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Warum Kalorien-Tracking Bullshit ist
Alexander Friedrich
·17 Min
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Transkript Wort für Wort, zum Aufklappen.
Alle Kalorienangaben, die du liest, sind wahrscheinlich nicht korrekt. Doof, ne? Aber das ist leider die Wahrheit, denn bei Lebensmitteln haben wir immer eine Abweichung. Ihr bekommt Durchschnittswerte ausgewiesen. Noch interessanter ist, dass die meisten Lebensmittel einfach errechnet werden.
Nicht alle Lebensmittel werden für Big-7-Analysen eingeschickt. Und wenn sie es werden, wird daraus ein Mittelwert gebildet. Wieso? Relativ logisch, es sind Lebensmittel. Oder, selbst wenn sie hochverarbeitet sind, haben sie immer noch einen natürlichen Ursprung und unterliegen damit ganz normal Schwankungen. So kann es sein, dass Nährwerte um bis zu 20 Prozent abweichen.
Ich weiß, dass jetzt der eine oder andere mit blankem Entsetzen im Gesicht dasitzt und denkt, Mist, dann sind meine getrackten Kalorien ja alle für die Tonne. Die Antwort darauf ist: Ja, das ist leider wirklich so.
Deswegen ist es auch so wichtig, wenn man seinen Kalorienhaushalt zum ersten Mal bestimmt oder neu justieren möchte, dass man sehr konstant isst, immer wieder das Gleiche, um sicherzugehen, dass die Lebensmittel zumindest nicht stark schwanken. Es kann trotzdem sein, dass die Hähnchenbrust mit 22 Gramm Protein ausgewiesen wird und nur 20 hat. Das nächste Stück, das du kaufst, hat vielleicht 22,5.
Und deshalb ist es meiner Meinung nach nicht schlau, sich extrem auf Kalorienzahlen zu fokussieren, also eine Obsession darüber aufzubauen. Das passiert bei uns leider öfter, das hatten wir schon beim Thema Fitnessindustrie.
Aber das ist etwas, das relativ wichtig ist und viele nicht wissen: dass die meisten Kalorienangaben, die ihr auf Lebensmitteln seht, gerade wenn es keine Monoprodukte sind, errechnet werden. Aus Datenbanken. Klar kann man Big-7-Analysen machen, viele machen die auch, aber am Ende werden immer Durchschnittswerte auf die Lebensmittel draufgepackt.
Böse Zungen würden jetzt behaupten, das sind immer die guten Versionen davon, man schielt immer in die bessere Richtung. Aber gut, das würde wahrscheinlich jeder machen, der sein eigenes Produkt promoten möchte.
Deswegen möchte ich an dieser Stelle das Thema Kalorien nochmal hervorheben. Ihr müsst verstehen, wie viele Kalorien ihr ungefähr verbraucht, um das einschätzen zu können. Löst euch von den absoluten Zahlen. Ihr werdet es nicht schaffen, alles zu hundert Prozent genau zu wissen, denn alles um euch herum schwankt.
Das ist ein leicht philosophischer Ansatz, denn dieses Chaos um euch herum wird immer da sein. Deswegen: gemütlich durch die Hose atmen und verstehen, wie man seinen Kalorienbedarf modellieren kann, indem man mehr Aktivität einbaut oder weniger isst.
Wenn ihr sagt, ich esse aber alles korrekt: doppelt und dreifach überprüfen, seid ihr wirklich in einem Defizit? Denn wenn ihr in einem Defizit seid, nehmt ihr ab. Wenn ihr denkt, ihr seid in einem Defizit, und nehmt trotzdem nicht ab, dann seid ihr nicht in einem Defizit. Oder ihr macht zu wenig, oder ihr überschätzt euren Kalorienverbrauch.
Ich will in dieser Folge noch ein bisschen auf die Lebensmittelindustrie zurückkommen, weil das so ein Hotbed für Schwurbel ist. Nach dem Motto, da kann ja so viel passieren, das ist ja alles vergiftet. Das stimmt nicht. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen und sagen, dass die Lebensmittelqualität in Deutschland extrem gut ist.
Auch die Debatte Bio gegen Nicht-Bio ist meiner Meinung nach maßlos aufgeblasen worden. Ich möchte mich da nicht genau positionieren. Denn es gibt tolle Bio-Lebensmittel, aber es gibt auch Bio-Lebensmittel, die keinen Mehrwert bieten oder von den Nährwerten sogar schlechter sind als ihre Nicht-Bio-Kollegen.
Das ganze Thema Bio lässt sich, zumindest bei pflanzlichen Sachen, einfach zusammenfassen: Kauft das, was euch am besten schmeckt. Wenn euch die Bio-Gurke besser schmeckt als die normale Gurke, dann kauft die Bio-Gurke. Kauft sie aber nicht, weil da angeblich so viele tolle Nährstoffe drin sind oder weniger Pestizide. Dafür ist die Grundlage bei manchen Dingen gegeben, aber wenn ihr keine Bio-Sachen kauft, bedeutet das nicht, dass ihr schlechter dasteht. Bio macht dich nicht per se gesünder. Und was viele daraus ableiten, dass Nicht-Bio-Sachen ungesund wären, stimmt nicht.
Wenn wir schon beim Thema Lebensmittel sind, können wir auch gleich noch etwas aufräumen, das immer wieder neu in den Medien aufgekocht wird: das Thema Hähnchen. Bio, nicht Bio, antibiotikaresistente Keime, auch auf Bio-Hähnchen.
Das Problem sind nicht die Keime. Denn wenn ihr Hähnchen richtig zubereitet, also richtig kocht, bratet oder in die Heißluftfritteuse werft, werden alle Keime abgetötet. Das sollte jedem bewusst sein, deswegen soll man Geflügel durchbraten.
Das Problem ist das Handling von Geflügel. Viele kommen auf die glorreiche Idee, ihr Hähnchen in der Spüle abzuwaschen, teilweise sogar mit Spülmittel, das habe ich auch schon gesehen. Da hast du richtig einen am Helm. Das bringt erstens nichts, weil du damit keine Bakterien plattmachst. Und zweitens verteilst du diese antibiotikaresistenten Keime in deiner Küche, weil das Wasser spritzt und du nicht weißt, wohin. Und wenn du deine Spüle danach nicht sehr penibel reinigst, kann es sein, dass du in geistiger Umnachtung irgendwo hinfasst, dir dann den Finger in die Nase steckst und dich damit infizierst.
Trotzdem ist das ein Schreckgespenst, das jedes Jahr freigelassen wird. Alle sagen, oh Gott, Hähnchen hat antibiotikaresistente Keime, und wenn die dich erwischen, hast du ein Problem. Deswegen geht man mit Geflügel so um: rausnehmen, von mir aus marinieren, und dann ab in die Pfanne, den Ofen oder die Fritteuse. Dann habt ihr das Problem nicht. Hitze tötet Bakterien. Solange du nicht am rohen Hähnchen nuckelst, alles super. Und Bio oder nicht Bio macht dabei keinen Unterschied.
Wo es einen Unterschied macht, ist beim Tierwohl. Deswegen habe ich bei den Bio-Sachen vorhin nur Gemüse und Früchte angesprochen. Da müssen wir offen und ehrlich sein: Das Tierwohl steigt mit der Haltungsform. Meine persönliche Meinung dazu: Wenn ihr die finanziellen Möglichkeiten habt, eine bessere Haltungsform zu kaufen, tut das. Wenn es nicht geht, verstehen und akzeptieren, bitte nicht schuldig fühlen. Aber dann vielleicht darauf achten: Muss es denn das Rind aus der Stallhaltung sein? Oder kann ich auch mal auf ein anderes Lebensmittel ausweichen? Vielleicht mal die vegetarischen Alternativen anschauen, die übrigens sehr lecker sind. Man muss sich nur ein bisschen damit auseinandersetzen. Da gibt es tolle Sachen, die man für schmalen Taler gut zusammenbekommt.
Gerade was die Kulinarik angeht, ich habe es in einem Video schon mal gesagt: Ihr solltet kochen lernen. Das hilft extrem. Vielleicht doch mal die eine oder andere Kochsendung anschauen oder ein Kochbuch kaufen.
Wir sind aber weiterhin bei der Lebensmittelindustrie. Wir haben festgestellt, dass die Etiketten nicht hundertprozentig korrekt sind, weil es ein natürliches Lebensmittel ist und weil das errechnet wird. Und jetzt denkt der eine oder andere, oh Gott, dann haben die Schwurbler ja recht, da wird ja gar nichts kontrolliert.
Nein. Ihr müsst euch mal anschauen, wie oft Dinge überhaupt zurückgezogen werden, also wie oft Rückrufaktionen kommen. Das ist verschwindend gering für die unfassbare Menge an Lebensmitteln, die wir produzieren.
Wir haben auf der Lebensmittelseite extrem hohe Anforderungen an Fertigungsprotokolle, ähnlich wie bei Supplementen, mit IFS und vielen anderen Zertifikaten. Wo ihr Reinigungskonzepte haben müsst, wo bis ins kleinste Detail ein Audit geführt wird: Wie ist die Maschine gereinigt, was ist gemacht worden. Die Lücken, in denen etwas durchgehen könnte, wo man auch mal betuppen könnte, sind wirklich verschwindend gering. Das sehen wir an der Lebensmittelqualität.
Das bedeutet nicht, dass keine Fehler passieren können, deswegen gibt es diese Rückrufaktionen. Aber meistens sind diese Rückrufaktionen nicht deswegen, weil ein Lebensmittel kippt, sondern weil eventuell ein Metallteil drin sein könnte, ein Glasteil oder etwas anderes, das sich während der Produktion von der Maschine gelöst hat. Das ist normal, wenn eine Maschine arbeitet und sich bewegt und dann irgendwo etwas ausbricht. Dann muss man die ganze Charge zurückholen, weil es theoretisch in jedem Produkt drin sein könnte. Dafür kann niemand etwas, das kann jedem passieren. Nur ist es dann immer ein riesengroßer Aufschrei.
Es kann auch passieren, das hatten wir bei Süßwarenherstellern, dass Probleme mit den Lebensmitteln selbst auftreten. Aber das ist so verschwindend gering, dass ihr euch dadurch nicht emotional aufladen lassen solltet, nach dem Motto, die Lebensmittelindustrie vergiftet uns.
Darüber haben wir schon gesprochen, beim Thema E-Nummern. Wenn wieder ein Schwurbler sagt, da sind Zusatzstoffe drin, die machen dich kaputt, da ist E 300 drin, das böse Vitamin C, oder die gemischten Tocopherole, das ganz böse Vitamin E. Quatsch.
Ihr müsst immer bedenken: Die Leute, die euch so etwas erzählen, wollen eine Meinung machen, euch als Follower gewinnen oder ihre eigene Agenda pushen, damit ihr deren Produkte kauft. Das ist perfides Marketing, und es ist allgegenwärtig. Wer das nicht annehmen mag, läuft vielleicht mit ein paar Scheuklappen durchs Leben.
Zurück zu den Lebensmitteln: Die Lebensmittelindustrie ist sehr streng überwacht, ihr braucht euch da keine Sorgen zu machen. Wenn euch wieder ein Neuzeitprophet erzählt, das sei schlecht und das gut, und er habe hier eine Studie gefunden, obwohl er eigentlich nicht an Studien glaubt und sie zwar gerade so lesen, aber nicht verstehen kann: entspannen. Meistens werden diese Dinge viel zu heiß gekocht, und am Ende ist nichts dran.
Wir hatten zum Beispiel die Debatte bei Margarine, das war auch ein Riesending. Jetzt ist die Butterfraktion groß. Ich esse auch jeden Tag Butter, ich mag mein Ei mit Butter, ich mag es einfach nicht mit anderen Sachen.
Ist Butter jetzt ein Superfood? Nein. Ist Butter ein gesundes Lebensmittel? In Maßen kannst du sie essen. Für die Klassifizierung als gesundes Lebensmittel: nein. Wir sollten sowieso nicht in gesund und ungesund klassifizieren, dadurch verliert man eine gewisse Maßhaltung.
Gleichzeitig heißt das aber auch, dass Margarine nicht per se schlecht ist. Gehärtete Pflanzenfette auf Basis von Palmöl sind nicht gut. Aber es gibt beispielsweise auch Margarine mit Rapsöl und Olivenöl, die streichzart ist. Die ist nicht schlecht. Wenn da so gut wie kein Palmöl drin ist und keine gesättigten oder Transfettsäuren, die in der EU mittlerweile sehr stark reguliert sind, da darf fast nichts mehr an Transfetten drin sein, dann ist die Margarine tatsächlich gesünder als die Butter. Vorausgesetzt, man isst viel davon.
Und viele Influencer oder Health-Gurus erzählen euch das trotzdem nicht. Das ist eine perfide Taktik, euch einfach nicht die ganze Wahrheit zu erzählen. Entweder wissen sie sie nicht, weil sie zu doof sind, aber trotzdem genug Selbstvertrauen haben, sich ins Internet zu setzen und dafür Scheiße zu labern. Oder sie erzählen es euch mit Absicht nicht, und dann sind wir wieder bei der Meinungsmache.
Deswegen ist es sehr wichtig, alle Informationen, auch die, die ihr von mir bekommt, zu validieren und zu hinterfragen. Das ist nervtötend, das kann ich verstehen. Aber nur so werdet ihr faktisch nicht verarscht. Ihr könnt ja selbst entscheiden, ob ihr euch das weiter anhört oder nicht.
Und grundsätzlich ist jedes Extrem, das euch suggeriert wird, Quatsch. Nichts ist extrem gesund und nichts ist extrem ungesund. Außer Rauchen und Saufen, aber das sollte klar sein.
Bei der Lebensmittelindustrie kann man als Fazit schnell einen Strich drunter setzen: Wir haben eine sehr hohe Lebensmittelqualität. Bio ist dem Nicht-Bio nicht pauschal überlegen. Beim Tierwohl, kleiner Exkurs, immer das Bestmögliche kaufen, was geht. Das ist aber eine persönliche Meinung, wenn ihr das anders seht, wer bin ich, es euch zu verbieten. Ich würde es trotzdem so tun.
Und macht euch bei der ganzen Kalorienthematik nicht so verrückt, nach dem Motto, ich habe heute eventuell 50 Kalorien zu viel gegessen, oder ich bin jetzt mit 100 Kalorien im Defizit und nehme trotzdem nicht ab. Entwickelt auch da das Verständnis: Vielleicht passt das nicht. Vielleicht habe ich etwas falsch getrackt, vielleicht stimmen die Kalorienangaben nicht genau. Es sind alles Durchschnittswerte.
Löst euch davon, jeden Tag exakt 100 oder 150 Kalorien im Defizit sein zu müssen. Denkt in Wochen, denkt in Monaten, und entspannt euch allgemein etwas. Dieses allgemeine Entspannen solltet ihr euch auch für die Lebensmittelindustrie zu Herzen nehmen und euch nicht instrumentalisieren lassen, dass das eine Olivenöl jetzt katastrophal ist, dass Butter besser ist als Saatenöle, dass Saatenöle Satan sind. Passende Assoziation. Alles Quatsch.
Lasst euch nicht emotional aufladen. Versteht die Sachen, die ihr konsumiert. Dann ist alles halb so wild. In dem Sinne wünsche ich guten Hunger, viel Kulinarik, und esst nicht zu viel Butter oder Saatenöle. Denn ihr könnt euch auch mit den tollen Saatenölen ganz schön fett futtern.
Vielen Dank fürs Einschalten, heute eine kurze Episode. Liken, kommentieren, Daumen hoch, schickt es der Oma, der Schwester, dem Bruder, der Tante, dem Onkel. In dem Sinne, tschüss.
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