Protein

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Proteine

Eiweiß · Eiweiss

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 7 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Makronährstoff aus Aminosäuren, Baustein von Muskulatur, Enzymen, Hormonen und Antikörpern. Nahrungsquellen sind tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte sowie pflanzliche Quellen wie Hülsenfrüchte, Getreide und Soja. Nahrungsergänzungsmittel liefern isoliertes Protein, meist als Molkenprotein (Whey), Caseinprotein, Sojaprotein oder Erbsenprotein
Herkunft
In Nahrungsergänzungsmitteln überwiegend Molkenprotein aus der Käseherstellung, daneben Casein aus Milch, sowie pflanzliche Isolate aus Soja oder Erbsen für Menschen ohne Milchprodukte
Wirkform in Studien
In den meisten Interventionsstudien zusätzliches Protein als Pulver zur bestehenden Ernährung, meist in Verbindung mit Krafttraining. Entscheidend ist in der Regel die erreichte Gesamtproteinzufuhr pro Tag je Kilogramm Körpergewicht, nicht allein die zusätzliche Menge aus dem Präparat
Übliche Studiendosis
20 bis 50 g Protein je Einnahme, häufig rund um das Training, bei einer resultierenden Gesamtzufuhr von meist 1,2 bis 2,2 g je Kilogramm Körpergewicht täglich
Bekannt geworden durch
Den Einsatz im Kraft- und Fitnesssport zum Aufbau und Erhalt von Muskelmasse
Verträglichkeit
Bei gesunden Menschen in üblichen Mengen meist gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind Blähungen oder weicher Stuhl, insbesondere bei Molkenprotein und gleichzeitiger Laktoseintoleranz. Zur Diskussion um die Nierenfunktion bei hoher Zufuhr siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Zunahme an Muskelmasse

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe für proteinreiche Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel. Sie beschreibt die Grundfunktion des Nährstoffs, keine automatische Wirkung einer höheren Zufuhr über den Bedarf hinaus.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 lässt für Protein die Angabe zu, Protein trägt zu einer Zunahme an Muskelmasse bei [1]. Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens eine Proteinquelle im Sinne des Anhangs der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 sind [1]. Es handelt sich um eine amtliche Bewertung der Grundfunktion von Protein als Baustein der Muskulatur, keine Aussage darüber, dass eine höhere Proteinzufuhr über den eigenen Bedarf hinaus automatisch zu mehr Muskelmasse führt. Ob und unter welchen Bedingungen eine zusätzliche Proteinzufuhr bei Menschen mit Krafttraining die Muskelmasse tatsächlich messbar erhöht, behandelt die eigene Zeile weiter unten.

    Quellen: 1

  2. 02

    Erhalt der Muskelmasse

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe. Sie beschreibt die Grundfunktion des Nährstoffs, keinen Zusatznutzen einer höheren Zufuhr bei bereits ausreichender Versorgung.

    Ausführlicher Nachweis

    Dieselbe Verordnung lässt für Protein die Angabe zu, Protein trägt zum Erhalt der Muskelmasse bei, unter denselben Nutzungsbedingungen wie die Angabe zur Zunahme [1]. Auch diese Angabe beschreibt eine Grundfunktion des Nährstoffs und keinen belegten Zusatznutzen einer höheren Zufuhr bei Menschen, die ihren Bedarf bereits über die Nahrung decken.

    Quellen: 1

  3. 03

    Erhalt normaler Knochen

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe. Sie beschreibt die Grundfunktion des Nährstoffs, keinen Zusatznutzen einer höheren Zufuhr bei bereits ausreichender Versorgung.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Verordnung lässt außerdem die Angabe zu, Protein trägt zum Erhalt normaler Knochen bei, unter denselben Nutzungsbedingungen [1]. Ob eine Proteinzufuhr oberhalb der aktuellen Referenzmenge einen zusätzlichen, messbaren Nutzen für die Knochendichte hat, behandelt die eigene Zeile weiter unten.

    Quellen: 1

  4. 04

    Kraftzuwachs und fettfreie Muskelmasse unter Krafttraining, größer mit zusätzlicher Proteinzufuhr, mit einer statistisch nicht abgesicherten Schwelle von rund 1,6 g je Kilogramm täglich

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    In 49 randomisierten Studien war der Kraft- und Muskelmassezuwachs unter Krafttraining mit zusätzlicher Proteinzufuhr größer als ohne. Oberhalb einer Gesamtzufuhr von etwa 1,6 g Protein je Kilogramm Körpergewicht täglich zeigte sich kein weiterer Zuwachs, dieses Schwellenmodell war statistisch aber nicht abgesichert (p gleich 0,079). Der Effekt war bei jüngeren und bereits trainierten Personen größer

    Ausführlicher Nachweis

    Morton und Kollegen werteten 2018 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse und Meta-Regression 49 randomisierte, kontrollierte Studien mit mindestens sechs Wochen Krafttraining und Proteinsupplementierung bei insgesamt 1863 gesunden Erwachsenen aus [2]. Gegenüber Kontrollgruppen ohne zusätzliches Protein erhöhte die Proteinzufuhr das Einwiederholungsmaximum um 2,49 kg (95-Prozent-Intervall 0,64 bis 4,33), die fettfreie Masse um 0,30 kg (0,09 bis 0,52), den Muskelfaserquerschnitt um 310 µm² (51 bis 570) und den mittleren Femurquerschnitt um 7,2 mm² (0,20 bis 14,30), alle vier Unterschiede statistisch gesichert mit p kleiner 0,05 [2]. Eine zweiphasige Regression zwischen der erreichten Gesamtproteinzufuhr und der Veränderung der fettfreien Masse (42 Studienarme, 723 Teilnehmende) ergab einen Knickpunkt bei 1,62 g je Kilogramm Körpergewicht täglich (95-Prozent-Intervall 1,03 bis 2,20), oberhalb dessen kein weiterer Zuwachs an fettfreier Masse mehr belegt war [2]. Die Autoren halten im Volltext ausdrücklich fest, dass dieses zweiphasige Modell statistisch nicht abgesichert war (p gleich 0,079) und sie es trotzdem als Segmentregression darstellen, die Schwelle von rund 1,6 g ist damit eine Orientierungsgröße und kein gesicherter Grenzwert [2]. Die mittlere Proteinzufuhr der Teilnehmenden vor Studienbeginn lag bereits bei rund 1,4 g je Kilogramm täglich, deutlich über der nordamerikanischen Referenzmenge von 0,8 g je Kilogramm, und selbst bei diesem Ausgangswert zeigte eine zusätzliche Proteinzufuhr von im Mittel 35 g täglich noch einen Effekt [2]. In Untergruppenanalysen fiel der Effekt auf die fettfreie Masse bei jüngeren Menschen größer aus als bei älteren (mittlerer Unterschied 0,55 kg gegenüber 0,06 kg, p gleich 0,003 für den Gruppenunterschied) und bei bereits krafttrainierten Personen größer als bei Trainingsanfängern (0,75 kg, 0,09 bis 1,40, p gleich 0,03) [2]. Der Zeitpunkt der Proteineinnahme rund um das Training beeinflusste keinen der vier Endpunkte [2]. Einer der Autoren (SMP) gibt eine Forschungsförderung sowie Reise- und Vortragskosten vom US-amerikanischen National Dairy Council an, dessen Studien in der Analyse mit ausgewertet wurden [2]. Eine 2020 veröffentlichte Berichtigung ergänzte nachträglich die Angabe eines weiteren Autors (BJS), der zum Zeitpunkt der Abfassung im Beirat des Nahrungsergänzungsmittel-Herstellers Dymatize Nutrition saß, ohne dass sich dadurch eine der berichteten Zahlen änderte [2]. Eine gezielte Suche nach einer neueren, ähnlich breit angelegten Übersichtsarbeit bei gesunden Erwachsenen ergab keine, neuere Arbeiten aus den Jahren 2024 und 2025 beschränken sich auf ältere Menschen mit verminderter Muskelmasse und sind hier nicht ausgewertet.

    Quellen: 2

  5. 05

    Proteinquelle, Molke gegenüber Casein, Soja und Erbse, meist kein Unterschied bei Kraft und fettfreier Masse, mit einem kleinen Vorteil für tierisches Protein bei unter 50-Jährigen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In mehreren Vergleichsstudien wirkten Molke, Soja und Erbsenprotein bei Kraft und Muskelmasse meist gleich. Eine Übersichtsarbeit fand bei unter 50-Jährigen einen kleinen Vorteil für tierisches Protein.

    Ausführlicher Nachweis

    Lim und Kollegen werteten 2021 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse 16 randomisierte Studien zum Vergleich tierischer und pflanzlicher Proteinquellen aus [3]. Über alle Altersgruppen fand sich kein Unterschied bei der absoluten fettfreien Masse oder der Kraft, wohl aber ein Vorteil tierischen Proteins beim prozentualen Anteil fettfreier Masse [3]. Bei unter 50-Jährigen war der Zuwachs an fettfreier Masse unter tierischem Protein größer als unter pflanzlichem, mittlerer Unterschied 0,41 kg (95-Prozent-Intervall 0,08 bis 0,74) und 0,50 Prozentpunkte beim relativen Anteil (0,00 bis 1,01) [3]. Diese Übersichtsarbeit von 2021 und die kleinere, thematisch engere Meta-Analyse von Messina und Kollegen aus 2018 decken sich in einem Teil ihrer eingeschlossenen Primärstudien zu Soja gegenüber Molke, sie sind deshalb kein doppelter, voneinander unabhängiger Beleg, sondern eine größere und eine kleinere Auswertung desselben Teilfelds. Ob gleichzeitig Krafttraining stattfand, veränderte das Ergebnis nicht [3]. Messina und Kollegen fanden 2018 in einer Meta-Analyse von neun Studien mit 266 Teilnehmenden keinen Unterschied zwischen Sojaprotein und Molkenprotein bei Kraftzuwachs in Bankdrücken und Kniebeuge sowie bei fettfreier Masse, ebenso keinen Unterschied zwischen Sojaprotein und anderen tierischen Proteinen aus Rind, Milch oder Molkereiprodukten [4]. Der Erstautor dieser Arbeit ist als Anschrift mit einer privatwirtschaftlichen Beratungsfirma (Nutrition Matters, Inc.) geführt, eine Interessenerklärung liegt zu dieser Arbeit nicht vor, die Interessenlage ist hier also anders als bei den beiden Einzelstudien weiter unten nicht offengelegt [4]. Korzepa und Kollegen fanden 2025 in einer randomisierten Studie an 27 Erwachsenen zwischen 50 und 70 Jahren keinen Unterschied in der täglichen Muskelproteinsyntheserate zwischen einer Ernährung mit überwiegend Molkenprotein und einer mit überwiegend Erbsenprotein, bei gleicher Gesamtproteinzufuhr von 1,0 g je Kilogramm täglich über 10 Tage mit einseitigem Krafttraining eines Beins [5]. Eine der Autorinnen ist bei einem Molkenprotein-Hersteller (Volac Whey Nutrition, inzwischen Teil von Arla Food Ingredients) angestellt, der die Studie mitfinanziert hat, ein weiterer Autor nennt Forschungsgelder mehrerer Molkereiverbände und -unternehmen [5]. Singh und Kollegen fanden 2024 in einer randomisierten Studie an sitzenden Erwachsenen über 84 Tage mit wöchentlichem Krafttraining keinen belegten Unterschied zwischen Erbsenprotein und Molkenprotein bei Muskelkraft und Muskelmasse, mit einer Steigerung der Gesamtkraft um 16,1 Prozent unter Erbsenprotein (p gleich 0,01) und um 11,1 Prozent unter Molkenprotein (p gleich 0,06), ohne berichteten direkten Gruppenvergleich der beiden Prozentwerte [6]. Die Studie wurde vom Erbsenprotein-Hersteller Roquette finanziert, mehrere Autorinnen und Autoren sind bei der beauftragten Auftragsforschungsfirma oder bei Roquette selbst angestellt [6].

    Quellen: 3, 4, 5, 6

  6. 06

    Körpergewicht bei Erwachsenen mit Übergewicht unter einer proteinreicheren Ernährung, im Mittel 1,6 kg stärker gesunken als unter der Kontrolldiät

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In 37 ausgewerteten Studien war das Körpergewicht unter einer proteinreicheren Ernährung im Mittel um 1,6 kg stärker gesunken als in der Vergleichsgruppe, ein kleiner Effekt bei erheblicher Streuung zwischen den Studien.

    Ausführlicher Nachweis

    Hansen und Kollegen werteten 2021 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse 43 randomisierte, kontrollierte Studien aus, davon 37 mit auswertbaren Daten zum Körpergewicht, bei Erwachsenen mit Übergewicht und einer Proteinzufuhr von 18 bis 59 Energieprozent [7]. Das Körpergewicht sank unter der proteinreicheren Ernährung im Mittel um 1,6 kg stärker als in der Vergleichsgruppe (95-Prozent-Intervall 1,2 bis 2,0 kg) [7]. Menschen mit erhöhten Nüchternblutzuckerwerten profitierten stärker als Menschen mit normalem Blutzucker, ebenso Menschen ohne eine bestimmte, mit Übergewicht assoziierte Genvariante (AA-Genotyp) gegenüber Trägern der Risikovarianten [7]. Ein Teil der eingeschlossenen Studien war nicht isokalorisch angelegt, in einigen ging die höhere Proteinzufuhr mit einer geringeren Gesamtenergiezufuhr einher, was den Effekt auf das Körpergewicht mit erklären kann [7]. Ein Autor (AA) nennt umfangreiche Verbindungen zur Ernährungs- und Diätindustrie, unter anderem eine Anstellung als Projektdirektor bei einer Stiftung eines Insulinherstellers sowie Honorare von einem Anbieter kommerzieller Abnehmprogramme und weiteren Unternehmen, mit der Erklärung, diese Verbindungen beträfen nicht die vorliegende Arbeit [7].

    Quellen: 7

  7. 07

    Knochendichte und Hüftbrüche unter einer Proteinzufuhr oberhalb der Referenzmenge, niedrigere Hüftbruchrate in Beobachtungsstudien

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In Beobachtungsstudien war die Hüftbruchrate bei hoher Proteinzufuhr niedriger als bei niedriger. Der größte Teil der Daten stammt aus Beobachtungsstudien, nicht aus randomisierten Studien mit Bruch als Endpunkt.

    Ausführlicher Nachweis

    Wallace und Frankenfeld werteten 2017 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse 29 Arbeiten aus, 16 randomisierte Studien und 13 prospektive Kohortenstudien, bei gesunden Erwachsenen mit einer Proteinzufuhr auf oder oberhalb der US-Referenzmenge von 0,8 g je Kilogramm täglich [8]. In der Meta-Analyse der Kohortenstudien war eine hohe gegenüber einer niedrigen Proteinzufuhr mit einer um 16 Prozent niedrigeren Hüftbruchrate verbunden, standardisierte mittlere Differenz 0,84 (95-Prozent-Intervall 0,73 bis 0,95) [8]. Die eingeschlossenen randomisierten Studien zeigten in der Tendenz einen günstigen Zusammenhang mit der Knochendichte an mehreren Messstellen, ohne dass die Autoren daraus ein gemeinsames Effektmaß über alle Studien hinweg berechnen [8]. Ein Unterschied zwischen tierischem und pflanzlichem Protein zeigte sich dagegen nicht, die Datenlage dazu ist nach eigener Angabe der Autoren gering [8]. Die Autoren selbst betonen den Bedarf an größeren, länger laufenden und besser kontrollierten Studien mit Knochenbruch als vorab festgelegtem Endpunkt, bevor eine höhere Proteinzufuhr gezielt zu diesem Zweck empfohlen werden kann [8]. Der überwiegende Teil des günstigen Zusammenhangs stammt aus Beobachtungsstudien ohne Zuteilung zu Gruppen und damit mit einem höheren Verzerrungsrisiko als randomisierte Studien. Zur Interessenlage dieser Arbeit liegt uns keine Erklärung vor, der Erstautor ist neben einer Universität mit einer privatwirtschaftlichen Beratungsfirma (Think Healthy Group, Inc.) als Anschrift geführt, ein freier Volltext mit dem Förderhinweis war nicht auffindbar [8].

    Quellen: 8

Studien im Detail

Gesamtproteinzufuhr gegenüber Supplementierung, und der Untergruppenvorbehalt

Die mit Abstand größte und methodisch stärkste Arbeit zur Proteinsupplementierung und Krafttraining ist die Meta-Analyse von Morton und Kollegen aus 49 Studien mit 1863 Teilnehmenden. Ihr zentraler Befund ist zugleich die wichtigste Einschränkung der gesamten Wirkungslage, der Nutzen einer zusätzlichen Proteinzufuhr ist an einen Schwellenwert gebunden. Oberhalb einer Gesamtzufuhr von rund 1,6 g Protein je Kilogramm Körpergewicht täglich, also deutlich über der Referenzmenge von 0,8 g, zeigte sich in der Auswertung kein weiterer Zuwachs an fettfreier Masse mehr, wobei die Autoren selbst festhalten, dass dieses Schwellenmodell statistisch nicht abgesichert war (p gleich 0,079). Wer diese Menge bereits über die Ernährung erreicht, kann von einem zusätzlichen Präparat keinen belegten Zusatznutzen für Kraft und Muskelmasse erwarten. Genau umgekehrt gilt, ein Großteil der positiven Befunde in dieser und anderen Meta-Analysen stammt aus Studien, in denen die Teilnehmenden vor der Supplementierung unterhalb oder nur knapp oberhalb dieses Schwellenwerts lagen. Der Nutzen einer Proteinsupplementierung ist damit in erster Linie ein Nutzen für Menschen mit einer im Alltag unzureichenden Proteinzufuhr, weniger eine zusätzliche Wirkung obendrauf bei einer ohnehin hohen Zufuhr aus fester Nahrung.

Zwei weitere Einflussgrößen verstärken diesen Vorbehalt. Der Effekt auf die fettfreie Masse fiel bei jüngeren Menschen deutlich größer aus als bei älteren, und bei bereits Krafttrainierten größer als bei Trainingsanfängern. Für ältere, untrainierte Menschen mit ohnehin ausreichender Proteinzufuhr ist die Studienlage zur Wirkung einer zusätzlichen Supplementierung entsprechend dünner und die zu erwartende Wirkung kleiner.

Proteinquelle

Die verfügbaren Vergleichsstudien zwischen Molkenprotein, Casein, Sojaprotein und Erbsenprotein zeigen bei Kraft und fettfreier Masse überwiegend keinen Unterschied. Eine Ausnahme ist ein kleiner Vorteil für tierisches gegenüber pflanzlichem Protein bei unter 50-Jährigen in einer größeren Übersichtsarbeit, der bei älteren Menschen nicht bestand. Mehrere der einzelnen Vergleichsstudien zu Erbsenprotein sind von der jeweiligen Rohstoffindustrie mitfinanziert, eine zugunsten von Erbsenprotein (Quelle 6), eine zugunsten von Molkenprotein (Quelle 5), beide mit angestellten oder finanziell verbundenen Autorinnen und Autoren. Für Menschen ohne Milchprodukte deuten die vorliegenden Daten trotzdem darauf hin, dass pflanzliche Proteinquellen bei ausreichender Menge einen ähnlichen Effekt auf Kraft und Muskelmasse erzielen können wie Molkenprotein.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Für Protein als solches gibt es, anders als für einzelne Vitamine oder Mineralstoffe, keine von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegte duldbare obere Zufuhrmenge (Tolerable Upper Intake Level). Die verfügbaren Sicherheitsdaten stammen fast ausschließlich aus Studien an gesunden Menschen mit normaler Nierenfunktion.

Van Elswyk und Kollegen werteten 2018 in einer systematischen Übersichtsarbeit 26 randomisierte und Beobachtungsstudien an gesunden Erwachsenen mit einer Proteinzufuhr von mindestens 20 bis unter 35 Energieprozent gegenüber der US-Referenzmenge aus [9]. In 8 von 13 vergleichenden randomisierten Studien war die glomeruläre Filtrationsrate, ein Maß für die Nierenfunktion, unter der höheren Proteinzufuhr statistisch höher als unter der niedrigeren, in allen Studien blieb der Wert im Bereich einer normalen Nierenfunktion. Auf Blutwerte der Nierenfunktion hatte eine höhere Proteinzufuhr wenig bis keinen Effekt, zur Frage von Nierensteinen war die Datenlage uneinheitlich, und ein negativer Effekt auf den Blutdruck zeigte sich nicht [9]. Alle eingeschlossenen Studien dauerten überwiegend weniger als sechs Monate, und ausdrücklich ausgeschlossen waren Menschen mit einer bereits bestehenden Nierenerkrankung. Die drei Autorinnen und Autoren sind bei einer Ernährungsberatungsfirma sowie beim US-amerikanischen Rinderzüchterverband (National Cattlemen's Beef Association) angestellt oder für ihn tätig, eine Interessenlage, die bei der Einordnung dieser Übersichtsarbeit zu berücksichtigen ist [9].

Wagner und Kollegen prüften 2007 in einer randomisierten Cross-over-Studie an 12 jüngeren (25 bis 40 Jahre) und 10 älteren (55 bis 70 Jahre) gesunden Personen die kurzfristige Wirkung einer proteinarmen (0,5 g je Kilogramm täglich) gegenüber einer proteinreichen Diät (2,0 g je Kilogramm täglich) über jeweils eine Woche [10]. Bei den überwiegend weiblichen älteren Teilnehmenden stieg die glomeruläre Filtrationsrate unter der proteinreichen Diät gegenüber der proteinarmen an, bei den jüngeren nicht. Der Urin-pH-Wert sank in beiden Altersgruppen unter der proteinreichen Diät, die Ausscheidung von Ammonium stieg, eine im Blut messbare Übersäuerung entwickelte sich in keiner der beiden Gruppen innerhalb der einen Woche [10].

Beide Arbeiten schließen Menschen mit einer bereits eingeschränkten Nierenfunktion ausdrücklich aus, ihre Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf diese Gruppe übertragen. Menschen mit einer bekannten Nierenerkrankung oder einem erhöhten Risiko dafür sollten eine höhere Proteinzufuhr vorab ärztlich abklären lassen. Häufigste Nebenwirkung einer höheren Proteinzufuhr bei gesunden Menschen sind Blähungen und weicher Stuhl, bei Molkenprotein zusätzlich verstärkt bei einer gleichzeitig bestehenden Laktoseintoleranz, weil handelsübliches Molkenprotein je nach Verarbeitungsgrad noch Laktosereste enthalten kann.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Rechtsakt der Europäischen Union, Anhang mit den zugelassenen Angaben zu Protein ·

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, ausgenommen Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos sowie über die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern

    Europäische Kommission

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  2. 02

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse und Meta-Regression, 49 RCTs, n gleich 1863 · 2018

    A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults

    Morton RW, Murphy KT, McKellar SR, Schoenfeld BJ, Henselmans M, Helms E, Aragon AA, Devries MC, Banfield L, Krieger JW, Phillips SM. Br J Sports Med

    Zur Zuschreibung: 04

  3. 03

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 16 RCTs · 2021

    Animal protein versus plant protein in supporting lean mass and muscle strength, a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials

    Lim MT, Pan BJ, Toh DWK, Sutanto CN, Kim JE. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 05

  4. 04

    Meta-Analyse, 9 Studien, n gleich 266 · 2018

    No difference between the effects of supplementing with soy protein versus animal protein on gains in muscle mass and strength in response to resistance exercise

    Messina M, Lynch H, Dickinson JM, Reed KE. Int J Sport Nutr Exerc Metab

    Zur Zuschreibung: 05

  5. 05

    Randomisierte, kontrollierte Studie, n gleich 27, 10 Tage · 2025

    Resistance training increases myofibrillar protein synthesis in middle-to-older aged adults consuming a typical diet with no influence of protein source, a randomized controlled trial

    Korzepa M, Quinlan JI, Marshall RN, Rogers LM, Belfield AE, Elhassan YS, Lawson A, Ayre C, Senden JM, Goessens JP, Glover EI, Wallis GA, van Loon LJ, Breen L. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 05

  6. 06

    Randomisierte, komparatorkontrollierte Studie, 84 Tage · 2024

    Efficacy of pea protein supplementation in combination with a resistance training program on muscle performance in a sedentary adult population, a randomized, comparator-controlled, parallel clinical trial

    Singh RG, Guérin-Deremaux L, Lefranc-Millot C, Perreau C, Crowley DC, Lewis ED, Evans M, Moulin M. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 05

  7. 07

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 43 RCTs, davon 37 mit Daten zum Körpergewicht · 2021

    Are dietary proteins the key to successful body weight management? A systematic review and meta-analysis of studies assessing body weight outcomes after interventions with increased dietary protein

    Hansen TT, Astrup A, Sjödin A. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 06

  8. 08

    Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 16 RCTs und 13 Kohortenstudien · 2017

    Dietary protein intake above the current RDA and bone health, a systematic review and meta-analysis

    Wallace TC, Frankenfeld CL. J Am Coll Nutr

    Zur Zuschreibung: 07

  9. 09

    Systematische Übersichtsarbeit, 26 Arbeiten (RCTs und Beobachtungsstudien) · 2018

    A systematic review of renal health in healthy individuals associated with protein intake above the US recommended daily allowance in randomized controlled trials and observational studies

    Van Elswyk ME, Weatherford CA, McNeill SH. Adv Nutr

  10. 10

    Randomisierte Cross-over-Studie, n gleich 22 (12 jünger, 10 älter), je 1 Woche je Diät · 2007

    Short-term exposure to a high-protein diet differentially affects glomerular filtration rate but not acid-base balance in older compared to younger adults

    Wagner EA, Falciglia GA, Amlal H, Levin L, Soleimani M. J Am Diet Assoc

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