L-Threonin

Zuletzt geprüft am

Aminosäuren

Threonin · L-Thr · Thr

H.P.N · Datenstand 2026-08-22 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Eine proteinogene, essenzielle Aminosäure. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sie muss über die Nahrung aufgenommen werden
Vorkommen
Natürlicher Bestandteil von Molkenprotein und anderen tierischen Eiweißquellen. Auch struktureller Baustein körpereigener Mucin-Glykoproteine
Übliche Studiendosis
Die hier besprochene Sicherheitsstudie zu Threonin als Einzelstoff prüfte Tagesdosen von 3 bis 12 Gramm über je vier Wochen im Crossover-Design, nur an gesunden Männern. Studien zu Muskelmasse und Muskelkraft geben Threonin nie einzeln, sondern als Teil einer Aminosäuremischung
Zusammenspiel
In den vorliegenden Studien fast ausschließlich als Teil vollständiger Aminosäure- oder Molkenprotein-Mischungen untersucht, kaum als Einzelgabe
Verträglichkeit
Für gesunde Männer liegt ein NOAEL von 12 Gramm pro Tag vor, das ist die höchste geprüfte Dosis ohne beobachtete Schadwirkung, keine Aussage über eine Obergrenze darüber hinaus. Frauen wurden in dieser Studie nicht untersucht

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Aufnahme in den Muskel und Proteinsyntheserate bei gesunden Erwachsenen nach dem Training

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei kleine Studien zur akuten Stoffwechselreaktion nach dem Training: eine mit Milch und eine mit einer Molkenprotein-Aminosäuremischung. Keine prüfte Threonin allein. Keine Aussage über Muskelmasse oder Kraft über längere Zeit.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine randomisierte Studie maß die Netto-Aufnahme von Threonin in die Beinmuskulatur nach Widerstandstraining direkt und fand eine deutlich höhere Aufnahme nach Vollmilch- als nach Magermilch-Einnahme. Eine weitere randomisierte Studie zu einer mit essenziellen Aminosäuren angereicherten Molkenprotein-Mischung zeigte im Energiedefizit eine höhere Muskelproteinsyntheserate bei zusätzlicher Aminosäuregabe als bei zusätzlicher Kohlenhydratgabe. Bei ausgeglichener Energiebilanz zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Beide Befunde betreffen die akute Stoffwechselreaktion nach einer Trainingseinheit, nicht Muskelmasse oder Kraft über längere Zeit, und die zweite Studie untersucht eine vollständige Mischung, nicht Threonin allein

    Quellen: 1, 2

  2. 02

    Muskelmasse bei längerer Einnahme, ausschließlich in Mischpräparaten mit anderen Aminosäuren untersucht, nicht für Threonin allein

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Alle vorliegenden Studien geben Aminosäuremischungen, in denen Threonin rund ein Zwanzigstel ausmacht. Für Threonin allein haben wir keine Studie gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Zu dieser Zuschreibung liegen Humanstudien vor, aber keine davon prüft Threonin für sich allein, alle geben Mischungen essenzieller oder verzweigtkettiger Aminosäuren. Damit lässt sich aus keiner von ihnen eine Aussage über Threonin ableiten. Jeong und Kollegen randomisierten 2026 sechsundneunzig gesunde Frauen ab 65 Jahren auf vier Gruppen, Kontrolle, Krafttraining, Aminosäuremischung und beides zusammen, über 12 Wochen, ausgewertet wurden 76 [3]. Der Zuwachs an Muskelmasse zeigte sich allein in der Gruppe mit Krafttraining und Aminosäuremischung zusammen, als Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb dieser Gruppe, bei belegter Wechselwirkung zwischen Gruppe und Zeit (F(3,72) gleich 5,042, p gleich 0,003 im Ergebnisteil, das Abstract nennt für dieselbe Prüfgröße p kleiner 0,001) [3]. Ein Haupteffekt der Gruppe bestand für keine einzige Größe der Körperzusammensetzung [3]. In der Gruppe mit Aminosäuremischung ohne Training veränderte sich die Muskelmasse nicht. Entscheidend für diesen Eintrag ist die Zusammensetzung des Präparats, die der freie Volltext in Tabelle 2 auflistet. Von 5500 mg je Portion entfallen 1389 mg auf Leucin und 304 mg auf Threonin, bei zwei Portionen täglich also 608 mg Threonin neben 2778 mg Leucin [3]. Das Präparat ist leucindominiert, Threonin stellt rund ein Zwanzigstel. Die Autoren nennen selbst als Einschränkung, dass die Muskelmasse über bioelektrische Impedanz geschätzt wurde und die gemessene Veränderung teilweise Gesamtmagermasse oder Flüssigkeitshaushalt widerspiegeln kann statt echten Muskelzuwachs [3]. Kim und Kollegen fanden 2021 bei älteren Frauen mit rückläufiger Muskelmasse unter begleitendem Training keinen Unterschied zwischen Aminosäure- und Placebogruppe [4]. Gesucht wurde nach Interventionsstudien zu Threonin allein an diesem Endpunkt, ohne Treffer. Die Zeile bleibt in der Tabelle, weil die Zuschreibung verbreitet ist, und trägt diese Stufe, weil nichts Zurechenbares vorliegt und nicht, weil eine Wirkung geprüft und nicht gefunden worden wäre.

    Quellen: 3, 4

  3. 03

    Muskelkraft und Muskelquerschnitt bei längerer Einnahme, ausschließlich in Mischpräparaten untersucht, nicht für Threonin allein

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Auch hier nur Mischpräparate, und dort ohne zusätzlichen Effekt auf Kraft oder Muskelquerschnitt. Für Threonin allein haben wir keine Studie gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Auch hier prüft keine der vorliegenden Arbeiten Threonin für sich allein. Godard und Kollegen gaben 2002 siebzehn älteren Männern unter einem zwölfwöchigen Krafttrainingsprogramm eine Aminosäuremischung, die nachweislich Threonin enthielt, und fanden gegenüber der Trainingsgruppe ohne Zusatz keinen zusätzlichen Effekt auf Muskelkraft oder Muskelquerschnitt [6]. Bei Jeong und Kollegen verbesserte sich in der Gruppe mit Aminosäuremischung ohne Training von sechs geprüften Größen der Seniorenfitness allein der Aufstehtest über 30 Sekunden und der Achterlauf, die relative Griffkraft blieb unverändert [3]. Auch dort ist Threonin mit 608 mg pro Tag neben 2778 mg Leucin nur ein kleiner Bestandteil des Präparats [3]. Keine der beiden Arbeiten nennt ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied. Gesucht wurde nach Interventionsstudien zu Threonin allein an Kraft und Muskelquerschnitt, ohne Treffer. Zum Forschungsfeld, nicht als Beleg für Threonin, fassen Bai und Kollegen 35 Studien zu verzweigtkettigen Aminosäuren zusammen, zu denen Threonin nicht gehört [5].

    Quellen: 6, 3, 5

  4. 04

    Mucin-Bildung im Darm von Ferkeln, Tierstudien

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Ferkelstudien, in denen eine zu geringe Zufuhr ausgeglichen wurde. Keine Prüfung am Menschen und keine Gabe über den Bedarf hinaus.

    Ausführlicher Nachweis

    Zwei Tierstudien an neugeborenen beziehungsweise entwöhnten Ferkeln prüfen eine Threonin-Gabe direkt an der Darmschleimhaut. Bei mangelhafter oraler Zufuhr sanken Mucin-Gehalt und die Zahl der schleimbildenden Becherzellen im Dickdarm, eine ausreichende Zufuhr stellte diese Werte wieder her. Eine zweite Ferkelstudie an wachstumsretardierten Tieren fand unter zusätzlicher Threonin-Gabe eine höhere Muc2-Produktion und Becherzell-Dichte im Dünndarm. Beide Arbeiten prüfen im Kern eine Mangelsituation gegen eine Bedarfsdeckung, nicht eine Zusatzgabe über den üblichen Bedarf hinaus, und beide sind reine Tierversuche an einer anderen Spezies als dem Menschen

    Quellen: 7, 8

  5. 05

    Immunparameter bei Ferkeln und Fischen, Tierstudien

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur Ferkel und Fische, bei den Fischen zudem nur zusammen mit einem zweiten Futterzusatz. Am Menschen nicht untersucht.

    Ausführlicher Nachweis

    Bei wachstumsretardierten Ferkeln, einem geschädigten Tiermodell, erhöhte eine zusätzliche Threonin-Gabe die Bildung von sekretorischem Immunglobulin A im Darmgewebe und senkte dort entzündliche Botenstoffe. Bei Nil-Tilapias verbesserten sich unter einer Futterkombination aus Threonin und einem verkapselten Buttersäure-Präparat eines Herstellers mehrere Immunparameter im Blut, darunter Immunglobulin M. Der Abstract berichtet diese Werte nur für die Kombination, nicht getrennt für eine Threonin-Einzelgabe. Beide Studien sind reine Tierversuche, eine Prüfung am Menschen liegt nicht vor

    Quellen: 8, 9

  6. 06

    Leberfettgehalt bei Broiler-Hähnchen, Tierstudie

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur eine Fütterungsstudie an Masthähnchen, bei gleichzeitig verändertem Fettanteil im Futter.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine Fütterungsstudie an Masthähnchen verglich vier Threonin-Stufen, 100, 115, 130 und 145 Prozent des Bedarfs, in Kombination mit unterschiedlichem Ölanteil im Futter. Die Kombination aus 115 Prozent Threonin und hohem Ölanteil ging mit der niedrigsten Häufigkeit von Leberverfettung einher, die höchste Threonin-Stufe von 145 Prozent senkte dagegen Futteraufnahme und Gewichtszunahme. Der Befund stammt aus einem Geflügelmodell mit gleichzeitig verändertem Fettanteil im Futter, nicht aus einer isolierten Threonin-Zusatzgabe beim Menschen

    Quellen: 10

  7. 07

    Hautkollagen bei Ferkeln, Tierstudie

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur eine Ferkelstudie, und dort blieb das Hautkollagen unverändert oder fiel ab. Am Menschen nicht untersucht.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine Fütterungsstudie an Aufzuchtferkeln ersetzte einen Teil von Glycin und Serin im eiweißarmen Futter durch zusätzliches Threonin und maß danach den Kollagengehalt der Haut. Bei der niedrigeren Threonin-Zusatzstufe blieb der Kollagengehalt der Haut gegenüber der Kontrollgruppe unverändert, bei der höheren Zusatzstufe war er gegenüber Kontrolle und niedriger Stufe reduziert. Zusätzlich fielen Wachstumsrate und Schlachtgewicht in den Threonin-Gruppen geringer aus als bei einem Ersatz durch Glutaminsäure. Der Effekt ist damit dosisabhängig und im Tiermodell nicht eindeutig günstig, eine Prüfung am Menschen liegt nicht vor

    Quellen: 11

  8. 08

    Vorstufe von Glycin, Bezug zu Nervensystem und Schlaf

    Studienlage offen
    Einordnung und Einschränkungen

    Threonin ist eine Stoffwechsel-Vorstufe von Glycin. Ob eine Einnahme bei gesunden Menschen daran etwas ändert, haben wir nicht geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    Threonin ist eine Stoffwechsel-Vorstufe von Glycin. Ob eine orale Threonin-Gabe bei gesunden Menschen den Glycin-Spiegel im Nervensystem oder ein Schlafmerkmal verändert, haben wir nicht mit einer dafür geeigneten Quelle geprüft. Die uns bekannten Humanstudien zu Threonin und Glycin-Stoffwechsel stammen ausschließlich aus Studien an neurologischen Patientengruppen und werden hier aus Grundsatz nicht herangezogen, weil daraus ein Krankheitsbezug entstünde

Studien im Detail

Aufnahme in den Muskel nach dem Training

Elliot und Kollegen ließen Probanden nach einer Beinübung an Krafttrainingsgeräten fettfreie Milch, Vollmilch oder eine kalorisch angepasste fettfreie Milch trinken und maßen die Aminosäurebilanz über die Beinmuskulatur. Die Netto-Aufnahme von Threonin in den Muskel war nach Vollmilch etwa 2,8-fach höher als nach fettfreier Milch. Die Studie zeigt damit, dass Threonin aus der Nahrung tatsächlich in den arbeitenden Muskel aufgenommen wird, sagt aber nichts über eine isolierte Threonin-Gabe aus, da immer eine komplette Milchmahlzeit verabreicht wurde.

Gwin und Kollegen verglichen bei Erwachsenen im Energiedefizit ein mit essenziellen Aminosäuren angereichertes Molkenprotein-Getränk mit einer kohlenhydratreicheren Variante. Nach dem Training war die Muskelproteinsyntheserate in der Aminosäure-Variante höher. Auch diese Studie prüft eine vollständige Mischung, Threonin machte darin nur einen Teil der zugesetzten Aminosäuren aus.

Muskelmasse und Muskelkraft bei längerer Einnahme

Drei randomisierte Studien prüfen an älteren Erwachsenen, ob eine Aminosäuregabe zusätzlich zum Krafttraining etwas bringt. Für diesen Eintrag ist der entscheidende Punkt, dass keine von ihnen Threonin für sich allein gibt. Alle drei verwenden Mischungen, und in der einzigen mit einem positiven Befund ist Threonin ein kleiner Bestandteil.

Jeong und Kollegen randomisierten 2026 sechsundneunzig gesunde Frauen ab 65 Jahren auf vier Gruppen, Kontrolle, Krafttraining, Aminosäuremischung und beides zusammen, über 12 Wochen. Ausgewertet wurden 76. Ein Zuwachs an Muskelmasse zeigte sich allein in der Gruppe mit Krafttraining und Aminosäuremischung zusammen. In der Gruppe mit Aminosäuremischung ohne Training veränderte sich die Muskelmasse nicht, und ein Haupteffekt der Gruppe bestand für keine einzige Größe der Körperzusammensetzung.

Die Zusammensetzung des Präparats steht in Tabelle 2 des freien Volltexts. Von 5500 mg je Portion entfallen 1389 mg auf Leucin und 304 mg auf Threonin, bei zwei Portionen täglich also 608 mg Threonin neben 2778 mg Leucin. Das Präparat ist leucindominiert, Threonin stellt rund ein Zwanzigstel. Wer daraus eine Threonin-Wirkung ableitet, schreibt einem Zwanzigstel des Präparats das Ergebnis des Ganzen zu. Die Autoren nennen außerdem selbst als Einschränkung, dass die Muskelmasse über bioelektrische Impedanz geschätzt wurde und die gemessene Veränderung teilweise Gesamtmagermasse oder Flüssigkeitshaushalt widerspiegeln kann statt echten Muskelzuwachs.

Kim und Kollegen fanden 2021 bei älteren Japanerinnen mit rückläufiger Muskelmasse trotz begleitendem Training keinen Unterschied zwischen Aminosäure- und Placebogruppe bei Muskelmasse und Kraft. Godard und Kollegen fanden 2002 bei 17 älteren Männern unter einem zwölfwöchigen Krafttrainingsprogramm ebenfalls keinen zusätzlichen Effekt einer Aminosäuregabe, die nachweislich Threonin enthielt, auf Muskelkraft oder Muskelquerschnitt.

Einordnung: Ein Gegensatz zwischen den drei Arbeiten besteht nicht in einer Frage, die dieser Eintrag beantworten könnte. Sie prüfen verschiedene Mischungen in verschiedenen Populationen, und keine prüft den Stoff, um den es hier geht. Was für Threonin allein an diesen Endpunkten bekannt ist, ist nichts.

Zum Forschungsfeld, nicht zur Wertung dieser Zeile: Bai und Kollegen fassen in einer Meta-Analyse 35 Studien zu verzweigtkettigen Aminosäuren, also Leucin, Isoleucin und Valin, zusammen und berichten ein SMD von 0,35 für Muskelkraft, Intervall 0,15 bis 0,55, und ein SMD von 0,25 für Muskelmasse, Intervall 0,10 bis 0,40 [5]. Threonin gehört nicht zu den verzweigtkettigen Aminosäuren, und der Suchzeitraum dieser Übersicht, von Beginn bis März 2021, überschneidet sich mit dem Erscheinungsjahr von Godard 2002, die Arbeit von Godard könnte also selbst Teil dieser Sammlung sein. Aus diesem Grund zählt die Meta-Analyse hier nicht als eigenständiger, unabhängiger Befund neben den drei oben genannten Studien, sie steht nur als Hintergrund zum Forschungsfeld der Aminosäure-Supplementierung im Alter.

Tier- und Laborstudien

Die folgenden Befunde stammen ausschließlich aus Tierversuchen. Aus keinem von ihnen folgt eine Aussage über die Wirkung einer Threonin-Einnahme beim Menschen.

Mucin-Bildung im Darm

Law und Kollegen fütterten neugeborene Ferkel über acht Tage entweder mit einer threoninarmen oder einer threoninreichen Diät. Bei mangelhafter Zufuhr sanken Mucin-Gehalt und die Zahl der schleimbildenden Becherzellen im Dickdarm, begleitet von anhaltendem Durchfall. Eine ausreichende Zufuhr stellte diese Werte wieder her. Zhang und Kollegen bestätigten in einer weiteren Ferkelstudie an wachstumsretardierten Tieren, einem geschädigten Modell und keinem gesunden Ausgangszustand, dass eine zusätzliche Threonin-Gabe die Produktion des Darm-Mucins Muc2 sowie die Becherzell-Dichte im Dünndarm erhöhte. Beide Arbeiten prüfen vor allem, was ein Mangel anrichtet und wie eine Bedarfsdeckung ihn behebt, nicht was eine Zusatzgabe über den Bedarf hinaus bringt.

Immunparameter

In derselben Ferkelstudie von Zhang und Kollegen erhöhte die Threonin-Gabe zusätzlich die Produktion von sekretorischem Immunglobulin A im Darm und senkte die Konzentration entzündlicher Botenstoffe im Darmgewebe, gemessen an wachstumsretardierten Tieren. Youssuf und Kollegen fanden bei Nil-Tilapias unter einer Futterkombination aus Threonin und dem verkapselten Buttersäure-Präparat ButiPEARL eines Herstellers verbesserte Werte für mehrere Immunparameter im Blut, darunter Immunglobulin M und Gesamtprotein. Der Abstract nennt diese Werte für die Kombinationsgruppe mit den höchsten Werten, eine vom Buttersäure-Präparat unabhängige Aussage zu Threonin allein lässt sich daraus nicht ableiten.

Leberfettgehalt

El-Katcha und Kollegen prüften bei Masthähnchen vier Threonin-Stufen, 100, 115, 130 und 145 Prozent des geschätzten Bedarfs, jeweils kombiniert mit niedrigem oder hohem Ölanteil im Futter. Die Kombination aus 115 Prozent Threonin und hohem Ölanteil zeigte die günstigste Genexpression für Fettsäuresynthese und die niedrigste Häufigkeit von Leberverfettung. Bei der höchsten Stufe von 145 Prozent Threonin zusammen mit hohem Ölanteil sanken dagegen Futteraufnahme, Gewichtszunahme und Leberfettgehalt gemeinsam, was eher für eine allgemein reduzierte Futteraufnahme als für einen gezielten Stoffwechseleffekt spricht.

Hautkollagen

Silva und Kollegen ersetzten bei Aufzuchtferkeln in eiweißarmem Futter einen Teil von Glycin und Serin durch zusätzliches Threonin und maßen danach unter dem Mikroskop den Kollagengehalt der Haut. Bei der niedrigeren Threonin-Zusatzstufe, 1,59 Prozent Rohprotein, blieb der Kollagengehalt gegenüber der Kontrollgruppe erhalten, bei der höheren Stufe, 2,34 Prozent, war er reduziert. Gleichzeitig fielen tägliche Gewichtszunahme und Schlachtgewicht in den Threonin-Gruppen geringer aus als bei einem Ersatz durch Glutaminsäure. Der Befund ist damit dosisabhängig und im Tiermodell nicht durchgehend günstig.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Matsumoto und Kollegen prüften in einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie an gesunden erwachsenen Männern gestaffelte Tagesdosen von 3, 6, 9 und 12 Gramm L-Threonin über jeweils vier Wochen [12]. Körpermaße, Ernährungsaufnahme und die meisten Blutwerte blieben unverändert. In der 9-Gramm-Gruppe zeigte sich ein leichter, nicht dosisabhängiger Anstieg zweier Leberenzym- und Muskelwerte, Aspartat-Aminotransferase und Kreatinkinase, der bei der höheren 12-Gramm-Dosis nicht auftrat. Vereinzelte, meist milde Nebenwirkungen bildeten sich trotz fortgesetzter Einnahme von selbst zurück.

Zur Einordnung: 12 Gramm pro Tag ist die höchste in dieser Studie geprüfte Dosis ohne beobachtete Schadwirkung, ein sogenannter NOAEL. Das ist die höchste getestete unbedenkliche Dosis, keine Aussage darüber, ob noch höhere Mengen sicher wären, und die Studie umfasste ausschließlich Männer. Die niedrigste in dieser Studie geprüfte Dosis lag bei 3 Gramm pro Tag.

Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten oder anderen Nahrungsergänzungen liegt uns keine geprüfte eigene Quelle vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Randomisierte Studie mit drei parallelen Milchgruppen · 2006

    Milk ingestion stimulates net muscle protein synthesis following resistance exercise

    Elliot TA, et al. Med Sci Sports Exerc

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Randomisierte Studie · 2025

    Consuming Whey Protein with Added Essential Amino Acids, Not Carbohydrate, Maintains Postexercise Anabolism While Underfed

    Gwin JA, et al. Med Sci Sports Exerc

    Zur Zuschreibung: 01

  3. 03

    Randomisierte Studie · 2026

    Combined resistance exercise and essential amino acid intake enhance follistatin/myostatin ratio and muscle fitness in older women, a randomized controlled trial

    Jeong D, et al. J Int Soc Sports Nutr

    Zur Zuschreibung: 02, 03

  4. 04

    Randomisierte Studie · 2021

    The additive effects of exercise and essential amino acid on muscle mass and strength in community-dwelling older Japanese women with muscle mass decline, but not weakness and slowness, a randomized controlled and placebo trial

    Kim H, et al. Aging Clin Exp Res

    Zur Zuschreibung: 02

  5. 05

    Meta-Analyse aus 35 randomisierten Studien zu verzweigtkettigen Aminosäuren, nicht Threonin-spezifisch · 2022

    Effects of branched-chain amino acid-rich supplementation on EWGSOP2 criteria for sarcopenia in older adults, a systematic review and meta-analysis

    Bai GH, et al. Eur J Nutr

    Zur Zuschreibung: 03

  6. 06

    Randomisierte Studie, n=17, Präparat enthielt nachweislich L-Threonin · 2002

    Oral amino-acid provision does not affect muscle strength or size gains in older men

    Godard MP, Williamson DL, Trappe SW. Med Sci Sports Exerc

    Zur Zuschreibung: 03

  7. 07

    Tierstudie an Ferkeln · 2007

    Adequate oral threonine is critical for mucin production and gut function in neonatal piglets

    Law GK, et al. Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol

    Zur Zuschreibung: 04

  8. 08

    Tierstudie an Ferkeln, geschädigtes Wachstumsmodell · 2019

    l-Threonine improves intestinal mucin synthesis and immune function of intrauterine growth-retarded weanling piglets

    Zhang H, et al. Nutrition

    Zur Zuschreibung: 04, 05

  9. 09

    Tierstudie an Fischen, Kombinationsfütterung mit einem Herstellerprodukt · 2025

    Potential impact of L-threonine and encapsulated butyric acid (ButiPEARL) on growth performance, serum biomarkers, intestinal histomorphometry and economic indices of Nile tilapia fingerlings

    Youssuf HA, et al. BMC Vet Res

    Zur Zuschreibung: 05

  10. 10

    Tierstudie an Broiler-Hähnchen · 2024

    Optimising Growth, Immunity, and Gene Expression in Broiler Chickens Through Dietary Threonine Levels and Oil Inclusion

    El-Katcha MI, et al. Vet Med Sci

    Zur Zuschreibung: 06

  11. 11

    Tierstudie an Ferkeln · 2020

    The effect of reduced dietary glycine and serine and supplemental threonine on growth performance, protein deposition in carcass and viscera, and skin collagen abundance of nursery pigs fed low crude protein diets

    Silva KE, et al. J Anim Sci

    Zur Zuschreibung: 07

  12. 12

    Randomisierte Studie, Crossover-Design mit gestaffelten Dosen, nur Männer · 2025

    Evaluation of safe utilization of L-threonine for supplementation in healthy adults, a randomized double blind controlled trial

    Matsumoto H, et al. Amino Acids

Bei H.P.N

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