Teufelskralle-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Harpagophytum procumbens · Teufelskralle · Devil's Claw · Harpagophyti radix · Trampelklette

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 18 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Zubereitung aus den Speicherwurzeln der Teufelskralle. Leitsubstanz ist das Iridoidglykosid Harpagosid, daneben stehen Harpagid, 8-p-Cumaroyl-Harpagid, Flavonoide, Phenylpropanoidglykoside und ein hoher Anteil wasserlöslicher Kohlenhydrate
Herkunft
Ausdauernde Pflanze der Kalahari, vor allem in Namibia, Botswana, Simbabwe und Südafrika. Genutzt werden nicht die Hauptwurzel, sondern die seitlichen Speicherwurzeln, die getrocknet und zerkleinert werden. Der Name stammt von den hakenförmigen Früchten
Zwei Arten im Handel
Harpagophytum procumbens und Harpagophytum zeyheri werden im Handel nebeneinander geführt und in Erzeugnissen auch gemischt. Fast alle hier zitierten Arbeiten prüfen procumbens, zwei prüfen ausdrücklich eine Mischung beider Arten. Ein Ergebnis der einen Art trägt keine Aussage für die andere
Wirkform in Studien
Vier verschiedene Zubereitungen stehen nebeneinander und sind nicht austauschbar. Wässrige Trockenextrakte (WS 1531, Doloteffin), ein ethanolischer Trockenextrakt (LI 174), kryogemahlenes Wurzelpulver (Harpadol) und Kombinationserzeugnisse mit Ingwer, Hagebutte, Brennnessel oder Weihrauch. Die Arzneimittelextrakte sind auf eine Harpagosid-Tagesmenge eingestellt, die Nahrungsergänzungsmittel meist nicht
Übliche Studiendosis
In den Placebo-Studien 600 bis 1200 mg wässriger Trockenextrakt täglich, entsprechend 50 bis 100 mg Harpagosid. In den Vergleichsstudien gegen ein anderes Arzneimittel 60 mg Harpagosid täglich oder 2610 mg kryogemahlenes Wurzelpulver täglich. Die Studien laufen 4 Wochen bis 4 Monate
Standardisierung
Eine Angabe in Milligramm Extrakt oder Wurzelpulver sagt nichts über die Harpagosid-Menge. Sie hängt an Extraktionsmittel, Droge-Extrakt-Verhältnis und Pflanzenart. Wässrige Extrakte tragen etwa doppelt so viel Harpagosid je Tagesmenge wie mit 60-prozentigem Ethanol gewonnene
Bekannt geworden durch
Die Nutzung der Wurzel in der Traditionsmedizin des südlichen Afrikas, dort vor allem bei Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit und Wehenschmerz. In Europa steht seit dem frühen 20. Jahrhundert der Bewegungsapparat im Vordergrund
Verträglichkeit
In den doppelblinden Studien traten unerwünschte Ereignisse nicht häufiger auf als unter Placebo. Was gemeldet wird, betrifft fast immer den Magen-Darm-Trakt. Aus der Anwendungsbeobachtung liegen Einzelmeldungen zu Blutungen im oberen Verdauungstrakt vor, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Schmerzteilwert des Arhus-Index bei Erwachsenen mit seit mindestens sechs Monaten anhaltenden Rückenbeschwerden ohne fassbare Ursache und einem aktuellen Wert über 5 von 10 auf der Schmerzskala

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei vierwöchigen Studien mit zusammen 315 Teilnehmenden besserte sich der Schmerzteilwert unter 50 mg Harpagosid täglich stärker als unter Placebo. Die Cochrane-Übersicht gibt dieser Aussage nur niedrige Sicherheit und schreibt selbst möglicherweise.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Cochrane-Übersicht von 2014 fasst 14 randomisierte Studien mit 2050 Teilnehmenden zu pflanzlichen Mitteln bei Rückenbeschwerden zusammen, davon drei zu Harpagophytum [1]. Für den Vergleich gegen Placebo stehen zwei vierwöchige Studien mit zusammen 315 zugeteilten Teilnehmenden zur Verfügung, beide mit einem wässrigen Trockenextrakt, eingestellt auf 50 mg Harpagosid täglich, in einer Arbeit als 2400 mg Rohextrakt, in der anderen als 600 mg des Extrakts WS 1531 [1]. Die Einschlussgrösse ist objektiv festgelegt und ohne Diagnose fassbar, Alter 18 bis 75 Jahre, seit mindestens sechs Monaten anhaltende Rückenbeschwerden ohne fassbare Ursache, ein aktueller Wert über 5 auf der 10-Punkte-Skala und eine erwartete Behandlungsdauer von mindestens vier Wochen [1]. Der Schmerzteilwert des Arhus-Index besserte sich in beiden Arbeiten stärker als unter Placebo, im Median um 43 Prozent in der einen und um 34 Prozent in der anderen [1]. Ein Effektmass mit Intervall wird für diesen Endpunkt nicht berichtet, die Übersicht fasst die beiden Arbeiten nicht rechnerisch zusammen, sondern beschreibt sie nebeneinander [1]. Sie stuft die Sicherheit dieser Aussage nach GRADE als niedrig ein, wegen ungenauer Daten und einer Teilnehmerzahl unter 400, und formuliert sie selbst als möglicherweise besser als Placebo [1]. Nach der in diesem Eintrag durchgehend angewandten Regel trägt eine Aussage mit niedriger GRADE-Sicherheit die Stufe hinweise und nicht belegt. Zur Interessenlage. Bei einer der beiden Placebo-Studien wurde das Prüfpräparat vom Hersteller gestellt, bei der zweiten nennt die Übersicht keinen Interessenkonflikt [1]. Beide gelten der Übersicht als methodisch niedrig verzerrungsanfällig, 7 von 12 beziehungsweise 8 von 12 erfüllten Kriterien, mit fehlenden Angaben zur verdeckten Zuteilung und zur Einnahmetreue [1]. Zur Überschneidung. Die Übersicht [1] und die einzeln zitierte Arbeit zu WS 1531 [2] sind ein Studienbestand und keine unabhängigen Belege, [2] ist eine der beiden hier zusammengefassten Placebo-Studien und wird getrennt geführt, weil nur dort die Dosisstufen einzeln nachlesbar sind. Zubereitungsvorbehalt. Geprüft wurde ein wässriger Trockenextrakt eines Arzneimittels mit ausgewiesener Harpagosid-Tagesmenge. Eine Auswertung von 88 Handelserzeugnissen fand, dass die Tagesmenge in den als Nahrungsergänzung geführten Erzeugnissen einmal in Milligramm Harpagosid, einmal in Milligramm Droge und oft gar nicht angegeben wird, mit stark schwankenden Mengen, und dass sich die Ergebnisse solcher Erzeugnisse deshalb nicht miteinander vergleichen lassen [14]. Artenvorbehalt. Beide Placebo-Studien prüften Harpagophytum procumbens, für Harpagophytum zeyheri liegt zu diesem Endpunkt keine eigene Arbeit vor.

    Quellen: 1, 2, 14

  2. 02

    Anteil der Teilnehmenden ohne Schmerz und ohne Notfallmedikament an mindestens fünf Tagen der vierten Woche, unter 100 mg Harpagosid täglich

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen Studie, die zwei Mengen gegen Placebo prüfte, waren nach vier Wochen 10 von 66 Teilnehmenden unter der höheren Menge schmerzfrei gegenüber 3 von 66 unter Placebo. Die Überlegenheit der höheren gegenüber der niedrigeren Menge zeigte sich dabei nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 197 Erwachsene vier Wochen lang entweder 600 mg des Extrakts WS 1531 mit 50 mg Harpagosid (n gleich 65), 1200 mg mit 100 mg Harpagosid (n gleich 66) oder ein Placebo (n gleich 66), 183 schlossen die Studie ab, die Übersicht führt die Auswertung nach dem Zuteilungsvorsatz als erfüllt [2][1]. Eingeschlossen wurden Personen von 18 bis 75 Jahren mit seit mindestens sechs Monaten bestehenden Rückenbeschwerden ohne fassbare Ursache, einer aktuellen Verschlechterung in Ruhe und in Bewegung mit einem Wert über 5 auf der 10-Punkte-Skala [2][1]. Der vorab festgelegte Hauptendpunkt war die Zahl der Teilnehmenden, die an mindestens fünf Tagen der letzten Woche ohne Schmerz und ohne das erlaubte Notfallmedikament Tramadol auskamen, 3 unter Placebo, 6 unter 50 mg und 10 unter 100 mg Harpagosid, im einseitigen Trendtest nach Cochran und Armitage p gleich 0,027 [2]. Ein Effektmass mit Intervall wird nicht berichtet, weder in der Arbeit noch in der Übersicht [2][1]. Die Übersicht hält ausdrücklich fest, dass eine Überlegenheit der höheren gegenüber der niedrigeren Menge nicht gezeigt wurde, und dass sich Gesamtwert, Schmerzteilwert, Behinderungsteilwert und körperliche Beeinträchtigung des Arhus-Index zwischen den drei Gruppen nicht unterschieden [1]. Die Autoren berichten zudem, dass die Hälfte der Schmerzfreien in der 100-mg-Gruppe zu Beginn einen neurologischen Ausfall hatte, und dass eine nachträgliche Auswertung des aktuellen Schmerzanteils eher die niedrigere Menge und die Teilnehmenden ohne Ausstrahlung begünstigte [2]. Das ist ein nachträglicher Befund in einer Untergruppe und trägt für sich keine Aussage. Die Sicherheit dieser Aussage ist nach GRADE niedrig [1], deshalb hinweise. Interessenlage. Die Übersicht nennt für diese Arbeit keinen Interessenkonflikt [1]. Zur Überschneidung. Die Übersicht [1] enthält diese Arbeit [2], beide zusammen sind ein Bestand. Zubereitungs- und Artenvorbehalt. Geprüft wurde ein wässriger Trockenextrakt aus Harpagophytum procumbens mit ausgewiesener Harpagosid-Menge, keine Nahrungsergänzung und keine Mischung mit Harpagophytum zeyheri.

    Quellen: 2, 1

  3. 03

    Gesamtwert des Arhus-Index aus Schmerz, Behinderung und körperlicher Beeinträchtigung, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Der Gesamtwert besserte sich unter 50 mg Harpagosid täglich und unter Placebo gleichermassen um 21 Prozent. Ein Effektmass mit Intervall liegt nicht vor, wie gross ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte, ist damit offen.

    Ausführlicher Nachweis

    In beiden Placebo-Studien der Cochrane-Übersicht wurde neben dem Schmerzteilwert auch der Gesamtwert des Arhus-Index erhoben, der Schmerz, Behinderung im Alltag und körperliche Beeinträchtigung zu einer Zahl zusammenfasst [1]. Er besserte sich um 21 Prozent in der Gruppe mit 50 mg Harpagosid täglich und um 21 Prozent unter Placebo, ohne Unterschied zwischen den Gruppen [1]. In der dreiarmigen Arbeit unterschieden sich Gesamtwert, Schmerzteilwert, Behinderungsteilwert und körperliche Beeinträchtigung auch zwischen den drei Gruppen nicht [1][2]. Der Widerspruch zur vorigen Zeile ist kein Fehler, sondern die Lage selbst. Derselbe Studienbestand zeigt beim engeren Schmerzmass einen Unterschied und beim breiteren Gesamtwert keinen, und die Übersicht berichtet beides nebeneinander [1]. Ein Effektmass mit Intervall wird für keinen der beiden Werte berichtet, wie gross ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte, lässt sich also nicht beziffern. Die vorige Zeile steht aus demselben Grund nur auf hinweise, dasselbe methodische Argument in beide Richtungen. Grundlage sind zwei Studien mit zusammen 315 zugeteilten Teilnehmenden, wässriger Trockenextrakt mit 50 beziehungsweise 100 mg Harpagosid täglich über vier Wochen, Vergleichsarm Placebo [1]. Interessenlage und Überschneidung wie in den beiden vorigen Zeilen, die Übersicht [1] enthält die Einzelarbeit [2]. Artenvorbehalt, geprüft wurde Harpagophytum procumbens.

    Quellen: 1, 2

  4. 04

    Körperliche Beeinträchtigung, gemessen an Kniebeuge, Schober-Test und Rumpfkraft, ohne Unterschied im Verlauf

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Neuauswertung aller eigenen Studien derselben Arbeitsgruppe fand, dass sich dieser Teilwert kaum bewegte, während sich Schmerz und Behinderung im Alltag deutlich änderten. Die Arbeit hat keinen Placebo-Vergleich als Ziel, sondern die Brauchbarkeit des Messwerts.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine Neuauswertung fasst alle Studien einer Arbeitsgruppe zu wässrigen Harpagophytum-Extrakten und einem ethanolischen Weidenrinden-Extrakt bei anhaltenden Rückenbeschwerden ohne fassbare Ursache zusammen und prüft, wie sich die drei Teilwerte des Arhus-Index über die Behandlungszeit verhalten [6]. Der Teilwert körperliche Beeinträchtigung, gebildet aus Kniebeuge, verändertem Schober-Test, einem Rumpfkrafttest und dem Schmerzmittelverbrauch, änderte sich sehr wenig, während sich die Teilwerte Schmerz und Behinderung im Alltag deutlich änderten [6]. Zum Vergleich zogen die Autoren Daten zu örtlich aufgetragenem Capsaicin heran und fanden dasselbe Bild [6]. Ihr eigener Schluss ist ein methodischer, nämlich dass sich die zeitaufwendige Erhebung dieses Teilwerts in Studien zu vorwiegend schmerzstillenden Pflanzenzubereitungen weglassen liesse [6]. Die Arbeit nennt weder Teilnehmerzahlen noch Effektmasse mit Intervall im Abstract, sie hat keinen eigenen Placebo-Arm und ist keine neue Studie, sondern eine Zusammenschau eigener Daten. Deshalb hinweise und keine höhere Stufe, und deshalb trägt die Zeile die Richtung im Namen. Zur Überschneidung. Diese Neuauswertung [6] enthält dieselben Rohdaten wie die beiden Placebo-Studien der Cochrane-Übersicht [1] und die Vergleichsstudie gegen Rofecoxib [3]. Sie ist kein zusätzlicher Beleg, sondern eine andere Sicht auf denselben Bestand, und sie steht hier, weil sie erklärt, warum die Beweglichkeit in diesen Studien so wenig zeigt. Zubereitungsvorbehalt. Ausgewertet wurden wässrige Extrakte aus Harpagophytum procumbens mit 50 bis 60 mg Harpagosid täglich, kein Nahrungsergänzungsmittel.

    Quellen: 6, 1, 3

  5. 05

    Schmerz- und Funktionswerte im Vergleich zu 12,5 mg Rofecoxib täglich, ohne Unterschied zwischen den Gruppen und ohne Placebo-Arm

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Vorstudie an 88 Erwachsenen unterschieden sich die Werte zwischen 60 mg Harpagosid täglich und 12,5 mg Rofecoxib nicht. Die Autoren schreiben selbst, für einen Nachweis der Gleichwertigkeit sei die Studie zu klein.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit doppelter Scheinbehandlung erhielten 88 Erwachsene sechs Wochen lang entweder den wässrigen Extrakt Doloteffin mit 60 mg Harpagosid täglich (n gleich 44) oder 12,5 mg Rofecoxib täglich (n gleich 44), ausgewertet wurden 43 und 36 Personen [3]. Es gab keinen Placebo-Arm, der Vergleichsarm war ein verschreibungspflichtiger Cyclooxygenase-2-Hemmer, der 2004 wegen Herz-Kreislauf-Risiken vom Markt genommen wurde. Eingeschlossen wurden Personen von 45 bis 75 Jahren mit seit mindestens sechs Monaten anhaltenden Rückenbeschwerden ohne fassbare Ursache, einer aktuellen Verschlechterung seit acht Wochen mit einem Wert von mindestens 5 von 10 und einem erwarteten Behandlungsbedarf von sechs Wochen [3][1]. Ohne Notfallmedikament schmerzfrei über mindestens fünf Tage der sechsten Woche waren 10 unter Harpagophytum und 5 unter Rofecoxib, eine Halbierung des Wochendurchschnitts erreichten 18 gegenüber 12 [3]. Der Schmerzanteil des Arhus-Index fiel um 23 Prozent gegenüber 26 Prozent, der Gesamtwert um 11 gegenüber 16 Prozent, der Fragebogen zur Alltagsbewältigung um 7 gegenüber 6 Prozent [3]. Die Streuungen sind gross, beim Schmerzanteil eine Standardabweichung von 52 beziehungsweise 43 Prozentpunkten [3]. Ein Effektmass mit Intervall für den Gruppenunterschied wird nicht berichtet, und die Autoren schreiben ausdrücklich, es seien keine belegten Unterschiede zwischen den Gruppen nachweisbar, für einen Nachweis der Gleichwertigkeit brauche es grosse Teilnehmerzahlen [3]. Wo die Autoren selbst kein Urteil fällen, wird hier auch keines gefällt, deshalb hinweise. Die Cochrane-Übersicht bewertet die Sicherheit dieser einzelnen Arbeit nach GRADE als sehr niedrig, wegen Mängeln bei der verdeckten Zuteilung und der Einnahmetreue und wegen der kleinen Teilnehmerzahl [1]. Interessenlage. Die Übersicht führt diese Arbeit als von einem Arzneimittelhersteller finanziert [1]. Zur Überschneidung. Die Übersicht [1] enthält diese Arbeit [3]. Zubereitungs- und Artenvorbehalt. Geprüft wurde ein wässriger Arzneimittelextrakt aus Harpagophytum procumbens mit ausgewiesener Harpagosid-Menge. Ein Vergleich ohne Placebo-Arm kann nicht zeigen, dass beide Arme wirken, sondern nur, dass sich in dieser Grösse kein Unterschied zwischen ihnen zeigte.

    Quellen: 3, 1

  6. 06

    Schmerz auf der visuellen Analogskala und Lequesne-Funktionsindex bei Knie- und Hüftbeschwerden, ohne Unterschied zu 100 mg Diacerein täglich und ohne Placebo-Arm

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer viermonatigen Studie an 122 Erwachsenen besserten sich Schmerz und Funktion in beiden Armen, ohne Unterschied zwischen ihnen. Es gab keinen Placebo-Arm, und beide Veröffentlichungen berichten dieselbe Studie.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer doppelblinden, randomisierten Studie an mehreren Zentren erhielten 122 Erwachsene mit Knie- oder Hüftbeschwerden vier Monate lang entweder 6 Kapseln täglich mit je 435 mg kryogemahlenem Wurzelpulver aus Harpagophytum procumbens, zusammen 2610 mg täglich, oder 100 mg Diacerein täglich [4][5]. Gemessen wurden spontaner Schmerz und Funktionseinschränkung auf einer 10 cm langen visuellen Analogskala sowie der Lequesne-Funktionsindex [4]. Beide Arme besserten sich über die vier Monate deutlich, und zwischen den Armen zeigte sich weder beim Schmerz noch bei der Funktionseinschränkung noch beim Lequesne-Index ein Unterschied [4][5]. Ein Effektmass mit Intervall wird nicht berichtet, und es gibt keinen Placebo-Arm, deshalb hinweise. Zur Zählung. Dies sind zwei Veröffentlichungen derselben 122-Personen-Studie, einmal 2000 in Phytomedicine [4] und einmal 2000 in Joint Bone Spine [5], mit derselben Teilnehmerzahl, derselben Dauer, demselben Vergleichsarm und derselben Menge. Sie sind ein Beleg und nicht zwei. Beide Veröffentlichungen sind der Affiliation nach vom Hersteller des geprüften Wurzelpulvers getragen, die Autorenzeile nennt Laboratoires Arkopharma in Carros [4][5]. Weder Menge noch Anteil des Harpagosids sind in den Abstracts genannt, was die Übertragung auf ein anderes Erzeugnis unmöglich macht. Zubereitungsvorbehalt. Geprüft wurde kryogemahlenes Wurzelpulver und kein Extrakt, das ist eine andere Zubereitung als in den Placebo-Studien zum Rücken, und die dortigen Ergebnisse gelten hier nicht. Artenvorbehalt, angegeben ist Harpagophytum procumbens. Der Vergleichsarm Diacerein ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, dessen eigene Wirksamkeit in dieser Studie nicht gegen Placebo geprüft wurde. Ein Gleichstand mit einem ungeprüften Vergleichsarm sagt über beide nichts.

    Quellen: 4, 5

  7. 07

    Schmerz- und Funktionswerte bei Hüftbeschwerden in einer Zusammenfassung mehrerer Pflanzenzubereitungen, ohne Unterschied zur Kontrolle

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Zusammenfassung von 16 Studien zu 13 Pflanzenzubereitungen fand für Teufelskralle keinen Unterschied zur Kontrolle. Die Aussage stützt sich dort auf eine einzige eingeschlossene Studie, und die Autoren nennen die Sicherheit ihrer Ergebnisse niedrig.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine systematische Übersicht mit Zusammenfassung wertete 16 randomisierte Studien mit 1741 Teilnehmenden zu 13 in Brasilien vertriebenen pflanzlichen Zubereitungen bei Gelenkbeschwerden aus, 9 Studien gingen in die rechnerische Zusammenfassung ein, verteilt auf 6 Pflanzen [7]. Auf Harpagophytum procumbens entfiel dabei genau eine Studie [7]. Für Harpagophytum procumbens zeigte sich gegenüber der Kontrolle kein Unterschied, ebenso wenig für Curcuma longa und Uncaria guianensis, während Boswellia serrata und Zingiber officinale einen Unterschied zeigten [7]. Die Autoren schreiben selbst, die vorliegende Evidenz reiche nicht aus, um einen wirksamen und sicheren Einsatz dieser Zubereitungen zu stützen, weil die Qualität der Studien niedrig sei [7]. Die Zusammenfassung selbst verweigert damit das Urteil, die eine eingeschlossene Arbeit hat den vorab festgelegten Schmerzwert aber geprüft und keinen Unterschied zu Placebo gefunden. Ein Effektmass mit Intervall für Harpagophytum nennt das Abstract nicht, und ein Effektmass aus einer einzelnen eingeschlossenen Studie wäre auch keine Zusammenfassung. Zur Überschneidung. Der Volltext der Zusammenfassung lag uns nicht vor, ihr Literaturverzeichnis aber schon, und es nennt genau eine Harpagophytum-Arbeit, nämlich Frerick H, Biller A, Schmidt U, Stufenschema bei Coxarthrose, Doppelblindstudie mit Teufelskralle, Der Kassenarzt 2001, Heft 5, Seite 34 bis 41, abgerufen am 08.09.2026 über den Crossref-Nachweis zum DOI 10.1002/ptr.5910. Diese Arbeit ist keine der hier sonst geführten und insbesondere nicht die Vergleichsstudie gegen Diacerein, die Zeile ist also ein eigener Bestand. Die zweite Cochrane-Übersicht von 2014 zu pflanzlichen Mitteln bei Gelenkbeschwerden (Cameron und Chrubasik, PMID 24848732, Volltext gelesen als PMC4494689) beschreibt sie als randomisiert, doppelblind und plazebokontrolliert, 46 zugeteilte und 41 abschliessende Teilnehmende, 20 Wochen, Einschluss über die ACR-Kriterien am Hüftgelenk, 960 mg ethanolischer Extrakt täglich, ohne Besserung des vorab festgelegten WOMAC-Schmerzwerts gegenüber Placebo und mit einer nachträglich eingeführten eigenen Ansprechdefinition. Damit sind Vergleichsarm, Zubereitung, Menge und Dauer bekannt. Die Zeile betrifft das Hüftgelenk, der Name nennt es. Die Zusammenfassung berichtet für Harpagophytum kein Effektmass mit Intervall und stützt sich auf diese eine Studie, wie gross ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte, ist damit offen.

    Quellen: 7

  8. 08

    Druckschmerzschwelle, Muskelsteifigkeit und Muskel-Ischämietest bei leichten bis mittleren Verspannungen an Rücken, Schulter und Nacken

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer vierwöchigen Studie an 63 Erwachsenen mit leichten bis mittleren Verspannungen schnitten Verum-Teilnehmende bei Schmerzskala, Druckschmerzmessung, Steifigkeitstest und Ischämietest besser ab als unter Placebo. Eine einzelne Studie mit einem ethanolischen Extrakt, dessen Harpagosid-Menge nicht angegeben ist.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 31 Erwachsene zweimal täglich 480 mg des ethanolischen Trockenextrakts LI 174, zusammen 960 mg täglich, und 32 Erwachsene ein Placebo, über vier Wochen mit Erhebungen alle 14 Tage [8]. Eingeschlossen wurden Personen mit leichter bis mittlerer muskulärer Verspannung oder leichtem Muskelschmerz an Rücken, Schulter und Nacken, also mit einer Beschwerdeschwelle und ohne Diagnose als Einschlussgrösse [8]. Nach vier Wochen fanden sich in der visuellen Analogskala, im Druckalgometer-Test, im Muskelsteifigkeitstest und im Muskel-Ischämietest hoch belegte Unterschiede, ebenso im klinischen Gesamtwert und in der Bewertung durch Teilnehmende und Ärzte [8]. Ein Effektmass mit Intervall wird im Abstract für keinen dieser Werte berichtet, ebenso wenig p-Werte, und der Volltext lag uns nicht vor. Deshalb hinweise und keine höhere Stufe. Die Arbeit ist deutschsprachig veröffentlicht und hier nach dem englischen Abstract ausgewertet. Zubereitungsvorbehalt, und er ist hier der wichtigste. Geprüft wurde ein ethanolischer Trockenextrakt. Solche Extrakte tragen je Tagesmenge etwa halb so viel Harpagosid wie die wässrigen Extrakte der Rückenstudien, und die Arbeit nennt die Harpagosid-Menge im Abstract nicht [8]. Eine Übersichtsarbeit zu den Zubereitungen hält fest, dass die Harpagosid-Tagesmenge eines wässrigen Extrakts doppelt so hoch liegt wie die einer mit 60-prozentigem Ethanol gewonnenen Zubereitung, und dass Studien mit mindestens 50 mg Harpagosid täglich verlässlichere Aussagen erlauben [20]. Die beiden Placebo-Studien zum Rücken lieferten 50 beziehungsweise 100 mg Harpagosid täglich aus einem wässrigen Extrakt [1], hier fehlt die Angabe ganz. Artenvorbehalt, angegeben ist Harpagophytum procumbens. Zur Überschneidung. Diese Arbeit ist in der Cochrane-Übersicht [1] nicht enthalten, deren Einschluss auf Rückenbeschwerden ohne fassbare Ursache begrenzt ist, sie ist damit ein eigener Bestand. Die beiden hier zusätzlich zitierten Übersichten [20] und [1] sind dagegen kein doppelter Beleg, sie sehen denselben Studienbestand aus zwei Blickwinkeln, [20] ist die kleinere und ältere Betrachtung derselben Arbeitsgruppe, deren eigene Studien in [1] eingeschlossen sind. Sie stehen hier nicht als Wirksamkeitsbeleg, sondern allein für die Frage, wie viel Harpagosid eine Zubereitung liefert. Zur Interessenlage nennt das PubMed-Feld nichts, und der Volltext wurde nicht gelesen, das bleibt offen.

    Quellen: 8, 20, 1

  9. 09

    Antinozizeptive Muskelreflexe und EMG-Oberflächenaktivität, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben vierwöchigen Studie an 63 Erwachsenen unterschieden sich zwei der sechs gemessenen Grössen nicht von Placebo. Ein Effektmass mit Intervall liegt nicht vor, wie gross ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte, ist damit offen.

    Ausführlicher Nachweis

    Dieselbe Studie mass neben den vier Grössen der vorigen Zeile auch die Ableitung antinozizeptiver Muskelreflexe und die EMG-Oberflächenaktivität [8]. Bei diesen beiden fand sich kein Unterschied zu Placebo [8]. Die Autoren schliessen daraus, dass die Wirkung an der sensorischen und der Gefässantwort des Muskels ansetze und keine zentralnervösen Effekte erkennbar seien [8]. Die Zahlen sind dieselben wie oben, 31 Personen im Verum-Arm mit zweimal 480 mg ethanolischem Trockenextrakt LI 174 täglich, 32 im Placebo-Arm, vier Wochen [8]. Ein Effektmass mit Intervall wird nicht berichtet, wie gross ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte, lässt sich also nicht beziffern, und deshalb trägt die Zeile die Richtung im Namen. Die vorige Zeile mit den Positivbefunden derselben Studie steht aus demselben Grund nur auf hinweise. Zubereitungs- und Artenvorbehalt wie in der vorigen Zeile, ethanolischer Trockenextrakt aus Harpagophytum procumbens ohne ausgewiesene Harpagosid-Menge. Zur Überschneidung, es ist dieselbe Studie wie in der vorigen Zeile und kein zweiter Bestand.

    Quellen: 8

  10. 10

    Hauttemperatur über dem Knie und Beinfettmasse bei Freizeitläufern mit selbstberichteten Knieschmerzen nach dem Training, unter einem Kombinationspulver

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Vorstudie an 28 Männern sank unter einem Kombinationspulver die Hauttemperatur über dem Knie und die Beinfettmasse stärker als unter Placebo. Ein Schmerzwert wurde als Ergebnis nicht berichtet, und die Teufelskralle stand nicht allein.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, dreifach verblindeten, plazebokontrollierten Vorstudie nahmen 13 Männer vier Wochen lang täglich 2 g einer Mischung in sechs Einzelgaben, 15 Männer ein gleich schweres Maltodextrin-Placebo [9]. Die Mischung besteht im Gewichtsverhältnis 1 zu 0,75 zu 0,375 aus Wurzelpulver von Harpagophytum procumbens mit Harpagophytum zeyheri, Ingwerwurzelstock und Annattosamen [9]. Auf die Teufelskralle entfallen damit rund 47 Prozent von 2 g, also etwa 0,94 g Wurzelpulver täglich. Die Analyse des eingesetzten Pulvers ergab 1,65 Prozent Gesamtiridoide, davon 1,22 Prozent Harpagosid [9]. Selbst wenn man diesen Anteil auf die gesamten 2 g bezöge, ergäben sich 24 mg Harpagosid täglich, bezogen auf den Teufelskrallen-Anteil rund 11 mg, in beiden Rechnungen deutlich unter den 50 bis 100 mg der Rückenstudien [1]. Einschlussgrösse waren Männer von 40 bis 60 Jahren mit einem Wert von mindestens 2 auf der visuellen Analogskala nach dem Training und mindestens 150 Minuten Training je Woche, ausdrücklich ohne gestellte Diagnose [9]. Berichtet werden als Ergebnisse eine stärkere Abnahme der Beinfettmasse (p gleich 0,037) und eine stärkere Abnahme der Hauttemperatur über dem Knie in der Wärmebildaufnahme (p kleiner 0,05) [9]. Ein Schmerzwert als Ergebnis wird nicht berichtet, die Schmerzskala diente allein dem Einschluss, und in den biomechanischen Messungen fanden sich keine belegten Unterschiede [9]. Effektmasse mit Intervall werden nicht berichtet, die Hauptaussage stützt sich auf ein Klassifikationsverfahren des maschinellen Lernens mit einer mittleren Trefferquote von 0,857 [9]. Bei 28 Teilnehmenden, vier Wochen Dauer und einem Endpunkt aus der Wärmebildaufnahme ist das eine Vorstudie und kein Beleg für einen spürbaren Nutzen, deshalb hinweise. Interessenlage. Zwei Koautoren waren während der Studie bei dem Unternehmen angestellt, das die geprüfte Mischung entwickelt und geliefert hat, die Interessenerklärung nennt Natural Origins mit einem kommerziellen Interesse an der Veröffentlichung [9]. Zubereitungsvorbehalt. Geprüft wurde Wurzelpulver in einer Dreierkombination, kein Extrakt und keine Einzelgabe, ein Anteil des Ergebnisses kann auf Ingwer oder Annatto entfallen. Artenvorbehalt. Dies ist eine der beiden hier zitierten Arbeiten, die ausdrücklich eine Mischung aus Harpagophytum procumbens und Harpagophytum zeyheri prüfen, ein Mengenverhältnis der beiden Arten nennt sie nicht.

    Quellen: 9, 1

  11. 11

    WOMAC-Schmerzwert unter einem Kombinationserzeugnis mit Hagebutte und Brennnessel

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer zwölfwöchigen Studie an 90 Erwachsenen besserte sich der WOMAC-Schmerzwert unter dem Kombinationserzeugnis um 29,9 Punkte gegenüber 10,2 unter Placebo. Was davon auf die Teufelskralle entfällt, lässt sich nicht sagen, und die Studie wurde vollständig vom Anbieter geplant und ausgewertet.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer zwölfwöchigen, randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie in Parallelgruppen nahmen 46 Erwachsene täglich 40 ml eines Erzeugnisses aus Hagebuttenmark und -saftkonzentrat, Brennnesselblattextrakt, Teufelskrallenwurzelextrakt und Vitamin D, 44 nahmen ein Placebo, 92 wurden zugeteilt [10]. Der vorab festgelegte Hauptendpunkt war der WOMAC-Schmerzwert, seine mittlere Veränderung betrug 29,87 Punkte in der Verumgruppe und 10,23 Punkte in der Placebogruppe, der Gruppenunterschied war belegt (p kleiner 0,001 im U-Test wie im t-Test) [10]. Anders als bei den meisten hier geführten Arbeiten ist das ein echter Gruppenvergleich und keine Veränderung innerhalb der Verumgruppe, die Arbeit berichtet beides getrennt [10]. Alle WOMAC-Teilwerte und die Lebensqualität in körperlicher wie seelischer Hinsicht fielen nach 6 und nach 12 Wochen in dieselbe Richtung, beim Verbrauch an Schmerzmitteln blieb es bei einer Tendenz [10]. Ein Effektmass mit Intervall wird im Abstract nicht berichtet. Der entscheidende Vorbehalt ist die Zusammensetzung. Geprüft wurde ein Vierfachpräparat, und die Arbeit weist die Anwesenheit der pflanzlichen Bestandteile über einen chromatographischen Fingerabdruck nach, nicht deren Einzelbeitrag [10]. Was von den 29,87 Punkten auf die Teufelskralle entfällt, ist aus dieser Studie nicht zu entnehmen, ebenso wenig eine Harpagosid-Tagesmenge, die die Arbeit im Abstract nicht angibt. Deshalb hinweise und keine höhere Stufe. Interessenlage. Zwei Autoren gehören dem Unternehmen an, das die Studie geplant, durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet hat und mit dem Sponsor verbunden ist, zwei weitere dem beauftragten Auftragsforschungsinstitut, die Interessenerklärung nennt Herbalist und Doc Gesundheitsgesellschaft mbH sowie MedAgil [10]. Artenvorbehalt. Auch diese Arbeit nennt ausdrücklich Harpagophytum procumbens oder Harpagophytum zeyheri als Quelle des eingesetzten Wurzelextrakts, ohne Angabe, welche Art in welchem Anteil verwendet wurde [10]. Zur Überschneidung, diese Arbeit steht in keiner der hier zitierten Übersichten und ist ein eigener Bestand.

    Quellen: 10

  12. 12

    Bedarf an zusätzlichen Schmerz- und Entzündungshemmern

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In den Vergleichsstudien gegen ein anderes Arzneimittel griffen Teilnehmende unter Teufelskralle seltener zu weiteren Schmerzmitteln. In den Placebo-Studien war derselbe Unterschied nicht belegt oder wurde gar nicht statistisch geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    Der Verbrauch an zusätzlichen Schmerzmitteln ist in diesem Feld ein häufiger Nebenendpunkt, und die Befunde hängen daran, wogegen verglichen wurde. Im Vergleich gegen 100 mg Diacerein täglich über vier Monate an 122 Erwachsenen war der Verbrauch an Paracetamol mit Coffein und an Diclofenac in der Harpagophytum-Gruppe belegt niedriger [4][5]. Gegen 12,5 mg Rofecoxib täglich über sechs Wochen an 88 Erwachsenen nahmen 21 von 44 unter Harpagophytum und 13 von 44 unter Rofecoxib das Notfallmedikament Tramadol, also mehr und nicht weniger, ohne dass die Arbeit dazu einen belegten Unterschied berichtet [3]. Gegen Placebo sank der Tramadol-Verbrauch in beiden Studien der Cochrane-Übersicht in der Verumgruppe stärker, in der einen erreichte der Unterschied keine statistische Belegbarkeit, in der anderen wurde er gar nicht geprüft [1]. Die Übersicht formuliert dazu, die Einnahme könne den Gebrauch des Notfallmedikaments möglicherweise verringern, und gibt dieser Aussage niedrige Sicherheit [1]. Dazu kommt eine offene Anwendungsbeobachtung ohne Kontrollgruppe an 259 Erwachsenen über acht Wochen, in der 60 Prozent der Teilnehmenden ihre begleitenden Schmerzmittel verringerten oder absetzten [11]. Diese Zahl ist kein Gruppenvergleich, sondern eine Veränderung gegenüber dem Ausgangswert in einem einzigen Arm ohne Vergleichsarm, und sie trägt für sich keine Aussage über die Ursache. Ein Effektmass mit Intervall wird in keiner der vier Arbeiten berichtet, deshalb hinweise. Zur Überschneidung. Die Übersicht [1] enthält die Studie gegen Rofecoxib [3], die beiden Veröffentlichungen [4] und [5] sind dieselbe Studie, und die offene Beobachtung [11] steht ausserhalb beider Bestände. Es liegen damit drei voneinander unabhängige Studien vor und nicht fünf. Zubereitungsvorbehalt. Die vier Arbeiten prüften wässrigen Extrakt mit 50 bis 60 mg Harpagosid täglich, kryogemahlenes Wurzelpulver mit 2610 mg täglich und in der offenen Beobachtung eine Tablette, deren Harpagosid-Menge das Abstract nicht nennt [11].

    Quellen: 4, 5, 3, 1, 11

  13. 13

    Häufigkeit von Magen-Darm-Beschwerden unter der Einnahme, in den doppelblinden Studien ohne Unterschied zu Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In keiner der ausgewerteten Doppelblindstudien traten unerwünschte Ereignisse häufiger auf als unter Placebo, betroffen waren etwa 3 von 100 Teilnehmenden. Aus der Anwendung ausserhalb von Studien sind dagegen Blutungen im oberen Verdauungstrakt gemeldet worden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine systematische Übersicht zur Sicherheit durchsuchte drei Datenbanken zurück bis 1985 und fand 28 klinische Studien, von denen 20 unerwünschte Ereignisse berichteten [12]. In keiner der doppelblinden Studien lag die Häufigkeit unter Harpagophytum procumbens höher als unter Placebo, und leichte Ereignisse traten bei rund 3 Prozent der Teilnehmenden auf, überwiegend im Magen-Darm-Trakt [12]. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die in den Studien geprüfte Menge am unteren Rand liegt und dass für eine längere Anwendung dringend mehr Sicherheitsdaten nötig seien [12]. Die Einzelbefunde passen dazu. In der Placebo-Studie mit 118 Zugeteilten traten 4 Ereignisse in der Verumgruppe und 10 in der Placebogruppe auf, in der dreiarmigen Studie mit 197 Zugeteilten 4 Magen-Darm-Beschwerden je Verumarm und 1 unter Placebo [1]. Im Vergleich gegen Rofecoxib zeigten je 14 von 44 Teilnehmenden Ereignisse, im Magen-Darm-Trakt 8 gegenüber 9, die unter Rofecoxib schwerer ausfielen [1][3]. Gegen Diacerein war sowohl die Gesamthäufigkeit als auch der Durchfall belegt seltener, 8,1 gegenüber 26,7 Prozent [4]. Ein Effektmass mit Intervall wird in keiner dieser Quellen berichtet, deshalb hinweise und nicht nicht bestätigt, und deshalb trägt die Zeile die Richtung im Namen. Dem steht eine Meldung aus der Arzneimittelbeobachtung gegenüber. Eine unabhängige Fachzeitschrift wertete rund 20 randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studien aus, fand als Hauptbefund Magenschmerz und Verdauungsbeschwerden und weist zusätzlich auf mehrere gemeldete Fälle von Blutungen im oberen Verdauungstrakt hin, die mit der Einnahme in Verbindung gebracht wurden [13]. Ihr eigenes Fazit fällt deutlich ablehnend aus, sie hält die Wurzel für besser vermeidbar [13]. Das ist eine Einzelmeinung einer Redaktion und keine Zusammenfassung mit Effektmassen, sie steht hier, weil ein Sicherheitssignal auch dann gehört wird, wenn es aus einer schwachen Quelle kommt. Zur Überschneidung. Die Sicherheitsübersicht [12] mit ihren 28 gesichteten Studien und die Fachzeitschrift [13] mit rund 20 doppelblinden Studien werten denselben Bestand aus, und die drei Harpagophytum-Studien der Cochrane-Übersicht [1] liegen alle innerhalb dieses Zeitraums und Einschlusses und stecken damit auch in [12]. Die vier einzeln zitierten Arbeiten [1], [2], [3] und [4] sind Teil derselben Menge. Es sind nicht sechs unabhängige Sicherheitsbelege, sondern ein Bestand, zweimal überblickt und viermal einzeln zitiert.

    Quellen: 12, 13, 1, 2, 3, 4

  14. 14

    Bildung der Enzyme Cyclooxygenase-2 und induzierbare NO-Synthase in Zellkultur

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Isoliertes Harpagosid unterdrückte in zwei Zelllinien die Bildung zweier entzündungsfördernder Enzyme, vermittelt über den Signalweg NF-kappaB. Am Menschen ist dieser Mechanismus nicht gemessen worden.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Zellstudie an einer menschlichen Leberzelllinie (HepG2) und einer Mausmakrophagen-Zelllinie (RAW 264.7) hemmte isoliertes Harpagosid die durch Lipopolysaccharid ausgelöste Bildung von Cyclooxygenase-2 und induzierbarer NO-Synthase, sowohl auf der Ebene der Boten-RNA als auch auf Proteinebene [15]. Die Hemmung ging mit einer unterdrückten Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-kappaB einher, eine Vorbehandlung mit Harpagosid verhinderte dessen Wanderung in den Zellkern und den Abbau der hemmenden Untereinheit IkappaB-alpha, und im Reportergen-Test unterdrückte Harpagosid mengenabhängig die Aktivität des NF-kappaB-Promotors [15]. Eine Übersicht zum Mechanismus fasst den Stand so zusammen, dass Harpagosid in Vorversuchen bei Konzentrationen von 10 bis 50 Mikromol je Liter mehrere Signalwege moduliert, darunter NF-kappaB, AP-1, Nrf2 mit HO-1, PI3K mit Akt und die MAP-Kinasen [19]. Dieselbe Übersicht nennt als offene Punkte eine schwankende Zusammensetzung der Zubereitungen, wenige pharmakokinetische und Sicherheitsdaten und vor allem eine schlechte Aufnahme nach dem Schlucken, weshalb an Trägersystemen und halbsynthetischen Abwandlungen gearbeitet wird [19]. Genau dieser letzte Punkt ist der Grund, warum diese Zeile nicht höher steht. Eine im Reagenzglas gezeigte Hemmung sagt nichts darüber, ob die dafür nötige Konzentration nach dem Schlucken im Gewebe eines Menschen überhaupt erreicht wird. Keine der beiden Arbeiten hat Menschen eingeschlossen, und in den hier geführten Humanstudien wurde kein Entzündungswert im Blut gemessen. Interessenkonflikte sind in beiden Arbeiten nicht angegeben beziehungsweise ausdrücklich verneint [15][19]. Geprüft wurde isoliertes Harpagosid und kein Wurzelextrakt, ein Extrakt enthält daneben Harpagid und weitere Stoffe, deren Beitrag hier nicht abgebildet ist.

    Quellen: 15, 19

  15. 15

    Lipidperoxidation und antioxidative Abwehr in Hirngewebe von Ratten im Reagenzglas

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Aufguss, Rohextrakt und Teilfraktionen der Wurzel bremsten in Rattenhirn-Präparaten die Fettoxidation und stellten zwei Abwehrgrössen wieder her. Ein Blutwert oder ein spürbarer Endpunkt beim Menschen wurde dabei nicht gemessen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Laborarbeit wurden Aufguss, Rohextrakt und mehrere Teilfraktionen aus Harpagophytum procumbens an Hirnhomogenaten der Ratte geprüft, in denen die Fettoxidation durch zweiwertiges Eisen oder durch Natriumnitroprussid ausgelöst wurde [16]. Alle geprüften Zubereitungen bremsten die Fettoxidation mengenabhängig, und die an Phenolen reiche Essigester-Fraktion schnitt am besten ab, sie senkte zusätzlich den Zellschaden in Hirnrindenschnitten und stellte Thiolgehalt und Katalase-Aktivität wieder her [16]. Die Autoren schliessen daraus, ein Teil der beschriebenen entzündungshemmenden Wirkung könne auf dieser antioxidativen Eigenschaft beruhen [16]. Das ist eine Hypothese aus dem Reagenzglas. Es wurden weder Tiere behandelt noch Menschen eingeschlossen, gemessen wurde an ausgeschnittenem Gewebe, und die eingesetzten Konzentrationen lassen sich nicht in eine Tagesmenge für einen Menschen umrechnen. Zur Übertragbarkeit passt der Befund einer Übersicht zum Mechanismus, wonach Harpagosid nach dem Schlucken schlecht aufgenommen wird [19]. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Harpagophytum und antioxidativer Wirkung oder oxidativem Stress ergab keine Interventionsstudie am Menschen, sondern nur Übersichtsarbeiten und Zell- oder Tierversuche. Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen Harpagophytum antioxidant sowie Harpagophytum oxidative stress, jeweils auch ohne Beschränkung auf den Publikationstyp, Stand 08.09.2026. Ein Interessenkonflikt ist in der Laborarbeit nicht angegeben [16]. Zubereitungsvorbehalt, geprüft wurden Aufguss und Rohextrakt sowie Teilfraktionen, nicht ein handelsüblicher Trockenextrakt mit ausgewiesener Harpagosid-Menge.

    Quellen: 16, 19

  16. 16

    Nahrungsaufnahme und Aktivierung des Ghrelin-Rezeptors im Zell- und Mausversuch

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Wurzelextrakt regte in menschlichen Zellen den Rezeptor des Hungerhormons an und senkte bei Mäusen nach Spritze in die Bauchhöhle die Nahrungsaufnahme. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass es zur Appetitwirkung beim Menschen keine belastbare Untersuchung gibt.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Arbeit an menschlichen Nierenzellen (HEK), die den Ghrelin-Rezeptor GHS-R1a dauerhaft tragen, löste ein Extrakt aus den getrockneten Speicherwurzeln von Harpagophytum procumbens einen belegten Kalziumeinstrom aus, führte aber nicht zu der Rezeptor-Verlagerung ins Zellinnere, die eine vollständige Aktivierung kennzeichnet [17]. Nach Gabe in die Bauchhöhle senkte derselbe Extrakt bei männlichen Mäusen des Stammes C57BL/6 die Nahrungsaufnahme, sowohl bei freiem Zugang zu Futter als auch nach Futterentzug [17]. Die Autoren schreiben ausdrücklich, die Nutzung der Pflanze als Appetitmittel beruhe bisher auf Überlieferung, und ihnen sei keine klare wissenschaftliche Untersuchung zur Appetitwirkung bekannt [17]. Das ist der Kern dieser Zeile. Eine Übersicht zur Ethnobotanik bestätigt die Überlieferung, sie nennt neben Gelenk- und Schmerzanwendungen ausdrücklich Verdauungsbeschwerden, Fieber, Blutleiden, Beschwerden der Harnwege, Schmerz nach der Geburt, Verstauchungen und Geschwüre als traditionelle Anwendungen, und sie stützt sich dafür auch auf eine eigene Befragung von Gemeinschaften in Botswana [18]. Übertragbarkeit. Der Extrakt wurde den Mäusen in die Bauchhöhle gespritzt und nicht verfüttert, damit umgeht der Versuch genau den Schritt, an dem die Aufnahme nach dem Schlucken scheitert. Eine Menge je Kilogramm Körpergewicht nennt das Abstract nicht. Keine Humanstudie liegt vor. Die Autoren erklären, keine konkurrierenden Interessen zu haben [17]. Zubereitungsvorbehalt, geprüft wurde ein nicht auf Harpagosid eingestellter Wurzelextrakt.

    Quellen: 17, 18

  17. 17

    Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht und keine Interventionsstudie am Menschen gefunden. Vorhanden sind nur Beschreibungen der traditionellen Anwendung, ein Zell- und Mausversuch zum Hungerhormon sowie eine behördliche Einordnung, die diese Anwendung auf Überlieferung stützt.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen Harpagophytum digestion, Harpagophytum dyspepsia und Harpagophytum appetite, jeweils zusätzlich ohne Beschränkung auf den Publikationstyp und unter Einschluss von Labor- und Tierstudien, sowie mit Harpagophytum gastric secretion, Stand 08.09.2026. Zu digestion und zu gastric secretion gab es keinen Treffer. Zu dyspepsia lieferten alle drei Treffer keine eigene Untersuchung dieser Frage, sondern zwei Übersichtsartikel und eine Sicherheitsmeldung. Zu appetite fanden sich drei Arbeiten, davon zwei Übersichtsartikel und der oben geführte Zell- und Mausversuch. Eine Interventionsstudie am Menschen zu Verdauungsbeschwerden, Appetit oder Bitterstoffwirkung ist darunter nicht. Damit ist die verbreitete Zuschreibung, Bitterstoffe der Wurzel regten Magensaft und Verdauungsenzyme an und milderten Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit, in dieser Recherche nicht als Humanstudie belegbar. Die europäische Arzneimittelbehörde führt diese Anwendung nach der Darstellung einer Arzneimittel-Produktanalyse als traditionelle Anwendung, also gestützt auf langjährigen Gebrauch und nicht auf Studien. Ich habe nichts gefunden ist etwas anderes als es gibt nichts, und nur das Erste lässt sich hier sagen. Die Zeile bleibt stehen, weil Leserinnen und Leser mit genau dieser Frage kommen.

  18. 18

    Wechselwirkung mit blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht und keine Untersuchung am Menschen gefunden, die diese oft genannte Vorsichtsmassnahme prüft. Die Angabe stammt aus Produktinformationen und nicht aus einer geprüften Studie.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen Harpagophytum safety und harpagoside pharmacokinetics, jeweils auch ohne Beschränkung auf den Publikationstyp, Stand 08.09.2026. Unter den 22 Treffern der Sicherheitssuche ist keine Untersuchung zur Gerinnung oder zu einer Wechselwirkung mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln beim Menschen. Die in Produktbeipacktexten übliche Warnung vor einer gleichzeitigen Einnahme mit Gerinnungshemmern ist damit in dieser Recherche nicht durch eine Humanstudie belegt und wird hier weder bestätigt noch entkräftet. Der Hinweis unter Sicherheit bleibt trotzdem stehen, weil eine ungeprüfte Vorsichtsmassnahme bei einer Arzneimittelkombination der Nachfrage beim Arzt nicht im Weg stehen soll.

Studien im Detail

Zwei Studien, vier Wochen, 315 Menschen

Die gesamte Studienlage, in der Teufelskralle gegen ein Placebo geprüft wurde, besteht aus zwei vierwöchigen Studien mit zusammen 315 Teilnehmenden, beide aus derselben Arbeitsgruppe und beide mit einem wässrigen Trockenextrakt, der auf 50 mg Harpagosid je Tag eingestellt war. Mehr ist es nicht. Die Cochrane-Übersicht von 2014, die diese beiden Arbeiten zusammenfasst, gibt ihrer eigenen Aussage nach der GRADE-Systematik nur niedrige Sicherheit und schreibt selbst, die Einnahme sei möglicherweise besser als Placebo.

Wo eine Übersicht so vorsichtig formuliert, wird hier nicht schärfer formuliert. Deshalb steht in diesem Eintrag keine einzige Zeile auf belegt, und deshalb steht auch kein Gegenbefund auf nicht bestätigt. Dieselbe Regel gilt in beide Richtungen.

Der Schmerz zeigt etwas, der Gesamtwert nichts

Beide Placebo-Studien benutzten den Arhus-Index, ein Messinstrument für Rückenbeschwerden aus drei Teilen. Der Schmerzteil besserte sich unter der Einnahme stärker als unter Placebo, im Median um 34 und um 43 Prozent. Der Gesamtwert dagegen, der Schmerz, Alltagsbehinderung und körperliche Beeinträchtigung zusammenfasst, besserte sich in beiden Gruppen gleich stark, um jeweils 21 Prozent.

Beides steht in derselben Übersicht, und beides steht in diesem Eintrag als eigene Zeile. Eine Neuauswertung derselben Arbeitsgruppe erklärt den Unterschied damit, dass der Teil körperliche Beeinträchtigung, gemessen an Kniebeuge, Schober-Test und Rumpfkraft, sich über die Behandlungszeit kaum bewegt, während sich Schmerz und Alltagsbehinderung deutlich ändern. Die Autoren schliessen daraus, dass sich diese Messung in solchen Studien weglassen liesse. Für den Leser heisst das etwas anderes, nämlich dass die Beweglichkeit in diesen Studien nicht besser wurde.

Der Vergleich, der keinen Placebo-Arm hat

Drei der grössten Studien vergleichen nicht gegen ein Placebo, sondern gegen ein anderes Arzneimittel. Über sechs Wochen an 88 Erwachsenen gegen einen Cyclooxygenase-2-Hemmer, der 2004 vom Markt genommen wurde, und über vier Monate an 122 Erwachsenen gegen ein verschreibungspflichtiges Mittel bei Gelenkbeschwerden. In beiden Fällen unterschieden sich die Gruppen nicht.

Ein solcher Gleichstand wird gern als Gleichwertigkeit gelesen. Das ist er nicht. Wenn in einer Studie kein Arm gegen ein Placebo läuft, kann sie nicht zeigen, dass überhaupt einer der beiden Arme wirkt, sondern nur, dass sich zwischen ihnen in dieser Grösse nichts zeigte. Die Autoren der Sechs-Wochen-Studie schreiben das selbst und halten fest, für einen Nachweis der Gleichwertigkeit brauche es sehr viel grössere Teilnehmerzahlen.

Alles ausserhalb des Rückens

Für die Gelenke gibt es sehr wohl Placebo-Studien mit reiner Teufelskralle, dieser Eintrag hat sie bisher nur nicht geführt. Eine zweite Cochrane- Übersicht von 2014 zu pflanzlichen Mitteln bei Gelenkbeschwerden (Cameron und Chrubasik, PMID 24848732, frei zugänglich als PMC4494689) nennt vier Arbeiten zu Harpagophytum, davon drei gegen Placebo mit zusammen 174 abschliessenden Teilnehmenden. In den beiden Arbeiten mit einem ethanolischen Extrakt, 960 mg täglich über 20 Wochen, besserte sich der WOMAC-Schmerzwert nicht gegenüber Placebo, und die Autoren legten erst nachträglich eine eigene Definition von Ansprechen fest, die ihr Mittel begünstigt. Die dritte Arbeit mit einem wässrigen Extrakt zeigte günstige Werte, berichtet sie aber so knapp, dass die Übersicht sie nicht nachrechnen konnte. Dazu kommen der Vergleich gegen ein anderes Arzneimittel, eine Zusammenfassung von 16 Studien zu 13 Pflanzenzubereitungen, in der auf Teufelskralle eine einzige Arbeit entfällt und kein Unterschied zur Kontrolle gefunden wurde, sowie zwei Kombinationserzeugnisse.

Bei den Kombinationen ist die Lage besonders klar und besonders unbrauchbar. Ein Vierfachpräparat mit Hagebutte, Brennnessel, Teufelskralle und Vitamin D zeigte über zwölf Wochen an 90 Erwachsenen einen deutlichen Vorsprung beim WOMAC-Schmerzwert gegenüber Placebo, 29,9 gegenüber 10,2 Punkten. Nur lässt sich aus dieser Zahl nicht ablesen, welcher Anteil auf welchen Bestandteil entfällt. Ein Dreierpulver aus Teufelskralle, Ingwer und Annatto senkte bei 28 Freizeitläufern über vier Wochen die Hauttemperatur über dem Knie. Einen Schmerzwert als Ergebnis berichtet diese Arbeit gar nicht, die Schmerzskala diente dort allein dem Einschluss.

Was im Reagenzglas passiert und was das wert ist

Der beschriebene Mechanismus ist gut untersucht. Isoliertes Harpagosid unterdrückt in Zellkulturen die Bildung von Cyclooxygenase-2 und induzierbarer NO-Synthase, vermittelt über den Signalweg NF-kappaB. Wurzelzubereitungen bremsen in Rattenhirn-Präparaten die Fettoxidation.

Dazwischen steht ein Satz, den Übersichtsarbeiten zum Mechanismus selbst schreiben, nämlich dass Harpagosid nach dem Schlucken schlecht aufgenommen wird und dass deshalb an Trägersystemen und halbsynthetischen Abwandlungen gearbeitet wird. Eine im Reagenzglas gezeigte Hemmung sagt nichts darüber, ob die dafür nötige Konzentration im Gewebe eines Menschen ankommt. In keiner der hier geführten Humanstudien wurde ein Entzündungswert im Blut gemessen.

Die traditionelle Hauptanwendung ist die am wenigsten geprüfte

Im südlichen Afrika wird die Wurzel vor allem bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit genutzt, daneben bei Fieber, Wehenschmerz, Verstauchungen und Hautbeschwerden. Die europäische Arzneimittelbehörde führt Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden als traditionelle Anwendung, also gestützt auf langjährigen Gebrauch und ausdrücklich nicht auf Studien.

Eine Untersuchung am Menschen dazu haben wir nicht gefunden. Es gibt einen Zell- und Mausversuch zum Rezeptor des Hungerhormons, in dem ein Wurzelextrakt den Rezeptor teilweise anregte und bei Mäusen die Nahrungsaufnahme senkte. Gespritzt wurde dort in die Bauchhöhle und nicht verfüttert, womit der Versuch genau den Schritt umgeht, an dem die Aufnahme nach dem Schlucken scheitert. Die Autoren selbst schreiben, ihnen sei keine klare wissenschaftliche Untersuchung zur Appetitwirkung bekannt.

Abgrenzung, Art und Zubereitung

Zwei Arten stehen im Handel nebeneinander, Harpagophytum procumbens und Harpagophytum zeyheri, und Erzeugnisse enthalten auch Mischungen aus beiden. Fast alle hier zitierten Arbeiten prüfen procumbens. Zwei prüfen ausdrücklich eine Mischung und nennen kein Mengenverhältnis. Zu zeyheri allein liegt uns keine Studie vor. Ein Ergebnis der einen Art trägt keine Aussage für die andere.

Innerhalb derselben Art unterscheiden sich die Zubereitungen erheblich. Ein wässriger Trockenextrakt trägt je Tagesmenge etwa doppelt so viel Harpagosid wie ein mit 60-prozentigem Ethanol gewonnener. Kryogemahlenes Wurzelpulver ist auf Harpagosid gar nicht eingestellt, dort steht nur die Menge der Droge in Milligramm. Die Placebo-Studien zum Rücken benutzten wässrige Extrakte mit 50 bis 100 mg Harpagosid, die Studie zu Muskelverspannungen einen ethanolischen Extrakt ohne ausgewiesene Harpagosid-Menge, die Studie gegen Diacerein 2610 mg Wurzelpulver ohne Angabe des Harpagosid-Anteils.

Eine Marktanalyse von 88 Handelserzeugnissen fand genau hier den Kern des Problems. Die Tagesmenge wird einmal in Milligramm Harpagosid, einmal in Milligramm Droge und oft gar nicht angegeben, sie schwankt stark, und die Autoren halten fest, dass sich die Ergebnisse verschiedener Erzeugnisse deshalb nicht miteinander vergleichen lassen. Als Arzneimittel zugelassene Zubereitungen schnitten in dieser Analyse durchgehend zuverlässiger ab als Erzeugnisse, die als Nahrungsergänzung geführt werden.

Deshalb steht in diesem Eintrag bei jeder Zeile, welche Zubereitung geprüft wurde und wie viel Harpagosid sie je Tag lieferte. Wo diese Angabe fehlt, steht das ebenfalls da.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In keiner der doppelblinden Studien traten unerwünschte Ereignisse häufiger auf als unter Placebo. Betroffen waren rund 3 von 100 Teilnehmenden, und was gemeldet wurde, betraf fast immer den Magen-Darm-Trakt. In der Studie gegen Diacerein war sowohl die Gesamthäufigkeit als auch der Durchfall in der Harpagophytum-Gruppe seltener, 8,1 gegenüber 26,7 Prozent.

Dem steht eine Meldung aus der Beobachtung ausserhalb von Studien gegenüber. Eine unabhängige Fachzeitschrift verweist auf mehrere Fälle von Blutungen im oberen Verdauungstrakt, die mit der Einnahme in Verbindung gebracht wurden, und rät von der Anwendung ab. Das ist eine Einzelmeinung einer Redaktion ohne Effektmasse, sie steht hier trotzdem, weil ein Sicherheitssignal auch aus einer schwachen Quelle gehört wird.

Die Wurzel regt die Magensaftbildung an. Wer eine Vorgeschichte mit Magengeschwüren, mit Gallensteinen oder mit Beschwerden der Gallenwege hat, klärt die Einnahme deshalb besser ärztlich ab. Dasselbe gilt in Schwangerschaft und Stillzeit und bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel. Zu keinem dieser drei Punkte liegt uns eine geprüfte Humanstudie vor, die Hinweise stammen aus Produktinformationen. Sie stehen hier, weil eine ungeprüfte Vorsichtsmassnahme der Nachfrage beim Arzt nicht im Weg stehen soll.

Zu einer Einnahme über vier Monate hinaus gibt es keine Daten. Die Sicherheitsübersicht sagt das selbst und nennt weitere Daten dringend nötig.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Cochrane-Übersicht mit Meta-Analyse, 14 randomisierte Studien, 2050 Teilnehmende, davon 3 Studien zu Harpagophytum mit zusammen 403 Teilnehmenden · 2014

    Herbal medicine for low-back pain.

    Oltean H, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05, 08, 10, 12, 13

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, drei Arme, n gleich 197 zugeteilt und 183 abgeschlossen, 50 und 100 mg Harpagosid täglich, 4 Wochen · 1999

    Effectiveness of Harpagophytum extract WS 1531 in the treatment of exacerbation of low back pain, a randomized, placebo-controlled, double-blind study.

    Chrubasik S, et al. Eur J Anaesthesiol

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 13

  3. 03

    RCT, doppelblind, doppelte Scheinbehandlung, ohne Placebo-Arm, n gleich 88, 60 mg Harpagosid täglich gegen 12,5 mg Rofecoxib, 6 Wochen, vom Hersteller mitfinanziert · 2003

    A randomized double-blind pilot study comparing Doloteffin and Vioxx in the treatment of low back pain.

    Chrubasik S, et al. Rheumatology (Oxford)

    Zur Zuschreibung: 04, 05, 12, 13

  4. 04

    RCT, doppelblind, mehrere Zentren, ohne Placebo-Arm, n gleich 122, 2610 mg kryogemahlenes Wurzelpulver täglich gegen 100 mg Diacerein, 4 Monate. Erste Veröffentlichung derselben Studie wie Quelle 5 · 2000

    Efficacy and tolerance of Harpagophytum procumbens versus diacerhein in treatment of osteoarthritis.

    Chantre P, et al. Phytomedicine

    Zur Zuschreibung: 06, 12, 13

  5. 05

    Zweite Veröffentlichung derselben 122-Personen-Studie wie Quelle 4, gleiche Menge, gleiche Dauer, gleicher Vergleichsarm. Kein zusätzlicher Beleg · 2000

    Harpagophytum procumbens in the treatment of knee and hip osteoarthritis. Four-month results of a prospective, multicenter, double-blind trial versus diacerhein.

    Leblan D, Chantre P, Fournié B. Joint Bone Spine

    Zur Zuschreibung: 06, 12

  6. 06

    Neuauswertung eigener Studien derselben Arbeitsgruppe zum Teilwert körperliche Beeinträchtigung, ohne eigenen Placebo-Arm · 2008

    Impact of herbal medicines on physical impairment.

    Chrubasik C, et al. Phytomedicine

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 16 Studien und 1741 Teilnehmende, davon 9 Studien zu 6 Pflanzen zusammengefasst, zu Harpagophytum procumbens genau 1 Studie · 2017

    Oral herbal medicines marketed in Brazil for the treatment of osteoarthritis, A systematic review and meta-analysis.

    Del Grossi Moura M, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 07

  8. 08

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 63 (31 gegen 32), ethanolischer Trockenextrakt LI 174, zweimal 480 mg täglich, 4 Wochen, deutschsprachig, nach englischem Abstract ausgewertet · 2001

    [Effects of Harpagophytum procumbens LI 174 (devil's claw) on sensory, motor und vascular muscle reagibility in the treatment of unspecific back pain].

    Göbel H, et al. Schmerz

    Zur Zuschreibung: 08, 09

  9. 09

    Randomisierte, dreifach verblindete, plazebokontrollierte Vorstudie, n gleich 28 (13 gegen 15), 2 g Dreierkombination täglich, 4 Wochen, kommerziell beteiligt · 2021

    Analysis of Effectiveness of a Supplement Combining Harpagophytum procumbens, Zingiber officinale and Bixa orellana in Healthy Recreational Runners with Self-Reported Knee Pain, A Pilot, Randomized, Triple-Blind, Placebo-Controlled Trial.

    González-Gross M, et al. Int J Environ Res Public Health

    Zur Zuschreibung: 10

  10. 10

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Parallelgruppen, n gleich 92 zugeteilt (46 gegen 44 ausgewertet), Vierfachpräparat, 12 Wochen, vollständig vom Anbieter getragen · 2017

    A Rosa canina - Urtica dioica - Harpagophytum procumbens/zeyheri Combination Significantly Reduces Gonarthritis Symptoms in a Randomized, Placebo-Controlled Double-Blind Study.

    Moré M, et al. Planta Med

    Zur Zuschreibung: 11

  11. 11

    Offene Anwendungsbeobachtung mit einem einzigen Arm, ohne Vergleichsgruppe, n gleich 259, 8 Wochen · 2007

    Effectiveness and safety of Devil's Claw tablets in patients with general rheumatic disorders.

    Warnock M, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 12

  12. 12

    Systematische Übersicht zur Sicherheit, 28 klinische Studien gesichtet, 20 davon mit Angaben zu unerwünschten Ereignissen · 2008

    Systematic review on the safety of Harpagophytum preparations for osteoarthritic and low back pain.

    Vlachojannis J, Roufogalis BD, Chrubasik S. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 13

  13. 13

    Redaktionelle Sicherheitseinschätzung einer unabhängigen Fachzeitschrift auf Grundlage von rund 20 doppelblinden Studien und Einzelfallmeldungen · 2013

    Devil's claw root, ulcers and gastrointestinal bleeding?

    Prescrire International. Prescrire Int

    Zur Zuschreibung: 13

  14. 14

    Marktanalyse von 88 Handelserzeugnissen anhand von 16 Kriterien, mit Vergleich zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln · 2025

    Devil's claw (Harpagophytum procumbens), is the buzz in Google justified?

    Bargsten FE, Seifert R. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol

    Zur Zuschreibung: 01

  15. 15

    Zellstudie an zwei Zelllinien (HepG2 und RAW 264.7) mit isoliertem Harpagosid · 2006

    Harpagoside suppresses lipopolysaccharide-induced iNOS and COX-2 expression through inhibition of NF-kappa B activation.

    Huang TH, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 14

  16. 16

    Laborarbeit an Hirnhomogenaten und Hirnrindenschnitten der Ratte, Aufguss, Rohextrakt und Teilfraktionen · 2013

    Harpagophytum procumbens prevents oxidative stress and loss of cell viability in vitro.

    Schaffer LF, et al. Neurochem Res

    Zur Zuschreibung: 15

  17. 17

    Zellstudie an menschlichen HEK-Zellen mit GHS-R1a-Rezeptor und Tierversuch an männlichen C57BL/6-Mäusen nach Gabe in die Bauchhöhle · 2014

    Devil's Claw to suppress appetite, ghrelin receptor modulation potential of a Harpagophytum procumbens root extract.

    Torres-Fuentes C, et al. PLoS One

    Zur Zuschreibung: 16

  18. 18

    Übersichtsarbeit zu Ethnobotanik, Inhaltsstoffen und biologischer Aktivität, mit eigener Befragung von Gemeinschaften in Botswana · 2012

    Devil's Claw-a review of the ethnobotany, phytochemistry and biological activity of Harpagophytum procumbens.

    Mncwangi N, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 16

  19. 19

    Übersichtsarbeit zu Wirkmechanismen, Pharmakokinetik und Formulierung von Harpagosid, ohne eigene Zusammenfassung von Wirksamkeitsdaten · 2026

    Decoding the mechanistic landscape of harpagoside, From molecular targets to translational pharmacology.

    Kaur H, et al. Fitoterapia

    Zur Zuschreibung: 14, 15

  20. 20

    Übersichtsarbeit zum Zusammenhang zwischen Extraktionsmittel, Harpagosid-Gehalt und Aussagekraft der Studien, deutschsprachig, nach englischem Abstract ausgewertet · 2004

    [Devil's claw extract as an example of the effectiveness of herbal analgesics].

    Chrubasik S. Orthopade

    Zur Zuschreibung: 08

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