Die Prozentzahl misst gegen einen Richtwert, nicht gegen die Obergrenze
Eine Frage bekomme ich im Kundensupport ständig. Jemand nimmt zwei oder drei Produkte, findet Zink auf jedem Etikett und will wissen, ob das zu viel ist. Die Sorge hängt fast immer an der Prozentzahl. Dabei können 300 Prozent über der Obergrenze liegen oder weit darunter, je nach Stoff.
Genau die hilft hier nicht weiter. Sie vergleicht die Menge auf der Dose mit dem Nährstoffbezugswert, einem festen Richtwert der EU fürs Etikett. Für jedes Vitamin und jeden Mineralstoff mit so einem Wert muss sie draufstehen. Über die Obergrenze, also die Menge, die Du auf Dauer nicht überschreiten solltest, sagt sie nichts.
Bei Zink sind 100 Prozent 10 mg. Die Obergrenze der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, liegt für Erwachsene bei 25 mg, also bei 250 Prozent. Bei Vitamin B6 sind 100 Prozent 1,4 mg. Die Obergrenze liegt dort bei 12 mg, das sind gut 850 Prozent.
300 Prozent Zink sind 30 mg und liegen über der Obergrenze. 300 Prozent Vitamin B6 sind 4,2 mg und liegen weit darunter.
Dieselbe Zahl auf der Dose, zwei völlig verschiedene Lagen. Deshalb rechne ich im Support in Milligramm. Das kannst Du auch, und es dauert keine fünf Minuten.
Die Obergrenze gilt für den ganzen Tag
Was die Obergrenze ist, legt die EFSA genau fest: die höchste Menge, die Du über lange Zeit jeden Tag aufnehmen kannst, ohne dass nach heutigem Wissen ein Gesundheitsrisiko zu erwarten ist. Gezählt wird normalerweise alles zusammen. Essen, Getränke, angereicherte Lebensmittel und jede Nahrungsergänzung.
Für Deinen Körper gibt es also kein Zink aus dem Frühstück und kein Zink aus der Kapsel. Es gibt nur Zink.
Gemeint ist eine Langzeitlinie. Liegst Du an einem Tag ein Stück darüber, hat das laut EFSA nicht automatisch Folgen. Je weiter und je länger Du darüber liegst, desto mehr steigt das Risiko. Große Einzelmengen auf einmal deckt die Obergrenze gar nicht ab. Und eine Empfehlung, die Du ausschöpfen sollst, ist sie auch nicht.
Hinter den 25 mg Zink steckt ein Sicherheitsabstand
Wer nachschaut, wie die Zahlen entstehen, rechnet danach anders. Bei Zink geht es um Kupfer: Viel Zink über lange Zeit kann den Kupferhaushalt stören. In den kontrollierten Studien, auf die sich die Behörde stützt, war bei 50 mg Zink am Tag noch keine Wirkung auf den Kupferstatus messbar. Weil diese Studien klein und kurz waren, hat sie die Menge halbiert. So entstehen die 25 mg.
Deutliche Zeichen eines Kupfermangels, etwa Blutarmut oder eine geschwächte Abwehr, sind erst nach langer Einnahme von mehr als 150 mg Zink am Tag beschrieben. Das ist das Sechsfache der Obergrenze. Die 25 mg sind also eine Linie mit eingebautem Abstand.
Bei Vitamin B6 gilt seit 2023 eine neue Zahl
Bei Vitamin B6 geht es um die Nerven in Armen und Beinen. Diese Obergrenze hat die EFSA 2023 neu berechnet. Seitdem liegt sie bei 12 mg, vorher waren es 25 mg. Überschritten wird sie in der EU nach Einschätzung der Behörde nur von Menschen, die regelmäßig hoch dosierte B6-Präparate nehmen. Rechne trotzdem mit der neuen Zahl.
Der Nährstoffrechner zählt Deine H.P.N-Produkte zusammen
Für H.P.N-Produkte musst Du nichts von Hand addieren. Im Nährstoffrechner wählst Du Produkte und Portionen, und er zeigt Dir für jeden Wirkstoff die Summe über den Tag. Er bewertet nichts, mit zwei Ausnahmen: Zink und Vitamin D3 bekommen eine farbige Markierung.
Bei Zink erscheint ab 25 mg ein gelber Hinweis. Deine Summe hat dann die Obergrenze der EFSA erreicht, und Dein Essen ist noch nicht eingerechnet. Ab 50 mg wird der Hinweis orange, mit dem Satz „Bitte nicht länger als mehrere Wochen“. Die beiden Farben sitzen damit genau auf den zwei Zahlen von oben: 25 mg als Langzeitlinie der Behörde, 50 mg als die Menge, bei der in ihren Studien noch keine Wirkung auf das Kupfer messbar war.
Bei Vitamin D3 erscheint Gelb ab 100 µg, das sind 4.000 IE und genau die Obergrenze der EFSA für Erwachsene. Orange folgt ab 250 µg, mit dem Hinweis „Blutwerte mindestens zweimal im Jahr prüfen, im Sommer und im Winter“.
Ein Fall aus unserem eigenen Sortiment kommt bei mir regelmäßig an. Unser Zink Bisglycinat bringt 25 mg in einer Tagesportion und steht damit allein schon auf Gelb. Das ist die Bauart eines gezielten Zinkprodukts: die volle Langzeitmenge in einer Portion, für alle, die Zink bewusst nachlegen wollen. Kommt MultiCore® mit 10 mg am Tag dazu, zeigt der Rechner 35 mg. Damit liegst Du über der Langzeitlinie und unter den 50 mg, ab denen er orange wird. Du kombinierst dann mit Absicht, und die Farbe sorgt dafür, dass Du es weißt.
Hängst Du bei einem H.P.N-Etikett fest, schreib dem Kundensupport.
So rechnest Du alles andere dazu
- Trag Deine H.P.N-Produkte in den Nährstoffrechner ein und schreib Dir die Summen auf. Fehlt ein Produkt in der Liste, kommt es in den nächsten Schritt.
- Schreib alles auf, was Du sonst nimmst: Produkte anderer Marken und Lebensmittel mit zugesetzten Vitaminen oder Mineralstoffen.
- Lies die Menge pro Tag in Milligramm oder Mikrogramm ab, nicht in Prozent. Jede Nahrungsergänzung muss die Menge je Tagesportion nennen. Sind vier Kapseln Deine Tagesportion, zählen alle vier. Bei angereicherten Lebensmitteln steht die Menge meist pro 100 g, die rechnest Du auf Deine Portion um.
- Zähl je Nährstoff zusammen und leg die Summe neben die Obergrenze.
Ein Beispiel mit zwei Produkten anderer Marken. Auf dem einen stehen 150 Prozent Zink, auf dem anderen 120 Prozent. Klingt nach wenig. Umgerechnet sind das 15 und 12 mg, zusammen 27 mg, und gegessen hast Du da noch nichts.
Damit bist Du über der Langzeitlinie und weit unter den 150 mg, ab denen deutliche Zeichen eines Kupfermangels beschrieben sind. Mit dieser Zahl entscheidest Du jetzt, ob Du Zink aus zwei Quellen willst und für wie lange. Vorher hast Du geraten.
Dein Essen ist der Posten ohne Etikett
Was auf Deinem Teller liegt, kennst Du nur ungefähr. Je näher Deine Summe an der Obergrenze liegt, desto mehr Gewicht bekommt genau dieser Teil. Ernährung steht in der Prioritätenliste auf Platz 2. Wer weiß, was er isst, weiß auch bei dieser Rechnung genauer, wo er landet. Was vor jeder Dose kommt, steht in der Gesundheits-Checkliste.
Öffne heute den Nährstoffrechner und trag ein, was Du nimmst. Rechne den Rest in vier Schritten dazu. Ab dann kombinierst Du mit Zahlen, und bevor eine neue Dose dazukommt, weißt Du schon, was sie an Deiner Summe ändert.
Mini-FAQ
Muss ich bei Magnesium mein Essen mitrechnen?
Nein. Die Obergrenze für Magnesium liegt bei 250 mg am Tag und zählt nur bestimmte Formen aus Nahrungsergänzung, Wasser und angereicherten Lebensmitteln. Was von Natur aus in Deinem Essen steckt, bleibt draußen. Der Grund für diese Linie ist eine milde abführende Wirkung, die von selbst wieder abklingt. Rechne Magnesium aus Nahrungsergänzung also mit und lass das aus dem Essen weg.
Gilt das auch für Kinder, in der Schwangerschaft und mit Medikamenten?
Für Kinder und Jugendliche gelten eigene, niedrigere Obergrenzen, bei Zink zum Beispiel 7 mg für Ein- bis Dreijährige. In Schwangerschaft und Stillzeit liegen die Werte für Zink und Vitamin B6 so hoch wie bei anderen Erwachsenen. Nimmst Du Medikamente oder hat man Dir eine bestimmte Menge verordnet, gehört die Rechnung zu Arzt oder Apotheke. Für eine Einnahme unter ärztlicher Aufsicht gelten die Obergrenzen ohnehin nicht.
Hat jeder Stoff eine Obergrenze?
Nein. Für viele Stoffe reichen die Daten nicht, um eine festzulegen, etwa für Vitamin C, Vitamin K und Biotin. Das heißt nicht, dass dort jede Menge unbedenklich ist, das schreibt die Behörde selbst dazu. Welche Stoffe eine Obergrenze haben und wie hoch sie liegt, steht in der Übersicht der EFSA, leider nur auf Englisch.
Quellen und Studien, 9
- Obergrenze als höchste dauerhafte Tageszufuhr ohne zu erwartendes Gesundheitsrisiko, in der Regel aus allen Quellen (Essen, Getränke, angereicherte Lebensmittel, Nahrungsergänzung), keine Zufuhrempfehlung, gelegentliche oder kurze Überschreitungen ohne automatische Schäden, steigendes Risiko mit steigender Menge, große Einzelgaben nicht abgedeckt, nicht anwendbar bei Einnahme unter ärztlicher Aufsicht: EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA), Turck D et al. Guidance for establishing and applying tolerable upper intake levels for vitamins and essential minerals. EFSA Journal 2024;22(11):e9052. PMID 39507293. DOI: 10.2903/j.efsa.2024.9052
- Obergrenzen für Erwachsene (Zink 25 mg, auch in Schwangerschaft und Stillzeit; Vitamin B6 12 mg; Magnesium 250 mg; Vitamin D 100 µg, entspricht 4.000 IE, Tabelle 3), Geltungsbereich der Magnesium-Obergrenze (Fußnote g: leicht lösliche Salze und Magnesiumoxid in Nahrungsergänzung, Wasser und angereicherten Lebensmitteln, nicht das natürlich enthaltene Magnesium), Werte für Kinder (Zink 7 mg für 1 bis 3 Jahre), Stoffe ohne Obergrenze (u. a. Vitamin C, Vitamin K, Biotin): EFSA. Overview on Tolerable Upper Intake Levels as derived by the Scientific Committee on Food (SCF) and the EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Version 11, August 2025. https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/2024-05/ul-summary-report.pdf
- Zink und Kupferhaushalt, keine Wirkung auf den Kupferstatus bei 50 mg am Tag in kontrollierten Studien (NOAEL), Unsicherheitsfaktor 2 wegen kleiner und kurzer Studien, deutliche Zeichen wie Blutarmut und geschwächte Abwehr erst nach langer Einnahme von mehr als 150 mg am Tag: Scientific Committee on Food. Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Zinc, 05.03.2002. In: EFSA, Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals, Februar 2006, S. 191 bis 201 (150 mg: S. 197). https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/efsa_rep/blobserver_assets/ndatolerableuil.pdf
- Magnesium, milde und vorübergehende abführende Wirkung als Grund der Obergrenze: Scientific Committee on Food. Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Magnesium, 26.09.2001. Im selben Sammelband wie Quelle 3. Dort auch zu Stoffen ohne Obergrenze am Beispiel Vitamin B2, S. 90 („This does not mean that there is no potential for adverse effects from high intakes.“).
- Vitamin B6, Nervenschäden an Armen und Beinen (periphere Neuropathie) als kritischer Effekt, Obergrenze 12 mg seit 2023, vorher 25 mg (SCF 2000), Überschreitung in der EU nur bei regelmäßiger Einnahme hoch dosierter B6-Präparate: EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA), Turck D et al. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6. EFSA Journal 2023;21(5):e08006. PMID 37207271. DOI: 10.2903/j.efsa.2023.8006
- Pflicht zur Mengenangabe je Tagesportion und zur Prozentangabe bei Vitaminen und Mineralstoffen, soweit ein Referenzwert festgelegt ist: Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV), § 4 Abs. 3 Nr. 1 und 2. https://www.gesetze-im-internet.de/nemv/__4.html
- Nährstoffbezugswerte für Erwachsene (Zink 10 mg, Vitamin B6 1,4 mg): Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang XIII Teil A Nr. 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2011/1169/oj
- Nährstoffrechner (Summe je Wirkstoff über den Tag, Markierungen nur für Zink und Vitamin D3, Zink gelb ab 25 mg mit dem Hinweis „EFSA Upper Limit für die tägliche Einnahme“, orange ab 50 mg mit dem Hinweis „Bitte nicht länger als mehrere Wochen“; Vitamin D3 gelb ab 100 µg, orange ab 250 µg mit dem Hinweis „Blutwerte mindestens zweimal im Jahr prüfen, im Sommer und im Winter“), Prioritätenliste mit Ernährung auf Platz 2 und Gesundheits-Checkliste: H.P.N Wissen, https://hpn-store.de/pages/stack-rechner, https://hpn-store.de/pages/prioritaeten, https://hpn-store.de/pages/die-gesundheits-checkliste, abgerufen am 14.10.2026.
- Zinkgehalt je Tagesportion: Zink Bisglycinat 25 mg (eine Tagesportion), MultiCore® 10 mg (vier Kapseln): H.P.N Produktangaben, https://hpn-store.de/products/zink-bisglycinat und https://hpn-store.de/products/multi-core, Stand 31.08.2026.