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Schwurbelverbot: Sollte man Schwurbler verbieten?
Alexander Friedrich
·34 Min
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Transkript Wort für Wort, zum Aufklappen.
Hallihallo und herzlich willkommen zu einer neuen Show auf diesem toten YouTube-Kanal. Eigentlich war ich ja in Social-Media-Rente, das hat aber letztes Jahr nicht gut funktioniert, und ich poste so viel auf Instagram wie noch nie. Wir sind sehr stark gewachsen, und dadurch kam die Problematik auf, dass ich komplexe Themen im Reel-Format nun mal nicht ansprechen kann.
Deshalb bin ich wieder da mit einem neuen Format namens Wissen nervt, vom professionellen Klugscheißer, dem nervtötenden Besserwisser, dem Mann mit kreisrundem Haarausfall oben auf dem Kopf. Das Ziel von diesem Format ist, dass ich euch komplexe Themen mit dem einen oder anderen Augenzwinkern erklären kann, damit wir weniger Schwachsinn auf Social Media haben. Und da wir 2026 haben, muss alles gamifiziert werden, wegen ADHS und Co. Deswegen ist eure Quizaufgabe folgende: Ihr müsst rausfinden, ob das, was ich hier sage, ernst gemeint ist oder ob es Comedy ist.
Wir nutzen Comedy, um sehr komplexe Themen runterzubrechen, und um mich vor Abmahnungen zu schützen, damit ich endlich so fies, zynisch, dreist und scharfzüngig sein kann, wie ich es gerne wäre. Passend dazu habe ich mir gleich das beste Thema überhaupt rausgesucht, nämlich Schwurbel. Und bei Schwurbel kommt sofort eine Sache mit auf, nämlich das Schwurbelverbot. Darüber möchte ich reden, und warum ich das als kritisch ansehe.
Da müssen wir ein bisschen ausholen, ich habe ja heute Zeit. Fangen wir mit Schwurbel an. Schwurbel kommt eigentlich aus diesem klassischen Verschwörungstheorienkreis, wo es darum ging, Verschwörungstheorien aufzudecken und die böse Elite der Welt zu exposen. Wir werden ja permanent verarscht, und eine gewisse Elite führt die Welt.
Das Problem an der ganzen Sache ist, dass Verschwörungstheoretiker ab und zu Recht haben. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Und wenn man hundertmal Scheiße erzählt und einmal trifft, dann hat man sich mehr oder minder legitimiert. Das ist die Grundlage für den modernen Schwurbel. Wir haben eine Renaissance von Leuten, die komplett konträr zu allem logischen Denken Dinge äußern und diese dann felsenfest behaupten.
Ob sie wirklich dahinterstehen, lassen wir mal dahingestellt. Ich bin bei vielen immer noch der Meinung, dass das ein reines Marketing-Ding ist. Hauptsache polarisieren, damit ich ein paar Euro verdienen kann. Funktioniert ja blendend. Wenn ihr wüsstet, wie viel die Leute verdienen, die euch da wirklich Scheiße erzählen, würdet ihr wahrscheinlich auch Scheiße erzählen. Aber darum soll es nicht gehen.
Es soll darum gehen, wie wir diesen ganzen Schwurbel überhaupt anpacken können. Klar, belustigen können wir uns darüber, weil die Leute teilweise wirklich sackdumm sind. Ich habe dadurch auch mehr als genug zu tun auf Instagram. Das Problem ist aber, dass es oftmals eine Grenze überschreitet, an der Menschen wirklich Probleme bekommen. Und da müssen wir draufachten.
Um konkrete Beispiele zu liefern: Letztes Jahr habe ich etliche Videos zu dem Thema hochgeladen, und wir hatten absolute Brecher wie Sonnencreme macht Krebs. Die Sonnenbrille schützt vor Hautkrebs. Leitungswasser ist ungesund. Die Problematik dabei ist, dass diese Dinge immer falsche Kausalketten bilden. Immer ein Cause and Effect ableiten von Dingen, die gar nicht existieren. Das ist eine Taktik, die oft gewählt wird von Leuten, die mit Absicht Quatsch erzählen möchten.
Nehmen wir die Sonnencreme. Seitdem man Sonnencreme nutzt, ist die Anzahl der Hautkrebspatienten gestiegen. Wenn man davon keine Ahnung hat, denkt man, ah okay, das ist irgendwie logisch, es gibt ja auch tatsächlich Zahlen, Daten und Fakten dazu. Aber dass ganz viele andere Faktoren dort nicht mit inkludiert sind und mit Absicht weggelassen werden, und dass ihr am Ende nur ein cherrygepicktes Argument bekommt, egal für welche Seite, das erzählt euch natürlich niemand. Denn in der ganzen Zeit, in der Sonnencreme genutzt wurde, gab es plötzlich viel mehr Hautkrebs-Screening. Plötzlich gab es überhaupt die Awareness, dass es Hautkrebs gibt und dass man ihn testen muss.
Und erst vor Kurzem kommen die wirklich vergleichbaren Daten raus, wo man sagen kann: Ja, Sonnencreme schützt vor Hautkrebs, definitiv. Es ist genau das Gegenteil von dem, was diese Schwurbler euch tagtäglich erzählen. Und dann ist immer so ein klassischer Unterton dabei: Die Elite will euch nur vergiften, sie möchte nur Geld mit euch verdienen. Das ist die lustigste Variante, denn da sind wir beim Heuchlertum angekommen. Und das Heuchlertum und ich, wir verstehen uns sehr gut.
Es ist fast schon ironisch zu sagen: Sonnencreme ist blöd, aber kauf mein Supplement gegen Hautkrebs. Und wenn man sich die Datenlage von diesen beiden Dingen anguckt, wird man ziemlich schnell fündig. Die Sonnencreme funktioniert, und dein Scheiß-Supplement nicht. Das kommt von jemandem, der selbst Supplemente verkauft, und das sehr wissenschaftlich orientiert und sehr innovativ.
Das ist ein essenzielles Problem. Diese Schwurbler haben nicht den Hintergrund, aber auch nicht das Ziel, euch wirklich nachhaltig etwas beizubringen oder Gesundheit zu liefern. Das ist reine Meinungsmache und Kaufkraft generieren. Das ist das Verwerfliche. Wenn jemand von seinem Quatsch überzeugt ist und das wie eine Ideologie verfolgt, dann mag das doof sein. Aber solange er damit niemandem direkt schadet und keine versteckte Agenda verfolgt, um anderen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, bin ich so liberal, dass es mir egal ist.
Darf ja jeder gerne alleine daheim dumm sein. Das interessiert mich nicht. Ich bin nicht der Papst, der euch erklärt, ihr müsstet mal nachdenken. Das ist die Entscheidung eines jeden selbst. Aber wenn gesundheitliche Fehlinformationen publiziert werden, dann wird es kritisch.
Und vor allen Dingen dann, wenn es auf dem Nacken von Menschen passiert, die eventuell schon erkrankt sind, um denen falsche Hoffnungen aufzuzwingen und ihnen dabei noch einen Upsell mitzugeben, dass sie doch Vitamin C nehmen sollen anstatt einer Chemotherapie. Das ist nicht nur grob fahrlässig, dafür gehörst du wirklich an den Fußzähnen aufgehängt und ein bisschen gefoltert.
Von der Schwurbelthematik zum aktuellen Problem müssen wir noch weiter ausholen, denn es gab Ereignisse, die diese Renaissance sehr stark ermöglicht haben. Und das war nun mal das böse C. Ich glaube, ich darf den vollen Namen auf YouTube immer noch nicht sagen, ohne dass ich geblacklistet werde.
Hier wurden gravierende Fehler in der Kommunikation begangen. Das muss man auch als jemand sagen, der wie ich sehr wissenschaftlich orientiert arbeitet. Es passieren nun mal Fehler, vor allen Dingen in der Kommunikation. Das ist normal. Und das befeuert diese ganze Verschwörungstheorie mal tausend. Das ist vollkommen logisch.
Aber der wirklich wichtige Punkt ist: Man muss bei dieser ganzen Thematik zurück zu den Daten und Fakten kommen. Und das ist schwer, denn wissenschaftliches Arbeiten und wissenschaftliche Daten richtig einzuordnen, ist für die meisten Menschen unmöglich. Das Problem besteht darin, dass andere Menschen, die suggerieren, dass sie das können, Dinge mit Absicht falsch interpretieren.
Das heißt, ihr seht eine Studie mit einer reißerischen Headline, und ihr habt eine Autoritätsperson, die diese Studie mit Absicht falsch einordnet, um ihre eigene Meinung zu vertreten. Dadurch haben wir diese Spaltung bei Themen, wo die Datenlage eigentlich sehr eindeutig ist. Als Beispiel Süßstoffe. Süßstoffe sind von der Datenlage her überhaupt kein Problem, und sie sind immer besser als ein Zuckeräquivalent.
Ein Zero-Getränk ist immer besser als ein Zuckergetränk. Punkt. Bevor jetzt die ersten Leute sagen, aber ich trinke so gern Zucker: Zucker ist auch kein Problem, wenn du dadurch nicht in einen hohen Kalorienüberschuss kommst. Das Problem ist, dass die meisten Menschen auch in Deutschland gerne zu viel essen.
Wenn ihr euer Zuckergetränk am Tag einplant, also die Cola Zero durch Cola mit Zucker ersetzt und trotzdem im Kaloriendefizit oder auf Erhaltungskalorien seid, dann wäre das deutlich weniger schlimm, eigentlich fast gar nicht schlimm. Zucker ist per se nicht das Schlimmste auf dieser Erde, auch wenn es euch immer suggeriert wird, gerade wenn hohe Mengen vermieden werden. Wenn ihr nicht über 50, 60, 70 Gramm am Tag zu euch nehmt, ist das kein Problem. Vorausgesetzt, ihr landet dadurch nicht in einem gigantischen Kalorienüberschuss.
Der Grund, warum ich dabei so rumdruckse: Es ist so geworden, dass jede Aussage auf die Goldwaage gelegt wird. Da gehöre ich leider auch dazu. Ich bin sehr korinthenkackerisch, wenn man das so sagen darf. Ich weiß nicht mal, ob das ein Wort ist. Und ich bin sehr pingelig geworden, was Aussagen angeht.
Denn nach über zehn Jahren in dieser Industrie muss ich sagen: Jede Aussage, die ihr da draußen seht, ist geformt. Sie hat mit Absicht den Wortlaut, den ihr mitbekommen sollt. Es werden Worte, Sätze, komplette Reels so geplant, damit die eigene Agenda verfolgt werden kann. Und die eigene Agenda ist meist, ich will dir etwas verkaufen, oder ich will einen Kultstatus erreichen, weil ich so ein großes Ego habe und unbedingt beweihräuchert werden möchte.
Deswegen bin ich bei solchen Dingen so penibel und fast schon getriggert. Weil ich weiß, wie viele Menschen, gerade wenn sie größer werden, mit einem Team an jeder Aussage arbeiten, an jedem Konzept, nur um irgendetwas zu verkaufen oder zu framen. Nehmt es mir bitte nicht übel, wenn ich so besserwisserisch darauf eingehe und Themen immer weiter ausleuchte, damit nicht irgendeine Pappnase in den Kommentaren steht: Der hat das aber jetzt nicht gesagt. Bei Zucker hat er nicht geschrieben, dass Zucker eigentlich gar kein Problem ist.
Damit sind wir bei der perfekten Überleitung, nämlich beim nächsten Problem: die Pseudo-Intellektuellen. Die muss ich mit ins Boot holen, das ich versuche zu versenken, denn die Pseudo-Intellektuellen sind ein Riesenproblem. Wir haben die klassischen Schwurbler, und da muss man unterteilen in die Leute, die einfach nachsabbern, was sie irgendwo gelesen haben. Die einfach das kopieren, was sie bei den Amis gehört haben.
Die importieren dann auch Probleme, die wir gar nicht haben. Da werden Fässer aufgemacht mit Problemen, die es in Europa gar nicht gibt, weil wir dafür strenge Gesetze und strenge Lebensmittelrichtlinien haben und weil es dafür auch keine Datenlage gibt. Das sind die sabbernden Trottel, und davon gibt es ziemlich viele. Das ist der Großteil.
Die sabbern nach, was ihr Prophet irgendwann mal von sich gegeben hat, so inszenieren sie sich ja mittlerweile als Super-Guru. In diesem Meer an Informationen muss ja tagtäglich 500 Mal gepostet werden, auf 500 verschiedenen Accounts, um diese Medienkraft zu entwickeln. Und das ist das Gute daran, wenn du am Tag 40, 50 verschiedene Snippets hochlädst: Dann kannst du auch eine Menge Scheiße erzählen, weil das in der Masse untergeht. Erst wenn man sich Stück für Stück mit diesen Aussagen auseinandersetzt, merkt man sofort, da ist gar keine Substanz hinter. Null, nada, nichts. Das sind Leute, die haben keine Ahnung von nichts, aber sehr viel Meinung.
Bei den Pseudo-Intellektuellen ist es dasselbe. Selbst die Intelligenten machen es mit Vorsatz, die Dummen machen es, weil sie dumm sind. Und weil sie unbedingt dazugehören wollen. Ein bisschen polarisieren, ich will auch fünf Euro verdienen.
Das ist die klassische Schwurbler-Region. Im Endeffekt ist beides der Dunning-Kruger-Effekt. Denn neben diesen klassischen Schwurblern haben wir auch die Neuzeit: die Pseudo-Wissenschaftler. Mein absolutes Lieblingswort dafür sind die Biohacker und Research-Leute. Das sind die Jungs, mit denen ich mich am allerbesten verstehe.
Denn da haben wir teilweise so gravierende und eklatante wissenschaftliche Fehler drin, das kann man sich gar nicht vorstellen. Da werden mit Absicht Dinge so positiv überinterpretiert, dass sie überhaupt keinen Halt haben. Da werden plötzlich Indikatoren aus Tier- und Zellstudien gleichgesetzt mit Humandaten. Und da ist die Ironie des Schicksals: Genau darin sind sich die holistischen Naturschwurbler und die Pseudoscience-Bros komplett gleich. Beide interpretieren in Zell- und Tierstudien eine gigantische Sicherheit und eine Datenlage hinein, die es gar nicht gibt.
Und das ist brandgefährlich. Auf der Schwurbelseite haben wir dadurch plötzlich ein riesengroßes Anti-Pharma-Ding, die wollen alle nur kaputt machen. Und dasselbe bei den Pseudo-Science-Leuten, die dann sagen: Ey, pass auf, das Medikament ist nicht zugelassen worden, weil sie damit Umsatzeinbußen hinnehmen müssten. Das ist tatsächlich ein Thema, dazu mache ich eine ganze Folge, die kommt als Nächstes. Jeder, der euch das sagt, ist ein hirnverbrannter Vollidiot. Da gibt es auch keinen anderen Weg.
Ich habe gerade die Lobotomie angesprochen. Die haben wirklich einen Meißel genommen und einmal zwischen die Augen durch. Das ist das Problem, das ich mit dieser ganzen Thematik habe. Man denkt von der Wand bis zur Tapete und glaubt dann, man hätte alles verstanden. Das ist der fleischgewordene Dunning-Kruger-Effekt.
Und die Ironie ist, dass es so viele unfassbar gute Wissenschaftler gibt, die darüber offen und ehrlich reden, die Vorteile und Nachteile hervorheben und ganz klar erklären, wie beispielsweise Pharmaunternehmen operieren. Und oh Wunder, sie müssen Geld verdienen, und stell dir vor, keiner stampft ein Medikament ein, nachdem man mehrere hundert Millionen für die Forschung ausgegeben hat. Aber das passt ja auch wieder nicht, denn man muss ja irgendwo den Kapitalismus kritisieren. Da sind wir wieder bei den Naturschwurblern und bei den Pseudoscience-Bros. Beide kritisieren ihn und partizipieren selbst daran. Der eine will dir Peptide verkaufen, der andere irgendwelche Kräuter, die auch nichts bringen.
Das Problem bei den Pseudoscience-Jungs ist, dass wir plötzlich in wirklich wirkende und nebenwirkungsbehaftete Produkte kommen: Medikamente, Peptide, Research Chemicals. Der holistische Schwurbler hat seinen Schaden darüber, dass er Leuten suggeriert, Medikamente seien schlecht und die Lebensmittelindustrie versuche permanent, einen zu verarschen. Der Schaden, den er anrichten kann, ist: Vielleicht gehe ich nicht rechtzeitig zum Arzt, oder ich nehme ein Medikament nicht, das mir helfen würde.
Aber der Pseudoscience-Bro ist schädlicher, weil er dir suggeriert, du solltest Off-Label-Dinge nutzen, irgendwelche dubiosen Peptide, die gar keine Datengrundlage haben oder eingestampft wurden, weil die Datenlage nicht gut genug war und die Kosten-Nutzen-Gleichung nicht gepasst hat. Wirkung und Nebenwirkung passen einfach nicht. Es wäre dumm, dieses Medikament auf den Markt zu bringen, weil es keinen großen Benefit bringt. Und dann gibt es Leute, die nehmen alles. Plötzlich ist Polypharmazie in, man nimmt alles querfeldein.
Der Unterschied ist: Der Holistiker sagt dir, du sollst ein paar Supplemente nehmen. Du kannst dich auch mit Supplementen schädigen. Aber es ist deutlich schwieriger als mit irgendwelchen Research Chemicals, wo du weder die Wirkung noch die Nebenwirkung kennst. Von einem Pilzpulver kriegst du morgen keinen Turbokrebs. Bei einem Research Chemical kann dir das passieren. Es kann sein, dass du plötzlich deine Nieren frittierst und im Organversagen landest.
Da ist vieles gleich, aber die Pseudoscience-Leute sind gefährlicher. Da müssen wir klipp und klar sein. Ich persönlich liebe Wissenschaft. Ich liebe Research, Indikatoren, ganz viele Sachen. Die haben bei uns auch in den Supplementen extrem viel verloren. Ich achte darauf, innovativ am Zahn der Zeit zu arbeiten, immer mit den neuesten Dingen, die rauskommen. Auch wenn man sehr logische Kaskaden sieht und wie die funktionieren können.
Alles cool. Das Problem dabei ist: Wir dürfen diese Dinge nicht als hundert Prozent validiert und sicher ausweisen. Denn das sind sie nicht. Es gibt keine Datenlage dafür. Wenn jemand sagt, ich habe in tollen Zellstudien und Tierstudien das und das rausgefunden, das wird bestimmt beim Menschen auch so sein, dann besteht die Chance, dass es so ist. Es besteht aber auch die Chance, dass es dir sofort Organversagen bringt. Diese Thematik wird zu sehr unter den Tisch gekehrt.
Da sind wir in so einem Kreis: Alle entfernen sich von dem wichtigsten Medium, nämlich der Wissenschaft. Und das ist nicht nur bei uns in der Ernährung oder in der Gesundheitsbranche so, sondern leider überall. Wir dürfen nicht Fühli-Fühli über Fakten stellen. Das war in den letzten Jahren sehr oft der Fall. Da müssen wir dringend weg, und wir müssen die Realität so sehen, wie sie ist. Denn nur wenn wir uns auf Zahlen, Daten und Fakten runterbrechen und darauf konzentrieren, können wir wirkliche Lösungen finden und produktiv arbeiten.
Die Geisteswissenschaften nehme ich davon aus, bevor wieder einer schreibt, ich bin aber Psychologe. Alles gut, ich will euch nicht ins T-Shirt pinkeln, aber ihr versteht hoffentlich, was ich meine. Naturwissenschaften, Zahlen, Daten, Fakten, gerade bei Dingen wie: Gibt es Kalorien, gibt es keine Kalorien. Wenn jemand sagt, es gibt keine Kalorien, dann musst du dem die Tasse an den Kopf werfen.
Und da komme ich vom Hölzchen aufs Stöckchen, Thema Kalorien: Wenn einer sagt, nimm ein Leberspray, damit du Fett verlierst. Du Trottel, wie soll das funktionieren? Kann die Leber jetzt plötzlich magisch Fett verbrennen? Nein, du brauchst ein Kaloriendefizit.
Und die Leberreinigung ist sowieso ein absolutes Scam-Konzept, weil sich die Leber selbst reinigt. Wenn du jemals Supplemente oder Medikamente dafür brauchst, musst du vorher irgendeinen Schabernack getrieben haben, damit deine Leber so überlastet ist, dass sie mit exogenem Einfluss regeneriert werden muss, weil sie ansonsten gravierende Schäden davonträgt. Das kommt in der Realität fast nie vor, außer du hast Medikamente missbraucht und säufst wie ein Loch. Und selbst bei Alkoholikern muss man sagen, dass die Leber sehr viel abkann.
Ein Comedian hat mal gesagt: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben. Bitte nicht. Aber das sind alles Dinge, bei denen man sich komplett von der Realität entfernt. Und auch das war getrieben davon, irgendwelche Lebersprays zu verkaufen, obwohl die damit nichts zu tun haben.
Dabei hätte man in diesem Moment einfach sagen können, selbst wenn man es stumpf promoten will: Hey, du warst schwerer Alkoholiker, du hast im Dezember jeden Tag gesoffen, pass auf, wie wäre es mit einem Monat Detox. Auch das ist übertrieben, braucht keiner, hat kaum einen Effekt. Es wird einen minimal besseren Effekt haben. Wenn es dich aber dazu verleitet, dass du in diesem Monat nicht säufst, dass du extrem auf deine Gesundheit achtest, so be it. Dann sind das wahrscheinlich gut investierte dreißig Euro, weil du einen Monat aufhörst zu saufen und auf dich achtest. Das bisschen Unterstützung für die Leber macht zwar den Kohl nicht fett, aber gut. Das wäre wenigstens eine gescheite Promo.
Aber es gibt ja keine gescheite Promo. Es muss ja ein Feindbild-Marketing aufgebaut werden. Es muss immer ein Feindbild geben. Oh, die böse Pharmaindustrie, die böse Lebensmittelindustrie. Kein Arzt sagt dir das. Wenn du das hörst, kannst du direkt weiterwischen. Tschüss, weg. Da kommt nur Scheiße. Ausschließlich.
Nach 850 Videos, die ich gepostet habe, kommt nur Pisse. Nicht einen einzigen habe ich gefunden, der überhaupt irgendetwas Gescheites gesagt hat. Es sind nur Trottel. Nicht einen einzigen habe ich gefunden, der wirklich die Rübe benutzt und danach etwas Sinnvolles von sich gegeben hat. Es ist immer das Gleiche.
Ich versuche das zum Ende zu bringen, damit wir noch etwas Konstruktives rausfinden. Ich muss aber noch einmal ausholen, denn das Thema habe ich komplett verfehlt, fällt mir gerade auf. Man merkt, dass das eine Show ist, in der ich mich in Rage rede. Ich weiß nicht, ob man es auf der Kamera sieht, aber ich spüre schon, dass mein Blutdruck sehr hoch ist, denn meine Wangen sind rot, ohne dass ich in den Spiegel sehe. Sehr gut, dann habe ich mein Ziel erreicht.
Wir müssen zum Schwurbelverbot kommen. Jetzt haben wir uns so lange darüber aufgeregt, was der Schwurbel falsch macht und wo die Probleme sind. Ich kann mich hier hinsetzen und dreißig Minuten lang erzählen, alles ist scheiße. Aber das ist nicht der Fall. Ich sehe an meinen Insights das Gegenteil: Es ist eine riesengroße Gegenbewegung da.
Viele Menschen wollen wieder mehr Infos, mehr Fakten, geradlinig, ohne Schwurbel, ohne doppelten Boden. Und ganz viele Menschen sagen dann: Ey komm, alles, was nicht passt oder was gefährlich ist, und das ist es in diesem Fall sogar, müssen wir verbieten. Ich bin ein extrem liberaler Mensch. Für mich sind Verbote in den meisten Fällen sinnfrei, weil sie genau das Gegenteil von dem fördern, was man eigentlich möchte. Wenn wir uns morgen hinsetzen und sagen würden, jeder, der so eine Falschaussage tätigt, wird sofort gesperrt, würden wir niemandem einen Gefallen tun.
Vor allen Dingen servieren wir auf dem Silbertablett eine Opferrolle. Dann können Leute sofort sagen, die wollen unsere Medizin unterdrücken, die böse Pharmaindustrie. Das nutzen sie ja jetzt schon, und es ist natürlich vollkommener Schwachsinn. Aber dieses Verbot würde genau das ermöglichen, weil es so ein emotionaler, starker Anker ist. Weil du sagen würdest: Hey, pass auf, die haben mir meine Existenz genommen. Die wollen nicht, dass du das weißt, und die wollen alles unterdrücken.
Das Problem ist: Egal wie rational du das Verbot begründest, egal wie gut du das ausarbeitest, du wirst es niemals schaffen, damit wirklich jeden zu erreichen. Und du wirst aufgrund eines solchen Verbotes garantiert mehr Menschen in diese Richtung schieben, als sie selbst akquirieren können. Das heißt, in meiner bescheidenen Meinung ist die einzige Lösung dafür mehr Bildung.
Das Problem bei Bildung ist: Sie ist echt langweilig. Ganz klassisch Biochemie lernen, sich mit den Dingen auseinandersetzen, Studien wälzen, sei es bei Sonnencreme. Wer hat da Bock drauf? Also ich habe da Bock drauf, aber ich bin auch ein komischer Kauz. Wenn du dir aber solche Pauschalaussagen anhörst, nach dem Motto, Sonnencreme führt zu Hautkrebs, dann kommst du nicht auf die Idee zu gucken: Wann war der Zeitraum, in dem die Daten erhoben wurden? Gibt es Confounding? Gibt es irgendein Problem dabei? Gab es Änderungen im Lebensstil?
Oh, plötzlich war es nach dem ökonomischen Boom, da konnten die Leute mehr reisen. Außerdem ist das Hautkrebs-Screening viel größer geworden, überhaupt, dass man sich mit der Haut auseinandersetzen sollte. Und plötzlich konnte man viel schneller und früher Hautkrebs detektieren, was natürlich dazu führt, dass mehr Hautkrebs entdeckt wird. Und dadurch steigen die Zahlen. Oh Wunder.
Das sind Fragen, die stellen sich die meisten Menschen nicht. Und das ist auch nicht schlimm, weil es im Alltag einfach nicht relevant ist. Man hat viele andere Dinge zu tun, und dann fallen einem solche Dinge nicht auf. Das Problem ist aber, dass diese Dinge einem sehr logisch erscheinen. Und dadurch glaubt man sie.
Das kombiniert mit der aktuellen Weltlage, mit den Dingen, wo solche Verschwörungstheorien keine Theorien mehr waren, sondern wirklich korrekt, führt zu einem unglaublichen Vertrauensverlust. Und den haben wir. Den können wir nicht leugnen. Der ist allgegenwärtig, nicht nur bei uns in der Szene, sondern überall. Wir glauben gefühlt nichts mehr. Und das ist eine sehr schlechte Ausgangslage, um darauf aufzubauen.
Deswegen ist meine Lösung, und der Grund, warum ich Social Media betreibe und mich hier hinsetze und meinen Blutdruck auf 200 zu 120 hochschießen lasse: Meine Meinung ist einfach eine andere. Wir verbinden das mit Comedy und ein bisschen Spaß. Wenn wir das Thema locker aufnehmen und den Schwurbel als das Comedy-Gold ansehen, das er wirklich ist, dann können wir uns herrlich darüber amüsieren, und auf der anderen Seite kann man immer noch hinten rein sneaken, was eigentlich korrekt ist. Durch Entertainment, Comedy und ein bisschen Leichtfüßigkeit können wir sehr komplexe und schwere Themen leichtfüßig gestalten. Wir können auch über sehr große Probleme reden, über kritische Themen, wenn wir das auflockern.
Dafür muss man empfänglich sein. Viele Menschen sagen, gerade wenn es um schwerwiegende Themen geht, die eine gewisse Seriosität besitzen, dass man seriös bleiben soll. Ich sehe das vollkommen anders. Der einfachste Weg, um Barrieren abzubauen, ist Entertainment und lustige Kommunikation. Dass man Dinge, auch wenn sie schlimm sind, auch wenn sie sehr negativ sind, trotzdem auflockert.
Denn nur so kommen wir auf ein Level, auf dem wir selbst über schwierige Dinge diskutieren können, ohne dass sich jeder permanent auf den Schlips getreten fühlt. Jeder ist heutzutage von allem angegriffen. Und das führt zu gar nichts. Da sind wir wieder beim Thema Geisteswissenschaft gegen Naturwissenschaft, wieder Fühli-Fühli.
Wenn jemand sagt, der Schnee ist weiß, und der andere sagt, der Schnee ist gelb: Was ist der Schnee jetzt? Er ist weiß. Der andere sieht ihn als gelb, das ist seine Wahrnehmung. Aber es ist nicht die Wahrheit, es ist nicht korrekt. Und trotzdem beharrt er darauf, dass der Schnee gelb ist. Und wenn er dann sagt, du siehst den Schnee als weiß an, du bist scheiße, mit dir möchte ich nicht mehr reden, dann haben wir nichts gewonnen. Dann weiß er weiterhin nicht, was der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Datenlage ist, und wir kommen alle nicht vorwärts. Dafür brauche ich eine eigene Sendung, das ist ein bisschen komplizierter.
In dem Sinne, wir fassen zusammen. Brauchen wir ein Schwurbelverbot? Nein, wir brauchen mehr Comedy. Deswegen an alle da draußen: Fangt an, die Leute zu trollen. Das ist das Beste, was ihr machen könnt.
Ich bin damit aufgewachsen, ich komme noch aus der Generation, ganz klassisch Xbox, wo du in so eine Lobby reingekommen bist und erst mal fünf Minuten lang nur gepöbelt hast. Wo du wirklich die ganze Zeit mit deinen Kumpels Leute verarscht hast, und wo es dieses Konzept von Political Correctness nicht in diesem Mantel gab, sondern wo man gesagt hat, okay, gewisse Dinge macht man einfach nicht. Es gab eine Grenze, aber die war sehr spät erreicht. Man hat sehr viele Witze gemacht, und dadurch konnte man diese Diskussionsgrundlage schaffen, aber auch die Awareness, dass man sich auf diese Grenzen verständigen kann.
Das ist so abhandengekommen, dass wir heute sagen müssen: Trollt, verarscht die Leute, haltet ihnen einen Spiegel vor die Nase, wenn sie wieder irgendeinen Schwachsinn erzählen. Macht einfach eine Compilation draus, gerade bei den ganzen Pappnasen da draußen. Die liefern tagtäglich so viel Schwachsinn auf dem Silbertablett, das kannst du immer und immer wieder neu gegenüberlegen. Sei es, dass sie etwas eins zu eins aus Amerika kopieren, oder dass sie an einem Tag sagen, das ist doof, und am nächsten Tag verkaufen sie genau das Produkt, das sie vorher doof fanden. Die Heuchelei ist wirklich groß.
Deswegen sollten wir uns daran amüsieren. So blöd es klingt: An der Doofheit der Doofen sollten wir uns nicht echauffieren, sondern amüsieren. Das ist für den Doofen zwar doof, aber der Doofe muss ja erst mal realisieren, dass er doof ist. Und das ist ein langer Weg. Vielleicht geht der Weg schneller, wenn man ihn ein bisschen auf den Arm nimmt. Dann kommt vielleicht irgendwann die Realisation, dass er sagt, vielleicht bin ich wirklich auf dem Holzweg.
Es soll nicht beleidigend werden, das ist nicht der Grund und nicht das Ziel. Aber wenn man Leute auf den Arm nimmt und ihnen permanent suggeriert, du bist ein Trottel, ich weiß, dass du ein Trottel bist, du weißt auch, dass du ein Trottel bist, aber du willst es nicht wahrhaben, dann ist das eine lustige Dynamik.
Darauf sollten wir aufbauen. Mehr Comedy, mehr Spaß. Comedy ist für mich das Synonym für Auflockern, Heiterkeit, Themen aufarbeiten. Und eben nicht: Der hat gesagt, mein Arm ist zu klein. Ja, gut, und jetzt? Was willst du machen, willst du ihm aufs Maul hauen? Das ist bescheuert. Wir sollten wieder zu einer gewissen Leichtfüßigkeit kommen. Okay, gut, das ist Quatsch, kritisieren, und gut ist. Dann haben wir eine tolle Kultur, auf der wir für Diskussionen aufbauen können. Und dann finden wir vielleicht darüber wieder den Weg zurück zu den Fakten.
Denn die Verbote werden ansonsten nur dazu führen, dass wir Leute komplett verlieren. Und die kriegst du nicht wieder zurück. Das wäre das absolute Worst-Case-Szenario, weil man sich so radikalisiert. Und das ist nie gut. Jedes Extrem ist scheiße. Wenn du nur Fleisch isst, scheiße. Wenn du nur Früchte isst, scheiße. Es ist immer das Gleiche, jedes Extrem ist nicht gut. Meine Fresse, das ist ja jetzt schon halb philosophisch.
In dem Sinne: Wahrscheinlich ist die erste Folge viel zu lang geworden. Vielen Dank fürs Einschalten, drückt auf Like, drückt auf Abonnieren, hinterlasst einen Kommentar. Hier ist, ich weiß nicht, ob ich das einblende, Dauerwerbesendung H.P.N. Für meinen Blutdruck bringt es zwar nichts, wenn ihr bei mir einkauft, aber für meinen Geldbeutel, damit ich wenigstens eine Legitimierung für die körperlichen Schmerzen finde, die ich durch diese Videos habe. Schmerzensgeld. Dann sehen wir uns in der nächsten Folge. Macht's gut, bis dahin, bleibt gesund.
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Prioritäten-Zeile Die Reihenfolge steht vor dem Detail. Die sieben Prioritäten stehen in der Prioritätenliste.
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