Bor

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Spurenelemente

Borsäure · Natriumborat · Borax · Natriumtetraborat · Calciumfructoborat · Bor-Aminosäure-Chelat

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 11 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Halbmetall, das im Körper nur in sehr geringen Mengen vorkommt und über mehrere, chemisch unterschiedliche Verbindungen aufgenommen wird. Diese Verbindungen sind nicht dasselbe und haben eine eigenständige Studienlage, Borsäure und Natriumborat (Borax) in den älteren Humanstudien zu Gelenken, Hormonen und Kognition, ein Bor-Aminosäure-Chelat als verbreitete Supplement-Form ohne eigene Humanstudien, und Calciumfructoborat als patentierter Markenrohstoff mit eigener, herstellernaher Studienlage, siehe Abgrenzung unten
Herkunft
Kommt natürlich in Böden, Gestein und Grundwasser vor und gelangt vor allem über Obst, Blattgemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Wein in die Nahrung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft Bor in ihrer eigenen Bewertung ausdrücklich nicht als für den Menschen essentiellen Nährstoff ein, es gibt deshalb weder eine EU-Referenzmenge (NRV) noch eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, siehe Sicherheit
Wirkform in Studien
Uneinheitlich zwischen den zitierten Arbeiten. Die älteren, oft zitierten Humanstudien zu Gelenken, Hormonwerten und Kognition prüfen elementares Bor, verabreicht als Natriumtetraborat (Borax) oder über borarme beziehungsweise borreiche Diäten in Stoffwechselstudien. Jüngere Studien zu Entzündungswerten und Knie-Beschwerden prüfen dagegen fast durchgehend das patentierte Calciumfructoborat, dessen Trägerstudien überwiegend von den beiden Unternehmen stammen, die diesen Rohstoff patentiert halten und vertreiben, siehe Abgrenzung
Übliche Studiendosis
1,5 bis 6 mg elementares Bor pro Tag in den meisten zitierten Humanstudien, bei den Studien zu Calciumfructoborat umgerechnet auf einen Bor-Gehalt von etwa 1,5 bis 6 mg pro Tag, in einer Studie mit Zusatzgabe zu einer bestehenden Behandlung bis 6 mg elementares Bor pro Tag als Natriumtetraborat. Studiendauer 2 Wochen bis 12 Monate
Bekannt geworden durch
Zwei einzelne, jeweils sehr kleine Studien aus den 1980er- und 1990er-Jahren, eine an zwölf postmenopausalen Frauen zu Hormonwerten, die den Ruf als "Testosteron-Booster" begründete, und eine Selbstversuchs-Hypothese eines einzelnen Forschers zu Gelenkbeschwerden, der die Idee danach jahrzehntelang mit einem eigenen Borpräparat kommerziell vertrieb, siehe die jeweiligen Wirkungszeilen
Verträglichkeit
In den vorliegenden kleinen Studien mit 1,5 bis 6 mg Bor pro Tag über Wochen bis Monate wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für Bor einen Sicherheits-Höchstwert festgelegt, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Gelenkbeschwerden-Bewertung und Schmerz bei passiver Bewegung nach 8 Wochen, bei Menschen mit im Röntgenbild gesicherter Gelenkknorpel-Abnutzung an Knie, Hüfte oder anderen Gelenken

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen randomisierten Studie zu elementarem Bor bei Gelenkbeschwerden war die Bewertung nach 8 Wochen günstiger als unter Placebo, bei einem Drittel Studienabbruch und ohne Angabe eines Konfidenzintervalls. Der berichtende Autor hatte die Hypothese an sich selbst entwickelt und danach jahrzehntelang ein eigenes Borpräparat verkauft.

    Ausführlicher Nachweis

    Die Zahlen stammen aus einer 1994 veröffentlichten Übersicht, die eine zwischen 1983 und 1987 am Royal Melbourne Hospital durchgeführte randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie zusammenfasst; die Originalpublikation dieser Studie (Travers, Rennie, Newnham 1990, J Nutr Med) ist selbst nicht in PubMed gelistet und war für uns nicht eigenständig prüfbar [1]. 20 Personen mit im Röntgenbild innerhalb der vorangegangenen 3 Monate bestätigter Gelenkknorpel-Abnutzung oder Osteophyten an mindestens einem Knie wurden randomisiert, 6 mg Bor pro Tag als Natriumtetraborat-Decahydrat gegen ein Placebo aus Traubenzucker, Dicalciumphosphat und Magnesiumstearat. Die Auswertung erfolgte nach 3 und nach 8 Wochen. Bis zur 3-Wochen-Marke schieden 2 von 20 aus, bis zur 8-Wochen-Marke weitere 3, macht 5 von 20 (25 Prozent), ungleich zwischen den Gruppen verteilt [1]. Nach 8 Wochen lag die Bewertung des Gelenkzustands aller Gelenke bei 3,3 unter Bor gegenüber 3,9 unter Placebo (p kleiner 0,05, Kendalls Rangkorrelationskoeffizient 0,34), der Schmerz bei passiver Bewegung war unter Bor geringer (p kleiner 0,001); für beide Vergleiche wird ausschließlich ein p-Wert genannt, kein Effektmaß mit Konfidenzintervall [1]. Als Anteil ansprechender Personen nennt die Arbeit, bezogen auf alle ursprünglich randomisierten Teilnehmenden, 50 Prozent Besserung unter Bor gegenüber 10 Prozent unter Placebo (Fisher-Test), bezogen nur auf die Studienabschließenden 71 Prozent unter Bor; die Zahlen in der zugehörigen Tabelle der Übersicht (7 von vermutlich 9 Verbliebenen gebessert) summieren sich nicht sauber auf die genannten 15 Studienabschließenden, ein Rechen- oder Druckfehler der alten Arbeit, den wir nicht auflösen können. Blutbild, Leber- und Nierenwerte sowie Vitalzeichen unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen [1]. Der berichtende Autor hatte die Bor-Arthrose-Hypothese 1963 durch Linderung eigener Gelenkbeschwerden entwickelt, zwischen 1976 und 1981 ohne Werbung 90.000 Flaschen eines selbst vertriebenen Borpräparats (Bor-Rex) verkauft und ist zugleich Mitautor der hier zusammengefassten Originalstudie; eine Interessenerklärung oder Förderangabe enthält die Übersicht nicht [1]. Da nur p-Werte und kein Effektmaß mit Intervall vorliegen, keine unabhängige Replikation existiert und der Berichtende ein unmittelbares kommerzielles Eigeninteresse hatte, steht diese Zeile auf Hinweise und nicht auf Belegt.

    Quellen: 1

  2. 02

    Testosteronspiegel, Muskelmasse und Kraftzuwachs bei männlichen Bodybuildern nach 7 Wochen Krafttraining, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen kontrollierten Studie zu Bor und Testosteron bei jungen Männern stieg der Testosteronspiegel unter Krafttraining in beiden Gruppen gleich stark, die Varianzanalyse fand für die Bor-Gabe keinen eigenen Effekt. Die Studie ist klein, und bei 4 von 10 Bor-Personen stieg der Bor-Spiegel im Blut nicht messbar an.

    Ausführlicher Nachweis

    19 männliche Bodybuilder (20 bis 27 Jahre) erhielten randomisiert 7 Wochen lang entweder 2,5 mg Bor pro Tag (n gleich 10) oder Placebo (n gleich 9); Gesamt- und freies Testosteron, Muskelmasse (LBM) und Kraft (1-RM Kniebeuge und Bankdrücken) wurden an Tag 1 und Tag 49 gemessen. Beide Gruppen zeigten signifikante Zunahmen bei Gesamttestosteron (p kleiner 0,01), Muskelmasse (p kleiner 0,01) und beiden Kraftwerten (p kleiner 0,001 beziehungsweise p kleiner 0,01); die Varianzanalyse fand für keine dieser Größen einen signifikanten Effekt der Bor-Gabe [2]. Nur 6 der 10 mit Bor supplementierten Personen zeigten überhaupt einen messbaren Anstieg des Plasma-Bor-Spiegels, was Fragen zur Einnahmetreue oder Aufnahme aufwirft [2]. Dieselbe Stichprobe, dasselbe Design und praktisch identische Zahlen sind ein Jahr zuvor bereits in einer anderen Zeitschrift veröffentlicht worden [3]; beide Arbeiten sind damit keine zwei unabhängigen Studien, sondern eine doppelt publizierte. Weder Förderung noch Interessenkonflikt sind in beiden Publikationen angegeben. Beide Artikel sind bei PMC nur als Bildscan hinterlegt (elektronisch erfasst sind ausschließlich Abstract und Literaturverzeichnis, der Ergebnisteil mit möglichen Tabellenwerten lag uns nicht vor), ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den Gruppenvergleich lässt sich deshalb nicht nachprüfen. Der Effekt der Bor-Gabe wurde damit ausdrücklich geprüft und nicht gefunden. Offen bleibt, wie genau dieses Ausbleiben eingegrenzt ist: 19 Personen sind eine kleine Zahl, ein Intervall ist nicht nachprüfbar, und der bei 4 von 10 Bor-Personen ausgebliebene Anstieg des Blutspiegels lässt offen, ob der Stoff bei allen angekommen ist. Das sind Restvorbehalte zu dieser Zeile, sie machen aus dem Nullbefund aber keinen Hinweis auf einen Nutzen.

    Quellen: 2, 3

  3. 03

    17-Beta-Östradiol und Testosteron im Serum bei postmenopausalen Frauen nach Umstellung von borarmer auf borreichere Kost, ohne eigene Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei zwölf postmenopausalen Frauen stiegen Östradiol und Testosteron im Blut, nachdem nach 119 Tagen borarmer Kost 3 mg Bor pro Tag dazukamen. Es gab keine parallel laufende Kontrollgruppe, der Befund ist ein Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb derselben Personen und kein Placebo-Vergleich.

    Ausführlicher Nachweis

    Die ursprüngliche Studie von 1987 ernährte 12 postmenopausale Frauen (48 bis 82 Jahre) in einer Stoffwechselstation zunächst 119 Tage mit einer Kost, die etwa 0,25 mg Bor pro Tag lieferte, danach 48 Tage mit derselben Kost plus 3 mg Bor pro Tag zusätzlich (7 der Frauen zusätzlich mit niedrigem, 5 mit ausreichendem Magnesiumgehalt der Kost) [4]. Es gab keine Gruppe, die durchgehend ohne Bor-Zusatz weiterlief, jede Teilnehmerin durchlief beide Phasen nacheinander; der berichtete Anstieg von Östradiol und Testosteron im Serum unter der Bor-Phase ist damit ein Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb derselben Personen. Das Abstract nennt den Effekt nur als 'deutlich erhöht' ('elevation seemed more marked' bei niedrigem Magnesiumgehalt), ohne Zahlenwerte, p-Werte oder Konfidenzintervalle [4]. Eine 1994 veröffentlichte Übersicht desselben Erstautors fasst diese und zwei weitere, methodisch identisch aufgebaute Stoffwechselstudien derselben Arbeitsgruppe zusammen (5 Männer über 45, 4 postmenopausale Frauen, 5 postmenopausale Frauen unter Östrogentherapie), wieder ohne parallele Kontrollgruppe, mit demselben Muster aus Bor-Entzug gefolgt von Bor-Zugabe bei denselben Personen; berichtet wird dort, dass eine begleitende Östrogentherapie Plasma-Kupfer und Östradiol stärker ansteigen ließ und dieser Anstieg durch vorherigen Bor-Entzug gedämpft war, wieder ohne Zahlenwerte im Abstract [5]. Alle drei Stoffwechselstudien stammen aus derselben US-Arbeitsgruppe (Nielsen und Kollegen, US-Landwirtschaftsministerium, Grand Forks), mit Gruppengrößen von 4 bis 12 Personen je Studie, und sind kein von dieser einen Arbeitsgruppe unabhängiger Studienbestand. Beide PMC-Fassungen sind reine Bildscans ohne elektronisch erfassten Ergebnisteil, sodass sich Zahlenwerte nicht nachprüfen ließen.

    Quellen: 4, 5

  4. 04

    Kalzium- und Magnesiumausscheidung im Urin bei postmenopausalen Frauen nach Umstellung von borarmer auf borreichere Kost, ohne eigene Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Stoffwechselstudie sank die Ausscheidung von Kalzium und Magnesium im Urin, nachdem Bor zur Kost dazukam, stärker bei ohnehin niedrigem Magnesiumgehalt der Kost. Auch hier gibt es keine parallele Kontrollgruppe, nur den Vergleich vorher gegenüber nachher an denselben Personen.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Studie an 12 postmenopausalen Frauen senkte die Zugabe von 3 mg Bor pro Tag nach 119 Tagen borarmer Kost die Urin-Ausscheidung von Kalzium und Magnesium deutlich, die Senkung fiel bei den 7 Frauen mit ohnehin niedrigem Magnesiumgehalt der Kost stärker aus als bei den 5 Frauen mit ausreichendem Magnesiumgehalt; die Phosphor-Ausscheidung sank nur in der Gruppe mit niedrigem Magnesiumgehalt, dazu sank die gesamte Plasma-Kalzium-Konzentration [4]. Auch für diese Werte nennt das Abstract keine Zahlen, p-Werte oder Intervalle, und es handelt sich um denselben Vorher-Nachher-Vergleich ohne parallele Kontrollgruppe wie bei der Hormonzeile oben, an denselben 12 Personen [4]. Aluminium in hoher Dosis (1000 mg pro Tag) veränderte in derselben Studie keinen der genannten Werte und zeigte keine Wechselwirkung mit Bor.

    Quellen: 4

  5. 05

    Kognitive Leistung, Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis sowie Hirnstromaktivität bei gesunden älteren Menschen unter borarmer gegenüber borreicherer Kost, ohne eigene Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In drei kleinen Stoffwechselstudien schnitten gesunde ältere Menschen unter sehr borarmer Kost bei Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis schlechter ab als unter borreicherer Kost derselben Personen. Es gab keine parallele Kontrollgruppe, nur den Vergleich der beiden Kostphasen ineinander.

    Ausführlicher Nachweis

    Drei kleine, innerhalb derselben Personen angelegte Stoffwechselstudien derselben US-Arbeitsgruppe (US-Landwirtschaftsministerium, Grand Forks) verglichen bei gesunden älteren Frauen und Männern eine sehr borarme (etwa 0,25 mg pro 2000 kcal) gegen eine borreichere Kost (etwa 3,25 mg pro 2000 kcal), jeweils an denselben Personen nacheinander, ohne parallele Gruppe ohne Bor-Wechsel [6]. Die spektralanalytische Auswertung des Elektroenzephalogramms zeigte in 2 der 3 Studien unter der borarmen Phase mehr niederfrequente und weniger höherfrequente Aktivität (p kleiner 0,05), ein Muster, das die Autoren mit allgemeiner Mangelernährung und Schwermetall-Belastung vergleichen. Bei Leistungstests fiel die borarme Phase gegenüber der borreicheren schlechter aus bei Feinmotorik (Studien II und III), Auge-Hand-Koordination (Studie II), Aufmerksamkeit (alle 3 Studien), Wahrnehmung (Studie III), Enkodierung und Kurzzeitgedächtnis (alle 3 Studien) sowie Langzeitgedächtnis (Studie I), jeweils p kleiner 0,05 [6]. Teilnehmerzahlen je Studie, genaue Messwerte und Effektgrößen nennt das Abstract nicht, die PMC-Fassung ist ein reiner Bildscan ohne elektronisch erfassten Ergebnisteil, sodass sich diese Angaben nicht nachprüfen ließen. Ohne parallele Kontrollgruppe lässt sich ein Bor-Effekt nicht von anderen Unterschieden zwischen den Studienphasen (Jahreszeit, Testübung, sonstige Ernährungsumstellung) trennen.

    Quellen: 6

  6. 06

    Knochenmineraldichte an der Lendenwirbelsäule bei jungen Frauen über 10 Monate, ohne eigenständigen Unterschied zu Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer einfach verblindeten Studie an 28 jungen Frauen veränderte sich die Knochendichte über 10 Monate zwischen sportlich Aktiven und weniger Aktiven, die Autorinnen stellen aber ausdrücklich fest, dass die Bor-Gabe selbst die Knochendichte nicht eigenständig beeinflusste.

    Ausführlicher Nachweis

    28 Studentinnen (17 Sportlerinnen, 11 wenig aktive Kontrollpersonen) wurden einfach verblindet in vier Gruppen geteilt und erhielten 10 Monate lang entweder 3 mg Bor pro Tag oder ein Maisstärke-Placebo (Sportlerinnen, Bor n gleich 10, Placebo n gleich 7; wenig Aktive, Bor n gleich 6, Placebo n gleich 5) [7]. Die Knochendichte der Lendenwirbelsäule war bei den Sportlerinnen zu Studienbeginn und über die Zeit höher als bei den wenig Aktiven (je p kleiner 0,05), ein Unterschied, den die Autorinnen der körperlichen Aktivität zuschreiben. Über 10 Monate änderte sich die Dichte in der Gruppe Sportlerinnen mit Bor um plus 0,024 (Standardabweichung 0,049) g/cm² gegenüber plus 0,036 (0,038) unter Placebo, bei den wenig Aktiven um plus 0,012 (0,044) g/cm² unter Bor gegenüber minus 0,024 (0,029) g/cm² unter Placebo; die Richtung des Bor-Placebo-Unterschieds kehrt sich damit zwischen den beiden Aktivitätsgruppen um, und die Arbeit schreibt wörtlich, die Knochendichte scheine nicht unmittelbar durch die Bor-Gabe beeinflusst worden zu sein [7]. Der Serumphosphorspiegel war unter Bor niedriger als unter Placebo (p kleiner 0,05), mit einer Wechselwirkung zwischen Aktivität und Bor-Gabe; das Serummagnesium war bei den wenig aktiven Bor-Personen am höchsten. Eine 1995 veröffentlichte Arbeit derselben drei Autorinnen berichtet denselben Befundsatz an sportlichen und wenig aktiven Frauen, niedrigeres Serumphosphat unter Bor, das höchste Serummagnesium bei den wenig aktiven Bor-Personen, eine über die Zeit steigende Kalzium-Ausscheidung in allen Gruppen, eine steigende Bor-Ausscheidung unter Bor und dieselbe Wechselwirkung zwischen Training und Bor-Gabe. Beide Abstracts decken sich damit in jedem berichteten Ergebnis, es handelt sich um dieselbe Untersuchung in zwei Zeitschriften und nicht um einen zweiten, unabhängigen Beleg, beide Arbeiten werden deshalb gemeinsam zitiert [8]. Bei derart kleinen und ungleichen Gruppen (5 bis 10 Personen) und einer Richtungsumkehr zwischen den Untergruppen ist ein eigenständiger Bor-Effekt auf die Knochendichte aus diesen Daten nicht ableitbar.

    Quellen: 7, 8

  7. 07

    Knie-Gelenkbeschwerden-Bewertung (WOMAC-Index und McGill-Schmerzfragebogen) bei Menschen mit selbstberichteten Knie-Beschwerden, unter Calciumfructoborat niedriger als unter Placebo nach 14 Tagen, in einer allein herstellernah durchgeführten Studie

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen Studie mit echtem statistischem Gruppenvergleich sank die WOMAC-Bewertung nach 14 Tagen unter Calciumfructoborat um rund 14 Punkte stärker als unter Placebo, mit engem Konfidenzintervall. Alle beteiligten Forschenden sind Angestellte des Herstellers oder eines von ihm beauftragten Studienzentrums. Die gedruckte Fassung von 2014 verneinte jeden Interessenkonflikt, eine Berichtigung der Zeitschrift von 2021 legt die Finanzierung durch den Hersteller und die Firmenbindung der Autoren nachträglich offen.

    Ausführlicher Nachweis

    60 Personen (35 bis 65 Jahre) mit selbstberichteten, seit mindestens 4 Wochen bestehenden Knie-Beschwerden (keine radiologische Diagnosestellung) wurden randomisiert 30 zu 30 einer Gabe von zweimal 110 mg Calciumfructoborat pro Tag oder Placebo (Fructose plus Siliciumdioxid) über 14 Tage zugeteilt [10]. Der Hersteller nennt an anderer Stelle derselben Arbeit abweichend '108 mg pro Tag', eine Unstimmigkeit innerhalb desselben Textes zur tatsächlich verabreichten Menge. Nach dem an anderer Stelle berichteten Umrechnungsschlüssel (112 mg Calciumfructoborat entsprechen 3,0 mg Bor, siehe die Zeile zu gesunden Erwachsenen) liegt die eingesetzte Menge bei geschätzt 5,9 mg Bor pro Tag. Erhoben wurden der WOMAC-Index und der McGill-Schmerzfragebogen (MPQ) an Tag 1, 7 und 14. Eine Messwiederholungs-Varianzanalyse ergab für den Behandlungseffekt über die Zeit einen geschätzten Gruppenunterschied nach 14 Tagen von minus 13,73 Punkten beim WOMAC-Index (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 19,28 bis minus 8,19, p kleiner 0,0001) und minus 8,90 Punkten beim McGill-Fragebogen (minus 12,32 bis minus 5,48, p kleiner 0,0001); nach 7 Tagen war der WOMAC-Unterschied noch nicht gesichert (minus 5,30, minus 10,84 bis 0,24, p gleich 0,06), der McGill-Unterschied dagegen schon (minus 5,80, minus 9,22 bis minus 2,38, p gleich 0,0009) [10]. Die Placebogruppe zeigte zu keinem Zeitpunkt eine Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert. Alle sechs Autorinnen und Autoren sind bei FutureCeuticals Inc. beziehungsweise dessen Applied BioClinical Laboratory (dem Patentinhaber und Vertreiber des geprüften Calciumfructoborats unter der Marke FruiteX-B) oder bei NutraClinical Inc. angestellt, das die Studie nach einem von FutureCeuticals selbst entworfenen Protokoll durchführte. Die 2014 gedruckte Fassung erklärte am Textende wörtlich, die Autoren berichteten keinen Interessenkonflikt, diese Angabe hat die Zeitschrift 2021 durch eine Berichtigung ersetzt (PubMed-Kennung 33564230). Die Berichtigung legt nach, dass die Studie von FutureCeuticals Inc. finanziert wurde, dass drei Autoren dort und ein weiterer bei NutraClinical Inc. angestellt waren, dass ein Autor als Erfinder auf mehreren Patenten zu Calciumfructoborat steht und dass die Zeitschrift die Autoren nachträglich zur Studienregistrierung aufgefordert hat, die Studie war also nicht vorab registriert [10]. Die Studie lief bei einer privaten Ethikkommission in Guadalajara, Mexiko. Dies ist die einzige gefundene Calciumfructoborat-Studie mit einem vorab festgelegten, mit Konfidenzintervall berichteten Gruppenvergleich zu einer Schmerz- oder Funktionsbewertung; eine von diesem Firmennetzwerk unabhängige Wiederholung existiert nach unserer Suche nicht.

    Quellen: 10

  8. 08

    Entzündungswerte im Blut (CRP, Fibrinogen, Blutsenkung) bei Menschen mit im Röntgenbild gesicherter Knie-Gelenkknorpel-Abnutzung, unter Calciumfructoborat nach 2 Wochen, mit methodischem Bruch zwischen Auswertung und Schlussfolgerung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In dieser Pilotstudie sanken Entzündungswerte in den Bor-Gruppen gegenüber dem eigenen Ausgangswert, während sie in der Placebogruppe teils anstiegen. Die Arbeit beschreibt das als Überlegenheit gegenüber Placebo, tatsächlich berichtet sie ausschließlich Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb jeder einzelnen Gruppe und keinen einzigen direkten Gruppenvergleich.

    Ausführlicher Nachweis

    116 Personen mit primärer, im Röntgenbild innerhalb der vorangegangenen 3 Monate bestätigter Knie-Gelenkknorpel-Abnutzung wurden rekrutiert, 72 traten in die Intent-to-treat-Auswertung ein (4 Gruppen zu je etwa 15 bis 19 Personen mit 1,5, 3,0 oder 6,0 mg Bor pro Tag als Calciumfructoborat, Handelsprodukt FruiteX-B, oder Placebo aus Fructose), 60 schlossen die 2-wöchige Studie vollständig ab [9]. Erhoben wurden Blutsenkung (ESR), Fibrinogen und CRP. In der Ergebnistabelle ist jeder einzelne p-Wert ausdrücklich als 'statistische Signifikanz gegenüber dem Ausgangswert' ausgewiesen, ein Vergleich zwischen den Gruppen wird an keiner Stelle der Arbeit gerechnet oder berichtet [9]. Die niedrigste Bor-Dosis (1,5 mg pro Tag) zeigte gegenüber dem eigenen Ausgangswert signifikante Rückgänge bei ESR (minus 10,25 Prozent, p kleiner 0,05), Fibrinogen (minus 13,73 Prozent) und CRP (minus 60,25 Prozent), während die Placebogruppe im selben Zeitraum bei ESR einen Anstieg zeigte (plus 36,36 Prozent, p kleiner 0,05) und bei Fibrinogen und CRP leicht anstieg; die beiden höheren Bor-Dosen (3,0 und 6,0 mg pro Tag) erreichten bei diesen drei Werten überwiegend keine Signifikanz gegenüber dem eigenen Ausgangswert, ein unsystematisches, nicht dosisabhängiges Muster [9]. Trotzdem schließt die Arbeit im Abstract und in der Diskussion, Calciumfructoborat habe einen 'günstigen Effekt auf die Entzündungswerte im Vergleich zur Placebogruppe' gezeigt, eine Aussage, die durch die berichtete Statistik (ausschließlich Vorher-Nachher-Tests) nicht gedeckt ist. Gefördert wurde die Studie laut Danksagung im Volltext von Natural Research Ltd. (Rumänien), eine Förderangabe, die im PubMed-Datensatz selbst fehlt; das geprüfte Präparat stammte vom US-Hersteller FutureCeuticals. Weil die einzige tragfähige Kennzahl ein Vorher-Nachher-Vergleich ohne echten Gruppentest ist, trägt diese Zeile Hinweise und nicht Belegt, unabhängig von der optimistischen Formulierung der Originalarbeit.

    Quellen: 9

  9. 09

    CRP und Entzündungsbotenstoffe (Interleukin-1-beta, Interleukin-6, MCP-1) im Blut bei gesunden Erwachsenen unter Calciumfructoborat nach 30 Tagen, niedriger als unter Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei gesunden Erwachsenen sanken CRP, Interleukin-6 und weitere Entzündungsbotenstoffe unter der höheren von zwei geprüften Calciumfructoborat-Mengen stärker als unter Placebo. Die Studie vereint Autorinnen und Autoren aus beiden Unternehmen, die diesen Rohstoff patentiert halten und vertreiben, und nennt weder eine Interessenerklärung noch eine Förderquelle.

    Ausführlicher Nachweis

    78 gesunde Erwachsene wurden in drei Gruppen zu je 26 randomisiert und erhielten 30 Tage lang entweder 112 mg Calciumfructoborat pro Tag (entsprechend 3,0 mg Bor, Gruppe CFB-1), 56 mg pro Tag (entsprechend 1,5 mg Bor, Gruppe CFB-2) oder Placebo (Fructose) [11]. Ausgewertet wurde die prozentuale Veränderung gegenüber dem Ausgangswert mit Kruskal-Wallis-Test und anschließenden paarweisen Tukey-HSD-Vergleichen zwischen den Gruppen, damit liegt hier, anders als bei der Pilotstudie oben, ein echter statistischer Gruppenvergleich vor. CRP war in der CFB-1-Gruppe gegenüber Placebo signifikant niedriger (Abstract nennt minus 31,3 Prozent gegenüber dem eigenen Ausgangswert für CFB-1, der Gruppenvergleich selbst wird im Ergebnisteil als signifikant berichtet, ohne den Zahlenwert des Gruppenunterschieds selbst zu nennen); ebenso signifikant niedriger gegenüber Placebo waren in der CFB-1-Gruppe Interleukin-1-beta und in beiden Bor-Gruppen Interleukin-6 und MCP-1, dazu Gesamt-, LDL-Cholesterin und Triglyceride; HDL-Cholesterin war in der CFB-2-Gruppe höher als unter Placebo [11]. Homocystein sank nur in der CFB-1-Gruppe. Die Studie ist damit methodisch solider als die Pilotstudie zur Knorpel-Abnutzung oben, bleibt aber eine einzelne, kleine (26 pro Gruppe), 30 Tage kurze Studie an einer gesunden und nicht beschwerdebehafteten Population. Die Autorenschaft vereint das rumänische BioBoron Research Institute, das die Patente auf Calciumfructoborat hält, mit FutureCeuticals/Applied BioClinical Laboratory (USA), dem kommerziellen Vertreiber; weder eine Interessenerklärung noch eine Förderangabe ist im Volltext auffindbar, obwohl beide beteiligten Institutionen ein unmittelbares kommerzielles Interesse am geprüften Rohstoff haben.

    Quellen: 11

  10. 10

    Entzündungsbotenstoffe und Krankheitsaktivitäts-Scores unter Calciumfructoborat oder Natriumtetraborat als Zusatz zur fortgesetzten Etanercept-Basistherapie bei Menschen mit anhaltend aktiver Gelenkentzündung, mit uneinheitlichem Bild je Messgröße

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Als Zusatz zu einer laufenden Biologika-Therapie senkten beide geprüften Bor-Formen mehrere Entzündungswerte und zwei Krankheitsaktivitäts-Scores stärker als Placebo. Beim CRP selbst, dem in den beiden vorherigen Zeilen zentralen Wert, zeigte sich in dieser unabhängiger finanzierten Studie dagegen kein Unterschied zu Placebo.

    Ausführlicher Nachweis

    80 Personen mit anhaltend aktiver Gelenkentzündung nach den ACR-1987-Kriterien, alle seit mindestens 3 Monaten unter fortgesetzter Etanercept-Basistherapie (50 mg pro Woche), wurden randomisiert einer von drei Zusatzgaben zugeteilt, 220 mg Calciumfructoborat pro Tag (Präparat von FutureCeuticals), 55 mg Natriumtetraborat pro Tag (entsprechend 6 mg elementarem Bor) oder Placebo, über 60 Tage; 72 von 80 schlossen die Studie ab [12]. Gemessen wurden unter anderem die Krankheitsaktivitäts-Scores DAS28 und SDAI sowie CRP, Blutsenkung, TNF-alpha, Interleukin-1-alpha und Interleukin-6. Beide Bor-Formen senkten DAS28 (Calciumfructoborat minus 21,2 Prozent, Natriumtetraborat minus 15,1 Prozent) und SDAI (minus 28,8 beziehungsweise minus 29,4 Prozent) stärker als Placebo (je unterschiedlich, im Text als signifikant berichtet); TNF-alpha sank unter beiden Bor-Formen stärker als unter Placebo, am stärksten unter Calciumfructoborat (minus 35,0 gegenüber minus 20,3 Prozent unter Natriumtetraborat und minus 0,6 Prozent unter Placebo) [12]. Beim CRP dagegen sank der Wert zwar in beiden Bor-Gruppen gegenüber dem eigenen Ausgangswert (minus 47,1 und minus 47,8 Prozent), lag im direkten Gruppenvergleich am Studienende aber nicht anders als in der Placebogruppe, ein Nullbefund, der die Arbeit selbst ausdrücklich benennt. Auch die Anzahl geschwollener und druckschmerzhafter Gelenke sowie die Dauer der Morgensteifigkeit waren zwar numerisch stärker gebessert als unter Placebo, erreichten nach eigener Angabe der Autoren aber keine statistische Signifikanz im Gruppenvergleich, was sie selbst auf die kleine Stichprobe zurückführen [12]. Für keinen der berichteten Gruppenunterschiede nennt die Arbeit ein Effektmaß mit Konfidenzintervall, nur Prozentangaben und p-Werte aus einfaktorieller Varianzanalyse mit Bonferroni-Korrektur. Diese Studie ist unabhängiger finanziert als die beiden vorherigen Calciumfructoborat-Zeilen: Sie gibt 'Source of Support: Nil' an, keine der beteiligten Personen ist bei einem Bor-Hersteller angestellt, wenngleich das Calciumfructoborat-Präparat selbst weiterhin von FutureCeuticals bezogen wurde.

    Quellen: 12

  11. 11

    Knochenzusammensetzung, mechanische Eigenschaften der Knochen und Gelenkknorpel-Schutz in Tier- und Zellmodellen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur Tier- und Zellversuche. Am Menschen nicht in dieser Form untersucht.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 1994 veröffentlichte Übersicht wertet tierexperimentelle Arbeiten zum Zusammenhang zwischen Bor und der Zusammensetzung sowie den mechanischen Eigenschaften von Knochen bei Tieren aus und kommt zu dem Schluss, dass sowohl die stoffliche Zusammensetzung als auch die Funktionseigenschaften von Knochen durch den Bor-Status beeinflusst werden, wobei Calcium, Magnesium, Vitamin D und Fluorid als mitentscheidende Einflussgrößen benannt werden; die Übersicht bezieht sich ausschließlich auf Tiermodelle, keine Humandaten [14]. Eine 2025 veröffentlichte Arbeit an Ratten und Knorpelzellen (C28/I2-Zellen, Tumornekrosefaktor-alpha-Stimulation, sowie ein durch Monoiodoacetat ausgelöstes Modell an Ratten) fand, dass Calciumfructoborat den Abbau der Knorpel-Kollagenmatrix hemmte, den Untergang von Knorpelzellen verringerte und in dem geprüften Signalweg (DDIT3, Hedgehog-Signalweg) wirkte; auch diese Arbeit fand ausschließlich an Zellen und Ratten statt, keine Humandaten [15]. Beide Arbeiten liefern mögliche Wirkmechanismen für die oben berichteten Humanbefunde zu Gelenkbeschwerden, beweisen für sich genommen aber keine Wirkung beim Menschen.

    Quellen: 14, 15

Studien im Detail

Gelenkbeschwerden bei elementarem Bor

Die meistzitierte Grundlage für "Bor gegen Gelenkbeschwerden" ist eine 1994 veröffentlichte Übersicht von Rex Newnham, der die zugrunde liegende Hypothese 1963 durch die Linderung eigener Gelenkbeschwerden unter Bor-Einnahme entwickelte. Zwischen 1976 und 1981 verkaufte er ohne Werbung 90.000 Flaschen eines eigenen Borpräparats (Bor-Rex), bis eine australische Regelung den Verkauf 1981 stoppte. Die von ihm zusammengefasste, zwischen 1983 und 1987 am Royal Melbourne Hospital durchgeführte randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie ist die einzige kontrollierte Humanstudie zu diesem Thema und wurde von Newnham selbst mitverfasst; die Originalpublikation ist nicht in PubMed gelistet.

20 Personen mit im Röntgenbild bestätigter Gelenkknorpel-Abnutzung erhielten 6 mg Bor pro Tag als Natriumtetraborat oder Placebo. Bis zur Auswertung nach 8 Wochen schieden 5 von 20 Personen aus der Studie aus. Die verbliebenen Teilnehmenden zeigten unter Bor eine günstigere Bewertung des Gelenkzustands und weniger Schmerz bei passiver Bewegung als unter Placebo, jeweils mit einem p-Wert, aber ohne Effektmaß und ohne Konfidenzintervall. Die in der Übersicht genannten Ansprechraten (50 zu 10 Prozent beziehungsweise 71 Prozent) beruhen auf unterschiedlichen Nennern (alle randomisierten Personen gegenüber nur den Studienabschließenden) und lassen sich anhand der mitgeteilten Tabelle nicht widerspruchsfrei nachrechnen.

Eine unabhängige Wiederholung dieser Studie mit elementarem Bor bei Gelenkbeschwerden existiert nach unserer Recherche bis heute nicht.

Hormonwerte und Mineralausscheidung bei postmenopausalen Frauen

Der Ruf von Bor als Mittel, das Testosteron und Östrogen anheben soll, geht auf eine einzelne, 1987 veröffentlichte Stoffwechselstudie an 12 postmenopausalen Frauen zurück. Sie lebten für die Dauer der Studie in einer Stoffwechselstation, aßen zunächst 119 Tage eine sehr borarme Kost, dann 48 Tage dieselbe Kost mit 3 mg Bor pro Tag zusätzlich. Es gab keine Gruppe, die durchgehend ohne diese Zugabe weiterlief, jede Teilnehmerin war ihre eigene Vergleichsperson vorher gegenüber nachher.

Berichtet wird ein Anstieg von Östradiol und Testosteron im Serum sowie eine geringere Ausscheidung von Kalzium und Magnesium im Urin unter der Bor-Phase, ausgeprägter bei ohnehin niedrigem Magnesiumgehalt der Kost. Konkrete Zahlenwerte, p-Werte oder Konfidenzintervalle nennt die Originalarbeit nicht einmal im Abstract. Eine 1994 veröffentlichte Übersicht desselben Erstautors (Nielsen) fasst zwei weitere, ebenso aufgebaute Stoffwechselstudien derselben Arbeitsgruppe zusammen, wieder ohne parallele Kontrollgruppe und mit Gruppengrößen von 4 bis 14 Personen.

Diese drei Arbeiten sind bis heute die einzige Grundlage für die Hormonaussage. Eine kontrollierte Studie mit einer parallel laufenden, durchgehend unbehandelten Vergleichsgruppe an postmenopausalen Frauen liegt uns nicht vor.

Kognitive Leistung bei borarmer Kost

Aus derselben Arbeitsgruppe (US-Landwirtschaftsministerium, Grand Forks) stammen drei kleine Stoffwechselstudien an gesunden älteren Menschen, die eine sehr borarme gegen eine borreichere Kost verglichen, wieder als Wechsel innerhalb derselben Personen und ohne parallele Kontrollgruppe. Unter der borarmen Phase fiel die Leistung bei Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis, Feinmotorik und teils Langzeitgedächtnis schlechter aus, begleitet von einer im Elektroenzephalogramm sichtbaren Verschiebung hin zu niederfrequenter Aktivität, einem Muster, das sonst bei allgemeiner Mangelernährung beobachtet wird.

Ohne eine parallel laufende Gruppe ohne Kostwechsel lässt sich ein spezifischer Bor-Effekt von anderen Einflüssen des Studienablaufs (Jahreszeit, Übungseffekt bei wiederholten Tests, sonstige Ernährungsumstellung) nicht sauber trennen.

Knochenmineraldichte bei jungen Frauen

Eine einfach verblindete Studie an 28 jungen Frauen (Sportlerinnen und wenig Aktive) über 10 Monate mit 3 mg Bor pro Tag oder Placebo fand einen Unterschied in der Knochendichte zwischen Sportlerinnen und wenig Aktiven, den die Autorinnen der körperlichen Aktivität zuschreiben. Die Veränderung unter Bor gegenüber Placebo verlief in den beiden Aktivitätsgruppen in entgegengesetzter Richtung, und die Arbeit stellt selbst fest, dass die Bor-Gabe die Knochendichte nicht eigenständig beeinflusst zu haben scheint.

Calciumfructoborat, ein patentierter Markenrohstoff mit eigener Studienlage

Seit den 2010er-Jahren verlagerte sich die Forschung zu Bor und Gelenkbeschwerden fast vollständig auf Calciumfructoborat, einen patentierten Calcium-Fructose-Borat-Komplex, der in den USA unter der Marke FruiteX-B vertrieben wird. Vier der fünf zitierten Humanstudien zu diesem Rohstoff tragen Autorinnen und Autoren, die entweder beim rumänischen Patentinhaber (BioBoron Research Institute, Craiova) oder beim US-Vertreiber (FutureCeuticals, Applied BioClinical Laboratory, NutraClinical Inc.) angestellt sind.

Die methodisch schwächste dieser Arbeiten, eine Pilotstudie an Menschen mit im Röntgenbild bestätigter Knie-Gelenkknorpel-Abnutzung, berichtet in ihren Ergebnistabellen ausschließlich Vorher-Nachher-Vergleiche gegenüber dem eigenen Ausgangswert, behauptet in Abstract und Diskussion aber einen Effekt "im Vergleich zur Placebogruppe". Die höheren der drei geprüften Bor-Dosen erreichten zudem seltener Signifikanz als die niedrigste, ein unsystematisches Muster ohne erkennbaren Dosis-Wirkungs-Zusammenhang.

Zwei methodisch solidere Arbeiten derselben Unternehmensgruppe berichten dagegen echte Gruppenvergleiche mit Konfidenzintervall: eine Studie zu selbstberichteten Knie-Beschwerden mit einem klaren Effekt auf den WOMAC-Index und den McGill-Schmerzfragebogen, und eine Studie zu Entzündungsbotenstoffen bei gesunden Erwachsenen mit einem Effekt auf CRP und mehrere Interleukine. Beide sind einzelne, kleine, kurze Studien ohne von diesem Firmennetzwerk unabhängige Wiederholung.

Die einzige uns bekannte, wirklich unabhängig finanzierte Calciumfructoborat-Studie prüfte den Rohstoff als Zusatz zu einer bereits laufenden Biologika-Therapie bei Menschen mit anhaltend aktiver Gelenkentzündung. Dort verbesserten sich zwei zusammengesetzte Krankheitsaktivitäts-Scores und mehrere Entzündungsbotenstoffe gegenüber Placebo, ausgerechnet der in den herstellernahen Studien am häufigsten beworbene Wert, CRP, unterschied sich dort im direkten Gruppenvergleich jedoch nicht von Placebo.

Tier- und Laborstudien

Eine ältere Übersicht tierexperimenteller Arbeiten findet, dass Bor sowohl die stoffliche Zusammensetzung als auch die mechanischen Eigenschaften von Knochen bei Tieren beeinflusst, abhängig vom Gehalt der Kost an Calcium, Magnesium, Vitamin D und Fluorid. Eine neuere Arbeit an Ratten und Knorpelzellen findet für Calciumfructoborat einen knorpelschützenden Mechanismus über einen bestimmten Signalweg. Beide Arbeiten liefern mögliche Erklärungen für die oben berichteten Humanbefunde, beweisen aber keine Wirkung beim Menschen.

Abgrenzung, unterschiedliche Bor-Verbindungen

Borsäure, Natriumborat (Borax), ein Bor-Aminosäure-Chelat und Calciumfructoborat sind vier chemisch unterschiedliche Verbindungen, die in Nahrungsergänzungsmitteln alle als "Bor" bezeichnet werden können, aber nicht dieselbe Studienlage tragen.

Die älteren, oft zitierten Humanstudien zu Gelenkbeschwerden, Hormonwerten, Mineralausscheidung und kognitiver Leistung prüfen elementares Bor, verabreicht als Natriumtetraborat (Borax) oder über gezielt borarme beziehungsweise borreiche Kostformen. Diese Studien stammen fast vollständig aus zwei kleinen, in den 1980er- und 1990er-Jahren aktiven US-Arbeitsgruppen (Nielsen am US-Landwirtschaftsministerium in Grand Forks, sowie Newnham in Australien und England).

Calciumfructoborat ist eine andere, patentierte Verbindung aus Calcium, Fructose und Borat, die natürlich in geringen Mengen in Obst vorkommt, kommerziell aber nach einem eigenen Patentverfahren hergestellt wird [13]. Seine Studienlage ist neuer, überwiegend nach 2010 veröffentlicht, und stammt zu einem großen Teil von Autorinnen und Autoren, die entweder beim rumänischen Patentinhaber oder beim US-amerikanischen Vertreiber unter Vertrag stehen oder angestellt sind, siehe die jeweiligen Wirkungszeilen und die Einordnung oben. Befunde zu Calciumfructoborat lassen sich nicht ohne Weiteres auf Borsäure, Natriumborat oder ein Bor-Aminosäure-Chelat übertragen, und umgekehrt.

Ein Bor-Aminosäure-Chelat ist eine dritte, in Multivitaminpräparaten verbreitete Zubereitungsform. Trotz gezielter Suche fanden wir dazu keine einzige dedizierte Humanstudie, die diese Zubereitungsform selbst prüft.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den hier zitierten Humanstudien mit 1,5 bis 6 mg Bor pro Tag über 2 Wochen bis 12 Monate wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2004 für Bor (als Borsäure und Natriumborat) einen Tolerable Upper Intake Level (UL) von 0,16 mg Bor pro kg Körpergewicht und Tag festgelegt, das entspricht rund 10 mg Bor pro Tag für einen erwachsenen Menschen; dieser Wert wurde später unabhängig in einer Expositionsbewertung bestätigt [16], [17]. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gilt ein abgeleiteter Höchstwert von 9 mg pro Tag, für Kinder zwischen 1 und 14 Jahren altersgestaffelt 3 bis 7 mg pro Tag. Die EFSA stützt diesen Höchstwert nach eigener Angabe nicht auf Humandaten, sondern auf Tierstudien, in denen eine hohe Bor-Zufuhr bei trächtigen Ratten das Körpergewicht der Feten verringerte; für schwangere und stillende Frauen gilt derselbe Höchstwert von 10 mg pro Tag wie für andere Erwachsene [17]. Der Sicherheitsabstand zwischen diesem Höchstwert und den in mehreren der oben zitierten Studien geprüften Mengen ist eng, einzelne Studien liegen bei 60 bis 90 Prozent des Höchstwerts.

Die deutsche Risikobewertung empfiehlt außerdem, borhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht an Kinder und Jugendliche zu vermarkten, weil die übliche Ernährung allein in dieser Altersgruppe den altersbezogenen Höchstwert bereits erreichen oder überschreiten kann.

Zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor.

Quellen zum Nachlesen

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    Übersicht einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie (Originalstudie selbst nicht in PubMed gelistet), n gleich 20 randomisiert, 15 nach 8 Wochen ausgewertet · 1994

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    Newnham RE. Environ Health Perspect

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 19 (10 vs 9), 7 Wochen · 1994

    Plasma boron and the effects of boron supplementation in males.

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    RCT, kontrolliert, dieselbe Stichprobe und dasselbe Design wie Quelle 2, ein Jahr zuvor in anderer Zeitschrift veröffentlicht · 1993

    The effect of boron supplementation on lean body mass, plasma testosterone levels, and strength in male bodybuilders.

    Ferrando AA, Green NR. Int J Sport Nutr

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    Stoffwechselstudie innerhalb derselben Personen, ohne parallele Kontrollgruppe, n gleich 12 · 1987

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    Übersicht dreier Stoffwechselstudien derselben Arbeitsgruppe, jeweils ohne parallele Kontrollgruppe, n gleich 12, 9 und 14 in den drei zusammengefassten Studien · 1994

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    Narrative Übersicht, überwiegend Eigenzitate derselben Autorengruppe · 2016

    Calcium Fructoborate for Bone and Cardiovascular Health.

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  14. 14

    Übersicht tierexperimenteller Arbeiten, keine Humandaten · 1994

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    Zur Zuschreibung: 11

  15. 15

    Zell- und Tierstudie (C28/I2-Knorpelzellen, Ratten-Modell), keine Humandaten · 2025

    Calcium Fructoborate Improves Knee Osteoarthritis in Rats by Activating Hedgehog Signaling Through DDIT3.

    Yan T, Wang P, Cao Z. Biol Trace Elem Res

    Zur Zuschreibung: 11

  16. 16

    Sicherheitsbewertung, unabhängige Bestätigung des EFSA-Höchstwerts anhand einer Expositionsabschätzung · 2009

    Risk assessment of boron in glass wool insulation.

    Jensen AA. Environ Sci Pollut Res Int

  17. 17

    Behördliche wissenschaftliche Stellungnahme · 2004

    Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies on a request from the Commission related to the Tolerable Upper Intake Level of Boron (Sodium Borate and Boric Acid).

    EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) EFSA J

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