Quercetin
Zuletzt geprüft am
Pflanzenstoffe
Quercetin-Dihydrat · Quercetin-Aglykon · Isoquercitrin · Enzymmodifiziertes Isoquercitrin · EMIQ · Sophoretin · 3 · 3' · 4' · 5 · 7-Pentahydroxyflavon
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Flavonol aus der Gruppe der Polyphenole, das in Zwiebeln, Äpfeln, Beeren, Kapern, Grünkohl und Tee vorkommt. In der Pflanze liegt es fast immer als Zuckerverbindung vor, im Handel dagegen meist als zuckerfreies Aglykon oder als Quercetin-Dihydrat
- Herkunft
- Für Nahrungsergänzung wird Quercetin überwiegend aus den Blütenknospen des Japanischen Schnurbaums oder aus Zwiebelschalen gewonnen und dann gereinigt
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich, und für die Bewertung jeder einzelnen Zeile entscheidend. Geprüft wurden freies Aglykon, Quercetin-Dihydrat, Isoquercitrin, enzymmodifiziertes Isoquercitrin und Lecithin-Phytosome. Zwischen diesen Formen unterscheidet sich die Aufnahme ins Blut um ein Vielfaches, eine Studie zu einer Form trägt deshalb keine Aussage für eine andere
- Übliche Studiendosis
- 100 bis 1000 mg täglich über 4 bis 12 Wochen in den kontrollierten Studien zu Blutdruck und Stoffwechsel, 1000 mg täglich in den Studien zu Ausdauer, Atemwegsinfekten und Müdigkeit, 200 mg als Phytosom und 100 mg als enzymmodifiziertes Isoquercitrin in den Allergiestudien
- Bekannt geworden durch
- Zellversuche zur antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung, dazu Beobachtungsdaten, nach denen eine hohe Flavonolzufuhr über die Ernährung mit weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen einhergeht
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien bis 1000 mg täglich über 12 Wochen gut vertragen, ernsthafte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Für die dauerhafte Einnahme von 1000 mg und mehr über mehr als 12 Wochen fehlen laut einer Sicherheitsübersicht ausreichende Daten
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Systolischer Blutdruck bei Erwachsenen
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Zwei aufeinander aufbauende Auswertungen finden rund 2 bis 3 mmHg weniger als unter Placebo. Der Effekt ist klein, die Streuung zwischen den Studien sehr groß.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2023 veröffentlichte Übersicht über fünf Meta-Analysen, die zusammen 18 randomisierte Studien auswerten und um fünf weitere, in keiner dieser Meta-Analysen enthaltene Studien ergänzt werden, fand unter Quercetin einen um 1,9 mmHg niedrigeren systolischen Blutdruck als unter Placebo, bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 3,2 bis minus 0,6 mmHg und einer Streuung zwischen den Studien von I-Quadrat gleich 88,3 Prozent [1]. Dieselbe Arbeit stuft die Sicherheit ihrer Belege nach GRADE zwischen sehr niedrig und mittel ein [1]. Die 2016 veröffentlichte Meta-Analyse über dasselbe Feld wertete sieben Studien mit neun Behandlungsarmen und 587 randomisierten Teilnehmenden aus, davon 299 unter Quercetin und 288 unter Kontrolle, mit Tagesdosen von 100 bis 1000 mg über 4 bis 10 Wochen [2]. Sie fand den systolischen Blutdruck um 3,04 mmHg niedriger als unter Placebo, bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 5,75 bis minus 0,33 mmHg [2]. Ihr Volltext trägt zwei Einschränkungen, die im Abstract fehlen. Erstens hielt der Befund der Weglassprobe nicht stand, ohne die einzelne Studie von Zahedi und Kollegen blieben minus 1,78 mmHg bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 4,07 bis plus 0,52 mmHg [2]. Zweitens deutete der Trichterdiagramm-Test auf nicht veröffentlichte Studien hin, die Korrektur nach Duval und Tweedie rechnete vier fehlende Arbeiten hinzu [2]. Diese Korrektur schwächte den Befund allerdings nicht ab, sondern verstärkte ihn, der bereinigte Wert lag bei minus 4,51 mmHg mit einem 95-Prozent-Intervall von minus 6,55 bis minus 2,47 mmHg [2]. Beide Arbeiten schöpfen aus demselben kleinen Studienbestand und sind deshalb keine zwei unabhängigen Belege, sondern eine kleinere und eine größere Auswertung desselben Feldes. Welche fünf Meta-Analysen die Übersicht von 2023 zusammenfasst, nennt ihr Abstract nicht, und ihr Volltext ist weder über PubMed Central noch über den Verlag zugänglich. Der Vergleich der Autorenlisten beantwortet die Frage nach der Unabhängigkeit trotzdem. Der letzte Autor der Übersicht von 2023 ist zugleich Mitautor der Meta-Analyse von 2016 und alleiniger Autor der unter Quelle 4 geführten Meta-Analyse zu den Blutfetten. Die Übersicht ist damit keine unabhängige Bestätigung, sondern eine spätere Zusammenfassung desselben Feldes durch teils dieselben Personen. In beiden Auswertungen waren fast alle Teilnehmenden normotensiv oder im Vorstadium, nur eine einzige der sieben Studien schloss Menschen mit erhöhten Ausgangswerten ein [2]. Die Studien setzten unterschiedliche Zubereitungen ein, eine getrennte Auswertung nach Aglykon, Dihydrat und Glykosiden liefert keine der beiden Arbeiten.
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02
Diastolischer Blutdruck, in der übergeordneten Auswertung ohne Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die Übersicht über die vorliegenden Meta-Analysen findet keinen Unterschied zu Placebo. Die einzelne Meta-Analyse findet einen, der beim Weglassen einer Studie verschwindet.
Ausführlicher Nachweis
Die Übersicht über fünf Meta-Analysen von 2023 nennt den diastolischen Blutdruck ausdrücklich unter den Größen, die sich unter Quercetin nicht von Placebo unterscheiden, und berichtet für ihn kein Effektmaß mit Intervall [1]. Die Meta-Analyse von 2016 fand dagegen einen um 2,63 mmHg niedrigeren diastolischen Blutdruck, bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 3,26 bis minus 2,01 mmHg [2]. Auch dieser Befund hielt der Weglassprobe nicht stand, ohne die einzelne Studie von Zahedi und Kollegen blieben minus 0,98 mmHg bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 2,44 bis plus 0,49 mmHg [2]. Die Korrektur für nicht veröffentlichte Studien rechnete hier drei fehlende Arbeiten hinzu und ergab minus 2,83 mmHg bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 3,44 bis minus 2,22 mmHg, sie verstärkte den Befund also ebenfalls [2]. Nach Dosis getrennt fand dieselbe Arbeit einen Unterschied nur ab 500 mg täglich, minus 2,98 mmHg bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 3,64 bis minus 2,31, und keinen darunter, minus 0,24 mmHg bei minus 2,00 bis plus 1,52 [2]. Der indirekte Vergleich zwischen den beiden Dosisgruppen war jedoch nicht belegt [2]. Die beiden Arbeiten widersprechen sich nicht im Sinne zweier unabhängiger Bestände, denn die ältere gehört dem Feld an, das die jüngere zusammenfasst. Die Stufe steht deshalb nicht auf widersprüchlich. Sie steht auch nicht auf nicht bestätigt, weil die Übersicht für ihren Nullbefund kein Effektmaß mit Intervall nennt und ein Ausbleiben damit nicht gezeigt, sondern nur nicht gefunden ist.
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03
Tatsächlich eingetretene Herz-Kreislauf-Ereignisse als gemessener Endpunkt
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gesucht und keine Studie gefunden, die unter Quercetin Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Sterbefälle gezählt hat.
Ausführlicher Nachweis
Alle oben genannten Zahlen zu Blutdruck, Blutfetten und Entzündungswerten sind Messwerte im Blut oder am Arm, keine gezählten Ereignisse. Eine gezielte Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "quercetin" "cardiovascular events mortality" und "quercetin supplementation" "myocardial infarction stroke incidence" ergab keine einzige Studie, die solche Ereignisse unter Quercetin gezählt hat. Der einzige Treffer der ersten Suche ist eine 2022 erschienene systematische Auswertung von 884 randomisierten Studien mit 883.627 Teilnehmenden über 27 Mikronährstoffe [3]. Sie führt Quercetin unter den Stoffen mit mittlerer bis hoher Belegqualität für die Beeinflussung von Risikofaktoren auf, während sie Zahlen zu Sterblichkeit, Herzinfarkt und Schlaganfall ausschließlich für Omega-3-Fettsäuren, Folsäure, Coenzym Q10 und Beta-Carotin nennt [3]. Quercetin taucht in diesem Teil der Auswertung nicht auf.
Quellen: 3
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04
Gefäßfunktion, gemessen als flussvermittelte Gefäßerweiterung, nach einer einmaligen Gabe von enzymmodifiziertem Isoquercitrin
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine einzelne Studie an 25 Personen fand nach einer Einmalgabe eine bessere Gefäßerweiterung. Blutdruck, Gefäßsteifigkeit und Denkleistung änderten sich nicht.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, kontrollierten Cross-over-Studie erhielten 25 Erwachsene, 12 Männer und 13 Frauen mit mindestens einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einmalig enzymmodifiziertes Isoquercitrin in Höhe von 2 mg Aglykon-Äquivalent je Kilogramm Körpergewicht oder Placebo zu einem Standardfrühstück [8]. Nach Anpassung an die Vorwerte und die Behandlungsreihenfolge lag die flussvermittelte Gefäßerweiterung der Oberarmarterie 1,5 Stunden nach der Gabe signifikant höher als unter Placebo, um 1,80 Prozentpunkte bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,23 bis 3,37 Prozentpunkten [8]. Blutdruck, Gefäßsteifigkeit, kognitive Leistung und die gemessenen Laborwerte unterschieden sich nicht zwischen den Bedingungen [8]. Enzymmodifiziertes Isoquercitrin ist ein Markenrohstoff, dessen Bioverfügbarkeit die Arbeit selbst mit dem 17-Fachen des Quercetin-Aglykons angibt [8]. Der Befund gilt damit für diese Zubereitung und für eine einzelne Gabe, nicht für Quercetin-Aglykon und nicht für eine tägliche Einnahme über Wochen. Das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer, der Volltext lag uns nicht vor, die Interessenlage konnten wir deshalb nicht prüfen.
Quellen: 8
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05
Gefäßreaktion des bei der Operation entnommenen Arterienstücks rund um eine geplante Bypass-Operation am Herzen, besser als unter Placebo nur bei den Männern
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 97 Personen war die Gefäßreaktion des entnommenen Gewebes bei den Männern besser, bei den Frauen nicht. Der vorher festgelegte Entzündungswert verfehlte die Schwelle.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 97 Erwachsene, 78 Männer und 19 Frauen, vor einer geplanten Bypass-Operation am Herzen zweimal täglich 500 mg Quercetin (47 Personen) oder Placebo (50 Personen), beginnend zwei Tage vor dem Eingriff bis zur Entlassung [7]. Als Hauptzielgrößen waren weniger Entzündung und eine bessere Gefäßfunktion festgelegt. Das C-reaktive Protein bei Entlassung verfehlte die Schwelle (p gleich 0,073) [7]. Die Entspannungsfähigkeit eines bei der Operation entnommenen Arterienstücks auf Acetylcholin, gemessen als halbmaximale wirksame Konzentration, war unter Quercetin signifikant besser (Median 101 nmol/l gegenüber 151 nmol/l, p gleich 0,049), und zwar bei den Männern (p gleich 0,043) und nicht bei den Frauen (p gleich 0,852), wobei in diese Teilauswertung nur 6 Frauen unter Quercetin und 9 unter Placebo eingingen [7]. Neu aufgetretenes Vorhofflimmern nach der Operation gab es bei 2 von 47 Personen unter Quercetin und bei 9 von 50 unter Placebo (p gleich 0,033) [7]. Der Volltext nennt die Gruppengrößen der Gefäßmessung zweimal und dabei gegenläufig, im Ergebnistext 44 unter Quercetin und 34 unter Placebo, in der Unterschrift derselben Abbildung 34 unter Quercetin und 44 unter Placebo [7]. Die Förderung stammt laut Volltext von den Canadian Institutes of Health Research, die Autoren erklären dort keinen Interessenkonflikt [7]. Eine einzelne Studie, ein zweitägiger Vorlauf, ein Teil der Messungen am entnommenen Gewebe und nicht am lebenden Menschen.
Quellen: 7
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06
Entzündungswerte im Blut bei Frauen rund um eine geplante Bypass-Operation am Herzen, unter Quercetin höher statt niedriger als unter Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie stieg das C-reaktive Protein der Frauen unter Quercetin auf das Niveau der Männer, während es unter Placebo niedriger blieb. Eiweiß- und Genanalyse weisen bei den Frauen in dieselbe Richtung. Ein Schadenssignal aus einer Teilgruppe von 19 Frauen, kein belegter Schaden.
Ausführlicher Nachweis
Dieselbe Studie an 97 Personen umfasste nur 19 Frauen, 8 unter Quercetin und 11 unter Placebo [7]. Der Volltext berichtet, dass die Frauen unter Placebo nach der Operation einen geringeren Anstieg des hochempfindlich gemessenen C-reaktiven Proteins zeigten als die Männer, während Quercetin den Wert der Frauen auf das Niveau der Männer anhob [7]. In einer nachgeordneten Eiweißanalyse mit einem Panel aus 384 Entzündungsmarkern bei 40 zufällig ausgewählten Personen (30 Männer, 10 Frauen) kehrte sich das Bild ebenfalls um, unter Placebo unterschieden sich 58 Eiweiße bei den Männern gegenüber 6 bei den Frauen, unter Quercetin dagegen 10 bei den Männern gegenüber 22 bei den Frauen, was die Arbeit selbst als entzündungsfördernde Wirkung bei den Frauen bezeichnet [7]. In der Genanalyse des entnommenen Arterienstücks regte Quercetin in den Bindegewebszellen der Frauen 70 Prozent der geprüften Hallmark-Signalwege und 43 Prozent der Alterungs-Signalwege an, statt sie zu dämpfen [7]. Die Arbeit verweist selbst auf schädliche Wirkungen senolytischer Stoffe bei weiblichen Mäusen und Ratten [7]. Das sind Nebenauswertungen einer kleinen Teilgruppe ohne vorab festgelegte Fragestellung und ohne Effektmaß mit Konfidenzintervall, ein belegter Schaden ist daraus nicht abzuleiten. Als Signal gehört es aber getrennt ausgewiesen und nicht als bloß ausgebliebener Nutzen bei den Frauen mitgeführt.
Quellen: 7
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07
Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride), mit gegenläufigen Ergebnissen zwischen den Auswertungen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Drei Auswertungen desselben Feldes kommen zu verschiedenen Ergebnissen, von keiner Wirkung bis zu deutlich niedrigerem Cholesterin. Sie stützen sich teils auf dieselben Studien.
Ausführlicher Nachweis
Eine Meta-Analyse von 2017 wertete fünf randomisierte Studien mit 442 Teilnehmenden aus, je 221 je Gruppe, und fand keinen Unterschied zu Placebo für LDL-Cholesterin (gewichtete mittlere Differenz plus 1,43 mg/dl bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 0,92 bis plus 3,78), für HDL-Cholesterin (plus 0,26 mg/dl bei minus 0,74 bis plus 1,25) und für Triglyzeride (minus 9,42 mg/dl bei minus 27,80 bis plus 8,96) [4]. Für Gesamtcholesterin fand sie einen grenzwertigen Anstieg um 3,13 mg/dl bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 0,01 bis plus 6,27, also die Gegenrichtung der verbreiteten Erwartung [4]. In der Teilgruppe der Studien ab 500 mg täglich und ab vier Wochen Dauer war dieser Anstieg belegt, plus 3,57 mg/dl bei 0,21 bis 6,92, und die Triglyzeride lagen dort niedriger, minus 24,54 mg/dl bei minus 33,09 bis minus 15,99 [4]. Eine Meta-Analyse von 2020 über 16 randomisierte Studien an Menschen mit metabolischem Syndrom und verwandten Stoffwechsellagen fand dagegen signifikant niedrigeres Gesamtcholesterin (standardisierte mittlere Differenz minus 0,98 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 1,48 bis minus 0,49) und niedrigeres LDL-Cholesterin (minus 0,88 bei minus 1,35 bis minus 0,41), bei einer Streuung zwischen den Studien von I-Quadrat gleich 94,0 und 92,7 Prozent [5]. Die Übersicht von 2023, die über beiden steht, nennt das Blutfettbild unter den Größen ohne Unterschied zu Placebo [1]. Die drei Arbeiten sind kein Widerspruch zwischen unabhängigen Beständen, sondern drei Auswertungen desselben kleinen Studienpools mit unterschiedlichem Einschluss, unterschiedlicher Bevölkerung und unterschiedlichem Effektmaß, deshalb steht die Stufe nicht auf widersprüchlich. Hinzu kommt, dass die Meta-Analyse von 2017 von derselben Person allein verfasst wurde, die auch letzter Autor der Übersicht von 2023 ist, die beiden sind also nicht einmal personell unabhängig. Eine standardisierte mittlere Differenz von minus 0,98 bei 94 Prozent Streuung ist zudem keine Zahl, die sich in mg/dl übersetzen lässt.
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08
Entzündungswerte im Blut (C-reaktives Protein, Interleukin-6, TNF-alpha), mit gegenläufigen Ergebnissen zwischen den Auswertungen
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Die übergeordnete Auswertung findet keinen Unterschied zu Placebo, eine einzelne Meta-Analyse findet weniger CRP. Zwei kleine Studien zeigen in verschiedene Richtungen.
Ausführlicher Nachweis
Die Übersicht über fünf Meta-Analysen von 2023 nennt Entzündungswerte unter den Größen ohne Unterschied zu Placebo und berichtet dafür kein Effektmaß mit Intervall [1]. Die Meta-Analyse von 2020 über 16 randomisierte Studien fand dagegen signifikant niedrigeres C-reaktives Protein (standardisierte mittlere Differenz minus 0,64 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 1,03 bis minus 0,25) bei einer Streuung von I-Quadrat gleich 90,2 Prozent, während Interleukin-6 (minus 0,69 bei minus 1,69 bis plus 0,31) und TNF-alpha (minus 0,06 bei minus 0,25 bis plus 0,14) sich nicht von Placebo unterschieden [5]. In einer kleinen randomisierten Studie an 33 gesunden Frauen nach den Wechseljahren, die 90 Tage lang täglich 500 mg Quercetin oder Methylcellulose als Placebo einnahmen, lagen Interleukin-6 (p gleich 0,045, Effektstärke d gleich 0,73) und TNF-alpha (p gleich 0,021, d gleich 0,90) am Ende niedriger als unter Placebo, das C-reaktive Protein dagegen nicht (p gleich 0,448, d gleich 0,34) [6]. Diese Studie meldet für dieselben Werte also die umgekehrte Rangfolge wie die Meta-Analyse. In der Studie rund um die Bypass-Operation verfehlte das C-reaktive Protein als vorher festgelegte Hauptzielgröße die Schwelle (p gleich 0,073), und die Auswertung von 384 Entzündungsmarkern im Blut ergab bei den Frauen eine entzündungsfördernde Verschiebung [7]. Für dieselben Entzündungswerte melden unabhängige Arbeiten am Menschen gegenläufige Richtungen, deshalb steht die Stufe auf widersprüchlich. Dass die Arbeiten verschiedene Bevölkerungen prüfen und teils auf denselben Grundstudien beruhen, erklärt die Gegenläufigkeit, hebt sie aber nicht auf.
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09
Nüchternblutzucker, Nüchterninsulin und Insulinresistenz
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die übergeordnete Auswertung findet weniger Insulin, aber keinen Unterschied bei Blutzucker und Insulinresistenz.
Ausführlicher Nachweis
Die Übersicht über fünf Meta-Analysen von 2023 fand den Insulinspiegel unter Quercetin signifikant niedriger als unter Placebo, gewichtete mittlere Differenz minus 1,07 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 1,9 bis minus 0,1 und einer Streuung von I-Quadrat gleich 75,0 Prozent [1]. Welche Einheit hinter dieser Zahl steht, nennt ihr Abstract nicht, und ihr Volltext lag uns nicht vor, die absolute Größe des Effekts bleibt deshalb offen. Für den Nüchternblutzucker und für den HOMA-IR-Index als Maß der Insulinresistenz fand dieselbe Arbeit keinen Unterschied zu Placebo, ohne dafür ein Effektmaß mit Intervall zu nennen [1]. In der Cross-over-Studie an 22 Männern zur Harnsäure blieb der Nüchternblutzucker unter 500 mg täglich über vier Wochen unverändert [10]. Die Sicherheit der Belege stuft die Übersicht insgesamt zwischen sehr niedrig und mittel ein [1].
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10
Körpergewicht und Körperzusammensetzung, in der übergeordneten Auswertung ohne Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die Auswertung der Meta-Analysen findet keinen Unterschied bei den Körpermaßen. Eine einzelne Studie fand nebenbei 1,5 kg weniger Gewicht.
Ausführlicher Nachweis
Die Übersicht über fünf Meta-Analysen von 2023 nennt die Körpermaße unter den Größen ohne Unterschied zu Placebo und berichtet dafür kein Effektmaß mit Intervall [1]. In der Studie an 33 Frauen nach den Wechseljahren blieben Körperzusammensetzung und körperliche Leistungsfähigkeit nach 90 Tagen mit 500 mg täglich unverändert (jeweils p größer 0,05) [6]. In einer Cross-over-Studie an Erwachsenen mit erhöhtem Leberfettanteil sank das Körpergewicht unter 500 mg täglich über zwölf Wochen dagegen um 1,5 plus minus 2,6 kg und der Körpermasseindex um 0,5 plus minus 0,9, gegenüber 0,2 plus minus 1,8 kg und 0,1 plus minus 0,7 unter Placebo, mit einem bereinigten p-Wert von 0,038 für beide [9]. Das ist ein sekundärer Endpunkt einer einzelnen Studie und kein Gegenbeleg zur übergeordneten Auswertung.
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Fettanteil in der Leber bei Erwachsenen mit erhöhtem Ausgangswert in der Magnetresonanztomografie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Cross-over-Studie an 36 ausgewerteten Personen fand nach zwölf Wochen einen niedrigeren Leberfettanteil als unter Placebo. Der Abstand hängt eng am gleichzeitigen Gewichtsverlust.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie nahmen 41 randomisierte und 36 ausgewertete Erwachsene mit erhöhtem Leberfettanteil zwölf Wochen lang täglich 500 mg Quercetin oder Placebo in Kapseln ein, danach wechselten sie nach vier Wochen Auswaschphase die Gruppe [9]. In der Auswertung nach Behandlungsabsicht sank der mit Magnetresonanztomografie gemessene Leberfettanteil unter Quercetin von 11,5 plus minus 6,4 auf 9,6 plus minus 5,8 Prozent, unter Placebo um 0,1 plus minus 2,6 Prozentpunkte, mit einem p-Wert von 0,013 und einem bereinigten p-Wert von 0,028 [9]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied nennt die Arbeit nicht. Die Abnahme des Leberfetts hing in beiden Armen deutlich am Gewichtsverlust (r gleich 0,557 unter Quercetin und r gleich 0,412 unter Placebo), der Befund ist damit nicht sauber von der Gewichtsabnahme getrennt [9]. Bei den Frauen fiel die Abnahme etwa doppelt so hoch aus wie bei den Männern (3,0 plus minus 3,7 gegenüber 1,4 plus minus 2,5 Prozentpunkte), dieser Unterschied verfehlte die Schwelle (bereinigt p gleich 0,061) [9]. Leberwerte und die übrigen sekundären Endpunkte unterschieden sich nicht. Eine einzelne Studie, ein Surrogatmaß im Bild, keine Aussage über einen späteren Verlauf.
Quellen: 9
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12
Harnsäure im Blut bei Männern mit hochnormalem Ausgangswert
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Cross-over-Studie an 22 Männern fand nach vier Wochen signifikant weniger Harnsäure. Blutdruck, Blutzucker und Harnsäureausscheidung blieben unverändert.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie mit vierwöchiger Auswaschphase nahmen 22 gesunde Männer im Alter von 19 bis 60 Jahren vier Wochen lang täglich eine Tablette mit 500 mg Quercetin oder Placebo ein [10]. Eingeschlossen wurden Männer, deren Harnsäure im Blut mit im Mittel 339 plus minus 51 Mikromol pro Liter im oberen, noch als gesund geltenden Bereich lag [10]. Die Harnsäure lag danach signifikant niedriger als unter Placebo, um 26,5 Mikromol pro Liter bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 7,6 bis minus 45,5 [10]. Nüchternblutzucker, die Harnsäureausscheidung über 24 Stunden im Urin und der Ruheblutdruck blieben unverändert [10]. Die Autoren ordnen die 500 mg als die Menge ein, die in etwa 100 g roten Zwiebeln in aufnehmbarer Form steckt [10]. Eine einzelne kleine Studie, nur Männer, niemand mit Werten oberhalb des Referenzbereichs, keine Aussage über Beschwerden. Das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer und der Volltext lag uns nicht vor, die Interessenlage konnten wir deshalb nicht prüfen.
Quellen: 10
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Häufigkeit und Schwere von Erkältungen und anderen Atemwegsinfekten, in der größten Studie ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In der größten Studie mit 1002 Personen kein Unterschied zu Placebo, ein Vorteil zeigte sich nur in einer nachträglich gebildeten Teilgruppe. Die Meta-Analyse dazu prüft Flavonoide allgemein, nicht Quercetin allein.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie nahmen 1002 von 1023 randomisierten Personen im Alter von 18 bis 85 Jahren zwölf Wochen lang täglich 500 oder 1000 mg Quercetin oder Placebo ein und trugen ihre Beschwerden täglich in den Wisconsin Upper Respiratory Symptom Survey ein [11]. Das geprüfte Präparat war ein Kombipräparat, jede Tagesdosis enthielt zusätzlich 500 beziehungsweise 1000 mg Vitamin C und 20 beziehungsweise 40 mg Niacin, das Placebo enthielt keinen dieser drei Stoffe [11]. Über alle Teilnehmenden gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen, die Zahl der Krankheitstage lag bei 8,4 plus minus 0,5 unter Placebo (317 Personen), 8,5 plus minus 0,5 unter 500 mg (315) und 8,5 plus minus 0,5 unter 1000 mg (315), Varianzanalyse p gleich 0,982 [11]. Der Schweregrad lag bei 19,3 plus minus 1,3 gegenüber 18,3 plus minus 1,2 und 19,8 plus minus 1,3 (p gleich 0,670), der Beschwerdescore bei 108 plus minus 8,0 gegenüber 108 plus minus 8,3 und 111 plus minus 8,0 (p gleich 0,946) [11]. Der viel zitierte Vorteil stammt aus einer nachträglich gebildeten Teilgruppe von 325 Personen ab 40 Jahren, die sich selbst in der oberen Hälfte der Fitness einordneten, dort lagen unter 1000 mg der Schweregrad um 36 Prozent (p gleich 0,020) und die Krankheitstage um 31 Prozent (p gleich 0,048) niedriger als unter Placebo [11]. Die Autoren nennen diesen Befund im Volltext selbst überraschend, weil es die Gruppe mit dem ohnehin niedrigsten Risiko war, und in der von ihnen vorab erwarteten Hochrisikogruppe fand sich nichts [11]. Die Studie wurde laut Volltext von Coca-Cola und Quercegen Pharma finanziert, ein Autor sitzt im wissenschaftlichen Beirat von Quercegen Pharma [11]. Eine Meta-Analyse von 2016 fand über sechs randomisierte Studien mit 531 Teilnehmenden eine um 33 Prozent niedrigere Infekthäufigkeit bei einem 95-Prozent-Intervall von 31 bis 36 Prozent, das Verhältnis der Krankheitstage lag bei 0,60 mit einem 95-Prozent-Intervall von 0,24 bis 1,47 und damit unbestimmt [12]. Diese Arbeit prüft Flavonoide allgemein, von ihren 14 eingeschlossenen Studien setzten nur drei Quercetin als Einzelstoff ein, und in fünf Studien war der Flavonoid-Typ oder die Menge nicht angegeben [12]. Bei den Immunwerten im Blut fand sie nur belanglose Unterschiede zwischen Verum und Kontrolle [12]. Die große Studie berichtet nur Mittelwerte mit Standardfehlern und keinen Gruppenunterschied mit Konfidenzintervall, und sie hat ein Dreistoffgemisch geprüft, wie groß ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte und welcher der drei Stoffe ihn getragen hätte, lässt sich daher nicht beziffern.
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14
Beschwerden bei Heuschnupfen und anderen Pollenallergien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei kleine Studien mit besser aufgenommenen Zubereitungen fanden weniger Augen- und Nasenbeschwerden als unter Placebo. Für gewöhnliches Quercetin-Aglykon liegt uns keine solche Studie vor.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, plazebokontrollierten, doppelblinden Parallelgruppenstudie nahmen 66 Erwachsene im Alter von 22 bis 78 Jahren mit Pollenbeschwerden vier Wochen lang täglich 200 mg Quercetin als Quercetin-Phytosom oder ein Trägerpräparat ein [13]. Mehrere Werte des Japanese Rhino-conjunctivitis Quality of Life Questionnaire, darunter Augenjucken, Niesen, Nasenlaufen und gestörter Schlaf, waren nach ein bis vier Wochen signifikant besser als in der Placebogruppe [13]. Die Arbeit nennt weder ein Effektmaß noch ein Konfidenzintervall, nur die Aussage, der Unterschied sei belegt, und ihr Volltext lag uns nicht vor. In einer zweiten randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie nahmen 20 Personen mit Beschwerden durch Zedernpollen acht Wochen lang während der Pollensaison täglich 100 mg enzymmodifiziertes Isoquercitrin oder Placebo [14]. Der Gesamtwert für Augenbeschwerden und der Wert für Augenjucken lagen über die gesamte Zeit niedriger als unter Placebo (p kleiner 0,05), während der Gesamtwert für Nasenbeschwerden (p gleich 0,06), die verstopfte Nase (p gleich 0,08) und der Alltagswert (p gleich 0,08) die Schwelle verfehlten [14]. Die Botenstoffe Interleukin-4, Interleukin-5, Interleukin-12, Interleukin-13, Interferon-gamma und das Immunglobulin E im Blut wurden nicht gesenkt [14]. Eine Meta-Analyse von 2025 über 13 randomisierte Studien mit 823 Teilnehmenden fand für saisonale Beschwerden einen niedrigeren Gesamtwert der Nasenbeschwerden (standardisierte mittlere Differenz 0,75, I-Quadrat gleich 52,8 Prozent) und nach Ausschluss zweier Ausreißer 0,73 bei I-Quadrat gleich 38,1 Prozent [15]. Diese Arbeit fasst jedoch verschiedene Polyphenole zusammen, darunter Catechine, und stuft die Sicherheit ihrer Belege für die Nasenbeschwerden selbst als niedrig bis sehr niedrig ein, bei fehlendem Unterschied in der Lebensqualität [15]. Beide Quercetin-Studien prüften besser aufnehmbare Zubereitungen, Phytosom und enzymmodifiziertes Isoquercitrin, dessen Bioverfügbarkeit anderswo mit dem 17-Fachen des Aglykons angegeben wird [8]. Für Quercetin-Aglykon in derselben Anwendung liegt uns keine kontrollierte Studie vor.
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15
Ausdauerleistung und maximale Sauerstoffaufnahme, in der Meta-Analyse ohne Vorteil von praktischer Bedeutung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die Meta-Analyse findet unter 1 g täglich rechnerisch 0,7 Prozent mehr Leistung und stuft den Effekt selbst als belanglos ein. Bei Trainierten war er gar nicht messbar.
Ausführlicher Nachweis
Eine Meta-Analyse von 2013 wertete sieben Arbeiten mit zusammen 288 Teilnehmenden aus, daraus 4 Schätzungen zur maximalen Sauerstoffaufnahme und 10 zur Ausdauerleistung [16]. Die mittlere Tagesdosis lag bei 960 plus minus 127 mg über 26 plus minus 24 Tage für die Leistung und bei 1000 plus minus 0 mg über 8 plus minus 23 Tage für die Sauerstoffaufnahme [16]. Die Ausdauerleistung war unter Quercetin um 0,74 Prozent besser als unter Placebo, bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,10 bis 1,39 Prozent, und die maximale Sauerstoffaufnahme um 1,94 Prozent, bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,30 bis 3,59 Prozent [16]. Getrennt betrachtet zeigte sich der Leistungsvorteil nur bei Untrainierten (0,83 plus minus 0,78 Prozent, p gleich 0,02) und nicht bei Trainierten (0,09 plus minus 2,15 Prozent, p gleich 0,92) [16]. Die Autoren bewerten den Effekt in ihrer eigenen Größenordnungsanalyse für Trainierte wie Untrainierte als wahrscheinlich belanglos und schließen, Quercetin sei als Ausdauerhilfe unwahrscheinlich [16]. In einer neueren randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 50 trainierten Radsportlern, die 28 Tage lang zweimal täglich 500 mg Quercetin-Dihydrat einnahmen, blieben Zeitfahrleistung und mittlere Leistungsabgabe über 20 km nach Angabe derselben Arbeitsgruppe unverändert [17]. Die Meta-Analyse ist von 2013, alle darin ausgewerteten Arbeiten sind älter, eine neuere Zusammenfassung desselben Feldes haben wir mit den PubMed-Suchbegriffen "quercetin" "endurance" und "quercetin" "VO2max" nicht gefunden.
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16
Antioxidative Marker im Blut, in zwei Studien uneinheitlich
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Bei trainierten Radsportlern lag ein Marker der Gesamtabwehrkraft unter Quercetin niedriger als unter Placebo. In der Höhenstudie waren die Werte dagegen günstiger.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie mit vier Armen nahmen 50 trainierte Radsportler, 42 Männer und 8 Frauen, 28 Tage lang zweimal täglich 500 mg Quercetin-Dihydrat, Citrullin, beides oder Placebo als Getränkepulver ein [17]. Für Stickoxid-Abbauprodukte, die eisenreduzierende Gesamtabwehrkraft FRAP, die Superoxiddismutase und die gemessene Gesamtabwehrkraft ergab sich über die Gruppen keine belegte Wechselwirkung (jeweils p größer 0,05) [17]. In der nachgeschalteten Paarprüfung lag FRAP unter Quercetin signifikant niedriger als unter Placebo, um 39,96 Mikromol pro Liter bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 69,66 bis minus 10,25, in einem zweiten Vergleich um 33,30 Mikromol pro Liter bei minus 61,48 bis minus 5,12 [17]. Bemerkenswert ist, dass dieselbe Arbeit diesen Befund an zwei Stellen gegenläufig deutet, im Abstract und im Ergebnisteil als niedrigere Werte unter Quercetin, in der Diskussion dagegen als Erhalt der Werte unter Quercetin bei einem Abfall unter Placebo [17]. Die Studie erhielt keine externe Förderung, die Autoren erklären keinen Interessenkonflikt [17]. In einer Höhenstudie an 110 gesunden Männern sanken dagegen unter 500 mg Quercetin täglich das Lipidabbauprodukt Malondialdehyd (p kleiner 0,001) und der Glutathionspiegel im Blutplasma blieb erhalten, jeweils gegenüber Placebo [18]. Gemessen wurden in beiden Arbeiten ausschließlich Blutmarker, kein tatsächlicher Zellschaden und kein spürbarer Endpunkt.
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17
Anpassung an große Höhe, gemessen an Sauerstoffsättigung und Beschwerdescore
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Studie an 110 Männern fand beim Aufstieg auf 3750 Meter eine höhere Sauerstoffsättigung und weniger Beschwerden als unter Placebo. Bisher die einzige Arbeit dazu.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-II-Studie stiegen 110 gesunde Männer aus dem Flachland im Alter von 20 bis 40 Jahren (im Mittel 26,86 plus minus 4,1 Jahre) von 440 m auf 3048 m, verbrachten dort sechs Tage und stiegen dann auf 3750 m weiter [18]. Sie aßen 15 Tage lang täglich einen Riegel mit 500 mg Quercetin (55 Personen) oder einen in Aussehen, Geschmack und Geruch gleichen Riegel ohne Quercetin (55 Personen), beginnend zwei Tage vor dem Aufstieg [18]. Am Ende lag die arterielle Sauerstoffsättigung unter Quercetin signifikant höher, 94,0 plus minus 2,0 gegenüber 90,02 plus minus 1,0 Prozent (p kleiner 0,001), der systolische Blutdruck lag um 8 mmHg und der diastolische um 4 mmHg niedriger (jeweils p kleiner 0,001), und der Anteil der Personen mit auffälligem Lake-Louise-Beschwerdescore betrug 2 Prozent gegenüber 25 Prozent [18]. Endothelin-1 im Plasma lag niedriger (p kleiner 0,001), Körpergewicht, Fettmasse, Fettanteil und Körperwasseranteil unterschieden sich nicht [18]. Die Arbeit nennt für keinen dieser Endpunkte ein Effektmaß mit Konfidenzintervall, ihr Volltext lag uns nicht vor, sie wurde von einem wehrmedizinischen Forschungsinstitut durchgeführt, und die Autoren erklären keinen Interessenkonflikt [18]. Eine gezielte Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "quercetin" "high altitude hypoxia" und "quercetin" "altitude", letztere ohne Beschränkung auf den Publikationstyp, ergab keine zweite kontrollierte Studie am Menschen zu Quercetin und Höhenanpassung, sondern nur eine Zell- und Gewebearbeit zur Sauerstoffarmut sowie Pflanzenarbeiten. Die Aussage ruht damit auf einer einzigen Studie an ausschließlich männlichen Teilnehmern.
Quellen: 18
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18
Energie, Müdigkeit und Schlafqualität, in der einzigen Studie dazu ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In der einzigen Studie dazu änderte sich unter 1 g täglich über sechs Wochen nichts gegenüber Placebo.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie mit wiederholten Messungen nahmen 58 gesunde, mäßig trainierte Männer und Frauen im militärischen Ausbildungsdienst 42 bis 54 Tage lang täglich 1 g Quercetin als Kaustück oder ein Placebo ein [19]. Energie und Müdigkeit wurden mit dem Profile of Mood States-Brief und den Mental and Physical State Energy and Fatigue Scales erhoben, die Schlafqualität mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index, jeweils vor, in der Mitte, am Ende und zwei Wochen nach der Einnahme [19]. Für keine dieser Größen unterschieden sich die Veränderungen zwischen den Gruppen (jeweils p größer 0,05), die Autoren schließen daraus, sechs Wochen Quercetin beeinflussten Energie, Müdigkeit und Schlafqualität in dieser Gruppe nicht [19]. Die Arbeit nennt kein Effektmaß mit Konfidenzintervall, wie groß ein übersehener Unterschied höchstens sein könnte, lässt sich daher nicht beziffern. Eine gezielte Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "quercetin" "sleep" ergab am Menschen keine zweite Studie, die Quercetin allein auf Schlaf, Energie oder Müdigkeit geprüft hat, die übrigen Treffer betreffen Kombinationen mit einem verschreibungspflichtigen Wirkstoff, ein Allergiepräparat oder Pflanzenauszüge mit anderen Leitsubstanzen.
Quellen: 19
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19
Kniebeschwerden und Gehfähigkeit, nur in Kombinationspräparaten untersucht
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei Studien des Herstellers prüften Quercetin nur zusammen mit Glucosamin und Chondroitin, in Mengen weit unter denen der übrigen Studien. Die größere fand über alle Teilnehmenden keinen Unterschied.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie nahmen 40 Erwachsene mit Kniebeschwerden 16 Wochen lang täglich ein Präparat mit 1200 mg Glucosaminhydrochlorid, 60 mg Chondroitinsulfat und 45 mg Quercetin-Glykosiden oder ein Placebo ein [20]. Zwei der vier Beschwerde- und Funktionsskalen der japanischen orthopädischen Kriterien sowie der Summenwert verbesserten sich bis Woche 16 stärker als unter Placebo [20]. In einer zweiten Studie derselben Arbeitsgruppe nahmen 100 Erwachsene (im Mittel 51,8 plus minus 0,8 Jahre) mit Knieschmerzen 16 Wochen lang ein Präparat mit 1200 mg Glucosaminhydrochlorid, 60 mg Chondroitinsulfat, 45 mg Typ-II-Kollagenpeptiden, 90 mg Quercetin-Glykosiden, 10 mg Imidazolpeptiden und 5 Mikrogramm Vitamin D oder ein Placebo ein [21]. Dort gab es in der auswertbaren Gruppe keine Wechselwirkung zwischen Gruppe und Zeit und keinen Unterschied zwischen den Gruppen, beide verbesserten sich gleichermaßen [21]. Die berichteten Vorteile stammen aus nachträglich gebildeten Teilgruppen, nämlich Personen mit mittleren bis starken Beschwerden zu Beginn (Kraft der Kniestrecker in Woche 8, 104,6 plus minus 5,0 gegenüber 92,3 plus minus 5,5 Prozent des Körpergewichts, p gleich 0,030) und Personen mit Kellgren-Lawrence-Grad I (normale Gehgeschwindigkeit in Woche 16, 1,36 plus minus 0,05 gegenüber 1,21 plus minus 0,02 m/s, p kleiner 0,05) [21]. Beide Arbeiten stammen von Autoren, die laut Angabe im Kopf der Veröffentlichungen bei Suntory angestellt sind, dem Hersteller der geprüften Präparate [20][21]. Die enthaltenen 45 bis 90 mg Quercetin-Glykoside liegen weit unter den 500 bis 1000 mg der übrigen in diesem Eintrag zitierten Studien. Ein Befund für Quercetin allein folgt daraus nicht.
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Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine 40-Wochen-Studie des Herstellers berichtet eine schnellere Reaktionszeit, nennt aber keinen Gruppenunterschied. Bei der Hirndurchblutung gab es keinen.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Parallelgruppenstudie tranken 80 gesunde Männer und Frauen im Alter von 60 bis 75 Jahren ohne kognitive Einschränkung 40 Wochen lang täglich 500 ml eines Getränks mit 110 mg Quercetin-Glykosid als Isoquercitrin oder ein Placebo [22]. Die Arbeit berichtet, die Reaktionszeit im Testsystem Cognitrax habe sich in der Quercetin-Gruppe signifikant verbessert, sagt in ihrem Abstract aber nicht, ob damit ein Vergleich mit der Placebogruppe oder mit dem eigenen Ausgangswert gemeint ist, und nennt weder Effektmaß noch Konfidenzintervall [22]. Für die Hirndurchblutung schreibt dieselbe Arbeit ausdrücklich, es habe keine belegten Unterschiede zwischen den Gruppen gegeben, und deutet die Zahlen trotzdem als mögliche Abschwächung des altersbedingten Rückgangs [22]. Alle Autoren sind laut Angabe im Kopf der Veröffentlichung beim Suntory Global Innovation Center angestellt, dem Hersteller des geprüften Getränks, und der Volltext lag uns nicht vor [22]. In der Cross-over-Studie mit einmaliger Gabe von enzymmodifiziertem Isoquercitrin veränderte sich die kognitive Leistung gegenüber Placebo nicht [8]. Der einzige positive Hinweis stammt damit aus einer Herstellerstudie, deren Vergleichsarm aus dem verfügbaren Text nicht hervorgeht.
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Gerinnungswerte im Blut unter Isoquercetin, einer besser aufgenommenen Zuckerverbindung des Quercetins
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die Studie ohne Vergleichsgruppe berichtet eine Reduktion um 21,9 Prozent bei einem Gerinnungswert. Die einzige Studie mit Placebogruppe verfehlte ihren Hauptendpunkt.
Ausführlicher Nachweis
In einer mehrzentrigen Phase-II-Studie mit aufeinanderfolgenden Dosisgruppen und ohne Placebogruppe nahmen 28 Erwachsene 500 mg und 29 Erwachsene 1000 mg Isoquercetin täglich über 56 Tage ein, alle unter laufender Krebstherapie und mit erhöhtem Thromboserisiko [23]. Unter 1000 mg zeigte sich beim D-Dimer eine Reduktion um im Mittel 21,9 Prozent gegenüber dem eigenen Ausgangswert (p gleich 0,0002), bei der blutplättchenabhängigen Thrombinbildung um 31,1 Prozent in der niedrigen und 57,2 Prozent in der hohen Dosisgruppe und beim löslichen P-Selektin um 57,9 Prozent unter 1000 mg [23]. Sämtliche Zahlen sind Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb der Gruppen, ein Vergleich mit Placebo existiert in dieser Arbeit nicht. Die Studie wurde von Quercegen Pharmaceuticals, dem Lieferanten des geprüften Materials, und von den National Institutes of Health unterstützt [23]. Der Volltext nennt außerdem, dass jede 250-mg-Kapsel zusätzlich 62 mg Ascorbinsäure und 5 mg Niacin als Oxidationsschutz enthielt, geprüft wurde also auch hier kein reiner Einzelstoff [23]. In der einzigen randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Arbeit zu demselben Stoff erhielten 46 Erwachsene mit Sichelzellkrankheit im stabilen Zustand Isoquercetin (23 Personen) oder Placebo (23 Personen) [24]. Der vorab festgelegte Hauptendpunkt, die Veränderung des löslichen P-Selektins, unterschied sich nicht zwischen den Gruppen, 0,10 plus minus 6,53 gegenüber 0,74 plus minus 4,54 (p gleich 0,64) [24]. Gerinnung im Vollblut (p gleich 0,03) und kollageninduzierte Plättchenaggregation (p gleich 0,03) sanken gegenüber dem eigenen Ausgangswert, nicht im Gruppenvergleich [24]. Die Autoren erklären keine konkurrierenden finanziellen Interessen [24]. Damit verfehlt die einzige Arbeit mit Vergleichsgruppe ihren Hauptendpunkt, während die viel zitierten Prozentzahlen aus der Arbeit ohne Vergleichsgruppe stammen. Beide Studien prüften Isoquercetin und nicht Quercetin-Aglykon.
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Hautbild, Wundheilung und Pigmentierung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Die vorliegende Zusammenfassung von 65 Arbeiten wertet Zell- und Tierversuche aus. Eine Studie am Menschen mit eingenommenem Quercetin haben wir nicht gefunden.
Ausführlicher Nachweis
Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse von 2025 fasste 65 Arbeiten zu Quercetin und Haut zusammen [25]. Ausgewertet wurden ausschließlich Größen aus Zell- und Tierversuchen, darunter Malondialdehyd, reaktive Sauerstoffspezies und Lipidperoxidation, die Enzyme Glutathion, Katalase und Superoxiddismutase, die Zahl entzündlicher Zellen, die Verteilung von Bindegewebszellen, die Neubildung von Deckgewebe, die Kollagenbildung, die Gefäßdichte und der Gefäßwachstumsfaktor VEGF, die Tyrosinase-Aktivität, der Melaningehalt, DNA-Schäden und die Überlebensrate von Melanomzellen, jeweils als Z-Wert [25]. Eine Studie am Menschen, in der Quercetin eingenommen und ein sichtbares Hautmerkmal gemessen wurde, nennt die Arbeit in ihrem Abstract nicht. Eine gezielte eigene Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "quercetin" "skin" und "quercetin" "skin wrinkles elasticity" ergab am Menschen ebenfalls keine solche Arbeit, sondern nur eine Untersuchung einer äußerlich aufgetragenen Creme mit Rutin, einer Zuckerverbindung des Quercetins, und eine Untersuchung eines äußerlich aufgetragenen Gels mit Zwiebelextrakt. Beides ist eine andere Anwendungsform und ein anderer Stoff.
Quellen: 25
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Beseitigung gealterter Zellen im Körper
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Die Grundlage sind Zellkulturen und Mäuse. Die beiden Studien am Menschen prüften Verträglichkeit, und zwar nur in Kombination mit einem verschreibungspflichtigen Krebsmedikament.
Ausführlicher Nachweis
In der Arbeit, die den Begriff der senolytischen Wirkstoffe geprägt hat, tötete Quercetin in Zellkultur gezielt gealterte menschliche Gefäßinnenzellen und mesenchymale Stromazellen aus Mäuseknochenmark, während der Krebswirkstoff Dasatinib eher gealterte menschliche Fettzellvorläufer traf, und die Kombination beider Stoffe beseitigte gealterte Mausfibroblasten [26]. Im lebenden Tier senkte die Kombination die Zahl gealterter Zellen bei alten, bestrahlten und vorzeitig gealterten Mäusen [26]. Am Menschen liegen dazu zwei kleine Studien vor, und beide prüften nicht die Wirkung, sondern die Verträglichkeit derselben Kombination. In einer randomisierten, einfach verblindeten, plazebokontrollierten Pilotstudie erhielten 12 Personen über 50 Jahren mit idiopathischer Lungenfibrose drei Wochen lang an drei aufeinanderfolgenden Tagen je Woche 100 mg Dasatinib und 1250 mg Quercetin täglich oder ein Placebo [27]. Erklärtes Hauptziel war die Erfassung unerwünschter Wirkungen und die Machbarkeit, nicht die Wirksamkeit, und die Arbeit war für die Funktionsmessungen ausdrücklich zu klein [27]. Schlafstörungen und Ängstlichkeit traten bei 4 von 6 Personen im Wirkstoffarm und bei 0 von 6 unter Placebo auf [27]. Zwei der Autoren halten laut ihrer Interessenerklärung Patente und Patentanmeldungen zu senolytischen Wirkstoffen, gehalten von der Mayo Clinic [27]. Eine Studie, die Quercetin allein auf gealterte Zellen im Menschen prüft, liegt uns nicht vor.
Studien im Detail
Blutdruck und Gefäße
Arabi und Kollegen fassten 2023 fünf Meta-Analysen zusammen, die zusammen 18 randomisierte Studien auswerten, und ergänzten sie um fünf weitere Studien, die in keiner dieser Meta-Analysen enthalten waren. Unter Quercetin lag der systolische Blutdruck um 1,9 mmHg niedriger als unter Placebo, bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 3,2 bis minus 0,6 mmHg und einer Streuung zwischen den Studien von I-Quadrat gleich 88,3 Prozent [1]. Der Insulinspiegel lag ebenfalls niedriger, minus 1,07 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 1,9 bis minus 0,1 [1]. Für diastolischen Blutdruck, Blutfette, Entzündungswerte, Körpermaße, Nüchternblutzucker und Insulinresistenz fand die Arbeit keinen Unterschied zu Placebo. Die Sicherheit ihrer Belege stuft sie selbst zwischen sehr niedrig und mittel ein [1].
Serban und Kollegen hatten 2016 sieben randomisierte Studien mit neun Behandlungsarmen und 587 randomisierten Teilnehmenden ausgewertet, 299 unter Quercetin und 288 unter Kontrolle. Die Tagesdosen reichten von 100 bis 1000 mg über 4 bis 10 Wochen [2]. Der systolische Blutdruck lag um 3,04 mmHg niedriger als unter Placebo (95-Prozent-Intervall minus 5,75 bis minus 0,33), der diastolische um 2,63 mmHg (minus 3,26 bis minus 2,01) [2].
Das ist die wichtigste Einzelheit dieser Arbeit, und sie steht nur im Volltext. Beide Befunde hielten der Weglassprobe nicht stand. Ohne eine einzelne der eingeschlossenen Studien blieben minus 1,78 mmHg systolisch (95-Prozent-Intervall minus 4,07 bis plus 0,52) und minus 0,98 mmHg diastolisch (minus 2,44 bis plus 0,49), beides ohne Beleg [2]. Der Trichterdiagramm-Test deutete zusätzlich auf nicht veröffentlichte Arbeiten hin, die Korrektur nach Duval und Tweedie rechnete für den systolischen Wert vier und für den diastolischen drei fehlende Studien hinzu [2]. Fast alle Teilnehmenden hatten normale oder leicht erhöhte Ausgangswerte, nur eine der sieben Studien schloss Menschen mit deutlich erhöhten Werten ein [2].
Bondonno und Kollegen prüften 2020 an 25 Erwachsenen mit mindestens einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine einmalige Gabe von enzymmodifiziertem Isoquercitrin, 2 mg Aglykon-Äquivalent je Kilogramm Körpergewicht, zu einem Standardfrühstück. Die flussvermittelte Erweiterung der Oberarmarterie lag 1,5 Stunden später um 1,80 Prozentpunkte höher als unter Placebo (95-Prozent-Intervall 0,23 bis 3,37), während Blutdruck, Gefäßsteifigkeit und Denkleistung sich nicht unterschieden [8].
Mury und Kollegen gaben 2025 in einer randomisierten, doppelblinden Studie 97 Erwachsenen vor einer geplanten Bypass-Operation am Herzen zweimal täglich 500 mg Quercetin oder Placebo, beginnend zwei Tage vor dem Eingriff. Das C-reaktive Protein als vorab festgelegte Hauptzielgröße verfehlte bei Entlassung die Schwelle (p gleich 0,073). Die Entspannungsfähigkeit eines bei der Operation entnommenen Arterienstücks war unter Quercetin besser (p gleich 0,049), und zwar bei den Männern und nicht bei den Frauen, in deren Teilauswertung nur 15 Personen standen. Neu aufgetretenes Vorhofflimmern nach der Operation gab es bei 2 von 47 Personen unter Quercetin und 9 von 50 unter Placebo (p gleich 0,033) [7].
Einordnung: Die Blutdruckwirkung ist die am besten untersuchte Zuschreibung dieses Stoffs und trotzdem klein und empfindlich. Zwei bis drei mmHg sind ein Wert, den eine einzelne Messung nicht sichtbar macht. Die Übersicht von 2023 und die Meta-Analyse von 2016 sind keine zwei unabhängigen Belege, sondern eine größere und eine kleinere Auswertung desselben Feldes. Die Gefäßbefunde stammen aus je einer einzelnen Studie, einmal mit einer Einmalgabe eines besser aufgenommenen Markenrohstoffs, einmal mit einer zweitägigen Vorbehandlung und einer Messung am entnommenen Gewebe.
Und noch etwas gehört an diese Stelle. An und Kollegen ordneten 2022 in einer Auswertung von 884 randomisierten Studien mit 883.627 Teilnehmenden über 27 Mikronährstoffe Quercetin unter die Stoffe mit mittlerer bis hoher Belegqualität für die Beeinflussung von Risikofaktoren ein [3]. Zahlen zu Sterblichkeit, Herzinfarkt und Schlaganfall nennt dieselbe Arbeit ausschließlich für Omega-3-Fettsäuren, Folsäure, Coenzym Q10 und Beta-Carotin [3]. Quercetin taucht in diesem Teil der Auswertung nicht auf. Alles, was oben steht, sind gemessene Werte und keine gezählten Ereignisse.
Blutfette, Entzündungswerte und Stoffwechsel
Sahebkar wertete 2017 fünf randomisierte Studien mit 442 Teilnehmenden aus und fand keinen Unterschied zu Placebo für LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride, dafür einen grenzwertigen Anstieg des Gesamtcholesterins um 3,13 mg/dl (95-Prozent-Intervall minus 0,01 bis plus 6,27) [4]. Tabrizi und Kollegen fanden 2020 über 16 randomisierte Studien das Gegenteil, nämlich deutlich niedrigeres Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin, bei einer Streuung zwischen den Studien von über 90 Prozent [5]. Die Übersicht von 2023 nennt das Blutfettbild wiederum unter den Größen ohne Unterschied zu Placebo [1].
Dasselbe Bild bei den Entzündungswerten. Tabrizi und Kollegen fanden niedrigeres C-reaktives Protein, aber keinen Unterschied bei Interleukin-6 und TNF-alpha [5]. Bailly und Kollegen fanden 2025 an 33 Frauen nach den Wechseljahren nach 90 Tagen mit 500 mg täglich genau umgekehrt niedrigeres Interleukin-6 und TNF-alpha, während das C-reaktive Protein unverändert blieb [6]. Die Übersicht von 2023 findet zu Entzündungswerten insgesamt keinen Unterschied [1].
Li und Kollegen prüften 2024 an Erwachsenen mit erhöhtem Leberfettanteil in einer Cross-over-Studie 500 mg Quercetin täglich über zwölf Wochen. Von 41 randomisierten Personen wurden 36 ausgewertet. Der mit Magnetresonanztomografie gemessene Leberfettanteil sank von 11,5 auf 9,6 Prozent, unter Placebo um 0,1 Prozentpunkte (bereinigt p gleich 0,028). Gleichzeitig sank das Körpergewicht um 1,5 kg gegenüber 0,2 kg unter Placebo, und die beiden Veränderungen hingen eng zusammen [9].
Shi und Williamson gaben 2016 22 gesunden Männern mit hochnormaler Harnsäure vier Wochen lang täglich 500 mg Quercetin. Die Harnsäure sank um 26,5 Mikromol pro Liter (95-Prozent-Intervall minus 7,6 bis minus 45,5), während Nüchternblutzucker, Harnsäureausscheidung im Urin und Ruheblutdruck unverändert blieben [10].
Einordnung: Für Blutfette und Entzündungswerte gibt es drei Auswertungen mit drei Ergebnissen. Sie widersprechen sich nicht als unabhängige Bestände, sie teilen sich Primärstudien und unterscheiden sich in Einschluss, Bevölkerung und Effektmaß. Wer aus diesem Feld einen Beleg zieht, zieht ihn aus der Auswertung, die ihm passt. Die beiden Einzelbefunde zu Leberfett und Harnsäure sind sauber gemessen, ruhen aber je auf einer kleinen Studie.
Atemwegsinfekte und Immunfunktion
Heinz und Kollegen führten 2010 die mit Abstand größte Studie zu Quercetin durch. 1002 von 1023 randomisierten Personen zwischen 18 und 85 Jahren nahmen zwölf Wochen lang täglich 500 oder 1000 mg Quercetin oder ein Placebo und trugen ihre Beschwerden täglich in einen standardisierten Fragebogen ein [11].
Über alle Teilnehmenden gab es keinen Unterschied. Die Zahl der Krankheitstage lag bei 8,4 unter Placebo gegenüber 8,5 in beiden Quercetin-Gruppen (p gleich 0,982), Schweregrad und Beschwerdescore ebenso wenig [11]. Der viel zitierte Vorteil stammt aus einer nachträglich gebildeten Teilgruppe von 325 Personen ab 40 Jahren, die sich selbst als überdurchschnittlich fit einordneten. Die Autoren nennen diesen Befund im Volltext selbst überraschend, weil ausgerechnet in der vorab erwarteten Hochrisikogruppe nichts zu sehen war [11].
Zwei Einzelheiten stehen ebenfalls nur im Volltext. Erstens war das geprüfte Präparat kein reines Quercetin, sondern ein Kaustück mit zusätzlich 500 oder 1000 mg Vitamin C und 20 oder 40 mg Niacin, gegen ein Placebo ohne alle drei Stoffe. Zweitens wurde die Studie von Coca-Cola und Quercegen Pharma finanziert, und ein Autor sitzt im wissenschaftlichen Beirat von Quercegen Pharma [11].
Somerville und Kollegen fanden 2016 über sechs randomisierte Studien mit 531 Teilnehmenden eine um 33 Prozent niedrigere Infekthäufigkeit (95-Prozent-Intervall 31 bis 36 Prozent) [12]. Diese Arbeit prüft jedoch Flavonoide allgemein. Von ihren 14 eingeschlossenen Studien setzten nur drei Quercetin als Einzelstoff ein, in fünf war Typ oder Menge des Flavonoids gar nicht angegeben, und bei den Immunwerten im Blut fand sie nur belanglose Unterschiede [12].
Pollenallergie
Yamada und Kollegen gaben 2022 66 Erwachsenen mit Pollenbeschwerden vier Wochen lang täglich 200 mg Quercetin als Phytosom oder ein Trägerpräparat. Mehrere Werte eines standardisierten Fragebogens, darunter Augenjucken, Niesen, Nasenlaufen und gestörter Schlaf, waren besser als in der Placebogruppe [13]. Die Arbeit nennt dazu weder ein Effektmaß noch ein Intervall.
Kawai und Kollegen gaben 2009 20 Personen mit Beschwerden durch Zedernpollen acht Wochen lang täglich 100 mg enzymmodifiziertes Isoquercitrin. Die Augenbeschwerden lagen über den gesamten Zeitraum niedriger als unter Placebo, die Nasenbeschwerden verfehlten die Schwelle (p gleich 0,06), und die gemessenen Botenstoffe im Blut wurden nicht gesenkt [14].
Lai und Kollegen fassten 2025 dreizehn randomisierte Studien mit 823 Teilnehmenden zusammen und fanden für saisonale Beschwerden niedrigere Nasenwerte, stufen die Sicherheit ihrer Belege dafür aber selbst als niedrig bis sehr niedrig ein und finden keinen Unterschied in der Lebensqualität [15]. Auch diese Arbeit fasst verschiedene Polyphenole zusammen und nicht Quercetin allein.
Einordnung: Beide Quercetin-Studien prüften besser aufnehmbare Zubereitungen, Phytosom und enzymmodifiziertes Isoquercitrin. Für gewöhnliches Quercetin-Aglykon in derselben Anwendung liegt uns keine kontrollierte Studie vor. Das ist bei einem Stoff, dessen Formen sich in der Aufnahme um ein Vielfaches unterscheiden, kein Nebensatz.
Sport, Energie und große Höhe
Pelletier und Kollegen werteten 2013 sieben Arbeiten mit 288 Teilnehmenden aus. Die Ausdauerleistung lag unter Quercetin um 0,74 Prozent höher (95-Prozent-Intervall 0,10 bis 1,39), die maximale Sauerstoffaufnahme um 1,94 Prozent (0,30 bis 3,59). Der Vorteil zeigte sich nur bei Untrainierten und nicht bei Trainierten, und die Autoren stufen ihn in ihrer eigenen Größenordnungsanalyse für beide Gruppen als belanglos ein [16].
Kurtz und Kollegen gaben 2025 50 trainierten Radsportlern 28 Tage lang zweimal täglich 500 mg Quercetin-Dihydrat, Citrullin, beides oder Placebo. Weder Stickoxid-Abbauprodukte noch die antioxidativen Marker zeigten eine belegte Wechselwirkung über die Gruppen. In der nachgeschalteten Paarprüfung lag die eisenreduzierende Gesamtabwehrkraft FRAP unter Quercetin niedriger als unter Placebo, um 39,96 Mikromol pro Liter (95-Prozent-Intervall minus 69,66 bis minus 10,25) [17]. Bemerkenswert ist, dass dieselbe Arbeit diesen Befund an zwei Stellen gegenläufig deutet, im Abstract als Absenkung durch Quercetin und in der Diskussion als Erhalt der Werte durch Quercetin bei einem Abfall unter Placebo [17].
Bigelman und Kollegen fanden 2011 an 58 mäßig trainierten jungen Erwachsenen nach sechs Wochen mit 1 g Quercetin täglich keinen Unterschied zu Placebo bei Energie, Müdigkeit und Schlafqualität [19].
Sagi und Kollegen ließen 2026 110 gesunde Männer aus dem Flachland von 440 m auf 3048 m und weiter auf 3750 m aufsteigen. 15 Tage lang aßen sie täglich einen Riegel mit 500 mg Quercetin oder einen gleich aussehenden Riegel ohne Quercetin. Am Ende lag die Sauerstoffsättigung unter Quercetin bei 94,0 gegenüber 90,02 Prozent (p kleiner 0,001), der Blutdruck lag niedriger, und der Anteil mit auffälligem Beschwerdescore betrug 2 gegenüber 25 Prozent [18].
Einordnung: Für den Sportbereich ist die Lage klar und wenig schmeichelhaft. Die Meta-Analyse findet einen rechnerisch messbaren, praktisch belanglosen Effekt, und der einzige Marker, der sich in einer neueren Studie gegenüber Placebo belegt verschob, verschob sich in die ungünstige Richtung. Die Höhenstudie steht allein da, hat einen ungewöhnlich großen berichteten Abstand und nennt für keinen ihrer Endpunkte ein Effektmaß mit Intervall.
Denkleistung, Knie und Gerinnung
Nakamura und Kollegen ließen 2022 80 gesunde Menschen zwischen 60 und 75 Jahren 40 Wochen lang täglich ein Getränk mit 110 mg Quercetin-Glykosid trinken. Die Arbeit berichtet eine verbesserte Reaktionszeit in der Quercetin-Gruppe, sagt in ihrem Abstract aber nicht, ob das ein Vergleich mit der Placebogruppe oder mit dem eigenen Ausgangswert ist. Für die Hirndurchblutung schreibt sie ausdrücklich, es habe keine belegten Unterschiede zwischen den Gruppen gegeben, und deutet die Zahlen trotzdem als möglichen Hinweis [22]. Alle Autoren sind beim Hersteller des geprüften Getränks angestellt.
Kanzaki und Kollegen prüften 2012 und 2015 zweimal Kombinationspräparate mit Glucosamin, Chondroitin und 45 beziehungsweise 90 mg Quercetin-Glykosiden bei Kniebeschwerden [20][21]. Die größere der beiden Studien mit 100 Teilnehmenden fand über alle Teilnehmenden keinen Unterschied zwischen den Gruppen, die berichteten Vorteile stammen aus nachträglich gebildeten Teilgruppen [21]. Beide Arbeiten stammen von Autoren, die bei Suntory angestellt sind, dem Hersteller der geprüften Präparate.
Zwicker und Kollegen gaben 2019 57 Erwachsenen unter laufender Krebstherapie mit erhöhtem Thromboserisiko 56 Tage lang 500 oder 1000 mg Isoquercetin, ohne Placebogruppe. Unter der höheren Dosis sank das D-Dimer um im Mittel 21,9 Prozent gegenüber dem eigenen Ausgangswert [23]. Lizarralde-Iragorri und Kollegen prüften 2024 denselben Stoff in der bislang einzigen randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 46 Erwachsenen mit Sichelzellkrankheit und verfehlten den vorab festgelegten Hauptendpunkt, die Veränderung des löslichen P-Selektins, deutlich (p gleich 0,64) [24].
Tier- und Laborstudien
Zur Haut liegen ausschließlich Zell- und Tierdaten vor. Okselni und Kollegen fassten 2025 fünfundsechzig Arbeiten zusammen und berichten günstige Veränderungen bei Oxidationsmarkern, Entzündungszellen, Bindegewebszellen, Kollagenbildung, Gefäßneubildung, Tyrosinase-Aktivität und Melaningehalt, alle als Z-Werte aus Zell- und Tierversuchen [25]. Eine Studie, in der Quercetin eingenommen und ein sichtbares Hautmerkmal gemessen wurde, nennt die Arbeit nicht, und unsere eigene Suche fand ebenfalls keine. Was am Menschen existiert, sind Untersuchungen äußerlich aufgetragener Zubereitungen mit Rutin oder Zwiebelextrakt, also ein anderer Stoff und eine andere Anwendungsform.
Zur Beseitigung gealterter Zellen stammt die Grundlage aus derselben Ecke. Zhu und Kollegen zeigten 2015, dass Quercetin in Zellkultur gezielt gealterte menschliche Gefäßinnenzellen tötet, während der Krebswirkstoff Dasatinib eher gealterte Fettzellvorläufer trifft, und dass die Kombination beider Stoffe bei Mäusen die Zahl gealterter Zellen senkt [26]. Am Menschen liegen dazu zwei kleine Studien vor, und beide prüften die Verträglichkeit dieser Kombination und nicht die Wirkung von Quercetin. In der plazebokontrollierten davon traten Schlafstörungen und Ängstlichkeit bei 4 von 6 Personen im Wirkstoffarm und bei 0 von 6 unter Placebo auf [27].
Diese Befunde begründen keine Wirkungsaussage für Menschen. Sie erklären, woher die verbreiteten Zuschreibungen zu Hautalterung und Zellalterung kommen, und wo die Kette zwischen Reagenzglas und Mensch abreißt.
Abgrenzung, die Formen des Quercetins und ihre Aufnahme
Quercetin ist kein einheitlicher Stoff, sondern eine Familie. In der Pflanze liegt es fast immer als Zuckerverbindung vor, im Handel meist als zuckerfreies Aglykon oder als Quercetin-Dihydrat. Dazwischen liegen Welten.
Liu und Kollegen werteten 2025 einunddreißig Studien am Menschen zur Aufnahme von Quercetin aus [28]. Quercetin-3-O-Oligoglucoside wurden doppelt so gut aufgenommen wie Quercetin-3-O-Glucosid, zehnmal so gut wie Quercetin-3-O-Rutinosid und rund zwanzigmal so gut wie das Aglykon [28]. Ein Einschlusskomplex mit gamma-Cyclodextrin erreichte das 10,8-Fache des Aglykons, eine Lecithin-Phytosom-Zubereitung das 20,1-Fache und eine selbstemulgierende Zubereitung mit Bockshornklee-Galactomannanen und Lecithin das 62-Fache [28]. Fett und Ballaststoffe im gleichzeitig gegessenen Essen verdoppelten die Aufnahme noch einmal [28]. Enzymmodifiziertes Isoquercitrin wird in einer der hier zitierten Studien mit dem 17-Fachen des Aglykons angegeben [8].
Was daraus folgt, gilt für jede Zeile dieses Eintrags. Die Blutdruckdaten stammen überwiegend aus Studien mit freiem Quercetin in Kapselform, die Allergiedaten ausschließlich aus Studien mit Phytosom und enzymmodifiziertem Isoquercitrin, die Gerinnungsdaten ausschließlich aus Studien mit Isoquercetin, die Daten zu Knie und Denkleistung aus Studien mit Quercetin-Glykosiden in kleinen Mengen. Keine der vorliegenden Meta-Analysen wertet getrennt nach Form aus. Eine Studie zu einer Form trägt deshalb keine Aussage für eine andere, und ein Milligramm-Vergleich zwischen zwei Präparaten verschiedener Form sagt wenig.
Ein zweiter Abgrenzungspunkt betrifft Kombinationen. Die größte Studie zu Atemwegsinfekten prüfte Quercetin zusammen mit Vitamin C und Niacin [11], die beiden Kniestudien zusammen mit Glucosamin und Chondroitin [20][21], die Radsportstudie teils zusammen mit Citrullin [17] und die beiden Studien zu gealterten Zellen zusammen mit einem verschreibungspflichtigen Wirkstoff [27]. In all diesen Fällen steht am Ende eine Aussage über das Gemisch und nicht über Quercetin.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Andres und Kollegen fassten 2018 den Sicherheitsstand für isoliertes Quercetin zusammen [29]. In den zahlreichen veröffentlichten Studien am Menschen wurden unerwünschte Wirkungen selten berichtet und waren mild. Für die dauerhafte Einnahme hoher Mengen ab 1000 mg täglich über mehr als zwölf Wochen liegen der Arbeit zufolge keine ausreichenden Daten vor [29].
Aus Tierversuchen benennt dieselbe Arbeit zwei Punkte, die sie als mögliche kritische Aspekte einordnet. Quercetin könne schädigende Wirkungen auf eine bereits vorgeschädigte Niere verstärken, und es könne im Tiermodell das Wachstum östrogenabhängiger Tumoren fördern [29]. Beides stammt aus dem Tierversuch und begründet keine Aussage über den Menschen, ist aber der Grund, warum bei bestehender Nierenschwäche und bei einer hormonabhängigen Vorgeschichte ärztliche Rücksprache sinnvoll ist.
Der praktisch wichtigste Punkt sind Wechselwirkungen mit Medikamenten. Andres und Kollegen berichten aus Tier- und Humanstudien, dass Quercetin die Verfügbarkeit bestimmter Arzneistoffe im Körper verändert [29]. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte eine ergänzende Quercetin-Einnahme deshalb ärztlich abstimmen.
Zur Blutgerinnung gibt es einen konkreten Anlass zur Vorsicht, und er stammt nicht aus dem Labor, sondern aus zwei klinischen Studien. Isoquercetin, eine Zuckerverbindung des Quercetins, veränderte in Mengen von 500 bis 1000 mg täglich Gerinnungswerte messbar, darunter D-Dimer, Thrombinbildung und Plättchenaggregation [23][24]. Schwere Blutungen traten in beiden Arbeiten nicht auf. Bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente und im zeitlichen Umfeld von Operationen ist wegen dieser Befunde trotzdem ärztliche Rücksprache angebracht.
In der Studie zu gealterten Zellen traten Schlafstörungen und Ängstlichkeit deutlich häufiger im Wirkstoffarm auf als unter Placebo, dort allerdings in Kombination mit einem verschreibungspflichtigen Krebswirkstoff und in einer Menge von 1250 mg an drei Tagen je Woche [27].
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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Übersicht über fünf Meta-Analysen mit 18 randomisierten Studien plus 5 weiteren Studien, GRADE-Bewertung · 2023
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Effect of a dietary supplement containing glucosamine hydrochloride, chondroitin sulfate and quercetin glycosides on symptomatic knee osteoarthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled study
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Systematische Übersicht und Meta-Analyse über 65 Zell- und Tierstudien · 2025
Quercetin as a therapeutic agent for skin problems: a systematic review and meta-analysis on antioxidant effects, oxidative stress, inflammation, wound healing, hyperpigmentation, aging, and skin cancer
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Senolytics dasatinib and quercetin in idiopathic pulmonary fibrosis: results of a phase I, single-blind, single-center, randomized, placebo-controlled pilot trial on feasibility and tolerability
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