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Du sollst fett bleiben
Alexander Friedrich
·34 Min
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Transkript Wort für Wort, zum Aufklappen.
Die Abnehmindustrie will, dass du fett bleibst und blöd bleibst. Wieso möchte sie das? Naja, relativ naheliegend: Wenn du wüsstest, was du tust, dann würdest du keine Saftkuren mehr kaufen.
Auch wenn das überspitzt klingt und eher Richtung polemische Schwurbelei geht, ist da leider etwas dran. Gerade bei Saftkuren oder dem, was so im Mainstream herumfliegt, muss man sagen, dass das Interesse nicht Richtung Bildung geht. Es geht nicht darum, Menschen nachhaltig Kalorien oder Esskultur nahezubringen, sondern nur darum, einen Quick Fix zu haben, um beispielsweise einen tollen Zeitungsartikel zu haben und sein Käseblatt zu verkaufen.
Das ist auf der anderen Seite auch ein Problem des Endkonsumenten, denn der möchte sich nun mal auch nicht bilden. Bildung ist nicht cool, Bildung nervt, Wissen nervt, toller Anker. Und das ist ein Riesenproblem, weil es nicht cool ist, jemandem zu sagen, du musst Eigenverantwortung übernehmen, um deinen Körper zu prägen, besser auszusehen und gesünder zu sein.
Es ist viel einfacher, dir zu sagen: Kauf meine Saftkur, mach meinen Detox, kauf meine holistische Ernährungsberatung, oder friss den ganzen Tag 700 Produkte von mir, damit du endlich die Hälfte von dir wirst.
Damit wir dieses Video für die Menschen komprimieren, die immer nur schnell durchskippen, machen wir es so: Wir gehen zu den wichtigen Punkten am Anfang. Ich sage euch genau, was ihr machen könnt und vor allem solltet, um an eure Ziele zu kommen. Und dann kommen wir hinten raus zur Erklärung.
Man muss ein paar Grundsätze festlegen. Die wichtigste Regel überhaupt ist: Kalorien rein gegen Kalorien raus. Egal, wer euch etwas anderes erzählt, auch mit Hormonen hier und da. Nein, die Gleichung ist immer Kalorien rein gegen Kalorien raus.
Was sich verändern kann, ist natürlich, wie viele Kalorien rausgehen. Also, wie viel Aktivität habt ihr, wie viel Sport. Habt ihr wirklich eine Erkrankung, die euren Grundumsatz runtersetzt, sodass ihr in Ruhe weniger Kalorien verbrennt, beispielsweise eine schwere Schilddrüsenerkrankung? Und wie ist euer subjektives Hungergefühl? Kann es sein, dass ihr es schwer habt, kalorienarm zu essen, weil ihr ein übermäßiges Hungergefühl habt?
Das sind alles Faktoren, die gegeben sind, die möchte ich auch gar nicht kleinreden. Aber am Ende ist es immer Kalorien rein gegen Kalorien raus. Es kann für den einen oder anderen nur schwieriger werden. Es gibt Leute, die haben ein natürliches Hungergefühl, das eher niedrig angesiedelt ist. Für die ist es deutlich einfacher zu diäten als für jemanden, der ein hohes Hungergefühl hat oder auf Blutzuckerschwankungen sehr sensibel reagiert und sagt, ich habe sofort Hunger, ich muss jetzt etwas essen.
Aber wichtiger Punkt, den möchte ich festhalten: Es gibt nichts, was diese Gleichung aufhebt. Ihr könnt sie nur scheinbar sprengen, weil ihr denkt, dass ihr mehr Kalorien verbrennt, als ihr es tut. Oder weil ihr denkt, ihr esst weniger, als ihr wirklich esst.
Das ist die wichtigste Lektion, die es im ganzen Abnehm- und Fitness-Game gibt. Ihr könnt euer Gewicht ausschließlich über Kalorien bestimmen. Willst du zunehmen, musst du mehr Kalorien essen. Willst du abnehmen, weniger. Daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn es da draußen 700 verschiedene Coaching-Varianten gibt und du 800 Euro im Monat für eine Paleo-Standard-Diät zahlst, weil der andere ja Hormonoptimierer ist. Was ein Schwachsinn.
Zurück zu dem, was ich eingangs zur Abnehmindustrie gesagt habe. Es gibt wirklich diese Fraktion, die darauf aufbaut, euch Schwachsinn zu erzählen, damit sie euch weiterhin Dinge verkaufen kann, Coachings, Ernährungsweisheiten, zumindest werden sie so geframt. Oder, wenn sie kein Produkt direkt verkauft, um sich selbst als Produkt zu verkaufen: Schau mich an, ich helfe dir gegen die böse Fitness-, Abnehm-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Man ist ja neuerdings Märtyrer für verschiedene Dinge geworden, jeder will dich ja irgendwie um die Ecke bringen. Es liegt garantiert nicht an dir, es liegt immer an anderen.
Das ist ein essenzieller Teil vom Marketing, um Angstmarketing zu betreiben und sich selbst als Beschützer und Heiler der Welt darzustellen.
Aber noch mal kurz zurück: Die Abnehmindustrie ist Fluch und Segen zugleich. Denn wir haben durch diese Industrie auch viele sehr positive Dinge geschaffen. Der High-Protein-Trend, den ihr aktuell seht, ist maßgeblich durch die Fitness- und Abnehmindustrie geprägt worden. Natürlich haben wir diesen Abnehmfaktor, aber parallel dazu auch den Gesundheitsfaktor. Wir essen mehr Protein, dadurch haben wir mehr Muskulatur, dadurch sind wir gesünder.
Abnehmen ist ja nicht nur für die Optik. Ich habe wirklich ein Problem, wenn ich übergewichtig bin. Meine Blutfettwerte sind nicht gut, ich kann ein Prädiabetes-Stadium erreichen oder komplett in den Diabetes abrutschen. Ich habe eine schlechtere Lebensqualität und bin einfach ungesünder, wenn ich schwer übergewichtig bin. Das ist ein sehr positiver Punkt.
Damit konnten wir auch gewisse Gegenbewegungen entkräften, wie Body Positivity. Da muss ich den Schwenk hin machen. Body Positivity ist an sich eine tolle Bewegung. Man muss sich selbst mögen, sich akzeptieren, verstehen und dann realisieren: Okay, vielleicht habe ich in 30 Jahren doch etwas zu viel gegessen. Vielleicht war es einmal zu viel bestellt, vielleicht waren es 40 Pizzen zu viel. Vielleicht waren es 400 Haribo-Packungen zu viel. Oder vielleicht habe ich auch mit tollen Lebensmitteln einfach zu viel gegessen. Toll in Anführungszeichen, weil viele sagen, ich habe ja nur meinen Salat gegessen, und dann machen sie eine Vinaigrette mit 40 Millilitern Olivenöl. Das geht auch.
Aber das ist ein anderes Fass, das müssen wir in einem anderen Video aufmachen: dass Lebensmittel nicht per se gesund oder ungesund sind, sondern dass man sich auch mit sehr gesunden Sachen sehr schnell in einen Kalorienüberschuss essen kann. Gerade mit Nüssen, das geht super schnell.
Die Abnehmindustrie ist also Fluch und Segen zugleich. Segen, weil wir damit eine Awareness für Gesundheit und für Lebensqualität schaffen, dass sich Menschen wohlfühlen. Denn, ganz offen und ehrlich, es gibt eigentlich niemanden, der sich mit echtem Übergewicht wohlfühlt.
Das ist auch der Grund, warum ich Body Positivity angesprochen habe. Dass dieses Movement sich, ich will nicht sagen selbst zerlegt hat, aber nachdem die Abnehmspritzen auf den Markt gekommen sind, waren die Leute, die am lautesten geschrien haben, ich liebe mich, wie ich bin, plötzlich die Hälfte danach. Da möchte ich niemandem zu nahe treten, das war eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.
Wichtig ist, dass dieser Gedankengang richtig weitergedacht wird. Übergewicht, gerade krankhaftes Übergewicht, ist schlecht. Punkt. Dafür ist die Abnehmindustrie super, wenn sie nachhaltig gestaltet wird. Wenn dir jemand suggeriert, du musst Saftkuren machen, du sollst Wasserfasten machen und nichts an deiner Ernährung ändern, Kalorien gibt es nicht, Protein ist nur für Sportler, du solltest den ganzen Tag 40 Bananen futtern: Das ist Schwachsinn. Das ist der schlechte Teil.
Und das muss man immer sagen: Wir haben immer positiv und negativ. Nichts ist nur positiv. Da, wo Gutes getan wird, wird auch viel Schlechtes getan. Deshalb ist es so wichtig, sich zu navigieren und herauszufinden, was ist das Nachhaltige und das Gute.
Da sind wir wieder bei dem Problem vom Anfang. Man muss sich zwangsläufig damit auseinandersetzen, mit Ernährung, Lebensmitteln und Kalorien, damit, wie euer Körper funktioniert. Das Problem ist gleichzeitig, und das stört mich an dieser Industrie am meisten, dass es unfassbar kompliziert dargestellt wird, obwohl es das nicht ist.
Weder Bodybuilding noch Fitness noch Ernährung, all das ist keine Raketenwissenschaft. Wir müssen keine super komplexen Dinge beachten, es ist ziemlich simpel. Du brauchst genug Aktivität, also Schritte sammeln, vielleicht mal auf dem Walking Pad laufen, Fahrrad fahren. Das ist ein einfacher Hebel, mehr Kalorien zu verbrennen. Sport machen, nicht nur, weil ich besser aussehen oder Muskeln aufbauen will, sondern weil sportliche Aktivität allgemein sehr gesund ist.
Auf die Muskeln solltet ihr einen Fokus legen, auch wenn ihr sagt, ich brauche eigentlich keine Muskeln. Doch, du brauchst Muskeln, du musst sie vor allem erhalten. Ein ganz wichtiger Punkt, der wieder positiv der Abnehm- und Fitnessindustrie zugesprochen werden muss. Also: Aktivität einbauen, Krafttraining einbauen. Krafttraining, nicht nur anderen Sport. Der andere Sport ist auch gut, den solltet ihr nämlich auch machen, erstens weil er Spaß macht und zweitens weil er einen völlig anderen Reiz setzt als klassisches Krafttraining, gerade was die kardiovaskuläre Gesundheit angeht.
Denn das müssen wir am Ende zusammenfassen: Krafttraining, Cardiotraining und eine gesunde Ernährung sind maßgeblich für eure allgemeine Gesundheit verantwortlich. Ihr könnt damit vielen Dingen vorbeugen, die euch sonst heimsuchen würden. Es gibt auch Dinge, dagegen hilft das nichts. Wenn ihr genetische Prädispositionen habt, wenn etwas in euch reincodiert ist, dann kann man es damit eventuell hinauszögern, aber man kann sich nicht davor schützen.
Trotzdem gilt unterm Strich: Jeder Mensch wird gesünder, wenn er nicht übergewichtig ist, ordentlich Aktivität hat und Sport macht, explizit auch Kraftsport. Erst recht, wenn man Richtung Alter geht, weil man dann auf Stürze und ihre Folgen schaut.
Aber die Abnehmindustrie hat auch scheinbar positive Seiten, und das muss ich sagen, obwohl ich selbst eine Supplement-Marke habe und seit fast zehn Jahren in diesem Kosmos verkehre. Man kann es auch übertreiben, das ist ein zweischneidiges Schwert. Das Positive kann ins zu Positive gezogen werden, in eine Obsession, und dann wird es wieder negativ.
Denn wie Body Positivity teilweise als Ausrede genutzt wurde für, ich bin schwer übergewichtig und krank, aber ist alles halb so wild, so geht es auch in die andere Richtung. Dass Leute sich komplett im Fitness- und Abnehmwahn befinden und sagen, ich muss jeden Tag nur High Protein essen, ich darf auf keinen Fall diese Lebensmittel essen, ich muss mein Leben lang ein Sixpack haben, und wenn ich zwei Kilo zunehme, bricht meine Welt zusammen.
Das ist ein großer Nachteil der Abnehmindustrie. Es hat super funktioniert für die Awareness, auch für die Gesundheit allgemein. Protein, jetzt gehen wir langsam Richtung Ballaststoffe. Und die Awareness geschaffen, dass Leute verstehen, ich muss Kraftsport machen, ich muss auf mein Gewicht achten, weil ich dann gesünder werde und mich besser fühle, nicht nur weil ich gesünder bin, sondern weil ich mein Spiegelbild mehr mag. Das ist toll.
Aber wie bei allem: Sobald es in ein Extrem abdriftet, ist es nicht gut. Wenn du in den Spiegel guckst und eigentlich aussiehst wie eine Kante, ob Männlein oder Weiblein, und das, was du im Spiegel siehst, nicht mehr objektiv wahrnehmen kannst, sondern denkst, du bist immer noch zu dick, du bist zu dünn, deine Muskulatur reicht nicht: Dann machst du die nächste Büchse der Pandora auf, und es wird nur schlimmer, nur in eine andere Richtung.
Und da müssen wir sagen, das ist schwierig aufzulösen. Denn wir haben immer noch den Punkt der Selbstverantwortung, der mir persönlich fast immer zu wenig angesprochen wird. Ja, wir haben diese Bad Player, die euch Saftkuren verkaufen, die sagen, du musst alles austauschen, du darfst das nicht essen, oh, böses Gluten. Ja, weil es Marketing ist, nichts anderes.
Aber man muss sich auch auf sich selbst verlassen und lernen, diese Dinge richtig zu kategorisieren und zu verstehen. Da sind wir wieder beim ursprünglichen Problem: Ja, das ist blöd, weil ich mich dann mit der Sache richtig auseinandersetzen und verstehen muss, was ich hier an Informationen bekomme.
Damit haben wir die Situation, dass viele Menschen zu viel in ihrem Leben haben, dann den Weg des geringsten Widerstands wählen wollen und sagen, ich habe so ein anstrengendes Leben, ich habe keinen Bock, mich hinzusetzen und gescheit zu kochen, ich nehme jetzt lieber das da. Und das, was ich nehme, verstehe ich nicht, und deshalb komme ich auch nicht an mein Ziel.
Und da muss man einfach sagen, deswegen auch der Bezug zu mir und meiner Firma: Es ist cool, dass es Geschmackspulver gibt, dass es Zero-Soßen gibt, dass es Whey-Protein gibt, dass es viele tolle Substitutionsprodukte gibt, die eingesetzt werden können. Aber die bringen nichts, wenn ihr nicht versteht, wieso diese Dinge gut sind. Es bringt nichts, wenn ihr drei Shakes am Tag trinkt und abends fünf vorgefertigte Mahlzeiten esst, ohne zu verstehen, wieso das zielführend ist.
Ihr müsst verstehen, wieso die Dinge, die ihr macht, funktionieren, um das gesamte Konzept nachhaltig zu verstehen. Stellt es euch so vor: Ihr könnt alle Auto fahren, zumindest die meisten von euch, aber viele wissen nicht, wie ein Auto wirklich funktioniert. Das ist auch egal, weil ihr trotzdem von A nach B kommt. So einfach ist es bei der Ernährung leider nicht, gerade wenn ihr maximal gesund sein und maximale Lebensqualität haben wollt.
Ja, ihr könnt mit einem Diätschema X immer an euer Ziel kommen. Wenn ihr dann aber nach drei Monaten sagt, jetzt reicht es mir, ich habe keine Lust, mein Leben lang nur Shakes und Salat mit Hähnchen zu essen, und ihr davon wegkommt, dann funktioniert das nicht mehr. Dann nehmt ihr plötzlich zu, weil ihr nicht verstanden habt, wie das Ganze funktioniert.
Da gibt es zwei wichtige Punkte. Der erste: Das ist nicht schlimm, wenn ihr das realisiert. Euer Leben sollte nicht darauf ausgerichtet sein, immer perfekt auszusehen und immer denselben Körperfettanteil zu haben. Euer Leben ist zyklisch. Es ist normal, dass ihr zunehmt, dass ihr Dinge genießt, wenn ihr im Urlaub seid, wenn ihr am Wochenende mit der Familie oder den Freunden essen geht. Das gehört alles zur Lebensqualität. Aber ihr müsst dann realisieren, okay, ich habe zugenommen, ich sollte wieder vom Gas gehen.
Der zweite Punkt: Natürlich könnt ihr immer wieder zu Diätform X zurückkehren, mit der ihr eure Resultate erreicht habt. Aber dann habt ihr auf Dauer das Problem, dass ihr sagt, ich muss immer dieses Schema fahren, und damit fühle ich mich unwohl. Deswegen sage ich immer: Ihr müsst verstehen, wieso dieses Schema funktioniert, und dann könnt ihr es abwandeln, um eure Lebensqualität zu steigern und eure Compliance, also wie ihr das durchziehen könnt, zu optimieren.
Als Einstieg finde ich diese Programme tatsächlich gut, wenn sie gescheit gemacht sind. Wenn du dich noch nie mit Ernährung auseinandergesetzt hast, dann ist so etwas wie Weight Watchers, was schon ewig alt ist, ein guter Einstieg, um überhaupt ein Gespür für Kalorien und Lebensmittel zu bekommen. Bei Weight Watchers hast du Punkte, weil das noch vereinfachter ist. Das ist eigentlich ein tolles Produkt.
Aber mein Problem, in Anführungszeichen, ist: Es ist schwierig, Leute dabei zu ermutigen und die Bildung zu fördern, wieso das gut ist. Da sind wir wieder bei der Eigenverantwortung. Wenn ihr Ernährung nachhaltig verstehen möchtet, müsst ihr euch darum kümmern.
Ihr habt dafür aber auch eine tolle Belohnung. Denn viele finden sich, gerade in Jo-Jo-Diäten, in einer Ohnmachtsspirale wieder. Wo sie sagen, ich habe nur diesen einen Weg, aber das ist so viel Arbeit, ich fühle mich damit unwohl, dann muss ich anfangen, aber ich will nicht anfangen. Und irgendwann kommt das Gefühl von Ohnmacht, wo man sagt, egal wie ich es mache, ich mache es falsch.
Wenn man verstanden hat, wie alles funktioniert, wie Kalorien funktionieren, wie Abnehmen funktioniert, dann hat man diese Ohnmacht nicht mehr. Dann wird man ruhiger. Man versteht, es ist okay, dass das alles zyklisch ist. Ich habe im Urlaub fünf Kilo zugenommen, so be it. Ich weiß, wie viele Kalorien ich essen muss, um das Gewicht zu halten. Ich weiß, wie viele ich essen muss, um zuzunehmen. Und ich weiß, wie viele ich essen muss, um abzunehmen.
Und wenn ich sage, ich habe jetzt zwei Wochen Zeit, da kann ich auch ein bisschen hungern, ich stelle meine Mahlzeiten um, esse mehr Salat, tausche vielleicht die Zuckersoße gegen etwas anderes, fange wieder an, mehr Sport zu machen. Solange man das bewusst macht und das Bewusstsein entwickelt hat, zu sagen, das ist meine Situation und das ist eine Lösung für meine Situation, hat man keine Ohnmacht mehr. Klingt komisch, funktioniert aber ganz gut.
Nochmal zusammengefasst: Die Abnehmindustrie hat natürlich ein Interesse daran, dass ihr auf eurem Weg scheitert. Auf der anderen Seite kann man sagen, das Leben ist eh zyklisch. Das Gewicht, das ihr verliert, werdet ihr zumindest zu einem Teil wieder draufpacken. Wahrscheinlich viel weniger, als was ihr verlieren könnt. Aber das ist in Ordnung. Und dann ist wiederum die Abnehmindustrie da, um euch Alternativen zu bieten.
Wir haben mittlerweile eine riesengroße Kultur an Rezepten, ein ganzes Subgenre, in dem Kochbücher über kalorienarme, sehr leckere Mahlzeiten geschrieben werden. Selbst die klassische Kulinarik ist dort eingebunden worden. Das sind alles tolle Dinge.
Und da sind wir wieder bei dem Punkt: Je mehr ihr das versteht, je mehr Bildung ihr habt, desto besser wird eure Lebensqualität. Desto schneller kommt ihr auch an eure Ziele, mit weniger Kopfschmerzen. Und das ist am Ende das, was die Compliance, also das Durchhaltevermögen, so stark stärkt.
Wenn es für euch einfach wird, dann ist es keine Hürde mehr. Dann haben wir auch nicht mehr das Problem, dass wir krankhaft übergewichtig werden. Weil dann alle realisieren, ich bin zehn Kilo drüber, mein Blutdruck ist hochgegangen, ich fühle mich nicht mehr wohl, meine Hose passt nicht mehr, ich sollte mal wieder weniger essen. Aber ich weiß ja, wie es geht. Ich weiß, wie ich Kalorien zähle, ich weiß, was ich machen muss. Klar, mache ich.
Oder anders: Man weiß sogar, dass man gerade zunimmt, versteht das und sagt, ja, ist okay. Ich kann zunehmen, kein Problem, ich weiß ja, wie ich wieder abnehme. Ich will jetzt ein, zwei Wochen Halligalli haben, und dann esse ich wieder ein bisschen weniger.
Unterm Strich sehe ich die Abnehmindustrie, wenn man wieder teilt in die Guten und die Schlechten, was man leider muss, als großen Mehrwert. Wenn man sich auf die wirklichen Vorteile dieser Industrie konzentriert, hat man vielen Menschen damit helfen können, sich selbst besser zu fühlen und gesundheitlich besser dazustehen. Darauf sollten wir uns fokussieren.
Wir sollten uns nicht darauf fokussieren, dass irgendwelche Leute euch einen Fatburner verkaufen, der angeblich ein Kilo Körperfett wegdrückt. Das funktioniert nicht, und es würde pharmakologisch auch keinen Sinn machen, weil du ja trotzdem deinen Hunger hast. Selbst wenn es funktionieren würde, könntest du es wegessen.
Deswegen gibt es auch keine pharmakologischen Fatburner, weil sie in der Anwendung schwachsinnig sind. Selbst wenn du mit einer Wunderpille 2.000 Kalorien am Tag mehr verbrennen würdest, hättest du trotzdem Hunger. Du hast ja 2.000 Kalorien verbrannt. Die Chance, dass du diese 2.000 Kalorien isst, ist ziemlich hoch. Und die Chance, dass du statt 2.000 plötzlich 3.000 Kalorien isst, weil du keine große Bildung dazu hast, ist noch viel größer. Es kann also sein, dass die Wunderpille dich fetter macht. Deswegen wird sie nicht verfolgt. Und das ist keine Verschwörung der Pharmaindustrie, es ist einfach schwachsinnig. Deswegen hat man sich auf das Hungergefühl konzentriert, und deswegen gibt es Dinge wie die Abnehmspritzen.
Ich mache noch einen kleinen Schwenk Richtung Fatburner, weil wir tatsächlich auch welche im Sortiment haben. Das ist ein Produkt, das meiner Meinung nach katastrophal ist. Wir müssen kurz erklären, was Fatburner sind. Ein Kaffee ist faktisch ein Fatburner, wenn man es so haben will. Das Problem bei diesen Produkten ist auch nicht der Name, sie dürfen auch nicht Fatburner genannt werden, Gott sei Dank. Wir haben zwar Produkte, aber wir bewerben sie nicht so.
Diese Dinge können helfen, aber, und das ist ganz wichtig, die Relation passt nicht. Wir reden davon, wenn diese Produkte perfekt formuliert und optimal kombiniert sind, dann sind wir vielleicht bei 100, 150 Kalorien pro Tag. Vielleicht, wenn alles perfekt ist und du sie pre-workout genutzt hast, ein bisschen mehr Stimulanz dabei hast, deine Herzrate ein bisschen höher ist und die Thermogenese angehoben ist, vielleicht 200 Kalorien am Tag.
Wenn wir das hochrechnen, sind wir bei 1.400 Kalorien die Woche, mal vier sind knapp 6.000 Kalorien. Also ist es nicht mal ein Kilo Fett im Monat. Selbst wenn wir alles schön rechnen, schaffen wir es vielleicht mit optimalen Produkten, ein Kilo Fett im Monat zusätzlich zu verlieren, wenn alle anderen Dinge funktionieren. Und wenn ihr aufgrund der Mehrkalorien, die ihr verbrennt, wieder mehr Hunger habt, sind wir beim gleichen Problem wie vorher.
Deshalb ist es so wichtig, dass man diese Dinge korrekt labelt und korrekt erklärt. Auch das Koffein im Kaffee ist ein Fatburner. Das macht nicht magisch viel, lassen wir da 20, 30 Kalorien sein bei jemandem, der adaptiert ist, vielleicht sind es auch 50 oder 100. Aber die sind sowieso schon einkalkuliert, weil du ja jeden Tag deinen Kaffee oder deinen Energydrink trinkst. Wenn du deine Kalorien trackst, ist das schon inkludiert. Das ist leider auch ein Denkfehler.
Mir war an der Stelle nur wichtig: Wenn ihr wieder irgendwo eine Anzeige seht, du kannst jetzt ein halbes Kilo am Tag verlieren mit XYZ. Neuerdings muss ich kurz erwähnen, der neue Fatburner ist ja die Leberreinigung. Der Leberdetox führt jetzt angeblich dazu, dass du magisch mehr Fett verbrennst. Das ist wirklich ganz schön Banane.
Und lasst euch da nicht ins Hirn scheißen, auch wenn das polemisch ist, weil das die Aussage ist, die sie dahinter zu vertreten versuchen. Deine Leber hat mit deinem Stoffwechsel und deinen Kalorien nicht wirklich viel zu tun. Wäre schön, wenn es so wäre. Das hat etwas mit deinen Schilddrüsenhormonen zu tun, und dann versuchen die sich an selbst gehäkelten Kausalketten entlangzuhangeln und sagen, du musst die Leber optimieren, dann hast du mehr Schilddrüsenhormone. Nein. Das Einfachste, was du machen kannst, ist weniger essen und dich mehr bewegen. Funktioniert garantiert.
Das wollte ich nur kurz anführen für die nächste tolle Werbeanzeige. Leber reinigen, oder ein bisschen Koffein, grüne Kaffeebohnen, und dann 50 Milligramm Koffein und darüber der Werbeclaim, ein Kilo die Woche. Nein. Lasst es euch von jemandem gesagt sein, der teilweise die innovativsten Produkte weltweit baut: Nein, es funktioniert nicht. Selbst mit meinen halb ausgerissenen Haaren wegen der zwei Produkte. Ja, es funktioniert etwas, aber wahrlich nicht so, dass du Unmengen an Kalorien am Tag verbrennst. Lasst euch da nicht verarschen.
Um das zum Abschluss zu bringen: Bei diesem ganzen Abnehmwahn, oder bei dem großen Zulauf, den diese Industrie hat, haben wir sehr viel Positives. Unterm Strich sehe ich das auch als sehr positiv an. Wir müssen wie immer schauen, Extreme sind blöd, aber Extreme waren schon immer dumm.
Wenn ihr euch selbst dort wiederfindet und sagt, ich glaube, ich muss etwas tun: Macht was. Fangt heute an. Und fangt an, euch mit der Thematik zu beschäftigen, das ist nicht schwer.
Wir haben bei uns auf der H.P.N-Seite im Science-Bereich zwei E-Books, komplett kostenlos. Da ist alles erklärt. Das eine heißt How to Eat, da steht drin, wie du Kalorien zählst, welche Lebensmittel prickelnd sind, alles drum und dran. Komplett umsonst, ich will keinen Cent daran verdienen. Meiner Meinung nach sollte das der Staat gefühlt jedem in die Hand drücken, damit man einmal versteht, wie Kalorien funktionieren. Macht das, einfach durchlesen. Dann habt ihr es schon, da gibt es kein Geheimwissen mehr.
Ich habe zwölf Jahre alles Mögliche gecoacht, vom Leistungssport bis zum Hochleistungsbodybuilding, Tischtennisspieler, Tennisspieler, Golfer, alles. Nein, es gibt kein Geheimwissen. Gibt es nicht. Null. Auch wenn die Biohacking-Fritzen sagen, ich habe ein tolles Peptid gefunden. Ja, schön, viel Spaß, bleib daheim. Es ist immer das Gleiche, es wird mit Wasser gekocht. Man muss die gleichen Dinge machen, das ist ziemlich simpel.
Kalorien rein gegen Kalorien raus, das ist ein Gesetz, daran gibt es nichts zu rütteln. Es kann die Bilanz verschoben werden, ihr habt beispielsweise mehr Hunger, dadurch ist es schwieriger, das Kaloriendefizit einzuhalten. Ihr habt eventuell Erkrankungen oder ein eingeschränktes Aktivitätslevel, dadurch verbrennt ihr weniger Kalorien, dadurch kann es schwieriger werden. Alles cool.
Damit haben wir die Ernährung abgefrühstückt. Auf der zweiten Ebene haben wir die Aktivität. Ihr solltet zusehen, Schritte zu sammeln, rausgehen, das ist auch für den Kopf gut, frische Luft, mal was machen. 5.000 bis 10.000 Schritte, super, macht euer Leben deutlich einfacher.
Drittens, Kraftsport. Ihr müsst Kraftsport machen, zwei- bis dreimal die Woche. Wenn ihr nur zweimal gehen könnt, okay, dann geht zweimal und reißt die Hütte ab. Findet einen Trainingssplit und Übungen, die euch guttun, wo ihr lange geradlinig besser werden könnt, wo ihr immer schwerer trainieren könnt und dann auch mehr Spaß habt.
Ihr müsst euren Trainingssplit nicht andauernd ändern, ihr müsst keine fancy neuen Übungen machen. Guckt euch alles an, testet es aus, baut euch euren Trainingsplan zusammen, oder lasst euch einen kostenlosen aus dem Internet geben. Fragt die KI, die macht das sowieso alles. Die KI könnt ihr auch bei Ernährungsfragen fragen, nach dem Motto, ich will abnehmen, das und das sind meine Werte. Das ist besser als jede App. Du musst ein bisschen mit der KI quatschen, aber am Ende hast du da deinen Coach drin. Was kostet ein Pro-Abo im Monat, 20, 25 Euro? Die meisten Coachings fangen bei 200 Euro an. Musst du für dich entscheiden, ob dir das das Geld wert ist. Wenn nicht, mach es mit der KI.
Vierter Punkt, Cardio und Sport. Die meisten Menschen hassen Cardio, weil es langweilig ist, wenn man auf der Stelle läuft. Deswegen macht euer Cardio interessant. Vielleicht eine Sportart aufnehmen, ein bisschen Fahrrad fahren, laufen gehen mit Freunden. Irgendetwas. Hauptsache ein- bis zweimal die Woche die Herzrate nach oben.
Wenn ihr das gemacht habt, seid ihr der Abnehmindustrie schon davongelaufen. Dann habt ihr alles verstanden. Ihr könnt die Produkte dieser Industrie natürlich auch in eure Routine integrieren, dafür sind sie gemacht worden. Wenn du sagst, ich hätte gerne eine Zero-Soße, dann kauf die Zero-Soße. Ich hätte gerne eine Cola, dann kauf die Zero-Cola. Ich hätte gerne einen Joghurt, dann kauf einen High-Protein-Joghurt. Ich hätte gerne Geschmack in meinem Porridge, dann kauf ein Proteinpulver. Ob vegan oder nicht, scheißegal.
Du hast eine Bandbreite an Produkten, das ist das Schlaraffenland. Und ihr müsst diese Produkte nicht nutzen. Ihr könnt sie nutzen, um mehr Geschmack, mehr Lebensqualität und mehr Flexibilität zu haben. Genauso sieht es mit allen anderen Supplementen aus. Nahrungsergänzungsmittel sind eine Ergänzung, die euch das Leben einfacher machen.
Verliert euch nicht in diesen Sachen. Befasst euch mit den wichtigen Themen, lernt sie, versteht sie wirklich vollständig, und dann werdet ihr nicht mehr anfällig. Nicht mehr anfällig für irgendein Fear-of-Missing-out-Marketing, dass ihr jetzt den neuesten Geschmack von XYZ haben müsst. Quatsch. Ihr werdet aber auch nicht mehr auf Saftkuren reinfallen oder auf irgendwelche Zeitschriften-Diäten.
Ja, das braucht ein bisschen, ihr braucht wahrscheinlich ein paar Tage, bis ihr das alles verstanden habt. Deswegen gibt es unsere E-Books kostenlos. Einfach durchlesen, verinnerlichen. Gerne auch doppelt checken, falls ihr mir nicht glaubt, das ist vollkommen in Ordnung. Ich bin ja auch nur ein Typ im Internet. Gerne alles, was ich sage, doppelt und dreifach validieren, alles cool, damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil, weil ihr euch dann mit der Thematik befasst und merkt, dass der doofe Klugscheißer am Ende doch recht hat. Das ist eine Win-win-Situation für mich und für euch.
Deswegen: Nicht so viel stressen. Lasst euch von der Abnehmindustrie nicht abschrecken und nicht an der Nase herumführen, und geht bewusst an euer Leben ran. Das ist die beste Botschaft, die ich vermitteln kann.
Ihr müsst noch liken, abonnieren und kommentieren, bevor ich gleich wieder den Call to Action vergesse. Checkt gerne auch H.P.N ab. Wir posten Blog-Beiträge und Newsletter, wir haben natürlich Produkte, mit denen der ganze Quatsch hier mitfinanziert wird. Falls ihr etwas braucht, kauft das gerne. Aber vor allen Dingen: Die Dinge, die für euch wichtig sind, sind kostenlos. Ihr könnt nämlich sofort selbst entscheiden, ob ihr mehr Sport macht und ob ihr ein bisschen Wissen aufbaut. Und das möchten wir vor allem unterstützen, deswegen gibt es die ganzen Sachen umsonst.
In dem Sinne, wir sehen uns in der nächsten Folge. Macht's gut, tschüss.
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