Thymian-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Thymus vulgaris · Echter Thymian · Gartenthymian · Thymus-vulgaris-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 10 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus dem Kraut des Echten Thymians, meist standardisiert auf den Aromastoff Thymol
Herkunft
Mittelmeerraum, mehrjähriger Lippenblütler, traditionell in Küche und Hausmitteln bei Husten verwendet
Wirkform in Studien
Überwiegend Fluidextrakt in Tropfenform oder Pulver als Sirup, häufig in fester Kombination mit Primelwurzel oder Efeu. Daneben ätherisches Thymianöl zur Inhalation und der isolierte Einzelstoff Carvacrol
Übliche Studiendosis
Sehr unterschiedlich je Darreichungsform. Bei Kindern 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht alle acht Stunden als Sirup, in den klassischen Bronchitis-Studien Fluidextrakt-Tropfen ohne einheitlich angegebene Trockenextrakt-Menge in Milligramm
Zeit bis zur Wirkung
In den placebokontrollierten Bronchitis-Studien wurde der Hauptendpunkt an den Tagen 7 bis 9 gemessen. Das ist der Messzeitpunkt, nicht der Zeitpunkt der stärksten Wirkung. In der Vergleichsstudie von 2025 war eine klinisch bedeutsame Besserung unter beiden Thymian-Kombinationen ab Tag 3 erreicht. Ein Effekt am ersten Tag ist nicht belegt
Verträglichkeit
In den Studien meist gut verträglich, gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden. Ein Fallbericht beschreibt eine schwere Reaktion bei einem Neugeborenen mit einer seltenen angeborenen Stoffwechselbesonderheit nach konzentriertem Thymiansaft

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Husten und Beschwerden bei akuter Bronchitis, als feste Kombination mit Efeu

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 361 Teilnehmenden prüft eine feste Fluidextrakt-Kombination aus Thymian und Efeu über 11 Tage. Die Hustenanfälle an den Tagen 7 bis 9 sanken gegenüber dem Ausgangswert um 68,7 Prozent, unter Placebo um 47,6 Prozent, der Unterschied zwischen den Gruppen ist signifikant (p kleiner 0,0001), die Ansprechrate lag zu beiden Kontrollterminen deutlich über Placebo. Eine unkontrollierte Beobachtungsstudie mit 730 Teilnehmenden bestätigt die Besserung unter Praxisbedingungen, ohne Placebo-Vergleich. In einer offenen, unverblindeten dreiarmigen Studie ohne Placebo war ein reiner Efeu-Extrakt derselben Thymian-Efeu-Kombination beim Bronchitis-Schweregrad-Score statistisch überlegen (p kleiner 0,0001). Ein zusätzlicher Nutzen des Thymian-Anteils gegenüber Efeu allein ist damit unbelegt und wird auch von der einzigen direkten Vergleichsstudie nicht gestützt. Als Widerlegung taugt diese Studie nicht, denn sie war unverblindet, hatte einen von Patient und Prüfarzt subjektiv erhobenen Score als Hauptendpunkt, wurde vom Hersteller des reinen Efeu-Extrakts finanziert und verglich drei verschiedene Fertigpräparate mit unterschiedlichen Efeu-Dosen, nicht dieselbe Grundlage einmal mit und einmal ohne Thymian

    Quellen: 12, 13, 14

  2. 02

    Husten und Beschwerden bei akuter Bronchitis, als feste Kombination mit Primelwurzel

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei placebokontrollierte Studien mit zusammen 511 Teilnehmenden prüfen eine feste Kombination aus Thymian-Fluidextrakt beziehungsweise Trockenextrakt und Primelwurzel. In der Studie mit 150 Teilnehmenden sank der Bronchitis-Schweregrad-Score in der Verumgruppe von 12,0 auf 1,0 Punkte, unter Placebo nur von 11,7 auf 6,5 Punkte, der Gruppenunterschied von 5,8 Punkten ist hochsignifikant, am Studienende waren 58,7 Prozent der Verum-Gruppe symptomfrei gegenüber 5,3 Prozent unter Placebo. Die zweite Studie mit 361 Teilnehmenden fand eine Reduktion der Hustenanfälle um 67,1 Prozent gegenüber 51,3 Prozent unter Placebo, auch hier im Gruppenvergleich signifikant (p kleiner 0,0001). Eine dritte randomisierte Studie mit 189 Teilnehmenden verglich nur zwei Darreichungsformen derselben Kombination miteinander, sie hat keinen Placebo-Arm und trägt zum Wirknachweis nichts bei. Der Thymian-Anteil lässt sich aus der festen Kombination nicht getrennt bewerten. In der einzigen direkten Vergleichsstudie von 2025 war ein reiner Efeu-Extrakt dieser Thymian-Primelwurzel-Kombination nicht unterlegen, die anschließend geprüfte Überlegenheit verfehlte die Signifikanz knapp (p gleich 0,0607)

    Quellen: 1, 2, 11, 14

  3. 03

    Aktivitätsbedingter Husten bei Kindern mit Asthma-Exazerbation, Thymian als Einzelextrakt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine kleine, dreifach verblindete, placebokontrollierte Studie mit 60 Kindern gab Thymian-Pulver als Sirup zusätzlich zur üblichen Versorgung. Von sieben gemessenen Endpunkten (Husten, Giemen, Atemnot, FEV1, FEV1 durch FVC, PEF, FEF25-75) wurden zwei knapp signifikant, der belastungsabhängige Husten (p gleich 0,042) und FEV1 (p gleich 0,048), ohne Korrektur für multiples Testen. Bei sieben geprüften Endpunkten tragen diese beiden Werte keine eindeutige Aussage

    Quellen: 3

  4. 04

    Atemwegssymptome und Lungenfunktionswerte bei einer verwandten Thymian-Art (Zataria multiflora, Shirazi-Thymian)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 9 randomisierten Studien mit 394 Teilnehmenden zeigt für Zataria multiflora signifikante Verbesserungen bei Husten, Giemen und mehreren Lungenfunktionswerten. Zataria multiflora ist botanisch eine andere Art als der in Thymian-Extrakten üblicherweise verwendete Thymus vulgaris, die Ergebnisse lassen sich nicht direkt übertragen

    Quellen: 4

  5. 05

    Symptome und Vitalwerte bei Inhalation von Thymianöl, keine orale Einnahme

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte Studie mit 140 hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten ließ die Verumgruppe dreimal täglich Thymianöl inhalieren. Atemnot, Sekretmenge und Husten besserten sich, ebenso Puls, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung. Die Studie hatte kein Placebo-Inhalat, und die inhalative Anwendung ist nicht auf eine orale Kapsel übertragbar

    Quellen: 5

  6. 06

    Atemwegssymptome und Entzündungsmarker durch Carvacrol, einen isolierten Einzelstoff aus Thymian

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine kleine placebokontrollierte Studie mit 21 durch Senfgas geschädigten Veteranen prüfte Carvacrol über zwei Monate. FEV1 stieg, Giemen und Husten gingen zurück, mehrere Entzündungsmarker im Blut sanken. Carvacrol ist ein isolierter Einzelstoff aus dem ätherischen Thymianöl, kein Thymian-Extrakt, und die Gruppe ist mit 21 Personen sehr klein

    Quellen: 6

  7. 07

    Marker für oxidative Zellschädigung im Blut bei zusätzlicher Einnahme von Thymian-Phenolen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte Studie mit 33 Personen mit erhöhten Blutfettwerten gab Olivenöl, das zusätzlich mit Thymian-Phenolen angereichert war. Ein Marker für oxidative DNA-Schäden sank stärker als unter reinem Olivenöl, ein körpereigenes Antioxidans-Enzym stieg stärker an. Die Intervention war eine Kombination aus Olivenöl- und Thymian-Phenolen, der Thymian-Anteil lässt sich nicht isoliert bewerten, die Gruppe ist klein

    Quellen: 7

  8. 08

    Wirkung auf Entzündungsbotenstoffe an Atemwegszellen im Labormodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Zellkulturen aus menschlichen Bronchial- und Luftröhrenzellen senkte ein standardisierter Thymian-Extrakt mehrere Entzündungsbotenstoffe und die Aktivität zweier Transkriptionsfaktoren. Die Untersuchung fand ausschließlich an Zellkulturen statt, nicht an lebenden Menschen

    Quellen: 8

  9. 09

    Hemmung von Bakterien- und Hefewachstum im Laborversuch

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Thymian wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als antimikrobiell beschrieben. Eine Laborstudie prüfte eine feste Formulierung von Thymian-Extrakt (ätherisches Öl) gegen mehrere Bakterienstämme (unter anderem Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa) und Candida albicans und fand eine hemmende Wirkung gegen die getesteten Erreger, nicht aber gegen zwei geprüfte nützliche Darmbakterien. Eine Humanstudie zu einer antimikrobiellen Wirkung von Thymian-Extrakt bei oraler Einnahme liegt uns nicht vor

    Quellen: 10

  10. 10

    Entspannung der Darm-Glattmuskulatur im Gewebemodell (Verdauung, krampflösende Wirkung)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Thymian wird traditionell eine verdauungsfördernde, krampflösende Wirkung zugeschrieben. Dieselbe Laborstudie prüfte eine feste Formulierung von Thymian-Extrakt an isoliertem Darmgewebe (Ileum und Dickdarm) vom Meerschweinchen und fand eine entspannende Wirkung auf die dortige glatte Muskulatur. Eine Humanstudie zu dieser Wirkung liegt uns nicht vor

    Quellen: 10

Thymian wird im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem mit Husten und den Atemwegen verbunden. Die Tabelle zeigt, warum das Bild differenzierter ist: Die beiden am besten belegten Wirkungen betreffen feste Kombinationen mit Efeu beziehungsweise mit Primelwurzel, nicht Thymian allein. Bei der Kombination aus Thymian und Efeu zeigt ausgerechnet die einzige direkte Vergleichsstudie, dass reiner Efeu-Extrakt ohne Thymian besser abschnitt als die Kombination. Die stärkste Einzelstoff-Evidenz (Zataria multiflora) stammt von einer verwandten, aber anderen Pflanzenart. Für Thymus vulgaris als alleinigen Extrakt existiert eine kleine Studie an Kindern mit zwei knapp signifikanten von sieben Endpunkten.

Zwei weitere Zuschreibungen, mit denen Thymian im Alltag verbunden wird, eine antimikrobielle und eine verdauungsfördernde, krampflösende Wirkung, sind bislang ausschließlich im Labor beziehungsweise im Tiermodell geprüft. Für beide liegt uns keine Humanstudie vor, weder eine bestätigende noch eine widerlegende.

Studien im Detail

Bronchitis, feste Kombination mit Efeu

Kemmerich, Eberhardt und Stammer prüfen 2006 in einer doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Studie 361 ambulante Patienten mit akuter, seit weniger als 48 Stunden bestehender Bronchitis mit produktivem Husten. Über 11 Tage nahm die Verumgruppe dreimal täglich 5,4 ml einer festen Fluidextrakt-Kombination aus Thymian und Efeu (Sirup) ein.

Die Hustenanfälle an den Tagen 7 bis 9 sanken gegenüber dem Ausgangswert um 68,7 Prozent, unter Placebo um 47,6 Prozent (p kleiner 0,0001). Die Ansprechrate lag am vierten Behandlungstag bei 83,0 Prozent gegenüber 53,9 Prozent unter Placebo, am Studienende bei 96,2 Prozent gegenüber 74,7 Prozent (beide p kleiner 0,0001). Beide Präparate wurden gut vertragen, ohne Unterschied bei Häufigkeit oder Schwere der Nebenwirkungen.

Kardos und Kollegen bestätigten 2021 in einer unkontrollierten, praxisnahen Beobachtungsstudie mit 730 Teilnehmenden an einer anderen Thymian-Efeu-Kombination (BNO 1200) eine Besserung von Husten-Score und Lebensqualität unter Alltagsbedingungen. Ohne Placebo-Vergleich lässt sich daraus kein eigenständiger Wirknachweis ableiten, die Studie stützt aber die Praxistauglichkeit.

Kardos und Kollegen legten 2025 die bislang einzige direkte Vergleichsstudie vor, offen, dreiarmig, ohne Placebo, mit 325 Teilnehmenden: reiner Efeu-Extrakt gegen dieselbe Thymian-Efeu-Kombination gegen eine Thymian-Primelwurzel-Kombination. Reiner Efeu-Extrakt war beiden Kombinationen beim Bronchitis-Schweregrad-Score nicht unterlegen (beide p kleiner 0,0001) und der Thymian-Efeu-Kombination sogar statistisch überlegen (p kleiner 0,0001). Die Autoren selbst schreiben, bislang habe keine klinische Studie einen Zusatznutzen der Kombinationstherapie gegenüber dem Einzelextrakt gezeigt.

Einschränkung: Die placebokontrollierte Studie und die Beobachtungsstudie zeigen, dass die Thymian-Efeu-Kombination besser wirkt als kein Wirkstoff. Ob Thymian darin einen eigenen Beitrag leistet, ist durch die Vergleichsstudie nicht gestützt, im Gegenteil, dort schnitt Efeu allein besser ab. Form und Dosis der Studien (Fluidextrakt-Sirup beziehungsweise -Tropfen) weichen von einer Kapselform ab. Bei der Beobachtungsstudie sind drei der fünf Autoren beim Hersteller der Thymian-Efeu-Kombination (Bionorica) angestellt. Bei der placebokontrollierten Studie von 2006 nennt weder PubMed noch der frei zugängliche Teil der Arbeit eine Förderung oder eine Interessenerklärung, wer sie bezahlt hat, ist von hier aus nicht nachprüfbar. Die Vergleichsstudie ist vom Hersteller des reinen Efeu-Extrakts (Engelhard) finanziert, drei der fünf Autoren sind dort angestellt, die Teilnehmenden wurden im Verhältnis 3 zu 2 zu 2 zugunsten des Arms mit dem Präparat des Geldgebers zugeteilt, und die Studie lief offen ohne Verblindung und ohne Placebo-Arm, was das Verzerrungsrisiko bei einem subjektiv erhobenen Score erhöht. Für beide Richtungen gilt, dass die jeweils gut abschneidende Partei die Studie bezahlt hat, soweit die Finanzierung überhaupt offengelegt ist.

Bronchitis, feste Kombination mit Primelwurzel

Gruenwald und Kollegen prüfen 2005 in einer doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Studie 150 ambulante Patienten mit akuter, seit weniger als 48 Stunden bestehender Bronchitis. Über 7 bis 9 Tage nahm die Verumgruppe fünfmal täglich 30 Tropfen einer festen Kombination aus Thymian-Fluidextrakt und Primelwurzel-Tinktur ein.

Der Bronchitis-Schweregrad-Score sank in der Verumgruppe von 12,0 auf 1,0 Punkte, in der Placebogruppe von 11,7 auf 6,5 Punkte. Am Studienende waren 58,7 Prozent der Verum-Gruppe symptomfrei, in der Placebogruppe 5,3 Prozent. Der Effekt fiel umso stärker aus, je schwerer die Bronchitis zu Studienbeginn war. Beide Präparate wurden gut vertragen.

Kemmerich prüfte 2007 an anderer Stelle mit derselben Placebo-Logik 361 Patienten, Tabletten statt Tropfen, 11 Tage Behandlungsdauer. Die Hustenanfälle sanken um 67,1 Prozent gegenüber 51,3 Prozent unter Placebo (p kleiner 0,0001), die Ansprechrate lag am vierten Tag bei 77,5 Prozent gegenüber 60,1 Prozent, am Studienende bei 92,9 Prozent gegenüber 75,8 Prozent unter Placebo.

Eine dritte Studie aus 2006 mit 189 Patienten verglich zwei Darreichungsformen derselben Primelwurzel-Kombination (Fluidextrakt gegen Tinktur) ohne Placeboarm. Der Schweregrad-Score sank in beiden Gruppen um 76 bis 77 Prozent, ohne Unterschied zwischen den Formen. Zum Wirknachweis gegenüber keiner Behandlung trägt diese dritte Studie deshalb nichts bei, die Stufe Belegt ruht auf den beiden placebokontrollierten Studien mit zusammen 511 Teilnehmenden. Die jüngste Arbeit zu diesem Feld ist die offene, dreiarmige Vergleichsstudie von Kardos und Kollegen aus 2025 [14]. Dort war ein reiner Efeu-Extrakt der Thymian-Primelwurzel-Kombination beim Bronchitis-Schweregrad-Score nicht unterlegen (p kleiner 0,0001), die anschließend geprüfte Überlegenheit des Efeu-Extrakts verfehlte die statistische Signifikanz knapp (p gleich 0,0607). Ein Zusatznutzen der Kombination gegenüber einem Einzelextrakt ist damit auch für die Primelwurzel-Linie nicht gezeigt.

Einschränkung: In allen drei Studien ist Thymian Teil einer festen Kombination mit Primelwurzel. Welcher Anteil der Wirkung auf den Thymian entfällt und welcher auf die Primelwurzel, lässt sich aus dem Studiendesign nicht trennen. Zwei der drei Arbeiten stammen von einem Auftragsforschungsinstitut (Analyze und realize, Phytopharm Research, Berlin), die dritte von einem niedergelassenen Arzt ohne angegebene Anbindung. Eine Förderung oder eine Interessenerklärung nennt zu keiner der drei Arbeiten weder PubMed noch der frei zugängliche Teil der Arbeit, wer sie bezahlt hat, ist von hier aus nicht nachprüfbar.

Kinder mit Asthma-Exazerbation, Thymian als Einzelextrakt

Eskandarpour und Kollegen prüfen 2024 in einer dreifach verblindeten, placebokontrollierten Studie 60 Kinder zwischen 5 und 12 Jahren mit leichter bis mittlerer Asthma-Exazerbation. Die Verumgruppe erhielt zusätzlich zur üblichen Versorgung über eine Woche Thymus-vulgaris-Pulver als Sirup, 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht alle acht Stunden.

Von sieben gemessenen Endpunkten (Husten, Giemen, Atemnot, FEV1, FEV1 durch FVC, PEF, FEF25-75) wurden zwei knapp signifikant: der belastungsabhängige Husten (p gleich 0,042) und die Einsekundenkapazität FEV1 (p gleich 0,048). Die übrigen fünf Endpunkte, darunter Giemen und Atemnot, zeigten keinen statistisch bedeutsamen Unterschied zur Placebogruppe.

Einschränkung: Die Gruppe ist mit 60 Kindern klein, die Studiendauer betrug nur eine Woche, und Thymian wurde als Zusatz zur bestehenden Versorgung gegeben, nicht allein. Bei sieben geprüften Endpunkten ohne Korrektur für multiples Testen tragen zwei knapp signifikante Werte (p gleich 0,042 und p gleich 0,048) keine eindeutige Aussage.

Zataria multiflora, eine verwandte, aber andere Art

Aryaeian und Kollegen werten 2025 in einer systematischen Übersicht und Meta-Analyse 9 randomisierte Studien mit 394 Teilnehmenden zu Zataria multiflora aus, im Persischen als Shirazi-Thymian bekannt. Husten, Giemen bei Tag und Nacht sowie die Lungenfunktionswerte FEV, FVC und PEF besserten sich statistisch signifikant, ebenso zwei Marker für oxidativen Stress im Blut.

Einschränkung: Zataria multiflora ist eine eigene Pflanzenart aus derselben Familie wie Thymus vulgaris, botanisch aber nicht identisch. Die Autoren weisen selbst auf die begrenzte Zahl eingeschlossener Studien hin. Für Thymian-Extrakte aus Thymus vulgaris lässt sich aus diesen Daten keine direkte Aussage ableiten.

Inhalation von Thymianöl

Oener und Cengiz prüfen 2024 an 140 hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten die Inhalation von Thymianöl, dreimal täglich über 5 Tage, zusätzlich zur Routineversorgung. Atemnot, Sekretmenge, Husten und mehrere weitere Symptome besserten sich, ebenso Puls, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung.

Einschränkung: Die Kontrollgruppe erhielt kein Placebo-Inhalat, sondern nur die Routineversorgung, das Verzerrungsrisiko ist entsprechend hoch. Die inhalative Anwendung von Thymianöl ist zudem eine andere Darreichungsform als eine oral eingenommene Kapsel mit Thymian-Extrakt.

Carvacrol, ein isolierter Einzelstoff

Khazdair und Boskabady prüfen 2019 an 21 durch Senfgas geschädigten Veteranen den isolierten Einzelstoff Carvacrol, 1,2 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich über zwei Monate. FEV1 stieg an, Giemen und Husten gingen zurück, die Entzündungsmarker TNF-alpha, MCP-1 und VEGF im Blut sanken.

Einschränkung: Die Gruppe ist mit 21 Personen sehr klein und stammt aus einer speziellen, durch Kampfstoff geschädigten Population. Carvacrol ist ein einzelner Aromastoff aus dem ätherischen Thymianöl, kein vollständiger Thymian-Extrakt.

Thymian-Phenole zusammen mit Olivenöl

Romeu und Kollegen prüfen 2016 an 33 Personen mit erhöhten Blutfettwerten den Effekt von Olivenöl, das zusätzlich mit Thymian-Phenolen angereichert war, im Vergleich zu reinem Olivenöl und Olivenöl mit eigenen Phenolen. Ein Marker für oxidative DNA-Schäden sank in der mit Thymian-Phenolen angereicherten Gruppe stärker, ein körpereigenes Antioxidans-Enzym stieg stärker an.

Einschränkung: Die Intervention war stets eine Kombination aus Olivenöl- und Thymian-Phenolen, kein Thymian-Extrakt allein. Die Gruppe ist mit 33 Personen klein.

Tier- und Laborstudien

Oliviero und Kollegen untersuchten 2016 einen standardisierten Thymian-Extrakt an Zellkulturen aus menschlichen Bronchial- und Luftröhrenzellen sowie an einer Lungenkrebs-Zelllinie. In einem Entzündungsmodell senkte der Extrakt die Aktivität der Transkriptionsfaktoren NF-kB p65 und p52 sowie die Ausschüttung der Entzündungsbotenstoffe Interleukin-1-beta und Interleukin-8.

Micucci und Kollegen prüften 2020 eine feste Formulierung von Thymian- Ätherischöl in zwei getrennten Laborversuchen. Im Organbad an isoliertem Ileum- und Dickdarmgewebe vom Meerschweinchen entspannte die Formulierung die mit Kaliumchlorid vorkontrahierte glatte Darmmuskulatur, in derselben Größenordnung wie das reine flüssige Öl. Im mikrobiologischen Teil derselben Arbeit hemmte dieselbe Formulierung das Wachstum mehrerer Bakterienstämme (unter anderem Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa) und von Candida albicans, während zwei geprüfte Darmbakterienstämme (Bifidobacterium breve, Lactobacillus fermentum) weitgehend unbeeinflusst blieben.

Diese beiden Untersuchungen stammen aus Zellkulturen und aus Gewebe, das Meerschweinchen für den Versuch entnommen wurde, nicht aus Untersuchungen an lebenden Menschen. Daraus folgt keine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmaß sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme beim Menschen einstellt, weder für die entzündungshemmende noch für die antimikrobielle noch für die darmmuskelbezogene Wirkung.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den ausgewerteten Studien war Thymian in den geprüften Darreichungsformen überwiegend gut verträglich, gelegentlich traten leichte Magen-Darm- Beschwerden auf, ohne erhöhte Rate gegenüber Placebo. Zu einer möglichen schleimhautreizenden Wirkung von reinem Thymol bei der oralen Aufnahme in Extraktdosis liegt uns keine belastbare Quelle vor. Die verbreitete Einschätzung, das sei unkritisch, können wir deshalb weder bestätigen noch widerlegen.

Ein Fallbericht aus 2014 [9] beschreibt ein 14 Tage altes Neugeborenes mit schwerer Atemnot, Unterzuckerung und einer Übersäuerung des Blutes nach der Gabe von 50 ml gezuckertem Thymiansaft gegen Blähungen. Bei dem Kind wurde im Anschluss eine seltene angeborene Stoffwechselbesonderheit (Fructose-1,6- Diphosphatase-Mangel) festgestellt, die die Reaktion mit ausgelöst haben dürfte. Der Fall betrifft eine sehr hohe Dosis eines konzentrierten Saftes bei einem Säugling mit einer seltenen Vorbelastung, nicht die übliche Einnahme eines dosierten Extrakts durch Erwachsene.

Eine belastbare Aussage zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns nicht vor. Dafür ist eine eigene Recherche nötig.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 150 · 2005

    Efficacy and tolerability of a fixed combination of thyme and primrose root in patients with acute bronchitis. A double-blind, randomized, placebo-controlled clinical trial

    Gruenwald J, et al. Arzneimittelforschung

    Zur Zuschreibung: 02

  2. 02

    RCT, einfachblind, bizentrisch, Nichtunterlegenheit, n gleich 189 · 2006

    Evaluation of the non-inferiority of a fixed combination of thyme fluid- and primrose root extract in comparison to a fixed combination of thyme fluid extract and primrose root tincture in patients with acute bronchitis. A single-blind, randomized, bi-centric clinical trial

    Gruenwald J, et al. Arzneimittelforschung

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    RCT, dreifachblind, placebokontrolliert, n gleich 60 · 2024

    Thymus vulgaris ameliorates cough in children with asthma exacerbation: a randomized, triple-blind, placebo-controlled clinical trial

    Eskandarpour E, et al. Allergol Immunopathol (Madr)

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 9 RCTs, n gleich 394 · 2025

    The effect of Zataria multiflora on respiratory symptoms, pulmonary functions, and oxidative stress parameters: a systematic review and meta-analysis

    Aryaeian N, et al. BMC Complement Med Ther

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    RCT, n gleich 140 · 2024

    The effects of aromatherapy with thyme oil on disease symptoms, vital findings, and hemodynamic parameters in COVID-19 patients

    Öner U, Cengiz Z. Explore (NY)

    Zur Zuschreibung: 05

  6. 06

    RCT, placebokontrolliert, Phase 1, n gleich 21 · 2019

    The effect of carvacrol on inflammatory mediators and respiratory symptoms in veterans exposed to sulfur mustard, a randomized, placebo-controlled trial

    Khazdair MR, Boskabady MH. Respir Med

    Zur Zuschreibung: 06

  7. 07

    RCT, n gleich 33 · 2016

    Virgin Olive Oil Enriched with Its Own Phenols or Complemented with Thyme Phenols Improves DNA Protection against Oxidation and Antioxidant Enzyme Activity in Hyperlipidemic Subjects

    Romeu M, et al. J Agric Food Chem

    Zur Zuschreibung: 07

  8. 08

    Zellkulturstudie, humane Atemwegszelllinien · 2016

    Evaluations of thyme extract effects in human normal bronchial and tracheal epithelial cell lines and in human lung cancer cell line

    Oliviero M, et al. Chem Biol Interact

    Zur Zuschreibung: 08

  9. 09

    Fallbericht · 2014

    An interesting newborn case of fructose 1-6 diphosphatase deficiency triggered after thyme juice ingestion

    Erol S, et al. Clin Lab

  10. 10

    Laborstudie, In-vitro-Antimikrobiologie und Organbad an isoliertem Darmgewebe vom Meerschweinchen · 2020

    Thymus vulgaris L. Essential Oil Solid Formulation: Chemical Profile and Spasmolytic and Antimicrobial Effects

    Micucci M, et al. Biomolecules

    Zur Zuschreibung: 09, 10

  11. 11

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 361, feste Kombination aus Thymian und Primelwurzel · 2007

    Evaluation of efficacy and tolerability of a fixed combination of dry extracts of thyme herb and primrose root in adults suffering from acute bronchitis with productive cough. A prospective, double-blind, placebo-controlled multicentre clinical trial

    Kemmerich B. Arzneimittelforschung

    Zur Zuschreibung: 02

  12. 12

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 361, feste Kombination aus Thymian und Efeu · 2006

    Efficacy and tolerability of a fluid extract combination of thyme herb and ivy leaves and matched placebo in adults suffering from acute bronchitis with productive cough. A prospective, double-blind, placebo-controlled clinical trial

    Kemmerich B, Eberhardt R, Stammer H. Arzneimittelforschung

    Zur Zuschreibung: 01

  13. 13

    Beobachtungsstudie, unkontrolliert, n gleich 730, feste Kombination aus Thymian und Efeu · 2021

    Effectiveness and tolerability of the thyme/ivy herbal fluid extract BNO 1200 for the treatment of acute cough: an observational pharmacy-based study

    Kardos P, et al. Curr Med Res Opin

    Zur Zuschreibung: 01

  14. 14

    RCT, offen, dreiarmig, Nichtunterlegenheit und Überlegenheit, n gleich 325 · 2025

    Efficacy and Safety of a Single Ivy Extract Versus Two Herbal Extract Combinations in Patients with Acute Bronchitis: A Multi-Center, Randomized, Open-Label Clinical Trial

    Kardos P, et al. Pharmaceuticals (Basel)

    Zur Zuschreibung: 01, 02

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