Lecithin

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Weitere Stoffe

Meist Glycine max (Sojabohne) oder Helianthus annuus (Sonnenblume), je nach Rohstoffquelle des Öls · Soja-Lecithin · Sonnenblumen-Lecithin · Phosphatidylcholin · E322

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 5 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Eine natürlich vorkommende Mischung aus Phospholipiden, vor allem Phosphatidylcholin, daneben Phosphatidylethanolamin und Phosphatidylinositol, zusammen mit Resten von Neutralfetten. Der Anteil an Phosphatidylcholin ist beim üblichen, rohen Lecithin meist nicht auf einen festen Wert standardisiert
Herkunft
Ein Nebenprodukt der Speiseöl-Raffination. Beim Entschleimen von rohem Sojaöl oder Sonnenblumenöl fallen die Phospholipide als eigene Fraktion an, die getrocknet und als Lecithin verkauft wird. In der Lebensmittelindustrie dient dasselbe Material breit als Emulgator unter der Bezeichnung E322
Wirkform in Studien
Uneinheitlich, und das ist die wichtigste Einzelheit dieses Eintrags. Ein Teil der älteren Humanstudien, etwa zu Gedächtnisleistung, prüfte rohes Sojalecithin in Gramm-Mengen. Die neuere, deutlich besser kontrollierte Studie zur Leberfunktion prüfte dagegen kein gewöhnliches Lecithin, sondern das Fertigpräparat Essentiale, ein hochgereinigtes Polyenylphosphatidylcholin mit einem in einer unabhängigen Analyse gemessenen Phosphatidylcholin-Gehalt von 61,9 Molprozent, deutlich über dem meist nicht deklarierten Anteil von rohem Lecithin
Übliche Studiendosis
1,8 bis 22,5 g täglich, je nach Studie und Zubereitung, über 4 Wochen bis 6 Monate. Die Gedächtnisstudien der 1980er und 1990er Jahre arbeiteten meist mit rund 10 bis 12 g rohem Lecithin täglich, die Leberfett-Studie mit 1,8 g eines hochgereinigten Präparats
Bekannt geworden durch
In der Lebensmittelindustrie als Emulgator seit Jahrzehnten breit eingesetzt. Als Nahrungsergänzung wurde Lecithin in den 1970er und 1980er Jahren populär, weil es Cholin liefert, aus dem der Nervenbotenstoff Acetylcholin gebildet wird, und deshalb als Gedächtnismittel beworben wurde. In der Stillberatung wird orale Einnahme traditionell gegen wiederkehrende verstopfte Milchgänge empfohlen
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien überwiegend gut vertragen, mit einer Ausnahme: Im Cochrane-Review zur Gedächtnisleistung ist das einzige statistisch auffällige gepoolte Ergebnis ein Überschuss an Nebenwirkungen unter Lecithin, Chancenverhältnis 6 bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,5 bis 24, aus einer einzigen Studie und von den Review-Autoren selbst für vermutlich zufällig gehalten. Bei hohen Dosen werden gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl oder weicher Stuhl berichtet

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Leberfettgehalt gemessen per Fibroscan bei Menschen mit erhöhtem Messwert und einer Stoffwechsel-Begleiterkrankung, unter hochgereinigtem Phosphatidylcholin zusätzlich zu Ernährungsumstellung und Bewegung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei 165 ausgewerteten Menschen mit erhöhtem Leberfett-Messwert und mindestens einer Stoffwechsel-Begleiterkrankung (erhöhter Langzeit-Blutzucker, erhöhte Blutfette oder ein Body-Mass-Index über 30) sank der Messwert nach sechs Monaten stärker als unter Placebo, jeweils zusätzlich zu Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Geprüft wurde ein hochgereinigtes Phospholipid-Präparat und kein gewöhnliches Lecithin, finanziert und mitverfasst vom Hersteller

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 2026 veröffentlichten, multizentrischen, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-4-Studie namens EXCEL erhielten Menschen mit einem CAP-Wert über 248 dB/m im Fibroscan (Controlled Attenuation Parameter, ein Maß für Leberfett) und mindestens einer Stoffwechsel-Begleiterkrankung (Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfette oder Adipositas) randomisiert 1800 mg pro Tag eines hochgereinigten Polyenylphosphatidylcholin-Präparats (als Essential Phospholipids, EPL, bezeichnet) oder Placebo, jeweils zusätzlich zu Ernährungsumstellung und mehr Bewegung als Basistherapie [1]. Von 193 randomisierten Personen wurden 165 in der modifizierten Intention-to-treat-Gruppe ausgewertet, 82 im Verum- und 83 im Placeboarm [1]. Nach sechs Monaten sank der CAP-Wert unter Verum stärker als unter Placebo, kleinste-Quadrate-Mitteldifferenz minus 14,81 dB/m bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 27,89 bis minus 1,72 (p gleich 0,0269) [1]. Der Unterschied zeigte sich bereits nach drei Monaten (Differenz minus 16,11 dB/m, 95-Prozent-Intervall minus 27,27 bis minus 4,96, p gleich 0,0049) und blieb drei Monate nach Behandlungsende bestehen (Differenz minus 15,19 dB/m, 95-Prozent-Intervall minus 28,29 bis minus 2,09, p gleich 0,0234) [1]. Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c sank ebenfalls stärker unter Verum, Differenz minus 0,55 Prozentpunkte bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 0,95 bis minus 0,15 (p gleich 0,0069), das Körpergewicht veränderte sich in beiden Gruppen nicht unterschiedlich [1]. Bei der Lebensqualität war nur die Erschöpfungs-Unterskala mit einer Differenz von 0,31 Punkten belegt (95-Prozent-Intervall 0,04 bis 0,58, p gleich 0,0229), der Gesamtscore der Lebensqualität unterschied sich nicht (p gleich 0,2445), ebenso wenig die per Fibroscan gemessene Lebersteifigkeit als Fibrose-Maß (p gleich 0,8849) [1]. Wichtig als Einschränkung ist die geprüfte Zubereitung selbst. Das Studienpräparat trägt den Namen Essentiale, die Studie selbst führt im Titelkürzel EXCEL den Klarnamen (Exploring Efficacy of Essentiale in Fatty Liver Disease) [1]. Eine unabhängige, vergleichende Lipidanalyse von fünf im Handel erhältlichen Polyenylphosphatidylcholin-Präparaten fand für Essentiale Forte einen Phosphatidylcholin-Gehalt von 61,9 Molprozent, den höchsten der fünf geprüften Präparate und deutlich über dem meist nicht deklarierten und niedrigeren Anteil von rohem Lecithin, wie es üblicherweise als Nahrungsergänzung verkauft wird [7]. Die EXCEL-Studie wurde vom Hersteller des Präparats, Opella Healthcare, finanziert, mehrere Autoren sind Angestellte des Unternehmens und halten nach eigener Angabe möglicherweise Anteile daran, weitere Autoren haben Honorare von Opella erhalten [1]. Ein zusätzlicher Wirkstoff über Standard-Basistherapie hinaus lässt sich aus dieser einzelnen, industriefinanzierten Studie an einer stark abweichenden Zubereitung nicht auf gewöhnliches Lecithin übertragen, weshalb die Stufe bei Hinweise bleibt.

    Quellen: 1, 7

  2. 02

    Gesamtcholesterin, weitere Blutfette und Gallenlipide, in einer doppelblinden Studie an Männern mit erhöhten Blutfetten ohne Unterschied zur Vergleichsgruppe und in einer unkontrollierten Studie an Gesunden ohne Veränderung

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer doppelblinden Studie an zwanzig Männern mit erhöhten Blutfetten blieben unter täglich zwanzig Gramm Sojalecithin Gesamtcholesterin, Triglyzeride, HDL, LDL und Lipoprotein (a) gegenüber zwei Vergleichsarmen unverändert. In einer älteren Studie an zehn Gesunden ohne Kontrollgruppe blieb das Gesamtcholesterin ebenfalls gleich, Triglyzeride und Gesamtphospholipide sanken leicht

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 1980 veröffentlichten Studie nahmen vier Männer und sechs Frauen (n gleich 10) zusätzlich zu ihrer gewohnten Ernährung vier Wochen lang dreimal täglich 7,5 g rohes Sojalecithin ein, zusammen 22,5 g pro Tag [2]. Eine Placebo- oder Kontrollgruppe nennt die Arbeit nicht, gemessen wurde jeweils vor und nach der Einnahme in derselben Gruppe [2]. Das Gesamtcholesterin im Plasma sowie die cholesterinveresternde Aktivität veränderten sich nicht signifikant [2]. Eine kleine, aber statistisch signifikante Abnahme zeigte sich bei den Triglyzeriden und beim Gesamtphospholipid im Plasma, ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt die Arbeit nicht, nur p-Werte [2]. Auch die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit, also Gallensäuren, Cholesterin, Phospholipide und der daraus gebildete lithogene Index, veränderte sich weder in der Leber- noch in der Gallenblasengalle [2]. Geprüft wurde in dieser Arbeit rohes Sojalecithin und keine gereinigte Phosphatidylcholin-Fraktion. Eine zweite, methodisch deutlich bessere Arbeit stammt von 1998. Sie prüfte zwanzig frei lebende Männer mit erhöhten Blutfetten doppelblind in drei Armen, gefrorener Joghurt allein, gefrorener Joghurt mit zwanzig Gramm Sojalecithin oder gefrorener Joghurt mit siebzehn Gramm Sonnenblumenöl, letzterer als Ausgleich für die zusätzliche Energie und Linolsäure aus dem Lecithin [9]. Gemessen wurde zweimal zu Beginn sowie nach zwei und vier Wochen, der Anstieg der Linolsäure im Blut belegte die Einnahmetreue [9]. Unter Lecithin veränderten sich Gesamtcholesterin, Triglyzeride, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, Apolipoprotein A, Apolipoprotein B und Lipoprotein (a) nicht bedeutsam, ebenso wenig Fibrinogen [9]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt auch diese Arbeit im Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Die 1998er Arbeit hat die Wirkung mit zwei Vergleichsarmen geprüft und nicht gefunden, das trägt die Stufe nicht bestätigt. Beide Arbeiten sind klein und kurz, und ein Effektmaß mit Intervall liegt nicht vor, ein kleiner Effekt lässt sich damit nicht ausschließen.

    Quellen: 2, 9

  3. 03

    Kognitive Testwerte bei Menschen mit ärztlich festgestellter Gedächtnisstörung, in zwölf randomisierten Studien meist ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Der Cochrane-Review von zwölf randomisierten Studien mit zusammen rund 376 Personen mit festgestellter Gedächtnisstörung oder subjektiven Gedächtnisproblemen fand keinen klaren klinischen Nutzen von Lecithin. Der frei zugängliche Volltext nennt für den Gesamteindruck ein gepooltes Chancenverhältnis knapp zugunsten von Placebo, das die Signifikanz verfehlt. Ein mäßiger Effekt lässt sich mit den kleinen Studien nicht ausschließen

    Ausführlicher Nachweis

    Ein zuletzt 2003 aktualisierter Cochrane-Review wertete zwölf randomisierte, plazebokontrollierte Studien zu Lecithin bei Menschen mit ärztlich festgestellter Gedächtnisstörung aus, davon 265 Personen mit einer Gedächtnisstörung vom Alzheimer-Typ, 21 mit einer Gedächtnisstörung im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung und 90 mit subjektiven Gedächtnisproblemen ohne eine dieser Diagnosen [3]. Dosis und Dauer unterschieden sich zwischen den eingeschlossenen Studien, in einer der zugrunde liegenden Vergleichsstudien mit dem Wirkstoff Tacrin betrug die Lecithin-Dosis beispielsweise 10,8 g täglich über 13 Wochen [3][4]. Keine der Studien zeigte einen eindeutigen klinischen Nutzen von Lecithin bei einer Gedächtnisstörung vom Alzheimer-Typ oder im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung [3]. Das einzige statistisch auffällige gepoolte Ergebnis fiel zugunsten von Placebo bei den Nebenwirkungen aus, beruhte auf einer einzigen Studie, und die Review-Autoren selbst halten diesen Befund für vermutlich zufällig [3]. Bei Menschen mit subjektiven Gedächtnisproblemen ohne festgestellte Diagnose zeigte eine einzelne kleine Studie ein deutliches Ergebnis zugunsten von Lecithin, der Review nennt dies selbst als auffälligen Einzelbefund und keine gesicherte Wirkung [3]. Das eigene Fazit des Reviews bleibt ausdrücklich zurückhaltend, die vorliegende Evidenz aus randomisierten Studien stütze die Anwendung nicht, ein mäßiger Effekt lasse sich aber nicht ausschließen, und die bisherigen kleinen Studien würden keine Priorität für eine große randomisierte Studie begründen [3]. Der Volltext dieses Reviews ist über die Datenbank PMC frei zugänglich und nennt die gepoolten Effektmaße mit Intervall [3]. Beim Gesamteindruck der Behandelnden ergaben zwei Studien ein gepooltes Chancenverhältnis von 3,0 (95-Prozent-Intervall 0,9 bis 9,8) zugunsten von Placebo, knapp nicht signifikant [3]. Für Verhaltensskalen lag die standardisierte Mittelwertdifferenz bei 0,09 (minus 0,6 bis 0,8), für den Paired-Associate-Learning-Test bei minus 0,03 (minus 1,5 bis 1,4) und für die Gesamtkognition das Chancenverhältnis bei 0,9 (0,3 bis 3,3), jeweils ohne Unterschied zwischen den Gruppen [3]. Der einzige statistisch auffällige Wert blieb das Chancenverhältnis von 6 (1,5 bis 24) für Nebenwirkungen zugunsten von Placebo aus einer einzigen Studie [3]. Damit ist die Wirkung in einer systematischen Übersicht mit gepoolten Effektmaßen geprüft und nicht gefunden worden, das trägt die Stufe nicht bestätigt. Zu den Meta-Analysen trugen jeweils nur zwei kleine Studien Daten bei, die Intervalle sind entsprechend weit, und die Autoren fällen selbst kein abschließendes Urteil, ein mäßiger Effekt bleibt danach möglich.

    Quellen: 3, 4

  4. 04

    Vorbeugung wiederkehrender verstopfter Milchgänge in der Stillzeit

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine kontrollierte Studie am Menschen gefunden, nur eine 2023 veröffentlichte Fachkritik, die die verbreitete Empfehlung als nicht evidenzbasiert bezeichnet

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche nach kontrollierten Studien zu Lecithin und wiederkehrenden verstopften Milchgängen oder einer Brustdrüsenentzündung in der Stillzeit (unter anderem mit den Suchbegriffen lecithin und breastfeeding, lecithin und milk duct, lecithin und mastitis lactation) ergab keine einzige randomisierte oder kontrollierte Studie am Menschen. Eine 2023 veröffentlichte Fachkritik an einem Behandlungsprotokoll der Academy of Breastfeeding Medicine nennt die darin enthaltene Empfehlung zur oralen Einnahme von Lecithin ausdrücklich als ein Beispiel für eine Maßnahme ohne Evidenzgrundlage oder ein glaubwürdiges zugrunde liegendes Modell [5]. Der frei zugängliche Volltext dieser Fachkritik führt die beiden einzigen Belege auf, die das kommentierte Protokoll für seine Lecithin-Empfehlung angibt, eine methodisch schwache rückblickende Auswertung an 34 Frauen, die zugleich Antibiotika erhielten, und einen Reagenzglasversuch, in dem Lecithin den Fettverlust abgepumpter Muttermilch am Auffanggefäß verringerte [5]. Die verbreitete Empfehlung beruht damit nach unserer Recherche auf traditioneller Anwendung und Einzelfallberichten, nicht auf einer kontrollierten Studie.

    Quellen: 5

  5. 05

    Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen und Cholesterin-Sättigung der Galle, in der einzigen gefundenen kontrollierten Studie an sechs Betroffenen ohne Effekt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer randomisierten Studie an sechs Menschen mit Cholesterin-Gallensteinen veränderte gereinigtes Sojalecithin die Cholesterin-Sättigung der Galle nicht, und ein anschließender halbjähriger Versuch mit Sojalecithin und Cholsäure löste bei keinem der sechs einen Stein auf. Sechs Teilnehmende ohne Placebogruppe im halbjährigen Teil sind zu wenig für ein belastbares Urteil

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 1979 veröffentlichten randomisierten Studie durchliefen sechs Menschen mit röntgendurchlässigen Gallensteinen nacheinander je drei Wochen mit beta-Glycerophosphat, mit Linolsäure und mit gereinigtem Sojalecithin, jeweils mit einer Untersuchung der gallenreichen Zwölffingerdarmflüssigkeit vor dem Versuch und nach jedem Abschnitt [8]. Unter Sojalecithin wurden die Fettsäuren des Gallen-Lecithins ungesättigter, eine bedeutsame Verbesserung der Cholesterin-Sättigung der Galle oder eine Verschiebung der Lipidzusammensetzung ergab sich unter keiner der drei Zubereitungen [8]. Ein anschließender halbjähriger Versuch mit Sojalecithin zusammen mit Cholsäure zeigte bei keinem der sechs Betroffenen ein Ansprechen im Sinne einer Steinauflösung [8]. Effektmaße mit Konfidenzintervall nennt die Arbeit nicht, dieser Teil hatte zudem keine Kontrollgruppe. Eine 2009 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Ernährungsansätzen bei Gallensteinen nennt Sojalecithin unter mehreren möglichen Nahrungsergänzungen, ohne selbst eine Studie mit diesem Endpunkt anzuführen [6]. Weitere kontrollierte Studien am Menschen fanden wir nicht, daneben nur Laborversuche zur Löslichkeit von Cholesterin in Gallensalz-Lecithin-Gemischen im Reagenzglas. Mit sechs Teilnehmenden trägt dieser einzelne Befund die Stufe Hinweise und nicht die Stufe nicht bestätigt.

    Quellen: 6, 8

Studien im Detail

Leberfettgehalt unter hochgereinigtem Phosphatidylcholin

Die 2026 veröffentlichte EXCEL-Studie prüfte an 15 Zentren in Deutschland und Polen ein hochgereinigtes Polyenylphosphatidylcholin-Präparat bei Menschen mit erhöhtem Leberfettgehalt (CAP-Wert über 248 dB/m im Fibroscan) und mindestens einer Stoffwechsel-Begleiterkrankung. Über sechs Monate sank der CAP-Wert unter dem Präparat stärker als unter Placebo, jeweils zusätzlich zu Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Auch der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c verbesserte sich stärker, die Leberfestigkeit als Fibrose-Maß unterschied sich dagegen nicht.

Diese Studie ist die methodisch stärkste im gesamten Eintrag, gleichzeitig die mit dem größten Abstand zur verkauften Zubereitung. Das geprüfte Präparat ist ein hochkonzentriertes, pharmazeutisch anmutendes Produkt mit einem Phosphatidylcholin-Gehalt, der weit über dem liegt, was rohes, unstandardisiertes Lecithin normalerweise enthält. Die Studie wurde vollständig vom Hersteller finanziert, mehrere Autoren sind bei ihm angestellt. Ein Rückschluss auf gewöhnliches Lecithin aus der Drogerie oder dem Reformhaus ist aus diesem einzelnen Befund nicht zulässig.

Blutfette bei gesunden Erwachsenen

Die ältere der beiden gefundenen Humanstudien zu rohem Sojalecithin und Blutfetten ist über vierzig Jahre alt, umfasste zehn gesunde Personen und hatte keine Vergleichsgruppe. Nach vier Wochen mit 22,5 g Sojalecithin täglich veränderte sich das Gesamtcholesterin nicht, Triglyzeride und Gesamtphospholipid sanken leicht. Die zweite, 1998 veröffentlichte Arbeit war besser gebaut. Sie prüfte zwanzig Männer mit erhöhten Blutfetten doppelblind gegen zwei Vergleichsarme und fand unter zwanzig Gramm Sojalecithin täglich keine Veränderung von Gesamtcholesterin, Triglyzeriden, HDL, LDL, Apolipoprotein A, Apolipoprotein B oder Lipoprotein (a). Beide Arbeiten sind klein und kurz, ein Effektmaß mit Intervall nennt keine von beiden. Geprüft und nicht gefunden wurde die cholesterinsenkende Wirkung in der besser gebauten der beiden dennoch, ein kleiner Effekt bliebe bei dieser Fallzahl allerdings unentdeckt.

Kognitive Leistungsfähigkeit

Der maßgebliche Cochrane-Review fasst zwölf randomisierte Studien zusammen, die Lecithin bei Menschen mit einer ärztlich festgestellten Gedächtnisstörung oder mit subjektiven Gedächtnisproblemen prüften. Keine der Studien zeigte einen eindeutigen klinischen Nutzen. Die Review-Autoren formulieren ihr eigenes Fazit ausdrücklich zurückhaltend, ein mäßiger Effekt lasse sich mit den vorliegenden kleinen Studien nicht ausschließen. Geprüft und in gepoolten Auswertungen nicht gefunden wurde die Wirkung dennoch, deshalb steht die Zeile auf nicht bestätigt, und die Unschärfe bleibt als Vorbehalt daneben stehen.

Wiederkehrende verstopfte Milchgänge und Cholesterin-Gallensteine

Für zwei der verbreitetsten Zuschreibungen an Lecithin, wiederkehrende verstopfte Milchgänge in der Stillzeit und Cholesterin-Gallensteine, ist die Lage sehr dünn, aber unterschiedlich dünn. Zu den Milchgängen fand die gezielte Suche keine einzige kontrollierte Studie am Menschen, und eine 2023 veröffentlichte Fachkritik an einem klinischen Protokoll nennt die dortige Lecithin-Empfehlung ausdrücklich ohne Beleg für eine Wirksamkeit und ohne plausibles Wirkmodell. Angeführt werden dort nur eine methodisch schwache rückblickende Auswertung an 34 Frauen und ein Reagenzglasversuch an abgepumpter Muttermilch. Diese Zeile steht deshalb auf der Stufe Keine Studien gefunden, was ausdrücklich nicht bedeutet, dass die Wirkung ausbleibt, sondern dass unsere Suche keine Untersuchung dazu gefunden hat. Bei den Gallensteinen dagegen gibt es sehr wohl eine randomisierte Studie, veröffentlicht 1979, an sechs Betroffenen. Gereinigtes Sojalecithin veränderte dort die Cholesterin- Sättigung der Galle nicht, und ein anschließender halbjähriger Versuch mit Sojalecithin und Cholsäure löste bei keinem der sechs einen Stein auf. Sechs Teilnehmende sind zu wenig für ein belastbares Urteil, deshalb steht diese Zeile auf Hinweise und nicht auf Studienlage offen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den vorliegenden Studien war die orale Einnahme von Lecithin überwiegend gut verträglich. Bei hohen Dosen wurden gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, weicher Stuhl oder Durchfall berichtet.

Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist der einzige statistisch auffällige gepoolte Wert des gesamten Cochrane-Reviews zur Gedächtnisleistung: Nebenwirkungen traten dort unter Lecithin häufiger auf als unter Placebo, Chancenverhältnis 6 bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,5 bis 24. Der Wert stammt aus einer einzigen eingeschlossenen Studie, das Intervall ist entsprechend weit, und die Review-Autoren halten den Befund selbst für vermutlich zufällig. Belastbar ist er damit nicht, unerwähnt bleiben sollte er aber auch nicht.

Da Lecithin Fett- und Gallenstoffwechsel berührt, ist bei einer bestehenden Gallenblasenerkrankung oder bei blutverdünnenden Medikamenten ärztliche Rücksprache sinnvoll, insbesondere weil das hochgereinigte Phosphatidylcholin-Präparat aus der Leberfett-Studie ausdrücklich bei Menschen mit Stoffwechsel-Begleiterkrankungen und in Kombination mit Standardtherapie geprüft wurde und nicht bei gesunden Menschen ohne diese Vorerkrankungen.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns, abgesehen von der Frage zu verstopften Milchgängen selbst, keine eigene geprüfte Quelle vor. Eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 193 randomisiert, 165 ausgewertet, 6 Monate, industriefinanziert · 2026

    Effect of Essential Phospholipids in Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease, A Randomised Phase 4 Clinical Trial

    Stefan N, et al. Liver Int

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Studie ohne Kontrollgruppe, Vorher-Nachher-Vergleich, n gleich 10, 4 Wochen · 1980

    Lecithin supplementation in healthy volunteers, effect on cholesterol esterification and plasma, and bile lipids

    Cobb M, et al. Nutr Metab

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    Systematischer Review und Meta-Analyse, 12 randomisierte Studien, zusammen rund 376 Teilnehmende · 2003

    Lecithin for dementia and cognitive impairment

    Higgins JP, Flicker L. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 89 randomisiert, 65 ausgewertet, 13 Wochen je Phase · 1991

    Tacrine in Alzheimer's disease

    Eagger SA, Levy R, Sahakian BJ. Lancet

    Zur Zuschreibung: 03

  5. 05

    Fachkommentar zu einem klinischen Behandlungsprotokoll · 2023

    Does the Academy of Breastfeeding Medicine's Clinical Protocol #36 'The Mastitis Spectrum' promote overtreatment and risk worsened outcomes for breastfeeding families? Commentary

    Douglas P. Int Breastfeed J

    Zur Zuschreibung: 04

  6. 06

    Narrativer Review zu Ernährungsfaktoren bei Gallensteinen · 2009

    Nutritional approaches to prevention and treatment of gallstones

    Gaby AR. Altern Med Rev

    Zur Zuschreibung: 05

  7. 07

    Vergleichende Laboranalyse von fünf im Handel erhältlichen Polyenylphosphatidylcholin-Präparaten · 2020

    Lipid Profiles of Five Essential Phospholipid Preparations for the Treatment of Nonalcoholic Fatty Liver Disease, A Comparative Study

    Lüchtenborg C, et al. Lipids

    Zur Zuschreibung: 01

  8. 08

    Randomisierte Studie mit aufeinanderfolgenden Abschnitten, n gleich 6, je 3 Wochen, dazu ein halbjähriger Versuch ohne Kontrollgruppe · 1979

    Effect of oral administration of 'essential' phospholipid, beta-glycerophosphate, and linoleic acid on biliary lipids in patients with cholelithiasis

    Holan KR, et al. Digestion

    Zur Zuschreibung: 05

  9. 09

    RCT, doppelblind, drei Arme mit Ausgleich für Energie und Linolsäure, n gleich 20, 4 Wochen · 1998

    Lecithin has no effect on serum lipoprotein, plasma fibrinogen and macro molecular protein complex levels in hyperlipidämic men in a double-blind controlled study

    Oosthuizen W, et al. Eur J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 02

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