Resistente Stärke
Zuletzt geprüft am
Ballaststoffe
Resistant Starch · RS1 · RS2 · RS3 · RS4 · RS5 · Hi-Maize
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Sammelbegriff für Stärkeanteile in Lebensmitteln, die im Dünndarm nicht vollständig zu Glukose abgebaut werden und in den Dickdarm gelangen, wo Darmbakterien sie teilweise zu kurzkettigen Fettsäuren vergären. Fünf Typen mit unterschiedlicher Herkunft und Eigenschaft werden unterschieden, RS1 bis RS5, siehe eigener Abschnitt zur Abgrenzung
- Herkunft
- RS1 physisch in Zellwänden eingeschlossen in Hülsenfrüchten, Körnern und Samen. RS2 native, kristalline Stärkekörner in rohen Kartoffeln, grünen Bananen und speziellen, amylosereichen Maissorten (zum Beispiel Hi-Maize). RS3 durch Erhitzen und anschließendes Abkühlen stärkehaltiger Lebensmittel entstanden, zum Beispiel gekochter und wieder abgekühlter Reis oder Kartoffeln, auch als isoliertes retrogradiertes Präparat. RS4 chemisch modifizierte Stärke aus industrieller Verarbeitung. RS5 ein Komplex aus Amylose und Fettsäuren. Nahrungsergänzungsmittel enthalten meist isolierte RS2 oder RS4
- Wirkform in Studien
- Meist als isoliertes Pulver eines einzelnen Typs, seltener als Bestandteil eines angereicherten Lebensmittels wie Brot oder Gebäck. RS1 wird in Interventionsstudien kaum isoliert geprüft, siehe eigene Zeile weiter unten
- Übliche Studiendosis
- 10 bis 60 g täglich, akute Einzeldosen bis zu 75 g in Einzelstudien, mehrwöchige Studien meist mit 15 bis 45 g täglich über 4 bis 12 Wochen
- Bekannt geworden durch
- Die Einordnung als Ballaststoff, der im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren vergärt wird, ähnlich löslichen Ballaststoffen, und den Vergleich zu unverdaulicher Stärke in kalt gewordenen stärkehaltigen Lebensmitteln
- Verträglichkeit
- Bei den meisten Menschen in üblichen Mengen gut vertragen. In einer Dosisfindungsstudie nahmen unter schrittweiser Steigerung auf die individuelle Höchstmenge Blähungen und die Häufigkeit wässrigen Stuhlgangs statistisch gesichert zu, mit Unterschieden je nach Typ, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Nüchternblutzucker und Insulinresistenz (HOMA-IR) unter mehrwöchiger Einnahme resistenter Stärke, niedriger als unter verdaulicher Stärke, mit stärkerem Effekt bei höherer Dosis und längerer Dauer
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In 19 randomisierten Studien war der Nüchternblutzucker unter resistenter Stärke im Mittel niedriger als unter verdaulicher Stärke, der Effekt war bei mehr als 28 g täglich und über 8 Wochen deutlicher. Auf andere Insulinmesswerte zeigte sich kein Unterschied.
Ausführlicher Nachweis
Xiong und Kollegen werteten 2021 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse 19 randomisierte, kontrollierte Studien aus, die resistente Stärke gegen verdauliche Stärke als Kontrolle prüften. RS1 war als Interventionsform ausdrücklich ausgeschlossen, die Auswertung bildet damit überwiegend RS2, RS3 und RS4 ab [1]. Gegenüber verdaulicher Stärke war der Nüchternblutzucker unter resistenter Stärke niedriger, Effektgröße minus 0,09 mmol/l (95-Prozent-Intervall minus 0,13 bis minus 0,04, p gleich 0,001) [1]. In der Untergruppe mit einer Tagesdosis über 28 g fiel der Unterschied deutlicher aus (minus 0,16 mmol/l, minus 0,24 bis minus 0,08) als bei niedrigerer Dosis, ebenso bei einer Einnahmedauer über 8 Wochen (minus 0,12 mmol/l, minus 0,18 bis minus 0,06) gegenüber kürzerer Dauer [1]. Die Insulinresistenz nach dem HOMA-Modell war ebenfalls niedriger, Effektgröße minus 0,33 (95-Prozent-Intervall minus 0,51 bis minus 0,14, p gleich 0,001) [1]. Auf das nüchterne Insulin selbst, auf vier Messwerte aus dem intravenösen Glukosetoleranztest (Insulinsensitivitätsindex, akute Insulinantwort, Disposition Index, Glukoseeffektivität) und auf HOMA-Beta zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Unterschied [1]. Ein Interessenkonflikt-Feld ist bei PubMed leer, ein freier Volltext war nicht auffindbar, die Bewertung stützt sich auf das Abstract. PubMed führt die Arbeit unter Research Support Non-U.S. Gov't, also öffentliche Förderung. In Affiliation, Interessenerklärung und Förderhinweis ist keine Firmenbindung erkennbar.
Quellen: 1
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02
Postprandialer Blutzucker- und Insulinanstieg nach einer Mahlzeit mit resistenter Stärke Typ 2 aus Weizen, niedriger als nach herkömmlichem Weizen in einer Studie über eine Woche
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer einwöchigen Cross-over-Studie war der Blutzucker- und Insulinanstieg nach einer Mahlzeit mit angereichertem Weizen niedriger als nach herkömmlichem Weizen. Auf die kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl hatte das keinen belegten Einfluss.
Ausführlicher Nachweis
Hughes und Kollegen prüften 2021 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie den Effekt von mit resistenter Stärke Typ 2 angereicherten Weizenbrötchen gegenüber herkömmlichen Weizenbrötchen über je eine Woche Einnahme [2]. Nach einer Woche war der postprandiale Blutzucker- und Insulinanstieg nach einem Frühstück mit den angereicherten Brötchen niedriger als nach dem Frühstück mit herkömmlichem Weizen [2]. Begleitend stieg der Anteil der Bakteriengattungen Ruminococcus und Gemmiger im Stuhl, ebenso der nüchterne Wasserstoff- und Methangehalt der Atemluft als Zeichen vermehrter Fermentation [2]. Die Konzentration kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl unterschied sich zwischen den Bedingungen dagegen nicht statistisch gesichert, obwohl Butyrat und die Gesamtmenge kurzkettiger Fettsäuren mit der relativen Häufigkeit mehrerer Bakteriengruppen positiv zusammenhingen [2]. Im Volltext (PMC7922998) erklären die Autoren keinen Interessenkonflikt, die Förderzeile nennt jedoch neben dem Innovation Institute for Food and Health der University of California Davis ausdrücklich Arcadia Biosciences [2]. Dasselbe Unternehmen hat den in der Studie geprüften amylosereichen Weizen entwickelt, die Förderung ist damit an den Hersteller des Prüfmaterials gebunden [2]. Das US-Landwirtschaftsministerium trägt daneben die Förderung einzelner Forschender. Die Arbeit hält fest, die Geldgeber hätten keine Rolle bei Entwurf, Auswertung oder Veröffentlichung gehabt [2]. Kleine Studie mit Weizen als Trägerlebensmittel, nicht ohne Weiteres auf andere RS2-Quellen wie Hi-Maize-Stärke übertragbar.
Quellen: 2
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03
Postprandialer Blutzucker- und Insulinanstieg sowie Hungergefühl nach resistenter Stärke Typ 4 in einem Test-Gebäck, in der bislang einzigen Studie ihrer Art
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer einzelnen akuten Studie war der Blutzucker- und Insulinanstieg nach einem Gebäck mit resistenter Stärke Typ 4 niedriger als nach dem herkömmlichen Gebäck, das Hungergefühl war ebenfalls geringer. Der Hersteller der geprüften Stärke hat die Studie finanziert und über eine angestellte Autorin mitverfasst.
Ausführlicher Nachweis
Stewart und Kollegen prüften 2018 in einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten akuten Studie den Effekt eines Gebäckstücks mit einer neuartigen resistenten Stärke Typ 4 gegenüber einem ballaststoffarmen Kontrollgebäck bei gesunden Erwachsenen [3]. Das Gebäck mit resistenter Stärke Typ 4 senkte die Fläche unter der Blutzuckerkurve um 43 bis 45 Prozent und die Fläche unter der Insulinkurve um 35 bis 40 Prozent gegenüber dem Kontrollgebäck, ebenso die jeweiligen Spitzenwerte um 8 bis 10 Prozent beim Blutzucker und 22 Prozent beim Insulin [3]. Hungergefühl und Essensverlangen in den folgenden 180 Minuten waren unter der resistenten Stärke geringer, ohne dass gastrointestinale Nebenwirkungen gegenüber dem Kontrollgebäck zunahmen [3]. Die Autoren selbst bezeichnen dies als die erste Arbeit, die eine gesteigerte Sättigung nach kurzfristiger Einnahme von resistenter Stärke Typ 4 berichtet, und fordern ausdrücklich Langzeitstudien zur Bestätigung [3]. Der Volltext (PMC5852705) nennt Ingredion Incorporated, den Hersteller der geprüften resistenten Stärke Typ 4, als Geldgeber der Studie, und eine der Autorinnen ist bei diesem Unternehmen angestellt [3]. Studienleiter war ein externes Auftragsforschungsinstitut [3]. Einzelne kleine akute Studie an einem bestimmten Rezeptgebäck, nicht ohne Weiteres auf andere RS4-Zubereitungen oder eine mehrwöchige Einnahme übertragbar.
Quellen: 3
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04
Stuhlgewicht, Stuhl-pH-Wert und Butyratkonzentration im Stuhl bei gesunden Erwachsenen verändert, Stuhlfrequenz ohne Unterschied
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Meta-Analyse mehrerer Studien war das feuchte Stuhlgewicht höher, der Stuhl-pH-Wert niedriger und die Buttersäurekonzentration im Stuhl höher als ohne resistente Stärke. Die Stuhlfrequenz veränderte sich dagegen nicht.
Ausführlicher Nachweis
Shen und Kollegen werteten 2017 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse randomisierte, kontrollierte Studien zur Wirkung resistenter Stärke auf die Dickdarmfunktion bei gesunden Erwachsenen aus [4]. Gegenüber der jeweiligen Kontrolle war das feuchte Stuhlgewicht höher, gewichtete Mitteldifferenz plus 35,51 g pro Tag (95-Prozent-Intervall 1,21 bis 69,82), der Stuhl-pH-Wert niedriger, minus 0,19 (minus 0,35 bis minus 0,03), und die Butyratkonzentration im Stuhl höher, standardisierte Mitteldifferenz 0,61 (0,32 bis 0,89) [4]. Die Stuhlfrequenz unterschied sich dagegen nicht statistisch gesichert, Mitteldifferenz plus 0,04 Stuhlgänge pro Tag (minus 0,08 bis 0,16) [4]. Angaben zur Anzahl der eingeschlossenen Studien und Teilnehmenden je Endpunkt sowie zu Förderung und Interessenkonflikten stehen im Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Die Übersichtsarbeit unterscheidet in der verfügbaren Zusammenfassung nicht systematisch zwischen den einzelnen RS-Typen der eingeschlossenen Studien.
Quellen: 4
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05
Kurzkettige Fettsäuren im Blut nach akuter Einnahme resistenter Stärke, ohne Unterschied zu einer Kontrolle in einer Studie, während Inulin sie in derselben Studie erhöhte
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In einer akuten Studie stiegen die kurzkettigen Fettsäuren im Blut nach resistenter Stärke nicht messbar an, anders als nach Inulin in derselben Studie. Sättigungshormone veränderten sich unter keinem der beiden Ballaststoffe.
Ausführlicher Nachweis
Rahat-Rozenbloom und Kollegen prüften 2017 in einer randomisierten Cross-over-Studie an 25 schlanken und übergewichtigen Erwachsenen (13 mit höherem, 12 mit normalem Körpergewicht) die akute Wirkung von 28,2 g resistenter Stärke oder 24 g Inulin, jeweils zusätzlich zu 75 g Glukose, auf kurzkettige Fettsäuren im Blut und auf die Sättigungshormone GLP-1, PYY und Ghrelin über 6 Stunden [5]. Gegenüber der reinen Glukoselösung erhöhte Inulin die Fläche unter der Kurve der kurzkettigen Fettsäuren zwischen der vierten und sechsten Stunde statistisch gesichert, resistente Stärke dagegen nicht [5]. Weder Inulin noch resistente Stärke veränderten GLP-1 oder PYY über diesen Zeitraum, Ghrelin lag unter Inulin zur sechsten Stunde niedriger als unter Glukose, unter resistenter Stärke zeigte sich dieser Unterschied nicht [5]. Zwischen schlanken und übergewichtigen Teilnehmenden unterschieden sich die Werte nicht [5]. Die Autoren betonen selbst, dass eine längere Gewöhnung an eine erhöhte Fermentation oder eine größere Stichprobe andere Ergebnisse liefern könnte [5]. Die Autoren erklären keinen Interessenkonflikt. Einzelne akute Studie, keine Aussage zu einer mehrwöchigen Einnahme.
Quellen: 5
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06
Sättigung und Nahrungsaufnahme, in einer akuten Studie ein Effekt auf die nächste Mahlzeit, in einer zwölfwöchigen Studie bei erhöhtem Blutzucker ohne Effekt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer akuten Studie war die Energiezufuhr beim nächsten Essen niedriger, über 24 Stunden aber nicht mehr. In einer zwölfwöchigen Studie bei Menschen mit erhöhtem Blutzucker zeigte sich kein Effekt auf Sättigung oder Nahrungsaufnahme.
Ausführlicher Nachweis
Al-Mana und Robertson prüften 2018 in einer randomisierten, einfachblinden Cross-over-Studie an übergewichtigen Männern die akute Wirkung von 48 g resistenter Stärke im Frühstück und Mittagessen auf die Energiezufuhr beim anschließenden freien Abendessen [6]. Gegenüber Placebo war die Energiezufuhr beim Abendessen niedriger, p gleich 0,017, über den gesamten 24-Stunden-Zeitraum und beim subjektiv empfundenen Sättigungsgefühl zeigte sich dagegen kein Unterschied [6]. Der postprandiale Blutzuckeranstieg war unter resistenter Stärke niedriger, Wechselwirkung zwischen Behandlung und Zeit p gleich 0,004, bei Insulin und GLP-1 zeigte sich kein Unterschied [6]. White und Kollegen prüften 2020 in einer randomisierten Studie an 59 ausgewerteten Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index ab 27 und einem erhöhten Nüchternblutzucker, in der Studie selbst als Prädiabetes bezeichnet, die Wirkung von täglich 45 g hochamylosehaltiger resistenter Stärke Typ 2 über 12 Wochen gegenüber einer kalorisch gleichwertigen Menge leicht verdaulicher Stärke [7]. Nach 12 Wochen zeigte sich kein Unterschied bei subjektiven Sättigungsmaßen, bei den Sättigungshormonen GLP-1, PYY und Ghrelin, und bei der tatsächlichen Energiezufuhr in einem Testessen oder über mehrere Tage per Fotoprotokoll, alle p größer 0,05 [7]. Die beiden Arbeiten unterscheiden sich in Dauer (akut gegenüber 12 Wochen), Dosis (48 g gegenüber 45 g), Population und RS-Quelle, ein direkter Widerspruch liegt deshalb nicht vor, sie beantworten unterschiedliche Fragen zu akuter und länger andauernder Einnahme.
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07
Verträglichkeit resistenter Stärke Typ 3 aus retrogradiertem Maltodextrin, bei den meisten Teilnehmenden bis rund 60 g täglich ohne Symptomzunahme, unter schrittweiser Steigerung über 21 Tage dagegen mehr Blähungen und häufiger wässriger Stuhlgang
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Dosisfindungsstudie vertrugen die meisten Teilnehmenden bis zu 60 g resistente Stärke Typ 3 täglich ohne verstärkte Symptome. Bei einer langsamen Steigerung über drei Wochen nahmen Blähungen und die Häufigkeit wässrigen Stuhlgangs zu.
Ausführlicher Nachweis
Storey und Kollegen prüften 2007 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie und einer anschließenden mehrwöchigen Beobachtung an 41 beziehungsweise 39 gesunden jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) die Verträglichkeit von retrogradierten resistenten Maltodextrinen, eingeordnet als resistente Stärke Typ 3 [8]. Im ersten Studienteil nahmen die Teilnehmenden an einzelnen Testtagen 0 bis 60 g des Präparats ein, ohne dass sich Stuhlfrequenz, Stuhlkonsistenz oder die Zahl der Personen mit Magen-Darm-Beschwerden statistisch gesichert veränderten [8]. Bei 71 Prozent der Teilnehmenden lag die individuell verträgliche Höchstmenge bei 60 g, eine höhere Menge löste bei einem Teil eine milde abführende Wirkung aus [8]. Im zweiten Studienteil wurde die Menge über 14 Tage schrittweise bis zur individuellen Höchstmenge gesteigert und anschließend eine Woche lang um weitere 10 g überschritten, dabei stiegen der Blähungswert (p gleich 0,00015), die Gesamthäufigkeit des Stuhlgangs (p gleich 0,023) und die Häufigkeit wässrigen Stuhlgangs (p gleich 0,0157) statistisch gesichert an, blieben aber nach eigener Einschätzung der Teilnehmenden überwiegend im Bereich "wenig mehr als gewöhnlich" [8]. Die zusätzlichen 10 g oberhalb der individuellen Höchstmenge lösten keinen weiteren statistisch gesicherten Anstieg der Beschwerden aus [8]. Studie an jungen, gesunden Erwachsenen mit einem einzelnen, markengebundenen RS3-Präparat, nicht ohne Weiteres auf andere resistente Stärken oder ältere Menschen übertragbar.
Quellen: 8
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08
Wirkungen von resistenter Stärke Typ 1 aus physisch eingeschlossener Stärke in Hülsenfrüchten, Körnern und Samen, isoliert von anderen Ballaststoffen geprüft
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach randomisierten Humanstudien gesucht, die resistente Stärke Typ 1 isoliert prüfen, und keine gefunden.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche nach randomisierten Humanstudien zu resistenter Stärke Typ 1 als eigenständiger, isolierter Intervention ergab keinen Treffer, unter anderem mit den PubMed-Suchbegriffen "resistant starch type 1" AND "legumes whole grains glycemic randomized" sowie "resistant starch type 1" AND "human intervention" beziehungsweise "isolated", auch ohne Beschränkung auf Humanstudien. Die von Xiong und Kollegen ausgewertete Meta-Analyse zur Glykämie schließt RS1 ausdrücklich aus der Intervention aus, ein Hinweis darauf, dass RS1 in der randomisierten Interventionsforschung deutlich seltener isoliert geprüft wird als RS2, RS3 und RS4 [1]. Die meisten Humandaten zu RS1 stammen stattdessen aus Studien zu ganzen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten, in denen RS1 nur einer von mehreren Ballaststoffanteilen ist und sich sein eigener Beitrag nicht isoliert bestimmen lässt.
Quellen: 1
Studien im Detail
Blutzucker und Insulin
Die deutlichste und am breitesten abgesicherte Wirkung betrifft den Blutzucker. Sowohl die mehrwöchige Einnahme (Xiong 2021, über alle geprüften Typen außer RS1 gemittelt) als auch einzelne akute oder einwöchige Studien zu einem bestimmten Typ (Hughes 2021 zu RS2, Stewart 2018 zu RS4) zeigen einen niedrigeren Blutzucker- oder Insulinanstieg unter resistenter Stärke als unter der jeweiligen Kontrollstärke. Die Effektgrößen sind in absoluten Zahlen klein bis moderat, und ein Teil der zugrundeliegenden Einzelstudien ist industriefinanziert oder von Mitarbeitenden eines Stärkeherstellers mitverfasst.
Dickdarmfunktion und Fermentation
Resistente Stärke erhöht in der verfügbaren Meta-Analyse das Stuhlgewicht und den Butyratgehalt im Stuhl und senkt den Stuhl-pH-Wert, ohne die Stuhlfrequenz zu verändern. Auf der Ebene kurzkettiger Fettsäuren im Blut zeigte eine einzelne akute Studie dagegen keinen Effekt, anders als Inulin in derselben Studie. Beide Befunde schließen sich nicht aus, sie messen unterschiedliche Dinge, die Fermentation im Dickdarm selbst (Stuhlwerte) gegenüber der Aufnahme der entstandenen kurzkettigen Fettsäuren in den Blutkreislauf innerhalb weniger Stunden nach einer Einzelgabe.
Sättigung
Zur Sättigung ist die Studienlage uneinheitlich zwischen akuter und länger andauernder Einnahme. Eine akute Studie fand einen Effekt auf die Energiezufuhr bei der unmittelbar folgenden Mahlzeit, eine zwölfwöchige Studie bei Menschen mit erhöhtem Blutzucker fand über die gesamte Studiendauer keinen Effekt auf Sättigungsgefühl, Sättigungshormone oder tatsächliche Nahrungsaufnahme. Ein akuter, kurzfristiger Effekt lässt sich daraus nicht ohne Weiteres auf eine dauerhafte Wirkung übertragen.
Abgrenzung, resistente Stärke gegenüber resistentem Dextrin
Resistente Stärke im Sinne dieses Eintrags (RS1 bis RS5) und resistentes Dextrin, das einen eigenen Kompendium-Eintrag hat, sind verwandt, aber nicht dasselbe. Resistentes Dextrin entsteht durch Pyrodextrinierung, ein Verfahren mit kontrollierter Erhitzung und anschließender enzymatischer Nachbehandlung von Mais- oder Kartoffelstärke, bei dem die ursprüngliche Stärkestruktur weitgehend aufgebrochen und in kurzkettige Glukosepolymere mit unregelmäßigen Bindungen umgewandelt wird, häufig unter dem Markennamen NUTRIOSE vertrieben. Die in diesem Eintrag behandelten Typen RS1 bis RS3 und RS5 behalten dagegen eine der ursprünglichen Stärke näherliegende, teils kristalline oder physisch eingeschlossene Struktur. RS4 entsteht zwar ebenfalls durch industrielle chemische Modifikation, jedoch über andere Verfahren, etwa Veresterung oder Vernetzung, als die Pyrodextrinierung des resistenten Dextrins. Studien zu resistentem Dextrin lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf resistente Stärke übertragen und umgekehrt, auch wenn beide Stoffgruppen im Dickdarm vergärt werden und in Studien teils ähnliche Endpunkte zeigen, etwa Blutzucker, Stuhlgewicht oder kurzkettige Fettsäuren.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Für resistente Stärke gibt es keine von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegte duldbare obere Zufuhrmenge. Häufigste Nebenwirkung bei höherer Dosis sind Blähungen, ein Völlegefühl und in Einzelfällen weicherer bis wässriger Stuhlgang, eine Folge der bakteriellen Vergärung im Dickdarm. Die Dosisfindungsstudie zu resistenter Stärke Typ 3 aus retrogradiertem Maltodextrin fand bei den meisten gesunden jungen Erwachsenen eine individuelle Verträglichkeitsgrenze um 60 g täglich, mit einer langsamen Gewöhnung über mehrere Wochen als sinnvoller Strategie beim Einstieg in eine höhere Dosis, siehe die eigene Wirkungszeile oben. Menschen mit einer bestehenden Reizdarmsymptomatik oder einer bekannten Empfindlichkeit gegenüber fermentierbaren Kohlenhydraten, den sogenannten FODMAPs, sollten die Dosis langsam steigern und bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.
Quellen zum Nachlesen
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02
Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Cross-over-Studie, 1 Woche je Bedingung · 2021
Resistant starch type 2 from wheat reduces postprandial glycemic response with concurrent alterations in gut microbiota composition
Hughes RL, Horn WH, Finnegan P, Newman JW, Marco ML, Keim NL, Kable ME. Nutrients
Zur Zuschreibung: 02
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03
Randomisierte, doppelblinde, kontrollierte akute Studie · 2018
Type-4 resistant starch in substitution for available carbohydrate reduces postprandial glycemic response and hunger in acute, randomized, double-blind, controlled study
Stewart ML, Wilcox ML, Bell M, Buggia MA, Maki KC. Nutrients
Zur Zuschreibung: 03
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04
Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse · 2017
Positive effects of resistant starch supplementation on bowel function in healthy adults, a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Shen D, Bai H, Li Z, Yu Y, Zhang H, Chen L. Int J Food Sci Nutr
Zur Zuschreibung: 04
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05
Randomisierte, einfachblinde Cross-over-Studie, n gleich 25 · 2017
Acute increases in serum colonic short-chain fatty acids elicited by inulin do not increase GLP-1 or PYY responses but may reduce ghrelin in lean and overweight humans
Rahat-Rozenbloom S, Fernandes J, Cheng J, Wolever TMS. Eur J Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 05
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08
Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Cross-over-Studie plus mehrwöchige Beobachtung, n gleich 41 und 39 · 2007
Gastrointestinal responses following acute and medium term intake of retrograded resistant maltodextrins, classified as type 3 resistant starch
Storey D, Lee A, Bornet F, Brouns F. Eur J Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 07
Bei H.P.N
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