Berberin

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Pflanzenstoffe

Berberine

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 14 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein gelbes Isochinolin-Alkaloid aus der Gruppe der Protoberberine. Kommt in mehreren Pflanzen vor, unter anderem in der Berberitze (Berberis vulgaris, Berberis aristata), der Gelbwurz (Coptis chinensis) und der Goldsiegelwurzel (Hydrastis canadensis). In Nahrungsergänzungsmitteln wird üblicherweise isoliertes Berberin aus einer dieser Pflanzen eingesetzt
Wirkform in Studien
Die Mehrzahl der hier zitierten Humanstudien, darunter die größte Einzelstudie (PREMOTE), verwendet ausdrücklich Berberin-Hydrochlorid, andere Studien nennen die verwendete Zubereitung nicht näher
Bioverfügbarkeit
Oral sehr gering. Eine kontrollierte Studie an 12 gesunden Erwachsenen misst nach 800 mg pulverisiertem Berberin eine maximale Plasmakonzentration von nur 0,9 nanomolar und beziffert die Aufnahme allgemein mit unter 1 Prozent der eingenommenen Menge
Übliche Studiendosis
In den meisten hier zitierten randomisierten Studien 0,6 bis 1,5 Gramm Berberin pro Tag, aufgeteilt auf 2 bis 3 Einzelgaben vor den Mahlzeiten, einzelne Studien bis 2 Gramm pro Tag
Sicherheitshinweis
Berberin hemmt CYP3A4 und möglicherweise weitere CYP450-Enzyme, mit einer belegten, klinisch relevanten Wechselwirkung mit Cyclosporin. Die EFSA bewertet berberinhaltige Pflanzenzubereitungen 2026 in einem noch laufenden Verfahren neu, Einzelheiten und Vorbehalte zur Quellenlage siehe Sicherheit und Wechselwirkungen

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Nüchternblutzucker (FPG) und Langzeit-Blutzucker (HbA1c) bei Typ-2-Diabetes

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei unabhängige Meta-Analysen zeigen unter Berberin gegenüber einer Kontrollgruppe (meist Placebo oder eine unveränderte Standardtherapie) eine Senkung von Nüchternblutzucker und HbA1c bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Eine Meta-Analyse aus 46 randomisierten Studien fand für HbA1c minus 0,73 Prozentpunkte (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,97 bis minus 0,51) und für den Nüchternblutzucker minus 0,86 mmol pro Liter (minus 1,10 bis minus 0,62), jeweils gegenüber Kontrollgruppe, im Ergebnisteil selbst mit minus 0,75 beziehungsweise minus 0,89 sehr ähnlich beziffert, jeweils bei einer Heterogenität von I-Quadrat 97 bis 98 Prozent [1]. Eine ältere Meta-Analyse aus 28 Studien mit 2313 Teilnehmenden fand ähnliche, etwas kleinere Effekte (Nüchternblutzucker minus 0,54 mmol pro Liter, minus 0,77 bis minus 0,30; HbA1c minus 0,54 mmol pro Liter, minus 0,93 bis minus 0,15, die Einheit für HbA1c steht so auch im Original-Abstract, vermutlich ebenfalls ein Einheitenfehler, üblich wäre Prozent oder mmol pro mol) [2]. Dieselbe Quelle fand in drei getrennten Untergruppenanalysen, dass der Effekt statistisch unauffällig wurde, wenn die Behandlungsdauer über 90 Tage, die Tagesdosis über 2 g oder das Patientenalter über 60 Jahre lag, drei eigenständige Bedingungen, keine gemeinsame [2]. Die größte einzelne plazebokontrollierte Studie (PREMOTE, 409 Teilnehmende, doppelblind, 12 Wochen, Berberin-Hydrochlorid, 1,2 g pro Tag) fand eine HbA1c-Senkung von minus 0,99 Prozentpunkten (minus 1,16 bis minus 0,83) unter Berberin allein gegenüber minus 0,59 Prozentpunkten (minus 0,75 bis minus 0,44) unter Placebo [5]. Wichtig für die Einordnung: PREMOTE ist laut Volltext zugleich die eingeschlossene Studie Nr. 15 (Tabelle 1) der Meta-Analyse aus 46 Studien [1] und liefert dort einen Teil der oben genannten gepoolten Zahlen, sie ist also keine vierte, unabhängige Bestätigung, sondern die größte Einzelstudie innerhalb von [1]. Eine dritte, neuere und PROSPERO-registrierte Arbeit wird leicht als weitere Bestätigung gelesen, ist bei genauem Hinsehen aber keine Berberin-Meta-Analyse: Von den 32 eingeschlossenen randomisierten Studien sind laut Volltext nur drei berberinhaltig, der Rest prüft Probiotika oder Synbiotika, und eine der drei Berberin-Studien ist wiederum PREMOTE selbst (dort als Referenz 67 geführt) [3]. Die im Abstract genannten Zahlen (Nüchternblutzucker minus 0,71 mmol pro Liter, minus 1,15 bis minus 0,27, GRADE-Einstufung niedrig, 33 Studien mit 2265 Teilnehmenden; HbA1c minus 0,19 Prozentpunkte, minus 0,34 bis minus 0,05, GRADE-Einstufung moderat, 28 Studien mit 2204 Teilnehmenden, jeweils bei einer Heterogenität von I-Quadrat 87 Prozent) [3] sind laut den Autoren selbst ein gemeinsamer Pool aus Probiotika-, Synbiotika- und Berberin-Studien und sollen, so wörtlich, 'als durchschnittliche Zusatzwirkung über heterogene Interventionen hinweg interpretiert werden, nicht als einem einzelnen Therapieansatz zurechenbare Effekte' [3]. Die 'über 2000 Teilnehmenden' dieser dritten Quelle sind für Berberin also kein eigener, dritter Beleg, sondern drei Studien in einem gemischten Pool, von denen eine bereits über [1] eingeht. Die eigentliche Belegbasis für Nüchternblutzucker und HbA1c bleiben damit zwei unabhängige Meta-Analysen [1, 2] sowie die in der neueren Meta-Analyse enthaltene Einzelstudie PREMOTE [5]. Laut Volltext der ersten Meta-Analyse [1] zeigte sich in der Subgruppenanalyse außerdem: Bei alleiniger Berberin-Gabe gegenüber Placebo oder keiner Behandlung (11 von 46 Studien) sank HbA1c um minus 0,38 Prozentpunkte (minus 0,49 bis minus 0,27) und der Nüchternblutzucker um minus 0,58 mmol pro Liter (minus 0,81 bis minus 0,35), deutlich weniger als in Kombination mit einer bestehenden Therapie (HbA1c minus 0,91, minus 1,25 bis minus 0,56). Verglichen mit einer aktiven Vergleichstherapie (4 von 46 Studien, überwiegend Metformin und ähnliche Antidiabetika) fand sich bei alleiniger Berberin-Gabe kein signifikanter Unterschied bei HbA1c, Nüchternblutzucker oder postprandialem Blutzucker, die Autoren selbst bezeichnen die blutzuckersenkende Wirkung von Berberin allein wörtlich als 'vergleichbar mit Metformin' [1], siehe dazu die eigene Wirkungszeile zum Metformin-Vergleich. Die Studien stammen überwiegend aus China: Laut Volltext der größten Meta-Analyse [1] waren nur 5 von 46 Studien doppelblind und nur 22 von 46 berichteten die Methode der Randomisierung, die Autoren selbst nennen es eine Einschränkung, dass die meisten Studien an chinesischen Patienten liefen. Die PREMOTE-Studie [5] stammt aus 20 Zentren in China, ebenfalls von den Autoren selbst als Einschränkung für die Übertragbarkeit genannt, und schloss ausdrücklich nur Berberin-Hydrochlorid-Tabletten ein, eine Form, die in handelsüblichen Präparaten oft nicht gesondert ausgewiesen wird. Die in diesen Studien geprüfte Tagesdosis liegt mit meist 0,6 bis 1,5 g deutlich über den in Nahrungsergänzungsmitteln üblichen Kapselmengen

    Quellen: 1, 2, 3, 5

  2. 02

    Insulinresistenz (HOMA-IR) und Nüchterninsulin bei Typ-2-Diabetes

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Meta-Analyse aus 46 Studien [1] fand unter Berberin gegenüber Kontrollgruppe eine Senkung von HOMA-IR (minus 0,71, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,03 bis minus 0,39) und von Nüchterninsulin (minus 2,05, minus 2,62 bis minus 1,48). Die umbrella-Meta-Analyse [4] ist keine zweite Auswertung eigener Primärstudien, sondern eine Zusammenfassung bereits veröffentlichter Meta-Analysen zu genau diesem Feld mit Suchstand April 2023. Sie rechnet damit denselben, überwiegend chinesischen Studienbestand ein zweites Mal aus, den auch [1] und [2] auswerten, und ist kein unabhängiger Beleg. Ein Volltext mit ihrer Einschlussliste lag für diese Recherche nicht vor, geprüft über PubMed und Europe PMC. Sie kommt für HOMA-IR zu einer ähnlichen Richtung (minus 1,04, minus 1,66 bis minus 0,42, beziehungsweise standardisiert minus 0,71, minus 0,97 bis minus 0,46). Dieselben Einschränkungen zur Studienherkunft (überwiegend China) und zur begrenzten Verblindung wie bei der Blutzucker-Wirkungszeile gelten hier ebenso, da beide Übersichten großenteils dieselben Primärstudien auswerten

    Quellen: 1, 4

  3. 03

    Vergleich mit blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die verbreitete Aussage, Berberin wirke wie Metformin, stützt sich in der hier geprüften Literatur auf eine kleine, aber vorhandene Zahl an Kopf-an-Kopf-Vergleichen. Eine erste Suche nach dieser Frage als wörtliche Wendung (Suchbegriffe: 'berberine' 'metformin comparison head to head randomized') fand keinen Treffer, das lag aber an der Suche selbst: Eine Phrasensuche aus vier aneinandergereihten Wörtern passt praktisch nie zu einem echten PubMed-Titel oder -Abstract. Eine weiter gefasste, zweite Suche (Suchbegriffe: 'berberine' 'metformin randomized controlled trial') fand 7 Treffer, darunter eine eigenständige randomisierte Studie: 36 Erwachsene mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes wurden Berberin oder Metformin (je 0,5 g dreimal täglich) über 3 Monate zugeteilt, die blutzuckersenkende Wirkung von Berberin war laut Abstract 'der von Metformin ähnlich', mit einer HbA1c-Senkung von 9,5 auf 7,5 Prozent unter Berberin, eine eigene Vergleichszahl für die Metformin-Gruppe nennt das Abstract nicht [18]. Laut Volltext der großen Meta-Analyse aus 46 Studien [1] verglichen 4 der 46 eingeschlossenen Studien Berberin allein mit einer aktiven Vergleichstherapie (überwiegend Metformin und ähnliche orale Antidiabetika), 11 mit Placebo oder keiner Behandlung. Bei alleiniger Gabe von Berberin gegenüber der aktiven Vergleichstherapie zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei HbA1c, Nüchternblutzucker oder postprandialem Blutzucker, die Autoren selbst bezeichnen die blutzuckersenkende Wirkung von Berberin allein wörtlich als 'vergleichbar mit Metformin' [1]. Das ist weder ein Beleg für Überlegenheit noch für Unterlegenheit, sondern beruht auf einer kleinen Zahl von Kopf-an-Kopf-Vergleichen (4 Studien in [1], plus die oben genannte Einzelstudie [18]) mit meist kleinen Teilnehmerzahlen. Als Zusatz zu einer bestehenden Antidiabetika-Therapie zeigte sich Berberin plus Standardtherapie gegenüber der Standardtherapie allein überlegen

    Quellen: 1, 18

  4. 04

    Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyzeride

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Mehrere unabhängige Quellen zeigen unter Berberin gegenüber Kontrollgruppe beziehungsweise Placebo eine Senkung von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyzeriden. Die Meta-Analyse aus 46 Studien an Menschen mit Typ-2-Diabetes fand laut Volltext eine Senkung des Gesamtcholesterins um 0,64 mmol pro Liter (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,78 bis minus 0,49, im Abstract mit einem Vorzeichenfehler als plus 0,64 abgedruckt, im Ergebnisteil eindeutig als Senkung ausgewiesen), von LDL-Cholesterin um 0,86 mmol pro Liter (minus 1,06 bis minus 0,66) und von Triglyzeriden um 0,5 mmol pro Liter (minus 0,61 bis minus 0,39) [1]. Eine PROSPERO-registrierte Meta-Analyse aus 10 Studien an Menschen mit diagnostizierter Fettlebererkrankung fand dieselbe Richtung (Gesamtcholesterin standardisierte Mitteldifferenz minus 0,74, minus 1,00 bis minus 0,49; LDL minus 0,53, minus 0,88 bis minus 0,18; Triglyzeride minus 0,59, minus 0,86 bis minus 0,31), jeweils gegenüber Kontrollgruppe [10]. Eine randomisierte, plazebokontrollierte Studie an 84 Männern mit Fettstoffwechselstörung fand nach 12 Wochen unter 1000 mg Berberin pro Tag eine Senkung des Gesamtcholesterins um 0,39 mmol pro Liter gegenüber Placebo (minus 0,70 bis minus 0,08) [12]. Für Triglyzeride fand dieselbe Studie dagegen laut Ergebnisteil keinen signifikanten Unterschied zu Placebo, anders als die Richtung, die [1] und [10] für Triglyzeride in ihren jeweiligen Populationen zeigen [12]. Auch hier stammt der größte Teil der Studien aus China, und in 7 von 10 Studien der Fettleber-Meta-Analyse [10] erhielten sowohl Behandlungs- als auch Kontrollgruppe zusätzlich Metformin, Berberin wurde also meist als Zusatz und nicht allein geprüft. Die erste Quelle [1] schließt gezielt Menschen mit Typ-2-Diabetes ein, die zweite [10] gezielt Menschen mit diagnostizierter Fettlebererkrankung. Ein Abgleich der Einschlusstabellen in den Volltexten zeigt aber eine konkrete Überschneidung: Die Studien Cui 2016 (40/40 Teilnehmende) und Cao 2012 (rund 40/38 Teilnehmende) tauchen in beiden Einschlusstabellen mit übereinstimmendem Autor, Jahr und Fallzahl auf, damit sind mindestens 2 der 10 in [10] eingeschlossenen Studien auch Teil der 46 Studien in [1]. Die beiden Quellen sind für Gesamtcholesterin und LDL also nicht vollständig unabhängig, auch wenn der überwiegende Teil ihrer Studienbestände unterschiedlich ist

    Quellen: 1, 10, 12

  5. 05

    HDL-Cholesterin, uneinheitliche Richtung je nach Studie und Population

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Für HDL-Cholesterin kommen die gleichen drei Quellen wie bei der vorigen Wirkungszeile zu widersprüchlichen Ergebnissen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes fand die Meta-Analyse aus 46 Studien [1] gegenüber Kontrollgruppe eine leichte Erhöhung (plus 0,17 mmol pro Liter, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,09 bis 0,25). Bei Menschen mit diagnostizierter Fettlebererkrankung wies die Meta-Analyse [10] laut Volltext in dieselbe Richtung, blieb dabei aber statistisch unauffällig, und stützte sich auf nur 4 ihrer 10 Studien mit 352 Teilnehmenden (standardisierte Mitteldifferenz plus 0,51, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,12 bis plus 1,15, p gleich 0,11, I-Quadrat 88 Prozent). In der randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 84 Männern [12] sank das HDL-Cholesterin unter Berberin gegenüber Placebo sogar leicht (minus 0,07 mmol pro Liter, minus 0,13 bis minus 0,01), die Richtung ist damit der ersten Quelle entgegengesetzt. Die erste und die zweite Quelle schließen unterschiedliche Populationen ein (Typ-2-Diabetes gegenüber diagnostizierter Fettlebererkrankung), teilen sich laut Abgleich der Einschlusstabellen in den Volltexten aber mindestens 2 Primärstudien (Cui 2016, Cao 2012, siehe die vorige Wirkungszeile), sind also nicht vollständig unabhängig. Die dritte Quelle [12] ist eine eigenständige Einzelstudie an einer dritten Population (Männer mit Fettstoffwechselstörung ohne genannte Diabetes- oder Fettleber-Diagnose) und von den beiden anderen unabhängig

    Quellen: 1, 10, 12

  6. 06

    Körpergewicht in Kilogramm, uneinheitlich zwischen Meta-Analysen

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Drei Meta-Analysen zum Körpergewicht unter Berberin kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Meta-Analyse aus 12 Studien fand gegenüber Kontrollgruppe eine Senkung um 2,07 kg (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3,09 bis minus 1,05) [7]. Eine zweite Meta-Analyse fand dagegen keinen signifikanten Unterschied (minus 0,11 kg, minus 0,99 bis 0,76, p gleich 0,79) [9]. Diese zweite Quelle schließt laut Volltext 9 Arbeiten ein, und ihr Körpergewichtswert stützt sich auf nur 5 Vergleiche mit zusammen 378 Teilnehmenden, nicht auf 10 Studien. Die neueste und mit 23 Studien größte Meta-Analyse, die als einzige der drei das Cochrane-RoB-2-Werkzeug zur Verzerrungsprüfung nutzt, fand wieder eine kleine, aber signifikante Senkung (minus 0,88 kg, minus 1,36 bis minus 0,39) [8]. Zur Frage der Überschneidung liegt für [9] ein frei zugängliches Autorenmanuskript im Hochschulrepositorium der Coventry University vor, dessen Einschlusstabelle die 9 Arbeiten namentlich nennt (Rashidi 2018, Wu 2016, Chang 2016, An 2014, Pérez-Rubio 2013 mit zwei getrennt ausgewerteten Armen, Derosa 2013, Wei 2012, Shidfar 2011, Gu 2010). Rashidi 2018 steht auch in der Einschlusstabelle der Blutzucker-Meta-Analyse [1], die Bestände dieses Eintrags sind also nicht sauber getrennt. Für [7] und [8] lag der Volltext in der vorliegenden Recherche nicht vor, geprüft über PubMed und Europe PMC, ihre Einschlusstabellen bleiben deshalb ungeprüft. Die absolute Größenordnung des Effekts bleibt in allen drei Fällen klein

    Quellen: 7, 8, 9

  7. 07

    Body-Mass-Index und Taillenumfang

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Anders als beim absoluten Körpergewicht zeigt sich bei Body-Mass-Index und Taillenumfang ein konsistenteres Bild über fünf Quellen und drei verschiedene Populationen (Menschen mit Typ-2-Diabetes, allgemein übergewichtige Menschen, Menschen mit Fettlebererkrankung). Für den BMI fanden sich gegenüber Kontrollgruppe Senkungen von minus 1,07 kg pro Quadratmeter (minus 1,76 bis minus 0,37) bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, laut Volltext der Meta-Analyse aus 46 Studien [1], der größte BMI-Effekt aller hier genannten Quellen, minus 0,47 kg pro Quadratmeter (minus 0,70 bis minus 0,23) [7], minus 0,29 kg pro Quadratmeter (minus 0,51 bis minus 0,08) [9], minus 0,48 kg pro Quadratmeter (minus 0,89 bis minus 0,07) [8] und, standardisiert, minus 0,58 (minus 0,77 bis minus 0,38) bei Menschen mit Fettlebererkrankung [10]. Für den Taillenumfang fanden sich Senkungen von minus 1,08 cm (minus 1,97 bis minus 0,19) [7], minus 2,75 cm (minus 4,88 bis minus 0,62) [9] und minus 1,32 (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,24 bis minus 0,41, im Abstract mit der Einheit kg pro Quadratmeter angegeben, vermutlich ein Einheitenfehler für Zentimeter) [8]. Die absolute Größenordnung bleibt bei BMI und Taillenumfang in allen Fällen klein, unter einem Kilogramm pro Quadratmeter beziehungsweise wenigen Zentimetern, mit Ausnahme des BMI-Werts bei Typ-2-Diabetes [1]. Drei der fünf Quellen [7, 8, 9] schließen allgemein übergewichtige oder adipöse Erwachsene ein, [10] gezielt Menschen mit diagnostizierter Fettlebererkrankung, [1] gezielt Menschen mit Typ-2-Diabetes. Für [9] nennt ein frei zugängliches Autorenmanuskript die 9 eingeschlossenen Arbeiten namentlich, für [7] und [8] lag der Volltext in der vorliegenden Recherche nicht vor, ihre Einschlusstabellen bleiben ungeprüft. Rashidi 2018 aus dem Bestand von [9] steht auch in der Einschlusstabelle von [1], die fünf Quellen dieser Zeile sind also nicht durchweg voneinander unabhängig. Zwischen [1] und [10] dagegen zeigt ein Abgleich der Einschlusstabellen in den frei zugänglichen Volltexten mindestens 2 gemeinsame Primärstudien (Cui 2016, Cao 2012), die beiden Quellen sind also nicht vollständig unabhängig, auch wenn der überwiegende Teil ihrer Studienbestände unterschiedlich bleibt

    Quellen: 1, 7, 8, 9, 10

  8. 08

    Taille-Hüft-Verhältnis, ohne Effekt in der bislang größten Meta-Analyse

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Die neueste und mit 23 Studien größte Meta-Analyse zu Adipositas-Kennzahlen unter Berberin prüfte auch das Taille-Hüft-Verhältnis direkt gegenüber Kontrollgruppe und fand keinen signifikanten Unterschied (Mitteldifferenz minus 0,01, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,03 bis 0,01) [8]. Die Wirkung wurde hier also geprüft und nicht gefunden. Das Konfidenzintervall reicht dabei von minus 0,03 bis plus 0,01 und schließt einen kleinen Unterschied nicht mit letzter Sicherheit aus. Wie viele der 23 Studien dieses Verhältnis überhaupt berichteten, nennt das Abstract nicht, und ein freier Volltext liegt nicht vor

    Quellen: 8

  9. 09

    Leberenzyme (ALT, AST, GGT) bei Menschen mit diagnostizierter Fettlebererkrankung (NAFLD)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine PROSPERO-registrierte Meta-Analyse aus 10 randomisierten Studien mit 811 Teilnehmenden, alle mit diagnostizierter nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung, fand unter Berberin gegenüber Kontrollgruppe Senkungen von ALT (standardisierte Mitteldifferenz minus 0,72, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,01 bis minus 0,44, laut Volltext auf 9 der 10 Studien gestützt), AST (minus 0,79, minus 1,17 bis minus 0,40, laut Volltext auf 7 der 10 Studien gestützt) und GGT (minus 0,62, minus 0,95 bis minus 0,29, laut Volltext auf 8 der 10 Studien gestützt), nicht jeweils auf allen 10 gleichermaßen, die Autoren selbst stufen die Evidenzqualität nach GRADE für diese Endpunkte als hoch ein [10]. Acht der zehn eingeschlossenen Studien stammen aus China, zwei aus Iran und England, die Autoren selbst nennen die geringe geografische Streuung eine Einschränkung. Nur 2 der 10 Studien waren doppelblind mit niedrigem Verzerrungsrisiko eingestuft, in 7 von 10 Studien erhielten Behandlungs- und Kontrollgruppe zusätzlich Metformin, Berberin wurde also meist als Zusatz und nicht allein geprüft. Die Tagesdosis lag in 9 von 10 Studien zwischen 0,6 und 2 g, eine Studie nutzte 6,35 g pro Tag. Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus 37 Studien, die sieben verschiedene pflanzliche Stoffe bei Fettlebererkrankung vergleicht, stuft Berberin bei keinem der gemessenen Leberwerte als das wirksamste der sieben Mittel ein: Für AST und ALT schneidet dort laut Abstract Artischockenblätter-Extrakt am besten ab (SUCRA-Rang 99,1 beziehungsweise 88,2 Prozent), für Blutfette wie Triglyzeride, Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin Naringenin (SUCRA-Rang 97,3, 73,9 beziehungsweise 74,9 Prozent), Berberins eigener Rang wird im Abstract nicht beziffert [11]

    Quellen: 10, 11

  10. 10

    Leberenzyme (ALT, AST) bei Menschen ohne diagnostizierte Fettlebererkrankung, kein bestätigter Unterschied zur Kontrollgruppe

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei einer allgemeinen, übergewichtigen Population ohne gesonderte NAFLD-Diagnose fand dieselbe Arbeitsgruppe, die auch die Adipositas-Meta-Analyse vorlegte, in 12 Studien keinen statistisch signifikanten Unterschied zur Kontrollgruppe bei ALT (Mitteldifferenz minus 1,66 IU pro Liter, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3,98 bis 0,65) oder AST (minus 0,87 IU pro Liter, minus 2,56 bis 0,82) [7]. Beide Konfidenzintervalle schliessen die Null ein, ein kleiner bis moderater Effekt lässt sich damit nicht mit letzter Sicherheit ausschliessen, geprüft wurde die Wirkung in diesen 12 Studien aber, und ein statistisch gesicherter Unterschied zur Kontrollgruppe fand sich nicht. Der Unterschied zur vorigen Wirkungszeile dürfte auch an der Population liegen: Ein deutlicherer, statistisch eindeutiger Effekt auf Leberenzyme zeigt sich bislang nur bei Menschen mit bereits diagnostizierter Fettlebererkrankung, nicht in einer allgemeinen, nicht nach Lebererkrankung selektierten Stichprobe

    Quellen: 7

  11. 11

    Entzündungsmarker im Blut (CRP, IL-6, TNF-alpha)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes fand die Meta-Analyse aus 46 Studien [1] gegenüber Kontrollgruppe Senkungen von CRP (standardisierte Mitteldifferenz minus 2,13, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,98 bis minus 1,28, nur 6 Studien, I-Quadrat 96 Prozent), IL-6 (minus 1,83, minus 3,05 bis minus 0,61, 6 Studien, I-Quadrat 97 Prozent) und TNF-alpha (minus 1,44, minus 2,72 bis minus 0,16, 5 Studien, I-Quadrat 97 Prozent). Bei einer allgemeinen, überwiegend übergewichtigen Population fand eine Meta-Analyse aus 12 Studien eine kleinere, aber ebenfalls signifikante CRP-Senkung (Mitteldifferenz minus 0,42 mg pro Liter, minus 0,82 bis minus 0,03) [7]. Die umbrella-Meta-Analyse [4] fasst bereits veröffentlichte Meta-Analysen zu diesem Feld zusammen und rechnet damit denselben Studienbestand ein zweites Mal aus, den [1] bereits auswertet, sie ist also kein unabhängiger dritter Beleg. Sie kommt für alle drei Marker zu derselben Richtung: CRP als gewichtete Mitteldifferenz minus 0,62 (minus 0,74 bis minus 0,50) und, in anderen eingeschlossenen Studien, als standardisierte Mitteldifferenz minus 1,70 (minus 2,21 bis minus 1,19), IL-6 als standardisierte Mitteldifferenz minus 1,23 (minus 1,61 bis minus 0,85), TNF-alpha als standardisierte Mitteldifferenz minus 1,04 (minus 1,28 bis minus 0,79) [4]. Die Zahl der je Marker eingeschlossenen Studien ist in [1] mit 5 bis 6 klein, bei einer Heterogenität von I-Quadrat 96 bis 97 Prozent über alle drei Marker

    Quellen: 1, 4, 7

  12. 12

    Blutdruck, uneinheitliche und überwiegend schwache Studienlage

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine eigenständige systematische Übersicht zu Berberin und Blutdruck (5 randomisierte plus 2 nicht randomisierte Studien, 614 Teilnehmende insgesamt) kommt zu dem Schluss, die Evidenz sei von niedriger Qualität und letztlich nicht schlüssig, wegen großer Heterogenität zwischen den Studien war keine sinnvolle Metaanalyse möglich [13]. Berberin zusätzlich zu Amlodipin senkte den Blutdruck gegenüber Amlodipin allein nicht signifikant stärker. Verglichen mit Metformin senkte Berberin allein in einer Studie den systolischen Blutdruck signifikant stärker (minus 11,87 mmHg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 16,64 bis minus 7,10), das ist aber ein Vergleich gegen ein blutzuckersenkendes Medikament, kein Placebovergleich. Die positiven Befunde der Übersicht stammen überwiegend aus Kombinationspräparaten, bei denen sich der Anteil von Berberin am Effekt nicht bestimmen lässt [13]. Die einzige gefundene plazebokontrollierte randomisierte Studie mit reinem Berberin (84 Männer, 1000 mg pro Tag über 12 Wochen, Blutdruck als sekundärer Endpunkt) fand keinen signifikanten Unterschied zu Placebo bei systolischem oder diastolischem Blutdruck [12]

    Quellen: 12, 13

  13. 13

    Darmflora und Mikrobiom-Zusammensetzung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die PREMOTE-Studie (randomisiert, doppelblind, plazebokontrolliert, 409 Teilnehmende, 12 Wochen, Berberin-Hydrochlorid, 1,2 g pro Tag) zeigt per Metagenom-Sequenzierung eine messbare Verschiebung der Darmbakterien-Zusammensetzung unter Berberin. Wichtig für die Einordnung: Laut Volltext erhielten alle vier Studienarme vor der Randomisierung 7 Tage lang ein nicht resorbierbares Antibiotikum (Gentamicinsulfat, 80 mg zweimal täglich), um laut Studienprotokoll die Ansiedlung der Probiotika-Arme zu verbessern. Die gemessene Verschiebung der Darmbakterien fand also auf einem zuvor antibiotisch vorbehandelten Darm statt, nicht auf einer unveränderten Ausgangsflora [5]. Die blutzuckersenkende Wirkung wird in dieser Studie teilweise auf eine Hemmung der Gallensäure-Umwandlung durch das Bakterium Ruminococcus bromii zurückgeführt [5]. Das ist eine gezielte, im Dienst der Glukoseregulation stehende Verschiebung einzelner Bakterienarten, kein eigenständig gemessener Darmgesundheits-Endpunkt im Sinne einer allgemeinen Zuschreibung. Unter Berberin traten in dieser Studie mehr Magen-Darm-Nebenwirkungen auf als unter Placebo, ohne dass dies den blutzuckersenkenden Effekt oder die gemessenen Mikrobiom-Veränderungen beeinflusste [5]. Eine Folgestudie derselben Arbeitsgruppe (365 Teilnehmende, ebenfalls plazebokontrolliert) findet einen ähnlichen Mechanismus bei postprandialen Blutfetten, vermittelt über das Bakterium Bifidobacterium breve, und stärker in Kombination mit einem Probiotikum als unter Berberin allein [6]. Die im Alltag verbreitete Zuschreibung einer allgemein antimikrobiellen Wirkung gegen Krankheitserreger im Darm stammt überwiegend aus älteren Arbeiten zur Behandlung akuter Durchfallerkrankungen, die hier nicht ausgewertet wurden, weil sie einen Krankheitsbezug herstellen, der außerhalb dessen liegt, was dieser Eintrag bewertet

    Quellen: 5, 6

  14. 14

    Antioxidative Wirkung (Marker wie Malondialdehyd oder Gesamtantioxidanskapazität)

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Die PubMed-Suche nach 'berberine' 'oxidative stress human randomized' fand nur eine einzige, thematisch nicht passende Arbeit (eine Übersicht zu Wundauflagen bei diabetischen Geschwüren). Die PubMed-Suche nach 'berberine' 'antioxidant effect randomized controlled trial' (ohne Beschränkung auf Humanstudien) fand 7 Treffer, darunter keine Meta-Analyse und keine randomisierte Studie, die oxidative Stressmarker wie Malondialdehyd oder Gesamtantioxidanskapazität als eigenständigen Endpunkt unter Berberin-Supplementierung beim Menschen prüft. Zu dieser häufig genannten Wirkung liegt damit keine eigene, an einem Wirkungsendpunkt geprüfte Humanstudie vor, nur die oben belegten Entzündungsmarker sowie Zell- und Tiermodelle, siehe Tier- und Laborstudien

Zwei Dinge vorweg. Erstens: Bei den Wirkungszeilen zu Blutzucker, Insulinresistenz, Blutfetten und Leberenzymen bei diagnostizierter Fettlebererkrankung ist die weit überwiegende Mehrheit der zugrunde liegenden Studien chinesischer Herkunft, oft mit geringer Verblindung, und mehrere Übersichtsarbeiten benennen das selbst als Einschränkung. Für die übrigen Wirkungszeilen dieses Eintrags, etwa zu Körpergewicht und den Adipositas-Kennzahlen, wurde die Studienherkunft in dieser Recherche nicht systematisch ermittelt, eine Verallgemeinerung auf den gesamten Eintrag wäre also nicht gedeckt. Zweitens: Die in den chinesisch geprägten Studien verwendete Tagesdosis liegt fast durchgehend bei 0,6 bis 1,5 Gramm Berberin, teils darüber, deutlich mehr als in handelsüblichen Nahrungsergänzungsmitteln oft enthalten ist. Wo eine Studie ausdrücklich die Zubereitung nennt, ist das fast immer Berberin-Hydrochlorid, eine Form, die in Produktdatenblättern oft nicht gesondert ausgewiesen wird. Die konkret enthaltenen Mengen und die dokumentierte Zubereitung stehen im Steckbrief.

Studien im Detail

Blutzucker, Insulinresistenz und der Vergleich mit Medikamenten

Die mit Abstand breiteste Studienlage betrifft Menschen mit Typ-2-Diabetes. Zwei unabhängige Meta-Analysen [1, 2] und die in der neueren davon enthaltene größte Einzelstudie PREMOTE [5] zeigen übereinstimmend eine Senkung von Nüchternblutzucker, HbA1c und Insulinresistenz-Kennzahlen gegenüber einer Kontrollgruppe. Eine dritte, häufig zusätzlich zitierte Arbeit [3] ist bei genauem Hinsehen keine eigene Berberin-Meta-Analyse: Von ihren 32 eingeschlossenen Studien sind nur drei berberinhaltig, darunter wieder PREMOTE, der Rest prüft Probiotika oder Synbiotika, und die Autoren selbst warnen davor, ihre gepoolten Zahlen einem einzelnen Wirkstoff zuzurechnen. Die belastbare Basis bleiben also zwei unabhängige Meta-Analysen sowie die in der neueren enthaltene größte Einzelstudie, nicht drei getrennte Bestätigungen. Zwei weitere Punkte zeigt erst der Volltext. Erstens prüften nicht alle 46 Studien der größten Meta-Analyse isoliertes Berberin bei Typ-2-Diabetes, 38 taten das, 4 liefen an Menschen mit Vorstufen des Diabetes, 2 prüften Rhizoma Coptidis und 2 Wurzeltrockenextrakte, in denen Berberin nur ein Bestandteil ist [1]. Zweitens wurden Berberin, Probiotika und die passenden Placebos der PREMOTE- Studie von zwei Arzneimittelherstellern gestellt, der Northeast Pharmaceutical Group und Shanghai Jiaoda Onlly. Die Autoren erklären, dass beide Unternehmen keinen Einfluss auf Planung, Durchführung, Auswertung oder Veröffentlichung hatten, das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt nennt diese Firmenbindung aber nicht [5]. Wichtig für die Einordnung: Verglichen mit einer aktiven Vergleichstherapie allein (meist Metformin, in 4 von 46 Studien der größten Meta-Analyse direkt verglichen) zeigte sich bei alleiniger Berberin-Gabe kein signifikanter Unterschied, die Autoren nennen die Wirkung selbst "vergleichbar mit Metformin", nur als Zusatz zu einer bestehenden Therapie war die Kombination überlegen. Eine eigene, kleine randomisierte Studie stützt diesen Vergleich zusätzlich. Die verbreitete Aussage, Berberin wirke wie Metformin, wird durch die genannten Vergleiche gestützt, beruht aber nur auf einer kleinen Zahl von Kopf-an-Kopf-Vergleichen. Ein fehlender statistischer Unterschied in vier kleinen, überwiegend unverblindeten Studien ist kein Nachweis von Gleichwertigkeit. Keine dieser Studien war als Nichtunterlegenheitsstudie mit vorab festgelegter Grenze angelegt, und bei diesen Fallzahlen bleibt ein Unterschied in beide Richtungen möglich, siehe dazu die eigene Wirkungszeile.

Blutfette, Körpergewicht und Leberwerte

Bei den Blutfetten ist das Bild gemischt. Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin sinken in mehreren unabhängigen Quellen aus unterschiedlichen Populationen konsistent [1, 10, 12], für Triglyzeride zeigen zwei Meta-Analysen dieselbe Richtung, während die dritte, kleinere Einzelstudie hier selbst keinen signifikanten Unterschied fand. Beim HDL-Cholesterin widersprechen sich dieselben drei Quellen in der Richtung, von einer leichten Erhöhung bis zu einer leichten Senkung. Beim Körpergewicht widersprechen sich drei Meta-Analysen direkt, während Body-Mass-Index und Taillenumfang in fünf Quellen und drei Populationen konsistent, aber zahlenmäßig meist klein sinken, mit einer deutlicheren Ausnahme beim BMI bei Typ-2-Diabetes. Das Taille-Hüft-Verhältnis zeigt in der größten und methodisch strengsten verfügbaren Meta-Analyse keinen Effekt. Bei den Leberenzymen kommt es entscheidend auf die Population an: Bei Menschen mit diagnostizierter Fettlebererkrankung sinken ALT, AST und GGT deutlich [10], wobei sich die zugrunde liegende Studienzahl je Endpunkt unterscheidet (9, 7 beziehungsweise 8 von 10 Studien), bei einer allgemeinen, nicht nach Lebererkrankung ausgewählten Population zeigt sich dagegen kein Effekt [7]. Im direkten Vergleich mit anderen pflanzlichen Mitteln bei Fettlebererkrankung schneidet Berberin bei Leberenzymen und Blutfetten nicht als das wirksamste ab, dort liegen Artischockenblätter-Extrakt beziehungsweise Naringenin vorn [11].

Entzündungsmarker, Blutdruck und Darmflora

Entzündungsmarker im Blut (CRP, IL-6, TNF-alpha) sinken in mehreren unabhängigen Quellen konsistent, wenn auch teils auf Basis kleiner Studienzahlen je Marker [1, 4, 7]. Beim Blutdruck ist die Lage nach Einschätzung der einzigen eigenständigen Übersichtsarbeit zu diesem Endpunkt selbst "von niedriger Qualität und letztlich nicht schlüssig" [13], die einzige placebokontrollierte Studie mit reinem Berberin fand keinen Effekt [12]. Zur Darmflora liegt eine große, placebokontrollierte Studie vor, die eine gezielte, mechanistisch mit der Blutzuckerwirkung verknüpfte Verschiebung einzelner Bakterienarten zeigt, kein eigenständig geprüftes "Darmgesundheit"-Ergebnis [5, 6]. Wichtig für die Einordnung: Alle Studienarme erhielten vor der Randomisierung eine einwöchige Antibiotika-Vorbehandlung des Darms, die gemessene Verschiebung fand also nicht auf einer unveränderten Ausgangsflora statt.

Tier- und Laborstudien

Für diesen Eintrag wurden keine eigenen Tier- oder Zellstudien mit eigener PMID gesucht und einzeln ausgewertet, der Schwerpunkt der Recherche lag auf Humanstudien. Das im Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen beschriebene regulatorische Dossier referiert eine große Zahl präklinischer Arbeiten, unter anderem Kanzerogenitätsstudien an Nagetieren, Genotoxizitätstests und Studien zur Aktivierung des Enzyms AMPK als vermutetem Wirkmechanismus für die Blutzucker- und Blutfettwirkung. Diese Arbeiten wurden für diesen Eintrag nicht einzeln im Volltext geprüft. Wie immer gilt: Tier- und Zelldaten sind kein Beleg für eine Wirkung beim Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Im März 2026 hat der EFSA-Fachausschuss für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene (NDA) einen Opinionsentwurf zur Sicherheit berberinhaltiger Pflanzenzubereitungen vorgelegt, mit öffentlicher Konsultation bis zum 4. Mai 2026. Die folgenden Angaben zu diesem Verfahren stammen nicht aus dem Opinionsentwurf selbst, sondern aus einem öffentlich zugänglichen Diskussionspapier des britischen Ausschusses für Toxizität (COT), das den EFSA-Entwurf zusammenfasst und sich selbst ausdrücklich als Diskussionsgrundlage ohne abschließenden Charakter kennzeichnet, ergänzt durch Fachpresse. Jede Aussage in diesem Absatz ist entsprechend als Wiedergabe des COT-Papiers zu lesen, nicht als eigenständig geprüfte Tatsache über die genannten Behörden. Mit diesem Vorbehalt: Laut COT-Papier kommt der EFSA-Entwurf vorläufig zu dem Schluss, dass sich für keine der 13 bewerteten Pflanzenarten und Pflanzenteile derzeit eine sichere Aufnahmemenge festlegen lässt. Als Gründe nennt das COT-Papier: In-vitro-Hinweise auf Gentoxizität von Berberin selbst (Genmutation und Chromosomenschäden, bislang nicht am lebenden Tier bestätigt, insbesondere nicht an den Kontaktstellen Magen-Darm- Trakt und Leber), eine belegte krebserregende Wirkung von Zubereitungen aus der Goldsiegelwurzel (Hydrastis canadensis, nicht Berberin allein) bei Nagetieren, sowie vereinzelte Fälle von idiosynkratischer Leberschädigung durch Zubereitungen aus Schöllkraut (Chelidonium majus). Laut dem COT-Papier soll Berberin selbst bei der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) eine Einstufung in Gruppe 2B tragen ("möglicherweise krebserregend beim Menschen"), gestützt auf Kanzerogenitätsstudien an Mäusen und Ratten und auf eine Hemmung von DNA-Topoisomerasen durch Berberin und seinen Metaboliten Berberrubin. Diese Angabe ließ sich in dieser Recherche nicht an einer IARC-Primärquelle (Monographie-Nummer, Erscheinungsjahr) selbst nachprüfen.

Ebenfalls laut COT-Papier hatte die französische Lebensmittelbehörde ANSES bereits vor dem laufenden EFSA-Verfahren, ausgehend von einer Lebergewichtszunahme in einer zweiwöchigen Rattenstudie und einem Unsicherheitsfaktor von 750, einen indikativen Toxizitätswert von 1,7 Mikrogramm Berberin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag berechnet, umgerechnet auf 70 Kilogramm Körpergewicht knapp 0,12 Milligramm pro Tag. Bereits die in den oben zitierten klinischen Studien verwendeten Tagesdosen von 600 Milligramm bis 2 Gramm liegen um das Mehrtausendfache über diesem Wert, und auch einzelne handelsübliche Kapselmengen im niedrigen zwei- bis dreistelligen Milligrammbereich liegen deutlich darüber. Dieser ANSES-Wert ist ein stark vorsorglicher Referenzwert mit großem Sicherheitsabschlag, kein belegter Schadschwellenwert, wurde für eine von Herstellern empfohlene 14-tägige Anwendungsdauer berechnet, nicht für eine Daueranwendung, und stammt, nicht aus dem laufenden EFSA-Verfahren selbst, sondern aus einer eigenständigen, älteren Einschätzung der französischen Behörde. Er zeigt aber, dass zumindest diese frühere behördliche Einschätzung deutlich strenger ausfällt als die in den klinischen Studien tatsächlich verwendeten und dort vertragenen Mengen, während das laufende EFSA-Verfahren selbst bislang zu keiner eigenen Aufnahmemenge gekommen ist. Nach dem COT-Papier rät ANSES außerdem von der Einnahme während Schwangerschaft und Stillzeit, bei Diabetes, bei Leber- oder Herzerkrankungen sowie bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme ab, eine Empfehlung, die dort auch auf Kinder und Jugendliche ausgeweitet wird.

Unabhängig von dieser laufenden Neubewertung gibt es ältere, über PubMed geprüfte Befunde zu Wechselwirkungen. Eine systematische Übersicht zu pflanzlichen Mitteln als Auslöser pharmakokinetischer Wechselwirkungen stuft Berberin (dort unter Goldenseal/Berberin geführt, 8 klinische Interaktionsstudien) als schwachen Hemmer von CYP3A4 und CYP2D6 bei üblichen Dosen ein [14]. Dieselbe Übersicht hat auch den Transporter P-Glykoprotein (ABCB1) ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass keines der sechs betrachteten pflanzlichen Mittel, Goldenseal und Berberin eingeschlossen, bei den üblicherweise empfohlenen Dosen ein starker oder mittelstarker Hemmer oder Induktor von Cytochrom-P450-Enzymen oder von P-Glykoprotein ist. Die Autoren halten zugleich fest, dass die klinische Datenlage zu Transportern schmal ist und sich fast ausschließlich auf P-Glykoprotein beschränkt [14]. Die verbreitete Aussage, Berberin hemme P-Glykoprotein in klinisch bedeutsamem Ausmaß, wird von dieser klinischen Auswertung also nicht getragen, sie stammt überwiegend aus Zell- und Tierversuchen, die für diesen Eintrag nicht ausgewertet wurden. Klinisch deutlicher zeigt sich das in einer randomisierten Studie an 104 nierentransplantierten Menschen (52 mit Berberin zusätzlich zu Cyclosporin A, 52 nur mit Cyclosporin A): 0,6 Gramm Berberin pro Tag (0,2 Gramm dreimal täglich) über 3 Monate erhöhte den Talspiegel des Immunsuppressivums Cyclosporin A gegenüber der Gruppe ohne Berberin um 29,3 Prozent (p kleiner 0,05), in einer begleitenden pharmakokinetischen Teilstudie an 6 Personen stieg die Wirkstoff-Fläche unter der Kurve von Cyclosporin A unter Berberin um 34,5 Prozent, vermutlich durch Hemmung von CYP3A4 in Leber und Dünndarm [15]. Diese Tagesdosis (0,6 Gramm) liegt über der in vielen Nahrungsergänzungsmitteln üblichen Kapselmenge (siehe Steckbrief zur Studiendosis, meist 0,6 bis 1,5 Gramm), aber im unteren Bereich der in den oben zitierten klinischen Studien verwendeten Mengen, die Wechselwirkung ist also nicht auf besonders hohe Studiendosen beschränkt. Eine neuere, kontrollierte Cross-over-Studie an Menschen mit Typ-2-Diabetes untersuchte Goldenseal (ein Kraut, das Berberin neben anderen Alkaloiden enthält, nicht isoliertes Berberin) zusammen mit Metformin. Im primären Endpunkt fand die Studie keine klinisch relevante Wechselwirkung (geometrisches Mittel des Verhältnisses der Metformin-Wirkstoff-Fläche unter der Kurve 0,93, 90-Prozent-Konfidenzintervall 0,86 bis 1,01, innerhalb des vorab festgelegten Bereichs ohne relevanten Effekt). In der nach Metformin-Dosis getrennten Untergruppenanalyse zeigte sich dagegen je nach Dosis eine Verringerung der Metformin-Wirkstoffmenge im Blut um bis zu 20 Prozent bei niedriger, 14 Prozent bei mittlerer und praktisch keine bei hoher Metformin-Dosis. Der HbA1c-Wert sank in dieser Studie unter Goldenseal-Gabe von 6,8 auf 6,5 Prozent, ohne eigenen Kontrollarm für diesen Wert lässt sich daraus aber kein eigenständiger Effekt von Goldenseal oder der Wechselwirkung selbst ableiten [16]. Weil Goldenseal ein komplexes Kraut mit mehreren Alkaloiden ist, lässt sich dieser Befund nicht ohne Weiteres auf isoliertes Berberin übertragen.

Zur Aufnahme: Eine kontrollierte Studie an 12 gesunden Erwachsenen misst nach 800 Milligramm pulverisiertem Berberin eine maximale Plasmakonzentration von nur 0,9 Nanomolar und beziffert die orale Bioverfügbarkeit allgemein mit unter 1 Prozent. Emulgierung mit einem Trägerstoff (Vitamin-E-TPGS oder Quillaja-Extrakt) erhöhte die gemessene Wirkstoff-Fläche unter der Kurve auf das rund 2- bis 4-Fache [17]. Handelsübliche Berberin-Präparate führen die Salzform auf dem Etikett nicht immer aus, sodass sich im Einzelfall oft nicht feststellen lässt, ob eine bioverfügbarkeitsoptimierte Zubereitung verwendet wird.

Die häufigsten in den zitierten Studien berichteten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Durchfall, Übelkeit und Verstopfung, in der PREMOTE-Studie [5] häufiger unter Berberin als unter Placebo. In der großen Meta-Analyse zu Typ-2-Diabetes [1] traten unter Berberin insgesamt sogar weniger unerwünschte Ereignisse auf als in der Kontrollgruppe (relatives Risiko 0,70, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,57 bis 0,87), vor allem weil die dortigen Kontrollgruppen häufig aktive Vergleichsmedikamente mit eigenem Nebenwirkungsprofil erhielten, kein Placebo.

Quellen zum Nachlesen

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