Eibischwurzel-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Althaea officinalis L. · Eibisch-Extrakt · Marshmallow Root · Echter Eibisch
Auf einen Blick
- Was es ist
- Zubereitung aus der Wurzel des Echten Eibischs (Althaea officinalis), reich an Schleimstoffen (Polysacchariden), die in Wasser eine schützende, gelartige Schicht bilden
- Verwechslungsgefahr mit der Malve
- Althaea officinalis (Eibisch) und Malva sylvestris (Malve) sind zwei verschiedene Gattungen derselben Pflanzenfamilie, der Malvengewächse, mit ähnlichem Schleimstoff-Wirkprinzip. Malve hat einen eigenen Kompendium-Eintrag, ihre Studien sind hier ausdrücklich nicht mitgezählt, auch wenn beide Pflanzen in der Literatur oft im selben Satz genannt werden
- Herkunft
- Mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Malvengewächse, heimisch in Europa, Westasien und Nordafrika, an salzigen und feuchten Standorten wie Meeresküsten und Flussufern
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich und überwiegend nicht am Menschen geprüft. Ein wässriger Wurzelextrakt (Handelsname STW42) in Lutschtabletten oder Sirup in der einzigen gefundenen Humanuntersuchung, ein Blütenextrakt sowie eine mit Zinkoxid-Nanopartikeln kombinierte Zubereitung in Tiermodellen, ein Reinextrakt in Zellkultur- und Reagenzglasversuchen
- Übliche Studiendosis
- Für die Wurzel selbst liegt aus der einzigen Humanuntersuchung keine Milligramm-Angabe vor, nur ein Handelspräparat in Lutschtablette oder Sirup über 7 Tage. Die HMPC-Monographie zur Wurzel nennt für Erwachsene, je nach Zubereitung, 1,5 bis 27,6 Gramm Tagesdosis
- Traditionelle Verwendung
- Seit der Antike bei Husten und Rachenreizung sowie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt, dazu äußerlich zur Hautberuhigung
- Arzneiliche Einordnung
- Für die Eibischwurzel besteht seit 2016 eine EU-Kräutermonographie des HMPC, die ausschließlich ein traditionelles Anwendungsgebiet festlegt, ein schleimhautüberziehendes Mittel bei Reizung von Mund und Rachen mit trockenem Husten sowie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Eine traditionelle Anwendung beruht ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch und nicht auf Studien und ist deshalb keine behördlich gesicherte Wirkung. Die Wirkungen in diesem Eintrag sind unabhängig davon nach der Studienlage eingestuft. Im Register der Europäischen Kommission ist zu Althaea officinalis und Atemwegsgesundheit ein Antrag nach Artikel 13 Absatz 1 verzeichnet (Eintrag 3723), der wie alle botanischen Angaben ausgesetzt ist und bislang nicht wissenschaftlich bewertet wurde
- Verträglichkeit
- In der einzigen gefundenen Humanuntersuchung gut vertragen, mit nur wenigen leichten gemeldeten Ereignissen ohne gesicherten Bezug zum Präparat
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Reizhusten und Rachenreizung bei Erwachsenen, wässriger Wurzelextrakt in einer unkontrollierten Verbraucherbefragung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer offenen Befragung ohne Kontrollgruppe berichteten Anwenderinnen und Anwender eines Wurzelextrakt-Präparats eine rasche Besserung von Rachenreizung und trockenem Husten. Ohne Placebo-Vergleich lässt sich der Beitrag der Erwartungshaltung nicht von einer eigenständigen Wirkung trennen.
Ausführlicher Nachweis
Fink und Kollegen werteten 2018 zwei unabhängig durchgeführte, prospektive, nicht interventionelle Verbraucherbefragungen an zusammen 822 Personen aus, die in Apotheken ein wässriges Eibischwurzelextrakt-Präparat (Handelsname STW42) als Lutschtablette oder Sirup gegen trockenen Reizhusten gekauft hatten [1]. Über 7 Tage füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen zum Symptomverlauf sowie zur Gesamtwirksamkeit, Verträglichkeit und Zufriedenheit aus [1]. Nach eigener Einschätzung besserten sich Mund- und Rachenreizung sowie der begleitende trockene Husten bei der Mehrheit rasch, in vielen Fällen nach eigener Angabe binnen 10 Minuten, die Verträglichkeit wurde als sehr gut bewertet, mit nur 3 leichten gemeldeten Ereignissen beim Sirup [1]. Es gab keine Kontroll- oder Placebogruppe, keine Verblindung und keine Randomisierung, die Teilnehmenden wussten, dass sie ein zum Kauf angebotenes Präparat verwendeten, und alle Angaben beruhen auf Selbstauskunft ohne unabhängige Symptommessung [1]. Die Autoren selbst bezeichnen die Untersuchung als Bestätigung der langjährigen Verwendung und nicht als kontrollierten Wirksamkeitsnachweis [1]. Die Erstautorin dieser Befragung war laut Angabe der Zeitschrift im Phytomedicines Supply and Development Center von Bayer Consumer Health, Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH beschäftigt, also beim Hersteller des untersuchten Präparats STW42, ein zweiter Autor führt eine private Auftragsforschungsadresse für Pflanzenarzneimittel. Eine Angabe zum Interessenkonflikt ist in der Publikation nicht vermerkt [1]. Eine 2020 veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit desselben Themenfelds urteilt deutlich günstiger und schreibt, Tier- und klinische Studien bestätigten die Wirksamkeit von Althaea-officinalis-Extrakten allein bei trockenem Husten, wobei Kombinationen mit anderen Pflanzenextrakten die Wirkung weiter verbesserten [2]. Diese Übersichtsarbeit legt keine eigenen Primärdaten vor, nennt für ihre Einzelstoff-Aussage keine kontrollierte Humanstudie über die hier ausgewertete Befragung hinaus, und ihr Autor ist laut Affiliation in der Forschungsabteilung eines Arzneimittelherstellers tätig, auch hier ist keine Angabe zum Interessenkonflikt vermerkt [2]. Sie ist deshalb kein von Quelle 1 unabhängiger zweiter Beleg. Einzelne unkontrollierte Untersuchung ohne unabhängige Zweitstudie mit vergleichbarem Design.
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02
Hautzustand (SCORAD-Score) bei Kindern mit atopischer Hautreizung, äußerliche Eibisch-Salbe im Vergleich zu einer Hydrocortison-Salbe, ohne im Abstract ausgewiesenen direkten Gruppenunterschied
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Pilotstudie an 22 Kindern besserte sich der Hautzustand in beiden Gruppen. Die beiden berichteten p-Werte vergleichen die Eibisch-Gruppe mit ihrem eigenen Ausgangswert und mit ihrer eigenen Woche 1, nicht mit der Hydrocortison-Gruppe. Ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen wird im Abstract nur als Schlusssatz behauptet, ohne Zahlenwert.
Ausführlicher Nachweis
Naseri und Kollegen prüften 2021 in einer randomisierten, aktiv kontrollierten Pilotstudie an 22 Kindern zwischen 3 Monaten und 12 Jahren mit leichter bis mittelschwerer atopischer Hautreizung eine 1-prozentige Althaea-officinalis-Salbe gegenüber einer 1-prozentigen Hydrocortison-Salbe, beide zweimal täglich für eine Woche, danach dreimal wöchentlich für 3 weitere Wochen [3]. Der Schweregrad wurde mit dem SCORAD-Index erfasst, der sich in beiden Gruppen gegenüber dem eigenen Ausgangswert signifikant besserte, mit einer nach Angabe der Autoren in der Eibisch-Gruppe größeren Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert und gegenüber Woche 1 (p gleich 0,015 beziehungsweise p gleich 0,018) [3]. Der Abstract benennt die Vergleichsbasis dieser beiden Werte selbst, sie stehen für den Vergleich der Eibisch-Gruppe mit ihrem eigenen Ausgangswert und mit ihrer eigenen Woche 1, also für einen Vorher-Nachher-Verlauf innerhalb einer Gruppe und nicht für einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen [3]. Ein Effektmaß, ein Zahlenwert oder ein Konfidenzintervall für einen Gruppenunterschied steht nirgends im Abstract, die Aussage der Autoren, die Eibisch-Salbe sei wirksamer als Hydrocortison, steht dort allein im Schlussabsatz ohne stützende Zahl [3]. Verglichen wurde außerdem gegen eine wirksame Vergleichssubstanz und nicht gegen Placebo, bei nur 22 abschließend ausgewerteten Kindern in einer von den Autoren selbst als Pilotstudie bezeichneten Untersuchung [3]. Der Volltext lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract. Die Stufe bleibt bei Hinweise, weil eine Pilotstudie an 22 Kindern ohne ausgewiesenen Gruppenunterschied und ohne Placeboarm mehr nicht trägt.
Quellen: 3
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03
Antibakterielle Wirkung gegen aus Rachenabstrichen isolierte Bakterien sowie Hemmung der menschlichen Hyaluronidase-1, in Zellkultur- und Reagenzglasversuchen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Im Reagenzglas hemmte ein Eibisch-Extrakt das Wachstum von aus Rachenabstrichen gewonnenen Bakterien und ein an der Schleimhautdurchlässigkeit beteiligtes menschliches Enzym. Eine Untersuchung am ganzen Menschen liegt dazu nicht vor.
Ausführlicher Nachweis
Mehreen und Kollegen zeigten 2016, dass ein methanolischer Eibisch-Extrakt im Agar-Diffusionstest das Wachstum mehrerer aus Rachenabstrichen von Halsschmerz-Patienten isolierter, mehrfach resistenter Bakterienstämme hemmte, mit Hemmhof-Durchmessern von 16 bis 20 Millimetern und minimalen Hemmkonzentrationen von 15,62 bis 31,25 Mikrogramm pro Milliliter [4]. Der geprüfte Pflanzenteil wird im frei zugänglichen Abstract nicht spezifiziert [4]. Sendker und Kollegen zeigten 2017 an der menschlichen Keratinozyten-Zelllinie HaCaT, dass ein wässriger Extrakt aus Eibischwurzeln die Genablesung sowie die enzymatische Aktivität der menschlichen Hyaluronidase-1 hemmte, ein Enzym, das die Durchlässigkeit von Bindegewebe und Schleimhaut für Krankheitserreger und Entzündungsbotenstoffe mitreguliert [5]. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich im Reagenzglas beziehungsweise an isolierten menschlichen Zellen statt, keine an lebenden Menschen mit einem klinischen Endpunkt wie tatsächlicher Keimzahl im Rachen oder Beschwerdebesserung.
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04
Magenschleimhaut-Schutz gegenüber chemisch ausgelöster Geschwürbildung im Tiermodell, Blütenextrakt und nicht die verkaufte Wurzel
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An Ratten schützte ein Extrakt vor durch ein Schmerzmittel ausgelösten Magengeschwüren. Geprüft wurde die Blüte der Pflanze, ein anderer Pflanzenteil als die hier behandelte Wurzel, und es liegt keine Humanstudie vor.
Ausführlicher Nachweis
Zaghlool und Kollegen zeigten 2019 an Ratten, dass eine 14-tägige orale Vorbehandlung mit einem wässrigen Extrakt aus Althaea-officinalis-Blüten (100 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich) einer durch Pylorus-Ligatur und das Schmerzmittel Indometacin ausgelösten Magenschleimhautschädigung entgegenwirkte, mit einer gegenüber der unbehandelten Geschwür-Kontrollgruppe geringeren Geschwürzahl und einem geringeren Geschwür-Index sowie günstigeren Werten bei Entzündungs- und Oxidationsmarkern der Magenschleimhaut, in einer Größenordnung vergleichbar mit den beiden mitgeführten Arzneimittel-Vergleichsgruppen (Omeprazol, Misoprostol) [6]. Der Volltext dieser frei zugänglichen Arbeit nennt ausdrücklich Althaea-officinalis-Blüten und nicht die Wurzel als Ausgangsmaterial [6]. Eine ältere Untersuchung an Ratten von Hage-Sleiman und Kollegen 2011 fand ebenfalls mit einem Blütenextrakt Schutz vor einem ethanolinduzierten Magengeschwür sowie entzündungshemmende Wirkung, bei gleichzeitigem Hinweis der Autoren, dass die meisten bisherigen Untersuchungen sich auf die schleimstoffreiche Wurzel und nicht auf die Blüte bezögen [7]. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich an Ratten statt und mit einem anderen Pflanzenteil als der in diesem Eintrag behandelten Wurzel, eine Übertragbarkeit auf einen Wurzelextrakt beim Menschen ist damit nicht gezeigt.
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05
Wundheilung bei einer Wundsituation mit erhöhtem Blutzucker im Tiermodell, nur mit einer Zinkoxid-Nanopartikel-Chitosan-Zubereitung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An Ratten besserte eine mit Eibisch-Blütenextrakt hergestellte Zinkoxid-Nanopartikel-Zubereitung die Wundheilung. Geprüft wurde eine stark verarbeitete Spezialzubereitung und kein Extrakt, wie er in einem Nahrungsergänzungsmittel vorkommt.
Ausführlicher Nachweis
Elhabal und Kollegen stellten 2024 aus Althaea-officinalis-Blütenextrakt und Zinkoxid im Labor Nanopartikel her, banden diese in ein Chitosan-Gel ein und prüften die Zubereitung an einem Ratten-Wundmodell mit diabetesähnlicher Stoffwechsellage [8]. Gegenüber unbehandelten Kontrolltieren zeigte die Nanopartikel-Zubereitung eine geringere Ausschüttung der Entzündungsbotenstoffe Interleukin-6, Interleukin-1-beta und Tumornekrosefaktor-alpha sowie eine höhere Ausschüttung des entzündungshemmenden Interleukin-10, verbunden mit einer im Gewebeschnitt sichtbar rascheren Wundheilung [8]. Geprüft wurde eine im Labor durch Fällungsreaktion hergestellte Nanopartikel-Gel-Zubereitung aus Blütenextrakt und Zinkoxid, keine Wurzelzubereitung und kein Extrakt in einer Form, wie sie in einer oralen Nahrungsergänzung vorkommt, und die Untersuchung fand ausschließlich an Ratten statt.
Quellen: 8
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06
Magen-Darm-Beschwerden beim Menschen, Wurzel-Zubereitungen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Humanstudien zu Magen-Darm-Beschwerden gesucht und keine gefunden, die einen Eibischwurzel-Extrakt allein prüft.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Althaea officinalis mit den Suchbegriffen Sodbrennen, Reizdarm, Magengeschwür und Magen-Darm-Beschwerden, sowohl mit als auch ohne Beschränkung auf Humanstudien, ergab keine placebokontrollierte Interventionsstudie am Menschen, die einen Eibischwurzel-Extrakt allein prüft und dazu einen eigenen Zahlenwert für einen Verdauungsbeschwerden-Endpunkt nennt. Gefunden wurden ausschließlich zwei Tierstudien mit einem Blütenextrakt, siehe eigene Zeile weiter oben. Das traditionelle Anwendungsgebiet der HMPC-Monographie zu leichten Magen-Darm-Beschwerden beruht ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch und nicht auf einer geprüften Studie, siehe Steckbrief.
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07
Blutzuckerspiegel bei zusätzlicher Einnahme
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Studien zum Blutzucker gesucht, auch bei Tier- und Laborstudien, und keine einzige gefunden, die diese Frage beantwortet.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Althaea officinalis und Blutzucker, Glukose sowie blutzuckersenkender Wirkung, sowohl mit als auch ohne Beschränkung auf Humanstudien und zusätzlich einschließlich Tier- und Laborstudien, ergab keine einzige Studie, weder am Menschen noch im Tier- oder Laborversuch. Der im Alttext verbreitete Hinweis, Eibisch könne in hohen Dosen den Blutzucker senken, geht auf die schleimige, wasserbindende Konsistenz der Droge zurück, eine Untersuchung, die diese Wirkung tatsächlich misst, konnten wir nicht auffinden.
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08
Blasen- und Harnwegsbeschwerden beim Menschen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Humanstudien zu Blasen- und Harnwegsbeschwerden gesucht und keine einzige gefunden.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Althaea officinalis und Harnwegsbeschwerden, Blasenreizung und Harnwegsinfekt, sowohl mit als auch ohne Beschränkung auf Humanstudien, ergab keine einzige Studie am Menschen. Diese im Alttext genannte Zuschreibung ist in der HMPC-Monographie zur Wurzel nicht als eigenes Anwendungsgebiet geführt, sie deckt nur Mund- und Rachenreizung mit Husten sowie leichte Magen-Darm-Beschwerden ab, siehe Steckbrief.
Studien im Detail
Reizhusten und Rachenreizung
Die einzige gefundene Humanuntersuchung zu Eibischwurzel-Extrakt bei Husten ist keine kontrollierte Studie, sondern eine Auswertung von zwei Verbraucherbefragungen. Fink und Kollegen werteten 2018 die Angaben von 822 Personen aus, die in Apotheken ein wässriges Eibischwurzelextrakt-Präparat gegen trockenen Reizhusten gekauft hatten. Über 7 Tage berichteten die meisten eine rasche Besserung von Rachenreizung und Husten sowie eine gute Verträglichkeit. Da es keine Placebo- oder Kontrollgruppe, keine Verblindung und keine Randomisierung gab, lässt sich der Beitrag der Erwartungshaltung von einer eigenständigen Wirkung des Extrakts nicht trennen. Eine 2020 veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit zum selben Thema bestätigt, dass eigenständige, kontrollierte Humandaten zu Eibisch bei Husten dünn sind, und verweist überwiegend auf Tierversuche sowie auf Kombinationspräparate für die belastbarere Evidenz.
Hautzustand bei Kindern
Naseri und Kollegen prüften 2021 in einer kleinen, von den Autoren selbst als Pilotstudie bezeichneten Untersuchung an 22 Kindern mit atopischer Hautreizung eine 1-prozentige Eibisch-Salbe im Vergleich zu einer 1-prozentigen Hydrocortison-Salbe. Der Hautzustand besserte sich in beiden Gruppen gegenüber dem eigenen Ausgangswert, mit nach Angabe der Autoren stärkerer Verbesserung in der Eibisch-Gruppe. Ob diese Angabe einen echten Gruppenvergleich oder nur den Vorher-Nachher-Verlauf jeder Gruppe für sich beschreibt, lässt sich aus dem frei zugänglichen Abstract nicht klären, ein Konfidenzintervall für einen Gruppenunterschied fehlt. Verglichen wurde außerdem gegen ein wirksames Arzneimittel und nicht gegen Placebo.
Magenschleimhaut und Wundheilung, nur im Tiermodell und mit der Blüte
Zur traditionellen Zuschreibung, Eibisch schütze die Magenschleimhaut, fand sich keine einzige Humanstudie. Zwei Tierstudien (Zaghlool 2019, Hage-Sleiman 2011) zeigen an Ratten einen Schutz vor chemisch ausgelösten Magengeschwüren, beide prüfen aber ausdrücklich einen Extrakt aus der Blüte der Pflanze und nicht aus der Wurzel, wie sie in diesem Eintrag behandelt wird. Eine weitere Tierstudie (Elhabal 2024) prüfte eine im Labor hergestellte Zinkoxid-Nanopartikel-Zubereitung aus Blütenextrakt an einem diabetesnahen Ratten-Wundmodell mit günstigen Effekten auf Entzündungsbotenstoffe und die sichtbare Wundheilung. Auch hier war die Blüte und nicht die Wurzel das Ausgangsmaterial, und die stark verarbeitete Nanopartikel-Form unterscheidet sich grundlegend von einem Extrakt, wie er in einer oralen Nahrungsergänzung vorkommt.
Antibakterielle und schleimhautbezogene Laborbefunde
Mehreen und Kollegen zeigten 2016 im Agar-Diffusionstest, dass ein Eibisch-Extrakt das Wachstum mehrerer aus Rachenabstrichen von Halsschmerz-Patienten isolierter, teils mehrfach resistenter Bakterienstämme hemmte. Sendker und Kollegen zeigten 2017 an einer menschlichen Hautzelllinie, dass ein wässriger Extrakt aus Eibischwurzeln die Aktivität der menschlichen Hyaluronidase-1 hemmte, eines Enzyms, das an der Durchlässigkeit von Schleimhaut und Bindegewebe beteiligt ist. Beide Befunde liefern eine mögliche Erklärung für die traditionelle Verwendung bei gereizten Schleimhäuten, keiner davon misst aber eine Wirkung am lebenden Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In der einzigen gefundenen Humanuntersuchung war ein wässriges Eibischwurzelextrakt-Präparat gut verträglich, mit nur wenigen leichten gemeldeten Ereignissen ohne gesicherten Bezug zum Präparat.
Eine 2024 veröffentlichte Risikobewertung untersuchte die Belastung mit Chrom-Verunreinigungen in mehreren in polnischen Apotheken erhältlichen Eibischwurzel-Hustensäften und kam nach zwei unabhängigen Bewertungsverfahren zu dem Schluss, dass keines der geprüften Präparate eine gesundheitliche Gefährdung darstellt, auch nicht für Kinder.
Wegen der schleimigen, wasserbindenden Eigenschaft der Droge kann die Aufnahme gleichzeitig eingenommener oraler Arzneimittel im Verdauungstrakt verzögert oder verringert werden. Ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden zur Einnahme anderer Medikamente ist deshalb sinnvoll. Eine eigene geprüfte Humanstudie zu dieser Wechselwirkung liegt uns nicht vor.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
2 prospektive, nicht interventionelle Verbraucherbefragungen, Wurzelextrakt (STW42), n gleich 822 · 2018
Marshmallow Root Extract for the Treatment of Irritative Cough, Two Surveys on Users' View on Effectiveness and Tolerability.
Fink C, Schmidt M, Kraft K. Complement Med Res
Zur Zuschreibung: 01
- 02
-
03
Randomisierte, aktiv kontrollierte Pilotstudie, äußerliche Anwendung, n gleich 22, 4 Wochen · 2021
Effect of topical marshmallow (Althaea officinalis) on atopic dermatitis in children, A pilot double-blind active-controlled clinical trial of an in-silico-analyzed phytomedicine.
Naseri V, et al. Phytother Res
Zur Zuschreibung: 02
- 04
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05
Laborstudie, Phytochemie und In-vitro-Enzymhemmung an menschlicher Zelllinie (HaCaT), Wurzelextrakt · 2017
Phytochemical Characterization of Low Molecular Weight Constituents from Marshmallow Roots (Althaea officinalis) and Inhibiting Effects of the Aqueous Extract on Human Hyaluronidase-1.
Sendker J, et al. J Nat Prod
Zur Zuschreibung: 03
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- 07
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08
Laborstudie und Tierstudie, Ratten, Nanopartikel-Zubereitung aus Blütenextrakt · 2024
Green Synthesis of Zinc Oxide Nanoparticles from Althaea officinalis Flower Extract Coated with Chitosan for Potential Healing Effects on Diabetic Wounds by Inhibiting TNF-α and IL-6/IL-1β Signaling Pathways.
Elhabal SF, et al. Int J Nanomedicine
Zur Zuschreibung: 05
Bei H.P.N
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