PMS ist keine Einbildung. Und kein Schicksal.

Die WHO zieht die Grenze für einen erschöpften Eisenspeicher bei einem Ferritin unter 15 Mikrogramm pro Liter. In einer randomisierten Studie mit 198 menstruierenden Frauen ohne Anämie, aber mit einem Ferritin unter 50, ging die Erschöpfung über zwölf Wochen unter Eisen um 47,7 Prozent zurück, unter Placebo um 28,8 Prozent.

Beide Zahlen gehören in ein Arztgespräch. Ohne den Wert gibt es kein Gespräch.

Über kaum etwas wird so viel geredet und so wenig verstanden

Eine rosa Teemischung, die Deine Hormone „in Balance“ bringen soll, ist ein tragfähiges Geschäft. Auf der anderen Seite steht das Lager, das den Zyklus für eine Frage der Haltung hält, Motto: stell Dich nicht so an. Die einen liegen aus Kalkül daneben, die anderen aus Ignoranz. Wer weiß, was da abläuft, plant seine Wochen anders. Das ist der ganze Hebel, und er kostet nichts.

Denk den Zyklus als Welle, die einmal im Monat steigt und wieder fällt. Die Periode: Hormone unten, Energie oft ebenfalls, bei vielen mit Rückenschmerzen im Paket. Danach die Follikelphase, Östrogen steigt, und mit ihm meist Antrieb, Laune und Klarheit. Das sind die starken Tage, und sie liegen direkt nach der Blutung. Dann der Eisprung, Östrogen auf dem Höhepunkt, ein kurzes Hoch. Und danach die Lutealphase, in der Progesteron übernimmt und am Ende alles abfällt. Schlechtere Laune, Heißhunger, Spannungsgefühl, Gereiztheit.

Wer die vier Phasen kennt, plant anders. Hartes Training und die Aufgaben, vor denen Du Dich sonst drückst, gehören in die starken Tage.

„Da kann man nichts machen“ hört an der falschen Stelle auf

Der Satz wird zu schnell abgeräumt, dabei hat er einen harten Kern. Du kannst Dir den Hormonabfall nicht wegdenken. Progesteron fällt am Ende der Lutealphase, ob Du gut drauf bist oder nicht, ob Du diszipliniert bist oder nicht. Gegen den Auslöser hast Du tatsächlich keinen Schalter. So weit: richtig.

Nur redet der Satz über den Auslöser und tut, als hätte er über das Ergebnis geredet. Wie hart der Abfall Dich trifft, entscheidet der Zustand, in dem er Dich antrifft. Vier Nächte mit fünf Stunden Schlaf. Eine Woche, in der zu wenig auf dem Teller lag. Dauerstress, der schon vorher lief. Ein Eisenspeicher, den nie jemand gemessen hat. Keine dieser vier Stellschrauben ist der Hormonverlauf, und an jeder lässt sich drehen.

Der Auslöser bleibt. Was er bei Dir anrichtet, ist verhandelbar.

Drei Punkte stehen in der Leitlinie, und alle drei gelten sonst als Ehrgeiz

Der Zyklus ist einer der ehrlichsten Anzeiger, die Dein Körper hat. Wird er unregelmäßig oder bleibt er aus, ist das in der Regel eine Meldung über Deinen Alltag.

Die Leitlinie der amerikanischen Endokrinologen-Fachgesellschaft zur funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe, also zu einem Zyklus, der ohne organische Ursache stillsteht, führt dafür drei Auslöser: Stress, Gewichtsverlust und übermäßiges Training. Der Körper ist an dieser Stelle kompromisslos. Registriert er Dauerbelastung und Unterversorgung, drosselt er die Fortpflanzung zuerst, weil das aus seiner Sicht ein schlechter Zeitpunkt für ein Kind ist.

Für Dich heißt das: Schlaf, genug essen statt dauerhaft am Limit hungern, Bewegung, Stress im Griff. Dein Körper liest die Lage, in der er steckt, und meldet zurück, was er liest. Ändere die Lage, dann ändert sich die Meldung.

Der meistübersehene Faktor heißt Eisen

Die Logik ist unspektakulär. Mit jeder Blutung verlierst Du Blut, und mit dem Blut Eisen. Eisen transportiert den Sauerstoff durch Deinen Körper. Ist zu wenig davon da, fährst Du mit halb leerem Tank. Müdigkeit, Blässe, Konzentration im Sinkflug, außer Atem auf der Treppe.

Das Tückische ist nicht der Mangel, sondern sein Tempo. Er kommt über Monate, nicht über Nacht. Du gewöhnst Dich an das mittelmäßige Gefühl und hältst es irgendwann für Deine Persönlichkeit. Ist es nicht.

Und hier kommt der Wert, um den es geht. Nicht das Hämoglobin, das im kleinen Blutbild steht und lange normal bleibt, sondern das Ferritin. Das ist Dein Speicher. Die WHO setzt die Grenze für einen erschöpften Speicher bei 15 Mikrogramm pro Liter. Interessant ist der Bereich darüber: In einer randomisierten Studie mit 198 menstruierenden Frauen, die nicht anämisch waren, aber ein Ferritin unter 50 hatten und über unerklärliche Erschöpfung klagten, sank die Erschöpfung über zwölf Wochen unter Eisen um 47,7 Prozent, unter Placebo um 28,8 Prozent. Eine Studie ist keine Grenzwert-Setzung, und die Einordnung Deines Werts gehört Deiner Ärztin. Aber sie ist ein sehr guter Grund, nach dem Ferritin zu fragen, wenn Du müde bist und Dir gesagt wurde, das Blutbild sei in Ordnung.

Was Du nicht machst: auf Verdacht Eisen einwerfen. Zu viel Eisen ist ein eigenes Problem. Lass den Wert bestimmen. Messen schlägt Raten, immer.

Mönchspfeffer und Safran bringen eine Fallzahl mit

An dieser Stelle beginnt normalerweise das Wundermittel-Marketing. Von mir bekommst Du das nicht. Es gibt kein Präparat, das Hormone zurücksetzt oder einen Zyklus heilt. Wer das behauptet, ist an Deinem Geld interessiert und nicht an Deinem Befinden.

Es gibt Stoffe, zu denen tatsächlich etwas gemessen wurde. Und die Messung sagt Dir genauer, was Du erwarten darfst, als jedes Versprechen auf der Vorderseite. Mönchspfeffer ist der bekannteste. Geprüft wurde er in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie über drei Zyklen: 178 eingeschlossene Frauen mit prämenstruellem Syndrom, 170 auswertbar, eine Tablette am Tag mit 20 Milligramm eines standardisierten Trockenextrakts. Erfasst wurden sechs Beschwerden, fünf davon gingen unter dem Extrakt stärker zurück als unter Placebo, das Blähgefühl nicht. Eine spätere Dosisfindung an 162 Patientinnen stellte 8, 20 und 30 Milligramm gegeneinander: 20 war dem Placebo und den 8 überlegen, 30 brachte gegenüber 20 nichts mehr dazu. Deshalb steht in diesem Text die 20 und keine andere Zahl.

Zu Safran liegt eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie über zwei Zyklen vor. 50 Frauen, 30 Milligramm am Tag, aufgeteilt auf morgens und abends, erhoben wurden die prämenstruellen Beschwerden und die Stimmung in den Tagen vor der Periode.

Ist die Datenlage über jeden Zweifel erhaben? Nein. Das sind einzelne randomisierte Studien an wenigen hundert Frauen, also Stufe drei der Evidenz-Leiter und nicht Stufe eins. Ist in diesen Studien ein Unterschied zum Placebo herausgekommen? Ja. Beides zu sagen gehört dazu.

Eine Einschränkung, die selten jemand mitliefert: Mönchspfeffer greift in den Prolaktin-Stoffwechsel ein und gehört deshalb nicht in die Schwangerschaft. Wer schwanger ist, stillt oder es gerade werden will, klärt jede Einnahme vorher ab und nicht hinterher.

Dazu der langweilige Teil, über den keine Werbung geschrieben wird: die Nährstoffe, die durch die monatliche Blutung überhaupt erst knapp werden, und Folat, das jede Frau im gebärfähigen Alter ohnehin auf dem Schirm haben sollte. Ein einziger Satz in diesem Abschnitt ist behördlich abgesegnet, und er gehört hierher: Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei. Das ist ein in der EU zugelassener Health Claim, kein Werbeversprechen.

Deine Erinnerung ist eine schlechte Zeugin

Der wichtigste Absatz dieser Seite. Höllische Schmerzen, extreme Unregelmäßigkeit oder ein komplettes Ausbleiben sind kein Fall für Tee und Kapseln, sondern für die Ärztin.

Endometriose betrifft viele und wird spät erkannt. In einer Untersuchung an 1.418 Frauen in 16 Zentren und zehn Ländern lagen zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnose im Mittel 6,7 Jahre. Beim PCO-Syndrom, das nach der internationalen Leitlinie 10 bis 13 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter betrifft, ist die verzögerte Diagnose ausdrücklich als Problem benannt. Der Grund ist in beiden Fällen derselbe Satz: „Das ist eben die Periode.“ Fall nicht darauf herein.

Was Du gegen diese Jahre tun kannst, ist unspektakulär und es wirkt: Schreib drei Zyklen mit. Datum und Länge, Stärke der Blutung, Schmerz auf einer Skala von null bis zehn, welches Schmerzmittel Du genommen hast und ob es gereicht hat, Tage, an denen nichts mehr ging. Nimm das Blatt mit in die Praxis. Eine Schilderung im Sprechzimmer verpufft, ein Verlauf auf Papier bleibt liegen, und er kürzt genau die Jahre ab, die oben in der Zahl stehen. Sag dazu, was Du willst: eine Abklärung, keine Beruhigung.

Die Wechseljahre fangen mit einer Subtraktion an

Die meisten denken bei Wechseljahren an ausbleibende Perioden und Hitzewallungen und übersehen deshalb die Jahre davor. In dieser Zeit läuft der Zyklus noch, nur anders. Und weil er noch läuft, wird der Rest auf den Job geschoben, auf die Kinder, auf das Alter. Es ist derselbe Denkfehler wie beim Eisen: Ein langsamer Übergang wird zur Persönlichkeit erklärt.

Für diesen Übergang gibt es eine international benutzte Einteilung, den Stages of Reproductive Aging Workshop von 2011, kurz STRAW+10. Sie hängt den Beginn nicht an ein Alter, sondern an die Zykluslänge. Unterscheiden sich aufeinanderfolgende Zyklen dauerhaft um sieben Tage oder mehr, ist die frühe Übergangsphase erreicht. Bleibt die Blutung 60 Tage oder länger aus, die späte.

Was in diesen Jahren sonst noch berichtet wird, an Schlaf, Stimmung und Erschöpfung, steht hier bewusst ohne Zahl. Für die Zykluslänge gibt es ein Kriterium, für den Rest liegt hier keins.

Und damit liegt der zweite Grund für dasselbe Blatt auf dem Tisch. Drei Zyklen mit Datum und Länge notiert, und aus „mein Zyklus ist irgendwie unruhig“ wird eine Zahl, die eine Ärztin einordnen kann. Zwei verschiedene Fragen, ein Stift.

Mini-FAQ

Ich bin dauernd müde, aber mein Blutbild war laut Arzt in Ordnung. Was jetzt?

Frag nach dem Ferritin. Das kleine Blutbild zeigt das Hämoglobin, und das bleibt lange normal, während der Speicher schon leerläuft. Unter 15 Mikrogramm pro Liter gilt der Speicher nach WHO als erschöpft, und auch im Bereich darüber gibt es Daten zu Erschöpfung bei Frauen mit Blutung. Was Dein Wert bedeutet, entscheidet Deine Ärztin und kein Forum. Aber gefragt hast Du dann.

Kann ich Eisen einfach dauerhaft nehmen, sicherheitshalber?

Nein. Eisen gehört supplementiert, wenn ein Mangel oder ein erhöhter Bedarf belegt ist, weil zu viel schädlich sein kann. Die Reihenfolge ist Wert, dann Entscheidung, dann Kontrolle. Wer mit starker Periode regelmäßig ergänzt, tut das nach Rücksprache und lässt den Wert nachprüfen.

Kann ein Supplement die Hormone in Balance bringen?

Nein. „Hormon-Balance“ ist ein Marketingbegriff ohne feste Definition, und kein Nahrungsergänzungsmittel setzt einen Hormonhaushalt zurück. Möglich ist zweierlei: dem Körper die Nährstoffe geben, die durch die Blutung knapp werden, und Pflanzenstoffe mit Studienlage über Wochen einsetzen. Rechne dabei in Zyklen und nicht in Tagen, die Studien zu Mönchspfeffer liefen über drei.

Quellen und Studien, 10
  • Ferritin unter 15 Mikrogramm pro Liter als Grenze für erschöpfte Eisenspeicher bei ansonsten gesunden Erwachsenen: WHO guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations. Genf: World Health Organization, 2020. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK569876/
  • 198 menstruierende Frauen ohne Anämie mit Ferritin unter 50 Mikrogramm pro Liter, Rückgang der Erschöpfung um 47,7 Prozent unter Eisen gegen 28,8 Prozent unter Placebo über zwölf Wochen: Vaucher P, Druais PL, Waldvogel S, Favrat B. Effect of iron supplementation on fatigue in nonanemic menstruating women with low ferritin: a randomized controlled trial. CMAJ 2012;184(11):1247-1254. DOI 10.1503/cmaj.110950. https://www.cmaj.ca/content/184/11/1247
  • Randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Mönchspfeffer-Extrakt über drei Zyklen, 178 eingeschlossene und 170 auswertbare Frauen, eine Tablette täglich mit 20 mg Trockenextrakt Ze 440, Verbesserung in fünf von sechs erfassten Beschwerden, Blähgefühl unverändert: Schellenberg R. Treatment for the premenstrual syndrome with agnus castus fruit extract: prospective, randomised, placebo controlled study. BMJ 2001;322(7279):134-137. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11159568/
  • Dosisfindung zum selben Extrakt, 162 Patientinnen, Vergleich von 8, 20 und 30 mg Ze 440 über drei Zyklen: 20 mg war den 8 mg und dem Placebo überlegen, 30 mg brachten gegenüber 20 mg keinen weiteren Vorteil. Damit ist 20 mg am Tag die untersuchte Dosis, auf die sich der Text bezieht: Schellenberg R, Zimmermann C, Drewe J, Hoexter G, Zahner C. Dose-dependent efficacy of the Vitex agnus castus extract Ze 440 in patients suffering from premenstrual syndrome. Phytomedicine 2012;19(14):1325-1331. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0944711312002802
  • Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu Safran über zwei Zyklen mit 50 Frauen, 30 mg am Tag als zweimal 15 mg (morgens und abends): Agha-Hosseini M, Kashani L, Aleyaseen A et al. Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial. BJOG 2008;115(4):515-519. DOI 10.1111/j.1471-0528.2007.01652.x
  • Stress, Gewichtsverlust und übermäßiges Training als Auslöser eines Zyklusstillstands ohne organische Ursache: Gordon CM, Ackerman KE, Berga SL et al. Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 2017;102(5):1413-1439. https://academic.oup.com/jcem/article/102/5/1413/3077281
  • Mittlere Verzögerung von 6,7 Jahren zwischen Symptombeginn und Diagnose, 1.418 Frauen an 16 Zentren in zehn Ländern: Nnoaham KE, Hummelshoj L, Webster P et al. Impact of endometriosis on quality of life and work productivity: a multicenter study across ten countries. Fertil Steril 2011;96(2):366-373. PMID 21718982. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21718982/
  • PCO-Syndrom mit einer Prävalenz von 10 bis 13 Prozent bei Frauen im reproduktiven Alter, verzögerte Diagnose ausdrücklich benannt: Teede HJ, Tay CT, Laven J et al. Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Hum Reprod 2023;38(9):1655-1679. https://academic.oup.com/humrep/article/38/9/1655/7241786
  • Einteilung des Übergangs in die Wechseljahre über die Zykluslänge, frühe Übergangsphase bei dauerhaftem Unterschied von sieben Tagen oder mehr zwischen aufeinanderfolgenden Zyklen, späte Übergangsphase, wenn die Blutung 60 Tage oder länger ausbleibt: Harlow SD, Gass M, Hall JE et al. Executive summary of the Stages of Reproductive Aging Workshop + 10: addressing the unfinished agenda of staging reproductive aging. J Clin Endocrinol Metab 2012;97(4):1159-1168. PMID 22344196. DOI 10.1210/jc.2011-3362. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22344196/
  • Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei, Eisen trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei: beides zugelassene Health Claims nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

Unsere weiteren Experten

Ärzte und Fachleute aus anderen Bereichen, jeder mit Profil und eigenen Beiträgen.

Alle Experten