Tulsi-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Ocimum tenuiflorum (früher Ocimum sanctum) · Tulsi · Heiliges Basilikum · Ocimum sanctum · Königin der Kräuter
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus den Blättern von Ocimum tenuiflorum, im Ayurveda Tulsi oder Heiliges Basilikum genannt
- Botanische Abgrenzung
- Ocimum tenuiflorum, in älteren Arbeiten als Ocimum sanctum geführt, ist eine eigene Art. Nicht zu verwechseln mit dem Küchenbasilikum Ocimum basilicum oder mit Ocimum gratissimum
- Herkunft
- Indischer Subkontinent, in der ayurvedischen Medizin traditionell verwendet
- Wirkform in Studien
- Überwiegend ethanolische Blattextrakte. Eine ältere Studie zum Blutzucker prüfte unspezifizierte getrocknete Blätter, eine Tierstudie zur Entzündungshemmung das fette Öl statt eines Extrakts
- Übliche Studiendosis
- 300 bis 1000 mg Blattextrakt pro Tag
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Humanstudien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Aufmerksamkeit und Reaktionszeit in kognitiven Testverfahren
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Placebokontrollierte RCT mit 300 mg ethanolischem Blattextrakt täglich über 30 Tage bei gesunden Erwachsenen, 40 gesunde Erwachsene laut Einschlusstabelle der systematischen Übersicht [1], im Abstract fehlt die Zahl. Reaktionszeit und Fehlerrate im Sternberg-Test sowie Reaktionszeit und Fehlerrate im Stroop-Test verbesserten sich gegenüber Placebo, die Übersicht vermerkt den Vorsprung erst ab Tag 15. Es bleibt die einzige Humanstudie mit objektiven kognitiven Testverfahren, die Übersicht führt daneben drei weitere Arbeiten zu Neurokognition und Stimmung
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02
Subjektiv empfundener Stress und Speichel-Cortisol, zwei placebokontrollierte Studien mit gegenteiligem Ergebnis
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Zwei kleine Humanstudien mit schwacher Methodik. In der placebokontrollierten RCT (300 mg pro Tag, 30 Tage, gesunde Erwachsene) besserten sich Speichel-Cortisol und ein Angst-Fragebogen nur gegenüber dem eigenen Ausgangswert, der Unterschied zu Placebo war nicht signifikant. Eine zweite, unverblindete Studie ohne Placebogruppe an vorab ausgewählten Erwachsenen mit erhöhten Werten auf einer Angst-Ratingskala (1 g Blattextrakt täglich, 60 Tage, n gleich 35) berichtete eine Besserung auf derselben Skala, aber ohne Kontrollgruppe zum Vergleich. Dem steht eine dritte, deutlich umfangreichere Arbeit entgegen, eine doppelblinde und placebokontrollierte Studie an 150 auswertbaren Erwachsenen mit Stressbeschwerden, 1200 mg Ganzpflanzenextrakt täglich über 6 Wochen. Der Gesamtwert einer Symptom-Ratingskala sank nach 6 Wochen signifikant gegenüber Placebo, in Woche 2 und 4 bestand kein Unterschied zwischen den Gruppen. Der geprüfte Extrakt ist ein Markenextrakt seines Herstellers, drei der acht Autoren arbeiten in dessen Forschungsabteilung. Aufbau, Dosis und Herstellerbindung stehen in der Einschlusstabelle der systematischen Übersicht [1]
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03
Immunmarker im Blut nach vierwöchiger Einnahme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Doppelblinde, randomisierte Crossover-RCT mit 300 mg ethanolischem Blattextrakt täglich über 4 Wochen, 24 randomisiert, 22 ausgewertet, gesunde Erwachsene. Interferon-gamma, Interleukin-4 sowie die Anteile von T-Helferzellen und NK-Zellen im Blut stiegen gegenüber Placebo. Zwischen den beiden Phasen lag laut Einschlusstabelle der systematischen Übersicht [1] ein Wash-out von 3 Wochen, das Abstract nennt ihn nicht. Dieselbe Übersicht führt fünf Humanstudien zur Immunantwort, die übrigen vier prüften Tulsi im Riegel oder bei akuten Infektionen und nicht als alleinige Gabe an Immunmarkern im Blut
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04
Nüchtern- und postprandialer Blutzucker, beim Gesamtcholesterin nur eine Veränderung innerhalb der Verumphase ohne Zahl und ohne Placebovergleich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Randomisierte, placebokontrollierte Crossover-Studie, einfachblind, an Menschen mit erhöhtem Nüchtern- und postprandialem Blutzucker unter fortgeführter Ernährungstherapie. Der Nüchternblutzucker sank gegenüber Placebo-Blättern um 21,0 mg/dl (Konfidenzintervall minus 31,4 bis minus 11,2), der postprandiale Wert um 15,8 mg/dl. Das Gesamtcholesterin sank nur innerhalb der Verumphase, ohne Zahl und ohne Vergleich gegen Placebo. Die im Abstract fehlenden Angaben nennt die Einschlusstabelle der systematischen Übersicht [1], 40 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes im Alter von 41 bis 65 Jahren, 2,5 g Blattpulver täglich morgens vor dem Essen, 5 Wochen je Phase mit 5 Tagen Wash-out, als Placebo 2,5 g Spinatblattpulver. Dieselbe Übersicht führt acht Humanstudien zum Blutzucker und vergibt dieser hier die niedrigste Stufe ihrer eigenen Bewertungsskala. Zwei der acht prüften Tulsi nicht allein, sondern zusammen mit Neem beziehungsweise mit einem blutzuckersenkenden Arzneimittel
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05
Entzündungshemmende Wirkung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Am Menschen nicht geprüft. Im Rattenmodell hemmte das fette Öl aus Ocimum sanctum, nicht ein Blattextrakt, Pfotenödeme nach mehreren Entzündungsreizen sowie durch Arachidonsäure und Leukotriene ausgelöste Ödeme
Quellen: 6
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06
Antioxidative Wirkung im Körper
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Am Menschen nicht geprüft. Bei Ratten unter Lärmbelastung senkte ein ethanolischer Extrakt oxidativen Stress im Gehirngewebe, gemessen an Superoxiddismutase, Katalase, Glutathionperoxidase und Lipidperoxidation
Quellen: 7
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07
Antimikrobielle und antivirale Wirkung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Am Menschen nicht geprüft. Ein ethanolischer Extrakt hemmte im Reagenzglas zwei Bakterienarten der Mundflora, bei 8 Prozent Konzentration vergleichbar mit Chlorhexidin. Gegen ein Denguevirus in Zellkultur zeigte ein methanolischer Extrakt dagegen nur eine geringe Wirkung, die im empfindlicheren Zellviabilitätstest nicht bestätigt wurde
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08
Magenschleimhaut und Verdauung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Am Menschen nicht geprüft. In mehreren Ratten- und Meerschweinchen-Modellen für Magengeschwüre senkte eine Zubereitung aus Ocimum sanctum (100 mg/kg) die Geschwürhäufigkeit und förderte die Abheilung bestehender Geschwüre
Quellen: 9
Tulsi wird verbreitet als Adaptogen bei Stress und zur Unterstützung des Blutzuckerstoffwechsels beworben, dazu als entzündungshemmend, antioxidativ und antimikrobiell. Eine systematische Übersicht identifizierte 2017 insgesamt 24 Humanstudien zu Tulsi aus den Bereichen Stoffwechsel, Herz-Kreislauf, Immunfunktion und Neurokognition, ohne diese Studien statistisch zu einer gemeinsamen Kennzahl zusammenzufassen [1]. Die Einzelstudien, die wir für diesen Eintrag selbst geprüft haben, sind überwiegend klein, methodisch begrenzt und stammen mit einer Ausnahme (Nepal) sämtlich aus Indien, meist aus akademischen Zentren in Delhi, Kolkata oder Bhubaneswar. Zwei dieser Studien, Quelle [2] und Quelle [4], teilen sich zwei Autoren, darunter den Seniorautor, und stammen damit aus derselben Arbeitsgruppe. Drei der Zeilen mit der Stufe Hinweise ruhen also teilweise auf den Arbeiten einer einzigen Gruppe. Die zitierte Übersicht [1] ist zudem nicht unabhängig, einer ihrer beiden Autoren wird von einem Tulsi-Hersteller als Berater vergütet. Für die am häufigsten genannten Eigenschaften, Entzündungshemmung, Antioxidation und antimikrobielle Wirkung, liegen bislang ausschließlich Labor- und Tierdaten vor.
Studien im Detail
Kognition und subjektiv empfundener Stress
Sampath und Kollegen prüften 2015 in einer placebokontrollierten Studie 300 mg eines ethanolischen Blattextrakts täglich über 30 Tage bei gesunden Erwachsenen, das Abstract nennt keine Teilnehmerzahl. Gegenüber Placebo verbesserten sich Reaktionszeit und Fehlerrate im Sternberg-Test und im Stroop-Test [2]. Bei Speichel-Cortisol und einem Angst-Fragebogen (State-Trait Anxiety Inventory) zeigte sich eine Verbesserung nur innerhalb der Extrakt-Gruppe gegenüber deren eigenem Ausgangswert, der Unterschied zur Placebogruppe war für diese beiden Werte nicht signifikant. Gesucht wurde zusätzlich mit den PubMed-Suchbegriffen "Ocimum sanctum" "cognitive" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) und "holy basil" "cognitive" (ohne Beschränkung auf Humanstudien), ohne eine zweite placebokontrollierte Humanstudie zu diesem Endpunkt zu finden.
Bhattacharyya und Kollegen behandelten 2008 vorab ausgewählte Erwachsene mit erhöhten Werten auf einer Angst-Ratingskala mit 500 mg Blattextrakt zweimal täglich (1 g pro Tag) über 60 Tage. Die Werte auf derselben Skala besserten sich über den Studienzeitraum. Das Abstract nennt weder eine Randomisierung noch eine Verblindung noch eine Placebogruppe, es handelt sich um einen Vorher-Nachher-Vergleich an 35 Personen ohne Kontrollarm [3].
Immunmarker
Mondal und Kollegen prüften 2011 in einer doppelblinden, randomisierten Crossover-Studie 300 mg ethanolischen Blattextrakt täglich über 4 Wochen bei 24 randomisierten, 22 ausgewerteten gesunden Erwachsenen. Gegenüber Placebo stiegen Interferon-gamma, Interleukin-4 sowie die Anteile von T-Helferzellen und NK-Zellen im Blut [4]. Gemessen wurden Immunzellen und Botenstoffe im Blut, kein klinischer Infektionsendpunkt. Ein Wash-out zwischen den beiden Studienphasen nennt das Abstract nicht, die Einschlusstabelle der systematischen Übersicht [1] gibt ihn mit 3 Wochen an. Der früher an dieser Stelle vermerkte methodische Vorbehalt entfällt damit.
Blutzucker und Cholesterin
Agrawal und Kollegen prüften 1996 in einer randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Studie (einfachblind) Menschen mit erhöhtem Nüchtern- und postprandialem Blutzucker unter fortgeführter Ernährungstherapie. Unter der Gabe von Blättern von Holy Basil sank der Nüchternblutzucker gegenüber der Placebo-Phase um 21,0 mg/dl (Konfidenzintervall minus 31,4 bis minus 11,2, p kleiner 0,001), der postprandiale Wert um 15,8 mg/dl [5]. Das Gesamtcholesterin sank ebenfalls, allerdings nur innerhalb der Verumphase, ohne Zahl und ohne Vergleich gegen Placebo. Dosis und Teilnehmerzahl fehlen im Abstract, die Einschlusstabelle der systematischen Übersicht [1] nennt 40 Erwachsene und 2,5 g Blattpulver täglich über 5 Wochen je Phase, als Placebo 2,5 g Spinatblattpulver. Die im Abstract vorab genannten Tierdaten zu Ocimum sanctum und zu einer als Ocimum album bezeichneten Art betreffen die Vorstudien an Ratten, nicht den Humanteil. Die systematische Übersicht [1] führt den Humanteil als Blattpulver von Tulsi. Die frühere Unsicherheit über die verwendete Art ist damit ausgeräumt.
Tier- und Laborstudien
Für Entzündungshemmung, antioxidative und antimikrobielle beziehungsweise antivirale Wirkung liegen ausschließlich Labor- und Tierdaten vor.
Im Rattenmodell hemmte das fette Öl aus Ocimum sanctum, eine andere Zubereitung als ein Blattextrakt, Pfotenödeme nach mehreren Entzündungsreizen sowie durch Arachidonsäure und Leukotriene ausgelöste Ödeme [6]. Bei Ratten unter Lärmbelastung senkte ein ethanolischer Extrakt oxidative Marker im Gehirngewebe [7]. Im Reagenzglas hemmte ein ethanolischer Extrakt zwei Bakterienarten der Mundflora bei 8 Prozent Konzentration vergleichbar mit Chlorhexidin [8]. Gegen ein Denguevirus in Zellkultur zeigte ein methanolischer Extrakt dagegen nur eine geringe Wirkung, die im empfindlicheren Zellviabilitätstest nicht bestätigt wurde [10]. In mehreren Ratten- und Meerschweinchen-Modellen für Magengeschwüre senkte eine Zubereitung aus Ocimum sanctum die Geschwürhäufigkeit und förderte die Abheilung bestehender Geschwüre [9].
Aus all diesen Ergebnissen folgt keine Aussage über die Wirkung beim Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den ausgewerteten Humanstudien wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Die Studie zum Blutzucker zeigte eine deutliche Senkung von Nüchtern- und postprandialem Blutzucker gegenüber Placebo [5]. Wer blutzuckersenkende Medikamente einnimmt, sollte diesen Effekt mitdenken. Eine eigene, über diese eine Studie hinausgehende Interaktionsrecherche liegt uns nicht vor.
Quellen zum Nachlesen
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- 09
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Bei H.P.N
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