L-Histidin

Zuletzt geprüft am

Aminosäuren

Histidin · L-His · His

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Eine proteinogene, essenzielle Aminosäure. Beim erwachsenen Menschen gilt sie als unentbehrlich, der Körper kann sie nicht in ausreichender Menge selbst herstellen
Vorkommen
Natürlicher Bestandteil von Molkenprotein und anderen tierischen wie pflanzlichen Eiweißquellen. Ausgangsstoff für die körpereigene Bildung der Dipeptide Carnosin und Anserin sowie, über das Enzym Histidin-Decarboxylase, für Histamin
Wirkform in Studien
In allen hier ausgewerteten Humanstudien freies, kristallines L-Histidin, oral als Pulver, Tablette oder Kapsel gegeben. Bei einer Zufuhr als Bestandteil von intaktem Protein muss die Aminosäure erst durch Verdauung freigesetzt werden, das haben die hier ausgewerteten Studien nicht geprüft
Übliche Studiendosis
3,5 bis 4,5 Gramm pro Tag in den Interventionsstudien: 23 Tage für Muskel-Carnosin, 12 Wochen für Stoffwechsel und 30 Wochen für Gelenkbeschwerden. Eine gesonderte Verträglichkeitsstudie prüfte gestaffelte Dosen von 4 bis 16 Gramm pro Tag über 4 Wochen
Zusammenspiel
Eine anhaltende Beta-Alanin-Gabe senkte in einer Studie den Histidin-Spiegel in Plasma und Muskel deutlich, dieser Rückgang blieb aus, wenn beide Aminosäuren gleichzeitig gegeben wurden
Verträglichkeit
In einer gestaffelten Dosisstudie an gesunden Erwachsenen war 8 Gramm pro Tag über 4 Wochen die höchste Dosis ohne beobachtete Schadwirkung. Bei 12 Gramm pro Tag sank der mittlere Ferritinwert leicht, bei 16 Gramm pro Tag stieg die Aspartat-Aminotransferase an und der Serum-Zinkspiegel sank, alle Werte blieben innerhalb der Referenzbereiche. Eine Übersichtsarbeit berichtet für sehr hohe Aufnahmen über 24 Gramm pro Tag von verringertem Serum-Zink-Spiegel und Beeinträchtigungen kognitiver Leistung, für den Bereich dazwischen liegen kaum Daten vor

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Insulinresistenz und Körperzusammensetzung, einzelne Studie an Frauen mit einem BMI ab 28 und den Kriterien des metabolischen Syndroms

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Der gesamte Befund hängt an einer einzigen Studie an einer eng umgrenzten Gruppe. Eine spätere systematische Übersichtsarbeit bewertet genau diese Studie mit dem Werkzeug Risk of Bias 2 als Studie mit Bedenken (Kategorie some concerns) [8], und eine unabhängige Wiederholung fehlt seit 2013. Deshalb steht die Zeile auf Hinweise und nicht auf Belegt. Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 100 Frauen im Alter von 33 bis 51 Jahren mit einem BMI ab 28 kg/m2 und den Kriterien des metabolischen Syndroms, 92 vollendeten die zwölfwöchige Einnahme (45 unter Histidin, 47 unter Placebo). Unter 4 Gramm reinem L-Histidin pro Tag sank, verglichen mit der Placebogruppe, der HOMA-IR-Index um 1,09 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,49 bis minus 0,68), der Body-Mass-Index um 0,86 kg/m2 (CI minus 1,55 bis minus 0,17), der Taillenumfang um 2,86 cm (CI minus 3,86 bis minus 1,86), die Fettmasse um 2,71 kg (CI minus 3,69 bis minus 1,73) und der Spiegel freier Fettsäuren im Serum um 173,26 Mikromol pro Liter (CI minus 208,57 bis minus 137,94). Es handelt sich um die bislang einzige randomisierte Interventionsstudie zu reinem L-Histidin bei dieser Fragestellung. Eine gezielte Suche nach neueren oder unabhängigen Wiederholungen fand ausser einer Sekundäranalyse derselben Kohorte [6] keine weitere Interventionsstudie. Eine spätere Querschnittserhebung an der Allgemeinbevölkerung findet für Nahrungshistidin dieselbe Richtung, kann als Beobachtungsstudie aber keine Ursache-Wirkungs-Aussage tragen [7]

    Quellen: 1, 6, 7, 8

  2. 02

    Entzündungs- und oxidative Stressmarker in derselben einzelnen Studie an Frauen mit einem BMI ab 28 und den Kriterien des metabolischen Syndroms

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Diese Zeile stammt aus derselben einzigen Studie wie die Zeile darüber, beide zusammen sind ein Bestand und nicht zwei Belege. In derselben Studie [1] sanken, verglichen mit Placebo, TNF-alpha um 3,96 pg/ml (CI minus 5,29 bis minus 2,62) und Interleukin-6 um 2,15 pg/ml (CI minus 2,52 bis minus 1,78), während Superoxid-Dismutase um 17,84 U/ml (CI 15,03 bis 20,65), Glutathionperoxidase um 13,71 nmol/ml (CI 9,65 bis 17,78) und Adiponektin um 2,02 ng/ml (CI 0,60 bis 3,44) anstiegen. Eine begleitende Zellkulturuntersuchung an Fettzellen in derselben Arbeit zeigt eine dosisabhängige Unterdrückung von IL-6- und TNF-mRNA über den NF-kB-Signalweg, das ist ein Laborbefund an Zellen und kein Beleg am Menschen. Eine spätere systematische Übersichtsarbeit zu Carnosin und histidinhaltigen Dipeptiden bündelt 9 randomisierte Studien mit 350 Teilnehmenden zu unterschiedlichen Stoffen, davon vier zu reinem Carnosin, drei zu Beta-Alanin, eine zu Anserin und nur diese eine Studie zu reinem Histidin. Der gepoolte TNF-alpha-Effekt der Übersichtsarbeit verlor in der eigenen Sensitivitätsanalyse der Autoren seine statistische Signifikanz, sobald genau diese Histidin-Studie ausgeschlossen wurde (WMD minus 4,83 pg/ml, CI minus 11,13 bis 1,47). Die Übersichtsarbeit liefert damit keine von [1] unabhängige Bestätigung für Histidin allein [8]. Eine Rattenstudie derselben Arbeitsgruppe findet einen vergleichbaren entzündungshemmenden Effekt über denselben Signalweg im Fettgewebe, auch das ist ein Tiermodell und kein Humanbeleg [9]. In der gepoolten Auswertung derselben Übersichtsarbeit war der Unterschied zu Placebo für Interleukin-6, für Superoxid-Dismutase und für Adiponektin nicht statistisch signifikant, und die Autoren stufen die Sicherheit der Aussage nach GRADE für TNF-alpha als niedrig und für Interleukin-6, Adiponektin und Superoxid-Dismutase als sehr niedrig ein [8]

    Quellen: 1, 8, 9

  3. 03

    Muskel-Carnosin-Gehalt nach reiner Histidin-Gabe, ohne Anstieg gegenüber dem Ausgangswert; mit Beta-Alanin stieg der Gehalt

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte Studie an 15 Männern und 15 Frauen, aufgeteilt in drei Gruppen zu je zehn Personen, reines Beta-Alanin (6 g pro Tag), reines L-Histidin (3,5 g pro Tag) oder die Kombination, über 23 Tage. Der Carnosingehalt wurde direkt per Magnetresonanzspektroskopie im Soleus- und im Gastrocnemius-Muskel sowie per Muskelbiopsie im Musculus vastus lateralis gemessen. In der reinen Histidin-Gruppe blieb der Carnosingehalt in allen untersuchten Muskeln unverändert, während er in der Beta-Alanin- und in der Kombinationsgruppe anstieg. Die Studie hat die Wirkung damit gezielt geprüft, mit direkter Messung in drei Muskeln und einer im selben Versuch wirksamen Vergleichsgruppe, und sie nicht gefunden. Die Autoren schliessen daraus, dass Beta-Alanin und nicht L-Histidin der geschwindigkeitsbestimmende Baustein der Carnosinbildung im menschlichen Muskel ist. Dass das Abstract für den Nullbefund keine Zahl nennt, macht aus einer geprüften und nicht gefundenen Wirkung keinen blossen Hinweis, ein freier Volltext lag nicht vor. Eine anhaltende Beta-Alanin-Gabe senkte in derselben Studie zusätzlich den Histidin-Spiegel in Plasma (minus 30,6 Prozent) und Muskel (minus 31,6 Prozent) deutlich, dieser Rückgang blieb aus, wenn beide Aminosäuren gleichzeitig gegeben wurden. Zur Stufe. Weder der frei zugängliche Volltext der tragenden Studie noch die zitierten Abstracts berichten für diesen Endpunkt ein Effektmaß mit 95-Prozent-Intervall, sondern nur Mittelwerte, Prozentwerte und p-Werte. Das fehlende Intervall macht aus der gezielt geprüften und nicht gefundenen Wirkung keinen bloßen Hinweis. Die Zeile steht deshalb auf nicht bestätigt, der Nullbefund selbst bleibt unverändert stehen.

    Quellen: 2

  4. 04

    Klinische Gelenk-Messwerte bei aktiver rheumatoider Arthritis, kein Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie über 30 Wochen, täglich 4,5 Gramm L-Histidin oder Placebo, bei Erwachsenen mit aktiver, klinisch diagnostizierter Gelenkentzündung vom rheumatoiden Typ. Nach Angabe der Autoren zeigte sich bei keiner der erhobenen klinischen Messgrössen ein Unterschied zwischen Histidin- und Placebogruppe, weder Zahl noch Konfidenzintervall werden dafür im Abstract genannt. Ein kleiner Rückgang des Rheumafaktor-Titers und ein kleiner Anstieg des Hämatokrits, ebenfalls ohne Zahlenangabe, fanden sich nur in der Histidin-Gruppe. In einer weiterhin verblindeten, subjektiven Einschätzung von Ärzten und Teilnehmenden gab es einen Hinweis auf einen Unterschied bei Personen mit besonders aktiver und lang bestehender Beschwerdelage. Keine Nebenwirkungen wurden beobachtet

    Quellen: 3

  5. 05

    Nahrungshistidin und Körpergewicht in der Allgemeinbevölkerung, Querschnittserhebung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Internetbasierte Ernährungserhebung an 2376 Erwachsenen in Nordchina, davon 88 Personen mit Übergewicht oder Adipositas für eine vertiefte Stoffwechselauswertung. Nach Anpassung für Alter, Bildung, Einkommen, körperliche Aktivität, Rauchen sowie Kohlenhydrat-, Fett-, Eiweiss-, Ballaststoff- und Cholesterinzufuhr war eine höhere Nahrungshistidinzufuhr mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und Adipositas verbunden (Odds Ratio im 4. gegenüber dem 1. Viertel der Zufuhr 0,650, CI 0,482 bis 0,876) sowie für bauchbetontes Übergewicht (Odds Ratio im 4. Viertel 0,754, CI 0,545 bis 0,943). In der Untergruppe der 88 Personen mit Übergewicht oder Adipositas war eine höhere Nahrungshistidinzufuhr zusätzlich mit niedrigeren Werten für Nüchternblutzucker, HOMA-IR, TNF-alpha, IL-6 und CRP sowie höheren Werten für die Antioxidationsenzyme SOD und GPx assoziiert, für diese Einzelmarker nennt der Volltext nicht durchgehend Zahl und Intervall. Es handelt sich um eine Querschnittserhebung ohne Interventionsarm. Die Autoren selbst benennen als Einschränkung die mögliche umgekehrte Ursache-Wirkungs-Richtung (weniger Übergewicht führt zu mehr Eiweisszufuhr, nicht umgekehrt) und weisen darauf hin, dass sich ein günstiger Zusammenhang auch auf histidinhaltige Dipeptide wie Carnosin und Anserin zurückführen liesse, deren Zufuhr in der Erhebung nicht getrennt erfasst wurde

    Quellen: 7

  6. 06

    Muskelproteinsynthese und Muskelaufbau als Teil einer vollständigen Aminosäuremischung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Zu Muskelproteinsynthese, Muskelmasse oder Kraftzuwachs unter reiner L-Histidin-Gabe liegt uns keine Humanstudie vor. Die einschlägige Forschung zu essenziellen Aminosäuren und Molkenprotein bei diesen Endpunkten gibt Histidin ausnahmslos als Teil einer vollständigen Aminosäure- oder Proteinmischung, nie als Einzelstoff (gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "histidine" "muscle protein synthesis" (alle Publikationstypen), 11 Treffer, ausschliesslich Mischpräparate oder reine Plasma-Metabolomik-Beobachtungen ohne eine gezielte Histidin-Einzelgabe). Ob der geringe Histidin-Anteil einer solchen Mischung für sich genommen etwas beiträgt, ist damit offen

  7. 07

    Histaminbildung nach oraler Zufuhr und Überempfindlichkeitsreaktionen, keine gezielte Messung am Menschen gefunden, in der Fachliteratur keine Fälle berichtet

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Histidin ist im Stoffwechsel die Vorstufe von Histamin, das Enzym Histidin-Decarboxylase entfernt dafür die Carboxylgruppe. Eine Humanstudie, die den zirkulierenden oder gewebsständigen Histaminspiegel nach einer oralen Zusatzgabe von freiem L-Histidin gezielt misst, haben wir nicht gefunden (gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "histidine supplementation" "plasma histamine" (alle Publikationstypen) und mit den PubMed-Suchbegriffen "histidine" "histamine intolerance" (alle Publikationstypen)). Eine unabhängige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020, deren Autor keinen Interessenkonflikt erklärt, fasst den Stand so zusammen, dass eine Histidinzufuhr die Histaminkonzentration in Immunzellen, Magen und Gehirn beeinflusst, dass jedoch eine veränderte Immunfunktion, allergische Reaktionen oder durch vermehrte Magensäure ausgelöste Magengeschwüre nach einer Histidin-Gabe bisher nicht berichtet wurden. Dieselbe Arbeit nennt als praktisch bedeutsame Beobachtungen einen verringerten Folatstatus, appetithemmende Wirkungen und einen vermehrten Zinkverlust im Urin und rät Menschen mit einer Leberschädigung von einer gesteigerten Histidinzufuhr ab. Das ist das Ausbleiben von Berichten und keine gezielte Sicherheitsprüfung, deshalb steht die Zeile auf Hinweise und nicht höher [10]

    Quellen: 10

  8. 08

    Entzündungswege im Fettgewebe, Rattenmodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Fütterungsstudie an weiblichen Sprague-Dawley-Ratten. Nach 8 Wochen fettreicher Diät und einer anschliessenden 4-wöchigen Histidin-Gabe sanken die Serumkonzentrationen von TNF-alpha, IL-6, CRP und Malondialdehyd, während Superoxid-Dismutase anstieg (jeweils p kleiner 0,05 gegenüber unbehandelten adipösen Tieren). Auf Genebene sank die Expression von TNF-alpha, IL-6 und CRP im Fettgewebe, die Wanderung von NF-kB p65 in den Zellkern ging zurück, und die Expression von Adiponektin sowie die Aktivierung von PPAR-gamma stiegen. Das ist ein Tiermodell mit einem durch fettreiche Ernährung adipös gemachten Stoffwechsel, keine Aussage für den Menschen

    Quellen: 9

Studien im Detail

Insulinresistenz, Körperzusammensetzung und Entzündungsmarker bei Frauen mit Übergewicht

Feng und Kollegen randomisierten 100 Frauen im Alter von 33 bis 51 Jahren mit einem BMI ab 28 kg/m2 und den Kriterien des metabolischen Syndroms auf 4 Gramm L-Histidin oder Placebo täglich, über 12 Wochen, doppelblind. 92 Teilnehmerinnen vollendeten die Studie. Verglichen mit der Placebogruppe sanken unter Histidin der HOMA-IR-Index, der Body-Mass-Index, der Taillenumfang, die Fettmasse und der Spiegel freier Fettsäuren im Serum, während gleichzeitig die Entzündungsmarker TNF-alpha und IL-6 sanken und die Antioxidationsenzyme Superoxid-Dismutase und Glutathionperoxidase sowie das Hormon Adiponektin anstiegen, jeweils mit engen Konfidenzintervallen, die die Null nicht einschliessen [1]. Eine begleitende Untersuchung an Fettzellen im Labor deutet auf den NF-kB-Signalweg als möglichen Mechanismus hin, das ist aber ein Zellbefund und kein Beleg am Menschen.

Diese Studie ist über 10 Jahre alt und blieb, soweit unsere Recherche reicht, ohne unabhängige Wiederholung. Dieselbe Arbeitsgruppe veröffentlichte 2017 eine Sekundäranalyse derselben oder einer sehr ähnlichen Kohorte mit metabolomischen Methoden: Unter Histidin stiegen im Serum unter anderem Histidin selbst, Glutamin, Aspartat und Glycin, während Cholesterin, Triglyceride und mehrere Leucin- und Isoleucin-Werte sanken [6]. Das bestätigt eine systemische Stoffwechselantwort, ist aber keine von der ersten Studie unabhängige Bestätigung, da es sich um dieselbe Interventionsgruppe handelt.

Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse zu Carnosin und verwandten histidinhaltigen Dipeptiden bündelt 9 randomisierte Studien mit insgesamt 350 Teilnehmenden zu ganz unterschiedlichen Stoffen: vier Studien zu reinem Carnosin, drei zu Beta-Alanin, eine zu Anserin und nur die oben beschriebene Studie zu reinem Histidin. Der gepoolte Effekt auf TNF-alpha war insgesamt signifikant, verlor diese Signifikanz aber in der eigenen Sensitivitätsanalyse der Autoren, sobald sie genau die Histidin-Studie herausrechneten [8]. Für L-Histidin allein bleibt es damit bei der einen Studie [1], gestützt durch eine separate, nicht-experimentelle Querschnittserhebung an der Allgemeinbevölkerung, die für Nahrungshistidin dieselbe Richtung findet, aber keine Ursache-Wirkungs-Aussage tragen kann [7].

Muskel-Carnosin-Gehalt

Muskel-Carnosin gilt landläufig als das Ziel, wenn Sportlerinnen und Sportler auf ihre Histidin-Zufuhr achten, weil Carnosin selbst aus Beta-Alanin und Histidin besteht. Blancquaert und Kollegen haben genau das direkt gemessen: 30 gesunde Männer und Frauen erhielten über 23 Tage entweder reines Beta-Alanin, reines L-Histidin oder beides zusammen, und der Carnosingehalt wurde per Magnetresonanzspektroskopie in zwei Wadenmuskeln sowie per Biopsie im Oberschenkelmuskel gemessen. Nur die Gruppen mit Beta-Alanin zeigten einen Anstieg des Muskel-Carnosins, die reine Histidin-Gruppe nicht [2]. Beta-Alanin, nicht Histidin, ist damit nach dieser Studie der geschwindigkeitsbestimmende Baustein der Carnosin-Bildung im menschlichen Muskel. Zusätzlich zeigte sich, dass eine anhaltende Beta-Alanin-Gabe den körpereigenen Histidin-Vorrat in Blut und Muskel spürbar senkt, ein Effekt, der ausblieb, wenn beide Aminosäuren zusammen gegeben wurden.

Rheumatoide Arthritis, eine ältere Anwendung

In den 1970er-Jahren wurde L-Histidin versuchsweise bei aktiver rheumatoider Gelenkentzündung eingesetzt, gestützt auf die Beobachtung, dass Betroffene niedrigere Histidin-Blutspiegel aufweisen als gesunde Vergleichspersonen. Pinals und Kollegen prüften das in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie über 30 Wochen mit 4,5 Gramm Histidin täglich. Keine der klinischen Messgrössen fiel unter Histidin besser aus als unter Placebo, lediglich in einer subjektiven ärztlichen und teilnehmerseitigen Einschätzung gab es einen Hinweis auf einen Unterschied bei besonders aktiver, lange bestehender Beschwerdelage [3]. Numerische Werte für diese Vergleiche stehen im verfügbaren Abstract nicht. Seither hat niemand die Frage erneut geprüft. Die PubMed-Suche nach "histidine" "rheumatoid arthritis" liefert fünf Treffer, darunter keine einzige neuere Interventionsstudie, sondern ausschliesslich Stoffwechselprofil-Arbeiten. Der Befund von 1977 ist damit der aktuelle Stand, nicht ein überholter.

Tier- und Laborstudien

Die folgenden Befunde stammen aus einem Tiermodell und einer Zellkulturuntersuchung. Aus keinem von ihnen folgt eine Aussage über die Wirkung einer Histidin-Einnahme beim Menschen.

Sun und Kollegen setzten weibliche Ratten 8 Wochen lang auf eine fettreiche Diät, um ein Übergewichtsmodell zu erzeugen, und gaben danach 4 Wochen lang zusätzlich Histidin. Verglichen mit unbehandelten übergewichtigen Tieren sanken die Entzündungsmarker TNF-alpha, IL-6, CRP und Malondialdehyd im Serum, während Superoxid-Dismutase anstieg. Auf Genebene sank die Aktivität des Entzündungswegs über NF-kB im Fettgewebe, während der Signalweg über PPAR-gamma und Adiponektin zunahm [9]. In der bereits oben beschriebenen Humanstudie von Feng und Kollegen deutete eine begleitende Untersuchung an menschlichen Fettzellen im Labor auf denselben NF-kB-Signalweg hin [1].

Sicherheit und Wechselwirkungen

Gheller und Kollegen prüften in zwei kontrollierten Teilstudien an gesunden Erwachsenen gestaffelte Tagesdosen von 4, 8, 12 und 16 Gramm L-Histidin über jeweils 4 Wochen. Vitalwerte und Körperzusammensetzung veränderten sich bei keiner Dosis. Bei 12 Gramm pro Tag war der mittlere Ferritinwert niedriger als bei 4 Gramm (46,0 ng/ml gegenüber 51,6 ng/ml). Bei 16 Gramm pro Tag stieg die Aspartat-Aminotransferase von 19 auf 24 U/l an, und der Serum-Zinkspiegel sank von 0,75 auf 0,70 µg/dl, alle Werte blieben innerhalb der jeweiligen Referenzbereiche. Als höchste geprüfte Dosis ohne beobachtete Schadwirkung (NOAEL) nennen die Autoren 8 Gramm pro Tag [4].

Eine Übersichtsarbeit von Thalacker-Mercer und Gheller fasst zusammen, dass für sehr hohe Aufnahmen über 24 Gramm pro Tag Berichte über einen weiter sinkenden Serum-Zinkspiegel und über Beeinträchtigungen kognitiver Leistungsfähigkeit vorliegen. Für den breiten Bereich dazwischen, zwischen 4,5 und 24 Gramm pro Tag, bezeichnen die Autoren die Datenlage als begrenzt und eine verbindliche Obergrenze als noch nicht festgelegt. Dieselbe Übersichtsarbeit ordnet mögliche Effekte auf Stimmung, Angst, Stressreaktion und Schlaf als über den Histamin-Stoffwechsel denkbar, aber "beim Menschen uneindeutig" (im Original ambiguous) ein und nennt dafür keine eigene Interventionsstudie [5].

Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine geprüfte eigene Quelle vor. Histidin bindet im Körper Zink, und eine hohe Zufuhr geht in der Dosis-Toleranzstudie mit einem sinkenden Serum-Zinkspiegel einher [4], das kann bei einer gleichzeitigen niedrigen Zinkzufuhr relevant sein.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie, n=100 randomisiert, 92 ausgewertet · 2013

    Histidine supplementation improves insulin resistance through suppressed inflammation in obese women with the metabolic syndrome, a randomised controlled trial

    Feng RN, et al. Diabetologia

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    Randomisierte Studie, drei Gruppen, n=30 · 2017

    Effects of Histidine and beta-alanine Supplementation on Human Muscle Carnosine Storage

    Blancquaert L, et al. Med Sci Sports Exerc

    Zur Zuschreibung: 03

  3. 03

    Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie · 1977

    Treatment of rheumatoid arthritis with L-histidine, a randomized, placebo-controlled, double-blind trial

    Pinals RS, et al. J Rheumatol

    Zur Zuschreibung: 04

  4. 04

    Randomisierte Dosis-Toleranzstudie an gesunden Erwachsenen, zwei Teilstudien, n=40 und n=40 · 2020

    Tolerance to graded dosages of histidine supplementation in healthy human adults

    Gheller ME, et al. Am J Clin Nutr

  5. 05

    Übersichtsarbeit · 2020

    Benefits and Adverse Effects of Histidine Supplementation

    Thalacker-Mercer AE, Gheller ME. J Nutr

  6. 06

    Metabolomische Sekundäranalyse derselben Kohorte wie Quelle 1, n=32 bis 37 · 2017

    Effects of Histidine Supplementation on Global Serum and Urine 1H NMR-based Metabolomics and Serum Amino Acid Profiles in Obese Women from a Randomized Controlled Study

    Du S, et al. J Proteome Res

    Zur Zuschreibung: 01

  7. 07

    Querschnittsstudie, internetbasierte Ernährungserhebung, n=2376, Untergruppe n=88 · 2016

    Relationships of Dietary Histidine and Obesity in Northern Chinese Adults, an Internet-Based Cross-Sectional Study

    Li YC, et al. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 01, 05

  8. 08

    Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 9 randomisierten Studien zu Carnosin und histidinhaltigen Dipeptiden, davon nur 1 Studie zu reinem Histidin · 2024

    Effects of carnosine and histidine-containing dipeptides on biomarkers of inflammation and oxidative stress, a systematic review and meta-analysis

    Saadati S, et al. Nutr Rev

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  9. 09

    Tierstudie an Ratten · 2014

    Histidine supplementation alleviates inflammation in the adipose tissue of high-fat diet-induced obese rats via the NF-kB- and PPARgamma-involved pathways

    Sun X, et al. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 02, 08

  10. 10

    Übersichtsarbeit, freier Volltext, Autor ohne erklärten Interessenkonflikt · 2020

    Histidine in Health and Disease, Metabolism, Physiological Importance, and Use as a Supplement

    Holeček M. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 07

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