Ab wann verkalken Deine Gefäße? Mit 17.

Unter 34.439 über 50 Jahre begleiteten Ärzten starben durchgehende Raucher rund zehn Jahre früher als Nichtraucher.

Wer mit 30 aufhörte, holte diese zehn Jahre praktisch komplett zurück. Mit 40 rund neun, mit 50 rund sechs, mit 60 noch rund drei.

Eine Leitung, zwei Schäden. Deshalb gibt es nicht die eine Maßnahme.

Stell Dir das Gefäßsystem als Leitung vor. Der Druck schiebt den Inhalt durch. Der Belag sammelt sich an der Innenwand. Ein hoher Druck macht keinen Belag, und ein dicker Belag macht nicht automatisch hohen Druck. Beides zusammen macht die Rechnung, an deren Ende ein Gefäß zumacht.

Der Rest dieser Seite folgt dieser Aufteilung, weil sie erklärt, warum es nicht die eine Maßnahme gibt. Für den Druck ist eine Schraube zuständig, für den Belag eine andere, und ein Teil dreht an beiden.

Der Belag fängt an, bevor Du Dich dafür interessierst

Für die unangenehmste Zahl dieser Seite gibt es eine ungewöhnliche Datenquelle: Autopsien von Menschen, die jung und an äußeren Ursachen gestorben sind. 2.876 Fälle im Alter von 15 bis 34 Jahren. Bei den 15- bis 19-Jährigen fanden sich Veränderungen der Gefäßinnenschicht in allen untersuchten Aorten und in mehr als der Hälfte der rechten Herzkranzgefäße.

Und jetzt nehme ich die Zahl selbst wieder runter, bevor hier jemand in Panik verfällt: Ein Fettstreifen ist keine Diagnose und wird bei den meisten Menschen nie ein Problem. Was diese Zahl sagt, ist nicht „Du bist krank“, sondern „die Uhr läuft länger, als Du denkst“. Ein Infarkt ist kein Ereignis, er ist ein Endergebnis. Jahrzehnte gehen in diese Rechnung ein, und deshalb ist Prävention kein Projekt, das mit 55 beginnt.

Das ist übrigens die gute Nachricht, nicht die schlechte. Wer über Jahrzehnte einzahlt, zahlt in kleinen Beträgen ein. Das ist ein Dauerauftrag, keine Sonderzahlung.

Der Druck ist die Schraube mit dem größten Hebel und dem kleinsten Preis

Bluthochdruck heißt in Deutschland nicht ohne Grund Volkskrankheit. In einer Untersuchung, in der bei 7.096 Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren tatsächlich gemessen wurde, lag die Häufigkeit bei 33,3 Prozent der Männer und 29,9 Prozent der Frauen. Also grob jeder Dritte. Das Problem ist, dass er sich nicht meldet. Du kannst jahrelang mit zu hohem Druck durch die Gegend laufen, ohne dass Du es mitbekommst.

Und jetzt die Gegenmaßnahme, die nichts kostet. Eine Auswertung von 93 Trainingsstudien mit 5.223 Teilnehmenden hat sortiert, bei wem Ausdauertraining den Ruheblutdruck bewegt. Bei Menschen mit Bluthochdruck: minus 8,3 zu 5,2 mmHg. Bei Menschen mit leicht erhöhten Werten: minus 2,1 zu 1,7. Bei normalem Blutdruck: praktisch nichts.

Lies diese drei Zeilen noch einmal, denn sie sind der Grund, warum ein Durchschnittswert hier in die Irre führt. Der Effekt geht dorthin, wo er hingehört. Wer normale Werte hat, senkt sie nicht weiter, und das ist auch nicht das Ziel. Wer zu hoch liegt, holt mit zwei Terminen pro Woche eine Größenordnung heraus, für die es sonst ein Rezept braucht. Welche Termine das sind, steht in „Dein Herz zählt keine Trainingsjahre“.

Nur damit es klar ist: Wer Blutdruckmedikamente nimmt, setzt sie nicht wegen dieses Absatzes ab. Das entscheidet ein Arzt, und zwar mit Deinen Werten vor sich.

Die Zigarette ist der einzige Punkt hier ohne Graubereich

An dieser Stelle wird sonst moralisiert. Ich lasse das weg und liefere nur die Arithmetik. In der bekanntesten Langzeitbeobachtung dazu wurden 34.439 Ärzte über 50 Jahre begleitet. Wer durchgehend rauchte, starb rund zehn Jahre früher als ein Nichtraucher. Wer mit 30 aufhörte, holte diese zehn Jahre praktisch vollständig zurück, mit 40 rund neun Jahre, mit 50 rund sechs, mit 60 noch rund drei.

Es gibt auf der ganzen Prioritätenliste keine zweite Zahl, bei der eine einzige Entscheidung ein Jahrzehnt bewegt. Und es gibt keinen Zeitpunkt, an dem es sich nicht mehr lohnt, sondern nur einen, an dem es sich weniger lohnt als vorher.

An beiden Baustellen ziehen dieselben zwei Hebel

Am Druck ziehen: Bewegung, Körperfett, Alkohol, Salz, Schlaf. Für Salz gibt die Weltgesundheitsorganisation weniger als 5 Gramm am Tag vor, das ist knapp ein Teelöffel, und der größte Teil davon kommt nicht aus dem Streuer, sondern aus Brot, Wurst und Fertigem. Das ist eine Bevölkerungsempfehlung, keine Einzelverordnung. Zu viel Salz ist erst dann ein Problem, wenn der Rest nicht passt. Wer keinen erhöhten Druck hat, senkt deshalb nicht um jeden Preis, sondern bedient die andere Seite der Bilanz: Kalium und Flüssigkeit. Wie das zusammenhängt, steht in „Es gibt kein echtes Salz. Es gibt nur Salz.“

Am Belag ziehen: dieselbe Liste plus die Fettqualität im Essen und, wenn nötig, eine medikamentöse Senkung der Blutfette. Was auf Deinem Laborzettel steht und welche Werte dabei mehr hergeben als der Standard, steht auf der Blutwerte-Seite.

An beiden ziehen: Bewegung und Körperfett. Deshalb stehen sie auf der Prioritätenliste vorne und nicht im Anhang.

Bei diesen Zeichen wählst Du die 112 und nicht die Suchmaschine

Druck oder Schmerz in der Brust, der nicht weggeht, dazu Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals oder Oberbauch. Dann rufst Du die 112. Nicht später, nicht nach dem Nachlesen, und Du fährst nicht selbst. Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern fallen die Beschwerden häufiger untypisch aus, was die Sache nicht harmloser macht, sondern nur schwerer erkennbar.

Alles, was nicht akut ist, aber Dich beschäftigt, gehört in einen Vorsorgetermin. Welche Untersuchung in welchem Alter ansteht, steht in „Du fühlst Dich gesund. Dein Blut weiß mehr“. Der Termin entsteht durch einen Anruf und nicht durch einen Vorsatz. Geh mit der Frage hin, die Dich hergebracht hat, und lass Blutdruck und Blutfette bestimmen. Nur eines wartet nicht auf einen Termin, und das steht im Absatz darüber.

Mini-FAQ

Kann ich meinen Blutdruck ohne Tabletten senken?

Teilweise, und der Effekt ist größer, als die meisten glauben. In der Auswertung von 93 Trainingsstudien sank der Ruheblutdruck bei Menschen mit Bluthochdruck um 8,3 zu 5,2 mmHg, dazu kommen Körperfett, Alkohol, Salz und Schlaf. Um die kommst Du auch mit Tabletten nicht herum. Was das nicht heißt: dass Du eine bestehende Medikation absetzt. Die Reihenfolge ist messen, mit dem Arzt besprechen, gleichzeitig an den Schrauben drehen.

Mein Ruhepuls ist hoch. Ist das schlimm?

Ein einzelner Wert sagt wenig, weil Kaffee, Stress, Schlafmangel, Hitze und ein Infekt ihn alle nach oben schieben. Aussagekräftig ist der Verlauf über Wochen, morgens im Liegen gemessen. Wenn er ohne Erklärung dauerhaft hoch bleibt oder Du gleichzeitig Luftnot oder Leistungseinbruch hast, gehört das abgeklärt. Und wenn Du trainierst: Ein sinkender Ruhepuls ist einer der ehrlichsten Fortschrittsmarker, die Du gratis hast.

Ich habe manchmal Herzstolpern. Muss ich damit zum Arzt?

Ja. Rhythmusstörungen sind das Gegenteil einer Selbstdiagnose, weil harmlose und ernste Formen sich gleich anfühlen können, und weil man sie nur sieht, wenn man sie aufzeichnet. Ein EKG oder ein Langzeit-EKG klärt in kurzer Zeit, was Wochen an Grübeln nicht klären. Kein Präparat ist hier die Antwort.

Quellen und Studien, 5
  • Ablagerungen bereits im Jugendalter: 2.876 Autopsien von 15- bis 34-Jährigen (Todesfälle durch äußere Ursachen, Juni 1987 bis August 1994), Veränderungen der Gefäßinnenschicht in allen Aorten und in mehr als der Hälfte der rechten Herzkranzgefäße der 15- bis 19-Jährigen: Strong JP et al. Prevalence and extent of atherosclerosis in adolescents and young adults: implications for prevention from the Pathobiological Determinants of Atherosclerosis in Youth Study. JAMA 1999;281(8):727-735. PMID 10052443. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10052443/
  • Bluthochdruck-Häufigkeit in Deutschland, gemessen an 7.096 Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren mit standardisierten oszillometrischen Geräten: 33,3 Prozent bei Männern, 29,9 Prozent bei Frauen (hypertensiver Messwert oder antihypertensive Medikation bei bekannter Hypertonie): Neuhauser H et al. Blutdruck in Deutschland 2008-2011: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsbl 2013. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1493/27o1T5kanfuvA.pdf . Ergänzend: Robert Koch-Institut, Themenseite Hypertonie. https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Nichtuebertragbare-Krankheiten-A-Z/H/Hypertonie/Hypertonie_inhalt.html
  • Ausdauertraining und Ruheblutdruck, 93 Trainingsstudien mit 5.223 Teilnehmenden (3.401 Trainings-, 1.822 Kontrollteilnehmende); Blutdrucksenkung nach Ausdauertraining bei Hypertonikern minus 8,3 zu 5,2 mmHg, bei Prähypertonikern minus 2,1 zu 1,7 mmHg, bei normalem Blutdruck minus 0,75 zu 1,1 mmHg: Cornelissen VA, Smart NA. Exercise training for blood pressure: a systematic review and meta-analysis. J Am Heart Assoc 2013;2(1):e004473. PMID 23525435. https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/jaha.112.004473
  • Rauchen und Lebenserwartung, 34.439 männliche britische Ärzte über 50 Jahre begleitet; durchgehende Zigarettenraucher der Geburtsjahre 1900 bis 1930 starben rund zehn Jahre früher als lebenslange Nichtraucher; Aufhören mit 60, 50, 40 oder 30 Jahren brachte rund 3, 6, 9 beziehungsweise 10 Jahre Lebenserwartung zurück: Doll R, Peto R, Boreham J, Sutherland I. Mortality in relation to smoking: 50 years' observations on male British doctors. BMJ 2004;328:1519. https://www.bmj.com/content/328/7455/1519
  • Salzzufuhr unter 5 Gramm am Tag für Erwachsene (entspricht weniger als 2 Gramm Natrium): World Health Organization. Guideline: Sodium intake for adults and children. Genf 2012. https://www.who.int/publications/i/item/9789241504836

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