Mit dem Start lädt YouTube. Dabei gehen IP-Adresse und Browserdaten an Google Ireland Limited. Datenschutz
Big Pharma und wie Pharma funktioniert
Alexander Friedrich
·37 Min
·
·
Zum Profil
Transkript Wort für Wort, zum Aufklappen.
Hallihallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Wissen nervt auf diesem wunderschönen YouTube-Kanal, wieder mit dem professionellen Besserwisser. Heute haben wir ein Thema, das sehr interessant ist und eigentlich immer falsch interpretiert wird, nämlich Big Pharma. Das wird von allen Seiten durch den Dreck gezogen. Big Pharma ist an allem schuld, wir sind alle krank wegen der bösen Pharmaunternehmen, und die wollen alle nicht, dass wir gesund werden.
Das ist Quatsch, und deswegen muss man das Thema mal richtig beleuchten. Bevor wir das tun, müssen wir aber erst rausfinden, warum dieses Thema überhaupt so negativ besetzt ist und wo die Assoziationsprobleme herkommen. Denn wir müssen klipp und klar trennen: Gesundheitswesen und Pharma sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Und dieser Trend, dass Big Pharma böse ist, ist primär aus Amerika importiert.
Da muss man einfach sagen: Die Pharmabranche in Amerika und auch das Gesundheitswesen sind nicht so gut wie in Deutschland, jedenfalls für die meisten. Wenn du in Amerika sehr viel Geld hast, hast du eine Top-Gesundheitsversorgung. Wenn du mittelviel Geld hast, ist sie auch noch gut. Wenn du nicht viel Geld hast, kann es weniger prickelnd sein. Eine passende Gesundheitsvorsorge hast du immer, das muss man auch sagen.
Auch da sind wir in Europa teilweise viel zu voreingenommen, als hätten die Amerikaner alle keine gesundheitliche Versorgung mehr. Das ist auch Quatsch. Aber es ist nicht prickelnd, das müssen wir zusammenfassen. In Deutschland ist es allerdings auch nicht mehr so. Wenn du mit der gesetzlichen Krankenversicherung irgendwohin willst und tolle Behandlungen haben möchtest, geht das auch nicht. Aber das Thema ist viel zu komplex, ich würde zu vielen Menschen Unrecht tun, wenn ich das so schnell erkläre. Das deutsche Gesundheitssystem mache ich separat.
Deswegen wollte ich nur kurz klipp und klar feststellen: Gesundheitswesen ist nicht Pharma. Es hat miteinander zu tun, aber keinen direkten Einfluss. Und weil das Thema aus Amerika importiert wird, müssen wir dazusagen, dass die Pharmabranche dort eine andere ist.
In Amerika ist es erlaubt, für verschreibungspflichtige Medikamente Werbung zu machen. Ihr könnt dort Werbung für euer SSRI-Antidepressivum machen. Wenn es dir also nicht gut geht, fährst du an so einem Billboard vorbei und denkst dir, ah, damit geht es mir besser. Das ist in Europa und explizit in Deutschland überhaupt nicht möglich. Und das ist etwas sehr Gutes, dass es nicht möglich ist.
Woher kommt überhaupt diese Thematik Big Pharma? Deswegen habe ich es getrennt, Gesundheitswesen und Pharmaunternehmen, weil diese beiden Dinge als Einheit gesehen werden. Der Unmut, der mit dem Gesundheitswesen einhergeht, schwappt dann auf die Pharmaunternehmen über. Wenn ihr in Amerika nicht die beste Gesundheitsversorgung habt, finanziell nicht gut aufgestellt seid und dann eine Hiobsbotschaft bekommt und eure Out-of-Pocket-Kosten sehr hoch sind, dann kann euch das zwangsweise in die Privatinsolvenz tragen.
Das ist selten, aber möglich. Es kann eure Existenz ruinieren. Und wenn ihr die medizinische Versorgung nicht bekommt, weil euch die finanzielle Freiheit dafür fehlt, dann kriegt ihr natürlich einen Hass auf das System. Gesundheit ist ein ganz emotionales Thema. Da steckt ein riesengroßes Problem drin.
Die Pharmabranche ist Kapitalismus, und weil beide zusammenhängen, ist es auch das Gesundheitswesen. Auch ein Krankenhaus muss Gewinn erwirtschaften. Und nur aufgrund des Kapitalismus, und da lege ich mich mit jedem an, der etwas anderes sagt, sind wir heute so hochentwickelt, wie wir sind. Das ist eine bittere Pille, die man schlucken muss. Bei uns in Deutschland und in den europäischen Ländern haben wir es Gott sei Dank hinbekommen, dass wir trotz eines sozialen Sicherheitsschirms für die Krankenversicherung den Kapitalismus ermöglicht haben und dadurch diese Fortschritte erzielen können.
Das ist eine ziemlich große Errungenschaft. Es ist nicht perfekt, aber ein ziemlich gutes System. Auch da fallen Leute durch, und deswegen ist der Unmut so groß.
Gehen wir von Amerika zurück nach Deutschland. Alles, was in Amerika passiert, kann eine deutlich höhere Tragweite haben als das, was bei uns passiert. Aber auch bei uns kann dieser Hass auf das Gesundheitswesen leicht gepusht werden. Wir haben eine gesetzliche Krankenversicherung, die maßlos überrannt ist.
Die armen Ärzte haben keine passenden Kontingente mehr. Als Hausarzt bist du Spielball der Kassenlogik. Viele sehen diese Seite nicht, weil sie sie nicht kennen. Ich habe das Glück, mit so vielen Menschen verbunden zu sein, dass ich auch den Input von der medizinischen Seite bekomme. Da arbeiten Leute sich teilweise kaputt und legen am Ende sogar noch etwas drauf. Das verstehen viele nicht.
Die rufen an, und dann sagt ihnen jemand, Sie haben in sechs oder sieben Monaten einen Termin. Natürlich ist das scheiße, darüber brauchen wir nicht zu reden. Aber wenn es aufgrund der Strukturen nicht anders geht, weil es nicht anders abgerechnet werden kann, dann ist das ein Systemfehler und nicht der Fehler des Arztes. Das ist ganz wichtig, dass ich das unterstreiche.
Und dann heißt es immer, die Privatversicherten haben ja immer einen Termin frei. Ja, weil er an denen Geld verdient. Da sind wir wieder beim Thema Kapitalismus. Die Privatpatienten zahlen dadurch, dass sie dem Arzt oder dem Krankenhaus einen Gewinn erbringen, ironischerweise für die gesetzlich Versicherten mit. Das ist ein sehr heikles Thema, das kann ich hier nicht komplett bequatschen.
Zurück zur Pharmabranche. Sie hat in ihrer Existenz schon mehrfach gravierende Fehler gemacht. Aber das ist normal, und das Problem ist, dass wir dabei nicht die Perspektive haben, nicht das Verhältnis. Das ist wie bei einem Flugzeugabsturz. Jeden Tag starten gefühlt Millionen Flugzeuge, und dann kracht eins vom Himmel, und die Leute kriegen Panik und sagen, oh Gott, Flugzeuge sind unsicher. Das stimmt ja nicht. Ich hoffe, jedem ist bewusst, dass Autofahren tausendmal gefährlicher ist als Fliegen, weil im Auto viel mehr passiert. Das Problem ist, dass der Flugzeugabsturz in absoluten Zahlen eine Katastrophe ist.
Und so muss man das auch bei der Pharmazie sehen. Wenn ein Medikament zurückgerufen wird, weil es gravierende Nebenwirkungen hatte, so etwas wie Contergan, dann ist das katastrophal. Das passiert aber sehr selten. Wir haben tagtäglich neue Dinge, viel Forschung, viele Medikamente, die kommen. Und wenn man die gesamte Bandbreite sieht, sind wir unterm Strich extrem gut. Man darf die negativen Dinge, die ab und zu passieren, nicht so in den Vordergrund schieben.
Wichtig ist vor allen Dingen eine Klassifizierung: War das ein Fehler, oder war das Absicht? Das ist ein ganz schwieriger Punkt. Denn alle unterstellen der Pharmabranche, dass sie Dinge mit Absicht nicht macht oder mit Absicht schlecht macht. Eine der Theorien, die immer wieder kursiert, lautet: Die würden niemals ein Mittel gegen Krebs entwickeln, weil sie Krebs dann nicht mehr behandeln könnten.
Darüber habe ich mit sehr vielen unfassbar tollen Medizinern geredet, mit Leuten aus der Pharmabranche und selbst mit den fiesesten Kapitalisten-Haien, die ihr euch vorstellen könnt. Jeder, der die Meinung vertritt, dass ein Pharmaunternehmen da draußen ein Medikament gegen Krebs zurückhält, ist ein zertifizierter Vollidiot. Wenn der es morgens schafft, seine Schuhe zuzubinden, fange ich an zu klatschen.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, was mit einem Biotech- oder Pharmaunternehmen passieren würde, wenn es ein durch Phase 3 validiertes Breitband-Mittel gegen Krebs entwickelt hätte. Das wäre über Nacht das teuerste und größte Pharmaunternehmen. Es könnte jeden Preis für seine Therapie ansetzen. Jeder würde es zahlen. Jede Krankenkasse, alles würde darauf ausgelegt werden, dieses Medikament zu ermöglichen.
Da sind wir wieder beim Kapitalismus. Nur diese Motivation ist der Grund, dass es überhaupt diese Forschung gibt und dass man so etwas entwickelt. Das ist ein ganz wichtiges Konzept, diese Dynamik muss man verstehen. Wir haben andauernd die Sache, dass Leute sagen, Medikamente würden nicht entwickelt oder mit Absicht zurückgehalten, um mehr Profit zu machen. Und das ist faktisch so unfassbar dumm und zeigt, wie naiv Menschen da draußen sind und wie schnell sie denken, sie hätten die Welt besser verstanden als alle anderen. Sagt der professionelle Besserwisser. Der Klugscheißer regt sich über andere Klugscheißer auf.
Aber als Beispiel, und ich habe ein perfektes Beispiel, nämlich die Abnehmspritze. Viele von euch haben das mitbekommen, mit Ozempic oder Wegovy, oder wie man die Glutide alle nennen mag. Ozempic hat jeder mitbekommen, das war von Novo Nordisk, die Aktie hat einen Höhenflug hingelegt. Brutal.
Dann gibt es Eli Lilly, ebenfalls ein Pharmaunternehmen, das Mounjaro am Markt hat. Und dann kabbeln die sich, gucken sich die Datenlage an und sehen, oh Mann, Mounjaro ist da teilweise besser, Ozempic ist dafür dort gut. Und was macht dann Eli Lilly? Sie sind im Wettbewerb mit Novo Nordisk. Das hat Novo Nordisk auch verstanden.
Jetzt gehen wir in den Kapitalismus. Was mache ich, wenn ich merke, ich habe einen Konkurrenten, der ein Produkt in derselben Kategorie baut und mich überbieten möchte? Er will ja meinen Marktanteil, er will meine Kunden. Also fange ich an, Geld auszugeben, damit ich ihm zuvorkomme. Weil ich nicht will, dass er meine Kunden klaut. Und umgekehrt will ich ihm seine Kunden klauen. Deswegen gebe ich Geld aus.
Und wir reden bei Pharmakonzernen nicht von zwei Millionen. Allein für die Forschung brauchst du mittlerweile Computertechnologie, Algorithmen, Daten, Rechenleistung, auch KI-gestützt. Sie brauchen gigantische Mengen an Leistung, um überhaupt Modelle durchlaufen zu lassen, die die nächste Generation erahnen können. Wenn etwas aufpoppt, muss es vertieft werden, dann müssen viele Modelle und Szenarien gerechnet werden. Das ist ein gigantischer Apparat, und das kostet Unmengen an Geld. Nicht ein, zwei Millionen, wir sind direkt bei hundert Millionen Euro. Für die ganze Sache sind wir teilweise bei einer Milliarde.
Wir haben also diesen Forschungsaspekt. Dann haben wir etwas gefunden, dann müssen wir erst mal ein Verfahren entwickeln. Nur weil du einen tollen Stoff gefunden hast, weißt du ja nicht, wie du den synthetisierst. Und dann muss das Verfahren auch noch skalierbar sein. Du brauchst einen Verfahrenstechniker, und dann musst du Anlagen bauen, die das überhaupt umsetzen können.
Und dann verfolgst du immer noch eine Theorie. Du weißt nicht einmal, ob das überhaupt etwas bringt. Du hast etwas gefunden, du hast keine Ahnung, ob es funktioniert, und dann musst du es erst mal herstellen können. Vielleicht merkt ihr schon, das ist ganz schön volatil.
Das ist auch der Grund, warum Biotech-Firmen mit das Volatilste am Aktienmarkt sind. Du kannst eine Aktie für einen Euro kaufen, dann bringen sie das Krebsmittel raus, und die Aktie springt. Brutal. Du kannst die Aktie aber auch für einen Euro kaufen, und am nächsten Tag ist sie nichts mehr wert.
Deswegen sind Pharmaunternehmen so cashintensiv, dass sie so viel Geld verdienen müssen, um diese ganze Forschung zu bedienen. Natürlich verdienen sie nicht nur Geld für die Forschung, sie wollen auch Profit erwirtschaften. Das ist logisch, die Unternehmen wollen Gewinn machen. Daran ist auch nichts verwerflich, auch wenn es in der Gesundheitsbranche ist. Aber da sind wir wieder bei der Emotionalität. Denn wenn du ihnen wegnehmen würdest, dass sie Gewinn erwirtschaften, würden sie sich dann alle so den Arsch aufreißen? Wichtiger Punkt, aber nicht Thema dieses Videos.
Wir haben das Ding jetzt also gefunden, wir haben die Verfahrenstechnik gebastelt und haben es gefühlt als Pulver vor uns. Dann müssen wir anfangen zu testen. Zellstudien, dann schauen, was im Tier passiert. Und wenn du bis dahin Unmengen an Geld ausgegeben hast, du haust es in die Zelle oder in den Tierversuch, und es funktioniert nicht, dann hast du schon hundert oder zweihundert Millionen versenkt.
Du lässt ja parallel Dinge erforschen, weil du davon ausgehst, dass ein großer Teil in die Tonne geht. Sagen wir 90 Prozent: Von zehn Dingen landen neun in der Mülltonne, und eines funktioniert. Dieses eine Ding muss den ganzen Rest finanzieren. Beziehungsweise dein Katalog, was du sonst produzierst, muss diese ganze Forschung finanzieren.
Und wenn du es geschafft hast, dass du ein Produkt hast, das in Zell- und Tierstudien funktioniert, dann muss es auch noch am Menschen getestet werden. Das ist der Punkt, an dem diese Dinge aus dem Fenster geworfen werden. Phase 1, Phase 2, Phase 3, ich versuche es so kurz wie möglich zu halten, damit hier keiner einschläft.
Man fängt bei einer ganz kleinen Gruppe an und schaut, wie ist überhaupt die Wirkung. Bei Medikamenten musst du immer schauen: Ist die Wirkung signifikant, also die, für die es entwickelt wurde? Sei es, dass du keinen Hunger mehr hast, dass du besseren Blutdruck hast oder was auch immer. Und dann ist die nächste Frage, wie die Nebenwirkungen sind. Die kurzen und vor allen Dingen die langen.
Denn dadurch, dass es ein kapitalistisches Unternehmen ist, kann es auch verklagt werden. Wenn du etwas auf den Markt schmeißt, das die ersten zwei Jahre gut aussieht und dir nach zehn Jahren um die Ohren fliegt, ist das nicht so gut. Diese ganze Strecke von der Zellstudie bis zur Zulassung ist so unfassbar eng geführt. Sie müssen auf alles achten, denn wenn sie es nicht tun, werden sie bis in die Verdammnis verklagt, gerade in Amerika, noch viel schlimmer als in Europa.
Man muss also alle Eventualitäten abdecken, so gut es geht. Durch diese Phasen geht es durch, und man schaut: Ist die Wirkung gut? Wie ist die Wirkung in Relation zu anderen Dingen? Wie sind die Nebenwirkungen? Stehen die Nebenwirkungen überhaupt in Relation zur Wirkung? Ist es überhaupt ein Medikament, das passt?
Denn wenn du den Blutdruck drücken kannst, und es ist sogar das beste Blutdruckmedikament, das es gibt, du bekommst aber dadurch einen Schlaganfall, dann ist das ein scheiß Medikament. Machen wir es noch deutlicher: Der Blutdruck geht runter, und dafür fällt das Bein ab. Cool, du hast das beste Blutdruckmedikament gemacht, aber dein Bein verloren. Das ist faktisch dumm, und das bringt keiner auf den Markt.
Und da ist ein ganz wichtiger Punkt, an den ich im Video davor zum Thema Schwurbel angeknüpft habe, wo diese ganzen Research Chemicals kommen und die böse Pharmaindustrie angeblich Dinge zurückhält. Vielleicht dämmert es jetzt dem einen oder anderen. Wenn etwas in Phase 1 oder Phase 2 nicht weiterverfolgt wird, nachdem dafür hunderte Millionen ausgegeben wurden, dann liegt das nicht daran, dass sie damit ein anderes Produkt kannibalisieren würden, sondern daran, dass das Produkt nicht funktioniert. Und dass es die Kosten in keiner Relation rechtfertigt.
Die Wirkung ist nicht gut genug. In Relation zu den Nebenwirkungen passt sie eventuell nicht. Es ist nicht herstellbar, das Verfahren taugt nichts, man kann es nicht skalieren. Und dann hast du irgendwelche Schnapsnasen, die da rumsitzen und sagen, aber die wollten das nicht, und die Verschwörung. Das ist ein gigantisches Problem, und es hält sich hartnäckig, obwohl es dafür keine Begründung gibt.
Dann sagen Leute immer, ja, aber in Amerika ist das ein großes Ding, da gibt es zwei Mittel gegen Parasiten, die oft off label als Krebstherapie eingesetzt werden. Dafür gibt es keine wirklich gute Datenlage. Nur weil etwas off label eingesetzt wird, heißt das nicht, dass es funktioniert. Vielleicht bringt es wirklich die Wirkung, die versprochen wird. Aber wir kennen die Nebenwirkungen nicht. Beziehungsweise wir wissen auch nicht, ob die Wirkung wirklich so ist. Denn es gibt ganz viele parallele Dinge, die nicht ausgeschlossen werden. Da sind wir wieder bei den klassischen Studien: Kam die Wirkung wirklich durch Medikament XYZ, oder war da eine Lebensstiländerung mit drin?
Heißt: Big Pharma hat kein Interesse daran, euch so gesund wie möglich zu machen, aber Big Pharma hat ein riesengroßes Interesse daran, euch das beste Medikament zu verkaufen. Denn ansonsten kommt jemand anders und macht das weg. Die beste Gesundheit, und das habe ich mit Absicht so formuliert, baut nicht auf Pharma auf. Die beste Gesundheit schafft ihr euch relativ einfach selbst, indem ihr gesund lebt.
Nicht zu viel Körperfett, Sport machen, nicht zu viel Stress, gut schlafen. Zum Körperfett gehört eine passende Ernährung. Das sind die Dinge, die ihr beeinflussen könnt. Natürlich könnt ihr genetische Probleme haben, aber dafür ist ja dann Pharma da. Wenn du einen Herzfehler hast, brauchst du einen Betablocker. Dafür ist Pharma da.
Das ist eine ganz wichtige Sache, bei der ich mich immer frage: Die Leute sagen, Big Pharma will nicht, dass ich gesund bin. Machst du denn selbst alles, um gesund zu werden? Nein. Wieso sollte ein Unternehmen dir also ein Heilmittel gegen all dein Fehlverhalten liefern, und du bist magisch geheilt? Darum geht es nicht. Es geht darum, dass sie die Dinge angehen, die du sonst nicht lösen kannst.
Und selbst da haben wir mittlerweile riesengroße Überschneidungen. Wir haben das Problem mit Adipositas, da war ich gerade bei Novo Nordisk und Eli Lilly. Und das ist ein schönes Beispiel. Es gab sehr viel Forschung zu Fatburnern, also Medikamenten, die deine Stoffwechselrate anheben. Das Problem dabei ist: Selbst gegen den stärksten Fatburner, der dir 500 Kalorien am Tag mehr verbraucht, kannst du anessen, indem du einfach einen Big Mac mehr isst. Und schwupp ist der ganze Fatburner für die Tonne.
Aus pharmakologischer Sicht ist das dämlich. Die Chance ist groß, dass du einen Haufen Nebenwirkungen hast, und du kannst es mit fehlender Disziplin ohne Probleme wegfuttern. Unterm Strich ist es ein nutzloses Produkt. Die Leute werden sich andauernd beschweren. Das ist mehr oder minder ein Lifestyle-Produkt. Für eine Adipositas-Therapie ist es Schwachsinn, einfach Müll.
Was hat die Pharmaindustrie also gesagt? Wir machen das, was am wichtigsten ist, wir regulieren den Hunger. Denn wenn jemand weniger isst, als er verbraucht, wird er automatisch abnehmen. Dass das vielleicht nicht die finale Lösung ist, ist klar, weil man dabei nicht versteht, wie Ernährung richtig funktioniert. Die Leute ernähren sich trotzdem schlecht, haben Muskelverlust, weil sie nicht trainieren gehen und nicht genug Protein zu sich nehmen. Aber was soll man denn sonst machen? Man braucht ein gewisses Maß an Eigenverantwortung, und das ist stark abhandengekommen.
Ihr merkt, es ist ein schwieriges Thema, und ich laufe hier ein bisschen auf Eierschalen, obwohl ich normalerweise sehr klar bin und euch ohne Probleme alle beleidigen würde. Weil ich verstehe, dass das Thema so emotional ist, dass man es schwer verstehen kann. Aber Big Pharma macht, nach allen Informationen, die ich habe, nichts mit Absicht, um etwas zurückzuhalten.
Gibt Big Pharma gerne mal Medikamente frei, die vielleicht nicht hundertprozentig sicher sind? Ja, normal, weil jeder Mensch Fehler macht und weil Dinge auch einfach nicht abzusehen sind. Wir hatten das Beispiel mit den Opioiden in Amerika. Die sind bei uns in Deutschland nicht so groß vertreten. Aber da wurde eine komplette Suchtkrise ausgelöst, basierend auf laxen Regeln und darauf, zwei Augen zuzudrücken. Da wurden Dinge en masse rausgegeben, die man nicht hätte rausgeben dürfen. Natürlich sind solche Dinge schlecht, aber da sind wir wieder beim Flugzeugabsturz, den man in Relation sehen muss.
Unterm Strich rettet die Pharmaindustrie Unmengen an Leben. Wenn ihr die Pharmaindustrie nicht hättet, würdet ihr an einer blöden Lungenentzündung verrecken. Ihr würdet nicht annähernd so alt werden, wie ihr heute werdet. Ihr hättet nicht annähernd die Lebensqualität, die ihr heute habt, selbst wenn ihr schwerwiegende Erkrankungen habt.
Sich hinzusetzen und zu sagen, die böse Pharmaindustrie macht mein Leben kaputt, ist naiv und dumm und spuckt der Arbeit von sehr vielen sehr schlauen Menschen ins Gesicht. Und dieses ganze Medikamenten-Bashing, das ich auf Instagram sehe, wo sich Mütter hinsetzen und sagen, mein Kind kriegt keine Medikamente, ich lasse mein Kind nicht impfen. Ja, ist deine Entscheidung, aber dein armes Kind.
Und vor allen Dingen fliegen diese Entscheidungen sofort aus dem Fenster, wenn es einmal wirklich losgeht. Sobald dein Kind über 40 Grad Fieber hat und du das Gefühl hast, oh scheiße, jetzt wird es dünn, ist das sofort aus dem Fenster. Dann ist die Pharmakologie wieder da, dann wird ins Krankenhaus gefahren, und dann heißt es bitte, bitte, bitte, rettet.
Und dafür ist man da. Dafür ist auch das Krankenhaus da. Selbst Ärzte, die euch verurteilen und sagen würden, was bist du für ein dummes Stück, sind in dem Moment trotzdem da und werden alles dafür tun, um dir oder deinem Kind den Hintern zu retten. Es ist einfach schwachsinnig zu sagen, dass diese Menschen gegen einen arbeiten. Auch das klassische Ärzte-Bashing.
Ich bin selbst betroffen, ich habe beide Seiten gesehen. Ich habe eine sehr komplexe, sehr interessante Gesundheitsakte. Ich war auch bei so vielen Ärzten, die maßlos überfordert waren. Die es natürlich nicht gesagt haben, weil dann das ganze Kartenhaus zusammenbrechen würde. Die überlastet waren und gesagt haben, okay, gut, das ist wirklich ein komplexes Ding. Und nicht einmal, dass ihnen die Kompetenz gefehlt hätte, sondern dass sie in diesem Moment einfach nicht handeln konnten. Sei es aufgrund der Lage, in der sie steckten. Sie hatten nicht den Kopf dafür.
Das ist scheiße, aber es sind auch nur Menschen. Und wenn man ein System so aufbaut, dass diese Menschen so viel Last tragen müssen, dann kann es sein, dass sie Fehler machen. Und so ist es normal, dass ein Mensch Fehler macht, und genauso, dass ein Unternehmen einen Fehler macht, an dem ganz viele Menschen beteiligt sind. Das bedeutet nicht, dass es automatisch eine Verschwörung ist.
Es gibt bestimmt Medikamente, die nicht optimal sind, siehe die Opioide. Das bedeutet aber nicht, dass das die Norm ist, und das versuche ich die ganze Zeit zu sagen. Es macht überhaupt keinen Sinn, auf der Branche rumzuhacken. Und es macht auf keinen Fall Sinn, das zu machen, was ganz viele Longevity-Nasen und Biohacker da draußen machen, die sich polypharmazietechnisch alles reinwerfen und dann sagen, ist ja irgendwo getestet worden. Denn bei Kreuz- und Wechselwirkungen sind sie dann wieder die Dunning-Kruger-Leute und denken, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Um das Thema zusammenzufassen: Big Pharma ist kein Verschwörungskreis, der versucht, euch kaputt zu machen. Im Gegenteil. Sie haben keinen Anreiz, euch eine Wunderpille zu geben, mit der ihr gar keine Eigenverantwortung mehr habt. Das gibt es nicht, das kann auch gar nicht sein. Und selbst wenn es so wäre, hättet ihr keine Eigenverantwortung mehr, dann werdet ihr abhängig von einem Dritten. Das kann niemals das Ziel sein.
Ihr seid für eure Gesundheit verantwortlich. Und wenn etwas nicht mehr in eurer Macht ist, weil ihr eine Erkrankung habt, dafür ist die Pharma da. Wenn es euch nicht gut geht, wenn ihr eine Autoimmunerkrankung habt, einen fiesen Infekt, wenn ihr eine Narkose braucht, dafür ist die Pharmabranche da.
Es ist absolut schwachsinnig, auf dieser Branche rumzuhacken und zu sagen, die machen Gewinn. Wenn sie keinen Gewinn machen würden, hätten wir die Entwicklung nicht. Ich nehme lieber eine Firma, die viel Gewinn macht und tolle Entwicklung macht, damit wir alle im Kollektiv länger und besser leben, als zu sagen, wir müssen denen jetzt das Geld wegnehmen, und dann stagnieren wir. Das ist Quatsch. Das System ist nicht perfekt, aber es gibt keine perfekte Lösung.
Deswegen sollten wir uns eher daran erfreuen, dass es bei uns in Deutschland und in der EU so gut ist, dass jeder hier noch eine sehr gute Gesundheitsversorgung erhalten kann, auch wenn sie schlechter geworden ist. Das müssen wir offen und ehrlich sagen, aber sie ist immer noch gut. Und das liegt nicht an der bösen Pharmabranche.
Vielleicht noch ein Wink mit dem Zaunpfahl am Ende, in Richtung dieser ganzen angeblichen Alternativmedikamente, die überall aufpoppen. Diese Dinge wurden nicht weiterverfolgt, weil sie sich nicht lohnen. Und mit lohnen meine ich nicht finanziell, sondern weil sie in Relation zu dem, was sie bringen, nicht ausreichen. Denn wenn sie etwas bringen würden, würde man sie einfach patentieren.
Für die Leute, die bis hierhin durchgehalten haben und sich gerne Quatsch anhören, gehe ich noch kurz in die Tiefe. Selbst für ein Peptid, das vor Ewigkeiten schon angemeldet wurde, kannst du dir Datensätze sichern lassen. Wenn du irgendein altes Peptid neu aufsetzen und damit klinische Studien machen würdest, kannst du diese Datensätze schützen lassen, sodass kein anderer sie nutzen darf außer dir. Damit hast du de facto einen Schutz. Jedes andere Unternehmen müsste diese Forschung ebenfalls bezahlen, um in den Markt zu kommen.
Selbst für dieses Konzept gibt es also eine Lösung. Mit allen möglichen Tricks kommst du auf sieben bis zehn Jahre, in denen du auch mit Dingen, die schon am Markt existieren, wenn sie denn solche Wundermittel wären, allein am Markt sein könntest.
Jetzt müssen wir aber noch einen Schritt zurückgehen, denn jeder, der das machen würde, wäre doof. Es ist ziemlich einfach, solche Dinge zu patentieren, beziehungsweise die Verfahren dahinter. Man kann den Verfahrensweg patentieren, das ist ziemlich einfach. Man kann die Applikation patentieren, auch einfach. Und gleichzeitig kann man einfach ein Derivat bauen. Wir nehmen ein Peptid, verändern es ein kleines bisschen, und dann patentieren wir dieses veränderte Peptid.
Wir hatten das bei uns in der Supplement-Industrie mit Amphetamin-Derivaten. DMAA, DMHA, DMBA, wo immer nur ein bisschen die Formel geändert wurde, und schwuppdiwupp war das Ding wieder legal. Wir haben also dieses Konstrukt, dass wir Verfahrenstechnik und Moleküle schützen können, das ist alles möglich. Die Sache ist aber: Diese Dinge waren nicht effizient genug, als dass man so viel Forschung investiert hätte.
Und wenn jemand da draußen denkt, dass er schlauer ist als Multimilliarden-Pharmakonzerne, dann tut mir das leid, dann habe ich schlechte Nachrichten. Wenn du denkst, du bist schlauer als hundert Forscher plus eine Führungsebene, die das alles überwacht. Es gibt bestimmt Dinge, die funktionieren können, aber die Problematik bleibt: Niemand weiß, wie das Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung ist.
Klar kann man darauf rumreiten und sagen, ja, aber bei mir hat es doch geholfen. Cool. Wenn es dir geholfen hat, wen kümmert es, woher es kam? Kann sein, dass es Placebo war, kann sein, dass du noch etwas anderes gemacht hast. Alles cool, mach das. Aber dann bewirb es nicht so, als würde es garantiert funktionieren.
Wenn keine Datenlage vorhanden ist, wenn man nicht klar sagen kann, diese Wirkung gibt es und diese Nebenwirkung gibt es, und du ausschließlich auf persönlicher Evidenz stehst, auf dem, was dir widerfahren ist, dann kannst du das auch gerne so ausweisen und sagen, ich fand es gut. Aber wenn du anfängst zu sagen, nein, die böse Pharmaindustrie, und die Datensätze sind eindeutig, und ich habe die Wirkungsweisen verstanden, dann bist du ein Trottel. Dann solltest du das nicht tun.
Deswegen hier noch als Abschluss: Macht das, worum ihr euch kümmern könnt. Esst gescheit, seid nicht zu schwer, macht euren Sport. Zwei- bis dreimal die Woche Krafttraining, ein- bis zweimal die Woche Cardio, die Herzrate hoch. Geh Tennis spielen, Squash, geh Fahrrad fahren, laufen, schwimmen, geh mit deinem Hund wandern, mach irgendwas.
Hauptsache Herzrate hoch, und sitz nicht den ganzen Tag auf dem Hosenboden. Vielleicht mal ein bisschen über 5.000 Schritte am Tag, das ist schon mal das erste Ziel. Eher Richtung 8.000, vielleicht 10.000, vielleicht sogar 15.000, wenn du es einbauen kannst.
Dann musst du noch darauf achten, dass du halbwegs brauchbar schläfst. Schlafroutine anpassen, kühl schlafen, dunkel schlafen, vielleicht auch zur gleichen Uhrzeit, wenn es möglich ist. Wenn es nicht möglich ist, ist das ein Lebensumstand, der nicht änderbar ist, dann ist es okay, dann musst du dich damit arrangieren.
Genauso ist es mit Stress. Deswegen erwähne ich es fast nie, weil das eine scheiß Floskel ist. Wenn mir jemand sagt, Dicker, mach dir nicht so einen Stress, ja, toll, danke. Es ist eine Floskel, trotzdem sollte man versuchen, es irgendwie zu implementieren.
Mach das, was du beeinflussen kannst. Das, was du nicht beeinflussen kannst, ist egal. Wenn du im Schichtbetrieb arbeitest und einfach nicht zu einer passenden Schlafroutine kommst, dann ist das so. Dann musst du gucken, wie du dich damit arrangierst. Fertig. Und dann ist es nicht, oh Gott, Hilfe, ich kann nicht. Nein, du kriegst es hin, garantiert. Du wirst eine Lösung dafür finden, dass du gut schläfst und dass du für dein Leben die bestmögliche Routine entwickelst und dabei die maximale Lebensqualität hast.
Darum muss man sich kümmern. Das ist leider so, das ist die Eigenverantwortung. Man kann nicht fordern, bombenmäßig zu leben und eine tolle Gesundheit zu haben, ohne etwas dafür zu tun. Das funktioniert leider nicht, man muss sich zwangsweise darum kümmern.
In dem Sinne, ich habe genug geschwätzt. Ich hoffe, ihr habt verstanden, wo ich mit dieser ganzen Pharma- und Gesundheitswesensache herkomme. Es ist alles noch deutlich komplexer und komplizierter. Aber ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen erklären, wie die Sache aussieht. Und fallt nicht darauf rein.
Nein, Big Pharma ist nicht daran interessiert, euch etwas vorzuenthalten. Im Gegenteil, wir hatten das Beispiel mit Eli Lilly und Novo Nordisk. Was hat Eli Lilly gemacht? Sie hatten mit Mounjaro eigentlich schon das beste Abnehmprodukt, und sie haben trotzdem Retatrutid entwickelt. Sie haben trotzdem eine Weiterentwicklung gemacht, weil sie gedacht haben, die anderen werden auch nicht schlafen.
Und was haben die Jungs von Novo Nordisk gemacht? Die haben Semaglutid in Tablettenform rausgebracht. Weil sie gesagt haben, spritzen ist von der Anwendung her mies, und die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen es wirklich so machen, wie man es ihnen vorgibt, ist ziemlich niedrig. Jeden Morgen eine Tablette nehmen, das wäre viel besser. Also haben sie es gemacht. Sie haben die Konkurrenz damit ausgestochen und im Wettbewerb eine Nase vorn, weil sie sagen können, guck mal, bei dem anderen musst du dich spritzen, bei mir kannst du eine Tablette nehmen.
Ein einfacher Wettbewerb. Ist genauso wie beim Schokoriegel. Der eine macht den Schokoriegel normal, der andere macht ihn mit Crunch. Wenn die Leute den mit Crunch kaufen, hat er etwas richtig gemacht. Genauso ist es in der Pharma, es ist überall das Gleiche. Es ist immer Wettbewerb. Jeder will das beste Produkt haben, damit er am meisten Umsatz macht. Nur so gibt es den Crunch-Schokoriegel und auch das fortschrittliche Medikament.
Das war ja ein tolles Ende. In dem Sinne, vielen Dank fürs Einschalten. Wir sehen uns in der nächsten Woche. Macht's gut. Ciao.
Ich habe noch etwas vergessen. Wir brauchen noch eine Call to Action. Liken, abonnieren, Kommentar. Und bitte einkaufen, damit ich nicht irgendwann an die böse Pharmaindustrie verkaufen muss. Und damit ich irgendwann Yacht fahren kann. Ich brauche eine Yacht. Yacht ist teuer. Danke, tschüss.
Produktstelle Dieser Beitrag trägt keine.
Prioritäten-Zeile Die Reihenfolge steht vor dem Detail. Die sieben Prioritäten stehen in der Prioritätenliste.
Weiterschauen und weiterlesen

Newsletter
Neue Beiträge und Videos direkt in Dein Postfach.
Mehr Folgen
Alle Folgen der Reihe stehen im Video-Feed, jede mit vollständigem Transkript.