Enzianextrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Gentiana lutea L. · Enzianwurzel-Extrakt · Gentianae radix · Gelber Enzian · Bitterwurzel
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus der mehrjährigen Wurzel des Gelben Enzians, reich an den namensgebenden Bitterstoffen Amarogentin und Gentiopikrosid sowie an dem Xanthon Isogentisin
- Herkunft
- Mehrjährige Pflanze der Gebirgsregionen Mittel- und Südeuropas, unter anderem der Alpen, deren mehrjährige Wurzel für Extrakte geerntet wird
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich und größtenteils nicht am lebenden Menschen geprüft. Die einzige gefundene Interventionsstudie am ganzen Menschen prüfte einen wässrigen Enzianwurzel-Extrakt zum Trinken, weitere Humandaten stammen ausschließlich aus Studien mit einer topisch auf die Haut aufgetragenen Kosmetik-Zubereitung, nicht aus einer oral eingenommenen Nahrungsergänzung. Die übrigen Untersuchungen prüften Zellkulturen aus menschlichem Gewebe, isolierte Einzelstoffe wie Isogentisin oder Amarogentin, oder Ratten- und Mäusemodelle
- Übliche Studiendosis
- In der einzigen Interventionsstudie am ganzen Menschen einmalig 500 oder 1500 mg Wurzelpulver in 100 ml Wasser gelöst oder 1000 mg verkapselt. Die HMPC-Monographie nennt für die traditionelle Anwendung als Tee 0,6 bis 6 g Tagesdosis, umgerechnet für einen Trockenextrakt 480 bis 720 mg
- Bekannt geworden durch
- Einer der bittersten bekannten Pflanzenstoffe, seit der Antike als Bestandteil von Bitterlikören sowie als traditionelles Mittel gegen Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden verwendet, dazu als eine von fünf Pflanzen in traditionellen Kombinationspräparaten gegen Erkältungsbeschwerden, siehe Abgrenzung unten
- Arzneiliche Einordnung
- Für die Enzianwurzel besteht eine EU-Kräutermonographie des HMPC, zuletzt am 20. November 2018 überarbeitet, die zwei Anwendungsgebiete festlegt, den vorübergehenden Appetitverlust und leichte Verdauungsbeschwerden. Beide stehen ausschließlich in der Spalte "traditionelle Anwendung", die Spalte "gut etablierte Anwendung" (well-established use) bleibt in der Monographie für die Enzianwurzel bei jedem einzelnen Punkt leer. Eine traditionelle Anwendung beruht ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch und nicht auf Studien und ist deshalb keine behördlich gesicherte Wirkung. Die Wirkungen in diesem Eintrag sind unabhängig davon nach der eigenen Studienlage eingestuft
- Verträglichkeit
- In der einzigen gefundenen Interventionsstudie am Menschen gut vertragen. Die aktuelle HMPC-Monographie nennt keine bekannten Nebenwirkungen und als Gegenanzeige ausschließlich eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Vorübergehender Appetitverlust und leichte Verdauungsbeschwerden bei Erwachsenen, als eigener klinischer Endpunkt in einer kontrollierten Studie
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach einer plazebokontrollierten Studie gesucht, die eine Enzianwurzel-Zubereitung allein bei Appetitverlust oder Verdauungsbeschwerden mit einem eigenen Messwert prüft, und keine gefunden, die die Frage beantwortet. Eine vom HMPC mitbewertete Beobachtungsstudie an 205 Menschen liegt vor, sie berichtet aber keinen Vergleich gegen Placebo oder eine andere Behandlung. Die HMPC-Anerkennung beruht ausdrücklich allein auf langjährigem Gebrauch.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Gentiana lutea und Appetit, Dyspepsie sowie Verdauungsbeschwerden (mit und ohne Beschränkung auf Humanstudien, unter anderem mit den Suchbegriffen appetite, dyspepsia und digestion) ergab keine randomisierte oder plazebokontrollierte Studie am Menschen, die eine Enzianwurzel-Zubereitung allein prüft und dazu einen eigenen Zahlenwert für Appetit, Sättigung oder ein Verdauungsbeschwerden-Ausmaß nennt. Eine Suche allein nach "gentiana lutea" in Verbindung mit "randomized" ergibt genau einen Treffer, PMID 33003231, eine verblindete, plazebokontrollierte Feldstudie an Milchkühen mit einem Sieben-Pflanzen-Extrakt, also weder ein Mensch noch Enzian allein. Das traditionelle Anwendungsgebiet der HMPC-Monographie zu vorübergehendem Appetitverlust und leichten Verdauungsbeschwerden beruht ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch. Ganz ohne klinische Daten steht es allerdings nicht da. Die öffentliche Zusammenfassung der EMA zu Gentianae radix nennt eine vom HMPC mitbewertete Beobachtungsstudie an 205 Menschen mit leichten Magen- und Darmbeschwerden, unter Enzianwurzel besserten sich die Beschwerden, mangels Vergleichsgruppe ließ sich daraus aber kein belastbarer Schluss ziehen, weshalb die Anerkennung am langjährigen Gebrauch hängt. Ein Vergleich gegen Placebo oder eine andere Behandlung fehlt dieser Arbeit, sie beantwortet die gesuchte Frage deshalb nicht. Zur möglichen mechanistischen Grundlage siehe die eigene Zeile zur postprandialen Kreislaufreaktion nach Bitterstoff-Einnahme, die einen anderen Endpunkt misst und keinen Appetit- oder Beschwerden-Wert erhebt.
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02
Postprandiale Kreislaufreaktion (peripherer Gefäßwiderstand, Herzzeitvolumen) nach akuter Einnahme eines in Wasser gelösten Bitterstoff-Getränks
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie an gesunden Erwachsenen veränderte in Wasser gelöstes Enzianwurzel-Pulver nach dem Trinken die Kreislaufreaktion gegenüber reinem Wasser, mit höherem Gefäßwiderstand und geringerem Herzzeitvolumen. Der Blutdruck selbst blieb dabei unverändert, und es wurden weder Appetit noch Verdauungsbeschwerden gemessen.
Ausführlicher Nachweis
McMullen und Kollegen prüften 2014 an gesunden Erwachsenen die Kreislaufwirkung von Bitterstoffen in zwei getrennten Versuchsanordnungen [1]. In der ersten nahmen 14 Teilnehmende Kapseln mit 1000 mg Enzianwurzel-Pulver, 1000 mg Wermutkraut-Pulver oder Zellulose als Placebo zusammen mit 100 ml Wasser ein, hier veränderten die verkapselten Bitterstoffe die Kreislaufreaktion in der Phase 10 bis 15 Minuten nach der Einnahme gegenüber der Wasser-Placebo-Reaktion nicht weiter [1]. In der zweiten Anordnung tranken je 12 Teilnehmende 100 ml Wasser, das mit 500 oder 1500 mg Enzianwurzel-Pulver aromatisiert war, in der Phase 5 bis 10 Minuten nach der Einnahme im Vergleich zur Reaktion auf reines Wasser [1]. Hier erhöhte das mit Enzian aromatisierte Wasser den peripheren Gefäßwiderstand und senkte das Herzzeitvolumen, vor allem durch ein geringeres Schlagvolumen und nicht durch eine veränderte Herzfrequenz [1]. Der Gesamtanstieg des Blutdrucks nach dem Essen unterschied sich trotzdem nicht vom Anstieg unter reinem Wasser, was die Autoren auf eine gegenregulierende Barorezeptor-Pufferung zurückführen [1]. Gemessen wurden ausschließlich kardiovaskuläre Messwerte in einem 5- bis 15-minütigen Fenster nach der Einnahme, kein Appetit-, Sättigungs- oder Verdauungsbeschwerden-Wert und keine mehrtägige Einnahme. Ein Interessenkonflikt ist im Beitrag nicht angegeben, eine Autorenaffiliation nennt die kommerzielle Einrichtung "Naturally Scientific" in Nottingham, ohne dass ein Förderhinweis dazu genannt wird.
Quellen: 1
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03
Lipidgehalt der Hornschicht am Unterarm nach vierwöchiger, zweimal täglicher Anwendung einer 5-prozentigen Extrakt-Creme, Halbseitenvergleich mit einer Placebo-Creme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einem kleinen Halbseitenvergleich an 33 Personen stieg der mit einem Sebumeter gemessene Lipidgehalt der behandelten Hautstelle, bei 13 der 33 Personen änderte er sich jedoch gar nicht, und der im Methodenteil genannte Signifikanztest vergleicht Ausgangswert und Folgewerte derselben Stelle, nicht Verum und Placebo. Geprüft wurde eine äußerlich aufgetragene Zubereitung, keine oral eingenommene Nahrungsergänzung.
Ausführlicher Nachweis
Wölfle und Kollegen zeigten 2017 zunächst in Zellkultur, dass ein Enzianwurzel-Extrakt (GE) in menschlichen primären Keratinozyten die Lipidsynthese sowie die Bildung von Ceramid-Synthase 3 steigert, blockierbar durch Hemmstoffe der p38-MAPK- und PPARgamma-Signalwege [2]. Anschließend führten sie einen Proof-of-Concept-Halbseitenvergleich an den Unterarminnenseiten von 33 Erwachsenen mit normaler bis trockener Haut durch, 4 Männer und 29 Frauen, Durchschnittsalter 43,6 Jahre, bei dem ein Unterarm vier Wochen lang zweimal täglich mit einer 5-prozentigen Extrakt-Creme und der andere mit der Grundlage ohne Extrakt behandelt wurde [2]. Abstract und Abbildungslegende geben den Anstieg des mit einem Sebumeter gemessenen Lipidgehalts als signifikant gegenüber Placebo an, der Methodenteil beschreibt als durchgeführten Test jedoch den paarweisen Wilcoxon-Vergleich der Messzeitpunkte gegen den Ausgangswert, also einen Vorher-Nachher-Vergleich und keinen ausgewiesenen Gruppenvergleich [2]. 13 der 33 Teilnehmenden, also 39 Prozent, zeigten überhaupt keine Änderung des Lipidgehalts, 20 einen Anstieg von mindestens 25 Prozent, davon 8 einen von mindestens 50 Prozent [2]. Ein Konfidenzintervall für den Unterschied und Zahlenwerte für die Placebo-Seite nennt auch der Volltext nicht. Geprüft wurde eine topisch aufgetragene Zubereitung an gesunder Unterarmhaut, keine oral eingenommene Nahrungsergänzung, wie sie in einem Supplement vorkommt. Das Interessenkonflikt-Feld verneint einen Interessenkonflikt ausdrücklich [2]. Zwei der drei Autorenaffiliationen sind trotzdem die kommerziellen Unternehmen Flavex Naturextrakte GmbH und BSI-Beauty Science Intelligence GmbH, ein Autor von Flavex lieferte und analysierte den geprüften Extrakt, ein Autor von BSI stellte die Prüfcreme her [2]. Der Förderhinweis nennt die Software AG Stiftung und DAMUS-DONATA e.V. als Geldgeber des Forschungszentrums [2].
Quellen: 2
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04
Hautbild im Augenbereich (Rauheit, Rötung) nach 14-tägiger topischer Anwendung einer gentiopikrosidhaltigen Creme gegenüber Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie an 22 Personen besserten sich Hautrauheit und Rötung im oberen Augenlidbereich nach zweiwöchiger äußerlicher Anwendung einer Enzianwurzel-Extrakt-Creme stärker als unter Placebo. Geprüft wurde eine Kosmetik-Zubereitung von der Herstellerfirma des Extrakts, keine oral eingenommene Nahrungsergänzung.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2023 veröffentlichte Arbeit prüfte in vitro und an Hautexplantaten die Wirkung eines gentiopikrosidreichen Enzianwurzel-Extrakts (GIE) auf oxidative und gefäßbildende Signalwege und führte anschließend eine klinische Anwendungsstudie an 22 Personen durch, die 14 Tage lang zweimal täglich im Split-Face-Design eine Creme mit 147 Mikrogramm pro Milliliter GIE auf ein oberes Augenlid und Placebo auf das andere auftrugen [3]. Nach 14 Tagen war die mit 3D-Bildaufnahme gemessene durchschnittliche Hautrauheit und -reliefstruktur des oberen Augenlids sowie die Rötung der Augenringe unter GIE signifikant stärker vermindert als unter Placebo [3]. Ein Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied nennt das Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Geprüft wurde eine topisch aufgetragene Kosmetik-Zubereitung im Augenbereich über 14 Tage, keine oral eingenommene Nahrungsergänzung. Ein eigenes Interessenkonflikt-Feld ist im Beitrag nicht ausgefüllt, zwei der drei Autorenaffiliationen sind die kommerziellen Unternehmen Greentech und Groupe ICARE, die nach eigener Recherche Enzianwurzel-Extrakte als Kosmetikrohstoff vertreiben, ohne dass ein gesonderter Förderhinweis genannt wird.
Quellen: 3
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05
Entzündungshemmende Wirkung an menschlichen Bronchialepithelzellen, als mögliche Grundlage der traditionellen Verwendung bei Atemwegsbeschwerden, in Zellkultur
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In Zellkultur senkte ein wässriger Enzianwurzel-Extrakt die durch ein Bakteriengift ausgelöste Ausschüttung zweier Entzündungsbotenstoffe menschlicher Bronchialzellen. Eine Untersuchung am atmenden Menschen liegt dazu nicht vor.
Ausführlicher Nachweis
Wildhaber und Kollegen setzten 2026 die menschliche Bronchialepithel-Zelllinie Calu-3 in Mono- und in Kokultur mit Immunzellen unterschiedlichen Konzentrationen (0,1 bis 12,5 mg/ml) eines wässrigen Enzianwurzel-Extrakts aus [5]. Der Extrakt war nicht zellschädigend und erhielt die Barrierefunktion des Zellrasens, senkte gegenüber unbehandelten, mit Lipopolysaccharid stimulierten Zellen die Ausschüttung der Botenstoffe Interleukin-6 und Interleukin-8 signifikant und regulierte die zugehörigen Gene sowie das Gen für Interleukin-33 herunter [5]. Als Vergleichssubstanzen dienten das Arzneimittel Methylprednisolon und der Bitterstoff Chinin. Die Autoren selbst bezeichnen den Befund als ersten experimentellen Beleg für die traditionelle Verwendung bei Atemwegsbeschwerden und fordern ausdrücklich weitere prä-klinische und klinische Prüfungen [5]. Ein Interessenkonflikt ist nicht angegeben, beide Autorenaffiliationen sind universitär (Universität Freiburg im Üechtland). Die Untersuchung fand ausschließlich an einer isolierten menschlichen Zelllinie statt, keine am atmenden Menschen mit einem klinischen Endpunkt wie Beschwerdebesserung oder Lungenfunktion.
Quellen: 5
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06
Ceramidsynthese in psoriasisähnlichen menschlichen Keratinozyten, in Zellkultur
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In Zellkultur besserte ein Enzianwurzel-Extrakt bei mit Entzündungsbotenstoffen behandelten Hautzellen einzelne Kennzeichen einer gestörten Hautbarriere. Eine Untersuchung an Menschen mit Schuppenflechte liegt dazu nicht vor.
Ausführlicher Nachweis
Gendrisch und Kollegen zeigten 2020, dass ein Enzianwurzel-Extrakt in menschlichen primären Keratinozyten die Konzentration von Glucosylceramiden und der Ceramid-AS/AdS-Unterklasse erhöhte, ohne den gesamten Ceramidgehalt zu verändern [4]. In mit den Botenstoffen Interleukin-17, TNF-alpha, Interleukin-22 und Interferon-gamma zu psoriasisähnlichen Zellen stimulierten Keratinozyten war die Expression der Elongase ELOVL4 vermindert, der Extrakt stellte diese Verminderung teilweise wieder her und steigerte zusätzlich die Ceramid-Synthase 3 [4]. Die durch die Stimulation erhöhte Ausschüttung von Interleukin-6 und Interleukin-8 sowie die erhöhte Expression von DEFB4A blieben von der Extrakt-Behandlung unbeeinflusst [4]. Die Autoren selbst formulieren den Befund als möglichen Ansatzpunkt für eine künftige topische Behandlung, nicht als gezeigte Wirkung [4]. Ein Interessenkonflikt wird ausdrücklich verneint, beide Autorenaffiliationen sind universitär (Universität Freiburg, Karls-Universität Hradec Kralove). Die Untersuchung fand ausschließlich an isolierten menschlichen Hautzellen statt, keine an Menschen mit Schuppenflechte.
Quellen: 4
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07
Schutz menschlicher Gefäßzellen vor rauchbedingter Zellschädigung, isolierter Einzelstoff Isogentisin, in Zellkultur
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In Zellkultur schützte der aus Enzianwurzel isolierte Einzelstoff Isogentisin menschliche Gefäßzellen vor einer durch Zigarettenrauch-Inhaltsstoffe ausgelösten Schädigung. Geprüft wurde ein isolierter Reinstoff und keine ganze Enzianwurzel-Zubereitung, und es liegt keine Untersuchung an rauchenden Menschen vor.
Ausführlicher Nachweis
Schmieder und Kollegen screenten 2007 zweiundzwanzig alpine Pflanzenextrakte auf ihre Fähigkeit, menschliche Gefäßendothelzellen vor durch Zigarettenrauch-Chemikalien ausgelöster Schädigung zu schützen, und identifizierten Enzianwurzel-Extrakte als wirksam [6]. Durch bioaktivitätsgeleitete Fraktionierung führten sie die Wirkung überwiegend auf das Xanthon Isogentisin zurück, das den Zelltod noch bis 4,5 Stunden nach der Rauch-Exposition abmildern konnte, ohne die Rauch-Chemikalien selbst zu neutralisieren, sondern über eine Aktivierung zelleigener Reparaturfunktionen [6]. Die Untersuchung fand ausschließlich an isolierten menschlichen Gefäßzellen im Labor statt, mit einem aus der Wurzel isolierten und aufgereinigten Einzelstoff und nicht mit einer ganzen Extrakt-Zubereitung, keine Untersuchung an lebenden, rauchenden Menschen. Ein Interessenkonflikt ist nicht angegeben, die Autorenaffiliation ist rein universitär (Medizinische Universität Innsbruck).
Quellen: 6
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08
Gefäßschutz und Blutfette bei diabetischen Ratten (Endothelentzündung, Muskelzellwanderung, Gesamtcholesterin), im Tiermodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An diabetischen Ratten senkte ein wässriger Enzianwurzel-Extrakt Entzündungszeichen der Gefäßwand und das Gesamtcholesterin. Eine Untersuchung am Menschen liegt dazu nicht vor.
Ausführlicher Nachweis
Kesavan und Kollegen zeigten 2016 in Zellkultur, dass ein wässriger Enzianwurzel-Extrakt sowie der Einzelstoff Isovitexin die durch TNF-alpha ausgelöste Anheftung von Leukozyten sowie die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies in menschlichen Nabelschnurvenen-Endothelzellen hemmten, ebenso die durch den Wachstumsfaktor PDGF-BB ausgelöste Wanderung glatter Muskelzellen aus der Rattenaorta [7]. An Streptozotocin-diabetischen Ratten senkte eine 2-prozentige Beimischung von Enzianwurzel-Pulver zum Futter das Gesamtcholesterin im Blut, verminderte die mit Öl-Rot-O-Färbung sichtbare Fetteinlagerung sowie die Mediendicke und Kollagenablagerung in der Aortenwand und senkte die Expression der Entzündungs- und Gefäßmarker VCAM-1, iNOS und VE-Cadherin im Aortengewebe gegenüber unbehandelten diabetischen Kontrolltieren [7]. Fütterungsdauer und genaue Tierzahl je Gruppe nennt das Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Die Untersuchung fand an Zellkulturen und an diabetischen Ratten statt, keine an Menschen. Ein Interessenkonflikt ist nicht angegeben, alle Autorenaffiliationen sind universitär oder staatlich (IIT Madras, National Institute of Nutrition Hyderabad, VINCA-Institut Belgrad).
Quellen: 7
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09
Stoffwechsel- und Leberwerte bei diabetischen Mäusen, isolierter Einzelstoff Amarogentin, im Tiermodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Bei diabetischen Mäusen besserte der aus Enzianwurzel isolierte Bitterstoff Amarogentin Blutfette und Leberwerte. Geprüft wurde ein isolierter Reinstoff und keine ganze Enzianwurzel-Zubereitung, und es liegt keine Untersuchung am Menschen vor.
Ausführlicher Nachweis
Potunuru und Kollegen zeigten 2019, dass der aus Gentiana-lutea-Pflanzen isolierte Bitterstoff Amarogentin in Zellkultur (Muskel-, Leber- und Gefäßendothelzellen) das Enzym AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) aktiviert, die Glukoseaufnahme in Muskelzellen steigert und die durch TNF-alpha ausgelöste Endothelentzündung blockiert [8]. Bei oraler Gabe an Streptozotocin-diabetischen Mäusen verringerte Amarogentin die Verdickung der Gefäßinnenwand sowie Kollagen- und Fetteinlagerung in der Aorta und besserte die im Blut gemessenen Blutfett- und Leberfunktionswerte gegenüber unbehandelten diabetischen Kontrolltieren [8]. Dosis, Behandlungsdauer und genaue Tierzahl je Gruppe nennt das Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Geprüft wurde ein aus der Wurzel isolierter und aufgereinigter Einzelstoff, keine ganze Enzianwurzel-Zubereitung, wie sie in einer Nahrungsergänzung vorkommt, und die Untersuchung fand ausschließlich an Zellkulturen und Mäusen statt. Ein Interessenkonflikt ist nicht angegeben, alle Autorenaffiliationen sind universitär (IIT Madras, SASTRA University, Universität Madras).
Quellen: 8
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10
Beschwerdescore im Nasennebenhöhlen- und oberen Atemwegsbereich, nur als eine von fünf Pflanzen in Kombinationspräparaten geprüft, keine Aussage für Enzian allein
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach einer Studie gesucht, die Enzianwurzel für sich allein bei Nasennebenhöhlen- oder Atemwegsbeschwerden prüft, und keine gefunden. Zu diesem verbreitet mit Enzian verbundenen Anwendungsgebiet fanden sich zahlreiche kontrollierte Studien, alle prüften jedoch ein Fünf-Pflanzen-Kombinationspräparat und nicht Enzian für sich allein.
Ausführlicher Nachweis
Eine Suche zu Enzianwurzel und einem Fünf-Pflanzen-Kombinationspräparat gegen Sinusitis ergab 36 Treffer mit dem MeSH-indexierten Beschränkung auf Humanstudien. Das dort geprüfte Präparat enthält neben Enzianwurzel (Gentianae radix) noch Eisenkraut (Verbenae herba), Holunderblüten (Sambuci flos), Schlüsselblume (Primulae flos) und Sauerampfer (Rumicis herba), also vier weitere Pflanzenbestandteile. Keine dieser Arbeiten prüft Enzianwurzel isoliert oder nennt einen eigenen, auf Enzian zurückführbaren Anteil an der berichteten Wirkung. Eine Zuschreibung an Enzian allein lässt sich aus dieser Literatur nicht ableiten, unabhängig davon, wie zahlreich oder wie gut die Kombinationsstudien selbst sind. Eine gezielte Zellkultur-Untersuchung an menschlichen Bronchialzellen mit Enzianwurzel-Extrakt allein liegt vor, siehe eigene Zeile zur entzündungshemmenden Wirkung, sie misst aber keinen klinischen Atemwegs-Endpunkt.
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11
Stärkung des Immunsystems und Entgiftung des Körpers als eigene, objektivierbare Endpunkte
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Studien zu Immunfunktion und Entgiftung gesucht und keine gefunden, die eine Enzianwurzel-Zubereitung allein mit einem eigenen Messwert dazu prüft.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Gentiana lutea in Verbindung mit Immunfunktion, Immunmarkern und Entgiftung beziehungsweise Detoxifikation (mit und ohne Beschränkung auf Humanstudien) ergab keine einzige Interventionsstudie, die eine Enzianwurzel-Zubereitung allein prüft und dazu einen Immun- oder Entgiftungs-Messwert nennt. Die verbreitete Zuschreibung stützt sich erkennbar auf die traditionelle Verwendung als verdauungsförderndes und leberunterstützendes Bittermittel und nicht auf eine geprüfte Studie. Zur Leberfunktion liegt allein die tierexperimentelle Beobachtung besserer Leberwerte bei diabetischen Mäusen unter isoliertem Amarogentin vor, siehe eigene Zeile, kein Befund am Menschen und keine ganze Enzianwurzel-Zubereitung.
Studien im Detail
Postprandiale Kreislaufreaktion nach akuter Bitterstoff-Einnahme
Die einzige gefundene Interventionsstudie am ganzen Menschen misst keinen Verdauungs- oder Appetit-Endpunkt, sondern die Kreislaufreaktion nach dem Essen. McMullen und Kollegen prüften 2014 in zwei getrennten Versuchsanordnungen, ob Enzianwurzel und Wermutkraut als Bitterstoffe die Herz-Kreislauf-Reaktion in der sogenannten Magenphase der Verdauung verändern. Verkapselte Bitterstoffe veränderten die Reaktion gegenüber Placebo-Kapseln nicht weiter. In Wasser gelöste und dadurch geschmacklich wahrgenommene Bitterstoffe erhöhten dagegen den peripheren Gefäßwiderstand und senkten das Herzzeitvolumen gegenüber reinem Wasser, ohne dass sich der Gesamtanstieg des Blutdrucks nach dem Essen unterschied. Die Autoren werten den Befund als sympathisch vermittelte Reaktion der sogenannten kephalen Phase, ausgelöst über den Geschmackssinn, und als möglichen Mechanismus, wie Bitterstoffe die Durchblutung des Magen-Darm-Trakts nach dem Essen unterstützen könnten. Ein Appetit-, Sättigungs- oder Verdauungsbeschwerden-Wert wurde dabei nicht erhoben, und die Beobachtung beschränkt sich auf ein Zeitfenster von wenigen Minuten nach einer einmaligen Einnahme.
Hautbezogene Anwendungen, ausschließlich topisch geprüft
Zwei kleine Humanstudien liegen zu einer auf die Haut aufgetragenen Enzianwurzel-Extrakt-Zubereitung vor, keine davon prüft eine oral eingenommene Zubereitung. Wölfle und Kollegen zeigten 2017 zunächst in Zellkultur, dass ein Enzianwurzel-Extrakt die Lipidsynthese menschlicher Keratinozyten steigert, und bestätigten dies anschließend in einem kleinen Halbseitenvergleich an den Unterarmen von 33 Personen, bei dem die mit dem Extrakt behandelte Hautstelle gegenüber Placebo einen höheren, mit einem Sebumeter gemessenen Lipidgehalt aufwies. Eine 2023 veröffentlichte Arbeit prüfte an 22 Personen im Split-Face-Design eine Creme mit einem gentiopikrosidreichen Enzianwurzel-Extrakt im Augenbereich über 14 Tage und fand gegenüber Placebo eine stärkere Verminderung von Hautrauheit und Rötung am oberen Augenlid. Beide Arbeiten tragen eine kommerzielle Autorenaffiliation eines Extrakt- beziehungsweise Kosmetikherstellers, ohne ein ausgefülltes Interessenkonflikt-Feld, und beide prüften eine Kosmetik-Zubereitung zur äußerlichen Anwendung, keine Nahrungsergänzung.
Entzündungshemmende Wirkung in Zellkultur, als Grundlage traditioneller Verwendungen
Zwei Zellkulturstudien liefern eine mögliche Erklärung für traditionelle Verwendungen der Enzianwurzel, ohne selbst eine Wirkung am lebenden Menschen zu zeigen. Wildhaber und Kollegen zeigten 2026 an menschlichen Bronchialepithelzellen, dass ein wässriger Enzianwurzel-Extrakt die durch ein Bakteriengift ausgelöste Ausschüttung der Entzündungsbotenstoffe Interleukin-6 und Interleukin-8 senkt, und werten dies als ersten experimentellen Hinweis auf die wenig bekannte traditionelle Verwendung bei Atemwegsbeschwerden. Gendrisch und Kollegen zeigten 2020 an psoriasisähnlich stimulierten menschlichen Keratinozyten, dass derselbe Extrakt einzelne, durch die Stimulation gestörte Kennzeichen der Hautbarriere teilweise wiederherstellt. Beide Arbeiten fanden ausschließlich an isolierten menschlichen Zellen statt, keine an Menschen mit einer Atemwegs- oder Hauterkrankung.
Gefäßwirkungen und Stoffwechsel im Tiermodell und mit isolierten Einzelstoffen
Drei tierexperimentelle Arbeiten befassen sich mit möglichen Gefäß- und Stoffwechselwirkungen der Enzianwurzel, zwei davon prüfen nicht die ganze Wurzel, sondern aus ihr isolierte Einzelstoffe. Schmieder und Kollegen zeigten 2007, dass der isolierte Bitterstoff Isogentisin menschliche Gefäßzellen im Labor vor einer durch Zigarettenrauch-Chemikalien ausgelösten Schädigung schützt. Kesavan und Kollegen zeigten 2016, dass ein wässriger Enzianwurzel-Extrakt bei diabetischen Ratten Entzündungszeichen der Gefäßwand und das Gesamtcholesterin senkt. Potunuru und Kollegen zeigten 2019, dass der isolierte Bitterstoff Amarogentin bei diabetischen Mäusen Blutfette und Leberwerte bessert. Alle drei Arbeiten fanden ausschließlich an Zellkulturen sowie an Ratten oder Mäusen statt, keine an Menschen.
Abgrenzung, Enzian als Einzelstoff gegenüber dem Fünf-Pflanzen-Kombinationspräparat
Ein großer Teil der kontrollierten Humanstudien, in denen Enzianwurzel vorkommt, prüft nicht Enzian für sich allein, sondern ein traditionelles Kombinationspräparat aus fünf Pflanzenbestandteilen, neben der Enzianwurzel (Gentianae radix) noch Eisenkraut (Verbenae herba), Holunderblüten (Sambuci flos), Schlüsselblume (Primulae flos) und Sauerampfer (Rumicis herba), das bei akuter Sinusitis und weiteren Atemwegsbeschwerden geprüft wird. Eine Suche allein zu diesem Kombinationspräparat und Sinusitis ergab 36 Treffer mit MeSH-indexiertem Beschränkung auf Humanstudien. Keine dieser Arbeiten isoliert den Beitrag der Enzianwurzel von dem der vier weiteren Pflanzenbestandteile, und keine davon zählt deshalb als Beleg für Enzian allein, unabhängig davon, wie umfangreich die Kombinationsliteratur selbst ist.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In der einzigen gefundenen Interventionsstudie am ganzen Menschen wurde die akute Einnahme von in Wasser gelöstem oder verkapseltem Enzianwurzel-Pulver gut vertragen, schwerwiegende Ereignisse werden darin nicht berichtet.
Die aktuelle HMPC-Unionsmonographie von 2018 nennt für die Enzianwurzel keine bekannten Nebenwirkungen und als einzige Gegenanzeige eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Eine Vorläuferversion der Monographie von 2009 nannte zusätzlich ein bestehendes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür als Gegenanzeige sowie gelegentliche Magen-Darm-Beschwerden und in seltenen Fällen Herzklopfen und Juckreiz als mögliche Nebenwirkungen. Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, die HMPC-Monographie empfiehlt die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
Kontrollierte Crossover-Studie, gesunde Erwachsene, verkapselt n gleich 14, aromatisiertes Wasser n gleich 12, akute Einzeleinnahme · 2014
Bitter tastants alter gastric-phase postprandial haemodynamics.
McMullen MK, Whitehouse JM, Whitton PA, Towell A. J Ethnopharmacol
Zur Zuschreibung: 02
- 02
- 03
- 04
- 05
- 06
- 07
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08
Zellkulturstudie und Tierstudie, Streptozotocin-diabetische Mäuse, isolierter Einzelstoff · 2019
Amarogentin, a secoiridoid glycoside, activates AMP-activated protein kinase (AMPK) to exert beneficial vasculo-metabolic effects.
Potunuru UR, et al. Biochim Biophys Acta Gen Subj
Zur Zuschreibung: 09
Bei H.P.N
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