Tribulus-Terrestris-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Tribulus terrestris L., Familie Zygophyllaceae · Erdburzeldorn · Puncture Vine · Gokshura · Caltrop · Bockshorn-Burzeldorn
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Extrakt aus der ganzen Pflanze oder den Früchten von Tribulus terrestris, einem kriechenden Kraut. Die Wirkung wird vor allem den steroidalen Saponinen zugeschrieben, allen voran Protodioscin
- Herkunft
- In warmen und gemäßigten Regionen weltweit verbreitet, mit langer Verwendung in der ayurvedischen und traditionellen chinesischen Medizin, unter anderem als Tonikum für die männliche Vitalität
- Wirkform in Studien
- Fast ausschließlich orale Kapsel- oder Tabletteneinnahme mit Extrakten unterschiedlicher Standardisierung. Der Anteil an Saponinen schwankte zwischen den in einer Übersichtsarbeit ausgewerteten Studien zwischen 40 und 60 Prozent, eine Studie machte dazu gar keine Angabe, ein direkter Vergleich der Studien über den Wirkstoffgehalt ist deshalb nur eingeschränkt möglich
- Übliche Studiendosis
- 400 bis 1500 mg Extrakt täglich über 4 Wochen bis 3 Monate in den meisten Humanstudien, in einer Studie zu unerklärter Unfruchtbarkeit bis zu 12 g täglich
- Bekannt geworden durch
- Die verbreitete Zuschreibung, Tribulus terrestris steigere den Testosteronspiegel und werde deshalb als natürlicher Testosteron-Booster in der Fitness- und Bodybuilding-Szene sowie zur Behandlung sexueller Beschwerden vermarktet
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien insgesamt gut vertragen, mit vereinzelten milden Magen-Darm-Beschwerden ohne durchgehend berichteten Unterschied zur Placebogruppe. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Gesamttestosteron beim Mann, in Studien mit echtem Placebo-Vergleich meist ohne Unterschied, zwei Studien mit einem Anstieg nur gegenüber dem eigenen Ausgangswert bei Männern mit erniedrigtem Ausgangswert
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die meisten Studien mit sauberem Gruppenvergleich fanden keinen Unterschied zu Placebo. Zwei oft zitierte positive Studien zeigen nur einen Anstieg gegenüber dem eigenen Ausgangswert, nicht zwingend gegenüber Placebo, und betrafen ausschließlich Männer mit bereits erniedrigtem Testosteron.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit zu vermarkteten Testosteron-Boostern wertete 52 Studien zu 27 verschiedenen Stoffen aus, darunter 4 Studien zu Tribulus terrestris [1]. Tribulus terrestris zählt darin ausdrücklich nicht zu den als wirksam oder möglicherweise wirksam eingestuften Stoffen für keine der vier untersuchten Personengruppen (Sportler, Männer mit spät einsetzendem Hypogonadismus, unfruchtbare Männer, gesunde Männer), anders als etwa Eurycoma longifolia oder Withania somnifera, die in mindestens einer Gruppe als möglicherweise wirksam gelten [1]. Eine speziell auf Tribulus terrestris fokussierte, 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete 10 klinische Studien mit 483 Teilnehmenden aus, bei einer nach dem Jadad-Score bei der Hälfte der Studien niedrigen methodischen Qualität [2]. Acht der zehn Studien fanden keinen gesicherten Unterschied im Androgenprofil, wobei die Teilnehmenden dieser Studien zu Studienbeginn überwiegend keinen erniedrigten Testosteronwert hatten [2]. Nur zwei Studien fanden einen Anstieg des Gesamttestosterons, beide ausschließlich bei Männern mit einem Ausgangswert unter 350 ng/dl und mit derselben Dosis von 750 mg Tribulus terrestris (mindestens 45 Prozent Saponine) täglich über drei Monate, mit einem Anstieg von rund 27 beziehungsweise 33 Prozent [2]. Die Übersichtsarbeit selbst bezeichnet diesen Befund ausdrücklich als Anstieg innerhalb der Verumgruppe (intra-group increase) und nicht als gesicherten Unterschied zur Placebogruppe, beide zugrunde liegenden Studien hatten zudem ein hohes Verzerrungsrisiko, 2 und 0 von 5 Punkten auf der Jadad-Skala, und die schlechtere von beiden führt die Übersicht in ihrer Ergebnistabelle als quasi-experimentell und nicht kontrolliert, sie hatte also gar keine Vergleichsgruppe [2]. Die Übersicht von 2024 über 27 vermarktete Stoffe und die Übersicht von 2025 allein zu diesem Extrakt werten dasselbe kleine Feld aus und sind deshalb keine zwei unabhängigen Bestände, sondern eine breite und eine enge Auswertung. Welche der 4 Studien der ersten Arbeit in den 10 der zweiten stecken, war nicht zu klären, weil uns der Volltext der ersten Arbeit nicht vorlag [1] [2]. Eine eigenständige, 2014 veröffentlichte randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 30 Männern mit erektiler Dysfunktion (800 mg Tribulus terrestris täglich über 30 Tage) fand für das Gesamttestosteron keinen gesicherten Unterschied zwischen den Gruppen, vor der Behandlung 417,1 ng/dl in der Verumgruppe gegenüber 442,7 ng/dl in der Placebogruppe, nach der Behandlung 409,3 ng/dl gegenüber 466,3 ng/dl, ohne Unterschied zwischen den Gruppen über die Zeit (p gleich 0,7914) [3]. Eine weitere, 2017 veröffentlichte Studie an 30 Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit (750 mg täglich über drei Monate) fand ebenfalls keinen statistisch gesicherten Unterschied bei Gesamttestosteron, freiem Testosteron oder luteinisierendem Hormon vor und nach der Behandlung, die Autorenschaft schließt, Tribulus terrestris sei bei dieser Indikation wirkungslos gewesen [4]. Die Übersichtsarbeit resümiert selbst, es gebe keinen soliden Beleg dafür, dass Tribulus terrestris den Testosteronspiegel steigert, und dass Studien mit Nullbefund überwiegend keine Männer mit niedrigem Testosteron eingeschlossen hätten [2]. Insgesamt zeigt die Studienlage damit ein klassisches Beispiel für den Unterschied zwischen einer Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert und einem tatsächlichen Unterschied zur Placebogruppe.
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02
Erektile Funktion (IIEF-5-Score) beim Mann, in der methodisch besten Studie mit 1500 mg gegenüber Placebo gebessert, in einer ebenfalls verblindeten Studie mit 800 mg ohne Unterschied zu Placebo
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Die einzige Studie mit voller Punktzahl auf der Jadad-Skala fand bei 1500 mg täglich eine gegenüber Placebo gebesserte erektile Funktion, eine ebenfalls verblindete Studie mit 800 mg fand keinen Unterschied zu Placebo. Von den beiden weiteren positiven Studien hat eine überhaupt keine Vergleichsgruppe.
Ausführlicher Nachweis
Die oben beschriebene, 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit berichtet, dass die Einnahme in 3 der 5 Studien, die diesen Endpunkt erfassten, den IIEF-5-Score besserte, bei Dosen zwischen 400 und 1500 mg täglich über 4 Wochen bis 3 Monate [2]. Diese drei Studien tragen sehr unterschiedliches Gewicht. Nur eine davon ist eine mehrzentrische, doppelblinde und placebokontrollierte Studie an 172 Männern mit leichter bis mittlerer Störung, die auf der Jadad-Skala 5 von 5 Punkten erreicht [2]. Die zweite erreicht 2 Punkte, die dritte ist in der Ergebnistabelle der Übersicht als quasi-experimentell und nicht kontrolliert geführt und erreicht 0 Punkte, sie hat also gar keine Vergleichsgruppe [2]. Für beide beschreibt die Übersicht den Zuwachs als Anstieg nach der Einnahme, also als Veränderung innerhalb der Verumgruppe und nicht als Unterschied zwischen den Gruppen [2]. Für die verbleibende, methodisch beste Studie nennt die Übersichtsarbeit einen ab der vierten Behandlungswoche gesicherten Unterschied zur Placebogruppe (p gleich 0,0119), der zum Studienende weiter zunahm (p kleiner 0,0001) [2]. Zur eingesetzten Menge widerspricht sich die Übersicht selbst, ihr Diskussionsteil nennt 500 mg täglich, ihre Ergebnistabelle für dieselbe Studie 6 Tabletten zu je 250 mg, also 1500 mg täglich über 12 Wochen [2]. Ein Effektmaß mit Vertrauensintervall nennt die Übersicht für keinen der beiden Endpunkte, sie hat wegen ungleicher Datenlage bewusst keine Meta-Analyse gerechnet [2]. Diese Angaben stammen aus der Auswertung der Übersichtsarbeit über die von ihr eingeschlossenen Einzelstudien, eine eigene Prüfung der jeweiligen Primärquellen im Volltext liegt uns dazu nicht vor. Dem gegenüber steht die Studie an 30 Männern mit erektiler Dysfunktion, die bei 800 mg täglich über 30 Tage zwar in beiden Gruppen eine Verbesserung des IIEF-5-Scores über die Zeit fand (p gleich 0,0004), aber keinen Unterschied zwischen Verum- und Placebogruppe (p gleich 0,7914) [3]. Sie ist kein zweiter, unabhängiger Bestand, sondern eine der zehn eingeschlossenen Studien eben jener Übersichtsarbeit, dort als Nummer 22 geführt und mit 4 Jadad-Punkten bewertet [2] [3]. Dabei fällt eine Unstimmigkeit der Übersicht selbst auf. Ihre Ergebnistabelle hält für diese Studie ausdrücklich fest, es habe keinen Unterschied zwischen den Gruppen im IIEF-5-Score gegeben, ihr Diskussionsteil führt dieselbe Studie dagegen als bestätigenden Befund für eine Besserung an [2]. Maßgeblich ist die Tabelle, denn sie stimmt mit der Veröffentlichung der Einzelstudie überein [3]. Der Widerspruch beschränkt sich damit auf die beiden methodisch besten Studien, die 172 Männer über 12 Wochen mit 1500 mg und die 30 Männer über 4 Wochen mit 800 mg, und diese beiden kommen zu gegenteiligen Ergebnissen, was die Stufe Widersprüchlich trägt. Die fünfte Studie mit Nullbefund gehört nicht in diesen Vergleich, sie gab 12 g täglich an Männer mit zu wenigen Samenzellen und nicht an Männer mit erektiler Dysfunktion [2]. Ob Menge oder Dauer den Unterschied erklären, lässt sich aus den vorliegenden Übersichtsdaten nicht beurteilen.
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03
Samenparameter und Testosteron bei Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine kleine Studie ohne Placebo-Vergleichsgruppe fand keine Veränderung von Samenqualität oder Testosteron vor und nach der Einnahme.
Ausführlicher Nachweis
In der oben genannten 2017 veröffentlichten Studie an 30 Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit (750 mg Tribulus terrestris täglich über drei Monate) fanden sich vor und nach der Behandlung keine statistisch gesicherten Unterschiede bei Samenkonzentration, Beweglichkeit oder dem Anteil unnormal geformter Samenzellen, ebenso wenig bei Gesamt- und freiem Testosteron sowie luteinisierendem Hormon [4]. Die Studie beschreibt sich selbst als randomisiert, das verfügbare Abstract nennt aber keine gesonderte Placebogruppe, weshalb unklar bleibt, ob es sich um einen echten Gruppenvergleich oder einen reinen Vorher-Nachher-Vergleich handelt. Die Stufe bleibt deshalb bei Hinweise. Eine weitere, bei der Suche gefundene Studie zur männlichen Fruchtbarkeit prüfte Tribulus terrestris nur als Bestandteil eines Mehrstoffpräparats zusammen mit Myo-Inositol, einem Algenextrakt und einem weiteren Zusatz, ein eigener Beitrag von Tribulus terrestris lässt sich aus einem solchen Kombinationspräparat nicht herauslesen, sie wird deshalb hier nicht als Beleg gewertet.
Quellen: 4
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04
Sexuelle Funktion (FSFI- und SQ-F-Score) bei Frauen, in einer Übersichtsarbeit mit sehr niedriger Ergebnissicherheit gebessert
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Übersichtsarbeit über fünf kleine Studien fand gebesserte Werte gegenüber Placebo, stuft die Sicherheit der eigenen Ergebnisse aber selbst als sehr niedrig ein.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2020 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete 5 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit 279 Frauen zur weiblichen sexuellen Dysfunktion aus, meist mit 250 mg Tribulus terrestris dreimal täglich (750 mg pro Tag) über 90 bis 120 Tage, bei prä- und postmenopausalen Frauen [5]. Wegen fehlender Daten und klinischer Unterschiede zwischen den Studien konnte keine Meta-Analyse gerechnet werden, die Auswertung stützt sich auf einzelne Studien [5]. Prä- und postmenopausale Frauen zeigten nach 1 bis 3 Monaten Einnahme eine gegenüber Placebo gesicherte Besserung der Werte im Fragebogen zur weiblichen Sexualfunktion (FSFI) und im Score sexueller Funktion (SQ-F) [5]. Die Autorenschaft stuft die Ergebnissicherheit nach dem GRADE-Verfahren selbst als sehr niedrig ein, wegen methodischer Schwächen der Studien und geringer Fallzahlen, künftige Studien könnten diese Einschätzung nach eigener Aussage noch verändern [5]. Eine eigenständige, 2021 veröffentlichte Studie an 104 Frauen verglich zwei unterschiedliche Tribulus-terrestris-Dosierungen (94 mg dreimal täglich gegenüber 280 mg einmal täglich) ohne eigene Placebogruppe über 90 Tage und fand in beiden Dosisgruppen eine Besserung der FSFI- und SQ-F-Werte [6]. Ohne Placebogruppe lässt sich aus dieser Studie kein Beleg für einen Unterschied zu einer Nichtbehandlung ableiten, sie stützt aber die Verträglichkeit über beide Dosierungen.
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05
Gesamttestosteron bei Frauen, in einer Übersichtsarbeit je nach Menopausenstatus unterschiedlich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei prämenopausalen Frauen in einer einzelnen Studie gegenüber Placebo erhöht, bei postmenopausalen Frauen in einer anderen einzelnen Studie kein Unterschied.
Ausführlicher Nachweis
In derselben 2020 veröffentlichten Übersichtsarbeit maßen zwei der fünf eingeschlossenen Studien das Gesamttestosteron nach drei Monaten Tribulus-terrestris-Einnahme [5]. Bei einer Studie an ausschließlich postmenopausalen Frauen (46 Teilnehmerinnen) fand sich kein gesicherter Unterschied zu Placebo (mittlere Differenz 2,50 ng/dl, 95-Prozent-Intervall minus 1,79 bis 6,79) [5]. Bei einer Studie an ausschließlich prämenopausalen Frauen (40 Teilnehmerinnen) fand sich dagegen ein gegenüber Placebo gesicherter Anstieg (mittlere Differenz 6,60 ng/dl, 95-Prozent-Intervall 0,27 bis 12,93) [5]. Diese beiden Zahlen stammen aus der Datenauswertung der Übersichtsarbeit über die von ihr eingeschlossenen Einzelstudien, eine eigene Prüfung der jeweiligen Primärquellen im Volltext liegt uns dazu nicht vor. Weil die beiden Studien unterschiedliche Populationen (prä- gegenüber postmenopausal) betreffen, ist dies kein Widerspruch im Sinne von zwei gegensätzlichen Befunden an derselben Gruppe, sondern ein möglicher Unterschied nach Menopausenstatus, der aus zwei einzelnen kleinen Studien aber nicht gesichert werden kann.
Quellen: 5
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06
Muskelkraft und Körperzusammensetzung beim Krafttraining, in zwei Studien ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In zwei sauber kontrollierten Studien an trainierten Männern kein Vorteil gegenüber Placebo bei Kraft, Muskelmasse oder dem für Anti-Doping-Zwecke relevanten Testosteron-Epitestosteron-Quotienten im Urin. Beide Studien sind mit 15 und 22 Männern klein und nennen keine exakten Effektmaße.
Ausführlicher Nachweis
Eine im Jahr 2000 veröffentlichte, randomisierte Studie an 15 krafttrainierten Männern gab über 8 Wochen begleitend zu einem periodisierten Krafttraining täglich 3,21 mg Tribulus terrestris je kg Körpergewicht oder Placebo [7]. Körpergewicht, Körperfettanteil und Gesamtkörperwasser veränderten sich in keiner der Gruppen gesichert, die Muskelausdauer (maximale Wiederholungszahl bei 100 bis 200 Prozent des Körpergewichts) stieg in der Placebogruppe bei Bankdrücken und Beinpresse (je p kleiner 0,05), in der Verumgruppe nur bei der Beinpresse, nicht beim Bankdrücken [7]. Die Autorenschaft schließt, die Einnahme verbessere weder Körperzusammensetzung noch Leistungsfähigkeit bei krafttrainierten Männern [7]. Eine 2007 veröffentlichte, randomisierte, doppelblinde Studie an 22 männlichen Rugby-Profispielern gab über 5 Wochen Saisonvorbereitung täglich 450 mg Tribulus-terrestris-Extrakt oder Placebo zusätzlich zum strukturierten Krafttraining [8]. Kraft und fettfreie Körpermasse stiegen in beiden Gruppen gesichert an, ohne Unterschied zwischen den Gruppen, ebenso wenig veränderte sich das für Anti-Doping-Zwecke relevante Testosteron-Epitestosteron-Verhältnis im Urin zwischen den Gruppen [8]. Die Autorenschaft schließt ausdrücklich, Tribulus terrestris habe weder die von Herstellern beworbenen großen Kraft- und Muskelzuwächse gebracht noch das Risiko eines positiven Dopingtests über den Testosteron-Epitestosteron-Quotienten erhöht [8]. In beiden Studien wurde die Wirkung gegen Placebo geprüft und nicht gefunden, und beide Autorenschaften halten das ausdrücklich fest, deshalb die Stufe nicht bestätigt. Als Vorbehalt bleibt, dass beide Studien klein sind und keine exakten Effektmaße mit Vertrauensintervall für den Gruppenvergleich nennen.
Studien im Detail
Testosteron und sexuelle Funktion beim Mann
Die verbreitete Zuschreibung, Tribulus terrestris steigere den Testosteronspiegel, hält der Studienlage bei genauem Blick auf den Vergleich mit Placebo nicht in ihrer Breite stand. Eine 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu vermarkteten Testosteron-Boostern schließt Tribulus terrestris ausdrücklich aus dem Kreis der als wirksam oder möglicherweise wirksam eingestuften Stoffe aus, für keine der vier untersuchten Personengruppen. Eine eigenständige, 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Tribulus terrestris speziell wertete 10 klinische Studien mit 483 Teilnehmenden aus und fand in acht von zehn Studien keinen gesicherten Unterschied im Androgenprofil. Die beiden Ausnahmen betreffen ausschließlich Männer mit bereits vor der Einnahme erniedrigtem Testosteron, und der berichtete Anstieg ist nach der eigenen Einordnung der Übersichtsarbeit eine Veränderung gegenüber dem Ausgangswert und kein gesicherter Unterschied zur Placebogruppe.
Eine eigenständig im Volltext nicht, aber im Abstract geprüfte, kontrollierte Studie an Männern mit erektiler Dysfunktion und eine weitere an Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit fanden ebenfalls keinen gesicherten Unterschied beim Testosteron zwischen Verum- und Kontrollgruppe beziehungsweise vor und nach der Einnahme.
Anders sieht die Datenlage bei der erektilen Funktion selbst aus, hier ist das Bild uneinheitlich: Mehrere kleinere Studien mit Dosen zwischen 400 und 1500 mg täglich berichten eine gegenüber Placebo gebesserte erektile Funktion (gemessen mit dem IIEF-5-Fragebogen), während eine ebenso placebokontrollierte Studie mit 800 mg täglich keinen Unterschied zwischen den Gruppen fand. Ob die unterschiedliche Dosierung diesen Unterschied erklärt, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht sicher beurteilen.
Sexuelle Funktion und Testosteron bei Frauen
Eine 2020 veröffentlichte Übersichtsarbeit über fünf kleine, placebokontrollierte Studien fand bei prä- und postmenopausalen Frauen eine gegenüber Placebo gebesserte sexuelle Funktion, stuft die Sicherheit dieses Ergebnisses aber selbst als sehr niedrig ein. Beim Testosteron zeigte sich ein möglicher Unterschied nach Menopausenstatus: In einer Studie an prämenopausalen Frauen stieg das Testosteron gegenüber Placebo, in einer anderen Studie an postmenopausalen Frauen nicht. Eine dritte Studie ohne eigene Placebogruppe verglich nur zwei unterschiedliche Dosierungen und kann deshalb keinen Beleg für einen Unterschied zu einer Nichtbehandlung liefern.
Muskelkraft, Körperzusammensetzung und sportliche Leistung
Zwei ältere, sauber placebokontrollierte Studien an krafttrainierten Männern, eine davon an Rugby-Profispielern, fanden keinen Vorteil von Tribulus terrestris gegenüber Placebo bei Muskelkraft, fettfreier Körpermasse oder Körperzusammensetzung. Die Studie an den Rugby-Spielern maß zusätzlich das Testosteron-Epitestosteron-Verhältnis im Urin, ein für Anti-Doping-Zwecke wichtiger Wert, ohne Unterschied zwischen den Gruppen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den ausgewerteten Studien war die orale Einnahme von Tribulus terrestris über Zeiträume von 4 Wochen bis 3 Monaten insgesamt gut verträglich, mit vereinzelten milden Magen-Darm-Beschwerden, ohne dass eine der Studien einen gesicherten Unterschied zur Placebogruppe berichtet. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden in keiner der ausgewerteten Studien beschrieben.
Weil ein Teil der Studien einen Anstieg von Testosteron oder verwandten Hormonen bei bestimmten Personengruppen findet, auch wenn dieser Anstieg meist nicht gesichert gegenüber Placebo ist, ist bei hormonabhängigen Erkrankungen wie hormonabhängigem Brust- oder Prostatakrebs sowie bei der gleichzeitigen Einnahme hormonell wirksamer Medikamente ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sinnvoll. Eine placebokontrollierte Studie an Sportlern fand keine Veränderung des Testosteron-Epitestosteron-Verhältnisses im Urin, das für die Anti-Doping-Kontrolle relevant ist.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll. Der Saponingehalt unterschiedlicher Präparate schwankt stark, weshalb sich Ergebnisse einzelner Studien nicht ohne Weiteres auf ein anderes, anders standardisiertes Präparat übertragen lassen.
Quellen zum Nachlesen
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01
Systematische Übersichtsarbeit, 52 Studien zu 27 Stoffen, darunter 4 zu Tribulus terrestris · 2024
Do "testosterone boosters" really increase serum total testosterone? A systematic review
Morgado A, Tsampoukas G, Sokolakis I, Schoentgen N, Urkmez A, Sarikaya S. Int J Impot Res
Zur Zuschreibung: 01
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02
Systematische Übersichtsarbeit, 10 klinische Studien, n gleich 483 · 2025
Effects of Tribulus (Tribulus terrestris L.) Supplementation on Erectile Dysfunction and Testosterone Levels in Men, A Systematic Review of Clinical Trials
Vilar Neto JO, de Moraes WMAM, Pinto DV, da Silva CA, Caminha JSR, Nunes Filho JCC, Reis CEG, Prestes J, Santos HO, De Francesco Daher E. Nutrients
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03
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 30 (15 vs 15), 30 Tage, 800 mg/Tag · 2014
Tribulus terrestris versus placebo in the treatment of erectile dysfunction, a prospective, randomized, double blind study
Santos CA, Reis LO, Destro-Saade R, Luiza-Reis A, Fregonesi A. Actas Urol Esp
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04
Studie, n gleich 30, 3 Monate, 750 mg/Tag, keine gesonderte Placebogruppe im Abstract genannt · 2017
Prospective Analysis on the Effect of Botanical Medicine (Tribulus terrestris) on Serum Testosterone Level and Semen Parameters in Males with Unexplained Infertility
Roaiah MF, Elkhayat YI, Abd El Salam MA, Din SFG. J Diet Suppl
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05
Systematische Übersichtsarbeit, 5 RCTs, n gleich 279, GRADE-Zertifikat sehr niedrig · 2020
Tribulus Terrestris for Female Sexual Dysfunction, A Systematic Review
Martimbianco ALC, Pacheco RL, Vilarino FL, Latorraca COC, Torloni MR, Riera R. Rev Bras Ginecol Obstet
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06
RCT, zwei Dosisgruppen ohne Placebogruppe, n gleich 104, 90 Tage · 2021
Effect of Tribulus Terrestris in the Treatment of Female Sexual Dysfunction and Clitoral Vascularization, Results of a Randomized Study Comparing Two Different Dosage Regimes
Vale FBC, Boroni JD, Geber G, Antunes EMG, Bretas T, Lopes GP, Geber S. J Sex Marital Ther
Zur Zuschreibung: 04
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07
RCT, plazebokontrolliert, n gleich 15, 8 Wochen, 3,21 mg/kg Körpergewicht täglich · 2000
The effects of Tribulus terrestris on body composition and exercise performance in resistance-trained males
Antonio J, Uelmen J, Rodriguez R, Earnest C. Int J Sport Nutr Exerc Metab
Zur Zuschreibung: 06
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08
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 22 (11 vs 11), 5 Wochen, 450 mg/Tag · 2007
The effect of five weeks of Tribulus terrestris supplementation on muscle strength and body composition during preseason training in elite rugby league players
Rogerson S, Riches CJ, Jennings C, Weatherby RP, Meir RA, Marshall-Gradisnik SM. J Strength Cond Res
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Bei H.P.N
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