Die Top 5 vermeidbaren Todesursachen in Deutschland. Keine davon ist ein Saatenöl.

2024 sind in Deutschland 1.007.758 Menschen gestorben. Die fünf häufigsten Ursachen, gegen die sich etwas ausrichten lässt, stehen weiter unten mit Zahl und Rang.

Eine Todesbescheinigung nennt fast immer mehrere Diagnosen. Gezählt wird davon genau eine, das Grundleiden. Deshalb taucht niemand in dieser Statistik zweimal auf, und deshalb ergeben die Zahlen unten zusammen nicht die Gesamtzahl.

Wovor die Leute Angst haben, steht hier nicht drin

Saatenöl. Mikroplastik. Die beschichtete Pfanne. Der Zusatzstoff mit der E-Nummer. Damit lässt sich Reichweite bauen, weil sie sich anfühlen wie ein Gegner, den man aus der Küche werfen kann. Einmal entschieden, Problem erledigt, und danach ist man auf der richtigen Seite.

Die amtliche Statistik führt keine dieser Ursachen. Sie führt fünf andere, und die haben eine unangenehme Eigenschaft gemeinsam: Sie entstehen über Jahrzehnte aus Dingen, die einzeln nie dramatisch aussehen. Ein zu hoher Wert, der nicht wehtut. Eine Gewohnheit, die niemand kommentiert. Am Saatenöl lässt sich ein Video bauen. Am Blutdruck nicht.

Was hier überhaupt gezählt wird

Die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts ist keine Umfrage und keine Stichprobe. Sie erfasst jeden Sterbefall in Deutschland über die Todesbescheinigungen. 2024 waren das 1.007.758 Fälle. Jeder Fall bekommt eine Ursache nach dem internationalen Schlüssel ICD-10 zugeordnet.

Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebs machen zusammen 56,5 Prozent aus, also mehr als jeden zweiten Sterbefall. Das sind allerdings ganze Kapitel des Schlüssels, keine einzelnen Ursachen. Wer daraus eine Rangliste baut, muss sich für eine Ebene entscheiden und dabei bleiben. Sonst steht der Schlaganfall einmal als eigener Rang in der Liste und ein zweites Mal in der Kreislaufsumme darüber, und dieselben Menschen sind zweimal gezählt. Die Liste unten bleibt deshalb durchgehend auf der Ebene der einzelnen Krankheitsgruppe.

Und vermeidbar heißt hier nicht, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Es heißt, dass für diese fünf Ursachen Risikofaktoren bekannt sind, die sich beeinflussen lassen, und dass sich das über große Gruppen hinweg messbar auswirkt. Über den einzelnen Menschen sagt eine Statistik nichts. Sie sagt nur, wo die Wahrscheinlichkeiten liegen.

Die fünf, sortiert nach Sterbefällen

  1. Ischämische Herzkrankheiten, 113.473. Die Gruppe rund um verengte Herzkranzgefäße, aus der auch der Herzinfarkt kommt. Der akute Infarkt allein steht bei 41.258. Die Treiber sind seit Jahrzehnten dieselben: Blutdruck, Blutfette, Rauchen, Bauchfett, zu wenig Bewegung.
  2. Schlaganfall und seine Folgen, 52.185. Der größte einzelne Treiber ist der Blutdruck. Er tut nichts, solange er nicht schon etwas kaputt gemacht hat, und genau darin liegt das Problem.
  3. Lungenkrebs, 45.148. Die tödlichste Krebsart in Deutschland, und die mit dem am besten verstandenen Auslöser.
  4. COPD, 33.650. Die dauerhaft verengten Atemwege. Aufhören stoppt den Abbau, es repariert ihn nicht. Was an Lungenfunktion weg ist, bleibt weg.
  5. Diabetes, 25.067. Und das ist die Zahl, die untertreibt. Diabetes stirbt in der Statistik oft unter anderem Namen, weil das Grundleiden dann Herzinfarkt oder Nierenversagen heißt.

Die amtliche Statistik weist Typ 2 nicht getrennt aus, deshalb steht hier „Diabetes“ und nicht „Typ-2-Diabetes“. Getrennt geführt wird nur Typ 1, und der steht bei 567.

Zwei der fünf hängen an einer einzigen Entscheidung

Lungenkrebs und COPD sind zusammen 78.798 Sterbefälle, und bei beiden ist derselbe Faktor der mit Abstand größte. Beim Lungenkrebs sind laut Zentrum für Krebsregisterdaten bei Frauen etwa acht von zehn Erkrankungen auf aktives Rauchen zurückzuführen, bei Männern bis zu neun von zehn.

Dazu lässt sich keine Anleitung schreiben. Es ist eine Entscheidung, und sie ist unbequem, aber sie ist nicht kompliziert. Wer damit ringt, holt sich Hilfe, und das ist keine Schwäche, sondern die einzige Stelle in diesem Text, an der ein einzelner Schritt so viel bewegt.

Die anderen drei laufen über dieselben vier Werte

Herzkrankheit, Schlaganfall und Diabetes sehen auf dem Arztbrief aus wie drei verschiedene Sachen. Unter der Haube teilen sie sich weitgehend dieselbe Vorgeschichte: Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und das Fett zwischen den Organen. Vier Größen, drei davon stehen in einem normalen Blutbild, die vierte misst ein Maßband.

Das ist die eigentliche Nachricht dieser Statistik, und sie ist die gute. Es sind nicht fünf Baustellen mit fünf Programmen. Es ist im Wesentlichen eine, und die läuft über Essen, Muskeln, Ausdauer, Schlaf und regelmäßiges Nachschauen. Nichts davon kostet Geld, und nichts davon ist neu.

Was diese Liste nicht sagt

Sie ist keine Rangliste der Todesursachen insgesamt. Demenz steht 2024 bei 61.927 Sterbefällen und wäre damit größer als vier der fünf Ränge hier. Sie steht trotzdem nicht auf dieser Liste, weil sich für sie kein Hebel benennen lässt, der auch nur annähernd so klar belegt ist wie Blutdruck beim Schlaganfall. Das ist eine Abgrenzung, keine Bewertung, und sie gehört ausgesprochen.

Sie sagt auch nichts über das Alter. Die meisten dieser Sterbefälle betreffen alte Menschen, und niemand hier verspricht, dass sich Sterben abschaffen lässt. Es geht um die Jahre davor und darum, in welchem Zustand man sie verbringt.

Und sie sagt nichts über Dich persönlich. Es gibt Menschen, die alles richtig machen und trotzdem früh krank werden, und es gibt das Gegenteil. Eine Statistik verschiebt Wahrscheinlichkeiten, sie verteilt keine Garantien.

Womit Du anfängst

Wenn Du diese Liste ernst nimmst, ergibt sich die Reihenfolge von selbst. Nicht rauchen ist der eine Schritt, der zwei der fünf Ursachen auf einmal betrifft. Danach kommen die vier Werte, und die kennst Du entweder oder Du kennst sie nicht. Blutdruck misst Du zu Hause für rund 25 Euro, Blutzucker und Blutfette stehen auf jedem ordentlichen Laborzettel, den Bauchumfang nimmst Du morgens mit einem Maßband.

Genau in dieser Reihenfolge ist die Prioritätenliste sortiert, und sie ist nicht nach Gefühl entstanden. Sie ist nach dieser Tabelle entstanden.

Quellen und Studien, 3
  • Alle Sterbefallzahlen des Berichtsjahres 2024, einschließlich Gesamtzahl 1.007.758, ischämische Herzkrankheiten 113.473, akuter Myokardinfarkt 41.258, zerebrovaskuläre Krankheiten 52.185, bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge 45.148, COPD 33.650, Diabetes mellitus 25.067, Typ-1-Diabetes 567: Statistisches Bundesamt, Statistischer Bericht Todesursachen in Deutschland 2024, Publikationsnummer 2120400247005, Tabellenblatt 23211-b09, hierarchische ICD-10-Gliederung, Langfassung. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Publikationen/Downloads-Todesursachen/statistischer-bericht-todesursachen-2120400247005.html
  • Anteil von Kreislaufsystem und Krebs an allen Sterbefällen 56,5 Prozent, bösartige Neubildungen 230.392, Demenz 61.927: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 377 vom 15.10.2025, Todesursachen 2024. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_377_23211.html
  • Anteil des aktiven Rauchens an Lungenkrebserkrankungen, bei Frauen etwa acht von zehn, bei Männern bis zu neun von zehn: Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut, Lungenkrebs. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs.html

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