Die Schilddrüse zahlt für das rosa Salz
Verarbeitetes Salz sei tot und belastet, das Salz aus dem Gebirge natürlich und mineralreich. Also wandert das eine aus dem Schrank und das andere hinein.
Was dabei mit hinausgeht, sagt niemand dazu. Jodsalz heißt Jodsalz, weil ihm Jod zugesetzt ist, und das ist kein Zufall und kein Zusatzstoff-Unfall. Deutschland liegt bei der Jodversorgung eher auf der knappen Seite. Jodsalz ist deshalb einer der leisesten Wege, diese Lücke im Alltag zu schließen. Genau diesen Weg macht der Tausch zu.
Bitter wird es, wenn dieselbe Person kurz vorher gelesen hat, ihre Schilddrüse brauche jetzt besondere Aufmerksamkeit. Jod ist der Baustoff, mit dem die Schilddrüse arbeitet. Wer den Baustoff aus dem Einkauf nimmt, hat die Sache, um die er sich sorgt, nicht verbessert. Gefüttert hat er ein Geschäftsmodell, das sich selbst erneuert.
Die Farbe ist eine Beimengung, kein Argument
Salz ist Natriumchlorid. Das gilt für das feine weiße genauso wie für das grobe rosafarbene. Was die Farbe macht, sind Beimengungen, und die liegen in Größenordnungen, die auf einem Teller Suppe keine Rolle spielen.
Wer seinen Mineralhaushalt jenseits von Natrium über Salz decken will, hat sich verrechnet. Mineralstoffe kommen über Lebensmittel.
Das ist kein Argument gegen gutes Salz. Ein Salz, das nach etwas schmeckt, oder Flocken, die auf dem Steak gut aussehen, sind ein kulinarisches Vergnügen und brauchen keine Rechtfertigung. Sie brauchen nur keine Gesundheitsgeschichte.
Aus einer Medikamentenfrage wurde eine Volksweisheit
Die Regel, wenig Salz zu essen, stammt aus einem sehr konkreten Zusammenhang. Sie richtet sich an Menschen, die aus medizinischen Gründen entwässernde Medikamente nehmen und gleichzeitig deutlich weniger trinken. Für diese Situation ist sie richtig. Im Volksmund ist daraus geworden: Salz ist schlecht.
Zu viel Salz ist tatsächlich nicht gut. Zum Problem wird es vor allem dann, wenn der Rest der Bilanz nicht stimmt: wenig Flüssigkeit, wenig Kalium, viel Fertigware. Wer genug trinkt und die Kaliumseite bedient, hat mit einem gesalzenen Essen kein Problem.
Für den Blutdruck gibt es eine offizielle Obergrenze. Die Weltgesundheitsorganisation setzt sie bei unter fünf Gramm Salz am Tag an, mit Quelle steht sie im Beitrag über Herz und Gefäße. Sie liegt niedriger als das, was die meisten essen, und sie bleibt gültig. Sie zeigt nur eine Seite der Bilanz.
Wo die Menge tatsächlich herkommt
Der Streuer auf dem Tisch ist selten der Grund. Salz sitzt im Brot, in der Wurst, im Käse und vor allem in Fertigem. Fertigmahlzeiten bringen bis zu fünf Gramm pro Portion mit. Das ist der obere Rand und nicht der Normalfall. Landest Du dort, ist die Tagesempfehlung mit einer einzigen Mahlzeit erreicht, bevor Du überhaupt nachgewürzt hast.
Daraus folgt eine unspektakuläre Konsequenz. Wer seine Salzmenge senken will, senkt sie über den Einkaufszettel, nicht über die Handbewegung am Herd. Und wer sie nicht senken will, gleicht die andere Seite aus: mehr trinken, mehr kaliumreiche Lebensmittel, gegebenenfalls Kaliumchlorid als Speisesalz. Das schmeckt fast identisch.
Meine Faustregel zur Flüssigkeit liegt höher als das, was die meisten hören: etwa ein Liter pro 20 Kilogramm Körpergewicht, mehr bei Hitze und bei Sport. Das ist eine Richtgröße aus der Praxis, kein Grenzwert.
Welches Elektrolytprodukt zu welcher Situation passt, steht in „Beide Gruppen kaufen das Produkt der jeweils anderen.“
Mini-FAQ
Ist Meersalz besser als Speisesalz?
Für den Geschmack vielleicht, für die Gesundheit nicht. Es bringt keine nennenswerten Mineralstoffe mit, dafür je nach Herkunft Mikroplastik. Wenn es Dir schmeckt, nimm es. Nur nicht als Gesundheitsentscheidung.
Wie viel Salz darf ich als Sportler essen?
Im Leistungssport habe ich Athleten deutlich höher gezogen als die allgemeine Empfehlung, immer zusammen mit passender Flüssigkeit und Kalium. Das ist ein Setting mit Betreuung und keine Vorlage für den Feierabendsport.
Quellen und Studien, 5
- Kein Unterschied zwischen sogenanntem echtem Salz und Speisesalz, Spurenelemente in nicht relevanten Mengen, Jodsalz gegen Jodmangel und die Folge des Tauschs für die Schilddrüse, Herkunft der Salzarm-Regel aus dem Kontext entwässernder Medikation, Salz als Problem erst bei unpassender Flüssigkeits- und Kaliumzufuhr, Fertigmahlzeiten als Salzquelle, Kaliumchlorid als Speisesalz, Faustregel ein Liter Flüssigkeit pro 20 Kilogramm Körpergewicht, hohe Salzmengen im Leistungssport zusammen mit Flüssigkeit und Kalium, Mikroplastik in Meersalz: Alexander Friedrich, „Die Wahrheit über Salz, die dir keiner sagt“, Wissen nervt! Folge 021. https://www.youtube.com/watch?v=8OrpwMTWzjY
- Hoher Salzkonsum in der westlichen Ernährung, Verhältnis Natrium zu Kalium, Faustregel zur Trinkmenge: Alexander Friedrich, „Hydration wird komplett missbraucht“, Wissen nervt! Folge 015. https://www.youtube.com/watch?v=QBY_YQRv5aA
- Offizielle Salz-Obergrenze von unter 5 Gramm am Tag und ihr Beleg: siehe „Herz und Gefäße“ (BEITRAEGE/75), dort steht die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation mit Quelle. In diesem Beitrag wird sie mit Zahl genannt und für den Beleg dorthin verwiesen.
- Der Salzgehalt einer Fertigmahlzeit steht mit Alex' Wert aus Folge 021 im Text („bis zu fünf Gramm“) und ist ausdrücklich ihm zugeschrieben. Ein Primärbeleg liegt nicht vor.
- Die Jodversorgung in Deutschland wird in „Die Pizza bleibt und der Coach muss gehen“ (BEITRAEGE/61) bereits als Lücke geführt.
