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Der naturalistische Fehlschluss
Alexander Friedrich
·29 Min
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Transkript Wort für Wort, zum Aufklappen.
Hallihallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge eures Lieblingsformates. Wissen nervt, mit eurem Lieblingshost, dem Mann mit kreisrundem Haarausfall, dem professionellen Klugscheißer, dem Nervtöter, dem Besserwisser, oder was auch immer in der Kommentarspalte erscheinen mag.
Heute gibt es ein sehr feines Thema, nämlich den naturalistischen Fehlschluss. Klingt verrückter, als es ist. Übersetzt heißt es, dass jeder da draußen denkt, weil etwas natürlich ist, sei es auch automatisch gesund. Und was sich daraus ableitet, und das ist eigentlich das viel Schlimmere: dass viele Leute denken, es sei hochverarbeitet und deswegen ungesund. Was nicht korrekt ist. Damit sollten wir heute aufräumen.
Wir fangen damit an, woher diese Assoziation kommt. Denn wir verbinden mit der Natur immer schöne Dinge. Entspannung, tolle Luft, wir gehen durch den Wald, wir spazieren, wir entspannen uns, es ist gut. Holistisch, es kommt von der Erde, es ist gut für uns. Und das ist zu einem gewissen Teil auch korrekt, viele Monoprodukte aus Gemüse sind wirklich gut. Aber es bedeutet nicht, dass alles, was aus der Natur kommt, gut ist.
Es gibt viele Dinge, die aus der Natur kommen und euch sehr schnell unter die Erde bringen. Und es bedeutet vor allen Dingen nicht, gerade wenn man das Marketing dazuzieht, dass Dinge, die hochverarbeitet sind, automatisch schlecht sind. Dieses Hochverarbeitete wird gefühlt immer größer.
Das Problem, das ich an der ganzen Sache sehe: Es ist nicht mal mehr klassischer Schwurbel, sondern es ist durch alle Schichten durchgedrungen. Was ich damit explizit meine: Viele Menschen haben mittlerweile Angst vor E-Nummern, vor Konservierungsmitteln und vor einer langen Zutatenliste. Wo sich dann irgendwelche Neuzeitpropheten ins Internet setzen und sagen, die Zutatenliste hat mehr als drei Zutaten, damit ist es automatisch ungesund. Das ist dumm. Es ist falsch und dumm, weil man so ein Lebensmittel nicht klassifizieren kann.
Und das Problem ist, dass wir uns hierbei, genau wie in den anderen beiden Folgen, wieder von der Datenlage und von der Wissenschaft entfernen. Wir sind wieder bei Fühli-Fühli angekommen, kombiniert mit einem Haufen Marketing. Da sollten wir etwas aufholen.
Deswegen fange ich bei den hochverarbeiteten Lebensmitteln an und versuche, ein paar Definitionsgrundlagen zu setzen. Als Erstes: Was ist ein hochverarbeitetes Lebensmittel? Das möchte ich an einem Beispiel machen, das perfekt zu uns passt, weil es ein Supplement ist, nämlich Proteinpulver.
Proteinpulver ist nichts anderes als ein hochverarbeitetes Milchprodukt. Viele denken jetzt, es ist hochverarbeitet, dadurch ist es ungesund. Dabei ist es genau das Gegenteil. Denn wir haben durch die Verarbeitungsschritte die Möglichkeit, immer weniger Kohlenhydrate und Fette im Produkt zu behalten und immer mehr Protein, beispielsweise in einem Whey-Protein-Isolat.
Dadurch haben wir ein Lebensmittel, das extrem hoch im Proteingehalt ist, dabei verträglich und so gesehen einzigartig. Aus Convenience-Aspekten ist es super, weil es sehr einfach den Proteinhaushalt am Tag pushen kann. Es ist für ganz viele Dinge einsetzbar, man kann den Geschmack einfach verändern, es ist einfach zu produzieren und immer verfügbar.
Das ist ein Paradebeispiel für ein hochverarbeitetes Lebensmittel, das sogar extrem gesund ist, wenn man die Perspektive von Makronährstoffen und Kalorien einrechnet. Und der eine oder andere merkt es jetzt: Makronährstoffe und Kalorien sind hier das Wichtigste, und nicht, ob es verarbeitet ist oder nicht.
Als Paradebeispiel für ein gutes hochverarbeitetes Lebensmittel steht also das Whey-Protein oder das Whey-Protein-Isolat. Als Beispiel für ein nicht so tolles hochverarbeitetes Lebensmittel die klassische Tiefkühlpizza. Jetzt denken alle, wusste ich, die ist immer schlecht. Das liegt aber nicht daran, dass sie hochverarbeitet ist. Da ist ein bisschen Wurst drauf, die verarbeitet ist, dann ist da der Teig, oh Gott, in dem Teig sind ganz viele E-Nummern und Konservierungsmittel. Das ist alles auf gut Deutsch scheißegal, das ist nicht das Problem.
Das Problem an der Tiefkühlpizza sind die Kalorien und oftmals die nicht gute Verteilung der Makronährstoffe, die zu diesen hohen Kalorienmengen führt. Und hier sei nochmal gesagt: Es liegt ausschließlich an den Kalorien und an den Makronährstoffen, nicht an bösen Konservierungsmitteln. Denn wir haben sehr strenge Lebensmittelgesetze, und all diese Zusätze sind ziemlich gut durchleuchtet.
Was aber viele immer noch nicht verstanden haben: Viel zu viele Kalorien mit schlechten Makronährstoffen zu essen und damit nicht genug Ballaststoffe und Protein reinzukriegen, das ist ganz schön scheiße. Das ist die Komposition, die das eigentliche Problem ist. Deswegen ist auch die Tiefkühlpizza per se nicht schlecht. Sie wird schlecht, wenn du jeden Tag eine isst, wenn du dich ausschließlich davon ernährst, die Kalorien sprengst und keine passende Makroverteilung hast.
Vielleicht merkt ihr jetzt, was das Problem ist. Ultrahoch verarbeitete Lebensmittel sind oft Lebensmittel mit sehr vielen Kalorien und sehr viel Salz, weil sie eine Convenience-Nische abdecken. Neben der Tiefkühlpizza gibt es Fertiggerichte aus dem Kühlregal. Die sind auch nicht per se schlecht, sie haben aber oft extrem viel Salz und viele Kalorien. Diese Mahlzeiten sind Convenience-Artikel, sie sind dafür da, Lücken zu füllen. Deswegen gibt es Fast Food.
Das bedeutet nicht, dass Fast Food und diese Convenience-Artikel super toll sind, sondern sie sind für einen gewissen Zweck gemacht worden. Und wenn du sie zweckentfremdest, ist das nicht gut. Deswegen haben ultrahoch verarbeitete Lebensmittel so eine schlechte Reputation, denn viele haben dort nicht das Wissen. Sie verstehen nicht, dass diese Dinge extrem viele Kalorien haben und oft nicht optimal von den Makronährstoffen sind. Allein dieser Punkt wird immer und überall übersehen.
Oft ist es so, dass gesunde, natürliche Lebensmittel weniger Kalorien enthalten, weil sie Monoprodukte sind. Man hat ja direkten Einfluss darauf, wie viel in der fertigen Mahlzeit landet. Wenn du ein paar Karotten schnibbelst, Gurken, ein bisschen Paprika, und dann dein Fleisch anbrätst, hast du permanent Einfluss darauf, wie viel Öl du nutzt. Nutzt du auch Öl, um dein Gemüse anzubraten? Machst du dir eine Soße dazu? Wenn du dir eine Soße machst, hast du die volle Kontrolle darüber. Wenn du fertige Lebensmittel kaufst, hast du diese Kontrolle nicht.
Und das Problem ist, da kommen wir wieder zu den Kalorien und den Makronährstoffen, dass die Bildung nicht stark genug ist. Dadurch wird man sehr empfänglich für Marketing. Und dieses Marketing wird gerne von den Schwurblern genutzt und natürlich auch von der Lebensmittelindustrie.
Wieso machen sie das? Machen sie das als Verschwörung? Wollen sie alle kaputt machen? Nein, sie reagieren auf den Markt. Wenn du ein Lebensmittelunternehmen bist, verarbeitete Lebensmittel produzierst und siehst, dass gigantische Kampagnen gegen deine Produkte laufen, dann sagst du, okay, jetzt produziere ich unverarbeitete Lebensmittel und hate meine eigenen verarbeiteten mit, damit ich die abgreife, die sowieso nicht bei mir kaufen würden.
So haben wir diese extremen Lager, die sich gebildet haben, wo Leute permanent etwas behaupten, was gar nicht korrekt ist. Oder wilde Claims, wo dann plötzlich die Haferflocken laktosefrei sind. Da haben wir schon alles gesehen. Hauptsache natürlich, je weniger verarbeitet, desto besser, es darf bloß nichts drin sein, denn was verarbeitet ist, ist ja automatisch schlecht.
Und dann kommen, wie eingangs gesagt, immer Dinge wie Konservierungsmittel und E-Nummern. Da ist eine E-Nummer drin, das ist todesungesund. Und dann ist die E-Nummer Vitamin C. Und dann kommt wieder, oh, da ist ja Ascorbinsäure drin. Das ist übrigens auch Vitamin C. Oder Zitronensäure. Und wieso machen die das? Und da ist ein Verdickungsmittel drin, oh Gott.
Um das nochmal festzuhalten: All diese Dinge sind, explizit in Europa, getestet. Der Schwurbel importiert gerne Dinge aus Amerika, aber Amerika macht Dinge anders als Europa. In Amerika gibt es das GRAS-System, da werden Dinge gerne zugelassen, bis sie als schlecht ausgewiesen sind. In Europa machen wir es umgekehrt: Es ist nicht erlaubt, bis es als sicher ausgewiesen ist. Und dann darf man es nutzen. Nur einmal so zwischendrin.
Heißt, der naturalistische Fehlschluss ist im Endeffekt ein Marketinginstrument, das auf der Unwissenheit des Endkunden aufbaut. Wir erschaffen eine Angstsituation. Wir sagen dir, pass auf, das ist hochverarbeitet, das ist nicht gut für dich, dadurch wirst du fett. Weil die meisten keine Ahnung von Kalorien und Co. haben, denken sie, ich werde fett, weil da E-Nummern drin sind, und mein Körper verschlackt, und deswegen muss ich einen Detox machen. Diese Scam-Kette wird gigantisch.
Je schneller man das versteht und hinter die Kulissen schaut, desto perfider wird es. Auf der anderen Seite kann man dieses System dann aber auch viel schneller durchbrechen.
Grundsätzlich ist es natürlich eine gute Idee, so unverarbeitet wie möglich zu kochen, weil man dadurch mehr Kontrolle hat. Darum geht es. Es liegt nicht daran, dass alles super toll mono ist, sondern dass man mehr Kontrolle hat und sich automatisch mehr mit den Lebensmitteln befasst. Das ist ein positiver Aspekt, weil man ja will, dass sein Essen schmeckt. Deswegen finde ich das auf der einen Seite schlecht und auf der anderen Seite gut, weil es Leute dazu bringt, sich mit ihren Lebensmitteln auseinanderzusetzen.
Es wird dann ein Problem, wenn es in die radikale Richtung abdriftet, wo wieder gesagt wird, es sind Konservierungsmittel drin, es ist schlecht. Das ist leider, weil Essen so ein emotionales Thema ist, ein Problem.
Da muss man vorsichtig sein und auf die Dinge runterbrechen, die wirklich wichtig sind. Die Makronährstoffe sind das, was am Ende zählt. Wie viel Fett nehme ich zu mir, wie viele Ballaststoffe, wie viel Protein. Denn daraus bilden sich die Kalorien. Dann sekundär: Esse ich genug Protein, habe ich ausreichend Fett, welche Fettquellen nutze ich, habe ich genug Ballaststoffe, und Kohlenhydrate so, dass wir nicht zu viel essen und nicht alle übermäßig fett werden. Darum dreht sich alles.
Bei den verarbeiteten Lebensmitteln achtet einfach darauf, dass ihr diese Parameter einhaltet, wenn ihr sie nutzt. Dann ist das überhaupt kein Problem. Denn, nochmal zum Festhalten: Verarbeitete Lebensmittel sind primär dann ein Problem, wenn sie keine passende Makronährstoffverteilung haben und viele Kalorien mitbringen.
Theoretisch sind alle Süßigkeiten hochverarbeitet. Und das Problem bei Süßigkeiten ist nicht, dass sie hochverarbeitet sind, sondern dass man sie sehr schnell und sehr einfach essen kann und damit sehr viele Kalorien zu sich nimmt, die den Kalorienhaushalt sprengen. Deswegen wird man fett. Das ist das Problem.
Jetzt waren wir die ganze Zeit bei den Lebensmitteln. Es gibt noch einen Aspekt, der mir als gesundheitsorientiertem Menschen sehr wichtig ist. Denn neben den natürlichen Lebensmitteln, die ja teilweise auch einen positiven Einfluss haben, aus allen Gründen, die ich gerade genannt habe, gibt es auch noch die Ebene der Schwurbelheilkunde. Das ist wohl der beste Begriff dafür. Und da wird es wirklich kritisch, da muss man ein bisschen auf den Tisch hauen. Denn das ist teilweise grob fahrlässig.
Mein Lieblingsthema sind hier immer Mütter, die neu die natürliche Küche entdeckt haben. Ich entsafte jeden Tag 15 Kilo Obst, weil das ist ja natürlich und gut. Kurze Unterbrechung: Man kann sich auch mit natürlichen Dingen wie Früchten gottlos fett fressen und sich damit gesundheitlich ins Aus katapultieren. Ja, das geht. Auch wenn man 40 Bananen am Tag frisst, ist das keine gute Idee. Ich habe absichtlich das Wort fressen genutzt, denn kein normaler Mensch kommt auf die Idee, 40 Bananen am Tag zu essen, außer er hat einen am Helm, weil ihm jemand suggeriert hat, dass das gut ist.
Die Thematik, die ich aber ansprechen wollte, ist dieser Natürlichkeitsaspekt, wenn es um Medikamente geht, um Behandlungen und allgemein um Gesundheit. Und das ist wohl das gravierendste Problem. Viele denken, böse Pharmaindustrie, die wollen alle vergiften. Wer das Video von letzter Woche gesehen hat, weiß, dass das Quatsch ist. Aber viele wissen das nicht, und deswegen machen sie es.
Wenn Kinder dann Probleme haben, Fieber haben, und man hat nur Hausmittelchen und sagt, meine Kinder kriegen bloß keine Medikamente, sie sollen bloß nicht geimpft werden, weil die sind ja alle böse: Dann ist das nicht nur grob fahrlässig, sondern es führt zwangsläufig dazu, dass Menschen schwerwiegende Konsequenzen davontragen.
Ich habe das Glück, mit sehr vielen Ärzten und Leuten aus dem Krankenhaus in Kontakt zu sein. Erst vor ein paar Tagen hat mir wieder jemand geschrieben: Ich arbeite hier gerade im Krankenhaus und schaue mir an, was hier reinkommt. Ich habe allein in den letzten drei Tagen zwei Leute hier, die aufgrund von Schwurbel wirklich, auf gut Deutsch, am Arsch sind. Von Nierenproblemen und Herzproblemen bis zu unbehandelten Erkrankungen, die sich auf deine Lebensqualität und darauf, wie alt du wirst, maßgeblich auswirken können.
Wo Leute auf die Idee kommen, ich saufe jetzt Chlorlösung, weil mir irgendein Guru im Internet das gesagt hat. Da wird dieses Argument, das auch für die Lebensmittelindustrie genutzt wird, dieser naturalistische Fehlschluss, ad absurdum geführt. Und Leute glauben blind irgendwelchen Menschen, dass Zitronenwasser Aids heilt, dass man Zitrone mit Salz trinken muss und dann keinen Krebs mehr hat. Und iss doch die Beere, die Beere ist das Stärkste, was gegen Krebs hilft.
Kurze Unterbrechung. Keine Beere, die es da draußen gibt, heilt Krebs. Sie schützt auch nicht vor Krebs. Sie kann vielleicht etwas unterstützen im Rahmen eines guten Lebensstils und einer guten Ernährung. Aber sie wird garantiert nicht vor Krebs schützen, und erst recht kann diese Beere keinen Krebs behandeln. Auch keine Vitamin-C-Infusion. Und da ist plötzlich das Vitamin C in Ordnung, wenn es synthetisch ist. Aber im Lebensmittel ist es die böse Ascorbinsäure.
Das ist ein essenzielles Problem, und das ist neben dem klassischen Schwurbel wirklich weit verbreitet. Dass Leute denken, Medikamente machen mich krank, das darf ich nicht nehmen. Das ist der Worst Case, der überhaupt passieren kann.
Und gerade weil ich die Kinder angesprochen habe: Wenn Mutti neu ihren holistischen Selbstfindungsweg eingeschlagen hat, den möchte ich nicht pauschal bashen, nur kurz, um die Comedy zu unterbrechen. Wenn das aber abdriftet und man die eigenen Erfahrungen auf seine Kinder projiziert und sagt, ich habe gemerkt, wenn ich keine Kopfschmerztablette mehr nehme, fühle ich mich freier, deswegen kriegt mein Kind auch keine Schmerztablette, dann ist das eine saublöde Kausalkette. Und die sollte man schleunigst streichen, zacken, wegwerfen, in den Müll.
Denn auch wenn ich mich darüber amüsiere, gibt es wirklich solche Menschen, und davon gibt es ganz schön viele. Die machen dann auch noch Instagram und stellen sich ins Internet und sagen, ich habe meine Kinder nicht geimpft, meine Kinder kriegen auch keine Süßigkeiten, sie kriegen das nicht und das nicht. Und ich selbst lasse mir das Popoloch in der Sonne bescheinen. Toll, du bist ein erwachsener Mensch, du kannst das gerne tun.
Deine Kinder sind leider noch nicht in dem Stadium, dass sie sich selbst dafür entscheiden können. Und deine Aufgabe als Eltern ist ziemlich eindeutig: Du sollst zusehen, dass deine Kinder das bestmögliche Leben mit der bestmöglichen Grundlage haben.
Wenn jemand dann mit Vorsatz seine Verblendung weitergibt, ich will das Wort eigentlich nicht nutzen, weil die Menschen ja nicht merken, dass sie verblendet sind. Die sind wirklich davon überzeugt, dass das, was sie tun, korrekt und super ist und der einzige Weg. Und die anderen wollen dich ja vergiften und kaputt machen.
Da ist mein Appell an die Menschen, die das vielleicht sehen: Überdenkt das. Lasst euch nicht verleiten. Denn im Endeffekt seid ihr diejenigen, die sich von der Verblendung vom Marketing haben einholen lassen. Wenn Heilsteine tagtäglich in deinem Vokabular vorkommen, dann bist du vom Marketing gecasht worden. Und das, was du den anderen vorwirfst, ist bei dir passiert. Du wurdest manipuliert, sodass du denkst, du brauchst Hildegards Organ-Akkumulator, den dir irgendeine Omi für anderthalb Mille im Internet angedreht hat, und du musst jetzt neuerdings deine Barcodes entstören.
Das ist die Ironie an dieser ganzen Sache. Diese Ignoranz ist eine gewisse Glückseligkeit, weil man sich darin suhlt. Man möchte schlauer als die anderen sein, man möchte die böse Verschwörung verstanden und durchdrungen haben. Ich gegen alle. Und das ist falsch, das ist nicht der schlaue Weg. Der schlaue Weg wäre, sich die Datenlage anzugucken und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Aber das ist nicht der Fall. Es gibt so viele Leute, die auf dem Holzweg sind, davon felsenfest überzeugt, und die dann auch aggressiv werden, wenn sie mit Fakten konfrontiert werden. Das ist sowieso das Lustigste, was passieren kann: Jemand wird mit Fakten konfrontiert und sagt, nee, die sind nicht korrekt, aber meine Fakten sind korrekt. Studien glaube ich nicht, außer die Studien, die ich gut finde, die glaube ich. Und davon gibt es immer mehr.
Da schließt sich der Kreis vom naturalistischen Fehlschluss zum Schwurbel. Weil das auf Dauer sehr schlecht für unsere Gesellschaft ist. Wenn das nicht unterbrochen wird, gerade von Eltern zu Kindern oder im Umfeld, verbreitet es sich sehr schnell.
Und das Problem ist, dass wieder diese emotionale Ebene reinkommt. Dann hat man etwas, das anecdotal evidence ist, wo man sagt, ich habe ein Medikament weggelassen und mir geht es besser. Hat aber parallel angefangen, Sport zu machen und sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Und dann vertauscht man die Dinge. Man denkt plötzlich, das ist eine Kausalität, obwohl es eine Korrelation ist und diese Dinge eigentlich nichts miteinander zu tun haben oder nur einen minimalen Einfluss hatten.
Und das alles basiert im Endeffekt auf einer Illusion: dass etwas Natürliches besser ist als etwas Verarbeitetes. Denn auch Medikamente sind verarbeitet. Das ist genau der Punkt, der dann immer wieder angeführt wird, nach dem Motto, die böse Pharmaindustrie will mich umbringen.
Heißt, lange Rede, gar kein Sinn. Wir fassen jetzt alles zusammen, damit ihr da draußen eurem Schwurbel-Cousin oder -Onkel das Ding schicken könnt.
Wieso sind hochverarbeitete Lebensmittel ab und zu nicht gut? Weil sie zu viele Kalorien haben und weil die Makronährstoffe nicht passen. Eventuell auch noch zu viel Salz. Das geht aber auch mit natürlichen Lebensmitteln. Wenn du dir daheim deine Lasagne machst, alles aus Monoprodukten, und klopfst da 180 Milliliter Olivenöl rein, dann ist das auch kein gutes Essen. Da sind wir nämlich auf demselben Stand wie beim hochverarbeiteten Bösen. Die sind gleich.
Bevor ich schon wieder die Kommentare sehe: Aber da ist Olivenöl drin, da sind andere Dinge drin, die sind gesund. Schön, am Ende des Tages ist das auf gut Deutsch scheißegal. Denn die Kalorien sind das, was wirklich wichtig ist. Du kannst dich super ernähren, aber wenn du dabei immer im Kalorienüberschuss bist, bringt es dir nichts, dass du tolle Lebensmittel isst, dass du viel Omega-3 isst, viel Olivenöl zu dir nimmst und tolle Ballaststoffe hast.
Wenn du Jahr für Jahr immer mehr zunimmst und dadurch in ein krankhaftes Übergewicht kommst, dann ist das, auch wenn es auf dem Blatt Papier eine tolle Ernährung ist, sekundär gesehen eine Scheißernährung. Die ist nicht gut, denn du isst zu viel. Wenn du weniger essen würdest, wäre es automatisch die Superernährung.
Heißt, das Wichtigste: Kalorien, Makronährstoffe, nicht zu viel Körperfett. Körperfett ist nicht prickelnd. Dann, und da kommen wir wieder auf die Schallplatte: Aktivität hochschrauben, Sport machen, Krafttraining machen, Muskulatur. Muskulatur ist sehr gut dafür, dass ihr allgemein gesund bleibt.
Damit haben wir das Thema Lebensmittel abgeschlossen. Es ist vollkommener Humbug, wer hätte es gedacht. Wenn wir jetzt zu den Medikamenten gehen, zu der Frage, soll ich Hausmittelchen für mein Kind nutzen: Wenn dein Kind nichts Gravierendes hat, ist das gar kein Problem. Aber wenn dein Kind Probleme hat, ist es wichtig, dass du rechtzeitig reagierst. Oder auch wenn du selbst Probleme hast, dass du zum Arzt gehst und nicht versuchst, Dinge auf Krampf natürlich und holistisch zu behandeln.
Wie gesagt, wenn es sich um ein Schnüpperchen handelt oder ein bisschen Halskratzen, alles gut. Aber wenn es wirklich schwerwiegende Erkrankungen sind, dann könnt ihr von mir aus gerne zum Teil natürliche Dinge nutzen, sofern sie mit den konventionellen Therapien nicht in Konflikt stehen. Aber dann macht bitte das, was euch unterm Strich den Hintern retten kann.
Gerade bei Krebs ist das ein Ding geworden, das katastrophal ist, wo viele Menschen unnötig sterben, weil sie sich auf irgendeinen holistischen Dummschwätzer verlassen, der ihnen einen Cocktail an Vitaminen gibt und ein Pflanzenpulver. Die machen ja nicht mal Extrakte, die sind so blöd, dass sie nicht mal etwas Gescheites machen, da ist nichts standardisiert. Das ist irgendein Pulver, und das Zeug soll denen dann den Hintern retten. Oder Chlor saufen. Wo jeder normale Mensch realisieren müsste, Alter, wo bin ich hier eigentlich. Dem, der das sagt, solltest du die Tasse direkt an den Kopf werfen, vielleicht kommt er dann wieder klar auf sein Leben.
Bei den Lebensmitteln ist es doof und auf Dauer nicht gesund. Aber bei Medikamenten, bei diesem allgemeinen Ding, oh, böse Pharma, und natürliche Medikamente werden unterdrückt, Löwenzahn heilt den fehlenden Fuß: Schwachsinn. Lasst euch da nicht verarschen.
Die Leute, die euch permanent sagen, ihr seid von der Pharmaindustrie manipuliert worden, ihr seid von der Lebensmittelindustrie manipuliert worden, das sind die Leute, die euch manipulieren. Das sind die Leute, die euch sagen, kauft mein natürliches Vitamin C, wo dann trotzdem synthetische Ascorbinsäure zugefügt wird, was sie neuerdings ausweisen müssen und deswegen nicht mehr scammen können. Juhu.
Euch wird tagtäglich ins Gesicht gelogen. Und das Problem dabei ist, dass es gar keine Scham mehr gibt. Wenn es beim Essen passiert, ist es nicht gut und schon verwerflich. Aber wenn es um Medikamente geht, um ärztliche Behandlungen oder Beratung, dann wird das Eis ganz dünn.
In dem Sinne: Lasst euch nicht verarschen, lasst euch nicht für irgendeinen Marketing-Scheiß vor den Karren spannen, und geht mit Hirn und Bildung an die Sache ran. Dann werdet ihr ganz schnell ganz viele Dinge durchschauen und merken, wenn euch irgendjemand Quatsch erzählt.
Und zum Abschluss: Macht einfach die Basics. Wenn ihr euch brauchbar ernährt, auf eure Kalorien und Makronährstoffe achtet, genug Aktivität habt und Sport macht, werdet ihr garantiert das Bestmögliche aus eurer Gesundheit machen.
Deswegen, bleibt gesund. Die Natur ist toll, geht gerne raus, ein bisschen spazieren, frische Luft. Aber lutscht jetzt nicht an jedem Baum um die Ecke, weil euch irgendein Depp im Internet gesagt hat, aus dem Harz kannst du dir Haargel machen. Toll. In dem Sinne, bis zur nächsten Folge, macht's gut, ciao.
Ah, ich habe den Call to Action vergessen. Ihr müsst bitte den Kanal abonnieren, liken, und ganz wichtig, da oben, ihr müsst H.P.N kaufen, damit ich Schmerzensgeld bekomme, weil ich gleich schon wieder vom Stuhl falle und einen Blutdruck von 180 zu 120 habe. Tschüss, klickt auf Abonnieren, macht's gut.
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