Yerba-Mate-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Ilex paraguariensis A.St.-Hil., Familie Aquifoliaceae · Mate-Extrakt · Ilex Paraguariensis Extrakt · Paraguay-Tee-Extrakt · Yerba Mate

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 7 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt aus den getrockneten Blättern von Ilex paraguariensis, reich an Chlorogensäuren (Caffeoylchinasäuren), Flavonoiden, Saponinen sowie den Methylxanthinen Koffein und Theobromin
Herkunft
Ein Strauch, der in Argentinien, Paraguay, Uruguay und Süd-Brasilien wächst. Traditionell als heißer Aufguss (Mate-Tee) konsumiert, die Blätter werden dafür meist über offenem Feuer oder Rauch getrocknet
Wirkform in Studien
Meist als Extrakt in Kapseln oder als zubereiteter Tee, mit unterschiedlichem und selten vollständig angegebenem Koffeingehalt. Ein wiederkehrendes methodisches Problem, die Kontrollgruppe war in mehreren Studien keine koffeingleiche Vergleichsgruppe, sondern ein koffeinfreies Placebo oder ein anderer Tee, sodass sich eine gefundene Wirkung nicht in jedem Fall von einer reinen Koffeinwirkung trennen lässt
Übliche Studiendosis
1 bis 3 g Extrakt oder Teeblätter täglich beziehungsweise als Aufguss über 4 Wochen bis 3 Monate in den meisten Humanstudien, mit Koffeinmengen zwischen etwa 30 und 66 mg täglich, wo angegeben, das entspricht ungefähr einer Tasse bis eineinhalb Tassen Filterkaffee
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung als Nationalgetränk in mehreren südamerikanischen Ländern sowie die Vermarktung als koffeinhaltiger Wachmacher und Fatburner
Verträglichkeit
In den ausgewerteten Studien überwiegend gut vertragen. Berichtete Nebenwirkungen waren Schleimhautreizungen, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Angina-pectoris-Beschwerden, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden, am ehesten dem Koffeingehalt zuzuschreiben

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Nüchtern- und postprandialer Blutzucker, HbA1c und Insulinresistenz (HOMA-Index) bei Prädiabetes, in einer Meta-Analyse gesenkt, von der Übersichtsarbeit selbst auf den Koffeingehalt zurückgeführt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse fand bei Menschen mit Prädiabetes gesenkte Werte, gestützt auf jeweils nur zwei Studien und mit niedriger Ergebnissicherheit. Die Übersichtsarbeit selbst vermutet, der Effekt gehe eher auf den Koffeingehalt als auf Yerba Mate im Speziellen zurück.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wertete 13 randomisierte kontrollierte Studien zu Yerba Mate und Stoffwechselgesundheit aus, mit Vergleichsgruppen aus Placebo, Wasser oder anderen Ernährungsinterventionen [1]. Bei Menschen mit Prädiabetes sanken gegenüber Kontrolle der postprandiale Blutzucker (mittlere Differenz minus 12,76 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 16,78 bis minus 8,74, 2 Studien), HbA1c (minus 0,37 Prozentpunkte, 95-Prozent-Intervall minus 0,56 bis minus 0,18, 2 Studien) und der HOMA-Index für Insulinresistenz (minus 0,24, 95-Prozent-Intervall minus 0,37 bis minus 0,11, 2 Studien) [1]. Die Ergebnissicherheit nach dem GRADE-Verfahren stuft die Arbeit für postprandialen Blutzucker und HbA1c als niedrig ein, wegen Uneinheitlichkeit zwischen den Studien und, bei HbA1c und dem HOMA-Index, wegen des Verdachts auf Publikationsverzerrung, da mehr als die Hälfte der einschlägigen Studien von derselben Arbeitsgruppe stammt [1]. In ihrer Einleitung schreibt die Autorenschaft ausdrücklich, sie vermute, dass die berichteten Effekte auf den postprandialen Blutzucker und HbA1c eher dem psychostimulierenden Effekt der enthaltenen Methylxanthine (Koffein, Theobromin) zuzuschreiben seien als einer spezifischen Wirkung von Yerba Mate [1]. Berichtete Nebenwirkungen in den eingeschlossenen Studien umfassten Schleimhautreizungen, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Angina-pectoris-Beschwerden, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden [1].

    Quellen: 1

  2. 02

    Blutfette (Gesamtcholesterin, Triglyceride, HDL- und LDL-Cholesterin), Nüchternblutzucker und -insulin bei Erwachsenen insgesamt, in der Gesamtauswertung einer Meta-Analyse ohne Unterschied zu Kontrolle

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In der Gesamtauswertung über alle eingeschlossenen Studien kein gesicherter Unterschied zu Kontrolle. Die Meta-Analyse stuft ihre eigene Ergebnissicherheit für Gesamtcholesterin, Triglyzeride, LDL-Cholesterin und Nüchternblutzucker als niedrig ein, wegen Uneinheitlichkeit und weiter Vertrauensintervalle. Eine der beiden Einzelstudien fand für LDL-Cholesterin dagegen einen gesicherten Behandlungseffekt, sie stützt den Nullbefund für diesen Endpunkt also nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Meta-Analyse fand sich über die Gesamtheit der eingeschlossenen Studien kein gesicherter Unterschied zu Kontrolle bei Gesamtcholesterin (mittlere Differenz minus 3,97 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 12,06 bis 4,12), Triglyzeriden (minus 6,30 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 14,02 bis 1,42), HDL-Cholesterin (plus 0,34 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 0,50 bis 1,17), LDL-Cholesterin (minus 3,68 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 10,63 bis 3,26), Nüchternblutzucker (minus 1,46 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 7,53 bis 4,62) oder Nüchterninsulin (minus 0,04, 95-Prozent-Intervall minus 0,78 bis 0,70) [1]. Eine 2025 veröffentlichte, randomisierte, kontrollierte Cross-over-Studie an 25 normo- und 27 hypercholesterinämischen, nicht an Mate gewöhnten Erwachsenen verglich über 8 Wochen drei tägliche Portionen Mate-Tee (insgesamt rund 666 mg Polyphenole und 66,1 mg Koffein pro Tag) mit einem koffeinfreien isotonischen Getränk [2]. Bei den normocholesterinämischen Teilnehmenden lag das LDL-Cholesterin nach der Mate-Phase niedriger als nach der Kontrollphase (82,1 gegenüber 89,5 mg/dl), bei den hypercholesterinämischen Teilnehmenden senkte die Kontrollintervention die Blutfette dagegen vergleichbar stark wie Mate, was die Studie selbst als unspezifischen Effekt der Studienteilnahme statt als gezielte Wirkung von Yerba Mate wertet [2]. Über beide Gruppen hinweg weist das gemischte Modell dieser Studie für LDL-Cholesterin (p gleich 0,001), Gesamtcholesterin (p kleiner 0,001) und Triglyzeride (p gleich 0,027) einen gesicherten Behandlungseffekt aus, für diese drei Endpunkte stützt sie den Nullbefund der Meta-Analyse also nicht [2]. Eine 2020 veröffentlichte, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie an 34 Männern mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko gab über 4 Wochen einen Mate-Extrakt mit 580 mg Chlorogensäure-Derivaten täglich oder Placebo und fand keinen gesicherten Behandlungseffekt auf Blutdruck, Blutzucker, Blutfette sowie endotheliale und entzündliche Marker, ein gesenkter Nüchternblutzucker zeigte sich dort nur innerhalb der Mate-Gruppe zwischen Tag 0 und Tag 28, nicht als gesicherter Unterschied zur Placebogruppe [3]. Der Nullbefund für die Gesamtheit der Erwachsenen stützt sich damit auf die Meta-Analyse und die Studie an Männern mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, während die spanische Cross-over-Studie für die Blutfette in dieselbe Richtung wie ein Wirknachweis zeigt.

    Quellen: 1, 2, 3

  3. 03

    Triglyceride bei Menschen mit bereits gestörten Blutfettwerten, in einer Untergruppenauswertung derselben Meta-Analyse gesenkt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur in der Untergruppe von Menschen mit bereits gestörten Blutfettwerten gesenkt, in der Gesamtauswertung aller Erwachsenen dagegen nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Meta-Analyse fand die nach Studienpopulation getrennte Untergruppenauswertung bei Menschen mit bereits gestörten Blutfettwerten eine gesicherte Senkung der Triglyzeride (mittlere Differenz minus 15,34 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 20,37 bis minus 10,31, I-Quadrat 0 Prozent, 5 Studien) [1]. In einer nach Darreichungsform getrennten Untergruppenauswertung war der Effekt für Extrakte ebenfalls gesichert (minus 9,75 mg/dl, 95-Prozent-Intervall minus 17,60 bis minus 1,91, 7 Studien) [1]. Dieser Untergruppenbefund widerspricht nicht der in der Gesamtauswertung gefundenen fehlenden Wirkung, siehe eigene Zeile, sondern deutet auf einen möglichen Unterschied je nach Ausgangswert der Blutfette hin, der aus einzelnen Untergruppenanalysen mit teils nur fünf Studien aber nicht als gesichert gelten kann.

    Quellen: 1

  4. 04

    Body-Mass-Index (BMI) und Körpergewicht, ohne Unterschied zu Kontrolle

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Beim BMI kein Unterschied zu Kontrolle, in einer weiteren Studie auch keine Veränderung des Körpergewichts.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Meta-Analyse fand sich für den BMI über 7 Studien kein gesicherter Unterschied zu Kontrolle (mittlere Differenz minus 0,17 kg/m², 95-Prozent-Intervall minus 0,36 bis 0,02) [1]. In der oben beschriebenen, koffeinfrei kontrollierten Cross-over-Studie veränderte sich das Gesamtkörpergewicht in keiner der beiden Gruppen [2].

    Quellen: 1, 2

  5. 05

    Taillenumfang, in einer Meta-Analyse über 8 Studien, mit widersprüchlichen Angaben zwischen Fließtext und Ergebnistabelle derselben Arbeit

    Studienlage offen
    Einordnung und Einschränkungen

    Fließtext, Kurzfassung, Ergebnisabbildung und Schlussfolgerung derselben Arbeit nennen übereinstimmend keinen Unterschied zu Kontrolle. Ihre eigene Ergebnistabelle nennt für denselben Endpunkt aber ein Effektmaß mit einem Intervall, das die Null nicht einschließt, und widerspricht damit den vier übrigen Stellen. Dieser Widerspruch innerhalb derselben Quelle lässt sich ohne weitere Recherche nicht auflösen, die Frage bleibt offen.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Meta-Analyse schreibt die Arbeit im Fließtext ausdrücklich, für den Taillenumfang habe sich kein gesicherter Unterschied zu Kontrolle gezeigt [1]. In ihrer eigenen Ergebnistabelle nennt sie für denselben Endpunkt aber ein Effektmaß von minus 0,48 cm mit einem 95-Prozent-Intervall von minus 1,22 bis minus 0,26 über 8 Studien, ein Intervall, das rechnerisch keinen Unterschied einschließt und damit für einen kleinen, gesicherten Effekt spräche [1]. Dieser Widerspruch zwischen Fließtext und Ergebnistabelle derselben Arbeit lässt sich aus der verfügbaren Quelle nicht auflösen, die Frage bleibt deshalb offen. In der oben beschriebenen, koffeinfrei kontrollierten Cross-over-Studie sank der Körperfettanteil nur bei den gesunden, normocholesterinämischen Teilnehmenden [2].

    Quellen: 1, 2

  6. 06

    Blutdruck in einer koffeinfrei kontrollierten Cross-over-Studie gesenkt, mit einem in der Kontrollgruppe teils vergleichbaren Effekt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Systolischer und diastolischer Blutdruck sanken unter Mate gesichert, in der Untergruppe mit erhöhten Blutfetten senkte aber auch die koffeinfreie Kontrollgetränk-Gruppe den Blutdruck, wenn auch schwächer.

    Ausführlicher Nachweis

    In der oben beschriebenen, 2025 veröffentlichten Cross-over-Studie an 25 normo- und 27 hypercholesterinämischen Erwachsenen wies das gemischte Modell für systolischen und diastolischen Blutdruck einen gesicherten Behandlungseffekt aus (jeweils p kleiner 0,001), und bei den hypercholesterinämischen Teilnehmenden lag der Blutdruck nach der Mate-Phase auch gegenüber der Kontrollphase gesichert niedriger [2]. Die oft zitierten minus 8,2 mmHg systolisch und minus 6,6 mmHg diastolisch sind dagegen der Abstand zum eigenen Ausgangswert dieser Gruppe und nicht der Abstand zur Kontrollintervention [2]. Bei diesen Teilnehmenden senkte auch das koffeinfreie Kontrollgetränk den Blutdruck, im Mittel um 3,4 mmHg, also schwächer als unter Mate, aber ebenfalls in dieselbe Richtung [2]. Die Herzfrequenz veränderte sich in keiner der beiden Gruppen [2]. Weil ein Teil des Effekts auch in der koffeinfreien Kontrollgruppe auftrat, lässt sich der beobachtete Blutdruckabfall nicht vollständig auf Mate zurückführen, ein Teil könnte auf die Studienteilnahme selbst oder auf Verhaltensänderungen während der Studie zurückgehen.

    Quellen: 2

  7. 07

    Fettoxidation, Sättigungsgefühl, Stimmung und Konzentration bei akuter Einnahme, im Vergleich zu einer nicht koffeinfreien Placebo-Kontrolle

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen Studie bei akuter Einnahme vor Belastung verbessert. Das Placebo war eine leere Kapsel und nicht koffeinfrei standardisiert, ein Koffeineffekt lässt sich deshalb nicht ausschließen.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2017 veröffentlichte, randomisierte Studie im Cross-over-Design gab 12 gesunden, aktiven Frauen einmalig 2 g Yerba-Mate-Extrakt (4 Kapseln zu je 500 mg, mit einem zertifizierten Koffeingehalt von etwa 1,5 Prozent des Pflanzenmaterials, also rund 30 mg Koffein) oder eine leere Placebo-Kapsel, gefolgt von 120 Minuten Ruhe und 30 Minuten moderatem Radfahren [4]. Unter Yerba Mate war die Fettsäureoxidation während der Belastung höher als unter Placebo (0,21 gegenüber 0,17 g pro Minute, p kleiner 0,05), Hungergefühl und Appetit auf der visuellen Analogskala waren geringer (p kleiner 0,05), und die mit einem Stimmungsfragebogen gemessenen Werte für Fokus, Energie und Konzentration waren höher (p kleiner 0,05) [4]. Die Teilnehmerinnen hatten vor der Studie mindestens sieben Tage auf Koffein verzichtet, sodass schon eine geringe Koffeinmenge eine messbare Wirkung haben kann [4]. Das Placebo bestand aus einer leeren Kapsel ohne koffeingleichen Vergleichsstoff, ein eigener Beitrag von Yerba Mate über seinen Koffeingehalt hinaus lässt sich aus dieser Studie deshalb nicht sauber isolieren. Die Studie prüfte außerdem nur eine einzelne, akute Gabe an einer kleinen Stichprobe von 12 Frauen.

    Quellen: 4

Studien im Detail

Der Koffeingehalt als zentrale Einordnungsfrage

Die Wirkung von Yerba-Mate-Extrakt lässt sich in vielen der vorliegenden Studien nicht sauber von seinem Koffeingehalt trennen. Yerba Mate enthält neben Chlorogensäuren und Flavonoiden auch Koffein und Theobromin, in Mengen, die zwischen den Studien stark schwanken und oft gar nicht angegeben werden. Mehrere Kontrollgruppen bestanden aus einer leeren Placebo-Kapsel oder einem koffeinfreien Getränk, was einen echten Gruppenvergleich erlaubt, aber offenlässt, ob eine gefundene Wirkung an Yerba Mate im Speziellen liegt oder an seinem, teils geringen, Koffeingehalt. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse zu Blutzucker und Stoffwechselgesundheit schreibt in ihrer eigenen Einleitung ausdrücklich, sie vermute, positive Effekte auf den Blutzucker seien eher dem psychostimulierenden Effekt der enthaltenen Methylxanthine zuzuschreiben als einer spezifischen Wirkung von Yerba Mate.

Blutzucker, Insulinresistenz und Blutfette

Dieselbe Meta-Analyse über 13 randomisierte Studien fand bei Menschen mit Prädiabetes gesenkte Werte bei postprandialem Blutzucker, HbA1c und dem HOMA-Index für Insulinresistenz, gestützt jeweils nur auf zwei Studien und mit niedriger bis mittlerer Ergebnissicherheit. Über die Gesamtheit aller eingeschlossenen Erwachsenen fand sich dagegen für Gesamtcholesterin, Triglyzeride, HDL- und LDL-Cholesterin, Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin kein gesicherter Unterschied zu Kontrolle. Nur in der Untergruppe von Menschen mit bereits gestörten Blutfettwerten waren die Triglyzeride gesenkt.

Zwei unabhängige, placebokontrollierte Studien stützen dieses insgesamt zurückhaltende Bild. Eine koffeinfrei kontrollierte Cross-over-Studie fand eine LDL-Senkung bei gesunden Normalgewichtigen, aber einen in der Kontrollgruppe vergleichbar starken Effekt bei Menschen mit erhöhten Blutfetten, was für einen unspezifischen Effekt der Studienteilnahme statt für eine gezielte Wirkung von Yerba Mate spricht. Eine weitere, placebokontrollierte Studie an Männern mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko fand keinen gesicherten Behandlungseffekt auf Blutzucker oder Blutfette, ein gesenkter Blutzucker zeigte sich dort nur als Veränderung innerhalb der Mate-Gruppe gegenüber ihrem eigenen Ausgangswert.

Blutdruck

Die koffeinfrei kontrollierte Cross-over-Studie fand eine gesicherte Senkung von systolischem und diastolischem Blutdruck unter Mate, am deutlichsten bei Menschen mit erhöhten Blutfetten. Bei diesen Teilnehmenden sank der Blutdruck aber auch in der Kontrollgruppe, wenn auch schwächer, was den beobachteten Effekt nicht vollständig auf Yerba Mate allein zurückführen lässt.

Fettoxidation, Sättigung und Stimmung bei akuter Einnahme

Eine kleine Studie an aktiven Frauen fand nach einer einzelnen Gabe von 2 g Yerba-Mate-Extrakt vor moderater Belastung eine höhere Fettsäureoxidation, weniger Hungergefühl und bessere Werte für Fokus, Energie und Konzentration im Vergleich zu einer leeren Placebo-Kapsel. Weil das Placebo nicht koffeingleich war und die Teilnehmerinnen zuvor eine Koffein-Karenz eingehalten hatten, lässt sich nicht ausschließen, dass der im Extrakt enthaltene, geringe Koffeingehalt von rund 30 mg für einen Teil dieser Effekte verantwortlich ist.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Die in den ausgewerteten Studien berichteten Nebenwirkungen, Schleimhautreizungen, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Angina-pectoris-Beschwerden, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden, entsprechen dem Nebenwirkungsbild von Koffein und Methylxanthinen und sind vermutlich vor allem darauf zurückzuführen. Bei Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Schlafstörungen oder einer Empfindlichkeit gegenüber Koffein ist deshalb Vorsicht angebracht, ebenso bei gleichzeitigem Konsum weiterer koffeinhaltiger Getränke oder Nahrungsergänzungsmittel, um eine zu hohe Gesamt-Koffeinmenge zu vermeiden.

Getrocknete Mate-Blätter werden traditionell über offenem Feuer oder Rauch getrocknet, was zu einer Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) führen kann. Eine 2019 veröffentlichte Übersichtsarbeit über zehn Originalarbeiten zu PAK-Gehalten in Mate fand in den meisten der ausgewerteten Analysen kommerzieller Mate-Proben einen Gehalt von über 25 Nanogramm Benzo[a]pyren je Gramm, in einzelnen Proben bis zu 600 Nanogramm je Gramm [5]. Wie viel davon tatsächlich aus dem getrockneten Blattmaterial in ein wässriges Getränk oder einen Extrakt übergeht, schwankte in den von dieser Übersichtsarbeit ausgewerteten Studien stark, zwischen 1 und 50 Prozent, je nach Methode [5]. Der in epidemiologischen Studien beobachtete Zusammenhang zwischen gewohnheitsmäßigem Mate-Konsum und einem erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs wird in der Fachliteratur sowohl auf die hohe Trinktemperatur als auch auf solche Verunreinigungen zurückgeführt, ohne dass die Übersichtsarbeit diese beiden Erklärungen sauber trennen kann [5]. Weil die Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bereits beim Trocknen der Blätter entsteht, betrifft die Frage nach ihrem Gehalt grundsätzlich auch ein aus diesen Blättern hergestelltes Extrakt-Präparat und nicht nur den heiß getrunkenen Tee, auch wenn uns dazu keine eigene Studie zu einem konkreten Extrakt-Präparat vorliegt [5]. Die Trinktemperatur selbst ist bei einer Nahrungsergänzung in Kapsel- oder Pulverform ohnehin nicht relevant.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, wegen des Koffeingehalts ist eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 13 RCTs · 2025

    Yerba Maté and its impact on glycemic control and metabolic health, a systematic review and meta-analysis

    Li D, Yue L, Peng X, Chen L, Lin T, Huang L, Liu Y, Yue J, Huang X. Front Endocrinol (Lausanne)

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05

  2. 02

    RCT, Cross-over, kontrolliert (koffeinfreies isotonisches Getränk), n gleich 52 (25 normo- und 27 hypercholesterinämisch), 8 Wochen · 2025

    Yerba Mate (Ilex paraguariensis St. Hill.) Tea May Have Cardiometabolic Beneficial Effects in Healthy and At-Risk Subjects, A Randomized, Controlled, Blind, Crossover Trial in Nonhabitual Consumers

    Bravo L, Martínez-López S, Sierra-Cinos JL, Mateos R, Sarriá B. Mol Nutr Food Res

    Zur Zuschreibung: 02, 04, 05, 06

  3. 03

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 34, 4 Wochen, 580 mg Chlorogensäure-Derivate/Tag · 2020

    A Randomized Crossover Intervention Study on the Effect a Standardized Maté Extract (Ilex paraguariensis A. St.-Hil.) in Men Predisposed to Cardiovascular Risk

    Gebara KS, Gasparotto Junior A, Palozi RAC, Morand C, Bonetti CI, Gozzi PT, de Mello MRF, Costa TA, Cardozo Junior EL. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 02

  4. 04

    RCT, Cross-over, n gleich 12, akute Einzeldosis 2 g · 2017

    Yerba Maté (Ilex paraguariensis) Metabolic, Satiety, and Mood State Effects at Rest and during Prolonged Exercise

    Alkhatib A, Atcheson R. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 07

  5. 05

    Narrative Übersichtsarbeit über 10 Originalarbeiten zu PAK-Gehalten in Mate · 2019

    Polycyclic aromatic hydrocarbons as a potential source of carcinogenicity of mate

    Oranuba E, Deng H, Peng J, Dawsey SM, Kamangar F. J Environ Sci Health C Environ Carcinog Ecotoxicol Rev

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