Xylo-Oligosaccharide
Zuletzt geprüft am
Ballaststoffe
XOS · Xylooligosaccharide · Xylooligosaccharid
Auf einen Blick
- Was es ist
- Kurzkettige, aus Xylose-Bausteinen aufgebaute Kohlenhydrate, die aus pflanzlichem Xylan (einem Hauptbestandteil der Zellwand, etwa aus Maiskolben, Bagasse oder Holz) enzymatisch gewonnen werden. Ein präbiotischer Ballaststoff, der den Dickdarm weitgehend unverdaut erreicht. Nicht zu verwechseln mit Xyloglucan, einem chemisch anders aufgebauten Polysaccharid aus Tamarindenkernen, das in manchen Kombinationspräparaten unter ähnlichem Namen mitgeführt wird, siehe Abgrenzung unten
- Herkunft
- Industriell durch enzymatischen Abbau von Xylan aus pflanzlichen Reststoffen hergestellt, kein natürlicher Bestandteil einer üblichen Ernährung in nennenswerter Menge
- Wirkform in Studien
- In den meisten Humanstudien als isoliertes XOS-Pulver geprüft, in einzelnen Arbeiten in Kombination mit Inulin oder mit einem Probiotikum (Bifidobacterium animalis subsp. lactis). Wo eine Studie eine solche Kombination prüft, ist das in der jeweiligen Zeile ausdrücklich vermerkt
- Übliche Studiendosis
- 1,4 bis 8 g pro Tag über 3 bis 8 Wochen in den ausgewerteten Humanstudien, in einer Studie auch als Einzeldosis von 5 g im Rahmen einer Dreiergruppen-Untersuchung
- Bekannt geworden durch
- Die Vermarktung als milder, gut verträglicher präbiotischer Ballaststoff mit vergleichsweise niedriger wirksamer Dosis gegenüber anderen Oligosacchariden wie Inulin oder Fructooligosacchariden
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien bei den geprüften Dosen gut vertragen, keine signifikanten gastrointestinalen Nebenwirkungen gegenüber Placebo oder Kontrolle berichtet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Zahl der Bifidobakterien im Stuhl unter täglicher XOS-Einnahme, in zwei unabhängigen Studien mit unterschiedlicher Dosis übereinstimmend erhöht
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In zwei unabhängigen randomisierten Placebo-Studien mit reinem XOS stieg die Zahl der Bifidobakterien im Stuhl gegenüber Placebo an, bei 1,4 bis 2,8 g täglich über 8 Wochen ebenso wie bei 8 g täglich über 3 Wochen. Beide Studien sind klein, eine mit teilweiser Industriebeteiligung.
Ausführlicher Nachweis
In einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie erhielten 32 gesunde Erwachsene über 8 Wochen (nach 2-wöchiger Einlaufphase, mit 2-wöchiger Auswaschphase danach) täglich 1,4 g XOS, 2,8 g XOS oder Placebo [1]. Die Zahl der Bifidobakterien im Stuhl stieg in beiden XOS-Gruppen gegenüber Placebo, in der 2,8-g-Gruppe stärker als in der 1,4-g-Gruppe [1]. Die Gesamtzahl anaerober Keime und der Bacteroides-fragilis-Gruppe war nur in der 2,8-g-Gruppe signifikant höher, bei Lactobacillus, Enterobacteriaceae und Clostridium zeigten sich zwischen den drei Gruppen keine Unterschiede, ebenso wenig beim Stuhl-pH-Wert, den kurzkettigen Fettsäuren, der Milchsäure oder der mittels Pyrosequenzierung gemessenen bakteriellen Vielfalt insgesamt [1]. XOS wurde ohne signifikante gastrointestinale Nebenwirkungen vertragen [1]. Die zweite Studie trägt diese Aussage nur eingeschränkt. Ihr Volltext lag uns vor [2]. Sie ist faktoriell angelegt, mit vier Perioden von je 21 Tagen, Maltodextrin, 8 g XOS, ein Probiotikum und beides zusammen. Der Wert p gleich 0,008 ist der Haupteffekt des Faktors XOS über beide XOS-haltigen Perioden hinweg und kein Vergleich der XOS-Periode mit der Kontrollperiode [2]. Die Arbeit hält selbst fest, dass der nachgeschaltete Einzelvergleich nur für die Kombination aus XOS und Probiotikum einen belegten Anstieg gegenüber der Kontrolle ergab, und in der Ergebnistabelle trägt allein diese Kombinationsspalte den Stern, nicht die Spalte für XOS allein [2]. Ein bifidogener Effekt von XOS allein gegen Placebo ist in dieser Arbeit also nicht gezeigt. Gezeigt ist er dagegen in der Dreiergruppen-Studie mit 5 g täglich, dort lag die Bifidobacterium-Zahl nach 2 und nach 4 Wochen belegt höher als in der Placebogruppe, mit einem Abstand von rund einer Zehnerpotenz (p gleich 0,003 und kleiner 0,001), und der Befund hält auch in der Auswertung der Veränderung gegenüber dem Ausgangswert [4]. Zur Interessenlage. Die zweite Studie wurde von Active Nutrition, DuPont Nutrition and Health, dem früheren Danisco, bezahlt, das das geprüfte Probiotikum herstellt und vertreibt, und drei Mitautoren waren dort angestellt und haben an Planung, Durchführung, Auswertung und Manuskript mitgewirkt [2]. Das strukturierte Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist leer, die Erklärung steht im Volltext. Für die erste Studie lag uns der Volltext nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract.
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02
Stuhlgangshäufigkeit unter täglich 8 g XOS, ohne Veränderung von Blähbauch, Bauchschmerzen oder Blähungen gegenüber Kontrolle
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Cross-over-Studie stieg die mittlere Zahl der Stuhlgänge pro Tag unter XOS gegenüber der Kontrollperiode, ohne dass sich Blähbauch, Bauchschmerzen oder Blähungen veränderten. Eine einzelne Studie mit teilweiser Industriebeteiligung.
Ausführlicher Nachweis
Der frei zugängliche Volltext liefert die Zahlen, und sie sind klein [2]. Die mittlere Zahl der Stuhlgänge lag in der Kontrollperiode bei 1,4 pro Tag und in der XOS-Periode bei 1,5 pro Tag, jeweils mit einer Standardabweichung von 0,6 [2]. Der Wert p gleich 0,009 ist der Gesamttest über alle vier Perioden, der Einzelvergleich der XOS-Periode gegen die Kontrollperiode steht im Volltext mit p gleich 0,005 [2]. Bristol-Skala, Anteil der Tage mit weniger als einem oder mit mehr als drei Stuhlgängen, Blähbauch, Bauchschmerzen, Blähungen und die Häufigkeit gemeldeter unerwünschter Ereignisse unterschieden sich zwischen den Perioden nicht [2]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall wird nicht berichtet. Die Studie wurde von Active Nutrition, DuPont Nutrition and Health bezahlt, drei Mitautoren waren dort angestellt [2].
Quellen: 2
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03
Selbst eingeschätzte Vitalität und Stimmung unter täglich 8 g XOS, gegenüber Kontrolle
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie berichteten die Teilnehmenden während der XOS-Periode mehr Vitalität und Zufriedenheit als während der Kontrollperiode. Ein einzelner, selbst berichteter Fragebogenbefund in einer kleinen Studie mit teilweiser Industriebeteiligung.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Cross-over-Studie stieg die selbst berichtete Vitalität (p gleich 0,003) und Zufriedenheit beziehungsweise Glücksempfinden (p gleich 0,034) während der 8-g-XOS-Periode gegenüber der Kontrollperiode mit Maltodextrin [2]. Der niedrigste berichtete Schmerzmittelgebrauch wurde während der Kombinationsperiode aus XOS und dem Probiotikum Bifidobacterium animalis subsp. lactis Bi-07 beobachtet, nicht während der XOS-Einzelperiode, dieser Befund ist deshalb nicht allein XOS zuzuordnen [2]. Der frei zugängliche Volltext nennt die Werte, und sie sind winzig. Auf der verwendeten Fünf-Punkte-Skala lag der Vitalitätswert in der Kontrollperiode bei minus 0,13 und in der XOS-Periode bei plus 0,06, beim Glücksempfinden minus 0,03 gegenüber plus 0,09, jeweils bei Standardabweichungen um 0,25 [2]. Die genannten p-Werte sind die Gesamttests über alle vier Perioden, der Stern für den Einzelvergleich gegen die Kontrollperiode steht in beiden Zeilen bei XOS [2]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall wird nicht berichtet. Stimmung und Vitalität sind subjektive Fragebogenmaße, keine objektiv gemessenen Endpunkte, aus einer einzelnen kleinen Studie mit teilweiser Industriebeteiligung.
Quellen: 2
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04
Plasma-HDL-Cholesterin unter täglich 8 g XOS, gegenüber Kontrolle
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie stieg das nüchtern gemessene HDL-Cholesterin unter XOS gegenüber der Kontrollperiode. Ein einzelner Befund in einer kleinen Studie mit teilweiser Industriebeteiligung, ohne genannte Effektgröße.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Cross-over-Studie stieg die nüchtern gemessene Plasma-HDL-Cholesterin-Konzentration während der 8-g-XOS-Periode gegenüber der Kontrollperiode mit Maltodextrin (p gleich 0,005) [2]. Der frei zugängliche Volltext nennt die Größe des Unterschieds, im Mittel 0,07 Millimol je Liter bei einem Ausgangswert von 1,4 Millimol je Liter, also rund 5 Prozent [2]. Für das Verhältnis von Gesamt- zu HDL-Cholesterin blieb es bei einer Tendenz (p gleich 0,06), alle übrigen Blutfette veränderten sich nicht [2]. Eine einzelne kleine Studie mit teilweiser Industriebeteiligung, keine unabhängige Bestätigung.
Quellen: 2
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05
Blutzucker (Glukose, HbA1c, Fructosamin) und Blutfette (Gesamt-, LDL- und oxidiertes LDL-Cholesterin, Apolipoprotein B) bei Menschen mit einem HbA1c zwischen 7 und 10 Prozent, unter täglich 4 g XOS
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie an Menschen mit einem HbA1c-Wert zwischen 7 und 10 Prozent sanken Blutzucker- und mehrere Blutfettwerte unter XOS gegenüber Placebo. Eine einzelne kleine Studie ohne genannte Effektgrößen und ohne unabhängige Bestätigung.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Studie erhielten 26 Personen mit einem HbA1c-Wert zwischen 7,0 und 10,0 Prozent und einem Triglyzeridwert unter 400 mg/dL über 8 Wochen täglich 4 g XOS (n gleich 12) oder Placebo (n gleich 14) [3]. Der Volltext lag uns vor. Er trennt zwei Vergleiche [3]. Einen belegten Gruppenunterschied in der Veränderung tragen nur HbA1c, Fructosamin, Gesamtcholesterin und Apolipoprotein B, dort steht in der Veränderungsspalte das Zeichen für den Vergleich zwischen Placebo und XOS [3]. Der Nüchternblutzucker trägt es nicht, er fiel allein innerhalb der XOS-Gruppe von 167,9 auf 154,4 mg je Deziliter, gegenüber Placebo ist das nicht belegt [3]. Beim LDL-Cholesterin und beim oxidierten LDL unterscheiden sich zwar die Werte nach 8 Wochen zwischen den Gruppen, die Veränderung gegenüber dem Ausgangswert aber nicht, und die Ausgangswerte lagen ungleich, 121,9 gegenüber 106,8 mg je Deziliter beim LDL und 60,3 gegenüber 48,5 Einheiten je Liter beim oxidierten LDL [3]. Dieselbe Ungleichheit betrifft das Fructosamin mit 422 gegenüber 475 Mikromol je Liter [3]. Beim Oxidationsstatus trägt nur ein einziger Wert einen Gruppenunterschied. Die TBARS, ein Maß der Fettoxidation im Blut, stiegen in der XOS-Gruppe von 3,71 auf 4,04 und sanken unter Placebo von 3,98 auf 3,71, und diese Veränderung unterschied sich zwischen den Gruppen belegt [3]. Das ist ein Signal in die ungünstige Richtung. Die Katalase-Aktivität sank allein innerhalb der XOS-Gruppe, ohne Gruppenunterschied, Superoxiddismutase und Glutathionperoxidase blieben unverändert [3]. Anthropometrische Werte und die Nährstoffzufuhr änderten sich nicht [3]. Gefördert wurde die Arbeit aus Mitteln des Taichung Veterans General Hospital und der Providence University, eine Firmenbindung nennt sie nicht [3]. Es bleibt eine kleine Studie mit 26 Teilnehmenden ohne unabhängige Bestätigung.
Quellen: 3
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06
Fäkale Bifidobakterien und Buttersäure unter XOS allein, im Unterschied zu einer Mischung aus XOS und Inulin
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Dreiergruppen-Studie erhöhte XOS allein Bifidobakterien und Buttersäure im Stuhl und senkte Essigsäure und p-Kresol. Die Mischung aus XOS und Inulin zeigte ein anderes Profil, mit zusätzlichen Effekten auf Blutwerte, die XOS allein nicht zeigte.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, placebokontrollierten Parallelgruppenstudie erhielten 60 gesunde Erwachsene unter einer fettreichen Ernährung über 4 Wochen entweder 5 g XOS allein, eine Mischung aus 3 g Inulin und 1 g XOS (INU-XOS) oder eine gewichtsgleiche Placebo-Zubereitung aus Weizen-Maltodextrin [4]. Der Volltext lag uns vor [4]. Unter XOS allein lag die Bifidobacterium-Zahl nach 2 und nach 4 Wochen belegt höher als unter Placebo, mit einem Abstand von rund einer Zehnerpotenz (p gleich 0,003 und kleiner 0,001), und der Befund hält auch in der Auswertung der Veränderung gegenüber dem Ausgangswert [4]. Bei den kurzkettigen Fettsäuren ist die Lage differenzierter. Die Gesamtmenge änderte sich unter XOS allein nicht, verschoben hat sich das Muster, mit höheren Anteilen von Propion- und Buttersäure und einem niedrigeren Anteil Essigsäure, jeweils gegenüber Placebo (p kleiner 0,001) [4]. Der Stuhl-pH lag unter XOS niedriger als unter Placebo (6,47 gegenüber 6,97, p gleich 0,033), in der Auswertung der Veränderung gegenüber dem Ausgangswert war der Unterschied dagegen nicht belegt [4]. Das p-Kresol lag belegt niedriger (39,6 gegenüber 56,2 Mikrogramm je Gramm Trockenmasse, p gleich 0,020) [4]. Die Enzymaktivität stieg in beiden Verumgruppen, darunter die der Beta-Glucuronidase, deren Anstieg üblicherweise nicht als günstig gilt [4]. Unter der Mischung INU-XOS sanken Essigsäure und p-Kresol dagegen nicht, stattdessen stiegen zusätzlich die gesamten kurzkettigen Fettsäuren und Propionsäure, das im Blut zirkulierende Lipopolysaccharid (LPS) sank, und ein LPS-bedingter Anstieg der Genexpression von Interleukin-1-beta sowie ein LPS-bedingter Rückgang der Genexpression von Interleukin-13 im Blut fielen unter INU-XOS abgeschwächt aus [4]. Diese zuletzt genannten Effekte auf LPS und die Interleukin-Genexpression sind ausdrücklich nur für die Mischung aus XOS und Inulin berichtet, nicht für XOS allein, und deshalb nicht XOS allein zuzuordnen. Der Vergleich erfolgte gegenüber einer echten Placebogruppe, es bleibt eine einzelne Studie ohne unabhängige Bestätigung. Zur Interessenlage. Die Arbeit wurde von Witaxos DF3 SAS bezahlt, die Autorinnen und Autoren schreiben selbst, das könne einen Interessenkonflikt darstellen, und der Vorsitzende dieses Unternehmens, Yann Dugenet, steht selbst in der Autorenzeile [4]. Auch der Inulin-Lieferant Cosucra war über einen Mitautor an der Studie beteiligt [4].
Quellen: 4
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07
Zahl der Personen mit mindestens einer Atemwegsinfektion, in der einzigen XOS-spezifischen Studie ohne Unterschied zur Kontrollperiode
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In der einzigen Studie, die XOS gezielt auf Atemwegsinfekte hin auswertete, wurde die Zahl der Personen mit mindestens einer Infektion erfasst und unterschied sich nicht von der Kontrollperiode. Eine Übersichtsarbeit zu Präbiotika insgesamt fand einen positiven Gesamteffekt, der aber überwiegend auf andere Präbiotika als XOS zurückgeht. Es bleibt eine einzelne kleine Studie, ein Effektmaß mit Konfidenzintervall liegt für diesen Endpunkt nicht vor.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2022 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wertete 58 Studien zu Präbiotika, Synbiotika und kurzkettigen Fettsäuren bei Atemwegsinfekten und Immunfunktion aus, davon betraf nur eine einzige Studie XOS als eigenständiges Präbiotikum, die oben bereits mehrfach zitierte Cross-over-Studie an gesunden Erwachsenen [5]. Für diese Studie verzeichnet die Übersichtsarbeit in ihrer Ergebnistabelle für die 8-g-XOS-Periode explizit kein verändertes Ergebnis ("ohne Veränderung") bei der Zahl der Personen mit mindestens einer Infektion der oberen Atemwege gegenüber der Kontrollperiode [5][2]. Die gepoolte Meta-Analyse über alle 17 eingeschlossenen Studien zu Präbiotika (überwiegend Fructo- und Galactooligosaccharide bei Säuglingen und Kindern) fand insgesamt eine geringere Zahl an Personen mit mindestens einer Atemwegsinfektion unter Präbiotika (Odds Ratio 0,73, 95-Prozent-Intervall 0,62 bis 0,86, p gleich 0,0002) [5]. Dieser gepoolte positive Gesamteffekt lässt sich aber nicht auf XOS übertragen, weil die einzige XOS-spezifische Studie innerhalb dieser Meta-Analyse selbst keinen Unterschied zeigte und die übrigen 16 eingeschlossenen Studien andere Präbiotika prüften.
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08
Anteile von T-, B-, natürlichen Killer- und NKT-Zellen im Blut unter täglich 8 g XOS, überwiegend ohne Veränderung gegenüber Kontrolle
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie veränderten sich die Anteile der meisten untersuchten Immunzelltypen nicht, einzig ein Oberflächenmarker auf NKT-Zellen sank. Ein einzelner Laborwert-Befund ohne erkennbare klinische Bedeutung.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Cross-over-Studie blieben die prozentualen Anteile von T-Zellen, T-Helferzellen, zytotoxischen T-Zellen, NKT-Zellen, natürlichen Killerzellen und B-Zellen im Blut während der 8-g-XOS-Periode gegenüber der Kontrollperiode unverändert [2]. Die Expression des Oberflächenmarkers CD16/56 auf NKT-Zellen sank unter XOS gegenüber der Kontrollperiode (p gleich 0,027), ebenso die Sekretion von Interleukin-10 in einem Blutkultur-Reizversuch (p gleich 0,049) [2]. Was ein gesunkener CD16/56-Marker auf NKT-Zellen klinisch bedeutet, lässt sich aus dieser einzelnen Studie nicht ableiten, die Übersichtsarbeit von Williams und Kollegen ordnet den Befund vorsichtig als möglichen Hinweis auf eine Verschiebung der Immunantwort ein, ohne dies als klinisch bedeutsam zu werten [5][2]. Eine einzelne kleine Studie mit teilweiser Industriebeteiligung, keine unabhängige Bestätigung.
Studien im Detail
Bifidobakterien-Wachstum und Verdauungsverträglichkeit
Finegold und Kollegen prüften 2014 an 32 gesunden Erwachsenen in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie zwei Dosen von reinem XOS (1,4 g und 2,8 g täglich) über 8 Wochen. Beide Dosen erhöhten die Zahl der Bifidobakterien im Stuhl gegenüber Placebo, mit einem stärkeren Effekt bei der höheren Dosis. Weder der Stuhl-pH-Wert noch die kurzkettigen Fettsäuren noch die per Pyrosequenzierung gemessene bakterielle Vielfalt veränderten sich insgesamt, und es traten keine signifikanten gastrointestinalen Nebenwirkungen auf.
Childs und Kollegen prüften 2014 in einer faktoriellen Cross-over-Studie an gesunden Erwachsenen täglich 8 g XOS über 21 Tage, gegen Maltodextrin, gegen ein Probiotikum und gegen die Kombination aus beidem. Den bifidogenen Effekt von XOS allein bestätigt diese Arbeit nicht. Der oft zitierte Wert p gleich 0,008 ist der Haupteffekt des Faktors XOS über beide XOS- haltigen Perioden, im Einzelvergleich gegen die Kontrollperiode war nur die Kombination aus XOS und Probiotikum belegt, nicht XOS allein. Bestätigt wird der bifidogene Effekt stattdessen von der Dreiergruppen-Studie mit 5 g täglich. Unter XOS allein stiegen die Stuhlgangshäufigkeit von 1,4 auf 1,5 Stuhlgänge am Tag, die selbst berichtete Vitalität und Zufriedenheit auf einer Fünf-Punkte-Skala um Bruchteile eines Punktes und das HDL-Cholesterin um im Mittel 0,07 Millimol je Liter. Blähbauch, Bauchschmerzen und Blähungen veränderten sich nicht. Die fäkale Essig- und Buttersäure sank unter XOS allein, was der Richtung der Dreiergruppen-Studie widerspricht. Bezahlt wurde die Studie von Active Nutrition, DuPont Nutrition and Health, drei Mitautoren waren dort angestellt.
Blutzucker und Blutfette bei erhöhtem HbA1c
Sheu und Kollegen prüften 2008 an 26 Personen mit einem HbA1c-Wert zwischen 7,0 und 10,0 Prozent den Effekt von täglich 4 g XOS über 8 Wochen. Der frei zugängliche Volltext trennt zwei Vergleiche. Belegt gegenüber Placebo sank allein die Veränderung von HbA1c, Fructosamin, Gesamtcholesterin und Apolipoprotein B. Der Nüchternblutzucker sank nur innerhalb der XOS-Gruppe, und beim LDL wie beim oxidierten LDL unterscheiden sich die Werte nach 8 Wochen, die Veränderung aber nicht, bei ungleichen Ausgangswerten. Dazu kommt ein Befund in die andere Richtung. Das Maß der Fettoxidation im Blut stieg unter XOS und sank unter Placebo, und dieser Unterschied war belegt. Die kleine Stichprobe und das Fehlen einer unabhängigen Bestätigung schränken alles davon zusätzlich ein.
XOS allein im Unterschied zu einer Mischung mit Inulin
Lecerf und Kollegen prüften 2012 in einer Dreiergruppen-Studie an 60 gesunden Erwachsenen unter fettreicher Ernährung, ob sich XOS allein (5 g täglich) von einer Mischung aus XOS und Inulin (1 g plus 3 g täglich) unterscheidet. XOS allein erhöhte die Bifidobakterien im Stuhl um rund eine Zehnerpotenz gegenüber Placebo und senkte p-Kresol. Bei den kurzkettigen Fettsäuren blieb die Gesamtmenge gleich, verschoben hat sich nur das Muster, mit höheren Anteilen von Propion- und Buttersäure und einem niedrigeren Anteil Essigsäure. Die Mischung mit Inulin zeigte ein anderes Profil: keine Senkung von Essigsäure und p-Kresol, dafür ein Anstieg der gesamten kurzkettigen Fettsäuren und von Propionsäure sowie eine Senkung des im Blut zirkulierenden Lipopolysaccharids und eine Abschwächung mehrerer entzündungsbezogener Genexpressions-Veränderungen. Diese zuletzt genannten Effekte sind ausdrücklich nur für die Mischung berichtet, nicht für XOS allein.
Atemwegsinfekte und Immunzellen in einer Übersichtsarbeit
Williams und Kollegen werteten 2022 in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse 58 Studien zu Präbiotika, Synbiotika und kurzkettigen Fettsäuren bei Atemwegsinfekten und Immunfunktion aus. Nur eine einzige der eingeschlossenen Studien betraf XOS als eigenständiges Präbiotikum, die oben bereits beschriebene Cross-over-Studie von Childs und Kollegen. Für diese Studie verzeichnet die Übersichtsarbeit sowohl bei der Zahl der Personen mit mindestens einer Atemwegsinfektion als auch bei den meisten Immunzell-Anteilen im Blut keine Veränderung gegenüber der Kontrollperiode, einzig ein Oberflächenmarker auf NKT-Zellen sowie die Interleukin-10-Sekretion in einem Blutkultur-Reizversuch veränderten sich. Der insgesamt positive Effekt der Meta-Analyse auf die Häufigkeit von Atemwegsinfekten beruht überwiegend auf Studien zu anderen Präbiotika als XOS, vor allem bei Säuglingen und Kindern, und lässt sich nicht auf XOS übertragen.
Abgrenzung, Xylo-Oligosaccharide gegenüber Xyloglucan und anderen Oligosacchariden
Xylo-Oligosaccharide (XOS) bestehen aus Xylose-Bausteinen und werden aus pflanzlichem Xylan gewonnen. Sie sind chemisch nicht zu verwechseln mit Xyloglucan (XG), einem strukturell anderen Polysaccharid aus Tamarindenkernen, das trotz des ähnlich klingenden Namens eine eigene Substanz ist. Ein Kombinationspräparat namens Gelsectan, das Xyloglucan, ein Eiweiß-Tannin-Gemisch aus Traubenkernextrakt und XOS enthält, wurde in einer randomisierten Studie bei Reizdarmbeschwerden mit häufigem, dünnem Stuhlgang geprüft und besserte dort mehrere Symptome gegenüber Placebo. Weil XOS darin nur eine von drei Zutaten ist und Xyloglucan die mengenmäßig größere Komponente des Präparats darstellt, lässt sich dieser Befund nicht XOS allein zuordnen und ist deshalb nicht Gegenstand der Wirkungstabelle dieses Eintrags.
XOS ist außerdem von anderen präbiotischen Oligosacchariden wie Inulin, Fructooligosacchariden (FOS) und Galactooligosacchariden (GOS) chemisch verschieden, auch wenn sie ähnliche präbiotische Effekte über die Darmflora entfalten können. Wo eine Studie eine Mischung aus XOS und einem dieser anderen Oligosaccharide oder einem Probiotikum geprüft hat, ist das in der jeweiligen Zeile der Wirkungstabelle ausdrücklich vermerkt.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Studien wurde XOS in Dosen von 1,4 bis 8 g pro Tag gut vertragen, ohne signifikante gastrointestinale Nebenwirkungen oder vermehrte unerwünschte Ereignisse gegenüber Placebo oder Kontrolle.
Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Wie bei anderen fermentierbaren Ballaststoffen ist bei sehr hohen, in den vorliegenden Studien nicht geprüften Einzeldosen eine vorübergehende Blähung theoretisch möglich, eine Studie, die dies für XOS bei höheren Dosen tatsächlich zeigt, liegt uns nicht vor.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, reines XOS in zwei Dosen, n gleich 32, 8 Wochen · 2014
Xylooligosaccharide increases bifidobacteria but not lactobacilli in human gut microbiota.
Finegold SM, Li Z, Summanen PH, Downes J, Thames G, Corbett K, Dowd S, Krak M, Heber D. Food Funct
Zur Zuschreibung: 01
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02
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, faktorieller Cross-over, XOS-Arm 8 g pro Tag, 21 Tage je Periode · 2014
Xylo-oligosaccharides alone or in synbiotic combination with Bifidobacterium animalis subsp. lactis induce bifidogenesis and modulate markers of immune function in healthy adults, a double-blind, placebo-controlled, randomised, factorial cross-over study.
Childs CE, Röytiö H, Alhoniemi E, Fekete AA, Forssten SD, Hudjec N, Lim YN, Steger CJ, Yaqoob P, Tuohy KM, Rastall RA, Ouwehand AC, Gibson GR. Br J Nutr
- 03
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04
RCT, plazebokontrolliert, drei Parallelgruppen (XOS allein, XOS plus Inulin, Placebo), n gleich 60, 4 Wochen · 2012
Xylo-oligosaccharide (XOS) in combination with inulin modulates both the intestinal environment and immune status in healthy subjects, while XOS alone only shows prebiotic properties.
Lecerf JM, Dépeint F, Clerc E, Dugenet Y, Niamba CN, Rhazi L, Cayzeele A, Abdelnour G, Jaruga A, Younes H, Jacobs H, Lambrey G, Abdelnour AM, Pouillart PR. Br J Nutr
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05
Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 58 eingeschlossene Studien zu Präbiotika, Synbiotika und kurzkettigen Fettsäuren, davon 1 zu XOS als eigenständigem Präbiotikum · 2022
The Effects of Prebiotics, Synbiotics, and Short-Chain Fatty Acids on Respiratory Tract Infections and Immune Function, A Systematic Review and Meta-Analysis.
Williams LM, Stoodley IL, Berthon BS, Wood LG. Adv Nutr
Bei H.P.N
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