Nicht Dein Wille bricht um zwanzig Uhr ein. Dein Tagesablauf tut es.

Der Abend beginnt beim Frühstück

Ein Tag mit Kaffee am Morgen, einer Kleinigkeit mittags und der ersten ordentlichen Mahlzeit um halb acht ist kein Plan. Das ist eine Auslassung mit Nachholtermin. Bis dahin fehlt alles, was Dich hätte tragen sollen, und der Termin, an dem es nachgeholt wird, liegt genau da, wo Du ihn am wenigsten steuern kannst.

Was danach passiert, ist keine Willensfrage. Das ist Reihenfolge.

35 Gramm gegen 13 Gramm, abends gemessen

An dieser Stelle beginnt sonst der Ratschlag ohne Zahl. Es gibt eine. In einer randomisierten Studie bekamen 20 junge Frauen mit Übergewicht sechs Tage lang entweder ein Frühstück mit 13 Gramm Protein, eines mit 35 Gramm oder gar keins. Beide Mahlzeiten hatten dieselben 350 Kilokalorien. Am siebten Tag wurde gemessen, unter anderem, was am Abend gesnackt wurde.

Nur die Variante mit 35 Gramm senkte gegenüber dem Auslassen den abendlichen Griff zu fettreichen Lebensmitteln. Die Variante mit 13 Gramm tat das nicht. Das Sättigungsgefühl über den Tag lag unter beiden Frühstücken höher als ohne, unter dem proteinreichen am höchsten.

Die Studie ist klein, sie lief sechs Tage, und sie lief mit jungen Frauen, die ihr Frühstück sonst ausließen. Sie beweist keine Regel für alle. Sie zeigt etwas, das zur Praxis passt: Der Abend läuft anders, wenn der Vormittag anders lief.

Die Bilanz hat der Zeitpunkt noch nie interessiert

Und jetzt die Zeile, die in den meisten Ratgebern fehlt, obwohl sie in derselben Arbeit steht: Bei der Energiemenge des gesamten Tages fand sich kein Unterschied. Weniger am Abend bedeutete nicht automatisch weniger insgesamt.

Das ist kein Argument gegen die Umverteilung, es ist die Gebrauchsanweisung dafür. Sie kauft Dir einen ruhigeren Abend, und der ist viel wert, wenn Du sonst jeden Abend gegen Dich selbst kämpfst. Aber sie ist kein Rechentrick, der die Bilanz umgeht. Es gibt nichts, was diese Gleichung aufhebt. Wenn am Ende der Woche nichts passiert ist, dann liegt es nicht an der Uhrzeit.

Wie Du die Bilanz überhaupt abliest, ohne Dich von einzelnen Tagen verrückt machen zu lassen, steht in „Dein Bauchfett ist kein Speicher. Es ist ein Sender."

Manche starten mit einem lauteren Hunger

Es gibt Menschen mit einem von Natur aus niedrigen Hungergefühl. Für die ist eine Diät deutlich einfacher, und zwar nicht, weil sie besser sind. Andere reagieren empfindlich auf Blutzuckerschwankungen und stehen sofort im Kühlschrank.

Der Unterschied ist real und wird in der Debatte gern zu einer Charakterfrage umgedeutet, meistens von denen, die auf der leichten Seite sitzen. Wenn Du merkst, dass bei Dir mehr Druck auf dem Kessel ist als bei anderen, ist das eine Information über Deine Ausgangslage und keine über Dich. Sie ändert die Werkzeuge, die Du brauchst, nicht das Ziel.

Protein zuerst, Ballaststoffe daneben

Nichts muss vom Teller. Es muss nur früher darauf. Bring Protein in die erste Mahlzeit, in einer Menge, die man merkt, und nicht als Löffel Quark neben dem Brot. Häng Ballaststoffe dazu, weil sie die Sättigung tragen, wenn das Protein sie aufgebaut hat. Und wenn Du mittags nur eine Kleinigkeit schaffst, dann lass sie wenigstens nicht aus Getränk und Süßem bestehen.

Also: Fang morgen bei der ersten Mahlzeit an, nicht bei der letzten. Und zähl am Ende der Woche, nicht am Ende des Abends. Nicht gemeint ist der Abend, an dem Du Dich bewusst für die Pizza entscheidest. Das ist kein Heißhunger, das ist eine Bestellung.

Mini-FAQ

Muss ich frühstücken?

Nein. Die Studie oben verglich unter anderem mit dem Auslassen, und wer ohne Frühstück gut durch den Tag kommt, hat kein Problem zu lösen. Wenn Deine Abende regelmäßig entgleisen, ist der Vormittag allerdings die erste Stelle, an der ich nachsehen würde.

Bringt es etwas, abends keine Kohlenhydrate zu essen?

Für die Bilanz nichts. Was am Abend hilft, ist die Mahlzeit, die Du vorher schon gegessen hast, und nicht die Zutat, die Du am Abend weglässt.

Quellen und Studien, 3
  • Frühstück mit 13 gegen 35 Gramm Protein bei jeweils 350 Kilokalorien über sechs Tage gegen das Auslassen, 20 Teilnehmerinnen mit Übergewicht und einem mittleren Alter von 19 Jahren, geringerer abendlicher Griff zu fettreichen Lebensmitteln nur unter der höheren Proteinmenge, höheres Sättigungsgefühl unter beiden Frühstücken mit dem stärkeren Effekt unter der höheren Proteinmenge, kein Unterschied in der Energieaufnahme des gesamten Tages: Leidy HJ, Ortinau LC, Douglas SM, Hoertel HA. Beneficial effects of a higher-protein breakfast on the appetitive, hormonal, and neural signals controlling energy intake regulation in overweight/obese, „breakfast-skipping", late-adolescent girls. Am J Clin Nutr 2013;97(4):677-688. PMID 23446906. DOI 10.3945/ajcn.112.053116. Evidenz: Stufe 3, randomisierte kontrollierte Studie mit kleiner Fallzahl. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23446906/
  • Unterschiedlich hohes natürliches Hungergefühl als Ausgangslage, Empfindlichkeit gegenüber Blutzuckerschwankungen, „Es gibt nichts, was diese Gleichung aufhebt", Protein und Ballaststoffe als Richtung: Alexander Friedrich, „Du sollst fett bleiben", Wissen nervt! Folge 006.
  • Ableseregel für die Bilanz, Wochenschnitt statt Einzeltag: „Dein Bauchfett ist kein Speicher. Es ist ein Sender."

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