Cissus Quadrangularis Extrakt

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Pflanzenextrakte

Cissus quadrangularis · Cissus · Hadjod · Veldt-Grape

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den Stängeln einer vierkantigen Weinrebe, wirkbestimmend werden Stilbene, Flavonoide und Ketosteroide diskutiert, uneinheitlich standardisiert
Herkunft
Tropische Regionen Indiens, Afrikas und Südostasiens, verwendet werden die fleischigen Stängel der Kletterpflanze. In der ayurvedischen Medizin traditionell bei Knochenbrüchen und Gelenkbeschwerden genutzt
Wirkform in Studien
Die Stoffwechselstudien nutzen entweder den patentierten wässrigen Stängel- und Blattextrakt CQR-300 mit 300 mg täglich oder eine Kombinationsformel, die pro Tag nur 15 mg Cissus-Extrakt liefert und daneben 200 mg Grüntee-Extrakt mit 40 Prozent Koffein, Niacin-gebundenes Chrom, Soja-Albumin, Vitamin B6, Vitamin B12, Selen und Folsäure enthält. CQR-300 stammt in all diesen Arbeiten von der Firma Gateway Health Alliances (Fairfield, Kalifornien), die den Extrakt herstellt und vertreibt. Die einzige unabhängige placebokontrollierte Studie nutzte 600 mg eines nicht markengebundenen Extrakts. Knochenstudien nutzen uneinheitliche Extrakte und Pulver ohne durchgängige Standardisierung, eine Pilotstudie zu Gelenkschmerz nutzte einen nicht näher spezifizierten Extrakt
Übliche Studiendosis
300 mg täglich für den Markenextrakt CQR-300 in den Stoffwechselstudien, 600 mg täglich in der einzigen unabhängigen Studie, 1200 bis 1600 mg täglich in der Knochendichte-Studie und 3200 mg täglich in der einarmigen Gelenkschmerz-Pilotstudie, über 8 bis 24 Wochen. Die in zwei Arbeiten genannten 1028 mg täglich sind die Gesamtmenge einer Mischung und enthalten nur 15 mg Cissus-Extrakt
Verträglichkeit
In der gepoolten Sicherheitsauswertung einer Meta-Analyse aus 9 Studien an 1108 Teilnehmenden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Eine 24-wöchige Studie mit bis zu 1,6 g täglich fand keinen Unterschied in der Häufigkeit von Nebenwirkungen zwischen Cissus- und Placebogruppe. In der tierexperimentellen Toxikologie liegt die LD50 bei über 3000 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Da mehrere Studien senkende Effekte auf Nüchternblutzucker und Blutfette zeigen, ist bei bestehender Medikation zur Blutzucker- oder Cholesterineinstellung ärztliche Rücksprache sinnvoll. Bei Kombinationspräparaten mit Piperin aus schwarzem Pfeffer ist zusätzlich zu beachten, dass Piperin die Aufnahme anderer gleichzeitig eingenommener Arzneistoffe erhöhen kann, unabhängig von Cissus selbst

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Körpergewicht, Bauchumfang, Blutfette und Nüchternblutzucker bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen, positiv nur in Studien einer einzigen Forschungsgruppe mit Bindung an den Hersteller des Markenextrakts, in der einzigen unabhängigen Studie kein Unterschied zu Placebo

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus 9 randomisierten Studien an insgesamt 1108 Teilnehmenden fand für Cissus-Kombinationspräparate gegenüber Placebo signifikante gepoolte Effekte auf Körpergewicht (gewichtete mittlere Differenz minus 5,19 kg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,82 bis minus 1,55), LDL-Cholesterin (minus 14,43 mg/dl, minus 20,06 bis minus 8,80), Gesamtcholesterin (minus 50,50 mg/dl, minus 70,97 bis minus 30,04), Triglyzeride (minus 37,50 mg/dl, minus 48,71 bis minus 26,29) und Nüchternblutzucker (minus 10,39 mg/dl, minus 14,60 bis minus 6,18), GRADE-Qualität hoch, ausdrücklich jedoch nur für Kombinationspräparate, nicht für Cissus allein untersucht; wie viele der 9 Studien diesen Endpunkt betreffen, nennt das Abstract nicht gesondert. Mehrere Einzelstudien derselben Forschungsgruppe um Julius Oben (Kamerun), zeitlich vor dieser Übersicht veröffentlicht und mutmaßlich Teil der gepoolten Studien, zeigen ähnliche Befunde. An 123 übergewichtigen und adipösen Erwachsenen senkte eine Cissus-Formulierung (Dosis im Abstract nicht in Milligramm genannt, zwei Einnahmen täglich, 8 Wochen) gegenüber Placebo Gewicht, zentrale Adipositas, Nüchternblutzucker, Gesamt- und LDL-Cholesterin, Triglyzeride und CRP, unabhängig von einer begleitenden Diät. An 153 ausgewerteten von 168 randomisierten Teilnehmenden senkten sowohl der Markenextrakt CQR-300 (300 mg täglich) als auch die Kombinationsformel CORE (1028 mg täglich) Gewicht, Körperfett, Gesamt- und LDL-Cholesterin, Triglyzeride und Nüchternblutzucker gegenüber dem Ausgangswert signifikant und erhöhten HDL-Cholesterin. In einer doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 72 übergewichtigen und adipösen Erwachsenen (24 pro Gruppe, 10 Wochen, Dosis im Abstract nicht in Milligramm genannt, Kapseln zweimal täglich vor den Mahlzeiten) zeigte auch der Cissus-Reinstoff-Arm gegenüber Placebo signifikante Reduktionen bei Gewicht, Körperfett, Taillenumfang, Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie Nüchternblutzucker, eine zusätzliche Kombination mit Irvingia gabonensis fiel stärker aus. In einer weiteren doppelblinden, plazebokontrollierten Pilotstudie derselben Forschungsgruppe an 67 übergewichtigen Personen (35 unter CQR-300, 32 unter Placebo, 300 mg täglich als Einzeldosis, 8 Wochen) sanken Körperfettanteil, Taillen- und Hüftumfang, systolischer und diastolischer Blutdruck, Gesamtcholesterin, Triglyzeride, Nüchternblutzucker und Leptin gegenüber Placebo signifikant, HDL-Cholesterin und Adiponectin stiegen. Eine gezielte Suche, gesucht nach cissus quadrangularis und weight loss sowie nach cissus quadrangularis und obesity mit RCT- und Metaanalyse-Filter, fand neben den genannten Arbeiten und zwei weiteren Übersichtsarbeiten zur pflanzlichen Adipositas-Therapie keine zusätzliche unabhängige, von der Oben-Gruppe getrennte placebokontrollierte Cissus-Studie außer der thailändischen Arbeitsgruppe. Diese bislang einzige davon unabhängige placebokontrollierte Humanstudie fand bei adipösen Erwachsenen eine signifikante Abnahme von Taillen- und Hüftumfang gegenüber dem Ausgangswert, maß daneben auch Gewicht, BMI, Körperfett, Blutfette, Blutzucker, Insulin und Blutdruck und fand für keinen dieser Werte einen Unterschied zu Placebo, die Varianzanalyse zeigte weder einen Behandlungseffekt noch eine Wechselwirkung, zudem sank der Taillenumfang auch in der Placebogruppe, das Abstract nennt weder Dosis noch Gruppengröße für den Cissus-Arm gesondert. Fast alle durchweg positiven Studien zu diesem Themenkomplex stammen aus derselben Forschungsgruppe und nutzen überwiegend den patentierten Markenextrakt CQR-300 mit 300 mg als typischer Tagesdosis

    Quellen: 1, 2, 3, 4, 5, 6

  2. 02

    Frakturheilung und Knochenschmerz bei Erwachsenen mit Knochenbruch

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus 9 randomisierten Studien an 1108 Teilnehmenden fand für Cissus einen gegenüber Vergleichsgruppen signifikant geringeren Knochenschmerz bei Personen mit Fraktur, GRADE-Qualität für diesen Endpunkt niedrig eingestuft. Wie viele der 9 Studien und wie viele Teilnehmende speziell auf diesen Endpunkt entfallen sowie welche Dosis verwendet wurde, nennt das verfügbare Abstract nicht gesondert. Die zugrunde liegenden Primärstudien sind ältere indische Arbeiten aus den 1960er-Jahren, die in PubMed ohne Abstract geführt werden, ihr Inhalt lässt sich hier deshalb nicht eigenständig nachvollziehen, die Bewertung stützt sich ausschließlich auf die Charakterisierung durch die Übersichtsarbeit selbst

    Quellen: 1

  3. 03

    Knochenmineraldichte und Knochenstoffwechsel-Marker bei Menschen, kein Unterschied zu Placebo bei der Knochendichte selbst, der einzige auffällige Marker ist ein Anstieg des Parathormons aus 2 offenen Studien mit zusammen 96 Teilnehmenden, den die Übersichtsarbeit selbst als nicht wichtig einstuft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus 7 randomisierten Studien an insgesamt 354 Teilnehmenden fand für Cissus eine signifikant erhöhte Parathormon-Konzentration im Blut (standardisierte Mittelwertdifferenz 1,23, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,79 bis 1,67, p kleiner 0,0001), aber keine signifikante Veränderung von Calcium, Phosphat oder alkalischer Phosphatase, die Verlässlichkeit der Evidenz stufen die Autoren für alle vier Marker als sehr niedrig ein, der Parathormon-Anstieg ruht dabei auf nur 2 der 7 Studien mit 48 Teilnehmenden je Arm, beides offene indische Arbeiten, die Übersichtsarbeit vermerkt dazu starken Verdacht auf Publikationsbias und stuft alle vier Endpunkte selbst als nicht wichtig ein, sie diskutiert den Anstieg zudem als mögliches Zeichen eines frühen normokalzämischen Hyperparathyreoidismus mit Verlust an kortikalem Knochen, ein Nutzensignal ist das damit nicht. Eine doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 134 randomisierten (108 ausgewerteten) postmenopausalen Frauen über 40 Jahren mit einer Knochendichte im osteopenischen Bereich (1,2 oder 1,6 g Cissus täglich, 24 Wochen) fand für den primären Endpunkt Knochenmineraldichte an Lendenwirbelsäule, Schenkelhals und Gesamthüfte keinen Unterschied zu Placebo, diese Studie ist eine der 7 namentlich in der Einschlusstabelle der Übersichtsarbeit von 2025 geführten Studien. Als sekundärer Endpunkt sank der Knochenumsatz-Marker P1NP gegenüber Placebo signifikant (minus 9,95 plus minus 22,22 Prozent unter der höheren Dosis nach 24 Wochen, p kleiner 0,01), während der Marker CTX in der Placebogruppe kontinuierlich anstieg und unter Cissus stabil blieb. Der klinisch aussagekräftigste Endpunkt, die Knochendichte selbst, zeigte in dieser Studie keinen Effekt. Eine gezielte Suche, gesucht nach cissus quadrangularis und bone mineral density mit RCT- und Metaanalyse-Filter, ergab genau diese eine Studie, es liegt also bislang keine weitere kontrollierte Humanstudie zur Knochenmineraldichte unter Cissus vor

    Quellen: 7, 8

  4. 04

    Osteogenes Potenzial bei zahnärztlicher Kieferkammdistraktion vor Implantatinsertion

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte Studie an 20 Personen mit atrophem Kieferkamm, die zur Implantatvorbereitung eine Alveolardistraktion erhielten (Placebo gegen Cissus während der Konsolidierungsphase, Dosis im Abstract nicht in Milligramm genannt), fand radiologisch und histologisch eine schnellere Knochenbildung und -reifung, eine höhere Knochendichte im distrahierten Areal sowie einen geringeren Knochenverlust um das Implantat gegenüber Placebo. Die Studie betrifft eine sehr kleine, zahnmedizinisch sehr spezifische Population und lässt sich nicht auf Knochenbrüche oder Sehnen im Allgemeinen übertragen

    Quellen: 9

  5. 05

    Gelenkschmerzen bei sporttreibenden Erwachsenen, unkontrollierte Pilotstudie ohne Placebo-Vergleich

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine einarmige, unkontrollierte Pilotstudie ohne Placebo-Gruppe an 29 sporttreibenden Männern zwischen 20 und 46 Jahren mit belastungsabhängigem Gelenkschmerz (3200 mg Cissus täglich über 8 Wochen) fand einen gegenüber dem Ausgangswert signifikant gesunkenen WOMAC-Gesamtscore (von 25,4 plus minus 2,4 auf 17,4 plus minus 2,1 Punkte, rund 31 Prozent, p kleiner 0,05). Ohne Placebo-Gruppe und Verblindung lässt sich ein reiner Erwartungseffekt nicht ausschließen, die Autoren fordern selbst eine placebokontrollierte Folgestudie

    Quellen: 10

  6. 06

    Oxidative Stressmarker (TBARS, Carbonyle) im Blut bei übergewichtigen Erwachsenen, reiner Vorher-Nachher-Vergleich, ein Vergleich mit Placebo wird nicht berichtet

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie an 168 randomisierten (153 ausgewerteten) übergewichtigen und adipösen Erwachsenen sanken unter dem Markenextrakt CQR-300 (300 mg täglich) und unter der Kombinationsformel CORE (1028 mg täglich) die Plasmawerte von TBARS und Carbonylen gegenüber dem Ausgangswert signifikant (p kleiner 0,001), der Vergleich galt dabei gegenüber dem eigenen Ausgangswert zum Zeitpunkt null und nicht gegenüber der Placebogruppe, in der beide Marker im Studienverlauf sogar leicht anstiegen. In vitro zeigte derselbe Extrakt zudem direkte antioxidative Eigenschaften in drei unterschiedlichen Testverfahren

    Quellen: 3

  7. 07

    Testosteron und anaboles Potenzial bei Kraftsport und Muskelaufbau, keine Studie an Menschen oder an gesunden Tieren

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine gezielte Suche, gesucht nach cissus quadrangularis und testosterone sowie nach cissus quadrangularis und muscle strength mit Humanfilter, ergab jeweils null Treffer, es liegt also keine Humanstudie zu Testosteron oder Muskelkraft vor. Dieselbe Suchfrage ohne Humanfilter, beschränkt auf Tier- und Zellstudien, ergab nur einen Treffer. Diese eine Tierstudie prüfte männliche Mäuse, deren Testosteronproduktion durch das Pestizid Quinalphos unterdrückt worden war, ein Cissus-Extrakt besserte dort den oxidativen Stress im Hodengewebe, die Aktivität mehrerer steroidogener Enzyme (StAR-Protein, Cytochrom P450, 3-beta- und 17-beta-HSD) und stellte die Testosteronproduktion teilweise wieder her. Das ist ausdrücklich ein Erholungseffekt nach toxischer Unterdrückung bei belasteten Tieren, keine Untersuchung an gesunden Tieren, und erlaubt keine Aussage darüber, ob Cissus den Testosteronspiegel bei gesunden Menschen oder im Krafttraining über den Ausgangswert hinaus erhöht. Eine Übersichtsarbeit, die die verfügbare Tier-, Zell- und Humanliteratur zu Cissus systematisch zusammenfasst, hält dazu ausdrücklich fest, dass keine Studien existieren, die eine anabole oder eine Bodybuilding-Wirkung von Cissus belegen

    Quellen: 11, 12

  8. 08

    Schutz der Knochenmikroarchitektur im Tiermodell (ovariektomierte Ratten)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Weibliche Ratten, denen die Eierstöcke entfernt worden waren, erhielten über 3 Monate Cissus. Gegenüber unbehandelten ovariektomierten Tieren blieben Knochenmasse und Mikroarchitektur der Spongiosa im distalen Femur und in der proximalen Tibia erhalten, an der Lendenwirbelsäule zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Der Knochenaufbau-Marker P1NP stieg, die Abbau-Marker Trap5b und CTX sanken. Die Untersuchung fand ausschließlich an Ratten statt, nicht an Menschen

    Quellen: 13

  9. 09

    Gelenkentzündung und Knorpelschutz im Tiermodell und an menschlichen Knorpelzellen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Ratten mit formaldehyd- beziehungsweise Freund-Adjuvans-ausgelöster Gelenkentzündung senkte ein Cissus-Extrakt dosisabhängig die Gelenkschwellung sowie Serum-TNF-alpha, oxidativen Stress und mehrere synoviale Entzündungs- und Gefäßneubildungs-Marker. In einer separaten Untersuchung an menschlichen Knorpelzellen aus der Zellkultur linderte Cissus durch Interleukin-1-beta ausgelöste Zellschäden, und bei Ratten nach Osteotomie verbesserte derselbe Extrakt die alkalische Phosphatase-Aktivität und die Knorpelgewebebildung gegenüber unbehandelten Tieren. Beide Untersuchungen fanden an Tieren beziehungsweise an isolierten menschlichen Zellen statt, nicht in einer klinischen Studie am Menschen

    Quellen: 14, 15

Studien im Detail

Körpergewicht, Blutfette und Blutzucker

Die belastbarste Quelle zu diesem Themenkomplex ist eine 2017 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus 9 randomisierten Studien an 1108 Teilnehmenden [1]. Für Cissus-Kombinationspräparate fand sie signifikante gepoolte Effekte auf Körpergewicht, LDL- und Gesamtcholesterin, Triglyzeride und Nüchternblutzucker gegenüber Placebo, mit GRADE-Qualität hoch, aber ausdrücklich nur für Kombinationspräparate.

Daneben liegen mehrere kleinere Einzelstudien überwiegend derselben kamerunischen Forschungsgruppe um Julius Oben vor. An 123 übergewichtigen und adipösen Erwachsenen senkte eine Cissus- Formulierung Gewicht, zentrale Adipositas, Nüchternblutzucker, Blutfette und CRP gegenüber Placebo [2]. Diese Formulierung heißt Cylaris, wurde zweimal täglich mit 514 mg gegeben und trägt dieselbe Zutatenliste und dieselbe Tagesmenge von 1028 mg wie die 2007 geprüfte Formel CORE. Sie ist damit kein zweites Präparat, sondern dasselbe unter anderem Namen, und der Effekt lässt sich Cissus nicht zurechnen. An 153 ausgewerteten Teilnehmenden senkten sowohl der Markenextrakt CQR-300 (300 mg täglich) als auch die Kombinationsformel CORE Gewicht, Körperfett und mehrere Blutwerte gegenüber dem eigenen Ausgangswert. Die Angabe 1028 mg täglich für CORE ist die Gesamtmenge der Mischung, davon sind 15 mg Cissus- Extrakt, dazu kommen 200 mg Grüntee-Extrakt mit 40 Prozent Koffein, Chrom, Soja-Albumin und Vitamine. Nur für das Körpergewicht berichtet die Arbeit einen Unterschied zur Placebogruppe, die übrigen dort genannten Werte sind Vorher-Nachher-Vergleiche, und die Gruppen wurden zudem unterschiedlich lang behandelt, 6 beziehungsweise 8 Wochen [3]. In einer doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 72 Personen zeigte auch ein Cissus-Reinstoff-Arm gegenüber Placebo signifikante Reduktionen bei Gewicht, Körperfett, Taillenumfang und mehreren Blutwerten, eine Kombination mit Irvingia gabonensis fiel stärker aus [4]. In einer weiteren Pilotstudie derselben Gruppe an 67 Personen (300 mg CQR-300 täglich, 8 Wochen) sanken Körperfettanteil, Taillen- und Hüftumfang, Blutdruck und mehrere Blutwerte gegenüber Placebo signifikant [5].

Die bislang einzige von dieser Forschungsgruppe unabhängige, placebokontrollierte Humanstudie stammt aus Thailand und umfasste 30 adipöse Erwachsene, 15 je Gruppe, mit zweimal 300 mg Extrakt täglich über 8 Wochen. Sie maß Gewicht, BMI, Körperfettmasse, Körperfettanteil, Taillen- und Hüftumfang, Nüchternglukose, Insulin, HOMA-IR, Gesamt-, LDL- und HDL- Cholesterin, Triglyzeride sowie Blutdruck und fand für keinen dieser Werte einen Unterschied zur Placebogruppe. Die berichtete Abnahme von Taillen- und Hüftumfang ist ein Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb der Cissus-Gruppe. Die Varianzanalyse zeigt weder einen Behandlungseffekt noch eine Wechselwirkung von Behandlung und Zeit (Taillenumfang F gleich 2,34, p gleich 0,632, Hüftumfang F gleich 1,21, p gleich 0,281), und der Taillenumfang der Placebogruppe sank im selben Zeitraum ebenfalls. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass Cissus Gewicht, BMI und Körperfett nicht senkte [6].

Knochenbruch und Knochenstoffwechsel

Dieselbe Meta-Analyse aus 9 Studien fand für Cissus einen gegenüber Vergleichsgruppen geringeren Knochenschmerz bei Frakturpatienten, mit niedriger GRADE-Qualität [1]. Die zugrunde liegenden Primärstudien aus den 1960er-Jahren sind in PubMed ohne Abstract geführt, ihr Inhalt lässt sich hier nicht eigenständig nachvollziehen.

Zum Knochenstoffwechsel im engeren Sinn liegt eine 2025 veröffentlichte Meta- Analyse aus 7 Studien an 354 Teilnehmenden vor [7]. Parathormon stieg unter Cissus signifikant, Calcium, Phosphat und alkalische Phosphatase blieben unverändert, die Evidenz gilt für alle vier Marker als sehr niedrig. Die 354 Teilnehmenden verteilen sich sehr ungleich auf die vier Marker. Der Parathormon-Befund stammt aus nur 2 der 7 Studien mit 48 Teilnehmenden je Arm, beides offene indische Arbeiten, eine davon ohne Vergleichsbehandlung. Die Autoren vermerken für alle vier Marker einen starken Verdacht auf Publikationsbias und stufen jeden der vier Endpunkte selbst als nicht wichtig ein. Ein Anstieg des Parathormons ohne Veränderung von Calcium ist zudem kein Nutzensignal. Die Übersichtsarbeit vergleicht das Muster ausdrücklich mit einem frühen normokalzämischen Hyperparathyreoidismus und hält fest, dass eine anhaltend erhöhte Parathormon-Konzentration den Verlust an kortikalem Knochen begünstigen kann. Diese Einzelstudie ist kein zusätzlicher Beleg neben der Meta-Analyse. Die Einschlusstabelle der Übersichtsarbeit führt sie namentlich, beide gehören also zu einem Bestand. Es ist eine 24-wöchige Studie an postmenopausalen Teilnehmerinnen mit Osteopenie, sie fand für den eigentlich entscheidenden Endpunkt, die Knochenmineraldichte, an keiner der drei gemessenen Stellen einen Unterschied zu Placebo. Der Knochenaufbau-Marker P1NP sank, was für sich genommen weniger Knochenneubildung bedeutet und kein Nutzensignal ist [8].

Eine kleine, zahnmedizinisch sehr spezifische RCT an 20 Personen mit Kieferkammdistraktion vor Implantatinsertion fand schnellere Knochenbildung und höhere Knochendichte im distrahierten Areal unter Cissus gegenüber Placebo [9]. Diese Population lässt sich nicht auf Knochenbrüche im Allgemeinen übertragen.

Gelenkschmerz bei Sportlern

Eine einarmige Pilotstudie ohne Placebo-Gruppe an 29 sporttreibenden Männern mit belastungsabhängigem Gelenkschmerz (3200 mg Cissus täglich, 8 Wochen) fand eine Verbesserung des WOMAC-Gesamtscores um rund 31 Prozent gegenüber dem Ausgangswert [10]. Ohne Placebo-Kontrolle lässt sich ein reiner Erwartungseffekt nicht ausschließen, die Autoren selbst fordern eine placebokontrollierte Folgestudie.

Tier- und Laborstudien

Zu mehreren traditionell behaupteten Wirkungen liegen ausschließlich Tier- und Zelldaten vor, keine kontrollierten Humanstudien.

Zum Testosteronstoffwechsel liegt eine Untersuchung an männlichen Mäusen vor, deren Testosteronproduktion durch das Pestizid Quinalphos unterdrückt worden war. Ein Cissus-Extrakt besserte dort oxidativen Stress im Hodengewebe und die Aktivität mehrerer steroidogener Enzyme und stellte die Testosteronproduktion teilweise wieder her [11]. Das ist ein Erholungseffekt nach toxischer Belastung, keine Untersuchung an gesunden Tieren, und erlaubt keine Aussage zu einer testosteronsteigernden oder muskelaufbauenden Wirkung bei gesunden Menschen. Eine Übersichtsarbeit, die die verfügbare Literatur zu Cissus zusammenfasst, hält ausdrücklich fest, dass keine Studien existieren, die eine anabole oder eine Bodybuilding-Wirkung von Cissus belegen [12].

Zum Knochenschutz zeigte eine Untersuchung an ovariektomierten Ratten, dass Cissus über 3 Monate Knochenmasse und Mikroarchitektur im distalen Femur und in der proximalen Tibia gegenüber unbehandelten Tieren erhielt [13].

Zur Gelenkentzündung senkte ein Cissus-Extrakt bei Ratten mit formaldehyd- beziehungsweise Freund-Adjuvans-ausgelöster Arthritis dosisabhängig die Gelenkschwellung sowie mehrere Entzündungsmarker [14]. An menschlichen Knorpelzellen aus der Zellkultur linderte Cissus durch Interleukin-1-beta ausgelöste Zellschäden, bei Ratten nach Osteotomie verbesserte derselbe Extrakt Knochenmarker und Knorpelgewebebildung [15].

Alle in diesem Abschnitt beschriebenen Untersuchungen fanden an Tieren oder an isolierten Zellen statt, nicht an Menschen. Daraus folgt keine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmaß sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme beim Menschen einstellt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In der gepoolten Sicherheitsauswertung der Meta-Analyse aus 9 Studien an 1108 Teilnehmenden wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet [1]. In einer 24-wöchigen Studie mit bis zu 1,6 g Cissus täglich unterschied sich die Häufigkeit von Nebenwirkungen nicht zwischen Cissus- und Placebogruppe [8]. Die plazebokontrollierte Studie an 570 Personen über 7 Tage fand ebenfalls keine Nebenwirkungen und keine Veränderungen der Blutchemie unter Cissus, sie ist aber keine unabhängige Bestätigung. Sie ist eine der 9 Studien der eben genannten Meta-Analyse und stellt mit 570 von 1108 Teilnehmenden mehr als die Hälfte deren Sicherheitsbestand. Ihren eigenen Endpunkt verfehlte sie, die Meta-Analyse hält fest, dass Cissus bei Hämorrhoidalsymptomen keinen Unterschied zu den Vergleichsbehandlungen zeigte [17]. In der tierexperimentellen Toxikologie liegt die LD50 bei über 3000 mg pro Kilogramm Körpergewicht [16].

Da mehrere der oben beschriebenen Studien Effekte auf Nüchternblutzucker und Blutfette zeigen, ist bei bestehender Medikation zur Blutzucker- oder Cholesterineinstellung ärztliche Rücksprache sinnvoll. In Kombinations- präparaten wird Cissus gelegentlich mit Piperin aus schwarzem Pfeffer kombiniert, das die Aufnahme und den Blutspiegel verschiedener gleichzeitig eingenommener Arzneistoffe erhöhen kann, unabhängig von Cissus selbst. Eine eigene, Cissus-spezifische Quelle zu Arzneimittel-Wechselwirkungen liegt uns nicht vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 9 RCTs, n gleich 1108 · 2017

    Efficacy and Safety of Cissus quadrangularis L. in Clinical Use, A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials.

    Sawangjit R, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 123 · 2006

    The use of a Cissus quadrangularis formulation in the management of weight loss and metabolic syndrome.

    Oben J, et al. Lipids Health Dis

    Zur Zuschreibung: 01

  3. 03

    Kontrollierte Studie, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 168 randomisiert, 153 ausgewertet · 2007

    The effect of Cissus quadrangularis (CQR-300) and a Cissus formulation (CORE) on obesity and obesity-induced oxidative stress.

    Oben JE, et al. Lipids Health Dis

    Zur Zuschreibung: 01, 06

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 72 (3 Gruppen zu je 24), Cissus-Reinstoff-Arm und Kombinationsarm · 2008

    The use of a Cissus quadrangularis/Irvingia gabonensis combination in the management of weight loss, a double-blind placebo-controlled study.

    Oben JE, et al. Lipids Health Dis

    Zur Zuschreibung: 01

  5. 05

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Pilotstudie, n gleich 67 (35 CQR-300, 32 Placebo) · 2019

    The Use of a Stem and Leaf Aqueous Extract of Cissus quadrangularis (CQR-300) to Reduce Body Fat and Other Components of Metabolic Syndrome in Overweight Participants.

    Nash R, et al. J Altern Complement Med

    Zur Zuschreibung: 01

  6. 06

    Randomisierte Studie, Gruppengröße für den Cissus-Arm im Abstract nicht einzeln genannt · 2021

    Cissus Quadrangularis enhances UCP1 mRNA, indicative of white adipocyte browning and decreases central obesity in humans in a randomized trial.

    Chatree S, et al. Sci Rep

    Zur Zuschreibung: 01

  7. 07

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 7 RCTs, n gleich 354 · 2025

    The effects of Cissus quadrangularis on bone-related biomarkers in humans, a systematic review and meta-analysis.

    Na Takuathung M, et al. BMC Complement Med Ther

    Zur Zuschreibung: 03

  8. 08

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 134 randomisiert, 108 ausgewertet · 2022

    The effect of Cissus quadrangularis L. on delaying bone loss in postmenopausal women with osteopenia, a randomized placebo-controlled trial.

    Benjawan S, et al. Phytomedicine

    Zur Zuschreibung: 03

  9. 09

    RCT, n gleich 20 · 2021

    Evaluation of osteogenic potential of Cissus quadrangularis on mandibular alveolar ridge distraction.

    Altaweel AA, et al. BMC Oral Health

    Zur Zuschreibung: 04

  10. 10

    Einarmige, unkontrollierte Pilotstudie ohne Placebo, n gleich 29 · 2013

    Cissus quadrangularis reduces joint pain in exercise-trained men, a pilot study.

    Bloomer RJ, et al. Phys Sportsmed

    Zur Zuschreibung: 05

  11. 11

    Tierstudie, Mäuse · 2014

    Antioxidant mediated ameliorative steroidogenesis by Commelina benghalensis L. and Cissus quadrangularis L. against quinalphos induced male reproductive toxicity.

    Kokilavani P, et al. Pestic Biochem Physiol

    Zur Zuschreibung: 07

  12. 12

    Übersichtsarbeit · 2013

    A review and evaluation of the efficacy and safety of Cissus quadrangularis extracts.

    Stohs SJ, Ray SD. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 07

  13. 13

    Tierstudie, Ratten (ovariektomiert) · 2019

    Modulation of bone turnover by Cissus quadrangularis after ovariectomy in rats.

    Guerra JM, et al. J Bone Miner Metab

    Zur Zuschreibung: 08

  14. 14

    Tierstudie, Ratten · 2015

    Cissus quadrangularis attenuates the adjuvant induced arthritis by down regulating pro-inflammatory cytokine and inhibiting angiogenesis.

    Kumar R, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 09

  15. 15

    Zell- und Tierstudie, menschliche Chondrozyten und Ratten · 2015

    Cissus quadrangularis inhibits IL-1β induced inflammatory responses on chondrocytes and alleviates bone deterioration in osteotomized rats via p38 MAPK signaling.

    Kanwar JR, et al. Drug Des Devel Ther

    Zur Zuschreibung: 09

  16. 16

    Übersichtsarbeit, unter anderem Toxikologie · 2021

    Cissus quadrangularis L, A comprehensive multidisciplinary review.

    Bafna PS, et al. J Ethnopharmacol

  17. 17

    RCT, doppelblind, n gleich 570, andere Zielsetzung, hier nur als Vertraeglichkeitsdaten herangezogen · 2010

    Experimental comparative study of the efficacy and side effects of Cissus quadrangularis L. (Vitaceae) to Daflon (Servier) and placebo in the treatment of acute hemorrhoids.

    Panpimanmas S, et al. J Med Assoc Thai

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