Traubenkern-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Vitis vinifera (Weintraube, Kerne) · OPC · Oligomere Proanthocyanidine · Grape Seed Extract · GSE · Traubenkernextrakt

H.P.N · Datenstand 2026-08-22 · 17 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den Kernen der Weintraube, der Markerstoff sind die oligomeren Proanthocyanidine (OPC)
Herkunft
Traubenkerne, ein Nebenprodukt der Weinherstellung
Wirkform in Studien
Auf Proanthocyanidine standardisierte Extrakte. Den genauen Standardisierungsgrad nennen die hier ausgewerteten Studien überwiegend nicht. Zwei benennen ihr Präparat, die Augenstudie und die offene Venenstudie, und in beiden Fällen ist es dasselbe Präparat desselben Herstellers (Entelon, Hanlim), der beide Studien finanziert hat. Traubenkern ist botanisch eine andere Quelle als die französische Pinienrinde (Markenrohstoff Pycnogenol), deren Studien nicht auf Traubenkern übertragbar sind
Übliche Studiendosis
In den 16 ausgewerteten Blutdruckstudien 100 bis 2000 mg Extrakt pro Tag. Die Augenstudie gab 150 mg pro Tag über 12 Monate, die offene Venenstudie 300 mg pro Tag über 12 Wochen, für die aktivkontrollierte Venenstudie über 8 Wochen nennt das Abstract keine Dosis, die Sicherheitsstudie 1000 bis 2500 mg pro Tag über 4 Wochen
Bekannt geworden durch
Die Aussage, OPC sei ein stärkeres Antioxidans als Vitamin C oder E. Dieser Vergleich stammt aus Laborreagenz-Tests (in vitro). In den für diesen Eintrag geprüften Humanstudien wird ein solcher Überlegenheitsvergleich nicht untersucht
Verträglichkeit
In den ausgewerteten Studien überwiegend Magen-Darm-Beschwerden. In der einzigen hier ausgewerteten placebokontrollierten Langzeitstudie (150 mg pro Tag über 12 Monate an Erwachsenen mit fotografisch nachgewiesenen Netzhautablagerungen) lag die Nebenwirkungsrate unter dem Extrakt höher als unter Placebo (36,00 gegen 15,38 Prozent), der Unterschied war nicht statistisch gesichert

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Blutdruck bei Erwachsenen, ohne statistische Sicherung bei augenscheinlich gesunden Teilnehmenden

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zhang 2016 wertete 12 Artikel mit 16 Vergleichen und 810 Teilnehmenden aus (Dosen 100 bis 2000 mg pro Tag) und fand gegenüber Placebo eine Senkung des systolischen Werts um 6,08 mmHg (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 10,74 bis minus 1,42) und des diastolischen um 2,80 mmHg (minus 4,42 bis minus 1,19). Der Volltext schränkt das an drei Stellen ein, die im Abstract fehlen. Erstens fällt der Effekt in den 12 doppelblinden Vergleichen deutlich kleiner aus (systolisch minus 3,97, minus 6,00 bis minus 1,94; diastolisch minus 1,83, minus 3,20 bis minus 0,47) als in den 4 einfachblinden (systolisch minus 14,11, minus 22,54 bis minus 5,69). Zweitens steht dort wörtlich "No significance was observed in healthy subjects and hypertensive patients". Gesichert war die systolische Senkung in der Schichtung nach Ausgangszustand bei Teilnehmenden mit einem Bündel erhöhter Stoffwechselwerte (minus 8,49, minus 11,87 bis minus 5,11) und bei Teilnehmenden mit leicht erhöhtem Ausgangsblutdruck (minus 10,81, minus 20,45 bis minus 1,17, 4 Studien, diastolisch minus 3,79, minus 6,72 bis minus 0,87). In der Schichtung nach Body-Mass-Index war sie dagegen in beiden Gruppen gesichert, bei einem Mittelwert ab 25 (minus 7,42, minus 13,87 bis minus 0,97) und ebenso darunter (minus 4,47, minus 6,63 bis minus 2,31, dort bei einer Heterogenität von 0,0 Prozent), diastolisch war der Effekt in der Gruppe mit niedrigerem Index sogar etwas deutlicher. Ein Vorbehalt gegen normalgewichtige Teilnehmende lässt sich daraus nicht ableiten. Drittens sind unter den 12 Artikeln 3 Studien mit Traubensaft statt Extrakt, 2 mit Kombinationspräparaten (eine davon fand einen Blutdruckanstieg unter Traubenkernpolyphenolen zusammen mit Vitamin C) und eine Registerstudie ohne Randomisierung, es bleiben rund 6 Artikel mit reinem Traubenkern-Extrakt. Feringa 2011 (9 Studien, 390 Teilnehmende) fand systolisch minus 1,54 mmHg (minus 2,85 bis minus 0,22) und keinen Effekt auf den diastolischen Wert. Foshati 2022 (19 Studien) fand diastolisch minus 2,20 mmHg (minus 3,79 bis minus 0,60) und systolisch minus 3,55 mmHg (minus 7,59 bis 0,49), also denselben Richtungspfeil wie die beiden anderen Arbeiten, nur ohne statistische Sicherung. Die drei Arbeiten sind kein dreifacher Beleg. Zhang bezeichnet sich im Volltext selbst als Aktualisierung von Feringa ("we therefore conducted an updated meta-analysis"), die Überschneidung mit Foshati ist wegen des späteren Suchzeitpunkts wahrscheinlich, aus dem Abstract aber nicht bestimmbar und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Die Heterogenität ist bei Zhang und Foshati hoch (systolisch 94,0 beziehungsweise 97,4 Prozent), bei Feringa dagegen niedrig (I-Quadrat unter 39 Prozent für alle Analysen)

    Quellen: 1, 2, 3

  2. 02

    Herzfrequenz in Ruhe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Feringa 2011 (9 Studien, 390 Teilnehmende) fand minus 1,42 Schläge pro Minute (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,50 bis minus 0,34), Foshati 2022 (19 Studien) minus 1,25 Schläge pro Minute (minus 2,32 bis minus 0,19). Beide Intervalle enden knapp vor der Null. Das sind nicht zwei unabhängige Bestände. Foshati suchte bis Mai 2021 und schließt Feringas Zeitraum vollständig ein, wie stark sich die Primärstudien überschneiden, ist nicht bestimmbar, weil Foshatis Volltext für diese Recherche nicht vorlag und beide Abstracts keine Einschlussliste nennen. Keines der beiden Abstracts sagt, wie viele der 9 beziehungsweise 19 Primärstudien die Herzfrequenz überhaupt gemessen haben. Eine Senkung um gut einen Schlag pro Minute ist zudem eine Größe ohne erkennbare praktische Bedeutung

    Quellen: 2, 3

  3. 03

    Gesamtcholesterin

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Asbaghi 2020 (50 randomisierte Studien, Suche bis 30.05.2019) fand gegenüber Kontrolle minus 6,03 mg/dl (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 9,71 bis minus 2,35). Feringa 2011 (9 Studien) berichtet für Blutfette "no significant effect", nennt dafür aber weder Punktschätzer noch Intervall, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Damit steht auf der einen Seite eine Zahl mit Intervall und auf der anderen ein Nichtwissen, das ist kein Gegenbefund, sondern eine Unschärfe. Hinzu kommt, dass Feringas neun Studien in Asbaghis 50 sehr wahrscheinlich enthalten sind, Suchzeitraum und Endpunkte decken sich. Asbaghis Abstract nennt keine Heterogenitäts-, Risk-of-Bias- oder GRADE-Angaben, obwohl der Methodenteil beides vorsieht. Die Arbeit trägt außerdem eine Berichtigung, deren Inhalt nicht einsehbar ist

    Quellen: 2, 4

  4. 04

    LDL-Cholesterin

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Asbaghi 2020 (50 randomisierte Studien) fand gegenüber Kontrolle minus 4,97 mg/dl (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,37 bis minus 1,57). Dieselbe Lage wie beim Gesamtcholesterin. Feringa 2011 fand keinen Effekt auf Blutfette, ohne eine Zahl zu nennen, sein Bestand steckt sehr wahrscheinlich in dem von Asbaghi. Eine unabhängige zweite Auswertung mit Zahlen liegt nicht vor

    Quellen: 2, 4

  5. 05

    Triglyceride

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Asbaghi 2020 (50 randomisierte Studien) fand gegenüber Kontrolle minus 6,55 mg/dl (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 9,28 bis minus 3,83). Dieselbe Lage wie beim Gesamtcholesterin, dieselbe Einschränkung zur fehlenden Gegenzahl bei Feringa 2011 und zur wahrscheinlichen Überschneidung der Bestände

    Quellen: 2, 4

  6. 06

    HDL-Cholesterin, in der umfangreichsten hier ausgewerteten Analyse ohne Effekt

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Asbaghi 2020 (50 randomisierte Studien) schreibt im Abstract, Traubenkern habe HbA1c, HDL-Cholesterin und die Körpermaße nicht beeinflusst. Ein Punktschätzer mit Intervall wird für diese Nullbefunde nicht genannt, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Ein fehlendes Intervall ist dabei ein Restvorbehalt und keine Aufwertung, an der Einstufung als geprüfter und nicht gefundener Effekt ändert das nichts

    Quellen: 4

  7. 07

    Nüchternblutzucker

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Asbaghi 2020 (50 randomisierte Studien) fand eine Senkung um 2,01 mg/dl (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3,14 bis minus 0,86), umgerechnet rund 0,11 mmol/l. Das ist eine einzelne Auswertung ohne unabhängige Bestätigung mit Zahlen. Der Langzeitmarker HbA1c blieb im selben Bestand unverändert, auch hier ohne berichtetes Intervall. Für die Berichtigung zu dieser Arbeit gilt der Vorbehalt aus den offenen Punkten

    Quellen: 4

  8. 08

    Entzündungsmarker CRP

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Foshati 2021 (19 kontrollierte Studien in der Meta-Analyse, 23 im systematischen Review) fand hochsensitives CRP um 0,48 mg/l gesenkt (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,94 bis minus 0,03), das Intervall endet unmittelbar vor der Null. Der separat ausgewertete reguläre CRP-Wert veränderte sich nicht (minus 0,36 mg/l, minus 1,02 bis 0,30), die Leukozytenzahl ebenfalls nicht (plus 0,12 mal 10 hoch 9 pro Liter, minus 0,25 bis 0,48). Die Autoren fassen ihren Gesamtbefund selbst als "neutral or mildly beneficial effects on inflammatory responses" zusammen. Asbaghi 2020 fand für CRP den deutlich größeren Wert minus 0,81 mg/l (minus 1,25 bis minus 0,38). Die beiden Auswertungen sind keine zwei Bestände, Asbaghi suchte bis Mai 2019 und Foshati bis September 2020 über weitgehend dasselbe Feld, die Überschneidung ist aus den Abstracts nicht bestimmbar und beide Volltexte lagen für diese Recherche nicht vor

    Quellen: 4, 5

  9. 09

    Laborwerte des oxidativen Stresses, Malondialdehyd und oxidiertes LDL gesenkt, Gesamtantioxidationskapazität unverändert

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Foshati 2021 (19 kontrollierte Studien) fand Malondialdehyd gesenkt (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 1,04, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,65 bis minus 0,42) und oxidiertes LDL gesenkt (minus 0,44, minus 0,75 bis minus 0,13), jeweils gegenüber Kontrolle. Die Gesamtantioxidationskapazität stieg dagegen nicht statistisch gesichert (plus 0,49, minus 0,05 bis 1,04), das Intervall schließt die Null ein. Die Autoren nennen diesen Wert selbst nur "marginally significant". Es ist eine einzelne Auswertung, gemessen wurden ausschließlich Laborwerte, kein klinischer Endpunkt. Diese Zeile trägt eine höhere Stufe als die drei Blutfettzeilen, obwohl dort ebenfalls eine einzelne Meta-Analyse steht. Der Grund ist kein Größenunterschied, sondern die Prüfbarkeit der Quelle. Zu Foshati 2021 liegen für beide Marker Punktschätzer mit Intervall vor, und die Autoren fassen ihren Befund im Abstract selbst zusammen. Zu Asbaghi 2020 ist eine Berichtigung erschienen, deren Inhalt sich nicht auflösen lässt, und das Abstract nennt weder Heterogenität noch Risk-of-Bias- noch GRADE-Angaben

    Quellen: 5

  10. 10

    Flussvermittelte Dilatation, in der hier ausgewerteten Analyse ohne statistische Sicherung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Foshati 2022 nennt die flussvermittelte Dilatation als ersten Endpunkt im Titel und fand über 19 kontrollierte Studien plus 1,02 Prozentpunkte gegenüber Kontrolle (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,62 bis 2,66, I-Quadrat 92,0 Prozent). Das Intervall reicht bis zu einer Verbesserung, die an der Gefäßfunktion messbar wäre, ausgeschlossen ist damit nichts. Der Befund zeigt Unschärfe bei sehr hoher Heterogenität, nicht ein Ausbleiben der Wirkung. Es ist neben dem systolischen Blutdruck der zweite Endpunkt dieser Arbeit ohne statistische Sicherung

    Quellen: 3

  11. 11

    Körpergewicht und Körpermaße, zwischen zwei Auswertungen uneinheitlich

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Asbaghi 2020 (50 randomisierte Studien, ausschließlich Traubenkern-Extrakt) schreibt, die Körpermaße seien nicht beeinflusst worden, nennt dafür aber keinen Punktschätzer und kein Intervall. Goudarzi 2024 wertete 30 Studien mit 35 Effektgrößen und 1284 Teilnehmenden aus und fand Körpergewicht (p gleich 0,001) und Body-Mass-Index (p gleich 0,004) bei Teilnehmenden mit Adipositas gesenkt, mit einem größeren Effekt für Traubenkern-Extrakt. Diese Arbeit poolt allerdings Traubenprodukte allgemein, nicht nur Traubenkern-Extrakt, und ihr Abstract nennt ausschließlich p-Werte, keine gewichteten Mittelwertdifferenzen mit Intervall, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Eine Seite ohne Zahl und eine Seite ohne Zahl ergeben keinen Widerspruch, sondern eine unklare Lage. Ob die beiden Auswertungen zwei Bestände sind, ist offen. Goudarzi suchte bis Dezember 2021 und Asbaghi bis Mai 2019 über weitgehend dasselbe Feld, die Untergruppe zu Traubenkern-Extrakt bei Goudarzi dürfte Asbaghis Studien großenteils enthalten. Wie viele der 30 Studien und wie viele der 1284 Teilnehmenden auf Traubenkern-Extrakt entfallen, nennt das Abstract nicht, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract

    Quellen: 4, 12

  12. 12

    Rückflusszeit im Doppler-Ultraschall bei nachgewiesenem venösem Rückfluss in den Beinvenen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bae 2026 randomisierte 200 Erwachsene mit im Doppler-Ultraschall nachgewiesenem Rückfluss zu 150 mg Extrakt zweimal täglich plus Lebensstiländerung oder Lebensstiländerung allein, 176 (88 je Gruppe) beendeten die 12 Wochen und wurden ausgewertet. Der Behandlungseffekt auf die mittlere Rückflusszeit betrug minus 2490 ms (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3168 bis minus 1811), der Anteil mit gebessertem Rückfluss lag bei 48,9 gegen 23,9 Prozent (Chancenverhältnis 3,05, 1,61 bis 5,81). Der Venous Clinical Severity Score sank um 2,15 Punkte mehr als in der Kontrollgruppe (minus 2,87 bis minus 1,43), der Lebensqualitätsbogen CIVIQ-14 um 4,0 Punkte mehr (minus 5,59 bis minus 2,41). Die Studie ist offen, es gibt keine Placebogruppe und die Kontrollgruppe erhielt kein Scheinpräparat. Über 95 Prozent beider Gruppen trugen Kompressionsstrümpfe. Sie ist ein Einzelzentrum-Versuch und wurde von Hanlim Pharmaceuticals gefördert, das Herstellerunternehmen des in Korea vertriebenen Extraktpräparats. Die Förderung steht ausschließlich im freien Volltext im Abschnitt "Funding", das Interessenfeld in PubMed nennt "Disclosures None"

    Quellen: 7

  13. 13

    Symptombezogene Lebensqualität bei nachgewiesenem venösem Rückfluss, gemessen gegen ein Vergleichspräparat und nicht gegen Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Kim 2024 verglich an 303 Erwachsenen mit im Duplex-Ultraschall nachgewiesener Venenschwäche Traubenkern-Extrakt (154 Teilnehmende) gegen eine mikronisierte gereinigte Flavonoidfraktion (149 Teilnehmende) über 8 Wochen. Der Fragebogen CIVIQ-20 verbesserte sich in beiden Gruppen gegenüber dem Ausgangswert, der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant (minus 8,31 plus minus 14,63 gegen minus 10,35 plus minus 14,38, p gleich 0,29, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,65 bis 5,72). Der Punktschätzer begünstigt dabei das Vergleichspräparat, die untere Intervallgrenze blieb innerhalb der vorab festgelegten Nichtunterlegenheitsgrenze von 6,9. Die Studie hat keine Placebogruppe, eine Aussage darüber, ob eines der beiden Präparate besser wirkt als ein Scheinpräparat, ist damit nicht möglich. Die Tagesdosis wird im Abstract nicht genannt, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract

    Quellen: 6

  14. 14

    Kognitive Leistungsfähigkeit bei gesunden 18- bis 30-Jährigen, in der hier ausgewerteten Prüfung ohne konsistenten Effekt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bell 2022 prüfte an 60 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren 400 mg Traubenkern-Polyphenolextrakt, sowohl einmalig als auch täglich über 12 Wochen, gegen Placebo mit einer computergestützten Testbatterie. Über alle Messwerte hinweg zeigte sich kein konsistentes Verbesserungsmuster gegenüber Placebo, weder akut noch chronisch. Einzelne Verbesserungen bei Reaktionszeit und psychomotorischer Leistung traten unter dem Extrakt auf, Verbesserungen bei Reaktionszeit und Gedächtnis aber auch unter Placebo. Die Autoren schreiben selbst, jüngere gesunde Populationen seien für Polyphenoldosen unter 400 mg vermutlich weniger empfänglich als ältere. Das Abstract nennt keine Effektgröße mit Konfidenzintervall, wie präzise dieser Nullbefund ist, lässt sich daher nicht beurteilen, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract

    Quellen: 8

  15. 15

    Netzhautablagerungen bei Erwachsenen mit fotografisch nachgewiesenen harten Exsudaten

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Moon 2019 randomisierte 124 Erwachsene zwischen 40 und 78 Jahren an 12 Zentren im Verhältnis 1 zu 2 zu 2 auf Placebo, 150 mg Traubenkern-Proanthocyanidin-Extrakt pro Tag (dreimal 50 mg, Präparat Entelon von Hanlim Pharm) oder 750 mg Calciumdobesilat pro Tag über 12 Monate. Ausgewertet wurden nach dem Behandlungswillen 108 Teilnehmende (41 Extrakt, 42 Vergleichspräparat, 25 Placebo), 123 gingen in die Sicherheitsauswertung. Der Behandlungserfolg, definiert als Rückgang der Exsudate um mehr als 2 Grade auf einer 10-stufigen Skala, lag bei 43,90 Prozent unter dem Extrakt, 14,29 Prozent unter dem Vergleichspräparat und 8 Prozent unter Placebo (p gleich 0,0007). Die Placebogruppe umfasst damit 2 Erfolge von 25. Zentrale Netzhautdicke und Netzhautvolumen unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen, ebenso wenig das Fortschreiten des Netzhautbefunds in der Fluoreszenzangiographie. Es ist eine einzelne Studie an einer eng umschriebenen Population, und sie wurde vom Hersteller des geprüften Präparats finanziert ("This research was financially supported by Hanlim Pharm. Co. Ltd.", Fußnote des freien Volltexts), während die Autoren im selben Absatz keinen Interessenkonflikt erklären

    Quellen: 9

  16. 16

    Sehschärfe bei Erwachsenen mit fotografisch nachgewiesenen harten Exsudaten, ohne Unterschied zwischen den Gruppen

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie von Moon 2019 wurde die bestkorrigierte Sehschärfe nach dem ETDRS-Protokoll bei jedem der fünf Termine erhoben. Der freie Volltext hält im Ergebnisteil fest "There were no significant changes in the BCVA among the treatment groups at all visit time points". Die Sehschärfe wurde also gemessen und veränderte sich zwischen den Gruppen nicht. Zahlen zu diesem Endpunkt stehen nur in der Ergebnistabelle, das Abstract nennt sie nicht. Ein Effektmaß mit Intervall wird dafür nicht berichtet, das ist ein Restvorbehalt und keine Aufwertung. Die Ausgangssehschärfe lag im Median bei 0,8 nach Snellen-Tafel, die Teilnehmenden hatten also keine stark eingeschränkte Sehleistung

    Quellen: 9

  17. 17

    Hautbild, Kollagen und Hautelastizität bei oraler Einnahme

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht wurde mit den PubMed-Suchbegriffen "grape seed extract" "skin" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) (7 Treffer) und PubMed-Suche nach "grape seed extract" "skin elasticity" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) (0 Treffer). Die 7 Treffer betreffen eine Creme zur Wundheilung, eine Emulsion zum Auftragen, einen Lichtschutzversuch mit aufgetragenen Antioxidantien, ein orales Mehrpflanzenprodukt mit sechs weiteren Extrakten, eine Übersicht zu Glykierungsmarkern, eine Übersicht zu vorklinischen Arbeiten und eine Studie zur Gewebeverhärtung nach Bestrahlung. Keine dieser Arbeiten prüft die orale Einnahme von Traubenkern-Extrakt allein auf Hautbild oder Hautelastizität bei gesunden Menschen

Traubenkern-Extrakt ist gut untersucht, aber fast ausschließlich an Laborwerten und Messgrößen, nicht an Ereignissen im Leben der Teilnehmenden. Die belastbarste Aussage betrifft zwei Marker des oxidativen Stresses. Bei Blutdruck, Herzfrequenz, Blutfetten und Nüchternblutzucker sind die Effekte klein und die Auswertungen hängen voneinander ab, sie sind keine unabhängigen Bestätigungen. Zwei der am häufigsten beworbenen Wirkungen betreffen Haut und Augen. Zur Haut bei oraler Einnahme fehlt eine passende Studie ganz. Zu den Augen gibt es eine einzelne, vom Hersteller finanzierte Studie an Menschen mit bereits bestehenden Netzhautveränderungen, in der sich die Ablagerungen besserten und die Sehschärfe nicht.

Studien im Detail

Blutdruck

Drei Auswertungen liegen vor, und sie sind nicht unabhängig voneinander. Zhang und Kollegen werteten 2016 zwölf Artikel mit sechzehn Vergleichen und 810 Teilnehmenden aus und fanden gegenüber Placebo eine Senkung des systolischen Werts um 6,08 mmHg (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 10,74 bis minus 1,42) und des diastolischen um 2,80 mmHg (minus 4,42 bis minus 1,19) [1]. Feringa und Kollegen fanden 2011 in neun Studien mit 390 Teilnehmenden nur beim systolischen Wert einen gesicherten Effekt, minus 1,54 mmHg (minus 2,85 bis minus 0,22), und keinen beim diastolischen [2]. Foshati und Kollegen fanden 2022 in neunzehn Studien einen gesicherten Effekt beim diastolischen Wert, minus 2,20 mmHg (minus 3,79 bis minus 0,60), und beim systolischen minus 3,55 mmHg (minus 7,59 bis 0,49), also denselben Richtungspfeil wie die beiden anderen Arbeiten, nur ohne statistische Sicherung [3].

Der Volltext von Zhang ist frei zugänglich und sagt drei Dinge, die im Abstract fehlen. Erstens beschreiben die Autoren ihre Arbeit ausdrücklich als Aktualisierung von Feringa, "we therefore conducted an updated meta-analysis" [1]. Damit sind Quelle [1] und Quelle [2] ein Bestand und keine zwei. Zweitens fällt der Effekt in den zwölf doppelblinden Vergleichen erheblich kleiner aus (systolisch minus 3,97, minus 6,00 bis minus 1,94; diastolisch minus 1,83, minus 3,20 bis minus 0,47) als in den vier einfachblinden (systolisch minus 14,11) [1]. Drittens steht dort der Satz "No significance was observed in healthy subjects and hypertensive patients"; vier der sechzehn Vergleiche liefen an augenscheinlich gesunden Teilnehmenden [1]. Gesichert war die systolische Senkung dort bei Teilnehmenden mit einem Bündel erhöhter Stoffwechselwerte (minus 8,49, minus 11,87 bis minus 5,11) und bei Teilnehmenden mit leicht erhöhtem Ausgangsblutdruck (minus 10,81, minus 20,45 bis minus 1,17, vier Studien) [1].

Nicht gedeckt ist dagegen ein Vorbehalt gegen normalgewichtige Teilnehmende. In der Schichtung nach Body-Mass-Index war die systolische Senkung in beiden Gruppen gesichert, bei einem Mittelwert ab 25 (minus 7,42, minus 13,87 bis minus 0,97) und ebenso darunter (minus 4,47, minus 6,63 bis minus 2,31), und in der Gruppe mit niedrigerem Index war die Heterogenität mit 0,0 Prozent die beste des ganzen Pools; beim diastolischen Wert war der Effekt dort sogar etwas deutlicher [1].

Zur Interessenlage der drei Blutdruckarbeiten: Zhang wurde aus öffentlichen chinesischen Forschungsfonds gefördert und erklärt im Volltext, es bestehe kein Interessenkonflikt [1]. Feringa und Foshati führen in PubMed keine Interessenerklärung, ihre Volltexte lagen für diese Recherche nicht vor, geprüft werden konnte es deshalb nicht.

Einschränkung: Das Literaturverzeichnis von Zhang zeigt, woraus der Pool besteht. Unter den zwölf Artikeln sind drei Studien mit Traubensaft statt Extrakt, zwei mit Kombinationspräparaten und eine Registerstudie ohne Randomisierung. Eine der Kombinationsstudien trägt im Titel, dass die Gabe von Traubenkernpolyphenolen zusammen mit Vitamin C den Blutdruck erhöht. Es bleiben rund sechs Artikel mit reinem Traubenkern-Extrakt. Die Heterogenität ist bei Zhang und Foshati hoch (systolisch 94,0 beziehungsweise 97,4 Prozent), bei Feringa dagegen ausdrücklich niedrig, das Abstract nennt für jede seiner Analysen ein I-Quadrat unter 39 Prozent und einen geprüften Publikationsbias [2].

Herzfrequenz in Ruhe

Feringa und Kollegen (2011, neun Studien) fanden minus 1,42 Schläge pro Minute (minus 2,50 bis minus 0,34) [2], Foshati und Kollegen (2022, neunzehn Studien) minus 1,25 Schläge pro Minute (minus 2,32 bis minus 0,19) [3].

Einschränkung: Beide Intervalle enden knapp vor der Null. Vor allem aber sind das keine zwei unabhängigen Bestände. Foshati suchte bis zum 24. Mai 2021 und schließt Feringas Zeitraum vollständig ein; zwei praktisch deckungsgleiche Punktschätzer sind eher ein Anzeichen für einen gemeinsamen Studienbestand als für eine unabhängige Bestätigung. Klären lässt sich das hier nicht, weil beide Volltexte für diese Recherche nicht vorlagen und keines der Abstracts eine Einschlussliste nennt. Wie viele der neun beziehungsweise neunzehn Primärstudien die Herzfrequenz überhaupt gemessen haben, steht in keinem der beiden Abstracts. Eine Senkung um gut einen Schlag pro Minute ist zudem eine Größe ohne erkennbare praktische Bedeutung.

Blutfette

Asbaghi und Kollegen werteten 2020 fünfzig randomisierte, kontrollierte Studien aus und fanden gegenüber Kontrolle eine Senkung von Gesamtcholesterin (minus 6,03 mg/dl, minus 9,71 bis minus 2,35), LDL-Cholesterin (minus 4,97 mg/dl, minus 8,37 bis minus 1,57) und Triglyceriden (minus 6,55 mg/dl, minus 9,28 bis minus 3,83) [4]. HDL-Cholesterin, HbA1c und die Körpermaße blieben unbeeinflusst, für diese Nullbefunde nennt das Abstract keine Zahl [4]. Feringa und Kollegen hatten 2011 in neun Studien keinen Effekt auf Blutfette gefunden [2].

Die Bewertung als widersprüchlich ist nicht gerechtfertigt. Ein Widerspruch verlangt auf beiden Seiten dieselbe Messgröße mit Zahl. Feringa berichtet für die Blutfette weder Punktschätzer noch Intervall, sondern nur, dass kein signifikanter Effekt gefunden wurde, und der Volltext lag für diese Recherche nicht vor, die Zahlen sind also auch nicht nachzureichen. Damit steht auf der einen Seite eine Zahl und auf der anderen ein Nichtwissen. Hinzu kommt, dass Feringas neun Studien in Asbaghis fünfzig sehr wahrscheinlich enthalten sind, Suchzeitraum und Endpunkte decken sich. Eine Übersicht und die darin enthaltene ältere Auswertung können sich nicht widersprechen.

Einschränkung: Das Räumen der Widerspruchsstufe macht die Wirkung nicht belegter. Es bleibt eine einzelne Auswertung mit Zahlen. Asbaghis Abstract nennt weder Heterogenität noch Risk-of-Bias- oder GRADE-Angaben, obwohl der Methodenteil beides vorsieht. Zu der Arbeit ist außerdem eine Berichtigung erschienen (PMID 35322496), zu der in dieser Recherche weder Abstract noch Volltext vorlagen; ob sie eine der hier zitierten Zahlen betrifft, ließ sich nicht klären und steht in den offenen Punkten.

Nüchternblutzucker

Asbaghi und Kollegen fanden in derselben Meta-Analyse eine Senkung des Nüchternblutzuckers um 2,01 mg/dl (minus 3,14 bis minus 0,86), umgerechnet rund 0,11 mmol/l [4]. Der Langzeitmarker HbA1c veränderte sich nicht.

Einschränkung: Eine einzelne Auswertung ohne unabhängige zweite Bestätigung mit Zahlen. Der Effekt auf den Nüchternwert ist klein, und der Marker, der die Blutzuckerlage über Wochen abbildet, zeigte keine Veränderung. Für den HbA1c-Nullbefund nennt das Abstract kein Intervall, ausgeschlossen ist damit nichts.

Entzündungsmarker CRP

Foshati und Kollegen werteten 2021 neunzehn kontrollierte Studien aus und fanden hochsensitives CRP um 0,48 mg/l gesenkt (minus 0,94 bis minus 0,03) [5]. Der separat ausgewertete reguläre CRP-Wert veränderte sich nicht (minus 0,36 mg/l, minus 1,02 bis 0,30), die Leukozytenzahl ebenfalls nicht (plus 0,12 mal 10 hoch 9 pro Liter, minus 0,25 bis 0,48) [5]. Asbaghi und Kollegen fanden 2020 für CRP den deutlich größeren Wert minus 0,81 mg/l (minus 1,25 bis minus 0,38) [4].

Einschränkung: Das Intervall des hochsensitiven CRP endet unmittelbar vor der Null, und die Autoren fassen ihren Gesamtbefund selbst als "neutral or mildly beneficial effects on inflammatory responses" zusammen [5]. Die beiden Auswertungen sind keine zwei Bestände. Asbaghi suchte bis Mai 2019, Foshati bis September 2020, beide über weitgehend dasselbe Feld. Die Überschneidung ist aus den Abstracts nicht bestimmbar, und keiner der beiden Volltexte lag in der vorliegenden Recherche vor.

Oxidativer Stress

Foshati und Kollegen fanden 2021 in derselben Arbeit Malondialdehyd gesenkt (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 1,04, minus 1,65 bis minus 0,42) und oxidiertes LDL gesenkt (minus 0,44, minus 0,75 bis minus 0,13), jeweils gegenüber Kontrolle [5].

Einschränkung: Die Gesamtantioxidationskapazität stieg nicht statistisch gesichert an (plus 0,49, minus 0,05 bis 1,04), das Intervall schließt die Null ein; die Autoren nennen den Wert selbst nur "marginally significant" [5]. Es ist außerdem eine einzelne Auswertung, und alle Werte sind Laborwerte, die einen Zwischenschritt messen, kein klinisches Ereignis im Leben der Teilnehmenden.

Gefäßfunktion

Foshati und Kollegen nennen die flussvermittelte Dilatation der Armarterie als ersten Endpunkt im Titel ihrer Arbeit von 2022 und fanden über neunzehn kontrollierte Studien plus 1,02 Prozentpunkte gegenüber Kontrolle (minus 0,62 bis 2,66, I-Quadrat 92,0 Prozent) [3]. Es ist neben dem systolischen Blutdruck der zweite Endpunkt dieser Arbeit ohne statistische Sicherung, und der Eintrag behandelt beide gleich.

Einschränkung: Das Intervall reicht bis zu einer Verbesserung, die an der Gefäßfunktion durchaus messbar wäre. Der Befund zeigt Unschärfe bei sehr hoher Heterogenität, nicht ein Ausbleiben der Wirkung.

Körpergewicht und Körpermaße

Asbaghi und Kollegen schreiben 2020 über fünfzig Studien mit reinem Traubenkern-Extrakt, die Körpermaße seien nicht beeinflusst worden, ohne einen Punktschätzer oder ein Intervall zu nennen [4]. Goudarzi und Kollegen werteten 2024 dreißig Studien mit fünfunddreißig Effektgrößen und 1284 Teilnehmenden aus und fanden Körpergewicht (p gleich 0,001) und Body-Mass-Index (p gleich 0,004) bei Teilnehmenden mit Adipositas gesenkt, mit einem größeren Effekt, wenn Traubenkern-Extrakt eingesetzt wurde [12].

Einschränkung: Goudarzi poolt Traubenprodukte allgemein, nicht nur Traubenkern-Extrakt, und nennt im Abstract ausschließlich p-Werte, keine gewichteten Mittelwertdifferenzen mit Intervall; die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Eine Seite ohne Zahl und eine Seite ohne Zahl ergeben keinen Widerspruch, sondern eine unklare Lage.

Venöser Rückfluss

Bae und Kollegen randomisierten 2026 zweihundert Erwachsene mit im Doppler-Ultraschall nachgewiesenem Rückfluss auf 150 mg Extrakt zweimal täglich plus Lebensstiländerung oder Lebensstiländerung allein; 176 Teilnehmende, 88 je Gruppe, beendeten die zwölf Wochen und wurden ausgewertet [7]. Der Behandlungseffekt auf die mittlere Rückflusszeit betrug minus 2490 ms (minus 3168 bis minus 1811), der Anteil mit gebessertem Rückfluss lag bei 48,9 gegen 23,9 Prozent (Chancenverhältnis 3,05, 1,61 bis 5,81) [7]. Der Venous Clinical Severity Score sank um 2,15 Punkte mehr als in der Kontrollgruppe (minus 2,87 bis minus 1,43), der Lebensqualitätsbogen CIVIQ-14 um 4,0 Punkte mehr (minus 5,59 bis minus 2,41) [7]. Keine dieser Zahlen steht im Abstract. Der Behandlungseffekt auf die Rückflusszeit steht in Ergebnistabelle II, das Chancenverhältnis in der Ergebnistabelle zum Anteil mit gebessertem Rückfluss, die beiden Symptomwerte im Ergebnistext zur Abbildung 4.

Kim und Kollegen verglichen 2024 an dreihundertdrei Erwachsenen mit im Duplex-Ultraschall nachgewiesener Venenschwäche Traubenkern-Extrakt (154 Teilnehmende) gegen eine mikronisierte gereinigte Flavonoidfraktion (149 Teilnehmende) über acht Wochen [6]. Der Fragebogen CIVIQ-20 verbesserte sich in beiden Gruppen gegenüber dem Ausgangswert, der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant (minus 8,31 plus minus 14,63 gegen minus 10,35 plus minus 14,38, p gleich 0,29, Konfidenzintervall minus 1,65 bis 5,72), und der Punktschätzer begünstigt dabei das Vergleichspräparat [6]. Die untere Intervallgrenze blieb innerhalb der vorab festgelegten Nichtunterlegenheitsgrenze von 6,9.

Einschränkung: Die beiden Studien beantworten zwei verschiedene Fragen und stehen deshalb in zwei getrennten Zeilen. Kim hat die Rückflusszeit gar nicht gemessen, primärer Endpunkt war die Lebensqualität. Keine der beiden Studien hat eine Placebogruppe. Bae ist offen, an einem Zentrum durchgeführt und wurde von Hanlim Pharmaceuticals gefördert, dem Hersteller des geprüften Präparats; die Förderangabe steht ausschließlich im freien Volltext im Abschnitt "Funding", während das Interessenfeld in PubMed "Disclosures None" meldet [7]. Über 95 Prozent der Teilnehmenden beider Gruppen trugen Kompressionsstrümpfe, der gemessene Zusatzeffekt gilt also zusätzlich dazu. Die Tagesdosis bei Kim wird im Abstract nicht genannt und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract, ebenso wenig führt PubMed für diese Arbeit eine Interessenerklärung. Geprüft werden konnte die Interessenlage dort deshalb nicht, was angesichts der Herstellerfinanzierung der beiden anderen koreanischen Quellen dieses Eintrags ausdrücklich offen bleibt.

Kognitive Leistungsfähigkeit

Bell und Kollegen prüften 2022 an sechzig gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren 400 mg Traubenkern-Polyphenolextrakt, sowohl einmalig als auch täglich über zwölf Wochen, gegen Placebo mit einer computergestützten Testbatterie [8]. Über alle Messwerte hinweg zeigte sich kein konsistentes Verbesserungsmuster gegenüber Placebo. Einzelne Verbesserungen bei Reaktionszeit und psychomotorischer Leistung traten unter dem Extrakt auf, Verbesserungen bei Reaktionszeit und Gedächtnis aber auch unter Placebo.

Einschränkung: Eine einzelne Studie an einer gesunden, jungen Population, deren Abstract keine Effektgröße mit Konfidenzintervall nennt; die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Wie präzise dieser Nullbefund ist, lässt sich daraus nicht beurteilen. Die Autoren vermuten selbst, dass ältere Personen auf Dosen unter 400 mg empfänglicher reagieren könnten, das wurde hier nicht geprüft.

Netzhaut

Moon und Kollegen randomisierten 2019 einhundertvierundzwanzig Erwachsene zwischen 40 und 78 Jahren an zwölf Zentren im Verhältnis eins zu zwei zu zwei auf Placebo, 150 mg Traubenkern-Proanthocyanidin-Extrakt pro Tag (dreimal täglich 50 mg, Präparat Entelon von Hanlim Pharm) oder 750 mg Calciumdobesilat pro Tag über zwölf Monate [9]. Eingeschlossen wurden Menschen mit fotografisch nachgewiesenen harten Exsudaten und einer Sehschärfe von im Median 0,8 nach Snellen-Tafel. Nach dem Behandlungswillen ausgewertet wurden einhundertacht Teilnehmende (41 Extrakt, 42 Vergleichspräparat, 25 Placebo), in die Sicherheitsauswertung gingen einhundertdreiundzwanzig ein. Der Behandlungserfolg, definiert als Rückgang der Exsudate um mehr als zwei Grade auf einer zehnstufigen Skala, lag bei 43,90 Prozent unter dem Extrakt, 14,29 Prozent unter dem Vergleichspräparat und 8 Prozent unter Placebo (p gleich 0,0007) [9]. Die Placebogruppe umfasst damit zwei Erfolge von fünfundzwanzig.

Der freie Volltext hält im Ergebnisteil außerdem fest, dass sich die bestkorrigierte Sehschärfe zwischen den Gruppen an keinem Untersuchungstermin unterschied, "There were no significant changes in the BCVA among the treatment groups at all visit time points" [9]. Auch zentrale Netzhautdicke, Netzhautvolumen und das Fortschreiten des Netzhautbefunds in der Fluoreszenzangiographie unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Beim Netzhautvolumen berichten die Autoren allerdings einen Rückgang innerhalb der Extraktgruppe gegenüber deren eigenem Ausgangswert nach neun und nach zwölf Monaten, den es in den beiden anderen Gruppen nicht gab, und heben ihn im Abstract hervor. Ein Vorher-Nachher-Wert ohne Gruppenunterschied trägt keine Wirkungsaussage, deshalb steht er hier und nicht in der Wirkungstabelle. Sie wurde geprüft und veränderte sich nicht.

Einschränkung: Eine einzelne Studie an einer eng umschriebenen Population, und sie wurde vom Hersteller des geprüften Präparats finanziert. Die Fußnote des freien Volltexts lautet "This research was financially supported by Hanlim Pharm. Co. Ltd.", im selben Absatz erklären die Autoren, es bestehe kein Interessenkonflikt [9]. Zu den Nullbefunden bei Sehschärfe und Netzhautdicke nennt das Abstract keine Effektmaße mit Intervall, ausgeschlossen ist damit nichts.

Tier- und Laborstudien

Zu Traubenkern-Extrakt liegen zahlreiche Zell- und Tierarbeiten vor. Für diesen Eintrag wurde keine davon geprüft, deshalb wird hier auch keine einzelne Arbeit beschrieben oder charakterisiert. Aus Zell- und Tierdaten folgt ohnehin keine Aussage über die Wirkung beim Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Sano prüfte 2017 in einer offenen Dosis-Eskalationsstudie an 29 gesunden Erwachsenen 1000 bis 2500 mg Traubenkern-Extrakt pro Tag über vier Wochen [11]. Bei zwei Teilnehmenden der höchsten Dosisgruppe sank der Serumeisenwert vorübergehend, er normalisierte sich zwei Wochen nach Ende der Einnahme wieder. Ansonsten galt die Einnahme als gut verträglich, niemand brach die Studie ab. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe, und ihr einziger Autor arbeitet in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Kikkoman Corporation [11]. Damit trägt die Quelle, auf der die Verträglichkeitsangabe im Steckbrief bislang allein beruhte, eine Herstellerbindung.

In der einzigen placebokontrollierten Langzeitstudie dieses Eintrags fiel die Verträglichkeit weniger günstig aus, als die übrigen Quellen nahelegen. Der freie Volltext von Moon 2019 berichtet Nebenwirkungen bei 18 von 50 Teilnehmenden der Extraktgruppe (36,00 Prozent), 13 von 47 unter dem Vergleichspräparat (27,66 Prozent) und 4 von 26 unter Placebo (15,38 Prozent); der Unterschied war nicht statistisch gesichert [9]. Vier Teilnehmende der Extraktgruppe und einer der Vergleichsgruppe mussten das Präparat absetzen, bei vier Teilnehmenden der Extraktgruppe wurden Magen-Darm-Beschwerden als möglicherweise behandlungsbedingt eingestuft [9]. Diese Zahlen stehen nur im Volltext, nicht im Abstract. Der Übertragbarkeitsvorbehalt, der für die Nutzenaussagen dieser Studie gilt, gilt für ihre Risikoaussage genauso, in beide Richtungen.

Goey und Kollegen prüften 2013 in einer randomisierten Crossover-Studie an 30 eingeschlossenen und 28 auswertbaren gesunden Erwachsenen, ob dreimal täglich 100 mg Traubenkern-Extrakt, gegeben an drei aufeinanderfolgenden Tagen, den Abbau des CYP2D6-Testsubstrats Dextromethorphan verändert [10]. Der Stoffwechselquotient stieg bei 16 der 28 Teilnehmenden an, im Mittel von 0,41 auf 0,48; das war weder statistisch (p gleich 0,342) noch nach dem Urteil der Autoren klinisch bedeutsam (geometrisches Mittelwertverhältnis 1,10, 90-Prozent- Konfidenzintervall 0,93 bis 1,30) [10].

Einschränkung, und sie gilt hier in derselben Schärfe wie bei den Nutzenzeilen: Die obere Intervallgrenze von 1,30 liegt über der Schranke, ab der eine Wechselwirkung üblicherweise als bedeutsam gilt. Eine relevante Hemmung ist damit nicht ausgeschlossen, sondern unpräzise gemessen. Hinzu kommt die kurze Einnahmedauer von drei Tagen, eine Aussage über eine Dauereinnahme lässt diese Studie nicht zu.

Die neueste Interventionsstudie dieses Eintrags liefert keine Sicherheitsdaten. Bae 2026 berichtet bei 200 randomisierten Teilnehmenden, zwölf Wochen Einnahme und 24 Abbrüchen keine unerwünschten Ereignisse [7]. Dass eine aktuelle Interventionsstudie dazu nichts sagt, ist selbst eine Angabe zur Sicherheitslage. Zur Förderung hält der Volltext fest, Hanlim Pharmaceuticals sei an Studienplan, Datenerhebung, Auswertung und Deutung nicht beteiligt gewesen [7].

Diskutiert wird darüber hinaus eine leichte hemmende Wirkung auf die Thrombozytenfunktion, was bei Einnahme gerinnungshemmender Medikamente oder vor Operationen von Bedeutung sein kann. Die PubMed-Suche nach "grape seed extract" "platelet function" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) liefert genau einen Treffer, eine randomisierte Arbeit an Frauen nach den Wechseljahren aus dem Jahr 2007 (PMID 17950783). Sie ist als Leserbrief ohne Abstract erschienen; die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Ihr Ergebnis lässt sich hier deshalb nicht prüfen. Die beiden Sicherheitsquellen dieses Eintrags untersuchen den Endpunkt nicht.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Meta-Analyse aus 12 Artikeln mit 16 Vergleichen, n gleich 810. Volltext frei (PMC5370781), Ergebnisteil, Untergruppenanalysen, Diskussion und Literaturverzeichnis gelesen · 2016

    The impact of grape seed extract treatment on blood pressure changes. A meta-analysis of 16 randomized controlled trials

    Zhang H, et al. Medicine (Baltimore)

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Meta-Analyse aus 9 RCTs, n gleich 390. Auswertung anhand des Abstracts · 2011

    The effect of grape seed extract on cardiovascular risk markers. A meta-analysis of randomized controlled trials

    Feringa HH, et al. J Am Diet Assoc

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05

  3. 03

    Meta-Analyse aus 19 kontrollierten Studien. Auswertung anhand des Abstracts · 2022

    The effect of grape (Vitis vinifera) seed extract supplementation on flow-mediated dilation, blood pressure, and heart rate. A systematic review and meta-analysis of controlled trials with duration- and dose-response analysis

    Foshati S, et al. Pharmacol Res

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 10

  4. 04

    Meta-Analyse aus 50 RCTs. Auswertung anhand des Abstracts. Zu dieser Arbeit ist eine Berichtigung erschienen (PMID 35322496, Phytother Res 2022), zu der in dieser Recherche weder Abstract noch Volltext vorlagen und deren Inhalt deshalb hier nicht geprüft werden konnte · 2020

    The effects of grape seed extract on glycemic control, serum lipoproteins, inflammation, and body weight. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials

    Asbaghi O, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 03, 04, 05, 06, 07, 08, 11

  5. 05

    Meta-Analyse aus 19 kontrollierten Studien, 23 im systematischen Review. Auswertung anhand des Abstracts · 2021

    The effect of grape seed extract supplementation on oxidative stress and inflammation. A systematic review and meta-analysis of controlled trials

    Foshati S, Rouhani MH, Amani R. Int J Clin Pract

    Zur Zuschreibung: 08, 09

  6. 06

    Randomisierte, doppelblinde aktivkontrollierte Nichtunterlegenheitsstudie an 13 Kliniken, n gleich 303. Auswertung anhand des Abstracts · 2024

    Vitis Vinifera Seed Extract Versus Micronized Purified Flavonoid Fraction for Patients with Chronic Venous Disease. A Randomized Noninferiority Trial

    Kim SM, et al. Ann Vasc Surg

    Zur Zuschreibung: 13

  7. 07

    Randomisierte, offene kontrollierte Studie an einem Zentrum, 200 randomisiert und 176 ausgewertet. Volltext frei (PMC12741370), Ergebnistabelle II, Untergruppenabbildung, Diskussion und Förderangabe gelesen. Gefördert von Hanlim Pharmaceuticals · 2026

    Vitis vinifera seed extract reduces venous reflux time in patients with varicose veins. VICTORY randomized controlled trial

    Bae S, et al. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord

    Zur Zuschreibung: 12

  8. 08

    Randomisierte, plazebokontrollierte Studie, n gleich 60. Auswertung anhand des Abstracts · 2022

    Grape seed polyphenol extract and cognitive function in healthy young adults. A randomised, placebo-controlled, parallel-groups acute-on-chronic trial

    Bell L, et al. Nutr Neurosci

    Zur Zuschreibung: 14

  9. 09

    Randomisierte, doppelblinde Mehrzenterstudie, 124 randomisiert, 123 in der Sicherheitsauswertung, 108 nach Behandlungswillen ausgewertet. Volltext frei (PMC6571433), Ergebnisteil, Sicherheitsabschnitt, Diskussion und Förderangabe gelesen. Finanziert von Hanlim Pharm · 2019

    Effect of grape seed proanthocyanidin extract on hard exudates in patients with non-proliferative diabetic retinopathy

    Moon SW, et al. Medicine (Baltimore)

    Zur Zuschreibung: 15, 16

  10. 10

    Randomisierte, offene Crossover-Studie zur Pharmakokinetik, 30 eingeschlossen und 28 auswertbar. Auswertung anhand des Abstracts · 2013

    The effect of grape seed extract on the pharmacokinetics of dextromethorphan in healthy volunteers

    Goey AK, et al. Eur J Clin Pharmacol

  11. 11

    Offene Dosis-Eskalationsstudie zur Sicherheit, n gleich 29, keine Kontrollgruppe. Einziger Autor mit Zugehörigkeit zur Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Kikkoman Corporation. Auswertung anhand des Abstracts · 2017

    Safety assessment of 4-week oral intake of proanthocyanidin-rich grape seed extract in healthy subjects

    Sano A. Food Chem Toxicol

  12. 12

    Meta-Analyse aus 30 Studien mit 35 Effektgrößen, n gleich 1284, gepoolt über Traubenprodukte allgemein. Auswertung anhand des Abstracts · 2024

    Does the Grape Products Intake has an Effect on Body Weight in Adults. A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials

    Goudarzi MA, et al. Curr Drug Targets

    Zur Zuschreibung: 11

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