewerteten Studien auch in der neueren stecken, die beiden Kennzahlen sind deshalb kein doppelter, voneinander unabhängiger Beleg, sondern eine kleinere und eine größere, sich überschneidende Auswertung desselben Feldes.
-
07
Testosteron- und Östrogenspiegel im Blut bei Männern unter Soja- oder Isoflavon-Aufnahme, ohne erkennbare Veränderung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Metaanalyse aus 41 Studien mit über 1750 Männern fand unabhängig von Dosis und Einnahmedauer keine Veränderung von Gesamt- und freiem Testosteron, Oestradiol, Oestron oder dem Sexualhormon-bindenden Globulin. Die Arbeit nennt für diese Nullbefunde kein gepooltes Effektmass mit Intervall im Abstract.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2021 veröffentlichte, aktualisierte Metaanalyse wertet 41 Studien zu Soja- oder Isoflavon-Aufnahme und männlichen Fortpflanzungshormonen aus, mit Messungen des Gesamttestosterons bei 1753 und des freien Testosterons bei 752 Männern, von Östradiol bei 1000 und Östron bei 239 Männern sowie des Sexualhormon-bindenden Globulins bei 967 Männern [11]. Unabhängig vom verwendeten statistischen Modell fand sich für keinen dieser Werte ein gesicherter Effekt, auch nicht in Untergruppenanalysen nach Isoflavon-Dosis oder Studiendauer [11]. Die Arbeit richtet sich ausdrücklich gegen die verbreitete Zuschreibung, Soja wirke wegen seiner Isoflavone hormonell verweiblichend auf Männer. Zwei Vorbehalte gehören dazu. Erstens schließt sie nach ihren eigenen Einschlusskriterien nicht nur Sojalebensmittel, Sojaprotein und Soja-Isoflavone ein, sondern auch Isoflavon-Extrakte aus Rotklee, also aus einer anderen Pflanzenart [11]. Zweitens ist der letzte Autor über die Firma Nutrition Matters Inc. der Sojabranche beruflich verbunden, das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist bei dieser Arbeit leer. Ein freier Volltext mit den zugrunde liegenden gepoolten Effektmaßen und Konfidenzintervallen lag uns nicht vor, das Abstract selbst nennt nur die qualitative Aussage eines fehlenden Effekts ohne eigene Zahl mit Intervall, weshalb die Stufe bei Hinweise bleibt und nicht auf nicht bestätigt gesetzt wird.
Quellen: 11
-
08
Dicke der Gebärmutterschleimhaut, Dichte des Brustdrüsengewebes im Mammogramm und Leberwerte bei postmenopausalen Frauen nach einjähriger Isoflavon-Einnahme, ohne Unterschied zu einer Kalzium-Vitamin-D-Vergleichsgruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei 130 Frauen veränderten sich Gebärmutterschleimhaut, Brustdrusendichte im Mammogramm und Leberwerte nach einem Jahr Isoflavon-Einnahme nicht anders als unter Kalzium und Vitamin D. Es gab keine Placebogruppe, und die Beschwerdebesserung fiel unter Isoflavonen größer aus.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten Studie erhielten 130 postmenopausale Frauen mit Wechseljahresbeschwerden über 12 Monate entweder täglich 60 Milligramm Soja-Isoflavone zusammen mit einem Probiotikum (65 Frauen) oder Kalzium und Vitamin D3 als aktive Vergleichsbehandlung (65 Frauen) [12]. Dicke der Gebärmutterschleimhaut, Dichte des Brustdrüsengewebes im Mammogramm sowie die Leberwerte Transaminasen, Gamma-GT und Bilirubin unterschieden sich nach 12 Monaten nicht gesichert zwischen den Gruppen [12]. Die Beschwerdewerte auf einer Symptomskala besserten sich unter der Isoflavon-Gruppe stärker als unter der Kalzium-Vitamin-D-Gruppe [12]. Eine Placebogruppe gab es nicht, verglichen wurde gegen eine andere aktive Behandlung, und geprüft wurde eine Kombination aus Isoflavonen und einem Probiotikum, nicht Isoflavone allein. Die Arbeit dient hier vor allem als Sicherheitsdatum zu drei häufig als Bedenken genannten Organsystemen über einen längeren Zeitraum, nicht als Wirksamkeitsnachweis.
Quellen: 12
Studien im Detail
Wechseljahresbeschwerden und der Equol-Bildner-Vorbehalt
Die Studienlage zu Isoflavonen und Hitzewallungen ist uneinheitlicher, als einzelne Übersichtsarbeiten für sich genommen vermuten lassen. Eine große, 2016 in JAMA veröffentlichte Metaanalyse mit über 6600 Frauen fand eine kleine, aber statistisch gesicherte Verringerung der Hitzewallungshäufigkeit, weist aber selbst auf erhebliche Qualitätsmängel im zugrunde liegenden Studienbestand hin. Eine neuere, kleinere Übersichtsarbeit von 2025 fand für denselben Endpunkt keinen gesicherten Effekt, dafür aber für andere Beschwerden wie Kopfschmerz und Herzklopfen.
Ein wiederkehrendes Thema ist die Fähigkeit des Körpers, das Isoflavon Daidzein mit Hilfe der eigenen Darmbakterien zu Equol umzubauen. Nur ein Teil der Menschen kann das, und Beobachtungsdaten wie eine Pilotstudie deuten übereinstimmend darauf hin, dass ein Nutzen bei Hitzewallungen vor allem oder ausschließlich bei diesen Equol-Bildnerinnen und Equol-Bildnern zu erwarten ist. Wer selbst kein Equol bildet, dürfte von einer Isoflavon-Einnahme in dieser Hinsicht weniger oder nichts zu erwarten haben, ohne einen Labortest lässt sich das vorher aber nicht sicher wissen.
Knochendichte und Knochenumbau
Für die Knochendichte selbst liegt mit einer Metaanalyse aus 52 Studien eine vergleichsweise solide Datenlage vor, mit einer kleinen, aber an allen drei gemessenen Knochenstellen statistisch gesicherten Verbesserung gegenüber Placebo, deutlicher bei einer Einnahmedauer von mindestens einem Jahr. Für die schneller reagierenden Knochenumbau-Marker im Blut fand eine andere Metaanalyse dagegen keinen gesicherten Effekt, bei allerdings sehr breiten Konfidenzintervallen, die einen tatsächlichen Effekt nicht ausschließen. Beide Metaanalysen greifen auf weitgehend denselben Studienbestand zu und kommen bei diesen Markern trotzdem zu unterschiedlichen Urteilen. Die Arbeit aus 52 Studien berichtet für Pyridinolin und für die C-Telopeptide eine gesicherte Abnahme, die kleinere Auswertung findet für Pyridinolin nur einen nicht gesicherten Trend. Das ist eine offene Frage im selben Bestand und keine gegenseitige Bestätigung.
Herz-Kreislauf, kognitive Leistung und Hormonwerte bei Männern
Für LDL-Cholesterin stufen ältere Übersichtsarbeiten Sojaprotein als Lebensmittel mit geringer senkender Wirkung ein (Schoeneck und Iggman, Quelle 7), eine neuere direkte Vergleichsstudie von George und Kollegen gegen Kaseinprotein fand dagegen keinen Unterschied (Quelle 8). Für die kognitive Leistung fanden zwei sich teilweise überschneidende Metaanalysen von Cui und Kollegen sowie Cheng und Kollegen kleine, aber statistisch gesicherte Verbesserungen (Quellen 9 und 10), mit Effektgrößen nahe der Wahrnehmungsschwelle. Der verbreiteten Zuschreibung, Soja wirke wegen seiner Isoflavone hormonell verweiblichend auf Männer, widerspricht eine große Metaanalyse von Reed und Kollegen aus 41 Studien mit über 1750 Männern (Quelle 11), die keinen Effekt auf Testosteron- oder Östrogenwerte findet.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Studien war die Einnahme von Sojaprotein oder Isoflavon-Präparaten überwiegend gut verträglich. Eine einjährige Studie an postmenopausalen Frauen fand keinen Unterschied bei Gebärmutterschleimhaut, Brustdrüsendichte im Mammogramm und Leberwerten gegenüber einer Kalzium-Vitamin-D-Vergleichsgruppe, allerdings ohne Placebogruppe und mit einem Kombinationspräparat statt Isoflavonen allein.
Da Isoflavone strukturell dem körpereigenen Östrogen ähneln und an Östrogenrezeptoren binden können, ist bei hormonabhängigen Erkrankungen sowie bei der gleichzeitigen Einnahme von Hormonpräparaten oder Tamoxifen ärztliche Rücksprache sinnvoll. Menschen mit einer Sojaallergie sollten Sojabohnen-Extrakt meiden. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.
Quellen zum Nachlesen
- 01
- 02
-
03
Querschnitts-Beobachtungsstudie, n gleich 365 (davon 129 Equol-Bildnerinnen) · 2015
A cross-sectional study of equol producer status and self-reported vasomotor symptoms
Newton KM, Reed SD, Uchiyama S, Qu C, Ueno T, Iwashita S, Gunderson G, Fuller S, Lampe JW. Menopause
Zur Zuschreibung: 02
- 04
- 05
-
06
Metaanalyse, 8 bis 18 RCT je Marker, n gleich 2195 · 2021
Effects of Soy Isoflavones on Biochemical Markers of Bone Metabolism in Postmenopausal Women, A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
Kanadys W, Barańska A, Błaszczuk A, Polz-Dacewicz M, Drop B, Malm M, Kanecki K. Int J Environ Res Public Health
Zur Zuschreibung: 04
-
07
Übersicht über Leitlinien, Übersichtsarbeiten und Studien, 37 Leitlinien, 108 Übersichtsarbeiten, 20 RCT · 2021
The effects of foods on LDL cholesterol levels, A systematic review of the accumulated evidence from systematic reviews and meta-analyses of randomized controlled trials
Schoeneck M, Iggman D. Nutr Metab Cardiovasc Dis
Zur Zuschreibung: 05
- 08
-
09
Metaanalyse, 16 RCT, n gleich 1386 · 2020
Effects of soy isoflavones on cognitive function, a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Cui C, Birru RL, Snitz BE, Ihara M, Kakuta C, Lopresti BJ, Aizenstein HJ, Lopez OL, Mathis CA, Miyamoto Y, Kuller LH, Sekikawa A. Nutr Rev
Zur Zuschreibung: 06
- 10
-
11
Metaanalyse, 41 Studien, n gleich bis zu 1753 je nach Messgröße · 2021
Neither soy nor isoflavone intake affects male reproductive hormones, An expanded and updated meta-analysis of clinical studies
Reed KE, Camargo J, Hamilton-Reeves J, Kurzer M, Messina M. Reprod Toxicol
Zur Zuschreibung: 07
-
12
RCT, aktiver Vergleich ohne Placebo, n gleich 130 (65 vs 65), 12 Monate, Kombinationspräparat · 2013
Endometrial, breast and liver safety of soy isoflavones plus Lactobacillus sporogenes in post-menopausal women
Colacurci N, De Franciscis P, Atlante M, Mancino P, Monti M, Volpini G, Benvenuti C. Gynecol Endocrinol
Zur Zuschreibung: 08
Bei H.P.N
Diesen Inhaltsstoff findest Du in: