Glucomannan

Zuletzt geprüft am

Ballaststoffe

Amorphophallus konjac · Konjakmannan · Konjak-Glucomannan · KGM · Konjakwurzel-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 6 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein wasserlösliches, stark wasserbindendes Ballaststoff-Polysaccharid aus Mannose- und Glucose-Einheiten im Verhältnis von etwa 8 zu 5, auch Konjak-Mannan genannt
Herkunft
Aus der Knolle der Konjakpflanze (Amorphophallus konjac), in Ostasien seit Jahrhunderten auch als Lebensmittel genutzt, etwa als Konjak-Nudeln oder in Gelform
Wirkform in Studien
Natives Glucomannan als lösliche, hochviskose Faser, geprüft als Pulver, Kapsel, Tablette oder als vorgequollene Gel- und Nudelform. Die Darreichungsform beeinflusst das Quellverhalten, das wird bei den einzelnen Wirkungen unten benannt, wo es für die Bewertung von Bedeutung ist
Übliche Studiendosis
In den ausgewerteten Studien 1 bis 15 Gramm pro Tag über mehrere Wochen bis Monate, die Mehrzahl der Arbeiten liegt bei 3 bis 4 Gramm. Die zugelassenen EU-Angaben setzen konkrete Mengen und Einnahmebedingungen voraus, siehe Wirkungstabelle
Einnahmehinweis
Glucomannan quillt in Wasser stark auf. In den zitierten Studien wurde es überwiegend mit reichlich Flüssigkeit eingenommen, teils mit vorgeschriebenen 236,6 Millilitern Wasser je Einzeldosis
Sicherheitshinweis
Dokumentiertes, seltenes Risiko einer Speiseröhren- oder Darmblockade bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr, siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Cholesterinspiegel (Gesamt- und LDL-Cholesterin, zugelassene Angabe)

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012 auf Grundlage einer abgeschlossenen EFSA-Bewertung. Glucomannan trägt zur Aufrechterhaltung normaler Cholesterinwerte im Blut bei, Bedingung ist eine Tagesmenge von 4 Gramm Glucomannan. Rechtsgrundlage für die Mindestmenge ist der Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, für Nahrungsergänzungsmittel wird sie nach Artikel 8 der Richtlinie 2002/46/EG auf dem Etikett ausgewiesen. Unabhängig von der Zulassung zeigen fünf systematische Übersichten aus einem im Kern überlappenden Bestand an RCTs gegenüber Kontrolle eine Senkung von Gesamt- und LDL-Cholesterin. Sood und Kollegen fanden 2008 in 14 RCTs (n gleich 531) minus 19,28 mg pro Deziliter Gesamtcholesterin und minus 15,99 mg pro Deziliter LDL-Cholesterin (95 Prozent KI minus 24,30 bis minus 14,26 beziehungsweise minus 21,31 bis minus 10,67), Ho und Kollegen 2017 in 12 RCTs (n gleich 370) minus 0,35 mmol pro Liter LDL-Cholesterin (95 Prozent KI minus 0,46 bis minus 0,25), und Zhang und Kollegen 2023 speziell bei Typ-2-Diabetes in 6 RCTs (n gleich 440) minus 0,38 mmol pro Liter Gesamtcholesterin (95 Prozent KI minus 0,61 bis minus 0,15). Musazadeh und Kollegen bewerteten 2024 dieselbe Studienlage nach GRADE und stufen die Sicherheit der Evidenz für Gesamt- und LDL-Cholesterin als niedrig ein, für Triglyzeride und HDL-Cholesterin als sehr niedrig. Haijun und Kollegen halten 2025 den Effekt zwar für statistisch signifikant, aber gemessen an den üblichen Schwellen für eine klinisch bedeutsame Änderung ausdrücklich nicht für klinisch relevant. Dieselbe Arbeit von 2024 fand zugleich eine signifikante Senkung des HDL-Cholesterins (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,443, 95 Prozent KI minus 0,808 bis minus 0,078), die in der Sensitivitätsanalyse nicht stabil blieb, stellte für Gesamt- und LDL-Cholesterin einen Publikationsbias fest und stuft die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien als von niedriger Qualität ein. Auch sie hält den Effekt ausdrücklich für klinisch nicht bedeutsam, es sagen also zwei der fünf Übersichten. Die Überschneidung ist nachgeschlagen und nicht vermutet, vier der sechs Studien der Arbeit von 2023 stehen auch in der Arbeit von 2024, und neun der elf Studien von 2024 lagen im Suchfenster der Arbeit von 2008. Das ist ein wiederholt ausgewerteter Bestand und sind keine fünf unabhängigen Bestätigungen

    Quellen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8

  2. 02

    Gewichtsverlust im Rahmen einer kalorienreduzierten Ernährung (zugelassene Angabe)

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Glucomannan trägt im Rahmen einer kalorienreduzierten Ernährung zum Gewichtsverlust bei, Bedingung ist eine Tagesmenge von 3 Gramm Glucomannan, aufgeteilt auf drei Einzeldosen von je 1 Gramm, jeweils zusammen mit 1 bis 2 Gläsern Wasser vor den Mahlzeiten, im Rahmen einer kalorienreduzierten Ernährung. Rechtsgrundlage wie bei der Cholesterin-Angabe, Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 für die Mindestmenge, Artikel 8 der Richtlinie 2002/46/EG für die Kennzeichnung. Die Verordnung schreibt zusätzlich einen Warnhinweis vor, siehe Abschnitt Sicherheit. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie hat eine Dosierung in der Nähe dieser Bedingung geprüft, allerdings mit 1,33 statt 1 Gramm je Einzeldosis (3,99 statt 3 Gramm pro Tag) und ausdrücklich ohne die vorausgesetzte kalorienreduzierte Ernährung, die Teilnehmenden sollten ihre gewohnte Kost beibehalten, randomisiert wurden 53 übergewichtige und moderat adipöse Erwachsene, ausgewertet 47, über 8 Wochen, Einnahme jeweils eine Stunde vor den Mahlzeiten mit je 236,6 Millilitern Wasser, ohne Unterschied zu Placebo beim Körpergewicht (minus 0,40 gegenüber minus 0,43 Kilogramm). Die Studie wurde von einer Stiftung finanziert und nicht von einem Hersteller. Weil sie die Einnahmebedingung der zugelassenen Angabe nicht abbildet, widerlegt sie diese Angabe nicht, sie spricht aber auch nicht für sie. Die ältere, der Zulassung zugrunde liegende Studienlage stammt unter anderem aus der Meta-Analyse von Sood und Kollegen mit im Mittel minus 0,79 Kilogramm gegenüber Kontrolle (95 Prozent KI minus 1,53 bis minus 0,05), deren Autoren als Randbeobachtung ohne eigenen Effektschätzer berichten, dass Teilnehmende mit zusätzlicher Diätumstellung, Kinder und Menschen mit gestörtem Glukosestoffwechsel nicht im selben Maß profitierten

    Quellen: 1, 2, 3, 5, 13

  3. 03

    Körpergewicht ohne begleitende Diätvorgabe, uneinheitliche Studienlage

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Mehrere systematische Übersichten zur allgemeinen Zuschreibung, Glucomannan helfe beim Abnehmen, unterscheiden sich in der statistischen Signifikanz, zeigen aber übereinstimmend in dieselbe Richtung. Eine Meta-Analyse aus 8 RCTs bei Übergewichtigen und Adipösen fand gegenüber Placebo keinen signifikanten Unterschied beim Körpergewicht (minus 0,22 Kilogramm, 95 Prozent KI minus 0,62 bis 0,19). Zwei neuere, deutlich größere Meta-Analysen zu verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln, davon eine Netzwerk-Meta-Analyse (67 beziehungsweise 111 eingeschlossene RCTs) finden für Glucomannan dagegen einen statistisch signifikanten, aber kleinen Effekt gegenüber Placebo (minus 1,27 Kilogramm, 95 Prozent KI minus 2,45 bis minus 0,09, beziehungsweise minus 1,36 Kilogramm, 95 Prozent KI minus 2,17 bis minus 0,54), davon eine von ihren eigenen Autoren ausdrücklich mit niedriger Evidenzsicherheit eingestuft, die andere ohne eine solche Einstufung und mit dem Schluss, die Datenlage reiche für eine Empfehlung nicht aus. Alle drei Schätzer liegen unterhalb der in einer der Arbeiten genannten Schwelle von 2,5 Kilogramm für eine klinisch bedeutsame Gewichtsabnahme und zeigen in dieselbe Richtung, sie unterscheiden sich in der statistischen Signifikanz und nicht in der Größenordnung. Die drei Übersichten werten weitgehend dieselben Übergewichtsstudien mit unterschiedlichen Suchfenstern aus. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes speziell fand eine Auswertung aus 3 RCTs (n gleich 106) ebenfalls keinen Unterschied gegenüber Kontrolle (minus 0,71 Kilogramm, 95 Prozent KI minus 2,35 bis 0,93)

    Quellen: 8, 10, 11, 12

  4. 04

    Blutzucker (Nüchtern- und postprandialer Blutzucker)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 14 RCTs fand 2008 eine Senkung des Nüchternblutzuckers gegenüber Kontrolle um im Mittel 7,44 mg pro Deziliter (95 Prozent KI minus 14,16 bis minus 0,72). Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes speziell zeigte eine Meta-Analyse aus 6 RCTs (n gleich 440) gegenüber Kontrolle eine Senkung von Nüchternblutzucker (minus 1,08 mmol pro Liter, 95 Prozent KI minus 1,65 bis minus 0,50) und des Blutzuckers 2 Stunden nach einer Mahlzeit (minus 1,92 mmol pro Liter, 95 Prozent KI minus 3,19 bis minus 0,65). Eine randomisierte Cross-over-Studie bei 22 Typ-2-Diabetikern fand unter 3,6 Gramm Glucomannan täglich über 28 Tage eine Senkung des Nüchternblutzuckers um 23,2 Prozent gegenüber Placebo. Diese Studie ist keine unabhängige dritte Bestätigung, sie ist eine der sechs Studien, aus denen die Meta-Analyse von 2023 besteht, und lag auch im Suchfenster der Arbeit von 2008. Von den sechs Studien der Arbeit von 2023 stammen zwei aus chinesischsprachigen Lokalzeitschriften ohne PMID und ohne DOI, auf sie entfällt der größere Teil der 440 Teilnehmenden. Die Arbeit von 2008 untersucht keine Population mit gestörter Glukoseregulation, sondern eine gemischte, und berichtet ausdrücklich, dass Teilnehmende mit gestörtem Glukosestoffwechsel nicht im selben Maß profitierten

    Quellen: 5, 8, 9

  5. 05

    Sättigung und Appetitregulation, in zwei kleinen akuten Studien uneinheitlich

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei kleine, akute Cross-over-Studien bei gesunden Erwachsenen prüfen, was hochviskoses Konjak-Glucomannan mit Appetit und Energieaufnahme macht, und kommen zu unterschiedlichen Teilaussagen, eine gepoolte Auswertung liegt dazu nicht vor. In einer Studie mit 16 Teilnehmenden enthielt eine Testmahlzeit, in der die Nudeln vollständig durch Konjak-Gelnudeln ersetzt wurden, über Vorlast und Nachtisch zusammen 47 Prozent weniger Energie als die Kontrollmahlzeit, ohne dass beim Nachtisch mehr gegessen wurde. Die berichtete Hungerbewertung lag dabei allerdings 31 Prozent höher als unter Kontrolle, und gegenüber der zur Hälfte ersetzten Variante lag die Sättigung 19 Prozent niedriger. Die Arbeit belegt damit eine Energieverdrängung und keinen sättigenden Effekt. In einer zweiten Studie mit 22 Teilnehmenden stieg mit zunehmender Viskosität des Testfrühstücks das berichtete Sättigungsgefühl, die verzögerte Magenentleerung wurde dort jedoch nicht an den Teilnehmenden gemessen, sondern in einem Modellsystem, die Studie war nur einfach verblindet, und die Abnahme der frei gewählten Mittagsmenge bezeichnen die Autoren selbst als gering, zusätzlich wurden die Darmhormone GLP-1, PYY, Insulin, CCK und Ghrelin als Laborwerte erfasst, nicht als von den Teilnehmenden selbst berichtete Endpunkte. Beide Studien prüfen Glucomannan in Gel- oder Nudelform mit hoher, kontrollierter Viskosität, nicht als Pulver zum Anrühren oder als Kapsel, das Quellverhalten dieser Formen kann abweichen

    Quellen: 14, 15

  6. 06

    Verstopfung und Stuhlfrequenz, überwiegend bei Kindern und uneinheitlich

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die kontrollierte Studienlage stammt fast ausschließlich von Kindern, eine gezielte Suche nach placebokontrollierten Studien bei Erwachsenen lieferte keine Treffer. Eine Meta-Analyse aus 3 RCTs mit 122 Kindern fand eine häufigere Stuhlfrequenz gegenüber Placebo (im Mittel plus 1,40 Stühle pro Woche, 95 Prozent KI 0,36 bis 2,44), aber keinen Unterschied bei Stuhlkonsistenz oder Behandlungserfolgsrate. Innerhalb der einzelnen Studien ist das Bild uneinheitlich, eine randomisierte Cross-over-Studie bei Kindern mit chronischer Verstopfung fand mehr erfolgreiche Behandlungen unter Glucomannan als unter Placebo (45 gegenüber 13 Prozent), eine andere, größere randomisierte Studie mit 80 Kindern fand dagegen keinen Unterschied in der Behandlungserfolgsrate gegenüber Placebo (relatives Risiko 0,95, 95 Prozent KI 0,6 bis 1,4). Bei 20 Kindern mit schwerer Hirnschädigung stieg die Stuhlfrequenz unter Glucomannan innerhalb der Gruppe signifikant an, unter Placebo nicht, einen direkten Vergleich der beiden Gruppen berichtet die Arbeit nicht, die Darmtransitzeit blieb in beiden Armen unverändert

    Quellen: 16, 17, 18, 19

Studien im Detail

Cholesterinspiegel

Die zugelassene Angabe stützt sich auf eine abgeschlossene EFSA-Bewertung und verlangt 4 Gramm Glucomannan pro Tag. Unabhängig davon hat sich seit der ersten großen Meta-Analyse von Sood und Kollegen (2008, 14 RCTs) die Studienlage mehrfach wiederholt bestätigt: Ho und Kollegen werteten 2017 zwölf RCTs speziell zu LDL-Cholesterin, non-HDL-Cholesterin und Apolipoprotein B aus und fanden eine Senkung von LDL-Cholesterin um rund 10 Prozent, ohne Effekt auf Apolipoprotein B. Musazadeh und Kollegen bewerteten 2024 dieselbe Art von Studienlage nach GRADE und kommen zu einer niedrigen Sicherheit der Evidenz für Gesamt- und LDL-Cholesterin, einer sehr niedrigen für Triglyzeride und HDL-Cholesterin. Eine Übersicht von 2025 (Haijun und Kollegen) bestätigt die statistische Signifikanz, hält den Effekt aber selbst für klinisch nicht bedeutsam.

Einschränkung: Diese fünf Übersichten ziehen aus einem im Kern überlappenden, relativ kleinen Bestand an RCTs aus den letzten zwei Jahrzehnten. Sie sind eine wiederholte, nicht fünf unabhängige Bestätigungen. Die zugrunde liegenden Studien prüften unterschiedliche Zubereitungen, teils Pulver, teils Kapseln, ohne dass sich aus den Abstracts durchgehend erschließen lässt, welche Form dominiert.

Gewichtsverlust, die zugelassene Angabe gegen die aktuelle RCT-Lage

Die zugelassene Angabe zum Gewichtsverlust ist ungewöhnlich präzise gefasst: 3 Gramm Glucomannan pro Tag, aufgeteilt auf drei Einzeldosen von je 1 Gramm, mit 1 bis 2 Gläsern Wasser vor den Mahlzeiten, im Rahmen einer kalorienreduzierten Ernährung. Eine randomisierte Studie prüfte eine höhere Tagesdosis von rund 4 Gramm bei selbst gewählter Ernährung: Keithley und Kollegen gaben 2013 exakt 1,33 Gramm Glucomannan dreimal täglich vor den Mahlzeiten mit je 236,6 Millilitern Wasser über 8 Wochen an 53 übergewichtige und moderat adipöse Erwachsene mit selbst gewählter Ernährung, ohne dass sich das Körpergewicht gegenüber Placebo unterschied.

Bemerkenswert ist außerdem ein Detail aus der älteren, der Zulassung zugrunde liegenden Meta-Analyse von Sood und Kollegen: Die Autoren dieser Arbeit berichten selbst, dass Teilnehmende, die zusätzlich ihre Ernährung umstellten, WENIGER von Glucomannan profitierten als solche ohne Diätumstellung. Das widerspricht der naheliegenden Annahme, eine Kalorienreduktion würde den Effekt verstärken.

Körpergewicht ohne Diätvorgabe

Für die allgemeine, häufig verbreitete Zuschreibung, Glucomannan helfe unabhängig von einer Diät beim Abnehmen, ist das Bild uneinheitlich. Die ältere, kleinere Meta-Analyse von Onakpoya und Kollegen (2014, 8 RCTs) findet keinen signifikanten Effekt. Zwei neuere, deutlich größere Meta-Analysen zu verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln (Bessell und Kollegen 2021 mit 67 RCTs, die Netzwerk-Meta-Analyse von Shahinfar und Kollegen 2023 mit 111 RCTs) finden für Glucomannan jeweils einen kleinen, statistisch signifikanten Effekt. Bessell ordnet ihn unterhalb der eigenen Schwelle für klinische Bedeutsamkeit ein; Shahinfar bewertet die Evidenzsicherheit für Glucomannan als niedrig. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes fand die Auswertung von Zhang und Kollegen (2023) an lediglich 3 der 6 eingeschlossenen RCTs (n gleich 106) keinen Unterschied zu Kontrolle.

Blutzucker

Der Effekt auf Nüchtern- und postprandialen Blutzucker ist über mehrere, überwiegend an Menschen mit gestörter Glukoseregulation durchgeführte Studien hinweg konsistent in dieselbe Richtung, mit modester Effektgröße. Am deutlichsten zeigt sich der Effekt bei Menschen mit bereits diagnostiziertem Typ-2-Diabetes.

Sättigung

Zu diesem Punkt liegen nur zwei kleine, akute Cross-over-Studien vor, keine gepoolte Auswertung. Beide nutzten eine Gel- oder Nudelform mit hoher Viskosität, nicht die Pulver- oder Kapselform, in der Glucomannan üblicherweise als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird. Ob sich der Effekt auf andere Zubereitungen übertragen lässt, ist offen.

Verstopfung

Fast die gesamte kontrollierte Studienlage zu diesem Punkt stammt von Kindern, nicht von Erwachsenen. Innerhalb dieser Kinderstudien ist das Bild selbst uneinheitlich: Eine ältere Studie (Loening-Baucke und Kollegen, 2004) fand einen deutlichen Vorteil gegenüber Placebo, eine neuere, größere Studie (Chmielewska und Kollegen, 2011) fand keinen. Die zusammenfassende Meta-Analyse (Han und Kollegen, 2017) findet einen Effekt auf die Stuhlfrequenz, aber nicht auf Stuhlkonsistenz oder Behandlungserfolg.

Tier- und Laborstudien

Eine Arbeit an Zebrafischen [23] prüfte, ob Konjak-Glucomannan zusammen mit einem Probiotikum (Lactobacillus paracasei X11) die Darmperistaltik in einem durch Loperamid ausgelösten Bewegungsstörungsmodell fördert, und fand unter der Kombination eine Zunahme der Darmbewegung sowie eine höhere Expression serotoninbezogener Gene. Diese Daten stammen aus einem Fischmodell mit einer Wirkstoffkombination, nicht aus einer Humanstudie zu Glucomannan allein, und erlauben keine Aussage über die Wirkung beim Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Glucomannan hat unter den gängigen Ballaststoffen eine besonders hohe Wasserbindungskapazität und quillt beim Kontakt mit Flüssigkeit auf ein Vielfaches seines Ausgangsvolumens auf. Daraus folgt ein dokumentiertes, seltenes Risiko: Ein Fallbericht [20] beschreibt eine 37 Jahre alte Frau, bei der ein frei verkäufliches, glucomannanhaltiges Diätprodukt einen verzögert eintretenden Verschluss der Speiseröhre durch eine stark wasserziehende Masse verursachte (ein sogenanntes hygroskopisches Pharmakobezoar). Die Blockade löste sich erst durch starkes Erbrechen kurz vor einer geplanten Magenspiegelung, die dadurch hinfällig wurde. Eine vorbestehende Speiseröhrenmembran wurde erst bei einer späteren ambulanten Spiegelung festgestellt. Der Abstract dieses Falls nennt die genaue Darreichungsform des Produkts nicht. Eine ältere spanische Übersichtsarbeit [21] nennt als bekannte Nebenwirkungen von Glucomannan neben Blähungen und Bauchschmerzen auch Verschlüsse im oberen und unteren Verdauungstrakt sowie eine mögliche Beeinflussung der Bioverfügbarkeit anderer, gleichzeitig eingenommener Arzneimittel, ohne dafür eine eigene kontrollierte Interaktionsstudie zu nennen.

Ein neuerer Fallbericht [22] beschreibt zusätzlich einen Dünndarmverschluss durch mehrere zusammenhängende Stücke festen Konjak-Lebensmittels, die im Ganzen verschluckt worden waren. Dieser Fall betrifft festes Konjak-Speisegut, wie es etwa als Snack oder Nudelersatz verkauft wird, und nicht das gemahlene Ballaststoffpulver oder eine Kapsel mit Glucomannan-Pulver darin. Für die Einordnung des Risikos ist diese Unterscheidung wichtig: Die dokumentierten Fälle betreffen entweder eine stark quellende, kompakte Masse (Speiseröhrenverschluss) oder feste, unzerkaute Lebensmittelstücke (Darmverschluss), nicht ausdrücklich ein in Wasser oder einem Shake bereits aufgelöstes Pulver.

Aus dem Quellrisiko folgt der Warnhinweis, den die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zu beiden oben genannten Angaben ausdrücklich vorschreibt: Es ist vor der Gefahr des Verschluckens zu warnen, mit der Empfehlung, das Produkt mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen, damit der Stoff sicher bis in den Magen gelangt, bevor er dort aufquillt.

In den ausgewerteten Humanstudien war Glucomannan bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr überwiegend gut verträglich. Eine Meta-Analyse zu Übergewicht und Adipositas nennt als häufigste berichtete Nebenwirkungen Bauchbeschwerden, Durchfall und Verstopfung [10]. In einer randomisierten Studie an 80 Kindern traten unter Glucomannan in Woche 1 und Woche 4 häufiger Bauchschmerz-Episoden auf als unter Placebo [18]. Die Autoren der achtwöchigen Studie zum Gewichtsverlust weisen im Volltext darauf hin, dass zur Langzeiteinnahme kaum Daten vorliegen und eine dauerhafte Einnahme die Aufnahme fettlöslicher Vitamine, Carotinoide und Phytosterole beeinflussen könnte, ohne dass sie das selbst geprüft haben [13].

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Durchführungsverordnung der Kommission auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen · 2012

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, ausgenommen Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern

    Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    Verordnung, Rechtsgrundlage für alle Angaben zu Nährstoffen und sonstigen Stoffen einschließlich der Mindestmengen im Anhang · 2006

    Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel

    Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union Amtsblatt der Europäischen Union

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  3. 03

    Richtlinie, Artikel 8 regelt die Kennzeichnung von Nährstoffen und sonstigen Stoffen in Nahrungsergänzungsmitteln · 2002

    Richtlinie 2002/46/EG zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel

    Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  4. 04

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 12 RCTs, n gleich 370 · 2017

    A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials of the effect of konjac glucomannan, a viscous soluble fiber, on LDL cholesterol and the new lipid targets non-HDL cholesterol and apolipoprotein B

    Ho HVT, et al. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 01

  5. 05

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 14 RCTs, n gleich 531 · 2008

    Effect of glucomannan on plasma lipid and glucose concentrations, body weight, and blood pressure, systematic review and meta-analysis

    Sood N, Baker WL, Coleman CI. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 04

  6. 06

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 11 Studien, GRADE-bewertet · 2024

    The effect of glucomannan supplementation on lipid profile in adults, a GRADE-assessed systematic review and meta-analysis

    Musazadeh V, et al. BMC Cardiovasc Disord

    Zur Zuschreibung: 01

  7. 07

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse · 2025

    Does glucomannan supplementation exert profitable effects on serum lipid profile in adults? A systematic review and meta-analysis

    Haijun Z, et al. Prostaglandins Other Lipid Mediat

    Zur Zuschreibung: 01

  8. 08

    Meta-Analyse aus 6 RCTs, n gleich 440, bei Typ-2-Diabetes · 2023

    Effects of Glucomannan Supplementation on Type II Diabetes Mellitus in Humans, A Meta-Analysis

    Zhang Z, et al. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 01, 03, 04

  9. 09

    Randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studie, n gleich 22, bei Typ-2-Diabetes · 2003

    Konjac supplement alleviated hypercholesterolemia and hyperglycemia in type 2 diabetic subjects--a randomized double-blind trial

    Chen HL, et al. J Am Coll Nutr

    Zur Zuschreibung: 04

  10. 10

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 8 RCTs · 2014

    The efficacy of glucomannan supplementation in overweight and obesity, a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials

    Onakpoya I, Posadzki P, Ernst E. J Am Coll Nutr

    Zur Zuschreibung: 03

  11. 11

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 67 RCTs zu isolierten Nahrungsergänzungsstoffen · 2021

    Efficacy of dietary supplements containing isolated organic compounds for weight loss, a systematic review and meta-analysis of randomised placebo-controlled trials

    Bessell E, et al. Int J Obes (Lond)

    Zur Zuschreibung: 03

  12. 12

    Systematische Übersicht und Netzwerk-Meta-Analyse aus 111 RCTs zu verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln · 2023

    Comparative effects of nutraceuticals on body weight in adults with overweight or obesity, A systematic review and network meta-analysis of 111 randomized clinical trials

    Shahinfar H, et al. Pharmacol Res

    Zur Zuschreibung: 03

  13. 13

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n gleich 53 · 2013

    Safety and efficacy of glucomannan for weight loss in overweight and moderately obese adults

    Keithley JK, et al. J Obes

    Zur Zuschreibung: 02

  14. 14

    Randomisierte Cross-over-Studie, n gleich 16 · 2018

    The effects of gelled konjac glucomannan fibre on appetite and energy intake in healthy individuals, a randomised cross-over trial

    Au-Yeung F, et al. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 05

  15. 15

    Randomisierte Cross-over-Studie, n gleich 22 · 2020

    In vitro gastric emptying characteristics of konjac glucomannan with different viscosity and its effects on appetite regulation

    Shang L, et al. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 05

  16. 16

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 3 RCTs, n gleich 122, bei Kindern · 2017

    Effect of glucomannan on functional constipation in children, a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials

    Han Y, et al. Asia Pac J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 06

  17. 17

    Randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studie bei Kindern · 2004

    Fiber (glucomannan) is beneficial in the treatment of childhood constipation

    Loening-Baucke V, Miele E, Staiano A. Pediatrics

    Zur Zuschreibung: 06

  18. 18

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei Kindern, n gleich 80 · 2011

    Glucomannan is not effective for the treatment of functional constipation in children, a double-blind, placebo-controlled, randomized trial

    Chmielewska A, et al. Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 06

  19. 19

    Randomisierte, doppelblinde Studie bei Kindern mit schwerer Hirnschädigung, n gleich 20 · 2000

    Effect of the dietary fiber glucomannan on chronic constipation in neurologically impaired children

    Staiano A, et al. J Pediatr

    Zur Zuschreibung: 06

  20. 20

    Fallbericht · 2007

    Esophageal obstruction from a hygroscopic pharmacobezoar containing glucomannan

    Vanderbeek PB, et al. Clin Toxicol (Phila)

  21. 21

    Übersichtsarbeit · 2004

    [Glucomannan, properties and therapeutic applications]

    González Canga A, et al. Nutr Hosp

  22. 22

    Fallbericht · 2026

    A case of small bowel obstruction caused by konjac

    Ooya Y, Kaji M. J Surg Case Rep

  23. 23

    Tierstudie, Zebrafisch-Modell · 2021

    The edible Lactobacillus paracasei X11 with Konjac glucomannan promotes intestinal motility in zebrafish

    Lu Y, et al. Neurogastroenterol Motil

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