Teilhydrolisiertes Guarkernmehl

Zuletzt geprüft am

Ballaststoffe

Cyamopsis tetragonoloba · PHGG · Partially Hydrolyzed Guar Gum · Sunfiber · Benefiber · Guarkernmehl teilhydrolysiert

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 6 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein durch teilweise enzymatische Hydrolyse aus Guarkernmehl gewonnener, wasserlöslicher Ballaststoff mit stark verkürzter Kettenlänge und deutlich geringerer Viskosität als das intakte Ausgangsmaterial (PHGG, Partially Hydrolyzed Guar Gum). Chemisch ein Galactomannan mit derselben Grundstruktur wie natives Guarkernmehl, nach Herstellerangabe mit rund einem Zehntel der ursprünglichen Molekülkettenlänge
Herkunft
Aus den Samen der Guarpflanze (Cyamopsis tetragonoloba), einer in Indien und Pakistan angebauten Hülsenfrucht. Bekannte Markenrohstoffe sind Sunfiber, hergestellt vom japanischen Unternehmen Taiyo Kagaku, und Benefiber. Benefiber bestand nach Verbraucher- und Herstellerquellen ursprünglich aus teilhydrolisiertem Guarkernmehl, ein Teil der US-amerikanischen Produktlinie wurde ab etwa 2006 auf Weizendextrin umgestellt, einzelne Produktvarianten (etwa Kautabletten) führten nach denselben Quellen weiterhin teilhydrolisiertes Guarkernmehl. Eine einheitliche, für alle Benefiber-Produkte gültige Aussage lässt sich daraus nicht ableiten, siehe Abschnitt zu den Markenrohstoffen
Wirkform in Studien
Meist als geschmacksneutrales, klares Pulver in Wasser, Joghurt oder anderen Lebensmitteln gelöst. Wegen der geringen Viskosität in deutlich höherer Menge einnehmbar als natives Guarkernmehl, ohne dessen gelartige Konsistenz
Übliche Studiendosis
5 bis 15 g täglich in den meisten Studien, Einzeldosen bis 6 g in akuten Testmahlzeiten, Studiendauer von einer Einzelgabe bis zu mehreren Wochen
Bekannt geworden durch
Den Einsatz als geschmacksneutrale, gut lösliche Ballaststoffquelle in Getränken, Joghurt und Nahrungsergänzungsmitteln, unter anderem unter den Markennamen Sunfiber und Benefiber
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien überwiegend gut vertragen, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz bei Kindern mit seltenem Stuhlgang, ähnlich wirksam wie Laktulose in einer offenen Vergleichsstudie

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer offenen Vergleichsstudie an Kindern verbesserten sich Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz unter teilhydrolisiertem Guarkernmehl ähnlich wie unter dem osmotischen Abführmittel Laktulose. Die Studie war nicht verblindet.

    Ausführlicher Nachweis

    Üstündağ und Kollegen prüften 2010 in einer randomisierten, offenen (nicht verblindeten) Vergleichsstudie an 61 Kindern mit seltenem Stuhlgang (31 mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl, 30 mit Laktulose) über vier Wochen die Wirkung auf Stuhlfrequenz, Stuhlkonsistenz, Bauchschmerzen und Stuhlrückhalteverhalten [1]. In beiden Gruppen verbesserten sich Stuhlfrequenz pro Woche und Stuhlkonsistenz statistisch gesichert (p kleiner 0,05), die wöchentliche Stuhlfrequenz stieg von 4 auf 6 unter Laktulose und von 4 auf 5 unter teilhydrolisiertem Guarkernmehl [1]. Der Anteil der Kinder mit Bauchschmerzen und mit Stuhlrückhalteverhalten sank in beiden Gruppen deutlich [1]. Nach dem Elternfragebogen wurde bei Laktulose häufiger über schlechten Geschmack und Blähungen geklagt, bei teilhydrolisiertem Guarkernmehl waren die Eltern mit der Stuhlfrequenz zufriedener [1]. Ein direkter statistischer Gruppenvergleich zwischen beiden Präparaten wird im verfügbaren Abstract nicht berichtet, nur die getrennte Veränderung je Gruppe gegenüber dem eigenen Ausgangswert [1]. Offene Studie ohne Verblindung und ohne Scheinbehandlung. Beide berichteten Verbesserungen sind Veränderungen innerhalb der jeweiligen Gruppe gegenüber dem eigenen Ausgangswert, ein statistischer Vergleich der beiden Gruppen fehlt vollständig. Die Schlussfolgerung der Arbeit, das Mittel sei ebenso wirksam wie Laktulose, ist damit aus zwei getrennten Vorher-Nachher-Vergleichen gezogen und kein belegter Gleichstand. Angaben zu Förderung und Interessenkonflikten stehen im Abstract nicht, ein Volltext lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract.

    Quellen: 1

  2. 02

    Bauchschmerzen und Stuhlgewohnheiten bei Erwachsenen mit wechselndem, seltenem oder häufigem Stuhlverhalten, ähnlich wirksam wie Weizenkleie, mit höherer Zufriedenheit unter teilhydrolisiertem Guarkernmehl in einer offenen Studie

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer offenen Vergleichsstudie besserten sich Bauchschmerzen und Stuhlgewohnheiten unter teilhydrolisiertem Guarkernmehl ähnlich wie unter Weizenkleie, mehr Teilnehmende wechselten von Kleie zu Guarkernmehl als umgekehrt. Die Studie war nicht verblindet.

    Ausführlicher Nachweis

    Parisi und Kollegen prüften 2002 in einer multizentrischen, randomisierten, offenen Studie an 188 erwachsenen Personen mit wechselndem, seltenem oder häufigem Stuhlverhalten über 12 Wochen 30 g Weizenkleie täglich gegenüber 5 g teilhydrolisiertem Guarkernmehl täglich [2]. In der Analyse nach Protokoll besserten sich Bauchschmerzen und Stuhlgewohnheiten in beiden Gruppen, ohne belegten Unterschied zwischen ihnen [2]. Nach vier Wochen durften Teilnehmende die Gruppe wechseln, deutlich mehr wechselten von Weizenkleie zu teilhydrolisiertem Guarkernmehl (49,9 Prozent) als umgekehrt (10,9 Prozent) [2]. In der Intention-to-treat-Analyse war der Anteil mit berichtetem Erfolg unter teilhydrolisiertem Guarkernmehl höher (60 Prozent) als unter Weizenkleie (40 Prozent), ebenso die subjektiv empfundene Besserung [2]. Die Autoren selbst werten dies als bessere Verträglichkeit und höhere Therapietreue von teilhydrolisiertem Guarkernmehl gegenüber Weizenkleie, nicht als stärkere Wirkung auf die Beschwerden selbst [2]. Offene Studie ohne Verblindung, mit einem Studiendesign, das Wechsel und subjektive Präferenz einschließt, Angaben zu Förderung und Interessenkonflikten stehen im verfügbaren Abstract nicht.

    Quellen: 2

  3. 03

    Stuhlhäufigkeit und Darmbakterien bei Frauen mit seltenem Stuhlgang unter einer Kombination aus Inulin und teilhydrolisiertem Guarkernmehl, ohne Unterschied zu Placebo bei der Stuhlfrequenz

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer plazebokontrollierten Studie mit einer Inulin-Guarkernmehl-Kombination stieg die Stuhlfrequenz in beiden Gruppen ähnlich an, ohne belegten Unterschied. Eine bestimmte Bakteriengruppe im Stuhl veränderte sich unterschiedlich zwischen den Gruppen.

    Ausführlicher Nachweis

    Waitzberg und Kollegen prüften 2012 in einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 60 Frauen mit seltenem Stuhlgang (weniger als drei Stuhlgänge pro Woche) über drei Wochen eine Kombination aus 15 g täglich Inulin und teilhydrolisiertem Guarkernmehl gegenüber Maltodextrin als Placebo [3]. Geprüft wurde damit eine Kombination und nicht teilhydrolisiertes Guarkernmehl allein [3]. Die wöchentliche Stuhlfrequenz und die Zufriedenheit der Teilnehmenden stiegen in beiden Gruppen an, ohne statistisch gesicherten Unterschied zwischen ihnen [3]. Die Gesamtzahl der Clostridium-Bakterien im Stuhl sank in der Interventionsgruppe (p gleich 0,046) und stieg in der Placebogruppe (p gleich 0,047) [3]. Das Fettsäureprofil kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl veränderte sich nicht [3]. Die Autoren selbst werten das Ergebnis als vergleichbare klinische Wirkung wie Placebo bei einem zusätzlichen, auf die Darmbakterien bezogenen Effekt. Studie an einer Kombination aus zwei Ballaststoffen, kein isolierter Beleg für teilhydrolisiertes Guarkernmehl allein. Der Volltext lag uns vor. Die Studie war doppelt verblindet, gefördert wurde sie von der brasilianischen Landesforschungsstiftung Fapesp unter der Nummer 07/58600-2, eine Herstellerbindung ist nicht erkennbar, eine Interessenerklärung fehlt. Von den 60 eingeschlossenen Frauen schieden 14 aus, und die Stuhlwerte stammen von nur 32 Frauen, 14 in der Ballaststoffgruppe und 18 in der Placebogruppe. Den Unterschied bei den Clostridien nennt der Volltext ausdrücklich auch im Vergleich zwischen den Gruppen gesichert, nicht nur innerhalb der Gruppen.

    Quellen: 3

  4. 04

    Postprandiale Blutfettwerte (Remnant-like-Lipoprotein-Cholesterin und Triglyzeride) nach einer fettreichen Testmahlzeit mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl, niedriger als ohne, in einer kleinen Studie

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen Cross-over-Studie an 11 Männern war der Blutfettanstieg nach einer fettreichen Testmahlzeit mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl niedriger als ohne. Die Studie wurde von einem Lebensmittelunternehmen durchgeführt.

    Ausführlicher Nachweis

    Kondo und Kollegen prüften 2004 in einer Cross-over-Studie an 11 gesunden erwachsenen Männern die Wirkung von 6 g teilhydrolisiertem Guarkernmehl in Joghurt auf den Blutfettanstieg nach einer fettreichen Testmahlzeit [4]. Gegenüber Joghurt ohne Zusatz senkte die Beigabe von teilhydrolisiertem Guarkernmehl die Spitzenwerte und die Fläche unter der Kurve für Remnant-like-Lipoprotein-Cholesterin und für Triglyzeride im Blut statistisch gesichert [4]. Alle Autorinnen und Autoren sind bei Morinaga Milk Industry angestellt, einem japanischen Molkereiunternehmen, das Joghurtprodukte mit Ballaststoffzusatz vertreibt, ein Interessenkonflikt-Feld ist im Abstract nicht gesondert ausgewiesen [4]. Kleine, einmalige Testmahlzeit-Studie ohne Aussage zu einer dauerhaften Einnahme oder zu nüchternen Blutfettwerten.

    Quellen: 4

  5. 05

    Blutzuckerkontrolle bei Erwachsenen mit erhöhtem Nüchternblutzucker unter einem mehrteiligen Programm mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl (Sunfiber), ohne Kontrollgruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen Studie ohne Kontrollgruppe sanken Nüchternblutzucker und Langzeitblutzucker nach sechs Wochen. Neben dem Ballaststoff erhielten die Teilnehmenden gleichzeitig Ernährungscoaching und ein Blutzuckermessgerät, ein eigener Beitrag des Ballaststoffs lässt sich daraus nicht bestimmen.

    Ausführlicher Nachweis

    Park und Kollegen prüften 2025 in einer einarmigen Studie ohne Kontrollgruppe (Vorher-Nachher-Vergleich) an 29 koreanischen Erwachsenen mit einem Nüchternblutzucker ab 100 mg pro Deziliter ein sechswöchiges Programm aus 12,5 g täglich teilhydrolisiertem Guarkernmehl (Markenware Sunfiber), wöchentlichem Ernährungscoaching und der Nutzung eines kontinuierlichen Blutzuckermessgeräts [5]. In der Gesamtgruppe blieb der Nüchternblutzucker ohne gesicherte Veränderung, er sank von 106,68 auf 101,54 mg pro Deziliter, während der Langzeitblutzucker HbA1c von 6,01 auf 5,86 Prozent sank, p gleich 0,044 [5]. Erst in der nachträglich gebildeten Teilgruppe der 17 Teilnehmenden mit hoher Programmtreue sank der Nüchternblutzucker von 113,06 auf 106,24 mg pro Deziliter, p gleich 0,039, und HbA1c von 6,08 auf 5,87 Prozent, p gleich 0,012 [5]. In der Teilgruppe mit geringer Programmtreue, elf Personen, blieb beides ohne gesicherte Veränderung [5]. Ohne Kontrollgruppe, bei gleichzeitiger Ernährungsberatung und Gerätenutzung, lässt sich der Anteil des Ballaststoffs an dieser Veränderung nicht von den übrigen Programmbestandteilen trennen, ein natürlicher Rückgang durch die wiederholte Messung selbst (Beobachtungseffekt) ist ebenfalls nicht ausgeschlossen [5]. Alle fünf Autorinnen und Autoren sind bei demselben Unternehmen angestellt, drei bei Maeil Health Nutrition Co. Ltd. und zwei bei Maeil Dairies Co. Ltd., das eingesetzte Produkt Selex Sunfiber Guar gum Prebiotics stammt ebenfalls von Maeil, als Förderung ist None angegeben, und die Interessenerklärung nennt trotzdem keinen Interessenkonflikt [5]. Kleine, nicht kontrollierte Studie mit vorselektierter Teilgruppe (17 von 29), kein Beleg für eine isolierte Wirkung des Ballaststoffs.

    Quellen: 5

  6. 06

    Verringerte Aufnahme von Fett und Cholesterin im Verdauungsmodell sowie günstigere Blutfettwerte unter fettreicher Ernährung im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem simulierten Verdauungstrakt und im Tiermodell verringerte teilhydrolisiertes Guarkernmehl die Aufnahme von Fett und Cholesterin beziehungsweise die Blutfettwerte. Beim Menschen ist das nicht in gleicher Weise untersucht.

    Ausführlicher Nachweis

    Minekus und Kollegen zeigten 2005 in einem mehrstufigen Modell des Verdauungstrakts (kein Tier- oder Humanversuch, ein technisches Simulationsmodell), dass die Zugabe von 3 beziehungsweise 6 Prozent teilhydrolisiertem Guarkernmehl zu einem fett- und cholesterinhaltigen Joghurtgetränk die für die Aufnahme verfügbare Menge (Bioaccessibility) von Fett von 79,4 auf 70,8 beziehungsweise 60,1 Prozent und von Cholesterin von 82,2 auf 75,4 beziehungsweise 64,0 Prozent senkte, dosisabhängig [6]. Als Mechanismus beschreiben die Autoren eine sogenannte Verarmungsflockung, bei der das Polysaccharid die Emulgierung von Fett durch Gallensalze stört [6]. Vier der neun Autorinnen und Autoren dieser Arbeit, Xiao, Kondo, Iwatsuki und Kokubo, sind dieselben Angestellten von Morinaga Milk Industry, die auch die als Quelle 4 geführte Studie an elf Männern verfasst haben, und das Modell verweist im Abstract ausdrücklich auf deren Befund [6]. Beide Arbeiten stammen damit aus demselben Unternehmen und sind ein Bestand, kein zweiter unabhängiger Beleg. Kuo und Kollegen zeigten 2009 an männlichen Hamstern unter fettreicher Ernährung, dass eine Beigabe von teilhydrolisiertem Guarkernmehl zum Futter Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und bei der höheren Dosis zusätzlich Triglyzeride und VLDL-Cholesterin gegenüber Tieren ohne Zusatz senkte, sowie den Zeitpunkt eines mit Eisenchlorid ausgelösten arteriellen Thrombus gegenüber der unbehandelten Hochfettgruppe von 303 auf 528 Sekunden bei der niedrigen und auf 671 Sekunden bei der hohen Dosis hinauszögerte [7]. Bei den Tieren unter Normalfutter lag dieser Wert bei 463 Sekunden, die fettreiche Ernährung hatte den Thrombus also auf 303 Sekunden vorverlegt [7]. Beide Untersuchungen fanden außerhalb eines lebenden menschlichen Organismus statt, eine in vitro und eine an Hamstern, keine am Menschen. Eine Übertragbarkeit auf den Menschen bei dauerhafter Einnahme ist damit nicht gezeigt.

    Quellen: 6, 7

Studien im Detail

Stuhlgewohnheiten

Die beiden größten verfügbaren Studien zu Stuhlgewohnheiten sind offene Vergleichsstudien ohne Verblindung, eine an Kindern gegenüber Laktulose, eine an Erwachsenen gegenüber Weizenkleie. Beide finden eine ähnliche Wirkung wie das jeweilige Vergleichspräparat bei besserer subjektiver Verträglichkeit und höherer Zufriedenheit unter teilhydrolisiertem Guarkernmehl. Eine dritte, plazebokontrollierte Studie an Frauen mit seltenem Stuhlgang prüfte keine isolierte Guarkernmehl-Gabe, sondern eine Kombination mit Inulin, und fand dabei keinen Unterschied zur Placebogruppe bei der Stuhlfrequenz selbst, wohl aber eine unterschiedliche Veränderung einer bestimmten Darmbakteriengruppe.

Blutfette und Blutzucker

Zu Blutfetten liegt eine kleine akute Testmahlzeit-Studie vor, die von einem Molkereiunternehmen durchgeführt wurde, sowie ergänzende Labor- und Tierdaten. Zum Blutzucker liegt eine kleine, nicht kontrollierte Pilotstudie eines Herstellers vor, in der teilhydrolisiertes Guarkernmehl Teil eines mehrteiligen Programms mit Ernährungscoaching und Blutzuckermessung war. Keine dieser Arbeiten erlaubt eine belastbare, vom übrigen Studiendesign unabhängige Aussage zur isolierten Wirkung des Ballaststoffs auf Blutfette oder Blutzucker beim Menschen.

Markenrohstoffe, Sunfiber und Benefiber

Sunfiber ist der Markenname des japanischen Herstellers Taiyo Kagaku für teilhydrolisiertes Guarkernmehl und wird nach eigener Angabe des Unternehmens weltweit in Getränken, Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt [8]. Ein 2008 veröffentlichter Übersichtsartikel zu den chemischen und physikalischen Eigenschaften von teilhydrolisiertem Guarkernmehl stammt von drei bei Taiyo Kagaku angestellten Autorinnen und Autoren, ein Interessenkonflikt-Feld ist im verfügbaren Abstract nicht gesondert ausgewiesen [8]. Derselbe Artikel benennt Benefiber als den US-amerikanischen Markennamen für teilhydrolisiertes Guarkernmehl mit einem GRAS-Status (Generally Recognized As Safe) [8]. Nach unabhängigen Verbraucher- und Herstellerquellen wurde die US-amerikanische Hauptproduktlinie von Benefiber jedoch bereits ab etwa 2006 von teilhydrolisiertem Guarkernmehl auf Weizendextrin umgestellt, während einzelne Produktvarianten, etwa Kautabletten, nach denselben Quellen weiterhin teilhydrolisiertes Guarkernmehl enthalten sollen. Eine amtliche oder systematisch aktuelle Quelle, die eindeutig festhält, welche konkret verkauften Benefiber-Produkte heute welchen Ballaststoff enthalten, liegt uns nicht vor, dieser Punkt bleibt offen.

Die Studie zur Blutzuckerkontrolle mit der Markenware Sunfiber wurde mit Material von Maeil Health Nutrition Co., Ltd. durchgeführt, einem Unternehmen, das ein eigenes, Sunfiber-haltiges Produkt vertreibt, bei einer im Volltext dokumentierten, aber nach eigener Einschätzung der Autorinnen und Autoren folgenlosen Verbindung [5].

Regulatorischer Status bei der EU

Für natives, nicht hydrolisiertes Guarkernmehl lässt die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 die Angabe zu, Guarkernmehl trägt zur Aufrechterhaltung normaler Cholesterinwerte im Blut bei, Bedingung ist eine Tagesmenge von 10 g Guarkernmehl, dazu eine vorgeschriebene Warnung vor Erstickungsgefahr bei Schluckbeschwerden oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr mit dem Rat, das Mittel mit reichlich Wasser einzunehmen [9]. Grundlage ist eine wissenschaftliche Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit aus dem Jahr 2010, die für Guarkernmehl neben dieser Cholesterin-Angabe auch Angaben zu Blutzucker und Sättigung geprüft und diese beiden ausdrücklich als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt zurückgewiesen hat [10].

Für die in diesem Eintrag behandelte teilhydrolisierte Form (PHGG) hat dieselbe Behörde in zwei eigenen, gesonderten Bewertungen sämtliche eingereichten Angaben zurückgewiesen. Die erste, umfassendere Bewertung aus demselben Jahr 2010 betraf Angaben zu Sättigung, Körpergewicht, Blutfettwerten (Cholesterin und Triglyzeride), postprandialem Blutzuckeranstieg und allgemeinem Blutzucker, insgesamt sechs Einzelangaben, alle als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt zurückgewiesen [11]. Eine zweite Bewertung aus dem Jahr 2011 betraf vier weitere Angaben zur Darmfunktion, zur Verringerung von Magen-Darm-Beschwerden, zur Veränderung kurzkettiger Fettsäuren und des pH-Werts im Darm sowie zur Verringerung möglicherweise schädlicher Darmbakterien, ebenfalls durchweg zurückgewiesen [12]. Für teilhydrolisiertes Guarkernmehl ist damit, anders als für die native, nicht hydrolisierte Form, aktuell keine einzige gesundheitsbezogene Angabe in der EU zugelassen.

Abgrenzung, teilhydrolisiertes Guarkernmehl gegenüber Glucomannan

Teilhydrolisiertes Guarkernmehl und Glucomannan, das einen eigenen Kompendium-Eintrag hat, sind zwei verschiedene, aber verwandte Pflanzenpolysaccharide, die häufig im selben Zusammenhang genannt werden, weil beide vor allem aus dem Zucker Mannose aufgebaut und stark wasserbindend sind. Guarkernmehl stammt aus den Samen der Guarpflanze (Cyamopsis tetragonoloba, Familie der Hülsenfrüchtler) und ist chemisch ein Galactomannan, ein Grundgerüst aus Mannose-Einheiten mit regelmäßig angehängten Galactose-Seitenketten. Glucomannan stammt aus der Knolle der Konjakpflanze (Amorphophallus konjac, Familie der Aronstabgewächse) und besteht aus Mannose- und Glucose-Einheiten ohne Galactose-Seitenketten, chemisch also kein Galactomannan im engeren Sinn. Beide Pflanzen sind botanisch nicht verwandt. Nativem Guarkernmehl ist, wie oben beschrieben, eine EFSA-Angabe zum Cholesterinspiegel bei 10 g täglich zugelassen. Nativem Glucomannan ist eine eigene, in Menge und Bedingungen andere Angabe zum selben Endpunkt zugelassen, beschrieben im Glucomannan-Eintrag. Für die hier behandelte teilhydrolisierte Form des Guarkernmehls gilt dagegen, anders als für native Guarkernmehl oder natives Glucomannan, keine zugelassene Angabe, siehe Abschnitt zum regulatorischen Status.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Für teilhydrolisiertes Guarkernmehl selbst ist uns keine eigene, von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegte duldbare obere Zufuhrmenge bekannt. Die Erstickungswarnung der Verordnung bezieht sich ausdrücklich auf natives Guarkernmehl mit seiner deutlich höheren Viskosität, wegen der stark reduzierten Viskosität von teilhydrolisiertem Guarkernmehl ist ein vergleichbares Risiko nach den vorliegenden Angaben nicht in gleichem Maß zu erwarten, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei der Einnahme ist trotzdem sinnvoll. In den vorliegenden Studien waren häufigste Nebenwirkungen leichte Blähungen und ein Völlegefühl, insbesondere zu Beginn der Einnahme oder bei höherer Dosis. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, wie bei anderen löslichen, viskosen Ballaststoffen ist ein zeitlicher Abstand zur Einnahme anderer Medikamente von mehreren Stunden eine übliche Vorsichtsmaßnahme.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Randomisierte, offene Vergleichsstudie, n gleich 61 (31 vs 30), 4 Wochen · 2010

    Can partially hydrolyzed guar gum be an alternative to lactulose in treatment of childhood constipation

    Üstündağ G, Kuloğlu Z, Kirbaş N, Kansu A. Turk J Gastroenterol

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Multizentrische, randomisierte, offene Studie, n gleich 188, 12 Wochen · 2002

    High-fiber diet supplementation in patients with irritable bowel syndrome, a multicenter, randomized, open trial comparison between wheat bran diet and partially hydrolyzed guar gum

    Parisi GC, Zilli M, Miani MP, Carrara M, Bottona E, Verdianelli G, Battaglia G, Desideri S, Faedo A, Marzolino C, Tonon A, Ermani M, Leandro G. Dig Dis Sci

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    Randomisierte, plazebokontrollierte Studie, n gleich 60, 3 Wochen, Kombination aus Inulin und PHGG · 2012

    Microbiota benefits after inulin and partially hydrolized guar gum supplementation, a randomized clinical trial in constipated women

    Linetzky Waitzberg D, Alves Pereira CC, Logullo L, Manzoni Jacintho T, Almeida D, Teixeira da Silva ML, Matos de Miranda Torrinhas RS. Nutr Hosp

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Randomisierte Cross-over-Studie, n gleich 11, akute Testmahlzeit · 2004

    Suppressive effects of dietary fiber in yogurt on the postprandial serum lipid levels in healthy adult male volunteers

    Kondo S, Xiao JZ, Takahashi N, Miyaji K, Iwatsuki K, Kokubo S. Biosci Biotechnol Biochem

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    Einarmige Pilotstudie ohne Kontrollgruppe, n gleich 29 (17 ausgewertet), 6 Wochen · 2025

    Effects of a multi-component program based on partially hydrolyzed guar gum (Sunfiber) on glycemic control in South Korea, a single-arm, pre-post comparison pilot clinical trial

    Park HS, Jeong AH, Hong H, Jang H, Kim HJ. Korean J Community Nutr

    Zur Zuschreibung: 05

  6. 06

    Technisches Verdauungssimulationsmodell, keine Tier- oder Humanstudie · 2005

    Effect of partially hydrolyzed guar gum on the bioaccessibility of fat and cholesterol

    Minekus M, Jelier M, Xiao JZ, Kondo S, Iwatsuki K, Kokubo S, Bos M, Dunnewind B, Havenaar R. Biosci Biotechnol Biochem

    Zur Zuschreibung: 06

  7. 07

    Tierstudie, männliche Hamster, plus In-vitro-Vorversuch · 2009

    Partially hydrolyzed guar gum supplement reduces high-fat diet increased blood lipids and oxidative stress and ameliorates FeCl3-induced acute arterial injury in hamsters

    Kuo DC, Hsu SP, Chien CT. J Biomed Sci

    Zur Zuschreibung: 06

  8. 08

    Übersichtsartikel eines Herstellers zu chemischen und physikalischen Eigenschaften von PHGG · 2008

    Chemical and physical properties, safety and application of partially hydrolized guar gum as dietary fiber

    Yoon SJ, Chu DC, Raj Juneja L. J Clin Biochem Nutr

  9. 09

    Rechtsakt der Europäischen Union, Anhang mit der zugelassenen Angabe zu Guarkernmehl (nicht hydrolisiert) ·

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, ausgenommen Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos sowie über die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern

    Europäische Kommission

  10. 10

    Amtliche wissenschaftliche Stellungnahme zu drei Angaben zu nativem Guarkernmehl, davon eine zugelassen (Cholesterin) und zwei abgelehnt (Blutzucker, Sättigung) · 2010

    Scientific opinion on the substantiation of health claims related to guar gum and maintenance of normal blood glucose concentrations (ID 794), increase in satiety (ID 795) and maintenance of normal blood cholesterol concentrations (ID 808)

    EFSA-Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) EFSA Journal

  11. 11

    Amtliche wissenschaftliche Stellungnahme zu sechs Angaben zu teilhydrolisiertem Guarkernmehl, alle abgelehnt · 2010

    Scientific opinion on the substantiation of health claims related to partially hydrolysed guar gum and increase in satiety, maintenance of normal body weight, maintenance of normal blood concentrations of triglycerides and cholesterol, reduction of post-prandial glycaemic responses and maintenance of normal blood glucose concentrations

    EFSA-Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) EFSA Journal

  12. 12

    Amtliche wissenschaftliche Stellungnahme zu vier weiteren Angaben zu teilhydrolisiertem Guarkernmehl, alle abgelehnt · 2011

    Scientific opinion on the substantiation of health claims related to partially hydrolysed guar gum and decreasing potentially pathogenic gastro-intestinal microorganisms, changes in short chain fatty acid production and pH in the gastro-intestinal tract, changes in bowel function, and reduction of gastro-intestinal discomfort

    EFSA-Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) EFSA Journal

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