Alpha-Gluco-Oligosaccharide

Zuletzt geprüft am

Ballaststoffe

Bioecolians · alpha-Glucooligosaccharid · Gluco-Oligosaccharid · Gl-OS · alpha-1 · 2-verzweigtes Gluco-Oligosaccharid

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 10 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein kurzkettiges Oligosaccharid aus Glucose-Einheiten, die überwiegend alpha-1,2- und alpha-1,6-glykosidisch verknüpft sind (ein verzweigtes Dextran-Derivat mit einem Polymerisationsgrad von etwa 5 bis 6). Es ist kein Pflanzenextrakt, sondern wird durch bakterielle Glucansucrase-Enzyme aus Saccharose hergestellt
Herkunft
Der in der Produktdatenbank geführte Markenrohstoff heißt Bioecolians und stammt vom Hersteller Solabia. Die zugrundeliegende Enzymtechnik (Glucansucrasen aus dem Verwandtschaftskreis von Leuconostoc mesenteroides) geht auf eine französische Forschungslinie am INRA zurück, aus der auch die älteste hier zitierte Studie stammt
Wirkform in Studien
Die In-vitro-Fermentationsstudie von Sarbini und Kollegen prüft den Rohstoff ausdrücklich unter dem Namen Bioecolians. Eine zweite Studiengruppe setzt denselben Rohstoff (dort Gl-OS genannt, 8 Gramm täglich, ausdrücklich als Bioecolians von Solabia identifiziert) am Menschen ein, aber ausnahmslos in Kombination mit einem Probiotikum-Stamm, nie als Reinstoff. Eine weitere Studie zur Struktur alpha-1,2-verzweigter Dextrane verwendet einen andersartigen, nicht als Bioecolians gekennzeichneten Rohstoff eines anderen Herstellers (Tate & Lyle) und wird hier nur als struktureller Vergleich herangezogen, ausdrücklich gekennzeichnet
Übliche Studiendosis
Die einzige Humanstudienreihe zu diesem Rohstoff verwendet 8 Gramm täglich über 8 Wochen, stets zusammen mit einem Bifidobacterium-longum-Präparat. Eine eigenständige Dosis-Wirkungs- oder Verträglichkeitsstudie am Menschen für den Reinstoff liegt uns nicht vor
Rechtlicher Status
Keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Ein durchsuchter Volltext dieser Verordnung enthält keinen Treffer für Gluco-Oligosaccharid, Alpha-Glucan-Oligosaccharid, Dextran-Oligosaccharid oder Bioecolians, siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen für die Einordnung dieses Befunds
Sicherheitshinweis
Für den Reinstoff liegen keine spezifischen Verträglichkeitsdaten am Menschen vor. In-vitro-Fermentationsdaten mit menschlicher Stuhlflora zeigen im Vergleich zu Inulin eine langsamere und geringere Gasbildung, siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Bifidobakterien-Wachstum bei der In-vitro-Fermentation mit menschlicher Stuhlflora (Laborwert)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Die Fermentationsstudie, die den Rohstoff ausdrücklich als Bioecolians (Solabia) benennt, prüfte ihn in anaeroben, pH-kontrollierten Fermentationsansätzen mit Stuhlproben von 4 schlanken (BMI 19 bis 23) und 4 übergewichtigen (BMI 35 bis 40) gesunden Erwachsenen, Positivkontrolle Inulin, Substratkonzentration 1 Prozent, Laufzeit 36 Stunden. Die Bifidobacterium-Population stieg gegenüber dem Ausgangswert zu allen Messzeitpunkten signifikant an (p kleiner 0,01, sowohl in der schlanken als auch in der übergewichtigen Gruppe) und lag nach 36 Stunden signifikant höher als unter Inulin (p kleiner 0,05, in beiden Gruppen). Bacteroides-Prevotella stieg ebenfalls, Faecalibacterium prausnitzii sank, beides auch unter Inulin. Eine strukturell verwandte, aber ausdrücklich nicht als Bioecolians gekennzeichnete Studie desselben Labors zu alpha-1,2-verzweigten Dextranen eines anderen Herstellers (Tate & Lyle) fand in vergleichbaren Ansätzen ebenfalls einen bifidogenen Effekt, aber keinen zusätzlichen Effekt der alpha-1,2-Verzweigung selbst auf die Bifidobacterium-Selektivität. Beide Arbeiten sind In-vitro-Ansätze mit menschlicher Stuhlflora, keine Einnahme durch Menschen, und erlauben keine Aussage über eine im lebenden Darm auftretende oder von Menschen bemerkte Wirkung

    Quellen: 1, 2

  2. 02

    Kurzkettige Fettsäuren, vor allem Acetat und Propionat, bei der In-vitro-Fermentation (Laborwert)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Bioecolians-Fermentationsstudie stiegen Acetat und Propionat gegenüber dem Ausgangswert signifikant an. Die Gesamtkonzentration organischer Säuren war nach 36 Stunden unter Bioecolians signifikant höher als unter Inulin, sowohl in der schlanken (77,00 gegenüber 63,66 Millimol pro Liter, p kleiner 0,05) als auch in der übergewichtigen Fermentation (72,76 gegenüber 42,5 Millimol pro Liter, p kleiner 0,05). Für Propionat allein beschreibt der Text zwar höhere Werte unter Bioecolians als unter Inulin, ohne dass die Tabelle dafür einen eigenen statistischen Gruppenvergleich ausweist, anders als bei der Gesamtsumme. Eine unabhängige Screening-Studie an 11 Kandidatensubstraten, in der ein alpha-Gluco-Oligosaccharid ohne genannten Hersteller mitgeführt wurde, ordnete es unter den Substraten mit dem stärksten Propionat-Anstieg und der stärksten Absenkung des Acetat-zu-Propionat-Verhältnisses in gemischten Batch-Kulturen ein; für die anschließende Simulation im dreistufigen Darmmodell wurde jedoch eine andere Mischung verwendet, sodass diese zweite Quelle nur den Screening-Schritt abdeckt. Beide Befunde stammen aus Reagenzglas-Modellen mit menschlicher Stuhlflora, keine Einnahme durch Menschen

    Quellen: 1, 4

  3. 03

    Gasbildung und Fermentationsgeschwindigkeit bei der In-vitro-Fermentation im Vergleich zu Inulin (Laborwert, als Verträglichkeitsproxy)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In der Bioecolians-Fermentationsstudie produzierte der Rohstoff in beiden Spendergruppen signifikant weniger Gesamtgas und mit langsamerer Anstiegsrate als Inulin (p kleiner 0,05), mit einem Gipfel bei 3 Stunden gegenüber 6 Stunden unter Inulin in der schlanken Fermentation. Das ist ein In-vitro-Messwert aus einem geschlossenen Kulturgefäß, kein Bericht von Teilnehmenden über tatsächlich empfundene Blähungen oder Völlegefühl nach oraler Einnahme. Zu einer solchen, am Menschen selbst berichteten Verträglichkeit des Reinstoffs liegt uns keine Studie vor

    Quellen: 1

  4. 04

    Abbauresistenz gegenüber Verdauungsenzymen und Einordnung als Ballaststoff (Labor- und Tiermodell)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine ältere Arbeit derselben französischen Forschungslinie, die der Markenbildung von Bioecolians vorausging und nicht ausdrücklich als dieses Produkt gekennzeichnet ist, prüfte alpha-Gluco-Oligosaccharide an drei definierten Bakterienstämmen aus dem menschlichen Darm (Bacteroides thetaiotaomicron, Bifidobacterium breve, Clostridium butyricum) sowohl in vitro als auch in vivo an gnotobiotischen Ratten, die mit diesen Stämmen besiedelt waren. Die alpha-1,2-glykosidischen Bindungen, die den Rohstoff kennzeichnen, erwiesen sich als widerstandsfähiger gegen bakteriellen Abbau als alpha-1,6-Bindungen; Bacteroides thetaiotaomicron baute den Rohstoff am wirksamsten ab, Clostridium butyricum am schlechtesten, und eine zweiwöchige Gewöhnung der Ratten an eine Diät mit 2 Prozent des Rohstoffs erhöhte die Abbaurate der alpha-1,2-Bindungen. Eine strukturell verwandte, aber von einem anderen Hersteller (Tate & Lyle) stammende Studie an alpha-1,2-verzweigten Dextranen fand, dass eine Verzweigung von 16 beziehungsweise 32 Prozent den nach der amtlichen Ballaststoff-Methode gemessenen Gesamtballaststoffgehalt eines 1-Kilodalton-Dextrans von 74 auf 101 Prozent anhob, was auf eine geringere enzymatische Verdaulichkeit hindeutet. Für den Rohstoff Bioecolians selbst liegt uns keine Humanstudie zur Verdaulichkeit vor, etwa über die Analyse von Ileostoma-Ausscheidungen; eine gezielte Suche dazu (gluco-oligosaccharide UND ileostomy) ergab keinen Treffer

    Quellen: 3, 2

  5. 05

    Bifidobacterium-longum-Kopienzahl im Stuhl bei gleichzeitiger Einnahme des passenden Probiotikums, kein Beleg für den Reinstoff (Messwert, Kombinationspräparat)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine doppelblinde, placebokontrollierte, parallelgruppige Studie (125 randomisierte, 112 ausgewertete junge und ältere gesunde Erwachsene, 8 Wochen) prüfte 8 Gramm Bioecolians täglich, ausdrücklich zusammen mit 10 hoch 9 KBE des Probiotikums Bifidobacterium longum bv. infantis, nie als Reinstoff. Die Kopienzahl von B. longum im Stuhl stieg unter dem Kombinationspräparat gegenüber Placebo signifikant an, wenn die junge und die ältere Gruppe zusammen ausgewertet wurden (p kleiner 0,01), blieb aber bei getrennter Auswertung je Altersgruppe nur als Tendenz ohne Signifikanz bestehen. Auf Gattungsebene fanden sich in der per Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung untersuchten Stuhlflora insgesamt keine signifikanten Veränderungen. Weil dasselbe Bakterium gemessen wird, das als Probiotikum eingenommen wurde, lässt sich aus diesem Anstieg kein eigenständiger Beitrag des Gluco-Oligosaccharids herausrechnen, er könnte ebenso gut oder überwiegend die verabreichte Bakterienmenge selbst widerspiegeln

    Quellen: 5

  6. 06

    Antikörper- und Zellantwort auf die saisonale Grippeimpfung bei gleichzeitiger Probiotikagabe, in allen drei Auswertungen ohne Zusatznutzen (Kombinationspräparat, kein Beleg für den Reinstoff)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Studie (8 Gramm Bioecolians plus Bifidobacterium longum, 8 Wochen, laut dem im Volltext genannten Förderhinweis unabhängig über BBSRC-DRINC finanziert, kein Interessenkonflikt angegeben) ist in drei Publikationen ausgewertet, keine dritte unabhängige Bestätigung. Die Impfung selbst erhöhte Antikörpertiter und mehrere B-Zell-Klassen deutlich, das Kombinationspräparat zeigte dagegen laut Primärpublikation nur einen geringen Effekt und tendierte bei älteren Teilnehmenden sogar zu einer verringerten Serokonversion gegen die Brisbane-Teilkomponente sowie einer schwächeren IgG-Antwort. Eine zweite Auswertung fand mittels linearem gemischtem Modell für B- und T-Zell-Subpopulationen ausdrücklich keinen signifikanten Behandlungseffekt in keiner der beiden Altersgruppen, eine dritte Auswertung keinen Einfluss auf Phänotyp oder Aktivität natürlicher Killerzellen vor oder nach der Impfung. Die Interpretation ist zusätzlich dadurch eingeschränkt, dass die randomisierten Gruppen bei Studienbeginn nicht ausgeglichen waren: Ältere Teilnehmende in der Kombinationspräparat-Gruppe hatten bereits zu Beginn signifikant mehr seneszente Helferzellen und höhere Anti-CMV-Antikörperspiegel als die Placebogruppe, ein Unterschied, der die spätere Impfantwort unabhängig von der Intervention beeinflusst haben kann. Da stets ein Probiotikum-Stamm mitverabreicht wurde, lässt sich aus diesen drei Arbeiten keine Aussage zum Gluco-Oligosaccharid als Reinstoff ableiten

    Quellen: 5, 6, 7

  7. 07

    Sättigungsgefühl und Kalorienaufnahme bei oraler Einnahme am Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "gluco-oligosaccharide" "satiety" (alle Publikationstypen, ohne Beschränkung auf Humanstudien) (0 Treffer) und mit dem Begriff appetite (2 Treffer, davon einer eine In-vitro-Screening-Studie ohne Einnahme durch Menschen und einer zu einem anderen Ballaststoff, Maisstärkefaser). Zu einer Einnahme des Reinstoffs durch Menschen und einer dabei gemessenen oder selbstberichteten Sättigung liegt uns keine Studie vor

  8. 08

    Blutzuckerreaktion nach einer Mahlzeit beziehungsweise nüchtern am Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "gluco-oligosaccharide" "glucose" (alle Publikationstypen, ohne Beschränkung auf Humanstudien) (16 Treffer). Bei Durchsicht aller 16 Titel handelt es sich ausschließlich um enzymatische Synthese-, Struktur- oder Analysearbeiten zu verschiedenen Gluco-Oligosacchariden sowie um eine fachfremde Arbeit zur Darmflora bei fettreicher Ernährung, keine davon prüft eine orale Einnahme durch Menschen mit Blutzuckermessung. Zu einer Blutzuckerwirkung des Reinstoffs am Menschen liegt uns keine Studie vor

  9. 09

    Gesamt- und LDL-Cholesterin im Blut am Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "gluco-oligosaccharide" "cholesterol" (alle Publikationstypen, ohne Beschränkung auf Humanstudien) (0 Treffer). Zu einer Cholesterinwirkung des Reinstoffs am Menschen liegt uns keine Studie vor

  10. 10

    Selbstberichtete Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Stuhlgang bei oraler Einnahme am Menschen

    Studienlage offen
    Einordnung und Einschränkungen

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "gluco-oligosaccharide" "gastrointestinal tolerance" (alle Publikationstypen, ohne Beschränkung auf Humanstudien) (0 Treffer) und mit dem Begriff flatulence (1 Treffer, betrifft ausschließlich Maisstärkefaser, einen anderen Ballaststoff). Die einzigen Humanstudien, in denen Bioecolians tatsächlich eingenommen wurde, prüften ein Kombinationspräparat mit einem Probiotikum und erhoben keine Verdauungssymptome als Endpunkt. Zu selbstberichteten Verdauungsbeschwerden des Reinstoffs am Menschen liegt uns keine Studie vor

Studien im Detail

Darmflora, kurzkettige Fettsäuren und Gasbildung im Reagenzglas

Die Fermentationsstudie, die den Rohstoff unter seinem Handelsnamen Bioecolians prüft [1], setzt ihn in einem etablierten In-vitro-Fermentationsmodell mit Stuhlproben von 4 schlanken und 4 übergewichtigen gesunden Erwachsenen ein, mit Inulin als Positivkontrolle. Über 36 Stunden stieg die Bifidobacterium-Population signifikant an und lag am Ende signifikant höher als unter Inulin, ebenso die Gesamtmenge kurzkettiger Fettsäuren. Gleichzeitig entstand bei der Bioecolians-Fermentation weniger Gas und langsamer als bei Inulin, was die Autoren als Hinweis auf eine mildere Verträglichkeit werten, ohne dass dazu am Menschen selbst etwas gemessen wurde. Alle diese Werte stammen aus einem geschlossenen Kulturgefäß mit Stuhlflora, nicht aus einer Einnahme durch Menschen. Die Studie wurde nicht vom Rohstoffhersteller Solabia finanziert (Förderung durch die Universität Reading und ein malaysisches Regierungsstipendium für die Erstautorin), Solabia stellte lediglich das Testmaterial kostenlos zur Verfügung, ein struktureller Interessenkonflikt wird von den Autoren verneint.

Zwei strukturell verwandte Arbeiten ordnen diesen Befund ein, ohne selbst Bioecolians zu prüfen. Eine akademische Vorläuferarbeit derselben französischen Forschungslinie aus dem Jahr 1995 [3] zeigt an drei definierten Darmbakterienstämmen und an gnotobiotischen Ratten, dass die für den Rohstoff charakteristischen alpha-1,2-Bindungen widerstandsfähiger gegen bakteriellen Abbau sind als alpha-1,6-Bindungen, und dass sich sowohl der Abbau als auch die beteiligten Bakterienarten mit der Dauer der Gewöhnung verändern. Eine zweite, methodisch nahezu identische Studie desselben Labors [2] prüft alpha-1,2-verzweigte Dextrane eines anderen Herstellers (Tate und Lyle, teilweise von diesem Unternehmen finanziert) und zeigt, dass die Verzweigung selbst die Bifidobacterium-Selektivität nicht erhöht, aber den nach der amtlichen Methode gemessenen Ballaststoffgehalt anhebt, von 74 auf bis zu 101 Prozent bei einem 1-Kilodalton-Dextran. Bemerkenswert ist der Förderhinweis dieser zweiten Studie: Die Daten werden dort ausdrücklich als vertrauliche Daten "in accordance with EC Regulation No 1924/2006" bezeichnet, was auf eine mögliche spätere Verwendung für einen Antrag auf eine gesundheitsbezogene Angabe hindeutet, unabhängig davon, ob ein solcher Antrag tatsächlich gestellt wurde.

Kombinationspräparat mit einem Probiotikum, Darmflora- und Impfantwort am Menschen

Die einzige Studienreihe, in der Bioecolians tatsächlich von Menschen eingenommen wurde [5, 6, 7], ist eine einzelne randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 125 randomisierten (112 ausgewerteten) jungen und älteren Erwachsenen, in drei Publikationen ausgewertet, nicht drei unabhängige Bestätigungen. Geprüft wurde ausschließlich ein Kombinationspräparat aus 8 Gramm Bioecolians und dem Probiotikum Bifidobacterium longum bv. infantis über 8 Wochen, mit anschließender Grippeimpfung nach 4 Wochen. Die Kopienzahl von B. longum im Stuhl stieg unter dem Kombinationspräparat gegenüber Placebo an, wenn beide Altersgruppen zusammen ausgewertet wurden (p kleiner 0,01 [5]), bei getrennter Auswertung je Altersgruppe blieb nur eine nicht signifikante Tendenz. Weil dasselbe Bakterium gemessen wird, das eingenommen wurde, lässt sich daraus kein eigenständiger Beitrag des Gluco-Oligosaccharids ablesen.

Bei der Impfantwort selbst fand sich über alle drei Publikationen hinweg kein positiver Effekt des Kombinationspräparats. Die Primärpublikation [5] beschreibt "wenig Effekt" und bei älteren Teilnehmenden sogar eine Tendenz zu schwächerer Serokonversion und IgG-Antwort unter dem Kombinationspräparat. Die Auswertung der B- und T-Zell-Subpopulationen [6] findet mittels linearem gemischtem Modell ausdrücklich keinen signifikanten Behandlungseffekt in keiner der beiden Altersgruppen. Die Auswertung der natürlichen Killerzellen [7] findet keinen Einfluss auf deren Phänotyp oder Aktivität, weder vor noch nach der Impfung. Einschränkend kommt hinzu, dass die randomisierten älteren Teilnehmenden der Kombinationspräparat-Gruppe bei Studienbeginn bereits signifikant mehr seneszente Helferzellen und höhere Anti-CMV-Antikörperspiegel aufwiesen als die Placebogruppe, ein Ungleichgewicht, das die Studienautoren selbst als möglichen Erklärungsfaktor benennen. Alle drei Publikationen wurden laut ihrem jeweiligen, im Volltext genannten Förderhinweis unabhängig über einen Zuschuss von BBSRC-DRINC finanziert, keine der Arbeiten gibt einen Interessenkonflikt an.

Tier- und Laborstudien

Die oben beschriebenen In-vitro-Fermentationsdaten [1, 2] und die In-vitro- und In-vivo-Daten an gnotobiotischen Ratten [3] sind die einzigen Labor- beziehungsweise Tierdaten, die uns zu diesem Rohstoff und seiner strukturellen Verwandtschaft vorliegen. Aus keiner dieser Arbeiten folgt eine Aussage darüber, was nach oraler Einnahme im Darm eines Menschen geschieht oder was ein Mensch davon bemerkt. Insbesondere die Gasbildungsdaten sind kein Ersatz für eine an Menschen erhobene Verträglichkeitsangabe.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Für Alpha-Gluco-Oligosaccharide existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012 [8]. Ein durchsuchter Volltext dieser Verordnung enthält keinen Treffer für Gluco-Oligosaccharid, Alpha-Glucan-Oligosaccharid, Dextran-Oligosaccharid oder Bioecolians. Anders als bei einigen anderen häufig eingesetzten Ballaststoffen (etwa Beta-Glucane aus Hafer oder resistente Stärke, die eine Angabe zum Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit tragen) ließ sich für diesen Rohstoff mit den hier verfügbaren Mitteln nicht feststellen, ob überhaupt je ein Antrag auf eine solche Angabe nach Artikel 13 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [9] gestellt und von der EFSA bis zum Ende geprüft wurde, wie es für andere Fasern wie Akaziengummi nachweisbar der Fall war. PubMed führt keine EFSA-Stellungnahme zu diesem Rohstoff, und das EU-Register der gesundheitsbezogenen Angaben ließ sich bei dieser Recherche nicht auswerten. Der Befund bleibt deshalb auf "keine zugelassene Angabe" beschränkt, ohne dass sich "nie beantragt" von "beantragt und abgelehnt" unterscheiden ließe.

Zur Verträglichkeit des Reinstoffs am Menschen liegt uns keine eigene Studie vor. Die In-vitro-Fermentationsdaten [1] zeigen im Vergleich zu Inulin eine langsamere und insgesamt geringere Gasbildung, was ein plausibler, aber nicht am Menschen bestätigter Hinweis auf eine bessere Verträglichkeit bei vergleichbarer Dosis ist. In der einzigen Studienreihe mit tatsächlicher oraler Einnahme durch Menschen [5, 6, 7] wurden Verdauungssymptome nicht als Endpunkt erhoben, weil der Schwerpunkt auf der Impfantwort lag. Aus den vorliegenden Quellen ergeben sich keine Hinweise auf ernste Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Weil der Rohstoff zu den fermentierbaren Ballaststoffen zählt, gilt für ihn allgemein, was für fermentierbare Fasern gilt: Bei raschem Aufbau einer hohen Dosis sind Blähungen oder ein verändertes Stuhlverhalten möglich, spezifisch für diesen Rohstoff am Menschen jedoch nicht belegt.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    In-vitro-Fermentationsstudie mit menschlicher Stuhlflora (4 schlanke, 4 übergewichtige gesunde Erwachsene), Rohstoff Bioecolians von Solabia zur Verfügung gestellt, unabhängig über die Universität Reading und ein Stipendium der malaysischen Regierung finanziert · 2013

    In vitro fermentation of commercial α-gluco-oligosaccharide by faecal microbiota from lean and obese human subjects.

    Sarbini SR, Kolida S, Gibson GR, Rastall RA. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  2. 02

    In-vitro-Fermentationsstudie mit menschlicher Stuhlflora zu alpha-1,2-verzweigten Dextranen unterschiedlicher Kettenlänge, Substrate vom Hersteller Tate und Lyle gestellt und die Studie teilweise von Tate und Lyle finanziert, nicht Bioecolians beziehungsweise Solabia · 2011

    In vitro fermentation of linear and alpha-1,2-branched dextrans by the human fecal microbiota.

    Sarbini SR, Kolida S, Naeye T, Einerhand A, Brison Y, Remaud-Simeon M, Monsan P, Gibson GR, Rastall RA. Appl Environ Microbiol

    Zur Zuschreibung: 01, 04

  3. 03

    In-vitro-Studie an 3 definierten Darmbakterienstämmen und In-vivo-Studie an gnotobiotischen Ratten, akademische Vorläuferarbeit derselben französischen Forschungslinie, nicht ausdrücklich als Bioecolians gekennzeichnet, Auswertung anhand des Abstracts · 1995

    Degradation and fermentation of alpha-gluco-oligosaccharides by bacterial strains from human colon, in vitro and in vivo studies in gnotobiotic rats.

    Djouzi Z, Andrieux C, Pelenc V, Somarriba S, Popot F, Paul F, Monsan P, Szylit O. J Appl Bacteriol

    Zur Zuschreibung: 04

  4. 04

    In-vitro-Screening-Studie an 11 Kandidatensubstraten in Batch-Kultur, anschließende Simulation im dreistufigen Darmmodell mit einer anderen Mischung, Hersteller des geprüften Gluco-Oligosaccharids im Abstract nicht genannt, Auswertung anhand des Abstracts · 2021

    Development of a prebiotic blend to influence in vitro fermentation effects, with a focus on propionate, in the gut.

    Collins SM, Gibson GR, Kennedy OB, Walton G, Rowland I, Commane DM. FEMS Microbiol Ecol

    Zur Zuschreibung: 02

  5. 05

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie, n gleich 125 randomisiert (112 ausgewertet), 8 Wochen, Kombinationspräparat aus Bioecolians und einem Probiotikum-Stamm, unabhängig über BBSRC-DRINC finanziert, kein Interessenkonflikt angegeben · 2016

    Effect of a synbiotic on the response to seasonal influenza vaccination is strongly influenced by degree of immunosenescence.

    Przemska-Kosicka A, Childs CE, Enani S, Maidens C, Dong H, Dayel IB, Tuohy K, Todd S, Gosney MA, Yaqoob P. Immun Ageing

    Zur Zuschreibung: 05, 06

  6. 06

    Zweite Auswertung derselben Studie wie Quelle 5 (B- und T-Zell-Phänotyp), unabhängig über BBSRC-DRINC finanziert, kein Interessenkonflikt angegeben · 2018

    Impact of ageing and a synbiotic on the immune response to seasonal influenza vaccination, a randomised controlled trial.

    Enani S, Przemska-Kosicka A, Childs CE, Maidens C, Dong H, Conterno L, Tuohy K, Todd S, Gosney M, Yaqoob P. Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 06

  7. 07

    Dritte Auswertung derselben Studie wie Quelle 5 (Phänotyp und Aktivität natürlicher Killerzellen), unabhängig über BBSRC-DRINC finanziert, kein Interessenkonflikt angegeben · 2018

    Age-Related Changes in the Natural Killer Cell Response to Seasonal Influenza Vaccination Are Not Influenced by a Synbiotic, a Randomised Controlled Trial.

    Przemska-Kosicka A, Childs CE, Maidens C, Dong H, Todd S, Gosney MA, Tuohy KM, Yaqoob P. Front Immunol

    Zur Zuschreibung: 06

  8. 08

    Durchführungsverordnung der Kommission auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen, Volltext durchsucht, keine Angabe zu Gluco-Oligosaccharid, Alpha-Glucan-Oligosaccharid, Dextran-Oligosaccharid oder Bioecolians enthalten · 2012

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, ausgenommen Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern.

    Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union

  9. 09

    Verordnung, Rechtsgrundlage für das Bewertungsverfahren nach Artikel 13 Absatz 1, auf die sich auch die Herstellerfinanzierung der Quelle 2 ausdrücklich beruft · 2006

    Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.

    Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union Amtsblatt der Europäischen Union

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