Fünf Minuten Blutabnahme gegen fünf Monate Vermutung.

Warum ein Termin vor dem Plan kommt

„Es liegt nicht nur an mir" denkt fast jeder irgendwann, und in zwei Fällen stimmt der Satz. Der Verbrauch in Ruhe sinkt, wenn die Schilddrüse zu wenig liefert. Ob er bei Dir gesunken ist, entscheidet ein Laborwert und nicht Dein Gefühl.

Deshalb beginnt die Sache mit einer Blutabnahme und nicht mit einer neuen Diät. Ist alles in Ordnung, liegt die Antwort in Deinem Kalorienprotokoll und nicht in Deinem Hormonhaushalt. Dann heißt der nächste Schritt: eine Woche mitschreiben.

Der Unterschied passt in eine Zwischenmahlzeit

Die Größenordnung ist der Punkt, an dem die Debatte meistens kippt, deshalb hier eine Zahl. In einer Untersuchung an 33 Menschen mit Unterfunktion wurde der Ruheumsatz zweimal bestimmt: einmal im unbehandelten Zustand, einmal nach mindestens drei Monaten mit ausreichendem Hormonersatz. Er stieg im Median von 1.330 auf 1.442 Kilokalorien am Tag, also um 8,5 Prozent.

Gut 110 Kilokalorien am Tag sind kein Nichts, und sie sind auch kein halbes Mittagessen. Sie erklären, warum es zäher läuft. Sie erklären nicht, warum sich über ein halbes Jahr gar nichts bewegt.

Die Zahl stammt aus einer Beobachtung an einer kleinen Gruppe, sie misst den Ruheumsatz und nicht Deinen gesamten Tagesverbrauch, und sie sagt nichts über Deinen persönlichen Wert. Was sie tut: Sie holt die Erwartung vom Himmel herunter, bevor Du zwei Jahre auf eine Diagnose wartest, die Dein Problem nicht allein löst. Was in Deinem Fall gilt, gehört in ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt, mit dem Laborzettel auf dem Tisch.

Die Fettleber trägt den falschen Namen

Der zweite Befund läuft in den Studien immer noch unter der Bezeichnung „nichtalkoholische Fettleber", und genau daran denkt kaum jemand bei sich selbst. Eine Meta-Analyse über 479 Untersuchungen mit rund 78 Millionen Menschen aus 38 Ländern kommt auf eine Häufigkeit von 30,2 Prozent bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen mit Adipositas sind es 57,5 Prozent. Bei Männern liegt sie mit 36,6 Prozent höher als bei Frauen mit 25,5.

Rund jeder Dritte also, und bei Adipositas mehr als jeder Zweite. Weh tut sie dabei in der Regel nicht. Deshalb findet sie nur, wer danach sucht, und deshalb steht sie in diesem Beitrag: nicht als Panikmeldung, sondern als Wert, der auf den Zettel gehört, wenn Du ohnehin gerade Blut abgibst.

Der Leberdetox ist der neue Fatburner

Und hier wird es unangenehm, weil an dieser Stelle Geld verdient wird. Die Leberreinigung ist gerade dabei, das Abnehmversprechen der Saison zu werden. Die Kausalkette, die dabei angeboten wird, geht so: Reinige die Leber, dann laufen die Schilddrüsenhormone besser, dann verbrennst Du mehr.

Diese Kette ist selbstgehäkelt. Deine Leber hat mit Deinen Kalorien wenig zu tun, und kein Aufguss stellt Deinen Stoffwechsel um. Der Weg läuft in die andere Richtung: Die Leber verfettet, weil über Jahre zu viel reinkam, und sie antwortet auf dasselbe Defizit, an dem Du ohnehin arbeitest. Wer Dir hier eine Abkürzung verkauft, verkauft Dir das Gegenteil von dem, was funktioniert.

Dieselbe Nummer läuft mit grünen Kaffeebohnen, mit 50 Milligramm Koffein in einer Kapsel und mit einem Werbeversprechen von einem Kilo pro Woche darüber. Ich baue seit Jahren Formeln und weiß ziemlich genau, was ein Wirkstoff leisten kann. Hunderte Kilokalorien am Tag verbrennt keiner davon.

Zwei Werte, ein Termin

Es sind zwei Angaben, und sie kosten dieselbe Blutabnahme. Sag in der Praxis, dass Du abnehmen willst, dass es zäh läuft und dass Du Schilddrüse und Leber abgeklärt haben möchtest, bevor Du weiter an Dir zweifelst. Was genau gemessen wird und in welchem Rhythmus, entscheidet die Praxis und nicht dieser Text.

Also: Geh hin, bevor Du an Deinem Plan zweifelst. Sind beide Werte sauber, liegt die Antwort wieder da, wo sie vorher lag, auf Deinem Teller. Und sind sie es nicht, ändert der Befund das Tempo und nie die Richtung.

Mini-FAQ

Ich habe eine Unterfunktion und nehme trotzdem nicht ab. Woran liegt es?

Vermutlich an derselben Stelle wie bei allen anderen auch. Die Unterfunktion verschiebt Deinen Verbrauch in der Größenordnung, die oben steht, und ist gleichzeitig eine bequeme Erklärung für alles, was sonst noch nicht passt. Beides kann zugleich wahr sein. Prüf die Portionsgrößen, bevor Du an der Dosis zweifelst, und sprich über die Dosis mit der Praxis, die sie eingestellt hat.

Was bringt eine Leberkur?

Für Dein Gewicht nichts. Was der verfetteten Leber hilft, ist das Kaloriendefizit, an dem Du ohnehin arbeitest, und was in Deinem Fall sonst noch sinnvoll ist, klärt eine Praxis anhand Deiner Werte.

Quellen und Studien, 5
  • Ruheenergieverbrauch im unbehandelten Zustand im Median 1.330 Kilokalorien pro 24 Stunden gegenüber 1.442 nach mindestens drei Monaten ausreichendem Hormonersatz, ein Anstieg um 8,5 Prozent, 33 ausgewertete Teilnehmende: Maushart CI, Loeliger R, Gashi G, Christ-Crain M, Betz MJ. Resolution of Hypothyroidism Restores Cold-Induced Thermogenesis in Humans. Thyroid 2019;29(4):493-501. PMID 30724123. DOI 10.1089/thy.2018.0436. Evidenz: Stufe 4, Beobachtungsstudie. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6482913/
  • Häufigkeit der nichtalkoholischen Fettleber von 30,2 Prozent bei Erwachsenen (95-Prozent-Konfidenzintervall 28,8 bis 31,7), 57,5 Prozent bei Erwachsenen mit Adipositas, 36,6 Prozent bei Männern und 25,5 Prozent bei Frauen, aus 479 Studien mit 78.001.755 Teilnehmenden aus 38 Ländern: Amini-Salehi E, Letafatkar N, Norouzi N, et al. Global Prevalence of Nonalcoholic Fatty Liver Disease: An Updated Review Meta-Analysis comprising a Population of 78 million from 38 Countries. Arch Med Res 2024;55(6):103043. PMID 39094335. DOI 10.1016/j.arcmed.2024.103043. Evidenz: Stufe 2, Meta-Analyse und systematische Übersichtsarbeit. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39094335/
  • Schwere Schilddrüsenerkrankung als Faktor, der den Grundumsatz senkt, ohne die Kalorienbilanz aufzuheben; „Deine Leber hat mit deinem Stoffwechsel, deinen Kalorien nicht wirklich so viel zu tun"; die Leberreinigung als neuer Fatburner und die selbstgehäkelte Kausalkette über die Schilddrüsenhormone; grüne Kaffeebohnen und 50 Milligramm Koffein mit dem Versprechen von einem Kilo pro Woche: Alexander Friedrich, „Du sollst fett bleiben", Wissen nervt! Folge 006.
  • Ableseregel für die Bilanz und die Woche als Bewertungsfenster: „Dein Bauchfett ist kein Speicher. Es ist ein Sender."
  • Welche Werte auf den Standardzettel gehören und was ein einzelner Ausschlag bedeutet: „Der gefährlichste Wert tut nicht weh."

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