Akazienfaser (FIBREGUM B)
Zuletzt geprüft am
Ballaststoffe
Acacia senegal (Synonym Senegalia senegal) · Gummi arabicum · Akaziengummi · Gum Arabic · Acacia Gum · E 414
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein wasserlösliches, verzweigtes Polysaccharid aus dem getrockneten Exsudat von Akazienbäumen, botanisch Gummi arabicum genannt. Im Unterschied zu vielen anderen Ballaststoffen ist es kaum viskos und quillt in Wasser nicht auf
- Herkunft
- Ausgehärteter Pflanzensaft von Acacia senegal und verwandten Akazienarten, überwiegend aus dem Sahel-Gürtel, Sudan ist der weltweit größte Produzent. FIBREGUM B ist ein von der Firma Nexira aufbereiteter und standardisierter Markenrohstoff auf dieser Basis
- Wirkform in Studien
- Fast alle zitierten Humanstudien setzen nicht standardisiertes oder unter anderen Handelsnamen geführtes Akaziengummi ein, etwa EmulGold, PreVitae oder direkt von einem sudanesischen Hersteller bezogenes Rohgummi. Keine der unten aufgeführten Humanstudien hat FIBREGUM B selbst geprüft, das wird bei den einzelnen Wirkungen benannt, wo es für die Bewertung von Bedeutung ist
- Übliche Studiendosis
- In den Humanstudien meist 5 bis 40 Gramm pro Tag, teils als Einzeldosis, teils über mehrere Wochen. Eine EFSA-Bewertung zur Lebensmittelsicherheit hält eine tägliche Aufnahme von bis zu 30 Gramm über bis zu 18 Tage für gut verträglich.
- Rechtlicher Status
- Keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Die EFSA hat 2011 mehrere Angaben zu Akaziengummi nach Artikel 13 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 bewertet, unter anderem zu Darmflora, kurzkettigen Fettsäuren, Darmfunktion, Verdauungsbeschwerden und LDL-Cholesterin. Keine dieser Angaben erscheint in der abschließenden Liste zugelassener Angaben, siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen für die Einordnung dieses Befunds
- Sicherheitshinweis
- Bei hohen Einzeldosen und bei raschem Dosisaufbau vermehrt Blähungen, Völlegefühl und in einer Studie bei 90 Prozent der Teilnehmerinnen milder Durchfall in der ersten Woche, siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Bifidobakterien und Laktobazillen im Stuhl (präbiotische Wirkung, Laborwert)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine offene Dosis-Eskalationsstudie an gesunden Erwachsenen (5, 10, 20, 40 Gramm Akaziengummi täglich über bis zu 4 Wochen, Negativkontrolle Wasser, Positivkontrolle 10 Gramm Inulin, Erstautorin zum Studienzeitpunkt am Nutrition Technical Center des Faserherstellers Kerry beschäftigt) fand nach 4 Wochen gegenüber der Wasser-Kontrolle höhere Bifidobakterien- und Laktobazillenzahlen im Stuhl, mit einem optimalen Dosisbereich um 10 Gramm, bei dem auch Bacteroides höher lag als unter Inulin. Weder Teilnehmerzahl noch p-Werte oder Konfidenzintervalle sind im Abstract genannt. Eine neuere, unabhängig finanzierte doppelblinde Cross-over-Studie (n gleich 65, 12 Wochen Akaziengummi und Karottenpulver kombiniert gegenüber Placebo) fand zwar eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora (Beta-Diversität p kleiner 0,001) bei gleichzeitig niedrigerer Alpha-Diversität unter der Fasermischung (p gleich 0,002 nach 4, 0,012 nach 8 und 0,031 nach 12 Wochen), aber keinen Unterschied bei den kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl und keinen Effekt auf die vorab festgelegten klinischen Endpunkte Entzündungs- und Stoffwechsel-Resilienz (p gleich 0,605 beziehungsweise 0,485). Diese zweite Studie prüft Akaziengummi nicht allein, sondern in Kombination mit Karottenpulver. Beide Studien messen ausschließlich Laborwerte im Stuhl beziehungsweise die Zusammensetzung der Darmflora, keine von Teilnehmenden bemerkte Wirkung
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02
Sättigungsgefühl und Kalorienaufnahme nach einer Testmahlzeit (selbstberichtet)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die größte und am besten dokumentierte Studie zu diesem Punkt (randomisierte Cross-over-Studie, n gleich 48, Einzeldosen 0, 20 oder 40 Gramm Akaziengummi zu einem Testfrühstück) wurde direkt von Nexira finanziert, dem Hersteller von FIBREGUM, mit einem Förderprojekt namens "Satiety and blood glucose response with acacia gum"; die Rohdaten stehen laut Förderhinweis im gemeinsamen Eigentum von Nexira und der Universität, während das strukturierte Interessenkonflikt-Feld bei PubMed nur "kein Interessenkonflikt" der Autoren vermerkt. Über die gesamte 4-Stunden-Erhebung (Fläche unter der Kurve) fanden sich keine signifikanten Gruppenunterschiede bei Hunger, Sättigungsgrad, Zufriedenheit oder empfundenem Volumen (p gleich 0,22 / 0,45 / 0,15 / 0,37); signifikant waren nur einzelne Zeitpunkte (15, 30 und 240 Minuten), vor allem beim Vergleich der 40-Gramm-Dosis mit Kontrolle. Eine ältere Studie desselben Erstautorenteams zu zwei Akaziengummi-Markenprodukten (EmulGold und PreVitae, Dosen 5 bis 40 Gramm) fand bei allen geprüften Dosen eine gegenüber Wasser signifikant erhöhte subjektive Sättigung (Visuelle Analogskala) und eine geringere Kalorienaufnahme 3 Stunden nach Verzehr (mehr als 60 bis über 200 Kilokalorien weniger, je nach Dosis und Produkt), ohne dass Verblindung oder Placebokontrolle im Abstract beschrieben sind. Eine dritte 12-Wochen-Studie (20 Gramm täglich, Akaziengummi-Pulver vom Hersteller Perfect Life Food Company gestellt) misst die Sättigung nur ein einziges Mal, 60 Minuten nach einer Einzeleinnahme, und berichtet dafür ausschließlich Vorher-Nachher-Werte je Gruppe (Akaziengummi p gleich 0,011, Kontrolle p gleich 0,174). Einen Vergleich zwischen den Gruppen nennt sie für die Sättigung nicht
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03
Blutzucker nach einer Testmahlzeit beziehungsweise nüchtern, überwiegend ohne abgesicherten Effekt (Messwert)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der oben genannten, von Nexira finanzierten Studie (n gleich 48) fand sich weder in der Fläche unter der Kurve noch in der Veränderung gegenüber dem Ausgangswert zu keinem der gemessenen Zeitpunkte (30 bis 240 Minuten) ein signifikanter Unterschied zwischen den Dosen (alle p größer 0,05). Ein einzelner Absolutwert nach 30 Minuten unterschied sich zwar zwischen 20-Gramm-Dosis und Kontrolle (136,7 gegenüber 144,2 Milligramm pro Deziliter, p gleich 0,013), die um den Ausgangswert bereinigte Veränderung an genau diesem Zeitpunkt war jedoch nicht signifikant (p gleich 0,16), ein Unterschied zwischen Absolutwert und bereinigter Veränderung, der im Abstract dieser Studie nicht auftaucht. Eine placebokontrollierte 12-Wochen-Studie ohne externe Finanzierung, deren Studienmaterial jedoch der Hersteller Perfect Life Food Company kostenlos stellte (20 Gramm täglich, Erwachsene mit erhöhtem Stoffwechsel-Risiko), fand für den Nüchternblutzucker eine Abnahme innerhalb der Akaziengummi-Gruppe (p gleich 0,046) bei ausdrücklich fehlendem Unterschied zur Kontrollgruppe am Studienende (p gleich 0,101). Eine ältere, einfache Humanstudie über 3 Wochen beschreibt "geringe Wirkung auf die Glukosetoleranz". Eine vierte, von Nestlé finanzierte Cross-over-Studie an Männern mit metabolischem Syndrom (28 Gramm täglich, in Kombination mit Pektin) fand eine geringfügige Verbesserung des nüchternen Glukoseumsatzes (7,9 gegenüber 8,6 Mikromol pro Kilogramm und Minute, p kleiner 0,05), aber keinen Unterschied bei der Insulinsensitivität im Clamp-Test. Über vier unabhängig konzipierte Studien hinweg zeigte sich kein reproduzierbarer, gegenüber Placebo oder Kontrolle abgesicherter Effekt auf Blutzucker oder Insulinwirkung. Keine der vier Studien liefert für die Akaziengummi-Bedingung allein einen Punktschätzer mit 95-Prozent-Intervall, nur Einzelwerte und p-Werte, weshalb hier nicht die Stufe 'nicht bestätigt', sondern 'hinweise' mit ausführlicher Begründung geführt wird
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04
Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin im Blut (Messwert)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die verfügbare kontrollierte Studienlage zu reinem oder nahezu reinem Akaziengummi ist über vier Jahrzehnte uneinheitlich, und keine der Arbeiten liefert einen mit einer Gegenstudie unmittelbar vergleichbaren Punktschätzer mit Konfidenzintervall, weshalb die Stufe "widersprüchlich" nach den hier geltenden Maßstäben gesperrt bleibt. Eine placebokontrollierte, doppelblinde Studienreihe an Erwachsenen mit erhöhtem Cholesterin fand für Akaziengummi allein (15 Gramm täglich über 4 Wochen, auch als 56 Prozent einer 17,2-Gramm-Fasermischung) "keine signifikante cholesterinsenkende Wirkung gegenüber Placebo", während eine gleichzeitig geprüfte mittelviskose Fasermischung aus Flohsamenschalen, Pektin, Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl Gesamtcholesterin um 8,3 Prozent und LDL-Cholesterin um 12,4 Prozent senkte (p kleiner 0,001). Eine zweite, an Shaklee-Mitarbeitende angebundene Studie bestätigt dieses Muster: Bei identischer Dosis (15 Gramm wasserlösliche Ballaststoffe täglich über 4 Wochen) senkte die viskose Vergleichsmischung Gesamt- und LDL-Cholesterin deutlich, während die Akaziengummi-Gruppe "keine Veränderung bei irgendeinem Blutfettwert" zeigte. Eine dritte, 110 Personen umfassende Studie mit Akaziengummi und Pektin (4 zu 1) in Apfelsaft (5, 9 oder 15 Gramm über 12 Wochen) fand keinen Unterschied zur Kontrollgruppe, bei einem über alle Gruppen hinweg beobachteten Anstieg von Gesamtcholesterin und Triglyzeriden, den die Autoren selbst eher dem Apfelsaft-Trägerstoff als der Faser zuschreiben. Dem gegenüber steht eine ältere, kurze Humanstudie (3 Wochen), die für Akaziengummi eine Senkung des Serumcholesterins beschreibt, ohne im Abstract Zahlenwerte zu nennen; dieselbe Studienlage wird in der EFSA-Bewertung zur Lebensmittelsicherheit von Akaziengummi als Zusatzstoff zusammengefasst, dort mit einer um etwa 10 Prozent gesenkten VLDL-Cholesterin-Konzentration bei 2-mal 15 Gramm täglich über 30 Tage an 7 Personen, ohne Effekt auf HDL-Cholesterin oder Triglyzeride. Eine 2023 veröffentlichte Netzwerk-Metaanalyse aus 46 randomisierten Studien und 2685 Personen mit Typ-2-Diabetes, die 16 Ballaststoffarten vergleicht, führt Akaziengummi beim HDL-Cholesterin auf dem ersten Rangplatz (SUCRA-Rangwert 89,06 Prozent), beim Gesamtcholesterin steht dort nicht Akaziengummi, sondern Xylo-Oligosaccharide (SUCRA-Rangwert 84,59 Prozent) an erster Stelle, bei insgesamt niedriger bis moderater Evidenzsicherheit nach GRADE; ein konkreter Effektschätzer mit Konfidenzintervall speziell für Akaziengummi ließ sich aus dem zugänglichen Abstract nicht entnehmen, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Eine weitere kontrollierte Studie an 110 Personen mit Hyperlipidämie (55 pro Arm) prüft Akaziengummi nicht allein, sondern als Zusatz zu einem Statin (Atorvastatin) gegenüber Statin allein, und findet gegenüber der Kontrollgruppe eine deutlich stärkere Senkung von Gesamtcholesterin (25,9 gegenüber 7,8 Prozent), Triglyzeriden (38,2 gegenüber 2,9 Prozent) und LDL-Cholesterin (30,8 gegenüber 8,1 Prozent, alle p kleiner 0,001), bei unverändertem HDL-Cholesterin; die Autoren bezeichnen ihr eigenes Design als Fall-Kontroll-Studie, nicht als randomisierte, verblindete Studie, und nennen im Abstract eine Akaziengummi-Dosis von 30 Milligramm täglich, ein Wert, der angesichts aller sonst hier zitierten Dosen im Gramm-Bereich nach einem Einheitenfehler im Original aussieht, ohne dass sich das anhand des Abstracts klären lässt. Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit über 29 klinische Studien zu Akaziengummi nennt zusätzlich eine 2017 veröffentlichte, nicht bei PubMed geführte Arbeit derselben Arbeitsgruppe wie die oben genannte Typ-2-Diabetes-Studie zum Blutdruck, mit identischer Teilnehmerzahl (91), identischer Dosis (30 Gramm täglich) und identischer Dauer (3 Monate), die zusätzliche Blutfettwerte derselben Studienpopulation berichtet. Diese 2017 veröffentlichte Arbeit wertet nachweislich dieselbe Studie aus, sie nennt dasselbe Krankenhaus in Sudan, denselben Einschlusszeitraum von August 2014 bis Februar 2015, 91 randomisierte Personen und dieselbe Gabe von 30 Gramm Akaziengummi gegen 5 Gramm Placebo über 3 Monate, sie ist also kein unabhängiger Beleg und wird hier nicht als eigene Quelle geführt. Ihre Zahlen sind reine Vorher-Nachher-Werte innerhalb der Akaziengummi-Gruppe (LDL-Cholesterin minus 5,95 Prozent, Gesamtcholesterin minus 8,28 Prozent, HDL-Cholesterin plus 19,89 Prozent). Die Übersichtsarbeit gibt die LDL-Senkung dieser Arbeit mit 19,5 Prozent an, die Originalarbeit selbst nennt 5,95 Prozent. Die zweite Übersichtsarbeit dient hier ausschließlich als tabellarische Bestandsaufnahme aller 29 eingeschlossenen Akaziengummi-Studien, um die Kohorten-Überschneidung bei Quelle 21 aufzudecken, nicht als eigene quantitative Cholesterin-Auswertung. Ob die Netzwerk-Metaanalyse für ihren Akaziengummi-Rangplatz auf dieselbe Sudan-Kohorte zurückgreift, ließ sich nicht prüfen, ihre Einschlusstabelle lag in der vorliegenden Recherche nicht vor
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05
Körpergewicht, Body-Mass-Index und Körperfettanteil bei mehrwöchiger Einnahme (Messwert)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die am häufigsten zitierte Positivstudie (120 gesunde Frauen, doppelblind, 30 Gramm Akaziengummi gegenüber 1 Gramm Pektin als Placebo über 6 Wochen) berichtet im Ergebnisteil ausschließlich den Vergleich vor gegenüber nach der Einnahme innerhalb jeder Gruppe (BMI minus 0,32, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,17 bis 0,47, p kleiner 0,0001; Körperfett minus 2,18 Prozentpunkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,54 bis 2,83, p kleiner 0,0001), obwohl der Methodenteil einen separaten Gruppenvergleichstest ankündigt; ein Ergebnis dieses direkten Gruppenvergleichs wird im Volltext nicht genannt. In der Placebogruppe stieg der Körperfettanteil im selben Zeitraum signifikant an (18,31 auf 19,13 Prozent, p gleich 0,010), der BMI tendenziell, aber nicht signifikant. Die Autoren selbst nennen als größte Einschränkung die stark unterschiedliche Dosierung von Verum (30 Gramm) und Placebo (1 Gramm), und danken im Volltext dem sudanesischen Akaziengummi-Hersteller Dar Savanna Ltd für das kostenlos bereitgestellte Studienmaterial, ohne dies im eigenen Interessenkonflikt-Feld ("keine Interessenkonflikte") zu vermerken. Eine methodisch strengere placebokontrollierte 12-Wochen-Studie ohne externe Finanzierung, deren Akaziengummi-Pulver ebenfalls ein Hersteller kostenlos stellte (Perfect Life Food Company), mit vergleichbarer Dosis (20 Gramm täglich) an Erwachsenen mit erhöhtem Stoffwechsel-Risiko fand dagegen weder zwischen noch innerhalb der Gruppen einen signifikanten Unterschied bei BMI, Taillenumfang oder Körperfettanteil, bei einer gleichzeitig verringerten Energie- und Kohlenhydrataufnahme in der Verumgruppe als möglicher Erklärung für die in anderen Studien berichteten Effekte. Eine systematische Übersichtsarbeit zu isolierten Ballaststoffpräparaten und Gewichtsmanagement (17 eingeschlossene Studien, 2010 bis 2016) ordnet die für Akaziengummi berichteten Effekte auf Körpergewicht und Energieaufnahme zwar als statistisch nachweisbar, aus klinischer Sicht aber als nicht bedeutsam ein
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06
Systolischer und diastolischer Blutdruck bei mehrwöchiger Einnahme, ohne Unterschied zur Kontrollgruppe (Messwert)
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit aus 29 klinischen Studien zu Akaziengummi über verschiedenste Anwendungsgebiete bestätigt, dass nur zwei kontrollierte Humanstudien den Blutdruck als Endpunkt führen. Die beiden stammen aus verschiedenen Arbeitsgruppen, die eine aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die andere aus dem Sudan. In der placebokontrollierten Studie (20 Gramm Akaziengummi täglich über 12 Wochen gegen 1 Gramm Pektin) sank der Blutdruck innerhalb der Verumgruppe (systolisch p gleich 0,008, diastolisch p gleich 0,009), während sich die Kontrollgruppe nicht veränderte. Tabelle 3 des Volltextes führt jedoch eine eigene Spalte für den Vergleich zwischen den Gruppen in Woche 12, und dort ist der Unterschied weder systolisch (p gleich 0,273) noch diastolisch (p gleich 0,419) signifikant. Der Blutdruck wurde also geprüft und ein Unterschied zur Kontrollgruppe nicht gefunden. Das Akaziengummi-Pulver dieser Studie stellte die Perfect Life Food Company kostenlos, die Autoren erklären zugleich, keinen Interessenkonflikt zu haben. Die zweite Studie an Menschen mit Typ-2-Diabetes (30 Gramm täglich über 3 Monate) berichtet nur prozentuale Änderungen je Gruppe (systolisch minus 7,6 Prozent unter Akaziengummi gegenüber minus 2,7 Prozent unter Placebo, beide von ihrem jeweiligen Ausgangswert aus), ohne einen Gruppenvergleichs-p-Wert zu nennen, und wird wegen der untersuchten Erkrankung hier nicht als eigener Beleg gezählt. Weder der frei zugängliche Volltext der tragenden Studie noch die zitierten Abstracts berichten für diesen Endpunkt ein Effektmaß mit 95-Prozent-Intervall, sondern nur Mittelwerte, Prozentwerte und p-Werte. Ein fehlendes Konfidenzintervall macht aus einem geprüften und berichteten Nullbefund keinen Hinweis auf Wirkung, die Zeile steht deshalb auf nicht bestätigt. Der Restvorbehalt zum fehlenden Effektmaß bleibt bestehen.
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07
Selbstberichtetes Verdauungsempfinden, Blähungen und Stuhlgang
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei täglicher Einnahme über 12 Wochen (20 Gramm, placebokontrolliert, ohne externe Finanzierung, Studienmaterial vom Hersteller Perfect Life Food Company gestellt) berichteten Teilnehmende der Akaziengummi-Gruppe gegenüber der Placebogruppe signifikant weniger Völlegefühl beziehungsweise Blähungen (p gleich 0,005) und eine verbesserte Einschätzung des Stuhlgangs (p gleich 0,047); die Erhebung erfolgte einfach verblindet und ausschließlich über Selbstauskunft. Umgekehrt fand dieselbe, oben bereits genannte, von Nexira finanzierte Studie zu einer akuten Einzeldosis in einer Testmahlzeit bei der höheren Dosis (40 Gramm) gegenüber Kontrolle signifikant mehr Blähungen, Völlegefühl und hörbare Darmgeräusche (p zwischen 0,0008 und 0,012), bei insgesamt niedrigen absoluten Werten. Diese beiden Befunde widersprechen sich nicht in der Sache, sondern betreffen unterschiedliche Situationen, eine hohe akute Einzeldosis in einer Testmahlzeit gegenüber einer moderaten, über Wochen eingenommenen Tagesdosis, und werden deshalb hier gemeinsam unter Hinweise geführt statt als Widerspruch
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08
Eisenaufnahme aus einem gleichzeitig eingenommenen Eisenpräparat, ohne nachweisbaren Effekt (Messwert)
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine methodisch saubere, unabhängig finanzierte Cross-over-Studie an 30 Frauen mit niedrigem Eisenstatus prüfte per stabiler Isotopenmarkierung, ob eine gleichzeitige Einnahme von 15 Gramm Akaziengummi die Eisenaufnahme aus einer 100-Milligramm-Eisentablette (Eisenfumarat) erhöht, wie es für andere präbiotische Fasern (Galacto- und Fructo-Oligosaccharide, jeweils plus 45 beziehungsweise plus 51 Prozent gegenüber Kontrolle, beide p kleiner 0,001) in derselben Studie gezeigt wurde. Für Akaziengummi fand sich kein signifikanter Effekt auf die fraktionelle Eisenaufnahme (p gleich 0,688) und, ergänzend im selben Aufbau, keine erhöhte In-vitro-Eisen-Dialysierbarkeit gegenüber der GOS-Bedingung. Der Abstract nennt für die Akaziengummi-Bedingung selbst keinen eigenen Punktschätzer mit Intervall, nur den p-Wert gegenüber Kontrolle. Ein fehlendes Konfidenzintervall macht aus diesem geprüften und berichteten Nullbefund keinen Hinweis auf Wirkung, die Zeile steht deshalb auf nicht bestätigt; es handelt sich bislang um eine einzelne Studie zu diesem konkreten Endpunkt
Quellen: 9
Studien im Detail
Darmflora und kurzkettige Fettsäuren
Die älteste und am häufigsten zitierte Grundlage für den Ruf von Akaziengummi als Präbiotikum ist eine offene Dosis-Eskalationsstudie ohne Placebokontrolle im eigentlichen Sinn, deren Erstautorin zum Studienzeitpunkt beim Faserhersteller Kerry angestellt war [5]. Sie zeigt bei 10 Gramm täglich über 4 Wochen höhere Bifidobakterien- und Laktobazillenzahlen im Stuhl als unter Wasser, ohne dass Teilnehmerzahl, p-Werte oder Konfidenzintervalle im Abstract genannt sind. Eine methodisch deutlich strengere, unabhängig finanzierte doppelblinde Cross-over-Studie mit 65 Teilnehmenden [6] bestätigt zwar eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora, findet aber weder einen Effekt auf die kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl noch auf die vorab festgelegten klinischen Endpunkte. Diese zweite Studie prüft Akaziengummi zudem nicht allein, sondern kombiniert mit Karottenpulver, was die Zuordnung eines etwaigen Effekts erschwert. Insgesamt bleibt die Datenlage auf Laborwerte im Stuhl beschränkt, eine für Teilnehmende spürbare Wirkung wurde in keiner der beiden Arbeiten geprüft.
Sättigung und Blutzucker nach einer Testmahlzeit
Die zentrale Studie zu beiden Punkten [7] wurde direkt von Nexira finanziert, jenem Unternehmen, dessen Markenrohstoff FIBREGUM auch dieser Eintrag behandelt, mit einem Förderprojekt, das im Titel bereits Sättigung und Blutzucker als Zielgröße nennt. Die Rohdaten stehen laut Förderhinweis im gemeinsamen Eigentum von Nexira und der beteiligten Universität. PubMeds strukturiertes Interessenkonflikt-Feld vermerkt dazu lediglich "kein Interessenkonflikt" der Autoren, weil sich die Herstellerbindung ausschließlich im Förderhinweis des Volltextes findet, nicht im Abstract. Über die gesamte Erhebungsdauer von 4 Stunden fand sich weder bei Sättigungsgefühl noch bei Blutzucker ein statistisch abgesicherter Gruppenunterschied; signifikant waren jeweils nur einzelne Zeitpunkte. Besonders deutlich zeigt sich das beim Blutzucker: Ein einzelner Absolutwert nach 30 Minuten unterschied sich zwischen den Gruppen, die um den individuellen Ausgangswert bereinigte Veränderung an genau diesem Zeitpunkt jedoch nicht, ein Unterschied, der im Abstract der Studie nicht erwähnt wird und sich erst im Volltext in der Ergebnistabelle findet.
Eine weitere, positiver ausfallende Sättigungsstudie [10] trägt ebenfalls eine Herstellerbindung über die Autorenschaft. Die dritte placebokontrollierte Studie [8] misst die Sättigung nur an einem einzigen Zeitpunkt nach einer Stunde und berichtet dafür allein die Veränderung innerhalb jeder Gruppe, keinen Vergleich zwischen den Gruppen; ihr Studienmaterial stellte ebenfalls ein Hersteller kostenlos. Eine vierte, ebenfalls herstellergebundene Studie [18] ist bei Blutzucker aufgeführt, nicht bei Sättigung.
Cholesterin und Blutfette
Für Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin liegt die uneinheitlichste Studienlage des ganzen Eintrags vor. Drei placebokontrollierte oder direkt vergleichende Studien aus den 1990er-Jahren [11, 12, 13] finden für reines oder nahezu reines Akaziengummi keinen cholesterinsenkenden Effekt, während zwei davon [11, 12] parallel geprüfte, viskosere Fasermischungen deutliche Senkungen zeigen. Eine ältere Kurzzeitstudie [14] und eine in der EFSA-Sicherheitsbewertung zusammengefasste, nicht eigenständig auffindbare Arbeit an 7 Personen [4] berichten dagegen eine Senkung von Serum- beziehungsweise VLDL-Cholesterin. Eine aktuelle Netzwerk-Metaanalyse bei Menschen mit Typ-2-Diabetes [15] führt Akaziengummi in der Rangfolge der wirksamsten Fasern für Cholesterin, bei insgesamt niedriger bis moderater Evidenzsicherheit und ohne dass sich aus dem zugänglichen Abstract ein konkreter Zahlenwert für Akaziengummi allein entnehmen ließe; der Volltext dieser Arbeit lag für diese Recherche nicht vor. Eine weitere kontrollierte Studie [23] findet für Akaziengummi als Zusatz zu einem Statin eine deutlich stärkere Senkung von Gesamtcholesterin, Triglyzeriden und LDL-Cholesterin als für das Statin allein, ist aber weder placebokontrolliert noch prüft sie Akaziengummi isoliert. Sowohl Abstract als auch Volltext dieser Studie nennen übereinstimmend eine Tagesdosis von 30 Milligramm Akaziengummi, einen Wert, der angesichts aller sonst hier zitierten Dosen im Gramm-Bereich um den Faktor 1000 zu niedrig für einen plausiblen physiologischen Effekt erscheint und die Verlässlichkeit der berichteten großen Effekte infrage stellt, ohne dass sich aus dem Text klären lässt, ob es sich um einen durchgängigen Einheitenfehler oder eine tatsächlich so verabreichte Dosis handelt. Der Volltext dieser Studie nennt zudem denselben Rohstofflieferanten wie eine bereits oben genannte Studie: Das verwendete Akaziengummi wurde erneut kostenlos von Dar Savanna Ltd gestellt, mit einem ausdrücklichen Verweis auf dieselbe frühere Kooperation, ohne dass die Autoren dies als Interessenkonflikt kennzeichnen. Eine systematische Übersichtsarbeit [22] verweist zusätzlich auf eine bei PubMed nicht geführte Arbeit derselben Arbeitsgruppe wie die unten bei Blutdruck zitierte Typ-2-Diabetes-Studie [21], die nachweislich dieselbe Studie auswertet, dasselbe Krankenhaus, derselbe Einschlusszeitraum, dieselbe Dosis und dieselbe Dauer, und deshalb hier nicht mitgezählt wird. Die Übersichtsarbeit gibt für sie eine LDL-Senkung um 19,5 Prozent an, die Originalarbeit selbst nennt 5,95 Prozent innerhalb der Verumgruppe. Diese Übersichtsarbeit [22] teilt sich mit der oben genannten Netzwerk-Metaanalyse [15] keinen gemeinsamen Primärstudien-Pool zu diesem Endpunkt, sie dient hier nur als tabellarische Bestandsaufnahme, nicht als eigene quantitative Auswertung. Keine zwei der eigenständig geführten Quellen liefern einen unmittelbar vergleichbaren Punktschätzer mit Konfidenzintervall zum selben Endpunkt, weshalb hier nicht die Stufe "widersprüchlich", sondern "hinweise" mit ausführlicher Begründung geführt wird.
Körpergewicht, BMI und Körperfettanteil
Die am häufigsten zitierte Studie zu diesem Punkt [16] weist bei genauer Lektüre eine methodische Lücke auf: Obwohl der Methodenteil einen Gruppenvergleichstest ankündigt, berichtet der Ergebnisteil ausschließlich Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb jeder Gruppe. Auffällig ist zudem, dass sich der Körperfettanteil in der Placebogruppe im selben Zeitraum signifikant in die Gegenrichtung veränderte, was auf einen tatsächlichen Unterschied zwischen den Gruppen hindeutet, ohne dass dieser als eigener Wert berichtet wird. Die Autoren benennen selbst die stark unterschiedliche Dosierung von Verum und Placebo als größte Schwäche der eigenen Studie und danken im Volltext dem Rohstoffhersteller Dar Savanna Ltd für kostenlos bereitgestelltes Material, ohne dies als Interessenkonflikt zu kennzeichnen. Eine methodisch strengere Studie mit vergleichbarer Dosis [8], deren Studienmaterial ebenfalls ein Hersteller kostenlos stellte, findet dagegen keinen Effekt auf BMI, Taillenumfang oder Körperfettanteil.
Blutdruck
Nach einer systematischen Übersichtsarbeit über 29 klinische Studien zu Akaziengummi [22] gibt es zu diesem Punkt nur zwei kontrollierte Humanstudien, und sie stammen aus zwei verschiedenen Arbeitsgruppen. Die placebokontrollierte Studie [8] hebt im Text nur den Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb der Verumgruppe hervor, ihre Ergebnistabelle führt aber eine eigene Spalte für den Vergleich zwischen den Gruppen, und dort ist der Blutdruck weder systolisch (p gleich 0,273) noch diastolisch (p gleich 0,419) unterschiedlich. Damit ist der Blutdruck geprüft und ein Unterschied zur Kontrollgruppe nicht gefunden. Die Zeile steht deshalb auf nicht bestätigt, ein fehlendes Effektmaß mit Konfidenzintervall macht aus diesem geprüften Nullbefund keinen Hinweis auf Wirkung. Die zweite Studie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes [21] zeigt dasselbe Berichtsmuster aus reinen Prozentangaben je Gruppe ohne genannten Gruppenvergleichs-p-Wert, wird hier aber wegen der untersuchten Erkrankung nicht als eigener Beleg gezählt.
Tier- und Laborstudien
Eine In-vitro-Fermentationsstudie mit menschlicher Stuhlflora [20] prüfte zwei Markenrohstoffe aus der Fibregum-Familie (Fibregum-standard und Fibregum AS) im direkten Vergleich zu Fructo-Oligosacchariden. Beide Akaziengummi-Varianten wurden von der Darmflora ausgiebig fermentiert, mit deutlichen Unterschieden je nach botanischer Herkunft: Fibregum AS führte zu höheren Propionat-Anteilen, nur Fibregum-standard erhöhte die Laktobazillenzahl gegenüber Kontrolle, beide senkten Clostridien. Diese Effekte waren stark vom pH-Wert des Fermentationssystems abhängig. Diese Daten stammen aus einem Reagenzglas-Modell mit menschlicher Stuhlflora, nicht aus einer Einnahme durch Menschen, und erlauben keine Aussage darüber, was im lebenden Darm geschieht. Bemerkenswert ist, dass dies die einzige uns vorliegende Studie ist, die tatsächlich ein Produkt aus der Fibregum-Markenfamilie prüft, wenn auch nicht nachweisbar exakt FIBREGUM B.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Getrennt von der Lebensmittelsicherheit steht die Frage, ob Akaziengummi eine gesundheitsbezogene Angabe tragen darf. Die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [3] regelt das Verfahren, nach dem die EFSA Anträge auf gesundheitsbezogene Angaben nach Artikel 13 Absatz 1 prüft, und die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 [2] enthält die abschließende Liste der positiv bewerteten Angaben. Ein durchsuchter Volltext dieser Liste enthält keinen einzigen Treffer für Akaziengummi, Gummi arabicum oder Acacia. Zugleich hat die EFSA 2011 mehrere Anträge zu Akaziengummi tatsächlich bis zum Ende des Bewertungsverfahrens geführt [1], mit eigenen Kennnummern für Darmflora, kurzkettige Fettsäuren und pH-Wert im Darm, Darmfunktion, Verdauungsbeschwerden, Stickstoffgehalt im Stuhl beziehungsweise Blutharnstoff, und LDL-Cholesterin. Da diese Angaben nachweislich geprüft wurden und trotzdem nicht auf der Positivliste stehen, ist der Befund "geprüft und nicht aufgenommen", nicht "nie geprüft". Der Inhalt der Stellungnahme selbst, insbesondere die von der Behörde genannten Gründe, war uns nicht zugänglich.
Die EFSA hat Akaziengummi als Lebensmittelzusatzstoff (E 414) 2017 sicherheitstechnisch neu bewertet [4]. Sie fand in verfügbaren Toxizitätsstudien keine schädlichen Effekte, hält keinen zahlenmäßigen Grenzwert für die tägliche Aufnahme (ADI) für erforderlich und sieht bei der ermittelten Verzehrsmenge kein Sicherheitsrisiko für die Allgemeinbevölkerung. Für Menschen berichtet die Bewertung, dass eine wiederholte tägliche Aufnahme von bis zu 30 Gramm über bis zu 18 Tage gut vertragen wurde, wobei einzelne Personen Blähungen entwickelten, von der Behörde als unerwünscht, aber nicht als schädlich eingestuft. Eine dort zusammengefasste ältere Eskalationsstudie fand, dass Dosen unter 30 Gramm täglich keine Blähungen auslösten, eine Dosis von 53 Gramm täglich dagegen milde Blähungen, jedoch keine Bauchkrämpfe oder Durchfall.
Diese behördliche Einschätzung weicht in einem Punkt von einzelnen Humanstudien ab: In der am strengsten kontrollierten placebokontrollierten Doppelblindstudie mit hoher Dosis [16] berichteten 90 Prozent der Teilnehmerinnen in der ersten Woche milden Durchfall, zusätzlich zu einem als unangenehm empfundenen viskosen Mundgefühl und morgendlicher Übelkeit; die Beschwerden klangen nach eigener Angabe der Studienautoren nach der ersten Woche ab. In einer akuten Einzeldosis-Testmahlzeit [7] traten bei 40 Gramm gegenüber Kontrolle signifikant mehr Blähungen, Völlegefühl und hörbare Darmgeräusche auf, bei insgesamt niedrigen absoluten Werten. Eine placebokontrollierte Studie an Menschen mit vorbestehenden Stuhlproblemen, die drei verschiedene Fasertypen mit Placebo verglich [19], fand für Akaziengummi (16 Gramm täglich) keine gegenüber Placebo erhöhte Symptombelastung, anders als für Flohsamenschalen in derselben Studie. Im Volltext dieser Studie zeigt sich zusätzlich ein konkreter Verträglichkeitsunterschied zwischen den drei geprüften Fasern: Nur 1 von 49 Teilnehmenden (2 Prozent) in der Akaziengummi-Gruppe reduzierte während der Studie die Faserdosis wegen Beschwerden, gegenüber 9 von 46 (20 Prozent) in der Flohsamenschalen-Gruppe und 15 von 47 (32 Prozent) in der Carboxymethylcellulose-Gruppe; wer die Dosis reduzierte, tat dies in den beiden anderen Fasergruppen zudem deutlich früher als in der Akaziengummi-Gruppe (p kleiner 0,001). Das deutet auf eine im Vergleich zu manchen anderen Fasern gute Verträglichkeit bei moderater, langsam gesteigerter Dosis hin.
Die EFSA weist außerdem darauf hin, dass Akaziengummi im Darm kaum unverändert nachweisbar bleibt, sondern von der Darmflora abgebaut wird [14]. Aus den vorliegenden Quellen ergeben sich keine Hinweise auf ernste Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Personen, die neu mit hohen Dosen beginnen, sollten nach den vorliegenden Studien mit vorübergehenden Blähungen, Völlegefühl oder weichem Stuhl rechnen, insbesondere in der ersten Woche oder bei schnellem Dosisaufbau.
Quellen zum Nachlesen
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01
Wissenschaftliches Gutachten des EFSA-Gremiums NDA auf behördlichen Antrag, kein Abstract bei PubMed · 2011
Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to acacia gum (gum Arabic) and decreasing potentially pathogenic gastro-intestinal microorganisms (ID 758), changes in short chain fatty acid (SCFA) production and pH in the gastro-intestinal tract (ID 759), changes in bowel function (ID 759), reduction of gastro-intestinal discomfort (ID 759), maintenance of faecal nitrogen content and/or normal blood urea concentrations (ID 840, 1975), and maintenance of normal blood LDL cholesterol concentrations (ID 841) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006
EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). EFSA Journal
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Durchführungsverordnung der Kommission auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen, Volltext durchsucht, keine Angabe zu Akaziengummi, Gummi arabicum oder Acacia enthalten · 2012
Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, ausgenommen Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern
Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union
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Verordnung, Rechtsgrundlage für das Bewertungsverfahren nach Artikel 13 Absatz 1, dem die Akaziengummi-Angaben unterlagen · 2006
Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel
Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union Amtsblatt der Europäischen Union
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Offene Dosis-Eskalationsstudie mit Negativ- und Positivkontrolle, Erstautorin am Nutrition Technical Center des Faserherstellers Kerry · 2008
Gum arabic establishes prebiotic functionality in healthy human volunteers in a dose-dependent manner
Calame W, et al. Br J Nutr
Zur Zuschreibung: 01
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 65, Akaziengummi in Kombination mit Karottenpulver · 2024
Impact of fibre supplementation on microbiome and resilience in healthy participants, a randomized, placebo-controlled clinical trial
Eveleens Maarse BC, et al. Nutr Metab Cardiovasc Dis
Zur Zuschreibung: 01
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Einfach verblindete, randomisierte, placebokontrollierte Studie, n gleich 80 randomisiert (61 abgeschlossen), 12 Wochen, keine externe Finanzierung, Akaziengummi-Pulver vom Hersteller Perfect Life Food Company gestellt und im Interessenkonflikt-Feld nicht vermerkt · 2021
The Effect of Gum Arabic (Acacia Senegal) on Cardiovascular Risk Factors and Gastrointestinal Symptoms in Adults at Risk of Metabolic Syndrome, A Randomized Clinical Trial
Jarrar AH, et al. Nutrients
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Randomisierte, einfach verblindete Cross-over-Studie mit stabiler Isotopenmarkierung, n gleich 30 · 2022
Prebiotic Galacto-Oligosaccharides and Fructo-Oligosaccharides, but Not Acacia Gum, Increase Iron Absorption from a Single High-Dose Ferrous Fumarate Supplement in Iron-Depleted Women
Giorgetti A, et al. J Nutr
Zur Zuschreibung: 08
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Zwei Interventionsstudien an gesunden Menschen zu zwei Akaziengummi-Markenprodukten (EmulGold, PreVitae), Verblindung im Abstract nicht beschrieben · 2011
Evaluation of satiety enhancement, including compensation, by blends of gum arabic. A methodological approach
Calame W, et al. Appetite
Zur Zuschreibung: 02
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Systematische Übersicht und Netzwerk-Metaanalyse aus 46 RCTs, n gleich 2685, 16 Ballaststoffarten bei Typ-2-Diabetes, Auswertung anhand des Abstracts · 2023
Galactomannans are the most effective soluble dietary fibers in type 2 diabetes, a systematic review and network meta-analysis
Juhász AE, et al. Am J Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 04
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n gleich 120, Studienmaterial vom Hersteller Dar Savanna Ltd gestellt · 2012
Effects of Gum Arabic ingestion on body mass index and body fat percentage in healthy adult females, two-arm randomized, placebo controlled, double-blind trial
Babiker R, et al. Nutr J
Zur Zuschreibung: 05
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Randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studie, n gleich 21, Akaziengummi und Pektin kombiniert, finanziert vom Nestlé Research Centre · 2010
Acetogenic fibers reduce fasting glucose turnover but not peripheral insulin resistance in metabolic syndrome patients
Pouteau E, et al. Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 03
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In-vitro-Fermentationsstudie mit menschlicher Stuhlflora, Batch- und Chemostat-Verfahren, prüft unter anderem die Markenrohstoffe Fibregum-standard und Fibregum AS · 1998
In vitro prebiotic effects of Acacia gums onto the human intestinal microbiota depends on both botanical origin and environmental pH
Michel C, et al. Anaerobe
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n gleich 91, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, dieselbe Arbeitsgruppe wie Quelle 16 · 2018
Effect of Gum Arabic (Acacia Senegal) supplementation on visceral adiposity index (VAI) and blood pressure in patients with type 2 diabetes mellitus as indicators of cardiovascular disease (CVD), a randomized and placebo-controlled clinical trial
Babiker R, et al. Lipids Health Dis
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Systematische Übersichtsarbeit aus 29 klinischen Studien zu Akaziengummi über verschiedene Anwendungsgebiete, Volltext gelesen · 2023
The Efficacy of Gum Arabic in Managing Diseases, A Systematic Review of Evidence-Based Clinical Trials
Al-Jubori Y, et al. Biomolecules
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Kontrollierte Interventionsstudie (von den Autoren selbst als Fall-Kontroll-Studie bezeichnet), n gleich 110, Akaziengummi als Zusatz zu einem Statin gegenüber Statin allein, keine Placebokontrolle, Studienmaterial erneut von Dar Savanna Ltd gestellt, Volltext gelesen · 2015
The lowering effect of Gum Arabic on hyperlipidemia in Sudanese patients
Mohamed RE, Gadour MO, Adam I. Front Physiol
Zur Zuschreibung: 04
Bei H.P.N
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