Jod
Zuletzt geprüft am
Spurenelemente
Iodine · Iod · Kaliumiodid
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein essenzielles Spurenelement, Baustein der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Jod muss regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden, natürlicherweise vor allem aus Meeresfisch, Meeresfrüchten und Algen, daneben über jodiertes Speisesalz und mit Jod angereichertes Tierfutter (Milch, Eier). Etwa 90 Prozent des aufgenommenen Jods wird innerhalb von 24 Stunden über den Urin ausgeschieden, weshalb sich die Jodversorgung einer Bevölkerung über die mediane Jodausscheidung im Urin abschätzen lässt
- Wirkform in Studien
- In den zitierten placebokontrollierten Interventionsstudien zu Schwangeren unter anderem als Kaliumiodid, in der größten Studie mit 200 µg Jod pro Tag. In den zitierten Kohorten- und Querschnittsstudien anhand der gemessenen Jodausscheidung im Urin einer bereits bestehenden, gemischten Jodquelle, unabhängig von der chemischen Form. Die älteren Übersichtsarbeiten zu schwerem Jodmangel bei Kindern beruhen dagegen überwiegend auf Injektionen von jodiertem Öl in Einzeldosen von 400 bis 950 mg, siehe die betroffene Wirkungszeile. Getrocknete Algen als Jodquelle schwanken im Jodgehalt erheblich, siehe Sicherheit
- Übliche Studiendosis
- Die größte zitierte placebokontrollierte Schwangerschaftsstudie prüfte 200 µg Jod pro Tag. In kleineren Studien wurden 150 µg pro Tag eingesetzt; 150 µg entsprechen dem Nährstoffbezugswert (NRV) für Erwachsene. In den Sicherheitsstudien zu Jodüberschuss zeigten sich Effekte ab einer Supplement-Zufuhr von etwa 200 µg pro Tag zusätzlich zur Nahrung beziehungsweise ab einer medianen Jodausscheidung im Urin von 200 µg pro Liter, siehe Sicherheit
- Ausgangsversorgung
- Bei Jod ist die Ausgangsversorgung keine Randbedingung, sondern für fast jede Wirkung die entscheidende Frage, siehe die einzelnen Wirkungszeilen. Nach WHO-Einteilung anhand der medianen Jodausscheidung im Urin gilt als schwer mangelversorgt unter 20 µg/l, als moderat mangelversorgt 20 bis 49 µg/l, als leicht mangelversorgt 50 bis 99 µg/l, als ausreichend versorgt 100 bis 199 µg/l, als mehr als ausreichend versorgt 200 bis 299 µg/l und als exzessiv versorgt ab 300 µg/l. Deutschland gilt aktuell als mildes Jodmangelgebiet, mit einer medianen Zufuhr Erwachsener von 126 µg pro Tag laut Erhebungen, auf die sich die BfR-Stellungnahme von 2025 stützt; rund ein Drittel der Erwachsenen und knapp die Hälfte der Kinder und Jugendlichen liegt unterhalb des geschätzten durchschnittlichen Bedarfs
- Rechtlicher Rahmen der Angaben
- Fünf zugelassene Angaben zu Jod gelten nur für Lebensmittel, die die Bedingung "Jodquelle" gemäß Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 erfüllen. Diese Bedingung ist an den Nährstoffbezugswert (NRV) geknüpft, der laut Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 bei 150 µg Jod pro Tag liegt. Als "Quelle von Jod" gilt eine empfohlene Tagesportion ab 15 Prozent des NRV (22,5 µg), ein "hoher Gehalt" verlangt mindestens 30 Prozent (45 µg). Für Nahrungsergänzungsmittel schreibt zusätzlich Artikel 8 der Richtlinie 2002/46/EG vor, die Nährstoffmenge je empfohlener Tagesdosis auf der Kennzeichnung anzugeben
- Sicherheitshinweis
- Das BfR empfiehlt seit 2025 eine Höchstmenge von 100 µg Jod pro Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels für Personen ab 15 Jahren, für Schwangere und Stillende 150 µg. Das ist ein Vorschlag an den Gesetzgeber, keine geltende Rechtsnorm; eine verbindliche Höchstmenge für Jod in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland bislang nicht, ein Nahrungsergänzungsmittel bleibt deshalb auch bei einer Menge über diesem Vorschlagswert rechtlich zulässig. Der ursprünglich vom Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU-Kommission (SCF) 2002 abgeleitete und von der EFSA weitergeführte Gesamt-Obergrenzwert (UL) liegt bei 600 µg Jod pro Tag für Erwachsene aus allen Quellen zusammen (Nahrung, Jodsalz, Nahrungsergänzung); der bis 2025 in Deutschland verwendete, vorsichtiger kalkulierte Wert lag bei 500 µg pro Tag, wegen des Risikos einer unerkannten funktionellen Schilddrüsenautonomie bei älteren, früher jodmangelversorgten Menschen. Ob die Gesamtzufuhr aus allen Quellen zusammen den UL erreichen kann, hängt von der individuellen Zufuhr aus Nahrung und Jodsalz sowie von der ergänzten Jodmenge ab, siehe die Rechnung im Abschnitt Sicherheit. Menschen mit Autoimmunthyreoiditis, Morbus Basedow, Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenknoten mit funktioneller Autonomie sollten Jod nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Normale Produktion von Schilddrüsenhormonen und normale Schilddrüsenfunktion
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Jodquelle' erfüllen, siehe Steckbrief
Quellen: 1
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02
Normale kognitive Funktion (behördliche Grundfunktion)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Jodquelle' erfüllen. Die Angabe beschreibt die normale physiologische Grundfunktion, nicht eine zusätzliche Leistungssteigerung bei bereits ausreichender Versorgung, dazu die eigenen Wirkungszeilen weiter unten
Quellen: 1
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03
Normale Funktion des Nervensystems
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Jod trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Jodquelle' erfüllen
Quellen: 1
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04
Normaler Energiestoffwechsel (behördliche Grundfunktion)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Jod trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Jodquelle' erfüllen. Die Angabe beschreibt die normale physiologische Grundfunktion, nicht eine zusätzliche Steigerung des Stoffwechsels bei bereits ausreichender Versorgung, dazu die eigene Wirkungszeile weiter unten
Quellen: 1
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05
Erhaltung normaler Haut (behördliche Grundfunktion)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Jod trägt zur Erhaltung normaler Haut bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Jodquelle' erfüllen. Die Angabe beschreibt die normale physiologische Grundfunktion, nicht eine kosmetische Zusatzwirkung wie Kollagenbildung oder Haarwachstum bei bereits ausreichender Versorgung, dazu die eigene Wirkungszeile weiter unten
Quellen: 1
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06
Mentale und kognitive Entwicklung von Kindern, die während schweren Jodmangels aufwuchsen, überwiegend historische Beobachtungs- und Interventionsdaten
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei systematische Übersichten mit unterschiedlichem Studiendesign beschreiben den Zusammenhang zwischen schwerem Jodmangel (Ausgangswert, historisch stark jodmangelversorgte Regionen, mediane Jodausscheidung im Urin überwiegend unter 50 µg/l, deutlich unter einer ausreichenden Versorgung, siehe Steckbrief) und der geistigen Entwicklung von Kindern. Bougma et al. (2013, Volltext gelesen) poolten für Kinder bis 5 Jahre 2 randomisierte und 8 nicht randomisierte Interventionsstudien, verglichen mit unsupplementierten Kontrollen ergab sich eine mittlere Effektstärke von 0,49 (kein gepooltes Konfidenzintervall im Volltext genannt), umgerechnet 7,4 IQ-Punkte; über alle 4 in der Übersicht ausgewerteten Studiendesigns (randomisiert mit 2 Studien, nicht randomisiert mit 8 Studien, Kohorte nach mütterlichem Status mit 9 Studien, Kohorte nach kindlichem Status mit 4 Studien, zusammen 23 Studien) zusammen lag die Spanne bei 6,9 bis 10,2 IQ-Punkten. Von den 2 randomisierten Studien fand laut Volltext nur 1 einen statistisch signifikanten Effekt, und die Interventionen in den gepoolten Studien waren laut Volltext überwiegend Injektionen von jodiertem Öl in Einzeldosen von 950 mg (in den chinesischen und kongolesischen Studien niedriger dosiert, 400 beziehungsweise 475 mg), nicht die tägliche orale Einnahme von Kaliumiodid in Mikrogramm-Dosen, wie sie in Kapselpräparaten zur Basisversorgung üblich ist, ein direkter Formvergleich ist hier also nicht möglich. Eine ältere Metaanalyse ausschließlich chinesischer Studien (Qian et al. 2005, 37 Studien, 12291 Kinder, Volltext über die Zeitschriftenseite apjcn.nhri.org.tw gelesen) fand bei Kindern aus jodausreichenden Gemeinden verglichen mit unsupplementierten, schwer jodmangelversorgten Gemeinden einen Vorteil von 0,83 Standardabweichungs-IQ-Punkten (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,56 bis 1,10, 6 Studien, 1385 Kinder), umgerechnet 12,45 IQ-Punkte, und bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft eine Jodsupplementierung erhielten, verglichen mit durchgehend jodmangelversorgten Müttern einen Vorteil von 0,58 (8,7 IQ-Punkte, 21 Auswertungseinheiten, 7607 Kinder), für diesen zweiten Wert nennt auch der Volltext kein Konfidenzintervall. Die Heterogenität war in beiden Vergleichen statistisch signifikant, nach Ausschluss je einer Einzelstudie sank die Effektstärke im ersten Vergleich von 0,83 auf 0,68; es handelt sich überwiegend um Vorher-Nachher- und Regionsvergleiche aus der Zeit vor der landesweiten Jodsalzprophylaxe, keine placebokontrollierten Studien. Beide Übersichten nennen selbst als Einschränkung schwache Studiendesigns, fehlende Kontrolle wichtiger Störgrößen und kleine Stichproben, und beide betreffen ausschließlich schweren, nicht den in Deutschland heute verbreiteten leichten bis moderaten Jodmangel, dazu die folgende Zeile. Zur Unabhängigkeit der beiden Übersichten ist der Abgleich beider Einschlusslisten jetzt gemacht. Bougma bezieht sich nur auf Kinder bis 5 Jahre mit Studien aus verschiedenen Ländern (Literatursuche bis November 2011) und führt Qians Übersicht im eigenen Literaturverzeichnis nur als Vergleichsarbeit (Quelle 26), ohne deren Studien einzupoolen. Das einzige chinesische Ergebnis in Bougmas Interventionsgruppe ist Cao XY et al. 1994 im New England Journal of Medicine (Xinjiang, Einzeldosis 400 mg jodiertes Öl, Bougmas Quelle 57). Diese Arbeit steht nicht in Qians Liste der 37 eingeschlossenen Studien. Qian schließt aber unter der Nummer w24 die Nachuntersuchung derselben Xinjianger Kohorte im Schulalter ein (O Donnell et al., Developmental Medicine and Child Neurology, mit Cao Xue-Yi als Ko-Autor, PMID 11848114). Die beiden Übersichten teilen sich damit genau 1 Studienbevölkerung, vertreten durch 2 verschiedene Veröffentlichungen, und sind im übrigen Bestand voneinander unabhängig
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07
Kindliche kognitive Entwicklung (verbaler und nonverbaler IQ, Sprache, Exekutivfunktion, Motorik) bei zusätzlicher Jodgabe an leicht bis moderat jodmangelversorgte Schwangere mit einer Ausgangs-Jodausscheidung im Urin von 117 bis 137 µg/l, randomisierte Studien ohne Effekt
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Für leichten bis moderaten Jodmangel (in der grundlegenden Übersichtsarbeit dieser Zeile operational definiert als eine mediane Jodausscheidung im Urin von 50 bis 149 µg/l zu Studienbeginn, das ist eine engere, studienspezifische Schwelle, die das WHO-Band 'leicht mangelversorgt' und den unteren Teil des Bands 'ausreichend versorgt' aus dem Steckbrief zusammenfasst) liegen 3 randomisierte Interventionsstudien vor, die eine zusätzliche Jodgabe an Schwangere direkt gegen die kindliche kognitive Entwicklung prüfen; keine von ihnen findet einen Effekt. Zur Ausgangsversorgung, dem entscheidenden Vorbehalt dieser Zeile. Alle 3 Studien starteten laut Volltext der Übersichtsarbeit bei einer medianen Jodausscheidung im Urin von 117 bis 137 µg/l, das liegt im WHO-Band der ausreichend versorgten Allgemeinbevölkerung (100 bis 199 µg/l, siehe Steckbrief) und unterschreitet allein die eigene, höhere Schwelle von 150 µg/l für Schwangere [Dineva et al. 2020, Volltext gelesen]. Die mit Abstand größte und, laut derselben Übersichtsarbeit, einzige ausreichend gepowerte dieser Studien randomisierte 832 Schwangere in Bangalore, Indien, und Bangkok, Thailand (mittleres Gestationsalter bei Randomisierung 10,7 Wochen, SD 2,7; mediane Jodausscheidung im Urin 131 µg/l, IQR 81 bis 213) auf 200 µg Jod pro Tag als Kaliumiodid oder Placebo bis zur Geburt. Sie lief laut eigenem Abstract ausdrücklich in Gebieten, in denen die Schulkinder ausreichend mit Jod versorgt waren, und Dineva et al. führen den Nullbefund im Volltext selbst darauf zurück, dass diese Studie in Ländern mit landesweiter Jodsalzversorgung stattfand und die Frauen deshalb bereits vor der Schwangerschaft angelegte Jodspeicher in der Schilddrüse hatten. Bei den Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren fand sich kein Unterschied zwischen den Gruppen, verbaler IQ (WPPSI-III) Differenz minus 0,7 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,9 bis 1,5), Handlungs-IQ minus 1,6 (minus 4,5 bis 1,3), globaler Exekutivfunktions-Score (BRIEF-P) minus 0,9 (minus 6,8 bis 5,0); finanziert unter anderem von der Nestlé Foundation, im PubMed-Datensatz kein gesonderter Interessenkonflikt der Autorinnen und Autoren vermerkt, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract [Gowachirapant et al. 2017]. Der Volltext der systematischen Übersicht und Metaanalyse (Dineva et al. 2020, 37 eingeschlossene Publikationen aus 10 randomisierten, 4 nicht randomisierten Interventions- und 23 Beobachtungsstudien) benennt diese 3 randomisierten Studien namentlich, nämlich Gowachirapant et al. 2017, Zhou et al. 2015 und Brucker-Davis et al. 2015, und weist Gowachirapant et al. als die einzige ausreichend gepowerte aus. Gepoolt wurden davon nicht die beiden kleineren, sondern Gowachirapant et al. und Zhou et al., weil nur diese beiden Kaliumiodid als Einzelstoff gegen ein Placebo prüften und die Kinder mit demselben Verfahren (Bayley-Skalen) im Alter von 1,5 bis 2 Jahren testeten; Brucker-Davis et al. blieb laut Volltext ausdrücklich außen vor, weil dort Jod Teil einer Vitamin-Mineralstoff-Tablette war. In dieser gepoolten Auswertung fand sich verglichen mit Placebo ebenfalls kein Unterschied beim kindlichen kognitiven Score (mittlere Differenz minus 0,18; 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,22 bis 0,87), beim Sprachscore (1,28; minus 0,28 bis 2,83) oder beim motorischen Score (0,28; minus 1,10 bis 1,66); alle 3 Intervalle liegen eng um die Null. Wichtig für die Belegzählung, im Waldplot des Volltexts trägt Gowachirapant et al. beim kognitiven Score 96,5 Prozent des Gewichts. Die gepoolten Zahlen sind damit im Kern dieselbe Studie, nur zu einem früheren Testzeitpunkt, und keine zweite, unabhängige Bestätigung; [6] und [17] zählen für diese Zahlen als 1 Bestand. Die beiden kleineren Studien einzeln, bei 59 randomisierten australischen Schwangeren (150 µg Jod pro Tag als Kaliumiodid, Tabletten von der Herstellerin Blackmores gespendet, versus Placebo; die staatliche Förderbehörde NHMRC zog ihre Unterstützung zurück, weil sie eine placebokontrollierte Prüfung für nicht vereinbar mit ihrer eigenen Supplementierungsempfehlung hielt, die Studie wurde daraufhin entblindet und vorzeitig beendet) unterschieden sich die Bayley-III-Werte mit 18 Monaten verglichen mit Placebo nicht (kognitiv 99,4 versus 101,7 Punkte, mittlere Differenz minus 2,3; 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 7,8 bis 3,2; Sprache minus 0,7; minus 7,0 bis 5,6; Motorik 1,4; minus 4,0 bis 6,9); im Volltext zusätzlich zur Tablettenspende ein weiterer Interessenkonflikt zweier Ko-Autorinnen und Ko-Autoren mit Beratungshonoraren von Unternehmen aus der Lebensmittel- und Ernährungsbranche, laut Erklärung gezahlt an die Forschungseinrichtung, nicht an die Autorinnen und Autoren persönlich; PubMed selbst führt dafür keine strukturierte Interessenkonflikt-Angabe [Zhou et al. 2015, Volltext gelesen]. Bei 44 von ursprünglich 86 untersuchten Kindern (150 µg Jod pro Tag ab früher Schwangerschaft versus Kontrolle ohne Placebo, Jod als Teil einer Vitamin-Mineralstoff-Tablette, Grenzgebiet mit leichtem Mangel in Frankreich) zeigte sich mit 2 Jahren im Bayley-Test bei kleiner Stichprobe ebenfalls kein Unterschied zwischen den Gruppen, Auswertung anhand des Abstracts [Brucker-Davis et al. 2015]. Die Belegzählung dieser Zeile lautet damit, 3 randomisierte Primärstudien, von denen 2 in der Übersichtsarbeit zusätzlich gepoolt sind, und diese gepoolte Zahl wird zu 96,5 Prozent von der größten der 3 Studien getragen. Dineva et al. selbst bewerten die Evidenzlage für aktuelle Supplementierungsempfehlungen bei leichtem bis moderatem Mangel als nicht ausreichend und fordern weitere, gut konzipierte randomisierte Studien speziell bei moderat mangelversorgten Schwangeren (mediane Jodausscheidung im Urin unter 100 µg/l). Insgesamt, randomisierte Interventionsstudien, einschließlich der größten und einzigen ausreichend gepowerten, zeigen keinen Effekt einer Jodgabe an Schwangere auf die kindliche kognitive, sprachliche oder motorische Entwicklung, an keinem der geprüften Zeitpunkte zwischen 18 Monaten und 5 bis 6 Jahren. Geprüft und nicht gefunden ist das aber ausschließlich für Frauen mit einer Ausgangs-Jodausscheidung von 117 bis 137 µg/l in Ländern mit Jodsalzversorgung, nicht für den von Dineva et al. ausdrücklich noch offenen Bereich unter 100 µg/l. Eine mögliche Erklärung für diesen Nullbefund, ein zu spät begonnenes Zeitfenster der Supplementierung, wird als eigene, durch Beobachtungsdaten gestützte Hypothese in der folgenden Zeile behandelt, getrennt von dieser Zeile, weil sie einen anderen Endpunkt zu einem anderen Zeitpunkt mit einem anderen Studiendesign betrifft
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08
Positiver Zusammenhang zwischen mütterlicher Jodausscheidung und kindlichem verbalem IQ nur in den ersten 14 Schwangerschaftswochen, Beobachtungsdaten, keine gemeinsame Endpunktprüfung mit den randomisierten Studien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Metaanalyse individueller Teilnehmerdaten aus 3 bevölkerungsbasierten Geburtskohorten (Levie et al. 2019, 6180 Mutter-Kind-Paare, Niederlande, Spanien, Vereinigtes Königreich, Volltext gelesen) ist keine Supplementierungsstudie, sondern wertet die natürliche Jodausscheidung im Urin bezogen auf Kreatinin aus (Referenzgruppe 150 bis 500 µg Jod pro Gramm Kreatinin, als 'ausreichend' eingestuft). Über die gesamte Schwangerschaft gemittelt war eine Jodausscheidung unter 150 µg pro Gramm Kreatinin weder mit niedrigerem nonverbalem IQ (minus 0,6 Punkte; 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,7 bis 0,4) noch mit niedrigerem verbalem IQ (minus 0,6 Punkte; minus 1,3 bis 0,1) verbunden, ebenso wenig eine Jodausscheidung von 500 µg pro Gramm Kreatinin oder mehr. Erst die Aufteilung nach Schwangerschaftswoche in 3 Tertile (erste 12 Wochen, n=2209, mediane Jodausscheidung 116 µg/g; Woche 12 bis 14, n=1776, 147 µg/g; nach Woche 14, n=1879, 157 µg/g) zeigte einen positiven, kurvenlinearen Zusammenhang zwischen Jodausscheidung und verbalem IQ ausschließlich in den ersten beiden Tertilen (rund 5 IQ-Punkte Effekt in den ersten 12 Wochen, rund 3 IQ-Punkte in Woche 12 bis 14, kein Zusammenhang mehr danach); für nonverbalen IQ zeigte sich dieser Zusammenhang mit der Schwangerschaftswoche laut Volltext nicht (Interaktionstest p=0,306). Für verbalen IQ stufen die Autorinnen und Autoren den Befund selbst vorsichtig ein: Der Interaktionstest lag bei p=0,078, gegen eine vorab für das Screening gesetzte Schwelle von p<0,15, und der Volltext spricht ausdrücklich von 'possible effect modification', nicht von einem gesicherten Effekt; für die rund 5 beziehungsweise 3 IQ-Punkte je Tertil nennt der Volltext kein eigenes Konfidenzintervall, nur den genannten Interaktionstest und die Tertilgrößen. Die Autorinnen und Autoren deuten den Befund selbst als mögliche Erklärung für den Nullbefund einer randomisierten Studie: Wörtlich im Volltext, sinngemäß übersetzt, die Studie habe Frauen bis zur 14. Schwangerschaftswoche randomisiert, während die eigenen Ergebnisse zeigten, dass die mütterliche Jodversorgung besonders im ersten Trimester wichtig sei; im Originaltext 'the trial randomly assigned women at up to 14 weeks of gestation, whereas we showed that maternal iodine status is particularly important in the first trimester'. Die dort gemeinte Studie ist laut Volltext eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 200 µg Jod pro Tag als Kaliumiodid bei Frauen mit leichtem Jodmangel ohne Effekt auf den kindlichen IQ, das entspricht der in der vorherigen Zeile beschriebenen Studie von Gowachirapant et al., die im Mittel bei einem Gestationsalter von 10,7 Wochen randomisierte, also innerhalb, nicht nach dem von Levie et al. als kritisch beschriebenen Zeitfenster bis Woche 14. Levie et al. betonen ausdrücklich, dass dies eine mögliche Erklärung für den Nullbefund ist und keine eigene Bestätigung eines Nutzens der Supplementierung. Diese Zeile bleibt als offene, durch Beobachtungsdaten gestützte Hypothese für ein frühes Zeitfenster stehen, getrennt von der vorherigen Zeile zu den randomisierten Studien, weil beide Auswertungen unterschiedliche Endpunkte (Bayley-Gesamtscore beziehungsweise WPPSI-Handlungs-IQ und Exekutivfunktion gegenüber isoliertem verbalem IQ), unterschiedliches Alter bei Testung (18 Monate beziehungsweise 5 bis 6 Jahre bei den randomisierten Studien gegenüber 1,5 bis 8 Jahren, je nach Kohorte, bei Levie et al.) und ein anderes Expositionsmass (Jod pro Gramm Kreatinin statt Jodkonzentration im Urin) verwenden und sich deshalb nicht als direkter Widerspruch zueinander lesen lassen
Quellen: 9
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09
Mütterliche Schilddrüsenfunktionswerte (Thyreoglobulin, Schilddrüsenvolumen, TSH, freies Thyroxin) unter Jodgabe bei leicht bis moderat jodmangelversorgten Schwangeren
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Der Volltext dieser Übersichtsarbeit ist über das Hochschularchiv der Autorinnen und Autoren frei zugänglich und wurde für diese Zeile gelesen (Dineva et al. 2020). Er zeigt ein zweigeteiltes Bild. Beim Thyreoglobulin fanden 5 von 7 randomisierten Studien, die diesen Wert erhoben, niedrigere Werte in der Jodgruppe als in der Kontrollgruppe, 2 fanden keinen Unterschied; eine gepoolte Auswertung von 2 dieser Studien (Gowachirapant et al. 2017 und Censi et al. 2019) ergibt eine mediane Differenz gegenüber Placebo von minus 1,1 µg/l (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,5 bis minus 0,6) im zweiten und minus 2,5 µg/l (minus 3,7 bis minus 1,2) im dritten Schwangerschaftsdrittel. Beim Schilddrüsenvolumen ist die Lage umgekehrt und im bisherigen Wortlaut dieser Zeile zu günstig dargestellt gewesen. 5 von 6 randomisierten Studien fanden während oder am Ende der Gabe keinen Unterschied im Schilddrüsenvolumen zwischen Jodgruppe und Kontrollgruppe. Nur in 3 der 6 Studien fiel der im Verlauf der Schwangerschaft sonst zu beobachtende Anstieg des Volumens unter Jodgabe geringer aus oder blieb aus, das ist ein Vergleich von Verläufen und nicht der Gruppenvergleich zum Endzeitpunkt. Bei mütterlichem und kindlichem TSH sowie freiem Thyroxin zeigte sich in den meisten eingeschlossenen Studien kein Unterschied; die Übersicht ordnet das selbst nach Ausgangsversorgung, in randomisierten Studien mit einer Ausgangs-Jodausscheidung über 100 µg/l fand sich meist kein Unterschied beim TSH, in mehreren Studien unter 100 µg/l verhinderte oder verringerte die Jodgabe dagegen den Anstieg des TSH-Werts im Schwangerschaftsverlauf. Eine ältere systematische Übersicht und Metaanalyse zur selben Fragestellung (Taylor et al. 2014, 9 randomisierte und 8 Beobachtungsstudien zu leichtem bis moderatem Jodmangel, Auswertung anhand des Abstracts) kommt laut Abstract qualitativ zum selben Ergebnis, gestationsbezogene Jodgabe verringerte das mütterliche Schilddrüsenvolumen und das Serum-Thyreoglobulin und verhinderte in einigen Studien einen Anstieg des TSH-Werts, ohne gepooltes Konfidenzintervall im Abstract. Dieselbe Übersicht fand daneben in einer gepoolten Auswertung von 2 randomisierten Studien bei Schulkindern (nicht Schwangeren) einen positiven Effekt auf 2 kognitive Masse (standardisierte mittlere Differenz Wahrnehmungsschlussfolgern 0,55, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,05 bis 1,04; globaler kognitiver Index 0,27; 0,10 bis 0,44, beide mit deutlicher Heterogenität zwischen den Studien laut Abstract); diese Teilauswertung betrifft eine andere Population und Fragestellung als diese Zeile. Zum Studienüberlapp der beiden Übersichten ist die Frage jetzt so weit beantwortet, wie es ohne Taylors Volltext geht. Dinevas 10 randomisierte Studien sind laut Volltext Silva 1981, Romano 1991, Pedersen 1993, Liesenkötter 1996, Nøhr 2000, Brucker-Davis 2013, Brucker-Davis 2015, Zhou 2015, Gowachirapant 2017 und Censi 2019. Taylors Literatursuche endete im April 2013, die letzten 4 dieser Studien können dort also nicht enthalten sein; höchstens 6 von Dinevas 10 kommen für einen Überlapp überhaupt in Frage. Diese Zeile stützt sich deshalb der Sache nach eher auf eine übereinstimmende als auf zwei unabhängig bestätigende Auswertungen, das allein rechtfertigt keine höhere Stufe als Hinweise
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10
Risiko einer Schilddrüsenfunktionsstörung bei Jodüberschuss, Richtung abhängig von der betrachteten Störung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Drei voneinander unabhängige Bestände aus Beobachtungsstudien beziehungsweise einer Übersichtsarbeit sowie eine Cochrane-Übersicht ausschließlich randomisierter Studien zeigen, dass eine Jodzufuhr oberhalb der Ausgangsversorgung das Risiko einer Schilddrüsenfunktionsstörung verändert, in unterschiedliche Richtungen je nachdem, welche Störung betrachtet wird und ob die Quelle beobachtend oder randomisiert ist. Chong et al. 2005 und Guan et al. 2005 stammen aus derselben Arbeitsgruppe (beide am ersten angegliederten Krankenhaus der China Medical University in Shenyang, mit den gemeinsamen Autoren Shan Z und Teng W) und zählen deshalb als 1 Bestand, nicht als 2 unabhängige Quellen. Eine Querschnittsstudie dieser Arbeitsgruppe in 3 chinesischen Gemeinden mit unterschiedlicher, natürlich gewachsener Jodversorgung (mild jodmangelversorgt: mediane Jodausscheidung im Urin 50 bis 99 µg/l als Referenzgruppe; mehr als ausreichend versorgt: 200 bis 299 µg/l; exzessiv versorgt: über 300 µg/l) fand in einem für Geschlecht und Alter kontrollierten logistischen Regressionsmodell, verglichen mit der mild jodmangelversorgten Gemeinde, ein höheres Risiko einer subklinischen Hypothyreose bei mehr als ausreichender Versorgung (Odds Ratio 3,172; p=0,0004) und, stärker, bei exzessiver Versorgung (Odds Ratio 6,391; p=0,0001), während dieselbe exzessive Versorgung, ebenfalls verglichen mit der mild mangelversorgten Gemeinde, mit einem niedrigeren Risiko einer subklinischen Hyperthyreose einherging (Odds Ratio 0,218; p=0,0001); für keinen der drei Werte nennt das Abstract ein Konfidenzintervall, Auswertung anhand des Abstracts [Chong et al. 2005]. Eine prospektive Kohorte derselben Arbeitsgruppe mit 488 Schwangeren beziehungsweise Wöchnerinnen in Shenyang fand bei hoher verglichen mit niedriger Jodversorgung ein höheres Risiko einer Schilddrüsenentzündung innerhalb eines Jahres nach der Geburt (relatives Risiko 2,92; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,31 bis 6,50); das Vorliegen von Thyreoperoxidase-Antikörpern bei der Entbindung war der stärkste unabhängige Einzelfaktor (relatives Risiko 6,76; 95-Prozent-Konfidenzintervall 4,42 bis 10,34), Auswertung anhand des Abstracts [Guan et al. 2005]. Beide Arbeiten dieser Arbeitsgruppe messen die Jodversorgung über den Urin beziehungsweise die natürlich vorkommende, gemischte Jodquelle der untersuchten Bevölkerung (Nahrung, Jodsalz), nicht über eine definierte Kaliumiodid-Supplementierung in Kapselform, ein direkter Formvergleich ist hier also nicht möglich. Eine Querschnittsstudie an 1844 Schwangeren aus 3 spanischen Regionen fand bei einer Supplement-Jodzufuhr von 200 µg oder mehr pro Tag, verglichen mit einer Supplement-Zufuhr unter 100 µg pro Tag, ein höheres Risiko für einen TSH-Wert über 3 mU/l (adjustierte Odds Ratio 2,5; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,2 bis 5,4); die über den Urin gemessene Jodausscheidung selbst hing dagegen nicht mit dem TSH-Wert zusammen, und die Region mit der höchsten medianen Jodausscheidung (168 µg/l) und der höchsten Supplement-Nutzung (93 Prozent) hatte gleichzeitig die niedrigsten Werte für freies Thyroxin, Auswertung anhand des Abstracts [Rebagliato et al. 2010]. Eine Übersichtsarbeit mit der ausdrücklichen Erklärung 'the authors declare no competing interests' fasst zusammen, dass eine über den Bedarf hinausgehende Jodversorgung einer Bevölkerung laut Langzeit-Bevölkerungsuntersuchungen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen einschließlich Schilddrüsen-Autoimmunität einhergehen kann, überwiegend als euthyreote oder subklinisch-hypothyreote Autoimmunthyreoiditis, und dass die vorherige Jodversorgung einer Population beeinflusst, wie stark die Schilddrüse auf eine erhöhte Jodzufuhr reagiert; im Tiermodell kann Jod eine Schilddrüsen-Autoimmunität auslösen oder verstärken, ob dies beim Menschen ein direkter Effekt auf das Immunsystem oder eine Folge eines toxischen Effekts auf das Schilddrüsengewebe ist, sei laut den Autoren ungeklärt [Teti et al. 2021, Volltext gelesen]. Eine Cochrane-Übersicht ausschließlich randomisierter und quasi-randomisierter Studien (Harding et al. 2017, 14 eingeschlossene Studien, davon 11 mit auswertbaren Daten zu den Vergleichen dieser Übersicht, über 2700 Frauen vor, während oder nach der Schwangerschaft, Jodgabe oral oder injiziert, unabhängig von der chemischen Verbindung, Volltext gelesen) liefert für denselben Themenkomplex randomisierte Daten: Jodsupplementierung verringerte das Risiko einer postpartalen Hyperthyreose um 68 Prozent (Risk Ratio 0,32; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,11 bis 0,91; 3 Studien, 543 Frauen, durchweg in Gebieten mit leichtem bis moderatem Jodmangel, von der Übersicht selbst als niedrige Evidenzqualität eingestuft), erhöhte zugleich aber das Risiko einer Verdauungsunverträglichkeit in der Schwangerschaft um das 15-Fache (Risk Ratio 15,33; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,07 bis 113,70; 1 Studie, 76 Frauen, sehr niedrige Evidenzqualität laut Übersicht). Für Hypothyreose in Schwangerschaft oder Wochenbett, für Frühgeburt und für erhöhte Thyreoperoxidase-Antikörper fanden sich keine klaren Unterschiede zwischen den Gruppen, jeweils mit breitem Konfidenzintervall und niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität laut Übersicht; die Übersicht selbst zieht keine abschließenden Schlüsse zu Nutzen oder Schaden einer routinemäßigen Jodgabe und fordert weitere, ausreichend gepowerte randomisierte Studien. Weil auch hier oral und injiziert sowie unterschiedliche chemische Verbindungen gemeinsam ausgewertet werden, ist auch für diese Quelle kein direkter Formvergleich mit einer definierten Kaliumiodid-Kapsel möglich. Ein Überlapp im Studienbestand zwischen Harding et al. und den übrigen 3 Quellen dieser Zeile ist strukturell ausgeschlossen, weil Harding et al. laut eigenem Methodenteil nur randomisierte und quasirandomisierte Studien einschließt, während Chong et al., Guan et al. und Teti et al. ausschließlich Beobachtungsdaten auswerten oder referieren. Ein Überlapp der Teilnehmenden zwischen Chong et al. und Guan et al. ist dagegen nach dem Abgleich beider Beschreibungen unwahrscheinlich, Chong et al. ist eine Querschnittserhebung in der Allgemeinbevölkerung dreier Gemeinden mit unterschiedlicher Jodversorgung, Guan et al. eine prospektive Kohorte aus 610 vor der Entbindung eingeschlossenen Schwangeren in Shenyang, von denen 488 nachverfolgt wurden. Die beiden Arbeiten zählen hier nicht wegen gemeinsamer Teilnehmender als 1 Bestand, sondern weil dieselbe Arbeitsgruppe dieselbe These an derselben Region prüft. Zur Einordnung der Studienqualität, die 3 unabhängigen Beobachtungsbestände (Chong/Guan als 1 Bestand, Rebagliato, Teti) sind ausschließlich Beobachtungsdaten beziehungsweise eine Übersichtsarbeit über Beobachtungsdaten, keine davon eine randomisierte Studie; Harding et al. liefert dagegen randomisierte Daten, deren Qualität die Übersicht selbst durchweg als niedrig oder sehr niedrig einstuft, wegen kleiner Studienzahl, kleiner Fallzahlen und breiter Konfidenzintervalle. Zur Firmen- und Verbandsbindung, bei Harding et al. sind 2 der Autorinnen laut Interessenerklärung bei der Micronutrient Initiative angestellt, einer Organisation, die selbst Jodsalz-Anreicherungsprogramme durchführt, eine dritte Person arbeitet in der zuständigen Einheit der Weltgesundheitsorganisation, die unter anderem von der Micronutrient Initiative Mittel erhält; die Erklärung nennt eine Studie, von deren Eignungsprüfung sich beide Angestellten deshalb zurückgezogen haben. Diese Bindung steht nur in der Interessenerklärung des Volltexts und ist bei der Bewertung der Cochrane-Zahlen mitzulesen. Dieselbe methodische Zurückhaltung gilt für beide Studiendesigns gleichermaßen, weder die durchgehend gleichgerichteten Beobachtungsbefunde noch die randomisierten Cochrane-Daten reichen für eine höhere Stufe als Hinweise, unabhängig davon, ob sie ein höheres oder ein niedrigeres Risiko zeigen; dieselbe Zurückhaltung gegenüber Beobachtungsdaten gilt auch für die separate Zeile zur frühen Schwangerschaftswoche weiter oben, die ebenfalls nur Hinweise trägt. Insgesamt ergibt sich kein einheitliches Bild eines reinen Überschussrisikos, sondern ein endpunktabhängiges Muster, höheres Risiko für subklinische Hypothyreose und postpartale Schilddrüsenentzündung in Beobachtungsdaten, niedrigeres Risiko für subklinische Hyperthyreose in Beobachtungsdaten, niedrigeres Risiko für postpartale Hyperthyreose, aber höheres Risiko für Verdauungsunverträglichkeit in randomisierten Daten
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11
Kognitive Leistungsfähigkeit bei Erwachsenen mit bereits ausreichender Jodversorgung, kein nachgewiesener Mangel, keine Schwangerschaft
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach einer randomisierten Humanstudie gesucht, die eine zusätzliche Jodgabe bei nicht schwangeren, bereits ausreichend jodversorgten Erwachsenen gegen ein kognitives Leistungsmass prüft. Eine erste, eng als Wortgruppe formulierte Suche (PubMed-Suche nach "iodine supplementation" "cognitive function healthy adults" (alle Publikationstypen)) lieferte nur 1 Treffer und war zu eng, um Fehltreffer sicher auszuschließen. Eine breitere, wiederholte Suche (PubMed-Suche nach "iodine supplementation" "cognitive function" (alle Publikationstypen), 10 Treffer) bestätigt den ursprünglichen Befund: Alle 10 Treffer betreffen ausschließlich Schwangerschaft, mütterlichen Jodmangel oder Kinder, keiner davon prüft eine zusätzliche Jodgabe bei bereits ausreichend jodversorgten, nicht schwangeren Erwachsenen gegen ein kognitives Leistungsmass. Für einen zusätzlichen kognitiven Effekt bei durchgehend ausreichender Versorgung liegt damit keine einschlägige Studie vor, weder am Menschen noch im Tier- oder Zellmodell; das ist hier das Ergebnis einer durchgeführten, wiederholten Suche, nicht einer unterlassenen Recherche, siehe die Anmerkung unter der Tabelle
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12
Energiestoffwechsel (Schilddrüsenhormonspiegel), ohne Effekt gezeigt, und Körpergewicht über die behördliche Grundfunktion hinaus bei Jodzufuhr deutlich über dem Bedarf
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie an 50 übergewichtigen japanischen Erwachsenen (BMI 25 bis unter 30) prüft diese Frage teilweise: 30 Tabletten pro Tag mit jodreduziertem Seetangpulver (Laminaria japonica, 6 g Pulver mit 3 g Alginat pro Tag), das laut Abstract dennoch 1,03 mg (1030 µg) Jod pro Tag lieferte, deutlich über dem an anderer Stelle in diesem Eintrag beschriebenen Gesamt-Obergrenzwert (UL) von 600 µg, versus jodfreiem Placebopulver, über 8 Wochen. Der Körperfettanteil sank bei Männern in der Testgruppe gegenüber Placebo; die Autorinnen und Autoren führen diesen Effekt aber selbst ausdrücklich auf den enthaltenen Ballaststoff Alginat zurück, nicht auf Jod. Für die Schilddrüsenhormonwerte nennt der Volltext (frei zugänglich) konkrete Zahlen: TSH änderte sich von Woche 0 zu Woche 8 um minus 0,01 mIU/l unter Placebo gegenüber plus 0,01 mIU/l unter Testpräparat (p=0,653), FT3 um minus 0,18 gegenüber minus 0,06 pmol/l (p=0,294), FT4 um plus 0,01 gegenüber plus 0,01 pmol/l (p=0,826), bei je 24 Personen pro Gruppe; keiner der 3 Gruppenunterschiede erreichte statistische Signifikanz. Die Studie hat 3, nicht 2, Ko-Autorinnen und Ko-Autoren aus den beteiligten Unternehmen (1 Angestellter der Seetang-Verarbeitungsfirma Maruyanagi Foods, 2 Angestellte der Auftragsforschungsfirma CPCC), laut eigener Erklärung ohne Einfluss der Firmen auf Auswertung oder Publikation [Aoe et al. 2021]. Diese eine Studie mit 24 Personen je Gruppe ist zu klein und zu indirekt (Fokus auf Alginat, Jod nur als Nebenbefund), um eine Wirkung von Jod selbst auf Energiestoffwechsel oder Körpergewicht als geprüft und nicht gefunden zu werten, deshalb hier Hinweise statt einer höheren oder einer verneinenden Stufe. Eine breitere Suche nach weiteren randomisierten Humanstudien, die eine Jodgabe selbst, nicht ein jodhaltiges Lebensmittel insgesamt, gegen Körpergewicht, Körperfettanteil oder Ruheenergieumsatz bei nicht mangelversorgten Menschen prüfen (PubMed-Suche nach "iodine supplementation" "body weight" (alle Publikationstypen), 12 Treffer, sowie
"iodine supplementation" "resting energy expenditure"und"iodine repletion" "metabolic rate", beide 0 Treffer), findet keine weitere passende StudieQuellen: 16
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13
Unterstützung des Immunsystems und der Infektabwehr
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach placebokontrollierten Humanstudien gesucht, die eine Jodgabe gegen Infektanfälligkeit oder ein Immunfunktionsmass prüfen (PubMed-Suche nach "iodine" "immune function", "iodine supplementation" "infection risk" (alle Publikationstypen), "iodine supplementation" "immune response" (ohne Beschränkung auf Humanstudien)). Unter den wenigen Treffern keine passende Humanstudie zu oraler Jodsupplementierung und Immunfunktion oder Infektabwehr bei Menschen ohne Jodmangel, stattdessen unter anderem tierärztliche und onkologische Arbeiten zu anderen Anwendungen von Jod, etwa Radiojod-Bestrahlung bei Lungenkrebs. Drei weitere, breiter angelegte Suchen bestätigen das ("iodine" "immunity" (alle Publikationstypen), 271 Treffer, "iodide" "immune function" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 32 Treffer, "iodine supplementation" "common cold" (alle Publikationstypen), 0 Treffer). Die durchgesehenen Treffer der beiden ersten Suchen betreffen Selen und Schilddrüse, Hashimoto-Thyreoiditis, Zellversuche zu anderen Stoffen und tierische Saisonbiologie, keiner prüft eine orale Jodgabe gegen ein Immun- oder Infektmass beim Menschen. Es liegt damit keine Studie vor, die diese Wirkung geprüft hätte, weder am Menschen noch im Tier- oder Zellmodell; ein Ausbleiben der Wirkung ist damit nicht gezeigt, sondern nur die Abwesenheit einer einschlägigen Studie belegt, siehe die Anmerkung unter der Tabelle
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14
Haut- und Haargesundheit über die behördliche Grundfunktion "Erhaltung normaler Haut" hinaus, etwa Kollagenbildung oder Haarwachstum
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach placebokontrollierten Humanstudien zu oraler Jodgabe und Haarwachstum oder Hautkollagen gesucht (PubMed-Suche nach "iodine" "hair growth" (alle Publikationstypen), 4 Treffer, "iodine supplementation" "hair" (ohne Beschränkung auf Humanstudien), 0 Treffer). Die 4 Treffer der ersten Suche sind eine Arbeit zu Haarausfall bei Schilddrüsenunterfunktion (1972), eine Fallstudie zu topischem, nicht oralem Jod bei einer Narbenbehandlung (2009) und zwei ältere Arbeiten zu topischer Hauttherapie beziehungsweise zu vorzeitiger Alterung in historisch jodmangelversorgten Regionen, keine davon prüft orale Jodgabe gegen Haarwachstum oder Hautkollagen bei ausreichend versorgten Menschen. Diese Zeile betrifft ausdrücklich nicht die unter der behördlichen Angabe 'Erhaltung normaler Haut' zugelassene Grundfunktion, sondern die weitergehende, verbreitete Zuschreibung. Für einen Effekt über die Grundfunktion hinaus liegt damit keine einschlägige Studie vor, weder am Menschen noch im Tier- oder Zellmodell, siehe die Anmerkung unter der Tabelle
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15
Entgiftung beziehungsweise Ausleitung von Schwermetallen (etwa Blei, Quecksilber)
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Diese Zuschreibung wurde gezielt geprüft. Sechs unterschiedlich formulierte Suchen finden keine passende Studie, nämlich PubMed-Suche nach "iodine" "heavy metal detoxification" (alle Publikationstypen) (0 Treffer); "iodine supplementation" "lead" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) (3 Treffer, keiner davon eine Studie zur Jodgabe gegen Bleiausscheidung, sondern zufällige gemeinsame Nennung in anderem Zusammenhang, darunter die bereits als Quelle 14 geführte Rebagliato-Studie ohne Bezug zu Schwermetallen); "iodine" "chelation" (alle Publikationstypen) (30 Treffer, überwiegend zu Radiojod-Anwendungen und anderen chelatbildenden Substanzen, keine Studie zu einer ausleitenden Wirkung von Jod selbst auf Schwermetalle beim Menschen); "iodine supplementation" "detoxification" (alle Publikationstypen) (1 Treffer, betrifft die körpereigene Entgiftung von Cyanid zu Thiocyanat und dessen Wirkung auf die Schilddrüse, nicht die Ausleitung von Schwermetallen durch Jod); sowie neu "iodine" "mercury excretion" (alle Publikationstypen, ohne Beschränkung auf Humanstudien) und "iodine" "lead excretion" (alle Publikationstypen, ohne Beschränkung auf Humanstudien), beide 0 Treffer. Damit ist die Frage nach der Suchlage abgeschlossen, es liegt keine Studie vor, die eine ausleitende Wirkung von Jod auf Schwermetalle geprüft hätte, weder am Menschen noch im Tier- oder Zellmodell; ein Ausbleiben der Wirkung ist damit nicht gezeigt, sondern nur die Abwesenheit einer einschlägigen Studie belegt, siehe die Anmerkung unter der Tabelle
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16
Vorbeugung eines Kropfes (Schilddrüsenvergrößerung) beziehungsweise Verringerung des Schilddrüsenvolumens bei bestehendem Jodmangel
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Diese klassische Jodzuschreibung ist im Kern dieselbe Frage wie die Zeilen zu schwerem Jodmangel bei Kindern und zu mütterlichen Schilddrüsenfunktionswerten weiter oben, hier auf das Schilddrüsenvolumen selbst bezogen. Für Schwangere mit leichtem bis moderatem Jodmangel ist der Befund schwächer, als er im Abstract beider Übersichtsarbeiten klingt. Der jetzt gelesene Volltext von Dineva et al. 2020 zeigt, dass 5 von 6 randomisierten Studien während oder am Ende der Gabe keinen Unterschied im Schilddrüsenvolumen zwischen Jodgruppe und Kontrollgruppe fanden und dass nur in 3 der 6 Studien der Anstieg des Volumens im Schwangerschaftsverlauf unter Jodgabe geringer ausfiel oder ausblieb; Taylor et al. 2014 berichtet laut Abstract ein verringertes mütterliches Schilddrüsenvolumen, ohne gepooltes Konfidenzintervall und ohne dass sich das ohne Volltext gegen den Befund von Dineva et al. prüfen ließe, dort auch der Hinweis auf den nach Suchzeitraum eingegrenzten Überlapp im Studienbestand. Beide Übersichtsarbeiten betreffen ausdrücklich schwangere Frauen mit leichtem bis moderatem Jodmangel, nicht die Frage nach einem Kropf in der allgemeinen, nicht schwangeren Bevölkerung bei bereits ausreichender Versorgung; dazu wurde in diesem Eintrag keine eigene, gezielte Suche durchgeführt. Für Kinder mit historisch schwerem Jodmangel legt die in der betroffenen Wirkungszeile beschriebene ältere Studienlage aus injiziertem Jodöl eine Verringerung der Kropfhäufigkeit ebenfalls nahe, ohne dass die dort zitierten Übersichtsarbeiten (Bougma et al., Qian et al.) dies als eigenen Endpunkt mit Zahlen ausweisen. Eine ältere Cochrane-Übersicht genau zu diesem Endpunkt bei Kindern wurde bei der Recherche gefunden, wird hier aber ausdrücklich nicht als Quelle geführt, denn die 2018 aktualisierte Fassung dieser Cochrane-Übersicht wurde von Cochrane selbst mit dem Titelzusatz 'WITHDRAWN' zurückgezogen (PMID 30489630), und auch die zugehörige Ursprungsfassung von 2004 (PMID 15106221, mit dem Verweis
UpdateInauf PMID 30489630) gilt damit als über den Rückzug der aktuelleren Fassung betroffen; beide werden deshalb nicht zitiert und keine ihrer Zahlen wird hier wiedergegeben
Anmerkung zur Spalte Studienlage: Bei 4 Zeilen dieses Eintrags (Kognitive Leistungsfähigkeit bei Erwachsenen, Immunsystem, Haut und Haar über die Grundfunktion hinaus sowie Ausleitung von Schwermetallen) steht "Studienlage offen", obwohl tatsächlich gezielt und mit mehreren, unterschiedlich formulierten Suchanfragen gesucht wurde; diese Suchen sind in der jeweiligen Begründung mit dem genauen Suchbefehl dokumentiert. Der Unterschied zu einer Bewertung wie "Nicht bestätigt" ist: Keine der gefundenen Arbeiten prüft die jeweilige Wirkung überhaupt, weder am Menschen noch im Tier- oder Zellmodell, sodass sich aus der Suche keine inhaltliche Bewertung der Wirkung selbst ableiten lässt, sondern nur die Abwesenheit einer einschlägigen Studie. Die Stufe bedeutet hier also "gesucht, keine einschlägige Studie gefunden", nicht "nicht geprüft", und das Ergebnis sagt entsprechend nichts darüber aus, ob die Wirkung eintritt oder ausbleibt.
Wichtig zur Einordnung: Die fünf behördlich gesicherten Funktionen beschreiben, wozu der Körper Jod braucht. Sie sagen nicht, dass eine zusätzliche Einnahme über den Bedarf hinaus einen weiteren Nutzen bringt, und sie sagen erst recht nicht, dass eine Ergänzung ohne Rücksicht auf die eigene Ausgangsversorgung unbedenklich ist. Das ist der Kern dieses Eintrags: Bei Jod liegt zu viel dem gleichen Organ genauso nahe wie zu wenig, und welche Richtung eine zusätzliche Einnahme nimmt, hängt entscheidend davon ab, wie gut jemand vorher schon versorgt war, siehe Sicherheit. Die fünf Angaben sind zudem an die Bedingung "Jodquelle" geknüpft, die im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [3] festgelegt ist. Die dort verlangte Mindestmenge von 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts, der wiederum in Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII, mit 150 µg festgelegt ist [2], ergibt die im Steckbrief genannten 22,5 µg. Dass bei Nahrungsergänzungsmitteln die empfohlene Tagesportion und nicht 100 g als Bezugsgröße gilt, folgt aus Artikel 8 Absatz 2 der Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel [4].
Studien im Detail
Die Ausgangsversorgung entscheidet, nicht nur die Menge
Die WHO teilt die Jodversorgung einer Bevölkerung anhand der medianen Jodausscheidung im Urin ein: unter 20 µg/l schwer mangelversorgt, 20 bis 49 µg/l moderat mangelversorgt, 50 bis 99 µg/l leicht mangelversorgt, 100 bis 199 µg/l ausreichend versorgt, 200 bis 299 µg/l mehr als ausreichend versorgt, ab 300 µg/l exzessiv versorgt. Praktisch jede hier zitierte Wirkungsaussage ändert sich, je nachdem, in welchem dieser Bereiche die untersuchte Bevölkerung stand, siehe die einzelnen Wirkungszeilen und den Steckbrief.
Kindliche Entwicklung: großer Effekt bei schwerem Mangel, kein abgesicherter Effekt bei leichtem bis moderatem Mangel
Bei schwerem, historischem Jodmangel (mediane Jodausscheidung unter etwa 50 µg/l) berichten ältere Übersichtsarbeiten [10, 11] IQ-Unterschiede von rund 7 bis 12 Punkten zwischen mangel- und ausreichend versorgten Kindern. Diese Übersichten beruhen aber überwiegend auf Beobachtungsdaten und, wo tatsächlich interveniert wurde, meist auf Injektionen von jodiertem Öl in sehr hohen Einzeldosen, nicht auf der täglichen oralen Einnahme von wenigen Mikrogramm Kaliumiodid, wie sie in Kapselpräparaten zur Basisversorgung üblich ist.
Für den in Deutschland heute verbreiteten leichten bis moderaten Jodmangel zeigt sich ein anderes Bild: Inzwischen liegen 3 randomisierte, placebokontrollierte Studien vor, die eine zusätzliche Jodgabe an Schwangere direkt gegen die kindliche kognitive Entwicklung prüfen, darunter die mit 832 Frauen mit Abstand größte und einzige ausreichend gepowerte [17], sowie 2 kleinere [7, 8]. Keine der 3 findet einen Effekt. Eine Metaanalyse poolt davon 2, nämlich die größte und eine der kleinen, und findet ebenfalls keinen Effekt; weil die größte Studie darin 96,5 Prozent des Gewichts trägt, ist das keine zweite, unabhängige Bestätigung, sondern im Kern dieselbe Studie [6]. Eine Beobachtungsstudie an 3 anderen, nicht überlappenden Geburtskohorten [9] fand über die gesamte Schwangerschaft gemittelt ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen mütterlicher Jodausscheidung und kindlichem IQ, aber bei Aufteilung nach Schwangerschaftswoche einen positiven Zusammenhang mit dem verbalen IQ, begrenzt auf die ersten 14 Wochen. Die Autorinnen und Autoren deuten dies selbst als mögliche Erklärung für den eigenen Nullbefund der randomisierten Studien, betonen aber ausdrücklich, dass dies eine mögliche Erklärung ist, keine Bestätigung eines Nutzens; die größte randomisierte Studie randomisierte im Mittel in Woche 10,7 und damit selbst innerhalb des von den Beobachtungsdaten als kritisch beschriebenen Zeitfensters. Ob eine gezielt früher begonnene Supplementierung diesen Zusammenhang bestätigen würde, ist eine offene Frage für künftige Studien, keine bereits gezeigte Wirkung.
Der Überschuss trifft dasselbe Organ wie der Mangel
3 unabhängige Bestände aus Beobachtungsstudien und Übersichtsarbeiten [12, 13, 15] zeigen übereinstimmend, dass eine Jodzufuhr oberhalb der individuellen Ausgangsversorgung das Risiko einer Schilddrüsenfunktionsstörung verändert, und zwar in unterschiedliche Richtungen: Eine mehr als ausreichende oder exzessive Versorgung war in einer chinesischen Querschnittsstudie mit einem höheren Risiko einer subklinischen Hypothyreose verbunden, gleichzeitig mit einem niedrigeren Risiko einer subklinischen Hyperthyreose [12]. Eine hohe Jodversorgung war in einer Kohorte derselben Arbeitsgruppe mit einem höheren Risiko einer Schilddrüsenentzündung nach der Geburt verbunden [13], und eine Supplement-Zufuhr von 200 µg oder mehr pro Tag war in einer spanischen Querschnittsstudie an Schwangeren mit einem höheren Risiko erhöhter TSH-Werte verbunden [14]. Eine Cochrane-Übersicht ausschließlich randomisierter Studien [18] ergänzt dieses Bild um randomisierte Daten und fand ein niedrigeres Risiko für postpartale Hyperthyreose unter Jodgabe, bei gleichzeitig höherem Risiko einer Verdauungsunverträglichkeit. Keine der Beobachtungsquellen ist eine randomisierte Studie, und auch die randomisierten Daten stuft die Übersicht selbst als niedrige bis sehr niedrige Evidenzqualität ein, deshalb für beide Studiendesigns gleichermaßen die Einstufung als Hinweise, nicht höher.
Die Form
Alle in diesem Eintrag zitierten placebokontrollierten Interventionsstudien an Schwangeren, die eine chemische Form nennen, verwendeten Kaliumiodid [6, 7, 8, 17], siehe die Steckbrief-Zeile zur Wirkform. Die älteren Übersichtsarbeiten zu schwerem Jodmangel bei Kindern [10, 11] beruhen dagegen überwiegend auf Injektionen von jodiertem Öl in Einzeldosen von 400 bis 950 mg, eine völlig andere Darreichungsform, Route und Größenordnung, und sind deshalb für einen Formvergleich nicht heranzuziehen, siehe die betroffene Wirkungszeile. Die Beobachtungsquellen zum Risiko bei Jodüberschuss [12, 13, 14] messen die Jodversorgung über den Urin beziehungsweise die natürlich vorkommende, gemischte Jodquelle der untersuchten Bevölkerung, nicht über eine definierte Kaliumiodid-Kapsel, und die Cochrane-Übersicht [18] wertet oral und injiziert gegebenes Jod unabhängig von der chemischen Verbindung gemeinsam aus; für keine der beiden ist deshalb ein direkter Formvergleich möglich, siehe die betroffene Wirkungszeile. Getrocknete Algen als jodhaltiges Lebensmittel schwanken im Jodgehalt erheblich. Kaliumiodid ist dagegen eine definierte Jodquelle, siehe Steckbrief.
Tier- und Laborstudien
Keine eigene Recherche zu Tier- oder Zellmodellen für diesen Eintrag durchgeführt. Ein Hinweis aus der Übersichtsarbeit von Teti et al. [15]: Im Tiermodell kann eine zusätzliche Jodgabe eine Schilddrüsen-Autoimmunität auslösen oder verstärken, laut den Autoren ist ungeklärt, ob dies beim Menschen einem direkten Effekt auf das Immunsystem oder einer Folge eines toxischen Effekts auf das Schilddrüsengewebe entspricht. Diese Tierdaten tragen keine eigene Aussage für Menschen, siehe die zugehörige Wirkungszeile mit den Humandaten.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Bei Jod schadet Zuviel dem gleichen Organ wie Zuwenig, und wie empfindlich jemand auf zusätzliches Jod reagiert, hängt stark von der eigenen Ausgangsversorgung ab. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt in seiner Aktualisierung von 2025 [5] eine Höchstmenge von 100 µg Jod pro Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels für Personen ab 15 Jahren, für Schwangere und Stillende wegen deren erhöhtem Bedarf 150 µg. Diese Höchstmenge leitet das BfR aus der geringsten für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren verbleibenden Restmenge bis zum Tolerable-Upper-Intake-Level (UL) ab, geteilt durch einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor von 2 mit Blick auf eine mögliche Mehrfachaufnahme aus mehreren jodhaltigen Präparaten gleichzeitig [5].
Der allgemeine Gesamt-Obergrenzwert (UL), der die Zufuhr aus allen Quellen zusammen (Nahrung, Jodsalz, Nahrungsergänzung) begrenzt, wurde 2002 vom damaligen Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU-Kommission (SCF) mit 600 µg pro Tag für Erwachsene abgeleitet, für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren mit 500 µg pro Tag und für Kinder zwischen 1 und 14 Jahren altersabhängig mit 200 bis 450 µg pro Tag; die EFSA führt diesen Wert für Erwachsene bis heute fort [5]. In Deutschland wurde bis 2025 wegen des in der Bevölkerung historisch verbreiteten Jodmangels und des damit verbundenen Risikos unerkannter funktioneller Schilddrüsenautonomien bei älteren Menschen ein vorsichtigerer UL von 500 µg pro Tag verwendet; seit der Aktualisierung der Zufuhrreferenzwerte 2025 orientieren sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) am UL der EFSA von 600 µg pro Tag [5]. Modellrechnungen des BfR zufolge nehmen deutsche Erwachsene im 95. Perzentil der Zufuhr, je nach Altersgruppe, zwischen rund 184 und 377 µg Jod pro Tag allein über Nahrung und Jodsalz auf [5].
Einordnung der Gesamtzufuhr: Der UL begrenzt die Zufuhr aus allen Quellen zusammen. Deshalb muss eine Ergänzung zur Zufuhr aus Nahrung und Jodsalz addiert werden. Am oberen Ende der vom BfR genannten Spanne von 377 µg pro Tag verbleiben rechnerisch 223 µg bis zum UL von 600 µg für Erwachsene. Das ist eine Abschätzung für Menschen am oberen Ende der Bevölkerungsverteilung, nicht die typische Zufuhr. Für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren liegt der UL mit 500 µg niedriger; eine alterspezifische 95.-Perzentil-Zufuhr für diese Gruppe führt dieser Eintrag nicht.
Wer Jod nicht ohne ärztliche Rücksprache ergänzen sollte: Menschen mit Autoimmunthyreoiditis, mit Morbus Basedow oder anderen Formen einer Schilddrüsenüberfunktion, und Menschen mit Schilddrüsenknoten, bei denen eine funktionelle Autonomie nicht ausgeschlossen ist. Bei diesen Gruppen kann zusätzliches Jod die Schilddrüsenfunktion in die jeweils gegenteilige Richtung der eigentlichen Erkrankung verschieben oder sie verschlechtern, siehe die Wirkungszeile zum Risiko einer Schilddrüsenfunktionsstörung bei Jodüberschuss.
Schwangerschaft und Stillzeit: In dieser Lebensphase ist sowohl der Bedarf höher (DGE/ÖGE 2025: 220 µg pro Tag für Schwangere, 230 µg pro Tag für Stillende, gegenüber 150 µg für andere Erwachsene) als auch die Empfindlichkeit gegenüber einer Überversorgung größer, siehe die Wirkungszeilen zu mütterlichen Schilddrüsenwerten und zum Risiko einer Schilddrüsenentzündung nach der Geburt [13, 14]. Das BfR setzt deshalb für Nahrungsergänzungsmittel, die gezielt an Schwangere und Stillende gerichtet sind, eine eigene, höhere Höchstmenge von 150 µg pro Tagesverzehrempfehlung an [5].
Algen als Jodquelle schwanken im Jodgehalt erheblich und können schon in kleinen Verzehrmengen zu einer deutlichen Überschreitung der eigenen Jodversorgung führen. Kaliumiodid ist dagegen eine definierte, nicht schwankende Jodquelle, siehe Steckbrief.
Quellen zum Nachlesen
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02
Rechtsakt · 2011
Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, Anhang XIII (Nährstoffbezugswerte und Definition der signifikanten Menge)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung vom 01.04.2025
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03
Rechtsakt · 2006
Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Anhang (Bedingungen für "Quelle von"- und "hoher Gehalt an"-Angaben zu Vitaminen und Mineralstoffen)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung
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04
Rechtsakt · 2002
Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel, Artikel 8 (Kennzeichnung der Nährstoffmenge pro empfohlener Tagesdosis)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung
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05
Behördliche Stellungnahme · 2025
Aktualisierung (2025) Höchstmengenvorschläge für Jod in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln, mit Herleitung des Tolerable Upper Intake Level (SCF/EFSA) und der DGE/ÖGE-Zufuhrreferenzwerte 2025
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Stellungnahme Nr. 065/2025 des BfR vom 19.12.2025
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06
Systematische Übersicht und Metaanalyse aus 37 Publikationen (10 RCTs, 4 nicht randomisierte Interventionsstudien, 23 Beobachtungsstudien) · 2020
Systematic review and meta-analysis of the effects of iodine supplementation on thyroid function and child neurodevelopment in mildly-to-moderately iodine-deficient pregnant women.
Dineva M, et al. Am J Clin Nutr
- 07
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- 09
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10
Systematische Übersicht und Metaanalyse aus 23 Studien (2 RCTs, 8 nicht randomisierte Interventionsstudien, 9 Kohortenstudien nach mütterlichem Jodstatus, 4 Kohortenstudien nach kindlichem Jodstatus) · 2013
Iodine and mental development of children 5 years old and under: a systematic review and meta-analysis.
Bougma K, Aboud FE, Harding KB, Marquis GS. Nutrients
Zur Zuschreibung: 06
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
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16
Randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie, n=50 · 2021
Effects of Daily Kelp (Laminaria japonica) Intake on Body Composition, Serum Lipid Levels, and Thyroid Hormone Levels in Healthy Japanese Adults: A Randomized, Double-Blind Study.
Aoe S, Yamanaka C, Ohtoshi H, Nakamura F, Fujiwara S. Mar Drugs
Zur Zuschreibung: 12
-
17
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=832 randomisiert, 313 bis 315 Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren ausgewertet · 2017
Effect of iodine supplementation in pregnant women on child neurodevelopment: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial.
Gowachirapant S, et al. Lancet Diabetes Endocrinol
Zur Zuschreibung: 07
-
18
Cochrane-Übersicht und Metaanalyse aus 14 randomisierten und quasi-randomisierten Studien (11 mit auswertbaren Daten), über 2700 Frauen · 2017
Iodine supplementation for women during the preconception, pregnancy and postpartum period.
Harding KB, Peña-Rosas JP, Webster AC, Yap CM, Payne BA, Ota E, De-Regil LM. Cochrane Database Syst Rev
Zur Zuschreibung: 10
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19
Systematische Übersicht und Metaanalyse aus 9 randomisierten und 8 Beobachtungsstudien · 2014
Therapy of endocrine disease: Impact of iodine supplementation in mild-to-moderate iodine deficiency: systematic review and meta-analysis.
Taylor PN, Okosieme OE, Dayan CM, Lazarus JH. Eur J Endocrinol
Bei H.P.N
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